Zugegeben: Wir haben ordentlich aufgerüstet im Winter, Pheromonfallen und Präparate kursieren reichlich, Flugzeit- und Bestimmungstabellen waren da, dazu einige Lebensräume und einzelne Brutbäume schon unter verschärfter Beobachtung.
Aber trotzdem: in der letzten Maiwoche haben wir eine wahre Flut von Nachweisen getätigt, viele mit überraschend frühen phänologischen Daten. Hier mal eine kleine Maibilanz
Sesia bembeciformis: zwei Salweiden mit Fraßlöchern und starkem Bohrmehlauswurf am Stammfuß in Haan Grube 10 stehen unter verschärfter Beobachtung.
Paranthrene tabaniformis: maximal 18 Stück in einer Falle am 29/30. Mai in Langenfeld, Klingenberger Baggersee.
Synanthedon scoliaeformis Sichere Nachweise mit Fotobelegen in Wuppertal und Duisburg-Großenbaum! Sensationell nach 148 Jahren mal wieder Nachweise!
S. spheciformis in jeweils zwei Exemplaren am 24. und 29. Mai (am tipuliformis Pheromon) in Wuppertal-Langerfeld am Ehrenberg
S. formicaeformis maximal 11 Tiere in einer Falle in Erkrath-Tongrube Majefski (30. Mai), auch in Langenfekd und Leverkusen
myopaeformis an verschiedenen Stellen Leverkusen, Langenfeld, Haan, Erkrath, maximal 8 an einem Tag in Langenfeld (Klingenberger Baggersee), auch an Pheromon Culiciformis
tipuliformis ebenfalls an verschiedenen Stellen in Leverkusen-Opladen (Garten Laußmann), Erkrath, Haan, und Heiligenhaus (Garten D. Borbe),
vespiformis schon am 19. Mai in Duisburg, mittlerweile an verschiedenen Stellen im Gebiet, maximal 12 am 29.5. in Erkrath-Bruchhausen unter einer Eiche an der NaBu-Scheune
Bembecia ichneumoniformis 2 Ex. schon am 30 Mai in Erkrath-Tongrube Majefski (an vespiformis-Pheromon)
![Bembecia ichneumoniformis ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) - Hornklee-Glasflügler, Erkrath, Tongrube Majefski, 30. Mai 2012 (Foto: Armin Dahl) Bembecia ichneumoniformis ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) - Hornklee-Glasflügler, Erkrath, Tongrube Majefski, 30. Mai 2012 (Foto: Armin Dahl)](https://heidelandschaft.files.wordpress.com/2012/05/2012-05-31_3091.jpg?w=300&h=225)
Bembecia ichneumoniformis ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) – Hornklee-Glasflügler, Erkrath, Tongrube Majefski, 30. Mai 2012 (Foto: Armin Dahl)
Nächste Woche wird es wieder warm, dann gehe ich auf die Pirsch nach tenthrediniformis und empiformis, im Himmelgeister Rheinbogen. Dort gibt es schöne Bestände der beiden Wolfsmilch-Arten (Euphorbia esula und cyparissias) an denen die fliegen- hoffentlich!

Nachdem mir letzte Woche ein scoliaeformis Männchen davongeflogen war bevor ich es für die Ewigkeit festhalten konnte kamen gestern, am 30. Mai, nochmals drei Falter an das Wageningen scoliaeformis Pheromon.
Tags zuvor besuchten am gleichen Fundort wie schon letzte Woche zwei speciformis Falter den tipuliformis Lockstoff.
Der Biotop ist ein lichter, mindestens 30 Jahre alter Birkenwald mit vereinzelten Eichen dazwischen.

Synanthedon scoliaeformis (BORKHAUSEN, 1789) – Großer Birken-Glasflügler. Duisburg, 27. Mai 2012 (Foto: Willi Wiewel)
Der letzte Nachweis von Synanthedon scoliaeformis (BORKHAUSEN, 1789) – Großer Birken-Glasflügler liegt knappe 150 Jahre zurück, damals fand WEYMER “eine ausgeflogene Puoppe unter Birkenrinde auf dem Nützenberg”. Genaugenommen hat also noch nie jemand in unserem Gebiet ein lebendes Tier gesehen. Aber jetzt dann!
Vorgestern war es fast soweit, im letzten Moment entwischte einer aus der Falle des Kollegen Radtke, der nur einen flüchtigen Blick auf das Tier werfen konnte und also einen klassischen Beweis schuldig blieb.
Gestern dann wars endlich soweit: Willi Wiewel, der schon im Winter die Birken in seiner Umgebung ausbaldowert hatte, meldet: “heute habe ich die Falle in Duisburg-Großenbaum aufgehängt mit Pheromon Scoliaeformis. Als ich um 14:00 Uhr zur Kontrolle kam, befanden sich 3 Exemplare in der Falle”.

Alabonia geoffrella (LINNAEUS, 1767) Oecophoridae – Faulholzmotten: Eller Forst, 26. Mai 2012 (Foto: Armin Dahl)
Eigentlich wollte ich mich ja nur mit den “Großen” Lepidopteren beschäftigen, aber gestern ist mir beim Lichtfang ein Tier zugeflogen, das nach einer kühlen Übernachtung neben Joghurt und Butterdose einen Fototermin bekam. Unglaublich wie farbenprächtig die Mikros sind, man kommt sich vor wie in den Tropen. Vor allem stellt sich die Frage: Was machen diese kleinen Dinger mit diesen ganzen bunten Mustern? Ich kann mir nicht vorstellen daß diese tollen, artcharakteristischen Färbungsmuster keine Funktion haben. Man kommt aus dem Staunen nicht heraus.

Synanthedon tipuliformis (CLERCK, 1759) – Johannisbeer-Glasflügler Duisburg, 25. Mai 2012 (Foto: Willi Wiewel)
Hier einfach mal als Startbild in die Sesiensaison (was für ein Wort) ein schöner Johannisbeer-Glasflügler, aus einem sehr schönen Stadtgarten mitten in Duisburg, gefangen in einer Pheromonfalle, an Wageningen-Pheromon SYTI.
Ansonsten fliegen schon myopaeformis (Langenfeld), scoliaeformis und speciformis (Wuppertal, A. Radtke).

Aberrante Form der Weißen Tigermotte Spilosoma lubricipeda. Haan, 21. Mai 2012 (Foto: Armin Dahl)
Heute nacht gab es an der Schwarzlichtlampe mal was ungewöhnliches: Jedenfalls habe ich so eine Form von Spilosoma lubricipeda noch nie gesehen.
Das Kartentool von Insectis ist ziemlich mühsam und außerdem hat man nicht alle Bundesländer parat.
Für eine Kartierung braucht man aber zwingend eine saubere Fundortbeschreibung, sonst gibts nachher keinen Fundpunkt auf der Karte. Sauber heisst, einem Meßtischblatt-Viertel der Topografischen Karte 1:25000 oder besser noch einem Meßtischblatt-64tel zugeordnet. Und das geht ganz einfach mit Google-Maps. Und zum Glück gibts den Arbeitskreis heimische Orchideen Baden-Württembergs, die haben eine saubere Schnittstelle programmiert, da kann man sich bedienen.
http://www.orchids.de/haynold/tkq/googlemap.php
einfach auf den Link klicken, und auf der Karte den entsprechenden Ort raussuchen, und schon hat man die 64-tel Meßtischblatt-Quadranten für das eigene Wohnzimmer: TK 4807,221


Die gefürchtete “China-Raupe” (Monheim, 4.8.2011, Foto: Armin Dahl)
Der erste Nachweis von Cydalima perspectalis im Niederbergischen liegt schon 2 1/2 Jahre zurück, im September 2009 hatten wir in Monheim am Baumberger Graben die ersten Falter am Licht.
Jetzt haben die Populationen dort die Kampfstärke erreicht, die auch für den südlichen Oberrrhein schon lange gemeldet wird: aktuell marodiert die China-Raupe in den Kleingärten rund um Monheim.
Cydalima perspectalis tritt auch in Deutschland in mehreren Generationen pro Jahr auf und ist nur schwer zu bekämpfen. Wer glaubt es gäbe eine Möglichkeit das Tier aufzuhalten kann einen Blick auf den aktuellen Stand der Verbreitung werfen.
Am Oberrhein pflanzt schon lange niemand mehr Buchs, und bis die Leute das auch hier begriffen haben, gilt es, das herumsauen mit Gift in den Kleingärten nicht ausufern zu lassen.
Eine kleine Betriebsanleitung zum Umgang mit dem wunderschönen Falter und seinen Entwicklungsstadien findet ihr hier

Der erste für 2012: Coenonympha pamphilus, Klingenberger Baggersee, 11. Mai 2012 (Foto: Armin Dahl)

Eupithecia assimilata, 8.5.2012, Foto: A. Dahl
Eines von diesen kleinen Biestern aus der Gattung Eupithecia, welches man noch halbwegs sicher ansprechen kann, kam heute nacht ans Licht: Eupithecia assimilata ist als frischer Falter schön rehbraun und hat einen speckigen Glanz, einen langezogenen, großen Flügelpunkt und abgerundete Flügelspitzen. Die Art lebt an Hopfen, der in meinem Garten reichlich wächst, ist auch gar nicht so selten, vor allem in den tieferen Lagen. Verwechseln kann man sie mit E. absinthiata, aber die fliegt erst im Hochsommer.

Nomophila noctuella, D-NRW Haan 4. Mai 2012 (Foto: Armin Dahl)
Der Föhnsturm letzte Woche mit dem Einbruch von Warmluft aus dem Mittelmeerraum hat offenbar auch einige Falter mitgebracht: DerWanderzünsler Nomophila noctuella ist in diesem Jahr schon weit nach Nordwesten vorangekommen, aktuelle Meldungen stammen schon vom 30. April aus Luxemburg,
Vorgestern wurde einer bei Helmut Kinkler in Leverkusen gemeldet, und gerade saß einer bei mir an der Haustür (D-NRW Nähe Düsseldorf)
Unfassbar was die Evolution so alles hervorbringt: gegen die Sensoren der einheimischen Miniersackmotten (Incurvariidae) muss die Spürnase eines Hundes ein relativ stumpfes Instrument sein. Incurvaria masculella hat gerade mal 12-15 mm Flügelspannweite, das bedrohlich aussehende Gerät auf dem Kopf des Männchens würde auch einem Rothirsch alle Ehre machen.
Das ist wohl der gerechte Ausgleich für das traurige Dasein der Miniersackmotten-Raupe, die den Großteil ihres Lebens in einem selbst gesponnenen Sack in der Streuschicht verbringen, wo sie welkes Laub fressen. Nur das erste Stadium miniert, d.h. die L1-Raupe lebt im Innern eines Blattes, englische Mottenseiten behaupten: Vor allem in Weißdorn-Blättern.

Cilix glaucata ist durch die ausgeprägte Vogelkotmimese kaum als Falter zu erkennen. Langenfeld, Altabgrabung Klingenberger, 30. April 2012 (Foto: A. Dahl)
Die Außenbedingungen waren fast perfekt in der Nacht zum 1. Mai, subtropische Temperaturen (19°C um 00.30 Uhr), leider mit hellem Halbmond und reichlich Wind. Und so flogen nur knappe 30 Makro-Arten an, und fast alle nur in Einzelexemplaren.
Held des Abends und mal wieder eine Woche früher als in den alten Literaturdaten war Cilix glaucata (SCOPOLI, 1763), das Silberspinnerchen, davon gab es in den letzten 40 Jahren soweit bis jetzt bekannt keine Nachweise in der Region.
Alte Cilix glaucata – Meldungen gibt es etliche, und zwar sowohl in der Ebene (Düsseldorf, Sg.-Ohligs, Leverkusen) als auch im Bergischen Land (Wuppertal, Nümbrecht).
Die Biotopangabe von KINKLER et al. (1974: 66) ist insgesamt der Garant für Falterreichtum: “… an warmen, geschützten, mit Schlehen bestandenen Stellen”. Davon können wir gar nicht genug bekommen!
Literatur:
KINKLER, H., W. SCHMITZ, F. NIPPEL & G. SWOBODA (1974): Die Schmetterlinge des Bergischen Landes, II. Teil: Spinner, Schwärmer etc. unter Einbeziehung der Sammlungen des FUHLROTT-Museums in Wuppertal. – Jber. naturwiss. Ver. Wuppertal, 27: 38-80, Wuppertal.
Und noch die Artenliste vom Lichtfang:
Mikros
Aphomia sociella 1
Pyrausta purpuralis 1
Spinner
Thyatira batis 1
Watsonalla cultraria 1
Cilix glaucata 1
Drymonia ruficornis 1
Pheosia tremula 1
Pheosia gnoma 1
Pterostoma palpina 2
Eilema sororcula 1
Phragmatobia fuliginosa 1
Spanner
Ligdia adustata 1
Stegania trimaculata 1
Macaria alternata 2
Opisthograptis luteolata 3
Cabera pusaria 2
Cabera exanthemata 4
Xanthorhoe biriviata 1
Xanthorhoe ferrugata 1
Epirrhoe alternata 2
Lampropteryx suffumata 1
Ecliptopera silaceata 1
Ecliptopera capitata 1
Eupithecia vulgata 1
Eupithecia abbreviata 2
Eupithecia tantillaria 1
Lobophora halterata 2
Eulen
Orthosia cerasi 2
Ochropleura plecta 2
Agrotis puta 1
Colocasia coryli 1

Epichnopterix plumella - Wiesen-Sackträger. Wahner Heide, 28.4.2012 (Foto: Armin Dahl)

Artenreiche Kunstlandschaft: Die Einflugschneise des Flughafens Köln, im Untergrund fährt hier der ICE zum Terminal.
Gestern ergab sich mal die Gelegenheit einen Abstecher in die Wahner Heide zu machen, und von dort kommt man meistens begeistert zurück: Ausgedehnte, zusammenhängende Heideflächen, mager und mit Rohbodenstellen, Lichtwald, Blütenreichtum und – jede Menge Falter. Die von Tim Laußmann und Klaus Hanisch perfekt vorbereitete Exkursion in den Südteil der Bergischen Heideterrasse hatte zwar eigentlich das Kleine Nachtpfauenauge zum Ziel, und davon gab es auch reichlich Anflug an gezüchtete Weibchen und Pheromone.
Größere Flugobjekte waren ebenfalls reichlich vorhanden: Die Exkursionsfläche, der sogenannte “Paradeplatz” auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Köln-Porz liegt direkt in der Einflugschneise des Kölner Flughafens.
Bei drückend warmen 29° C am Nachmittag gab es aber auch bei den ganz kleinen Dingern mal was Besonderes zu sehen: Sackträger, die kleinsten unter den Großschmetterlingen, und das gleich mehrfach. Nach einer Nacht im Kühlschrank war einer der kleinen Kerle dann auch bereit zum Fotoshooting, und unter 25 Bildern war dann auch ein halbwegs brauchbares dabei.

Cerastis rubricosa ♀, Ennepetal-Bilstein, 27.4.2012
Matschige Waldwege in unbekanntem Gelände sind nicht so mein Ding, seit wir mal das Auto bei einem Lichtfang in Hilden ausgraben durften. Insofern war der Start war nicht optimal, nach ein paar Suchrunden hatten wir uns dann aber doch alle gefunden, rund um den Bilstein in Ennepetal.
Nach zwei Stunden kam der große Regen, und die Artenliste war auch nicht so lang wie erhofft. Aber immerhin: Cerastis rubricosa sieht man hier nicht alle Tage, und Orthosia gracilis auch nicht.
Die Liste:
Eriocrania subpurpurella (Haworth, 1828) 6
Falcaria lacertinaria (Linnaeus, 1758) 1
Selenia dentaria (Fabricius, 1775) 2
Selenia tetralunaria (Hufnagel, 1767) 1
Xanthorhoe biriviata (Borkhausen, 1794) 1
Lampropteryx suffumata (Denis & Schiffermüller, 1775) 15
Eupithecia abbreviata Stephens, 1831 2
Eupithecia lanceata (Hübner, 1825) 2
Eupithecia tantillaria Boisduval, 1840 2
Notodonta ziczac (Linnaeus, 1758) 1
Drymonia ruficornis (Hufnagel, 1766) 8
Pheosia gnoma (Fabricius, 1776) 3
Stauropus fagi (Linnaeus, 1758) 1
Conistra vaccinii (Linnaeus, 1761) 6
Orthosia incerta (Hufnagel, 1766) 1
Orthosia gothica (Linnaeus, 1758) 2
Orthosia cruda (Denis & Schiffermüller, 1775) 4
Orthosia cerasi (Fabricius, 1775) 2
Orthosia gracilis (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
Cerastis rubricosa (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
Colocasia coryli (Linnaeus, 1758) 2