Pseudowissenschaft an der Eiche   1 comment

Im neuen Heft des LANUV „Natur in NRW“ ist ein Artikel drin, der jetzt auch online steht: Die Regeneration der Eiche nach wiederholten Fraßschäden. Ein herrliches Beispiel für „wissenschaftlichen“ Unfug.

Bei dem ganzen Forstchinesisch schwirrt einem schnell der Kopf, und die Diagramme sind große Kunst, zum Beispiel das Balkendiagramm: Mehltaubefall in 10 Intensitätsstufen aufgetragen gegen Kronenzustand im Sommer in % vom Zustand im Frühjahr. Legende: Mittlere Kronenverlichtung im Sommer 2010 in Prozent der Kronenverlichtung vom Frühjahr 2010. 216 Eichen mit Fraßprozenten von 80 bis 100. Das ist schwer verdauliche Kost, wer das verstanden hat kanns mir bei Gelegenheit erklären.

Schon fast lustig sind Sätze wie: „Der Austriebszeitpunkt des einzelnen Baumes spielt eine wichtige Rolle.„.[bei den Fraßschäden] Na wer hätte das gedacht! Dass es sich bei der „Eichenfraßgesellschaft“ um eine ganze Anzahl verschiedener Tierarten handelt (Großer und Kleiner Frostspanner, Eichenwickler und etliche andere), die nicht im Traum daran denken, gleiche Populationszyklen zu haben, ist dem Forstmann vielleicht bekannt, findet aber leider keine Erwähnung. Überhaupt fehlt im gesamten Artikel das Wort „Schmetterling“,
Ebenso schade, dass der spannendste Teil der Beobachtungsflächen, nämlich die Naturwaldzellen, nur zwischen 2000 und 2006 untersucht wurden. Man könnte jetzt natürlich spekulieren dass nach dem Wahlsieg der CDU eventuell der bekannte Umweltaktivist Eckhard Uhlenberg den Geldhahn zugedreht hatte.

Ein Literaturverzeichnis ist leider nicht vorhanden, und so kann der Autor frei über ein „landesweites Fraßereignis…..dessen Höhepunkt vermutlich erst im nächsten Jahr bevorsteht“ spekulieren. Ärgerlich wirds dann in der so genannten Zusammenfassung, in der leider nichts zusammengefasst wird. Da wird frei gefaselt über den angeblich kommenden Befall durch Prachtkäfer, das ganze Werk endet mit dem Satz: „Es empfiehlt sich allgemein, den Eichenbeständen in den kommenden Jahren erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken.„.

Spätestens jetzt befindet sich das Werk im steilen Anflug in Richtung Papierkorb. Was das mit Monitoring, Effizienzkontrolle in Naturschutz und Landschaftspflege zu tun hat, kann uns die gleichnamige Abteilung am Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) vielleicht bei Gelegenheit erläutern.

Veröffentlicht 21. Januar 2011 von Armin Dahl in Ökologie, Literatur

Eine Antwort zu “Pseudowissenschaft an der Eiche

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  1. Ja, der Artikel ist wirklich schwer verständlich. Schön ist auch:

    Abb. 14: Mittlere Kronenverlichtung 2008 bis 2010 in Abhängigkeit vom Fraß 2010.

    Abb. 15: Regenerationsverhalten der Eichen nach mehrfachem Fraß. Fraßsumme 2009 und 2010 und mittlere Kronenverlichtung im Sommer 2008, 2009 und 2010 sowie im Frühjahr 2010.

    Normalerweise sollten Grafiken und Diagramme ja durch die Beschriftung, die Legende und den Titel unmittelbar verständlich werden. Das sehe ich hier nicht. Schade.

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