Neue Rote Liste Wirbellose Deutschlands – Artensterben geht ungebremst weiter   Leave a comment

Das Artensterben geht ungebremst weiter, wenn man die Zahlen aus der neuesten Veröffentlichung des Bundesamts für Naturschutz unter die Lupe nimmt. Im neuen Band 3 der Roten Liste werden die Vertreter aller Gruppen der Großschmetterlinge (1.451 Taxa, davon 1.405 bewertet) sowie die Zünslerfalter aus der Gruppe der Kleinschmetterlinge mit insgesamt 255 Taxa von ca. 2.300 Kleinschmetterlingsarten in Deutschland hinsichtlich ihrer Gefährdungssituation analysiert. Nur die Hälfte der in Deutschland untersuchten 1.660 Schmetterlingsarten (815 Arten) wird als ungefährdet eingestuft.

141 Taxa (= 8,5%) stehen auf der Vorwarnliste und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit, da bei ihnen die Gefahr be-steht, dass sie künftig in eine Gefährdungskategorie gelangen. Von den bestandsgefährdeten Tagfaltern (72 Arten = 39%) stehen insgesamt 9 Arten auch auf der Roten Liste gefährdeter Tagfalter Europas.

Ein Beispiel für eine europaweit gefährdete Art ist der Gelbringfalter (Lopinga achine) (Rote Liste Deutschland: „Stark gefährdet“ – Kategorie 2; Rote Liste Europa: „Gefährdet“ – vulnerable). Eine wesentliche Ursache dieses auch europaweit beobachteten Rückganges liegt in der Aufgabe traditioneller Bewirtschaftungsformen (Niederwald, Mittelwald). An vielen Fundorten bedroht zudem Sukzession den Lebensraum des Falters, der lichte Stellen im Wald und an dessen Rändern benötigt.

 

Bestandsentwicklungen für wirbellose Tiere bundesweit
langfristiger Trend kurzfristiger Trend
Empidoidea1  622 / 57,1% 295 / 27,1% 0 0 48 / 4,4% 0
Ameisen  65 / 60,2% 34 / 31,5% 6 / 5,6% 99 / 91,7% 3 / 2,8% 3 / 2,8%
Bienen  233 / 41,8% 210 / 37,7% 5 / 0,9% 232 / 41,7% 254 / 45,6% 10 / 1,8%
Raubfliegen  45 / 55,6% 18 / 22,2% 2 / 2,5% 19 / 23,5% 25 / 30,9% 2 / 2,5%
Wespen  226 / 40,4% 286 / 51,2% 0 209 / 37,4% 303 / 54,2% 0
Zünsler 103 / 40,4% 131 / 51,4% 1 / 0,4% 71 / 27,8% 150 / 58,8% 8 / 3,1%
Heuschrecken 41 / 51,9% 31 / 39,2% 1 / 1,3% 18 / 22,8% 47 / 59,5% 8 / 10,1%
Großschmetterlinge 599 / 41,5% 609 / 42,2% 37 / 2,6% 444 / 30,7% 737 / 51,0% 71 / 4,9%
alle Band 3 2409 / 40,8% 2339 / 39,6% 83 / 1,4% 1409 / 23,8% 2371 / 40,1% 151 / 2,6%
Bezugsgrundlage sind alle bewerteten Taxa, ohne Neobiota. Nicht aufgeführt sind Taxa der Kategorie 0 und Taxa mit unbekanntem Trend, daher Prozentsummen ≤100. – 1: Langbein-, Tanz- und Rennraubfliegen.) Quelle: BFN

Abb. 1: Wirbellose Tiere des Rote-Liste-Bandes 3 (ausgewählte Artengruppen und Gesamtbilanz über alle behandel-ten Artengruppen), deren Bestände langfristig zurückgehen (n=2.409) und deren Bestände im Zeitraum des kurzfris-tigen Trends zugenommen haben, gleich geblieben sind, weiterhin abgenommen haben oder deren kurzfristiger Trend unbekannt ist. Bei Auswertungen werden Neobiota vereinbarungsgemäß nicht berücksichtigt.


Trendwende beim Großen Fuchs
Durch den Vergleich der beiden Kriterien „langfristiger Bestandstrend“ (er beschreibt die Entwicklung der letzten 50 bis 150 Jahre bis heute) und „kurzfristiger Bestandstrend“ (die zurückliegenden 10 bis 25 Jahre) lässt sich ablesen, ob sich gegenüber den längerfristigen Entwicklungen kurzfristig Änderungen ergeben haben.

Bei insgesamt 34 Tagfalterarten (18,5% der untersuchten Arten) gehen die Bestände zwar langfristig zurück, im Zeitraum des kurzfristigen Trends haben diese Arten aber entweder gleichbleibend Häufigkeit oder haben sogar zugenommen. Ein Beispiel hierfür ist der Große Fuchs (Nymphalis polychloros). Der Falter lebt in Waldrandbereichen, auf Lichtungen und ist auch in Streuobstwiesen anzutreffen. Aufgrund von deutlichen Bestandsverbesserungen konnte diese Art aus der Roten Liste herausgenommen werden und wird derzeit in der Vorwarnliste geführt.

Ob das allerdings als Erfolg für den Naturschutz gelten kann oder auf Klimawandel oder zyklische Ausbreitungs- und Häufigkeitsschwankungen zurückzuführen ist bleibt mal dahingestellt.

Beispiele für negative Entwicklungen bei Schmetterlinge
Ein gegenüber der langfristig beobachteten Bestandsentwicklung verschärfter kurzfristiger Bestandstrend zeigt sich bei einigen Schmetterlingsarten. Zwei davon sind das Klee-Widderchen Zygaena lonicerae und das Sumpfhornklee-Widderchen Z. trifolii. Beide waren zwar ursprünglich in Deutsch-land weit verbreitet, konnten aber vielerorts aufgrund des Verlustes extensiv bewirtschafteter Halbtrockenrasen und Feuchtwiesen in den letzten Jahren nicht mehr nachgewiesen werden.

Quelle: BFN 2012: Pressehintergrund Rote Liste, Band 3 – Wirbellose Tiere (Teil 1)

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Veröffentlicht 16. August 2012 von spoerkelnbruch in Arten / Listen

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