Lesestoff und Motivationshilfe   Leave a comment

Die sprichwörtlichen „Langen Winterabende“ wollen sich in diesem Winter gar nicht einstellen, aber vielleicht kommt der eine oder andere doch noch zum lesen.
Hier zwei Tipps zum viel diskutierten Thema Klimawandel, aus dem UFZ in Sachsen, das ist die Truppe die auch das Tagfaltermonitoring Deutschland organisiert.

Marten Winter, Martin Musche, Michael Striese, Ingolf Kühn (2013): Monitoring Klimawandel und Biodiversität – Grundlagen [Download; *.pdf, 7,56 MB]
aus der Einleitung: Der Einfluss des Klimawandels auf die Biodiversität wird wahrscheinlich zunehmen. Das zeigen Modellierungen der zukünftigen Verbreitungsgebiete von klimasensitiven Arten und Biotoptypen. In der Broschüre werden die Grundlagen eines Monitoringkonzeptes zur Erfassung und Auswertung der Auswirkungen des Klimawandels auf die natürliche biologische Vielfalt in Sachsen vorgestellt.


Die Studie ist mit 159 Seiten sehr umfangreich und bietet eine Fülle von Literaturzitaten. Höhere Mathematik ist zum Glück für das Verständnis der Arbeit keine vonnöten. Zu den Tagfaltern in Sachsen findet sich darin der bemerkenswerte Satz: Aus Sachsen sind derzeit keine Entwicklungen bekannt, die direkt auf den Klimawandel zurückzuführen sind. Anders bei den Libellen: Zahlreiche Neunachweise überwiegend südlicher Arten, Bestandsrückgang bei sibirischen Faunenelementen. Das alles passt ins Bild und ist dem ähnlich was wir auch im Klimafolgenmonitoring Düsseldorf herausbekommen haben.

Martin Wiemers, Martin Musche, Michael Striese, Ingolf Kühn, Marten Winter, Maik Denner (2013):
Monitoring Klimawandel und Biodiversität – Konzeption. Teil 2: Weiterentwicklung des Monitoringkonzeptes und Auswertung ausgewählter vorhandener Daten [Download; *.pdf, 10,97 MB]

In dieser Arbeit werden Module vorgestellt, welche bestehende Monitoringprogramme für ein umfassendes Klimawandel-Biodiversitätsmonitoring ergänzen bzw. bisher nicht untersuchte Aspekte abdecken können. Für die Auswertung der Daten wurden zwei komplexe Kernindikatoren entwickelt und anhand realer Datensets getestet, der Community Temperature Index (CTI) und der Areal Index (AI). Beide zeigen für die Artengruppen der Tagfalter und Libellen innerhalb Sachsens einen Anstieg, der unterstreicht, dass die Erhöhung der Jahresmitteltemperaturen in den letzten Jahrzehnten bereits zu Veränderungen in diesen Artengemeinschaften geführt hat.

Achtung, höhere Mathematik! Community Temperature Index (CTI) und Species Temperature Indices (STI) sind komplizierte Konstrukte, angeblich ist der CTI robust in Bezug auf Artenauswahl und Datenqualität. Ein Beispiel:

Hierbei sind i und j die Arten mit n als Anzahl der Arten, IZ die Individuenzahlen und STI die Species Temperature Indices.

Berechnung des Community Temperature Index (CTI): Hierbei sind i und j die Arten mit n als Anzahl der Arten, IZ die Individuenzahlen und STI die Species Temperature Indices.

Beachtet werden muss auch, dass die Korrelationen des CTI mit Temperaturwerten von der Generationslänge der Arten abhängig sind. Während Populationen von Arten mit mehreren Generationen pro Jahr (z. B. viele Tagfalter) bereits im selben Jahr auf Temperaturveränderungen reagieren, sind bei Arten mit mehrjährigem Entwicklungszyklus (z. B. viele Libellen) Veränderungen in der Populationsdichte der Adulten erst mit mehrjähriger Verzögerung erkennbar. In diesen Fällen können beispielsweise einseitige gleitende Mittelwerte der Jahresmittel-temperaturen über eine entsprechende Zeitdauer zu besseren Korrelationen führen.“

Alles klar? Dann noch ein Zitat aus der Studie:  „Die Anwendung dieses Indikators erfordert relativ große und möglichst regelmäßige Datenerhebungen mit kurzen (möglichst mindestens jährlichen) Erfassungsintervallen. Optimal geeignet hierfür sind Monitoring-Programme wie das Tagfalter Monitoring Deutschland (TMD), die Populationsentwicklungen gut erfassen.“ Das heißt soviel wie: Wer viel beobachtet und genau aufschreibt und viele Datenlieferanten aus dem ganzen Land hat wird die besten Möglichkeiten haben etwaige Trends zu beschreiben. Ein Schelm, wer das als Arbeitsbeschaffungsprogramm für das UFZ betrachtet.

Aber genug der Häme: Die beiden Arbeiten bieten momentan den einzigen mir bekannten vernünftigen methodischen Ansatz für die saubere Beschreibung der zu erwartenden Klimawandel-Phänomene, haben aber leider für unsere Region nach meinem Dafürhalten vorerst  keinerlei Nutzwert: Im Niederbergischen ist die Qualität, Ausdehnung und Vernetzung der Biotope der ausschlaggebende Faktor für die Tag- und Nachtfalterverbreitung. Und nun genug gejammert! Hier als Motivationshilfe für die Feldsaison 2014 ein Bild aus der direkten Nachbarschaft im Norden von Köln, mit Dank an Gaby Schulemann-Maier.

Lythria cruentaria (HUFNAGEL, 1767) - Ampfer-Purpurspanner.  Köln,  NSG Dellbrücker Heide, 2. August 2013, Tagfund (Freilandfoto: Gaby Schulemann-Maier)

Lythria cruentaria (HUFNAGEL, 1767) – Ampfer-Purpurspanner bei der Eiablage. Köln, NSG Dellbrücker Heide, 2. August 2013, Tagfund (Freilandfoto: Gaby Schulemann-Maier)

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Veröffentlicht 12. Februar 2014 von spoerkelnbruch in Klimawandel, Lebensräume, Spanner

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