Heide in Brand – gut für die Heide   2 comments

Im extrem trockenen Frühjahr 2014 flackern an einigen Stellen in Heidegebieten Feuer auf. Der Schaden ist gering, der Nutzen für die Artenvielfalt enorm. Vor ein paar Jahren war der Großbrand im Hohen Venn in der Eifel ein großes Thema, zuletzt brannte  es im Gildehauser Venn in der Grafschaft Bentheim an der Grenze zu Nedersachsen. Jetzt brennt es sogar im Schmuckstück der niederländischen Entomologen und Kunstliebhaber:  in den letzten Tagen sind etwa 500 Hektar der Hoge Veluwe abgebrannt, rund um das darin gelegene berühmte Kröller-Müller-Museum. Was die meisten für ein schreckliches Unglück halten werden, der Entomologe findet´s prima: Feuer ist seit Jahrhunderten ein bewährtes Mittel zur Verjüngung von Heiden, und der Schaden für die Tierwelt ist viel geringer als der Nutzen, den das oberflächlich brennende Feuer anrichtet. Will man die Heidebestände dauerhaft erhalten, die Landschaft offen halten und eine  Bewaldung verhindern, muss regelmäßig gemäht oder beweidet werden – oder eben gebrannt!

Rohboden- und  Sandflächen entstehen, selten gewordene Spezialhabitate für viele Rote-Liste-Arten. Die Bodenoberfläche erwärmt sich rascher als auf Flächen, die von Vegetation bedeckt sind –  Wärme liebende Tierarten  und Lichtkeimer unter den Pflanzen  proftieren davon. Das Heidekraut treibt nach dem Brand aus dem Wurzelstock wieder aus, die Hitze des Feuers herrscht nur in den wenigen Zentimetern der obersten Bodenschicht.  Außerdem brennt es längts nicht überall gleich heftig: es entsteht in Mosaik von mehr oder weniger geschädigten Flächen, vor allem bei starkem Wind sind oftmals größere Flecken vom Feuer verschont.

Vor allem aber wird das Vordringen des Waldes für ein paar Jahre gebremst, Birken- und Kiefernaufwuchs von den Flammen vernichtet, große Bäume überstehen rasch laufende Feuer dagegen meist ohne größeren Schaden. Und zurück bleibt – die Heide, die schon ein paar Monate später wieder so aussieht wie man sich das vorstellt: Offen, von Sonne und Hitze durchströmt, trocken, und von reichem Insektenleben erfüllt.

Die Natur kehrt zurück; Folgen des Brands im Hohen Venn heilen schnell (3sat, 6.5.2011)

Brand in der Lüneburger Heide 1975 (wikipedia)

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Veröffentlicht 22. April 2014 von spoerkelnbruch in Lebensräume

2 Antworten zu “Heide in Brand – gut für die Heide

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  1. Man wird sehen wie sich die Vegetation im Gildehauser Venn nach dem Brand entwickelt. Ein Besuch kurz nach dem Brand zusammen mit Vertretern der Naturschutzbehörde zeigte zwar nur einen sehr oberflächlichen Brandschaden, bei dem vor allem Pfeifengras und Calluna verbrannt sind. Kiefern haben teilweise intensiveren Schaden genommen, die Birken wurden nur etwas schwarz, trieben aber zum Zeitpunkt der Begehung kurz nach dem Feuer bereits neue Blätter aus. Ein großes Problem der Heidemoore ist das große Aufkommen von Pfeifengras aufgrund Stickstoffeintrag und Entnässung, welches dann die Calluna überwächst. Die anspruchsvolleren an Calluna gebundenden Schmetterlingsarten mögen das überhaupt nicht und verschwinden. Nach Aussage der Naturschutzbehördenmitarbeiter ist die Folge eines Brands leider oft das noch verstärktere Aufkommen von Pfeifengras zu Ungunsten der Calluna. Also, ich bin mir nicht sicher ob das Feuer förderlich war. Bei vergangenen Bränden in Heidegebieten (auch im Gildehauser Venn) sollen ja auch immobile Arten wie der Heide-Bürstenspinner verschwunden sein. Ob das tatsächlich der Grund war, kann man aber sicherlich nicht mit Gewissheit sagen….
    FR

    Frank Rosenbauer

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