Große und kleine Katastrophen   Leave a comment

Meistens ist die Beschäftigung mit Insekten eine tolle Sache, nicht zuletzt weil wir versuchen, so wenige Tiere ins Jenseits oder die Schränke des Museums zu befördern. Aber manchmal geht das auch gründlich schief. Aber da ich finde dass man hier nichts verschweigen und auch nichts beschönigen sollte, und weil zudem außergewöhnliche Beobachtungen darin vorkommen,  hier eine weniger appetitliche Geschichte,  von heute Nachmittag.

Am Pfingstsamstag, vor der großen Hitzewelle,  habe ich am Morgen ein paar Pheromonfallen in den Eller Forst gehängt. Sonntags abends einmal kontrolliert, außer einem Apfelbaumglasflügler auf dem Parkplatz am Unterbacher See war nichts drin.

Montag war es dann brutal heiß ,und am Abend, als ich eigentlich die Fallen kontrollieren wollte, kam Ela. Das Sturmtief „Ela“ hat in Düsseldorf dann in gut einer Stunde eine unglaubliche Verwüstung angerichtet, die Parks in der Stadt sind übel gerupft worden, und in den Wäldern rundherum sieht es aus wie beim Riesen-Mikado.  Die Fallenkontrolle fiel erst einmal aus, nachdem das Gewitter vorbei war habe ich eine gute Stunde mit der Motorsäge gearbeitet bis unser Weg zum Haus wieder frei war. Die Fallenkontrolle fiel aus, ich wäre auch beim besten Willen nicht in den Eller Forst gekommen, die Rothenbergstraße zwischen Hilden und Vennhausen lag voller Bäume,. Dann kam eins zum anderen, irgendwie war keine Zeit für nichts, und so erfolgte die nächste Fallenkontrolle  erst heute. Am Parkplatz wieder nur ein S. myopaeformis,  trotz verschiedener Präparatate.

Aber dann: An der nördlichsten Ecke des Eller Forstes liegt ein Wanderparkplatz, dort hing gut versteckt eine mit Wageningen-Präparat SEAP bestückte Falle, für Sesia apiformis, zu deutsch Hornissenschwärmer. Den größten einheimischen Glasflügler hatte ich übrigens bis heute trotz reichlicher Versuche im Raum Düsseldorf noch nie lebend zu sehen bekommen.  Der Parkplatz war natürlich abgesperrt, überall lagen Bäume quer im Wald. Ein paar Minuten brauchte ich dann um in dem Gewirr aus heruntergestürzten Ästen meine Falle wiederzufinden – schon aus einem Meter Entfernung konnte man allerdings sehen und riechen, dass da was gründlich schief gegangen war: Daumenhoch stand Wasser drin, Fliegen brummten, unerträglicher Gestank.

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gruselig: vollgeregnete Pheromonfalle

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Schlachtfeld: Sesia apiformis ist etwa so groß wie eine Wespenkönigin

Erst einmal den Deckel auf, ein paar Totengräberkäfer schwammen auch noch in der Insektensoße,  – und ich traue meinen Augen nicht:  18! Sesia apiformis-Männer. Natürlich alles hinüber, einige Tiere waren schon in Auflösung begriffen, daher der Gestank.  Also schnell das Wasser auskippen, ein Belegfoto, und dann ab nach Hause, bei geöffnetem Autofenster.

Zuhause dann einen Schuss Spüli in die Falle, und mit frischem Wasser und der Federstahlpinzette die Tiere ausgelesen und einzeln auf ein Küchenkrepp gepackt. Das war wohl der bisherige Tiefpunkt meiner entomologischen Karriere. Man kann sich dann allerhand Ausreden einfallen lassen,  sind ja alles nur Männer, wenn die Pappeln jetzt geräumt werden ist der Schaden viel größer, etc. etc., alles Blödsinn: Bei allem Streben nach Professionalität ist hier was schief gegangen, und zwar gründlich. Und natürlich ist heute Freitag, der 13.

Und dann doch  noch ein kleines Wunder: Nachdem die Tiere auf dem Krepp sortiert und verlesen waren, etwa eine Stunde nach dem Ausleeren des Wassers, wollte ich gerade die noch halbwegs erhaltenen Falter präparieren. Da regt sich bei einem der Männchen das erste Bein, und wenige Minuten später sitzen zwei wieder muntere Hornissenschwärmer auf dem Küchentisch – Ehrensache dass die beiden in die Freiheit entlassen wurden.

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Auferstanden: Sesia apiformis -Männchen zwar verkleckert, aber putzmunter. Freitag, 13 Juni 2014

 

 

 

 

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Veröffentlicht 13. Juni 2014 von spoerkelnbruch in Glasflügler

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