Moselvorbereitung 2015 – Idaea subsericeata / pallidata   1 comment

pallidata_subsericeataBeim durchforsten der Mosel-Daten ist mir ein bedauerlicher Mangel aufgefallen, den wir in den nächsten Jahren unbedingt im Auge behalten müssen: In unseren Daten finden sich zwar reichlich Nachweise der kleinen Spanner-Art Idaea subsericeata, aber weder Bilder noch Belege, jedenfalls nicht bei mir. Und es gibt alte Belege von Idaea pallidata, aus „unserem“  Meßtischblatt 6008 Bernkastel-Kues und auch weiter moselabwärts und im Hunsrück. Und sonst nirgends in RLP und NRW, abgesehen von einem Ausreisser aus (ausgerechnet!)  Kalterherberg von 1959.

Gehen wir mal davon aus dass alle diese Funde richtig bestimmt worden sind (von Willibald Schmitz), dann wäre Idaea pallidata dort (in Rheinland-Pfalz) in den letzten Jahrzehnten ausgestorben. Es könnte natürlich aber auch sein, dass wir nicht genau hingeschaut haben, aus persönlicher Erfahrung weiß ich, dass diese winzig kleinen weißen Dinger sich keiner großen Beliebtheit erfreuen, und kaum mal mitgenommen werden.

Wer noch Mosel-Bilder oder Belege von dieser Artengruppe hat, sollte die erst mal kritisch mustern. Hier nochmal die Merkmale, aus dem EBERT (8: 187):

Idaea pallidata
Gelblichweiße Grundfarbe ohne Glanz
Die Querlinien sind goldgelb und ziemlich verwaschen
Die Flügel sind schwärzlich berußt, am stärksten am Costalrand (Vorderkante Vorderflügel)
Diskal- und Saumpunkte fehlen.
Vorderflügelapex spitz zulaufend
Idaea subsericeata
Grauweiße, matt glänzende Grundfarbe
Die Querlinien sind hellgrau und deutlicher als bei pallidata
Saumpunkte sind in schwacher Ausprägung vorhanden, wähernd die Diskalpunkte meist nur auf den Vorderflügeln angedeutet sind.
Vorderflügelapex etwas weniger spitz zulaufend
Idaea subsericeata, Haan, 12. August 2008 (Foto: Armin Dahl)

Idaea subsericeata, Haan, 12. August 2008 (Foto: Armin Dahl). Saum- und Diskalpunkte sind gut zu erkennen, aber auch ein spitzer Apex :\

Das heißt also zukünftig „Augen auf“ beim nächsten Lichtfang an der Mosel, auch die am Tag aufgescheuchten Falter müssen sauber durchbestimmt werden.

Und ich nehme mir mal vor ein paar mehr Belege einzusammeln und ALLE Falter sauber zu fotografieren. Die insgesamt drei  pallidata Funde aus MTB 6008 stammen von Max Cretschmer, von Ende Mai / Anfang Juni und September 1944 (das verheißt nichts Gutes, pallidata fliegt angeblich nur in einer Generation, subsericeata ist bivoltin.) Der Fundort in den Daten heißt „Traben-Trarbach – Montroyal/Holzwiese“, auch das ist seltsam, liegen die Holzwiese und der Montroyal doch auf zwei verschiedenen Moselseiten.

Cretschmar hat dort seinerzeit den zum Ende des zweiten Weltkrieges aus Düsseldorf geflüchteten Maler und Hochschullehrer Artur Kampf besucht, aber das ist eine andere Geschichte.

 

 

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Veröffentlicht 8. Dezember 2014 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Phänologie, Spanner

Eine Antwort zu “Moselvorbereitung 2015 – Idaea subsericeata / pallidata

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  1. Nach einigem Hin und Her hat sich geklärt dass es sich bei dem Sammler aus Düsseldorf nicht um Arthur Kampf sondern um seinen Neffen um Ari Walter Kampf handelt. Dazu kam von Heinz Baumann aus Düsseldorf folgender Kommentar:
    „Ein sehr prominentes Mitglied der EGD [Entomologische Gesellschaft Düsseldorf] der dreißiger bis der frühen fünfziger Jahre. Er muß sehr vermögend gewesen sein. Bekannt sind mir zwei größere Reisen. Eine nach Spanien und eine größere 1938 nach Kamerun zusammen mit Sielhoff. Diese galt zur Vorbeitung einer Kolonial-Ausstellung. Eine Erklärung von mir, diese Reisen konnten zu dieser Zeit nur ausgeführt werden, wenn man dem Regime positiv gegenüberstand und diese auch selbst finanzierte. Zu der Austellung kam es nicht mehr.
    Im Kriege überwintert er in Traben-Traben. Wo in mehrfach von Kollegen besucht wurde. Alles heimische Material gab er der Landessammlung. Sein entomologisches Interesse galt der Gattung Charaxes. Diese Sammlung wurde nach seinem Tod von Tervüren
    [Museum Tervueren in Belgien] angekauft. Seine Feste waren nach Karl Stamm sehr geliebt.“

    Da sind wir also über die Schmetterlinge mitten in die Politik der Nazizeit gestolpert. Offenbar hatte die Familie Kampf beim Regime einen dicken Stein im Brett, immerhin wurde Artur Kampf laut Wikipedia als einer von nur vier Kunstmalern in die sogenannte „Gottbegnadeten-Liste“ aufgenommen, mit der die für die Propaganda wichtigen Künstler vom Fronteinsatz im II Weltkrieg freigestellt waren.

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