Heide kommt von hüten   Leave a comment

Weidetiere sind Magneten für eine ganze Anzahl von Vogelarten, Schafstelze, Wiedehopf, Heidelerche sind ohne kurzrasige, von Tieren freigehaltene Offenlandflächen ziemlich aufgeschmissen und zieren deshalb wie viele andere Vogelarten der offenen Landschaften die Roten Listen.

Die Bedeutung der (Haus-) Tierhaltung für die Artenvielfalt besonders der Insekten kann man heute in Zeiten in Plastikkisten abgepackter Hackfleischpakete aus dem Billig-Supermarkt nur noch erahnen. Das liegt zum einen daran, dass sonnenwarme, magere Flächen meistens auch eine hohe Artenvielfalt an Pflanzen aufweisen, und im Gefolge stiegt die Artenzahl an speziell angepassten Insektenarten fast von selbst.

Typhaeus typhoeus W, 7. März 2015 (Foto: A. Dahl)

Typhaeus typhoeus, Stierkäfer Weibchen, 7. März 2015 (Foto: A. Dahl)

Angelockt von der Stirnlampe: Typhaeus typhoeus W, 7. März 2015 (Foto: A. Dahl)

Angelockt von der Stirnlampe: Stierkäfer W, 7. Haan, März 2015 (Foto: A. Dahl)

Ein anderer Faktor wird oft nicht richtig gewürdigt: Die Heiden sind im Wortsinn regelmäßig beschissene Flächen. Kot von im Freien gehaltenen Weidetieren verwandelt sich nach seriösen Studien zu einem Drittel in Biomasse von Insekten. Und wer´s nicht glaubt, stelle sich mal neben einen frischen Kuhfladen, und beobachte den Flugverkehr. Und wenn der Fladen trocken und ein  paar Wochen alt ist, dann das Ding bitte einmal umdrehen: Käfer, Fliegenlarven und anderes Getier haben fast nichts mehr übrig gelassen.

Wohl auch dem der ein paar Schafe vor der Haustür stehen hat. Schafköttel sind zwar nicht so groß wie ein Kufladen, aber auch hierfür interessiert sich ein Heer von Kerfen, eines davon flog mir gestern nacht ans Licht.  Stierkäfer (Typhaeus typhoeus)  sind auf der Bergischen Heideterrasse an vielen Stellen zu finden, meist findet man allerdings nur ihre Spuren: Fingerdicke Löcher, umgeben von ausgeworfenem Sand, meistens da wie die Schaf- oder Kaninchenköttel vom Winter  etwas dichter liegen. Die Käfer sind nachtaktiv und verbuddeln, wie sich das für Scarabaeiden gehört, ihre Fundstücke in selbst gegrabenen Gängen tief unter der Erde.

Ein im Freiland extensiv gehaltenes Schaf macht im Laufe eines Jahres nach meinen Erfahrungen mindestens einen Viertelhektar Weidefläche „platt“, d.h. vier Extensiv-Schafe verwandeln einen Hektar Fläche in eine schöne bucklige Welt mit einem Haufen schöner Insektenlebensräume. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass man gar nicht genug von diesen Viechern in der Region haben kann, und ab und zu auch mal beim Einkaufen eine Lammkeule oder Wurst vom örtlichen Schäfer in den Korb laden sollte. Landschaftsschutz kann ziemlich lecker sein!

 

 

 

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Veröffentlicht 8. März 2015 von spoerkelnbruch in Heideterrasse

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