Wir begrüßen in Deutschland: Purpurweiden-Jungfernkind   1 comment

Boudinotiana touranginii. Foto: Robert Trusch

Das erste in Deutschland gefundene Purpurweiden-Jungfernkind (Boudinotiana touranginii). Foto: Robert Trusch

Eine kleine Sensation: Karlsruher Schmetterlingsforschern ist ein bisher in Deutschland noch nicht nach­gewiesener Großschmetterling im wahrsten Sinne des Wortes ins Netz gegangen: Das Purpurweiden-Jungfernkind (Boudinotiana touranginii), ein tagaktiver Falter aus der Familie der Spanner. Hier die Pressemitteilung des Naturkundemuseums Karlsruhe. Bisher war das Vorkommen des Purpurweiden-Jungfernkinds vor allem aus Zentralfrank­reich belegt (dort „La Bréphine ligérienne“ genannt). Weil es einen 75 Jahre alten Beleg aus dem benachbarten Elsass gab, vermuteten die Mitarbeiter des Naturkundemuseums Karlsruhe, dass die Art auch in Deutschland vorkommen könne. So machten sie sich, zusammen mit ehrenamtlichen Schmetterlingsforschern der Entomologischen Arbeitsge­meinschaft im Naturwissenschaftlichen Verein Karlsruhe e.V., in diesem Jahr wiederholt auf die Suche. Am 17. März 2015 wurden sie endlich fündig und entdeckten ein erstes Exemplar in der südlichen Oberrheinebene. Das Purpurweiden-Jungfernkind ist nicht etwa neu nach Deutschland eingewandert, sondern wohl seit Jahrtausenden in der südlichen Oberrheinebene heimisch. Es handelt sich vermutlich um eine Reliktart der dynamischen Stromtalauen, wie sie bis vor 200 Jahren auch noch für den Rhein typisch waren. Aufgrund seiner Verborgenheit war das Purpurweiden-Jungfernkind bisher übersehen worden. Es ist deshalb so schwer zu finden, weil es nur eine extrem kurze Zeit als Falter auftritt. Diese Zeit liegt zudem im zeitigen Frühjahr, und beginnt noch bevor die Weiden aufblühen und ihre Kätzchen zeigen. Deshalb werden diese Schmetterlinge auch Jungfernkinder genannt: weil sie nach dem Winter in der noch „jungfräulichen Natur“ als erste Frühlingsboten erscheinen.

Weibchen des Purpurweiden-Jungfernkinds im Augenblick des Absetzens auf einem Purpurweidenzweig. Foto: SMNK (Dr. Robert Trusch).

Weibchen des Purpurweiden-Jungfernkinds im Augenblick des Absetzens auf einem Purpurweidenzweig. Foto: Robert Trusch

Das Purpurweiden-Jungfernkind wurde bereits im Jahr 1870 als eigene Art beschrieben. Den Urbeschreibern der Art, den Franzosen Maurice Sand und Jean Étienne Berce, war aufgefallen, dass die Raupen dieses Jungfernkindes ausschließlich an der Purpurweide leben. Alle anderen Arten der Jungfern­kinder (es gibt weitere drei in Europa) leben an Birke oder Pappeln. Weil das „Purpur­weiden-Jungfernkind“ jedoch äußerst selten gefunden wird, war es lange Zeit als eigene Art ignoriert worden. Erst seit dem Jahr 2000 erkennt man es allgemein als „gute Art“ an.

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Veröffentlicht 25. März 2015 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Spanner

Eine Antwort zu “Wir begrüßen in Deutschland: Purpurweiden-Jungfernkind

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  1. Beharrlichkeit der Suchenden zeichnete sich ja wohl auch hier aus. Und ein wenig staunen darf man dabei auch. Es werden heutzutage sicherlich nicht allzu oft in Deutschland neue Arten gefunden, deren Auftreten hier nicht mit dem Klimawandel oder durch Einschleppung erklärt werden könnte und die nicht erst vor kurzem von einer anderen Art abgetrennt worden sind.

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