Mal was anderes: Efeu-Seidenbiene   Leave a comment

Colletes hederae, Rösrath-Kleineichen, 11. Oktober 2015 (Foto: Klaus Hanisch)

Colletes hederae, Rösrath-Kleineichen (Nähe Wahner Heide), 11. Oktober 2015 (Foto: Klaus Hanisch)

Colletes hederae, Rösrath-Kleineichen, 11. Oktober 2015 (Foto: Klaus Hanisch)

Colletes hederae, Rösrath-Kleineichen, 11. Oktober 2015 (Foto: Klaus Hanisch)

Momentan blüht überall das Efeu, und an den pollen- und nektarreichen Blüten finden sich bei sonnigem Wetter Tagfalter wie Admiral und C-Falter ein, und tanken für den Winter noch mal voll. Auch zahlreiche Fliegen sammeln sich, Hornissen und Honigbienen. Und wer ein bisschen Glück hat kann dort auch noch eine Art beobachten, die jahrhundertelang flach unter dem Radar der Forscher  durchgeflogen ist: Die Efeu-Seidenbiene Colletes hederae.

Als Studenten hatten wir in Tübingen in den 80er Jahren einen der besten Wildbienen-Experten als Lehrmeister: Paul Westrich, den „Bienen-Paul“, der zuerst seine Doktorarbeit über die Wildbienen des Botanischen Gartens geschrieben hatte und danach als Autor der „Wildbienen Baden-Württembergs“ den Gold-Standard für faunistisches Arbeiten mit Insekten.  Schon damals kursierte das Gerücht, daß sich unter den Spätherbst-Wildbienen eine bislang unbeschriebene Art versteckt, die bisher mit der Heidekraut-Seidenbiene Colletes succinctus in einen Topf geworfen worden war.

Damals gab es noch keine DNA-Analyse, mit der heute solche Sachen mal eben fix geklärt werden können, aber 1993 war es dann so weit, Colletes hederae erblickte das Licht der Wissenschaft,  eine kleine Sensation bei den Experten  für die ansonsten ganz gut erforschte Wildbienenfauna. Und seitdem müssen die Wildbienenforscher, die normalerweise schon Ende August ihre Gutachten fertig hatten, auch noch im Oktober ran: Die Forschung der letzten Jahre hat für C. hederae ein riesiges Verbreitungsgebiet zu Tage gefördert,  das komplette Süd(west)europa ist besiedelt, und auch in Nordrhein-Westfalen gibt es zahlreiche aktuelle Funde. Wer es genauer wissen will kann sich auf den Seiten von Paul Westrich oder beim Solinger Wildbienenexperten Hans-Jürgen Martin schlau machen (die Herren bestimmen sicher auch eingesandte gute Fotos).

Eine ordentlich große Wildbiene mit auffallend breiten hellen Hinterleibsringen, die im Oktober an Efeublüten Pollen sammelt: Das kann eigentlich nur Colletes hederae sein. Die Art nistet in lockeren (Sand)-Böden und offenen Sandflächen mit blühendem Efeu in erreichbarer Nähe, und Flugzeit ist – jetzt!

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Literatur:
Schmidt, K. & P. Westrich (1993):  Colletes hederae n. sp., eine bisher unerkannte, auf Efeu (Hedera) spezialisierte Bienenart (Hymenoptera: Apoidea). – Entomologische Zeitschrift 103 (6): 89–112

 

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Veröffentlicht 11. Oktober 2015 von spoerkelnbruch in andere Insekten, Heideterrasse

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