Scopula ternata und die Schöne Schnauze   Leave a comment

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Hagen-Rummenohl, Tagfund, aufgescheucht, ausgedehnter Bereich mit Vaccinium vitis-idaea und Vaccinium myrtillus, 310m, 29.Juni 2015 (Foto: Josef Bücker)

Scopula ternata, Hagen-Rummenohl, Sterbecker Hammer, 29. Juni 2015 (Foto: Josef Bücker)

Heidetiere stehen im Zentrum dieses Blogs, das Landschaftsbild der Heide und seine Ausstattung mit Schmetterlingen. Heide entsteht durch Tierhaltungen auf nährstoffarmen Flächen, Schafe und Ziegen verbeißen Gras und Kräuter, jüngere, frisch ausreibende Gehölze sind besonders lecker. Übrig bleiben die weniger leckeren Kleinstäucher mit bitteren Inhaltsstoffen, zum Beispiel Ginster, Besenheide, Thymian, und die Heidelbeere. Und so ist es kein Wunder dass in Regionen wie dem Bergischen Land, in denen die Tierhaltung stark zurückgegangen ist, der Wald immer größer und dichter wird und die Heideflora und -fauna den Rückzug angetreten hat.

Was man dagegen tun kann? Abgesehen von Mithilfe bei Pflegeeinsätzen der Naturschützer scheint mir der sinnvollste Weg zu sein, ab und zu mal eine Lammkeule aus einheimischer Produktion auf den Tisch zu stellen. Vielleicht als Ersatz für die Turbo-Mastpute als Weihnachtsbraten. Leider ist da gar nicht so leicht ranzukommen, am besten noch über Dachmarken wie Bergisch Pur. Optimal wäre aus Sicht der Schmetterlingsforschung ein Spaziergang oder eine Wanderung im Bergischen Land, mit Kamera, Kescher und Notizbuch, verbunden mit einem Einkauf auf dem Bauernhof. Aber das nur am Rande, hier gehts um Schmetterlinge, das hier ist ja keine Seite für Kochrezepte.

Neuer Fund von Scopula ternata in Hagen (2015). Quelle: www.schmetterlnge-nrw.de, Stand 11/2015)

Neuer Fund von Scopula ternata in Hagen (2015). Quelle: http://www.schmetterlnge-nrw.de, Stand 11/2015)

HEIDELbeere war das Stichwort, und fast alle einheimischen Schmetterlings-Arten, die sich als Raupe von Vaccinium myrtillus ernähren, stehen hierzulande auf der Roten Liste. „Stark gefährdet“ ist unter vielen anderen auch Scopula ternata (SCHRANK, 1802) – Heidelbeer-Kleinspanner, eine Art die früher bis hinunter nach Leverkusen nachgewiesen werden konnte. Allerdings gibt es aus den tieferen Regionen nur wenige Einzelfunde, KINKLER et al. (1985) schreiben dazu: „In feuchten Heidelbeerwäldern, insbesondere des Berglandes lokal, früher häufiger. In den letzten Jahren durch den starken Rückgang der Heidelbeere (Vaccinium myrtillus) sehr selten geworden“ .

Nun ist das mit den Verschwinden der Heidelbeere so eine Sache, jedenfalls findet man die Pflanze in den Wäldern rund um Wuppertal nicht gerade selten. War das vor wenigen Jahrzehnten vielleicht noch anders? Die Wikipedia schreibt dazu: „Tiefwurzler … zehrt mit Hilfe von Wurzelpilzen (Mykorrhiza) von Rohhumus. … Industriellen Immissionen gegenüber zeigt sie sich wenig tolerant. Man vermutet, dass der Wurzelpilz der Pflanze insbesondere durch Schwefeldioxid geschädigt wird.“. Die Zeiten des Sauren Regens sind in Nordrhein-Westfalen nun schon ein paar Jahre vorbei, seit es Rauchgasentschwefelung und schwefelarmes Diesel gibt. Hat die Pflanze davon profitiert, und profitieren davon auch die auf Heidelbeere angewiesenen Arten?

Jedenfalls ist S. ternata noch nicht komplett verschwunden, wie ein schöner Nachweis aus 2015 zeigt: Josef Bücker aus Hagen fing die Art „… in einem ausgedehnten Bereich mit Vaccinium vitis-idaea [Preisselbeere, schmeckt hervorragend zu Lammkeule 🙂  ] und Vaccinium myrtillus“…, in einem Seitental der Volme an der Grenze zwischen Sauerland und Bergischem Land.

Deutschland, Nordrhein-Westfalen, Hagen-Rummenohl, Mischwald, ausgedehnter Bestand mit Vaccinium vitis-idaea und - myrtillus, an V. myrtillus, 320m, Tagfund, 7. September 2015 (Foto: Josef Bücker)

Raupe von Hypena crassalis  D-NRW, Hagen-Rummenohl, Mischwald, ausgedehnter Bestand mit Vaccinium vitis-idaea und – myrtillus, an V. myrtillus, 320m, Tagfund, 7. September 2015 (Foto: Josef Bücker)

Wahrscheinlich wird Scopula ternata oftmals übersehen: Die kleine, nur 2-3 cm Flügelspannweite messende Art ist leicht mit Scopula floslactata zu verwechseln, fliegt anscheinend bevorzugt im Wald und nicht im Offenland, und die Beobachterdichte in den feuchteren Wäldern im Bergischen Land ist momentan verschwindend gering. Möglich wäre auch daß Scopula ternata durch die Orkanschäden der letzten Jahre profitiert, weil insgesamt die Beerensträucher durch die Waldlücken besser zur Entwicklung kommen.

Als Fazit bleibt: Nach Scopula ternata sollte dringend gezielt gesucht werden, am besten Ende Mai – Juni – Anfang Juli in größeren Heidelbeerbeständen. Zudem sollten alle Funde zumindest gut fotografiert oder durch Belegtiere abgesichert werden. In den Heidelbeerwäldern gibts übrigens noch weitere attraktive Arten, zum Beispiel die in England „Beautiful Snout“ – (deutsch: „Schöne Schnauze“) genannte Heidelbeer-Schnabeleule Hypena crassalis, und die seltene Heidelbeer-Stricheule Hyppa rectilinea. Auch von diesen Arten ist die Datenlage vergleichsweise mau, aber das lässt sich ja vielleicht ändern!

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Veröffentlicht 25. November 2015 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Eulenfalter, Lebensräume, Spanner

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