Kulturgutschutzgesetz – bruche mer nit, fott domet!   Leave a comment

Was geht das mich an? war mein erster Gedanke, als ich vor ein paar Wochen von Kollegen auf das neu geplante Kulturgutschutzgesetz aufmerksam gemacht wurde. Das ist so eine Sache für Ägyptologen oder moderne Maler, und für so was habe ich weder das nötige Kleingeld noch würde ich mir ein Bild von beispielsweise Gerhard Richter an die Wand hängen, einem der bekanntesten Gegner des Gesetzes.

Beim Lesen wurde mir allerdings rasch klar, was für eine Sprengkraft die Sache hat. Damit ich nicht alles neu formulieren muss, hier ein Zitat aus einer Mail von Karin Wolf-Schwenninger , die Kollega ist Präparatorin am Rosenstein-Museum in Stuttgart und dort für Insekten, Bernstein und anderes zuständig und kennt sich mit der Materie bestens aus:

„Das geplante Kulturgutschutzgesetz umfasst nicht allein Kunstsammlungen und archäologische Schätze.
Laut Art. 1, Kap. 1, § 2, Abs. 1, Ziff. 9 ist unter „Kulturgut“ jede bewegliche Sache oder Sachgesamtheit von künstlerischem, geschichtlichem oder archäologischem Wert oder aus anderen Bereichen des kulturellen Erbes, insbesondere von paläontologischem, ethnographischem, numismatischem oder wissenschaftlichem Wert zu verstehen.

Tritt das Gesetz in Kraft, würde es auch naturkundliche Objekte wie Fossilien oder Insekten (sofern sie wissenschaftlich bedeutend sind) zum „Kulturgut“ erklären. Solches darf nur mit einer Ausfuhrgenehmigung des Herkunftsstaates nach Deutschland gebracht werden.                  
Es geht dabei nicht nur um neue Funde, das Gesetz gilt rückwirkend bis zu 30 Jahre. Wer beispielsweise in den frühen 1990er Jahren Fossilien oder Insekten gesammelt hat und diese verkaufen oder einem Museum schenken will, müsste künftig Papiere vorweisen, die er meist gar nicht haben kann.
Museen sind jedoch auf die Zusammenarbeit mit Sammlern angewiesen (ein großer Anteil der Sammlungszuwächse sind Ankäufe oder Schenkungen von Privatsammlern).
Auch der Austausch mit Spezialisten im Ausland wäre extrem erschwert, da der bürokratische Aufwand enorm ansteigen würde.

Was mich betrifft, fallen mir das spontan die vielen hundert Belege aus meiner Landschneckensammlung ein, die ich während und nach dem Studium in Südeuropa gesammelt habe. Die stehen hinter meinem Schreibtisch im Regal und werden irgendwann auch mal im Museum landen. Derartige Sammlungen existieren auch überall bei den entomologisch tätigen Kollegen Und wer einmal einen Blick in die Schmetterlingssammlung des Löbbecke-Museums geworfen hat, weiß dass dort hunderte von Sammlern bisher problemlos ihre Funde integriert und auch bei Bedarf mit den dort vorhandenen Belegen gearbeitet haben. Wie sich das halt so gehört bei großen öffentlichen Sammlungen. Das hat alles bisher auch so funktioniert, ohne viel Schreibkram und dass sich nationale Behörden da eingemischt haben.

Wer sich den Regulierungsentwurf der Bundesregierung komplett ansehen will, findet das 156seitge .pdf unter bundesregierung.de. Und damit das bei einem Entwurf bleibt, habe ich zu allererst mal die Petition unter

www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-des-privaten-sammelns

unterzeichnet. Und ich bin gespannt ob zu den vorhandenen 35.000 Unterschriften noch weitere 85.000 zusammenkommen, damit das Ganze im Januar dem Petitionsausschuß des Bundestages vorgelegt werden kann. Die bisherige Praxis des Sammelns und der dafür notwendigen Genehmigungen ist schon kurios genug und hat die Naturwissenschaftliche Forschung in den letzten Jahrzehnten mehr behindert als gefördert. Für das alles gilt das Rheinische Grundgesetz Artikel 6:  Kenne mir net, bruche mir net, fott domet.“

 

 

 

Veröffentlicht 27. November 2015 von Armin Dahl in im Netz, mehr Lepis

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