Kaiserreich Niederlande   3 comments

Momentan ist die Zeit der Dateneingabe und Aufbereitung, und nachdem es draußen wegen Frost mal ausnahmsweise nichts zu tun gibt, hier mal ein kleiner Zwischenstand zur Datenlage: Wir haben in den letzten drei Jahren die  Zahl der online über www.schmetterlinge-nrw.de präsentierten  Daten mehr als verdoppelt, und das mit tätiger Mithilfe einer ganzen Menge an Leuten aus dem Niederbergischen. Momentan sind knapp 310.000 Zeilen Text in der Exportdatenbank, meine darunter liegende Fundortdatenbank hat mittlerweile mehr als 10.000 Einträge. Die meisten davon mit Meßtischblatt-Angaben und viele davon mit langen Artenlisten und tagesgenauen Falter-Daten. Das macht richtig Spass, und entschädigt ein wenig für die hunderte von Geländestunden mit dreckigen Hosen, tausende von Fahrtkilometern zu nächtlichen Einsätzen, und bedenklichen Schlafmangel in den Sommermonaten.  Momentan ist die Region mit einiger Sicherheit eine der best untersuchten in Nordrhein-Westfalen, und das obwohl es hier gar nichts „Gescheites“ zu sehen gibt. Da können sich alle die daran mitgearbeitet haben wenig auf die Schultern klopfen. Und Euch da draußen an den Bildschirmen von dieser Stelle mal ein dickes Dankeschön für beharrlichen Geländeeinsatz und Datenpflege!

So, das muss erst mal reichen für den Moment, jetzt kommen noch ein paar Bemerkungen zu einer wichtigen Leitart für die „guten“ Schmetterlingslebensräume des Niederbergischen: Der Kaisermantel Argynnis paphia ist nicht nur ein wunderschöner Falter, man kann an der Art auch viele Lösungsansätze für den Naturschutz, Biodiversität und die Probleme des Ballungsraums aufzeigen.

Schon seit etlichen Jahren beobachten wir hier in der Region die Populationen vom Kaisermantel, und mittlerweile haben wir eine ganz ordentliche Vorstellung davon, was das Niederbergische angeht. Der Kaisermantel Argynnis paphia liebt sonnige, lichte, windarme Waldränder mit hohem, lange erhaltenen Blütenangebot für die Falter und reichlich Veilchen im Unterwuchs als Raupenfutter.  Gezieltes Herstellen und Erhalten solcher Strukturen gibt einem ganzen Zoo weiterer Arten Lebensraum, wo der Kaisermantel fliegt ist die Biodiversität hoch und die Artenliste auch beim Licht- und Köderfang lang.

  • in den Steinbrüchen im Wuppertaler Raum sind überall Kaisermäntel unterwegs, größere Populationen, die sich über mehrere Jahre nachweisen ließen vor allem in Haan in der gezielt optimierten Grube 10 und dem Steinbruch Osterholz, in Grube 7, aber auch weiter im Osten bis nach Wipperfürth und Hagen.
  • in der Rheinebene sind die Funde sehr viel spärlicher, aber es gibt immer wieder Nachweise aus Düsseldorf von der Leitungstrasse Hilden/Eller und auch aus dem Stadtgebiet.
  • Einzelne Falter treiben sich auch dazwischen herum, in trockenen Sommer 2015 auch in meinem Garten vor der Hautür, diese sind aber nicht ortsfest und nur einen oder wenige Tage zu sehen.

Dabei ist nicht so ganz klar ob der Kaisermantel zwischenzeitlich mal ganz weg war oder ob es sich nur um ein Datenloch handelt, das bekanntlich zwischen dem Sammelverbot und der Erfindung der Digitalfotografie existiert. So ist der Kaisermantel 2015 zum Beisiel auch auf der Marscheider Trasse im Osten Wuppertals aufgetaucht, wo wir seit kurzem auch die Schmetterlingsfauna regelmäßig beobachten. Wobei sich nicht belegen lässt ob die Art dort schon länger unterwegs war, oder erst durch die tollen Pflegemaßnahmen zur Förderung der Schlingnatter  angelockt wurde.

Schaut man sich das überregional an, dann scheint der Kaisermantel vor allem den Nordwesten zu meiden, man könnte den Eindruck gewinnen, es handelt sich um ein kontinental verbreitetes Tier, das im milden Atlantikum nicht so gute Bedingungen findet.

So weit bisher. Aber jetzt ist endlich mal Zeit zum Schmökern und aufarbeiten von Daten und Literatur, und siehe da: unsere holländischen Nachbarn machen gleiche Erfahrungen. Wie immer haben sie ihre Daten zügig aufgearbeitet und schön präsentiert in der Zeitschrift „Vlinders“, Ausgabe vom November, unter dem Titel: „Niederlande wieder kaiserreich!„. Von wegen der Kaisermantel meidet das atlantische Klima: Direkt an der Küste (im Schaubild Nummer 1-4) sind einige  Populationen seit längerem aktiv und pflanzen sich dort anscheinen auch fort.

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Die Grafik aus der Zeitschrift „Vlinders“ zeigt die Zunahme von Kaisermantel-Beobachtungen in zehn Gebieten in den Niederlanden. Nummer 1-4 liegen direkt an der Küste. Nummer 10 (Sint Pietersberg) liegt bei Maastricht direkt an der Deutschen Grenze. Originalartikel unter http://www.vlindernet.nl/doc/dvs/pdf/201511_nederland_weer_keizerrijk.pdf

 

 

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Veröffentlicht 19. Januar 2016 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, im Netz, Lebensräume, Tagfalter

3 Antworten zu “Kaiserreich Niederlande

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  1. Interessanterweise scheint sich ja in den Niederlanden der Kaisermantel seit 2009 kontinuierlich zu vermehren, bzw. zahlreicher zu werden. So weit ich das richtig erinnere haben auch wir hier im Niederbergischen vor 10 bis 15 Jahren diese Art nur eher ganz sporadisch angetroffen.

    • als ich seinerzeit dazu gestoßen bin (nach 2005) gabs Kaisermäntel eigentlich nur in Grube 10, und dort sind sie auch schon länger gewesen, sagte mir mal der Kollege Manfred Henf. Und seit ich das weiß haben wir die Grube natürlich dementsprechend gezielt entwickelt. Ich nehme mal an dass das im Iseke-Steinbruch im Osterholz nicht anders war, dort ist die Art jedenfalls aktuell ziemlich häufig

  2. Halbaktuelle (ca. 5-10 Jahre alt) Kaisermantelnachweise aus dem östl. Städtedreieck gibt es meines Wissens nach bei der BSMW aus dem Bereich Blombachtalbrücke (schmale Wiesenbrachen unter der Brücke auf Ronsdorfer Seite) und Bergisch-Born (Langen- und Waldbachtal). Am letztgenannten Standort war die Art zumindest bodenständig. Die Falter flogen dort in erhöhter Dichte. Einzelne Falter fliegen vermutlich aus derartigen östlich gelegenen Gebieten sporadisch bei uns ein (z. B. Heintjeshammer, Panzertalsperre, Dörpe und Eifgental)..

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