Unter Schutz und dann vergessen: Lindlar-Kaiserau, Steinbruch Felsenthal   1 comment

Das Wetter ist momentan bei klarem Himmel und Bodenfrost am Morgen noch nicht so richtig prickelnd, so kann man die Abende am heimischen Kamin – äääh, Computer verbringen und ein paar Daten aus gar nicht so fernen Tagen erfassen. Die „Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft rheinisch-westfälischer Lepidopterologen e.V.“ waren der Vorgänger der heutigen „Melanargia“, damals wurde die Zeitschrift vom Löbbecke-Museum herausgegeben, die Schriftleitung hatte seinerzeit Dr. Siegfried Löser. Die Zusammenarbeit mit dem Museum klappte seinerzeit jedoch nicht, nach dem 5. Jahrgang wurde die Serie als „Entomologische Mitteilungen aus dem Löbbecke-Museum“ 6.-8. Band, Heft 1 fortgesetzt und danach auch schon eingestellt.

Die „Nachrichten der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen“ werden seitdem vom Verein in eigener Regie herausgegeben, unter dem Titel „Melanargia“ und von Schriftleiter Günter Swoboda. So weit zur Vorgeschichte, jedenfalls ist mir ein Stapel der alten „Mitteilungen“ ins Haus geflattert, und die Hefte sind eine echte Fundgrube.

Lindlar, Steinbruch Felsenthal: heute vom Wald überwachsen (Quelle: maps google de)

Lindlar, Steinbruch Felsenthal: heute vom Wald überwachsen (Quelle: maps.google.de)

In den 70er Jahren war sicher die beste Zeit für die Lepidopterenfauna im Bergischen Land schon vorbei. Aber die Naturschutzbewegung hatte starken Aufwind, und bei vielen Unterschutzstellungen gab es ausführliche faunistische Untersuchungen, auch der Schmetterlingsfauna. Ein der längsten Artenlisten lieferte damals das heutige Naturschutzgebiet Felsenthal an der Strecke der Schmalspurbahn Engelskirchen – Marienheide. Die Linzer Basalt AG im Felsenthal bei Lindlar lieferte vor dem 2. Weltkrieg Grauwackensplit für Bauprojekte, auf den Seiten des Vereins der Freunde und Förderer des Bergischen Freilichtmuseums Lindlar e.V. findet man eine tolle Dokumentation mit Bildern des letzten, 1929 geschlossenen Steinbruchs der Bergisch – Märkischen Steinindustrie. Der Betrieb wurde schon 1929 eingestellt, heute ist das Gebiet völlig vom Wald überwachsen.

Jetzt aber endlich die Artenliste aus den Jahren 1968-70, 308! Arten, zusammenfasst aus drei Tagesexkursionen und 16 Nachtexkursionen. Die Nomenklatur habe ich den heutigen Standards angepasst, ein paar Arten die seinerzeit noch nicht getrennt wurden als Artkomplexe eingegeben:

Neuerfassung: Kinkler, Helmut & Willibald Schmitz (1982): Die Großschmetterlinge (Macrolepidoptera) des Grauwackensteinbruchs Felsenthal bei Lindlar. – Mitteilungen der Arbeitsgemeinschaft rheinisch-westfälischer Lepidopterologen e.V., 3 (3): 116-127

Hier nur mal die Arten die heute im Bergischen Land als ausgestorben gelten: Epione vespertaria, Ennomos erosaria, Alsophila aceraria, Idaea sylvestraria, Apamea lateritia und Leucoma salicis (von Thalpophila matura haben wir neuerdings Nachweise aus Heiligenhaus und Düsseldorf). Was davon heute noch übrig ist, gälte es mal zu erforschen, kaum vorstellbar ist angesichts des Satellitenfotos, dass dort heute noch das Schachbrett fliegt.

Auf den Seiten der Naturschutzbehörden findet sich zu den Zielen der Unterschutzstellunge: „Erhaltung und Entwicklung krautreicher Mischwaelder sowie von Grauwacke-Steinbruechen als entwicklungsfaehiger Lebensraum fuer zahlreiche Tier- und Pflanzenarten“, unter dem Punkt Gefährdung: „Unerwünschte Sukzession“. Das Satellitenbild spricht Bände, der Steinbruch Felsenthal hat sich entwickelt, unter Schmetterlings-Gescichtspunkten leider in die völlig falsche Richtung. Insgesamt ein weiteres trauriges Kapitel aus der Serie: „Unter Schutz gestellt und dann vergessen“.

Alle Daten finden wie gewohnt Eingang in die Datenbank unter www.schmetterlinge-nrw.de

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Veröffentlicht 10. April 2016 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Lebensräume, Pflege

Eine Antwort zu “Unter Schutz und dann vergessen: Lindlar-Kaiserau, Steinbruch Felsenthal

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