Kyrill, der Klimawandel und die Folgen   1 comment

Entomologisch betrachtet ist ein geschlossener Buchen-Hallenwald oder schlimmer noch ein Fichtenforst eine ziemlich langweilige Angelegenheit. Auf einer schönen Kahlschlagfläche explodiert dagegen geradezu das Leben, und im Gefolge der Pioniervegetation summt und brummt und flattert und piept es ordentlich.
Wenn der Förster keinen neuen Kahlschlag macht, dann geht die „Schlagflur“, die Pflanzengesellschaft welche sich nach dem Abholzen von Baumbeständen entwickelt, rasch verloren. Und mit ihr eine ganze Anzahl von Schmetterlingsarten, die an die entsprechenden Futterpflanzen auf den Schlägen angepasst sind, und gleichzeitig Licht, Sonne und Windstille lieben. Weidenröschen, Brombeeren und Walderdbeeren verschwinden unter dem Pionierwald, und spätestens nach 20 Jahren ist das Klima wieder kühl und gleichmäßig, und die schönen Insekten sind weitgehend weg.
So einfach der Zusammenhang ist, so schwierig ist das dem ahnungslosen Teil der Bevölkerung zu vermitteln: Der Deutsche Wald ist heilig, und wer daran rüttelt erntet verständnisloses Kopfschütteln und ist in Gefahr als Öko-Terrorist beschimpft zu werden.
Und so laufen die entomologisch Aktiven hier zu Lande traurig herum, warten auf den Klimawandel und verbringen die Urlaube in waldarmen Gegenden. Wenn nicht ab und zu ein kräftiger Sturm die Wälder durchrütteln würde, wäre es gar nicht auszuhalten. Aber dann! Egal ob es jetzt der Klimawandel war oder nur ein starker Sturm bei nicht an den Standort angepasster Forstwirtschaft: Die positiven Folgen des Orkans Kyrill auf die einheimische Tierwelt sind unübersehbar! Neun Jahre ist das jetzt schon her, und immer noch kommen Arten zum Vorschein die wir regional schon lange vermisst hatten. Und hier ist der Beleg: Josef Bücker hat im Umfeld der Stadt Hagen in den letzten Jahren eine ganze Reihe schöner seltener Falter aufgestöbert, jetzt ist die Arbeit erschienen:
BÜCKER, J. 2016: Bemerkenswerte Funde von Schmetterlingen im Einzugsbereich der Kyrill-Windwurffolgeflächen in Dahl, Eilpe, Haspe und Hohenlimburg; Hohenlimburger Heimatblätter 77, Heft 6/2016, Seite 3-17

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Veröffentlicht 30. Juni 2016 von spoerkelnbruch in im Netz, Klimawandel, Lebensräume

Eine Antwort zu “Kyrill, der Klimawandel und die Folgen

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  1. Sehr informativer Artikel über die Steigerung des Artenreichtums der Falterwelt durch Sturmschäden in Waldgebieten. Wer nicht auf die nächsten Stürme warten möchte sollte sich im waldigen Bergland mal auf den Trassen unter Hochspannungsstromleitungen umschauen. Die Versorgungsunternehmen müssen dort regelmäßig roden und schaffen so wieder Platz für die Pflanzen der Krautschicht, damit dann auch für die als Raupen daran lebenden Falterarten.

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