Wir begrüßen: Pieris mannii in Leverkusen   3 comments

Ein „neuer“ Tagfalter in Leverkusen? In diesem Frühsommer häuften sich die Meldungen, dass sich Pieris mannii, der „Karstweißling“, ein in Südeuropa verbreiteter Tagfalter, auf den Weg in unsere Breiten begeben hat. Ob dies aus eigenem Antrieb geschah oder ob Eier bzw. Raupen mit Gartenpflanzen, insbesondere der als Steingartenpflanze beliebten Schleifenblume, hierher verschleppt wurden, ist wohl noch nicht ganz klar. Ein gewisses Problem bei der Dokumentation der Ausbreitung der für uns neuen Art ist die große Ähnlichkeit zwischen Pieris mannii und Pieris rapae, dem uns wohlbekannten kleinen Kohlweißling.

Das ganze Jahr über hatte ich unsere Schleifenblumen im Garten in Leverkusen schon im Blick. Vielleicht findet sich ein Weißling dort zur Eiablage ein? Dann könnte es P. mannii sein. Tatsächlich habe ich noch nie einen Weißling bei der Eiablage an Schleifenblume beobachtet, obwohl dies für den nahe verwandten Kleinen Kohlweißling (P. rapae) dokumentiert ist. Jedenfalls soll P. mannii Schleifenblumen als Raupenfutterpflanze bevorzugen.

Am 19. August war es endlich soweit: Der Falter fiel mir gleich auf, weil er sich bemerkenswert langsam, man könnte sagen behäbig oder „gemütlich“ bewegte. Die hektische Dynamik eines Kleinen Kohlweißlings sieht anders aus. Der Falter flog sehr niedrig in der Vegetation und legte dann tatsächlich ein Ei an Schleifenblume ab. Und siehe da: exakt an diesem Zweig fanden sich noch viele weitere Eier (siehe Foto)! Die weitere Suche an dieser Schleifenblume brachte insgesamt 15 Eier ein. Am folgenden Sonntag (21.8.) beobachtete ich einen weiteren Falter, fing ihn ein und konnte ihn nach einer „Übernachtung“ im Kühlschrank am Folgetag ablichten (Foto). In den Wochen seitdem sehe ich bei sonnigem Wetter regelmäßig P. mannii bei uns im Garten. Die Falter (alles Weibchen) pendeln dann zwischen einer Nektar – Mahlzeit an  Oregano und den letzten Lavendelblüten und unseren Schleifenblumen (Eiablage, Foto) hin und her.

Einige Raupen konnte ich bis zum Falter an Schleifenblume aufziehen. Die Eiraupen zeigten allesamt die für P. mannii typische schwarze Kopfkapsel (Foto), ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu P. rapae, dessen Raupen grüne Kopfkapseln besitzen. Bemerkenswert ist, dass zumindest die jungen Raupen ihr Blatt sauber halten: abgelegte Kotballen werden mit den Mundwerkzeugen gegriffen und über den Blattrand geworfen. Die Färbung der Puppen variiert von creme-weiß bis grün (Foto).

Am 03. September, P. mannii gehörte schon zum Inventar im Garten, konnte ich dann einen Falter bei der Eiablage an „Rucola“ (Eruca sativa) beobachten. Die Begeisterung beim Rest der Familie hielt sich in Grenzen, denn die zahlreichen Raupen entwickelten einen ordentlichen Appetit.

Zusammenfassend lässt sich feststellen (siehe hierzu auch http://www.lepiforum.de):

  • Die Falter von P. mannii sind derzeit nicht selten.
  • Sie fallen durch einen im Vergleich zu P. rapae etwas behäbigeren, jedoch nicht schwächlichen Flug (wie bei Leptidea-Arten) auf.
  • Die Flügel wirken etwas rundlicher als bei P. rapae.
  • Die Flecken auf den Vorderflügel-Oberseiten der Weibchen sind groß und weniger klar abgegrenzt als bei P. rapae. Die Flecken der sind oft quadratisch bis rechteckig.
  • Neben Schleifenblume wird zumindest Eruca sativa (Salatrauke, „Rucola“) als Futterpflanze genutzt. Zudem ist Diplotaxis tenuifolia (wilde Rauke) als Futterpflanze der Raupen beschrieben.
  • Die Tiere benötigen für die Entwicklung vom frisch abgelegten Ei bis zum Falter bei Raumtemperatur 23 bis 25 Tage.

Abschließend eine Bildersammlung (bitte anklicken)!

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Veröffentlicht 16. September 2016 von Tim Laußmann in Arten / Listen

3 Antworten zu “Wir begrüßen: Pieris mannii in Leverkusen

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  1. Tolle Dokumentation des Lebenszyklus dieser Art, wunderbare Fotos. Ich werde auf jeden Fall im nächsten Jahr zwei Blumenkästen mit Schleifenblume auf dem Balkon stehen haben!

  2. Super-Dokumentation und tolle Fotos! Ich habe bisher noch selten eine solch kompakte, zielgerichtete und spannende Dokumentation gefunden. Ich habe im späten August 2012 hier bei uns (Bammental, BaWü, Elsenztal) genau die gleichen Erfahrungen gemacht, vom Falterflug über Eiablage und Zucht bis zum flugfähigen Falter und kann deine Freude voll nachempfinden. Meine eigener Bericht ist eher „trocken“ und nur stichpunktartig. Deshalb genieße ich das Lesen DEINES mannii-Fundes ganz besonders. Zudem sind meine eigenen Fotos – insbesondere die Frühstadien – bei weitem nicht so ansprechend, meiner damaligen veralteten Digitalkamera geschuldet. Ich hoffe jedoch, eine ähnliche Dokumentation in der nächsten Saison und dann kameratechnisch besser ausgerüstet hinzukriegen. Erstnachweise sind allerdings immer besonders spannend und mit späteren Nachweisen nicht zu vergleichen ;-). Schön finde ich deinen Hinweis auf „das Sauberhalten“ der Nahrungspflanze durch die Jungraupen. Da hast du aber wirklich ganz genau hingeschaut – ich könnte jetzt gar nicht sagen, ob da ein Unterschied zwischen dem alt eingesessenen Kleinen Kohlweißling und Pieris mannii ist. Aber drauf achten werde ich künftig auch. Dass P. mannii einen auffällig ruhigeren Flug zeigt, ist ebenfalls ein guter Hinweis, der mich im Freiland schon immer „die Ohren stellen lässt“. Was mir zudem aufgefallen ist: mannii ist viel fotogener. Zum einen ist die Fluchtdistanz beim Beobachten und Fotografieren viel geringer als bei den anderen Weißlingsarten (mit Ausnahme von P. brassicae, der ebenfalls schön und ausdauernd posiert). Zum anderen zeigt manni häufiger die Flügeloberseite als rapae. Für den geübten Beobachter ist dies zusammen mit den „runderen“ Flügeln immer ein starker Hinweise auf die Art, auch dann, wenn die Fleckenausbildung nicht ganz so eindeutig ist. Mein Glückwunsch zu diesem netten Beitrag in deinem Blog!

  3. Wie oben angekündigt hatte ich in diesem Frühjahr bei mir auf dem Balkon Schleifenblumen und Rucola in Blumenkästen gesät. Jetzt habe ich auch bei mir in der Innenstadt von Wuppertal-Barmen mannii begrüßen dürfen. Nachdem ich am 9. August acht Raupen an Rucola gefunden hatte hatte ich ja schon die entsprechende Hoffnung. Da es sich aber nicht um Jungraupen gehandelt hatte konnte ich mir ja nicht sicher sein. Drei Raupen habe ich kontrolliert aufwachsen lassen, von denen ist dann heute das erste Männchen von Pieris mannii geschlüpft.

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