Wo sind die Schmetterlinge geblieben?   7 comments

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Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinina): Die Art flog laut dem Wuppertaler Schmetterlingskundler Gustav Weymer (1833-1914) „einzeln bei Elberfeld, jedoch häufig auf sumpfigen Waldwiesen“ und wird bereits seit vielen Jahrzehnten auch in den umgebenden Naturräumen gar nicht mehr beobachtet. Diese Foto stammt von der Fuchskaute (Westerwald), einem der letzten Gebiete, wo der Falter noch in unserer Region zu finden ist.

Seit mehr als dreißig Jahren beschäftige ich mich mit der Schmetterlingsfauna des bergischen Landes und der angrenzenden Gebiete. Die Frage „Wo sind die Schmetterlinge geblieben?“ wurde mir immer gestellt. Schon in der 1980er Jahren war dies ein Thema und die Antworten auf diese Frage waren immer dieselben.

Nun lese ich in der Rheinischen Post (Beilage Krefelder Stadtpost) vom 09.02.2018 unter dem Titel „Minister-Visite lässt für Entomologen hoffen“ folgenden Satz: „Nun also reagiert die Politik: Weil mehrere Faktoren im Verdacht stehen, zum Rückgang der Insekten beizutragen, ist Ursachenforschung das Gebot der Stunde, erkläre Schulze Föcking [NRW-Umweltministerin]“. Forschung ist immer gut, gut auch, dass Fördermittel bereitgestellt werden. Anzumerken ist aber auch, dass es mit einem mehr oder weniger großen Geldbetrag nicht getan ist. Viele der Ursachen sind altbekannt, werden aber konsequent nicht angegangen. Außerdem geht es hier nicht  um Entomologen, die nun Hoffnung schöpfen und wieder ihrem liebenswerten Hobby nachgehen können, sondern um viel größere Zusammenhänge. Vielleicht verstehe ich das Ganze falsch, oder es wurde nicht richtig wiedergegeben, aber für mich ist die Aussage der Ministerin eher eine Beschwichtigung, nach dem Motto: erst mal ein bisschen forschen, dann einen Arbeitskreis gründen, dann schauen wir mal…

Vor dem Hintergrund der nun langsam wieder abebbenden Diskussion zum Thema „Insektensterben“ möchte ich hier noch einmal einen Appell loswerden.

Was brauchen Schmetterlinge zum Leben?

  • Futterpflanzen für die Raupen. Viele Raupen leben überwiegend an Heckengehölzen (Weiden, Weißdorn, Schlehe usw.) und krautigen Pflanzen („Unkraut“) in Saumbereichen. Eine Vielzahl, insbesondere die gefährdeten Arten, sind auf bestimmte Futterpflanzen spezialisiert.
  • Nektar für die Falter. Blütenpflanzen entwickeln sich meist auf mageren Böden, wo sie gegen Gräser konkurrieren können. Zudem gibt es Hochstaudenfluren (z.B. Wasserdost), die meist an Waldrändern und in Saumbereichen von Hecken und Wegen wachsen.
  • Abwechslungsreiche Landschaften.
  • Verstecke für die Überwinterung. Viele Schmetterlinge überwintern als Raupe, Puppe oder Falter. Meist verkriechen sich die Tiere in Spalten und Ritzen, z.B. in Natursteinmauern, Felsen, Höhlen, Schotter.
  • Dunkle Nächte ohne künstliche Lichtquellen. Nachfalter orientieren sich bekanntermaßen an natürlichen Lichtquellen (Mond, Sterne).

Wo sind die Probleme?

  • Futterpflanzen: Die Flurbereinigung hat die Heckenlandschaft des bergischen Landes weitgehend zerstört. Der Eintrag von Mineraldünger und Gülle führt zu einem schnellen Wachstum von anspruchslosen Gräsern, Blütenpflanzen werden verdrängt. Ggf. werden Herbizide eingesetzt, die für die Vernichtung von Zweikeimblättrigen Pflanzen (Blütenpflanzen, also keine Gräser, wie z.B. Getreide) geschaffen wurden. Hinzu kommt der Einsatz von Insektiziden – die ggf. auch von der eigentlich behandelten Fläche in die nähere Umgebung driften oder verschleppt werden.
    Vorteile für uns: Die Agrarflächen sind größer und besser mit Maschinen zu bewirtschaften. Die Erträge pro Flächeneinheit haben sich deutlich erhöht.
  • Nektar: Wie bereits oben erwähnt, führt der Eintrag von Stickstoffdünger zu einer Verdrängung von Blütenpflanzen. Dieser Stickstoffdünger stammt zu einem Großteil aus der Landwirtschaft, wie z.B. aus Gülle oder Mineraldünger (Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat, Kaliumnitrat, Natriumnitrat, Ammoniumphosphat…).  Während diese Dünger noch relativ gezielt ausgebracht werden (sich jedoch auch über das Grundwasser und Ausgasungen ausbreiten können), ist die Lage bei den „abgeregneten“ Stickoxiden („Abgasen“) aus Atmosphäre kritischer, da sich diese überall verteilen. Betroffen sind hier stickstoffarme („magere“) aber blütenreiche Biotope, insbesondere Magerrasen, Moore und Heiden (ich weise hier auf die Broschüre des Umweltbundesamtes „STICKSTOFF – ZUVIEL DES GUTEN?“ hin). Die Überdüngung der Landschaft mit Stickstoffverbindungen ist sicherlich eine der Hauptursachen für den Schwund an Blütenpflanzen und somit verfügbarem Nektar für die Schmetterlinge. Zu dieser Problematik gesellt sich ein Mangel an anderen offenen Flächen, auf denen sich Blütenpflanzen entwickeln können. Zum einen ist dies einer gewissen „Ordnungsliebe“ geschuldet, so dass z.B. Wegränder häufig gemäht werden und (Industrie-) Brachen schnell einer anderen Nutzung (z.B. Bebauung) zugeführt werden. Zum anderen sind auch private Gärten überwiegend mit „Zierpflanzen“ bepflanzt oder sogar dank Rasen, Kirschlorbeer- und Lebensbaumhecke vollkommen steril.
    Vorteile für uns: Durch den Düngereintrag sind die Erträge deutlich höher. Durch das regelmäßige Abmähen der offenen Flächen und Wegränder kommt kein Wildwuchs auf, alles sieht ordentlich aus und ist pflegeleicht.
  • Abwechslungsreiche Landschaften: Wer mit offenen Augen durch „die Natur“ geht, stellt fest, dass diese im Bergischen hauptsächlich aus Wäldern, Weiden und Äckern besteht. Es fehlt an offenen, ungenutzten oder extensiv gepflegten Flächen, auf denen sich die Blütenpflanzen entwickeln können. Wünschenswert wären auch offene Felsen, an denen sich wärmeliebende Arten aufhalten können. Diese (z.B. an der Wupper in Beyenburg oder Solingen) sind meist von Wald bedeckt. Wo nur Wald, Acker und Gras ist, kann man nur Waldarten und wenige unspezialisierte Schmetterlingsarten erwarten. Je monotoner die Landschaft, desto monotoner die Schmetterlingsfauna.
    Vorteile für uns: Wenn jeder Quadratmeter land- und forstwirtschaftlich genutzt wird, sind die Erträge maximal. Unerwünschte „Unkräuter“ werden dauerhaft verdrängt. An manchen Stellen (z.B. Felsen) wäre eine Offenhaltung kostenintensiv.
  • Verstecke für die Überwinterung. Es gibt seit vielen Jahrzehnten eine Tendenz zur „Versiegelung“ von Flächen. Mauern haben keine Spalten mehr, Schotterwege gibt es kaum noch (abgesehen von Bahnstrecken).
    Vorteile für uns: Straßen, Plätze und Mauern lassen sich gut reinigen, es treten weniger Frostschäden auf.
  • Dunkle Nächte. Dies ist wahrscheinlich ein unterschätztes Problem. Die Vielzahl an künstlichen Lichtquellen stört die Orientierung der Nachtfalter. Je nach Art der Lichtquelle sammeln sich die Falter an der Lichtquelle an. Starke, heiße Lichtquellen können zur tödlichen Falle für tausende Insekten pro Nacht werden. Die Falter werden aus ihren Biotopen herausgelockt und finden ggf. nicht mehr zurück.
    Vorteile für uns: Man kann sich auch nachts gut orientieren, Ängste und Gefahren werden möglicherweise reduziert.
Grüner Zipfelfalter (Callophrys rubi)

Ebenfalls auf dem Rückzug: Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi). Als Bewohner von offenen Gebüschlandschaften, Böschungen, Kiesgruben und Mooren findet dieser Falter keinen Platz mehr in unserer Landschaft. Die Raupe lebt an Sonnenröschen, Ginster, Kleearten, Moorbeere und einigen anderen Pflanzen. Das Bild stammt von der Mosel (Umgebung Piesport).

Was kann man tun?

  • Futterpflanzen: Ich gehe davon aus, dass niemand wieder zur kleinräumigen Landbewirtschaftung zurück will. Dies wäre wahrscheinlich auch ökonomisch nicht sinnvoll. Es müssen also finanzielle Anreize für Brachflächen (Randstreifen und ähnliches) gesetzt und auch genutzt werden („Ackerrandstreifenprogramm“). Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass jegliches Wachstum logischerweise nicht bis zur Unendlichkeit erfolgen kann. D.h. immer mehr Ertrag pro Quadratmeter wird es nicht geben. Möglicherweise kann man durch hohen Düngereintrag, Herbizide und Insektizide noch ein bisschen mehr rausholen, aber sicher auf Kosten der langfristigen Fruchtbarkeit der Böden. Hier sehe ich keineswegs die Schuld bei den Landwirten. Das Problem ist der wirtschaftliche Druck zu ewigem Wachstum bei immer weiter fallenden Preisen. Etwas besser ist die Lage bei den verloren gegangenen Hecken: Sie können durch Anpflanzungen heimischer Gehölze z.B. an Wegen und Böschungen teilweise kompensiert werden und dies geschieht auch bereits.
  • Nektar: Der Eintrag an Düngemitteln muss auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt werden, um Blütenpflanzen eine Chance zu gebe. Zudem wird seit einer gefühlten Ewigkeit wird darauf hingewiesen, Wegränder (so sie denn überhaupt vorhanden sind) nur ein- bis zweimal im Jahr zu mähen, um Blütenpflanzen zu fördern. Dies wäre ein kleiner Schritt mit großer Wirkung. Zudem wäre eine gewisse Toleranz gegenüber „unordentlichen“ Brachen sinnvoll. Natürlich kann jeder seinen Garten so gestalten wie er will. Wer Schmetterlinge sehen und fördern will findet hier einige Tipps.
  • Abwechslungsreiche Landschaften: Hier kann man an den Erhalt und die Offenhaltung von Industriebrachen denken oder auch an die Schaffung von Lichtungen im Wald, die dann auch und nach wieder durch Bäume „zurückerobert“ werden. Unsere Erkenntnis als Schmetterlingskundler: Industriebrachen und stillgelegte Bahngelände sind nach einigen Jahren artenreich und beherbergen oft besonders bedrohte Arten, die es trocken und warm lieben. Sturmschäden in Wäldern (Stichwort „Kyrill“) hatten eine regelrechte Artenexplosion auf den geschaffenen Lichtungen zur Folge.
  • Verstecke zur Überwinterung: Hier gilt es Kompromisse zu finden. Vielleicht reicht schon der eine oder andere Steinhaufen am Wald- oder Wegrand. Ich denke, dass niemand zu Schotterwegen zurück will. Private Gärten würden auch von Natursteinmauern, „Kräuterschnecken“  und ähnlichem profitieren. Alles im Prinzip kein großer Aufwand.
  • Dunkle Nächte: Die Erkenntnis wächst, dass unsere Nächte wieder dunkler werden müssen. Nicht nur Astronomen klagen über die zunehmende „Lichtverschmutzung“. Die nächtliche Dauerbeleuchtung stört viele Tierarten, aber auch der Mensch wird dadurch negativ beeinflusst. Das bedeutet nicht, dass alle Lichter ausgehen sollen. Wichtig ist, zu überlegen, ob und wo wir Licht brauchen (man denke mal an die private „Weihnachtsbeleuchtung“ im Garten), zumal es auch Energie „verbraucht“. Auch die Art des Lichts ist entscheidend. Moderne Lichtkonzepte sind auf dem Vormarsch. Erste Schritte sind gemacht.
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Ein Warnsignal: Selbst der recht anspruchslose Schachbrettfalter (Melanargia galathea), ein Bewohner offener Graslandschaften (die Raupe lebt an Gräsern), ist im Bergischen Land praktisch komplett verschwunden. Der Schwund setzte in den 1960er Jahre ein. Das Foto stammt aus der Eifel (bei Bad Münstereifel).

Warum sollte man etwas tun?

Hier stelle ich einmal die Frage, die mir von Seiten eines Entscheidungsträgers gestellt wurde: „Wofür brauche ich Schmetterlinge? Wofür sind sie nützlich?“ Die Frage klingt nach einer Provokation, aber sie trifft den Kern der Sache. Brauche ich Schmetterlinge, um das Herz von Schmetterlingsfreunden zu erfreuen? Oder haben Schmetterlinge evtl. auch einen wirtschaftlichen Nutzen?

Diese Frage beschäftigt mich seit langem. Wenn mich Leute (Kollegen, Freunde, Besucher an unserem Vereinstand)  fragen, wo die Schmetterlinge geblieben sind, so geht es doch meistens um Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Distelfalter, die nun (zumindest gefühlt) weniger oft am Schmetterlingsflieder im Garten sitzen. Dies sind aber Arten, die relativ anspruchslos sind (der Fachmann spricht gerne von „Ubiquisten“ – Arten die praktisch überall vorkommen und keine besonders hohen Biotopansprüche haben) oder sogar gar nicht hier heimisch (Admiral, Distelfalter). Aber sie sind schön bunt und werden daher auch schneller vermisst. Der „stille Schwund“ vieler anspruchsvoller, aber unscheinbarer Arten wird öffentlich nicht wahrgenommen.

Meiner Meinung nach ist sicherlich die -manchmal verborgene- Schönheit vieler Schmetterlinge ein Wert an sich. Aber das ist natürlich nicht alles. Schmetterlinge sind in ökologische Zusammenhänge eingebettet: Raupen dienen als Futter für Vögel, Raupen sorgen dafür, dass bestimmte Pflanzen regelmäßig abgefressen werden, Schmetterlinge verbreiten Pollen, Nachtfalter werden von Fledermäusen gefressen,…

Letztlich sind Schmetterlinge Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt. Sie spiegeln die Artenvielfalt in unserer Landschaft wieder. Die Frage „Wofür sind Schmetterlinge nützlich?“ ist gleichbedeutend mit der Frage „Ist Artenvielfalt nützlich?“. Hierüber kann man viel philosophieren, es gibt Forschungen darüber, eine Beweisführung ist schwierig. Aber hier hilft logisches Denken: Wenn Vielfalt herrscht, gibt es auch viele Möglichkeiten, um auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren (Stichwort: Klimawandel). Einfältige Monokulturen neigen zum Zusammenbruch. Artenvielfalt dient somit sehr wahrscheinlich der Stabilität unserer Lebensgrundlage.

Daher mein Appell: Vergesst die altbekannten Erkenntnisse und Konzepte zum Schmetterlingsschutz nicht. Keiner von  will zurück in die Steinzeit. Da war mit Sicherheit auch nicht alles besser. Daher auch meine Hinweise auf den „Nutzen“, den wir vom Schwund der Artenvielfalt haben: Mehr Ertrag, mehr Wohlstand, billige Lebensmittel, weniger Ängste in der Nacht, weniger Mühe, alles in Ordnung zu halten… Es ist aber Zeit zu erkennen, dass Wachstum nicht ewig anhält und Wohlstand auch in eine „Plateauphase“ übergeht. Nun geht es vielmehr darum, ungesunde Entwicklungen zu bremsen und Kompromisse zwischen Ökologie und Ökonomie zu finden. Letztlich ist eine gesunde, artenreiche Umwelt nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch.

Man kann die Antwort auf die Frage nach dem Verbleib der Schmetterlinge auch umgekehrt formulieren:

„Wer billige Lebensmittel und aufgeräumte Landschaften liebt, der darf die Schmetterlinge nicht vermissen.“

Euphydrias aurinia, Wahner Heide 17. Juni 1962 (Foto: Klaus Hanisch). Vermutlich das letzte bekannte Exemplar aus der Bergischen Heideterrasse.

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Veröffentlicht 8. März 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

7 Antworten zu “Wo sind die Schmetterlinge geblieben?

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  1. Der letzte Nachweis der oben abgebildeten Art Euphdrias aurinia (Goldener Scheckenfalter) aus der Region stammt aus den Feuchtwiesen südlich des Sandbergs in Hilden, aus den 1920er Jahren. E. aurinia lebt(e) als Raupe am Teufelsabbiss, von dem es aktuelle etwa im NSG Spörkelnbruch noch eine kleine Anzahl Pflanzen gibt. Aber nicht genug für eine Population des Goldenen Scheckenfalters..
    Der ehemalige Lebensraum auf der Bergischen Heideterrasse ist heute zu großen Teilen überbaut, oder vom Wald zurückerobert, die restlichen Wiesen verinselt, überdüngt, die Nahrungspflanze weg und damit auch die Falter.
    Da helfen auch länderübergreifende Großprojekte wie das Life – Projekt „Atlantische Sandlandschaften“ nichts, zumal sich der Kreis Mettmann aus unverständlichen Gründen gar nicht an dem Projekt beteiligt.

    • Das letzte Rückzugsgebiet des Goldenen Scheckenfalters in der Bergischen Heideterrasse befand sich in der Wahner Heide. Dort flog die Art mindestens bis 1962. Das letzte beobachtete Exemplar aus der Wahner Heide fand Klaus Hanisch in einem Feuchtgebiet an einer Schneise zwischen Feldbahnlinie und Bismarck-Berg/Kaiserhöhe am 17.06.1962 (in coll. HANISCH). Möglicherweise flog die Art dort noch länger, Beobachtungen fanden nach 1962 in diesem Gebiet nicht mehr statt, da Rote Zone im militärischen Sperrgebiet. Josef Pascher teilte mir mit, dass der Goldene Scheckenfalter dort bis Anfang der 50er Jahre noch recht häufig war und Prof. Klaus Rose konnte die Art bis Ende der 50er Jahre dort jedes Jahr regelmäßig beobachten.

      Klaus Hanisch

  2. Warum sollte man etwas tun?

    Hier stelle ich einmal die Frage, die mir von Seiten eines Entscheidungsträgers gestellt wurde: „Wofür brauche ich Schmetterlinge? Wofür sind sie nützlich?“ Die Frage klingt nach einer Provokation, aber sie trifft den Kern der Sache. Brauche ich Schmetterlinge, um das Herz von Schmetterlingsfreunden zu erfreuen? Oder haben Schmetterlinge evtl. auch einen wirtschaftlichen Nutzen?

    Diese Aussage möchte ich gern etwas umformulieren (9.2.18):
    „Wofür brauche ich den Kölner Dom? Wofür ist er nützlich?“ Die Frage klingt nach einer Provokation, aber sie trifft den Kern der Sache. Brauche ich den Kölner Dom, um das Herz von Kulturfreunden zu erfreuen? Oder hat der Kölner Dom evtl. auch einen wirtschaftlichen Nutzen? Eine Parkhochhaus wäre an diesem Standort viel nützlicher.

    Werner Kunz

  3. Ich finde die Analyse für das Faltersterben sehr gelungen!
    Ergänzend möchte ich mitteilen, dass nach niederl. Untersuchungen die Stickstoffanhäufung in
    der Landwirtschaft zu einem verminderten Angebot im Blütenangebot und in Wirtspflanzen für Raupen geführt hat. Außerdem sorgt die Abkühling
    im Mikroklima (entgegen der Klimaerwärmung!) im Frühjahr für eine schlechtere Nahrungsqualität für die Raupen. Einige wenige Falter mögen wohl Stickstoff wie z.B.N. c-album, eine erheblich größere Zahl leidet aber darunter.
    Wie angedeutet leiden auch Nachtfalter durch die Lichtverschmutzung deutlich,im Ernährungs- und Fortpflanzungsverhalten.
    Die industrielle Landwirtschaft insgesamt ist auf maximale Produktion ausgerichtet und vernachlässigt die ökologischen Beziehungen
    zum Schaden der Biodiversität, was letztlich allen Menschen schadet.

  4. Eine wunderbare Analyse. Vieles sehe ich ganz genauso, allerdings halte ich den Aspekt „Stickstoffanhäufung“, so wie sie in
    der Landwirtschaft immer vermehrter auftritt für sehr wichtig, denn diese führt zu einem verminderten Blütenangebot.

    • Lieber Dietmar, lieber Karl,

      ihr habt recht, den wichtigen Punkt „Stickstoffdüngereintrag“ habe ich leider etwas unter dem Punkt 1 „Futterpflanzen für die Raupen“ vergraben. Auf Grund Euer Anregung habe ich den Punkt „Nektar“ überarbeitet und diese Problematik nochmal herausgestellt.

      Ich bin mir sicher, dass auch die Landwirte mit der Situation nicht zufrieden sind. Wahrscheinlich geht das Ganze mit Dünger, „Pflanzenschutzmitteln“, Antibiotikaeinsatz usw. noch einige Zeit gut. Aber die Sache wird sich irgendwann rächen (siehe die aktuelle Berichterstattung zu Nitraten im Grundwasser, multiresitenten Keimen in Badeseen, Insektensterben,…).

      Meine Konsequenz: ich esse nicht mehr als 200 g bis 300 g Fleisch pro Woche, Hähnchen und Schwein kommen gar nicht mehr auf den Tisch. Nach einem Gespräch mit einem Tierarzt zum Thema Hähnchen-Mast ist mir der Appetit endgültig vergangen. Meinen Bedarf an Proteinen decke ich mit Eiern, Milch und Käse. Oft, aber nicht immer, greife ich zu Bioprodukten. Unseren kleinen Garten habe ich komplett umgestaltet. Auch mit heimischen Pflanzen kann man hier Schönes erreichen, Dünger, Insektizide usw. brauche ich nicht. Was hier nicht überlebt, ist eben weg. Das Ergebnis: bei uns lassen sich zahlreiche Insekten beobachten, auch in der Großstadt.

      Ich habe meinen Appell „Wo sind die Schmetterlinge geblieben“ innerhalb von zwei Stunden geschrieben. Ich kann es einfach nicht mehr ertragen, dass immer neue Arbeitskreise gegründet und Forschungsaufträge vergeben werden, um die Probleme zu verstehen. Meiner Meinung nach eine Hinhaltetaktik. Ich denke, es ist an der Zeit, sich nicht mehr für dumm verkaufen zu lassen. Sicher ist das bequem, aber selbstständiges Denken hilft! Da kann jeder auch bei sich selbst anfangen. Die Probleme sind altbekannt – die Lösungen auch!

  5. Ich habe einen Beitrag zum Rückgang der Schmetterlinge hier vor ein paar Jahren in der Presse veröffentlicht. Bei Interesse maile ich ihn bei Gelegenheit.

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