Letzte Mohikaner und Minensuche   8 comments

Cupido argiades, Dormagen, Wahler Berg, 30 September 2018. (Foto: Armin Dahl)

Den ersten Kurzschwänzigen Bläuling habe ich in diesem Jahr am 6. Mai gesehen, auf der Wiese vor meinem Wohnzimmer in Haan. Den vorläufig letzten gestern, am 30 September 2018, in einem Ackerrandstreifen am Wahler Berg in Dormagen. Wieviele Generationen der Falter im Supersommer 2018 hinbekommen hat, kann ich zwar nicht abschätzen, aber ich schätze mal eher vier als drei. Das ganze Phänomen der Ausbreitung von Cupido argiades finde ich nach wie vor unfassbar, bedenkt man wie selten der Falter noch in den 90ern in Deutschland war.

Andere Arten kommen da nicht mit, warum zum Teufel profitiert das Kleine Wiesenvögelchen nicht vom Klimawandel? Obwohl ich vor der Haustür die schönste Magerwiese habe, muss ich immer fast bis an den Rhein fahren, wenn ich einen Falter der Art sehen will. C. pamphilus, der mal überall im Grünland häufig war, ist ganz offensichtlich nicht ausbreitungsstark genug, um die paar Kilometer Luftlinie von den Rheindeichen bis nach Haan zu expandieren. Auch C. pamphilus macht mindestens drei Generationen durch, und fliegt aktuell noch auf den rheinnahen Trockenwiesen, wo es noch keinen Reif oder Bodenfrost gab.

Übrigens: Wem langweilig ist, weil draußen nur noch wenige Arten fliegen, oder das Wetter schlecht wird, der kann ja bei den anderen Entwicklungsstadien noch eine Weile weitermachen: Momentan sind zum Beispiel die Minen von Parectopa robiniella zu finden, zumindest in den wärmeren Regionen am Rhein entlang:  Die Art hat ebenfalls eine rasante Ausbreitungsgeschichte hinter sich, hat in diesem Jahr anscheinend die kompletten Niederlande erobert.

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Veröffentlicht 1. Oktober 2018 von Armin Dahl in Mikros, Phänologie, Tagfalter

8 Antworten zu “Letzte Mohikaner und Minensuche

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  1. Coenonympha pamphilus ist bei mir im Raum Offenbach in Hessen einer der häufigsten Tagfalter.
    Die Art fliegt auch bei mir im Garten mitten im Ort, fliegt jetzt noch..
    Seltener ist hier leider Coenonympha arcania geworden..

  2. Die Ausbreitung von Cupido argiades in Düsseldorf habe ich am Samstag auch festgestellt: Auf die Schnelle 3 Individuen gesichtet (neben 4 P. icarus) auf der Wiese des Botanischen Gartens Düsseldorf.
    VG
    Martine

    Martine Goerigk
  3. Das ist ja toll, ich bin begeistert. Auf meiner Magerwiese habe ich vorige Woche auch noch zwei C.argiades gesehen. MfG. Rolf

    Rolf Katyenbach
  4. Und er ist immer noch unterwegs: heute Nachmittag, 5. Oktober, bei strahlendem Sonnenschein und 21oC, haben Armin Dahl und ich zunächst auf der Technopark Fläche in Haan zwei argiades, davon ein frisches Weibchen, und hinterher auch auf dem Eskesberg in Wuppertal je ein Männchen und Weibchen von argides gesehen.

  5. Kleiner Nachtrag: auch am 10. Oktober konnte ich am Eskesberg in Wuppertal-Elberfeld noch einen abgeflogenen Falter von argiades finden.

  6. Hallo Armin,
    danke für deine immer wieder informativen Artikel!
    Von C. pamphilus gab es bei uns am 19. Oktober frische Falter, übrigens auf dem von dir anvisierten MTB 6206 deiner nächstjähriger Moselexkursion. Ebenfalls auf MTB 6206 und am 19.10.: L. maera in der G3!
    Insgesamt waren an diesem Tag dort noch 17 Tagfalter unterwegs, vor allem viele L.phlaeas, P.armoricanus (der in der G3 förmlich explodiert ist) und C. hyale, aber auch frische P. semiargus und P. aegeria.
    Von den Bläulingen waren neben semiargus bis gestern (21.10.) noch icarus und agestis unterwegs. Schade, dass das Wetter nun kippt (ok, die Rheinschiffer wirds freuen) – wird dann nichts mehr mit der G3 von L. camilla und der G4 von P. machaon (der war bei uns bis Mitte September so häufig wie nie)…trotzdem: der beste Oktober ever.
    Viele Grüße von der Mosel
    Jürgen

    Jürgen Möschel
  7. Ergänzung:
    apropos andere Arten kommen da nicht mit. Auch wenn C. argiades seit ein paar Jahren ein fester Bestandteil unserer Fauna ist, so ist die Entwicklung von B. daphne und P. armoricanus in unserer Region noch viel imposanter. Im Juni 2018 war B. daphne neben A. paphia der häufigste Waldfalter und an fast jeder 2. Waldlichtung mit Brombeerhecken vertreten. Bei P. armoricanus (der schwierig zu kartieren ist) komme ich seit Ende August auf viele Dutzend Sichtungen, das Maximum an einem Fundort waren 6 Falter. Eventuell steht euch ja eine ähnliche Entwicklung bevor.
    VG
    Jürgen

    Jürgen Möschel
  8. Schade, bei mir im Kreis Offenbach am Main ist Brenthis daphne bislang noch nicht aufgetreten.
    Argynnis paphia war in diesem Jahr hier so häufig wie noch nie zuvor; auch Brintesia circe war hier so häufig wie noch nie , ich sah im Juni an einem Tag ca . 80 Exemplare…

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