Was vom Jahr 2018 übrig bleibt…   3 comments

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Für mich war dieses Jahr wirklich bemerkenswert. Noch nie habe ich einen Sommer erlebt, der so früh begonnen hat, so spät endete und dabei so wenig Regen mit sich brachte. Ebenso bemerkenswert war die Vielfalt an Schmetterlingen, die ich dieses Jahr beobachten konnte. Besondere Highlights waren die Fahrten in die Umgebung von Monschau und zum Bausenberg bei Niederzissen im Mai, die Mosel-Exkursion im Juni und die Eifel-Exkursion im Juli. Was auf den ersten Blick positiv erscheint, gibt einem dennoch zu denken: Ich erinnere mich, dass noch Anfang der 1990er Jahre die Mosel-Apollo Exkursionen üblicherweise Ende Juni stattfanden. Dieses wie auch letztes Jahr blieb meine Suche nach Apollofaltern Ende Juni leider erfolglos. Die Flugzeit hat sich schon seit längerem auf Anfang Juni verschoben.

In Sachen Schmetterlingsschutz ist im Jahr 2018 etwas in Bewegung geraten: Das Thema „Insektensterben“ hat es bis in die Bundespolitik gebracht! Sicher ein besonderer Verdienst der Krefelder Insektenkundler. Dennoch sind die Gründe für den Insektenschwund (vor allem außerhalb von Naturschutzgebieten) seit den frühen 1980er Jahren bekannt. Dass man nun auf politischer Ebene meint, bevor man etwas tut, sollte ein bisschen Geld in die Ursachenforschung gesteckt werden, hat bei mir zu einem zugegebenermaßen etwas emotionalen Ausbruch geführt. Die Vorträge beim diesjährigen Westdeutschen Entomologentag haben bei mir vor allem den Eindruck erweckt, dass wir Insektenkundler uns gegenseitig die bekannten Ursachen berichten können, aber die politisch Verantwortlichen weiterhin auf Verzögerungstaktik setzen – nach dem Motto: wir geben den Forschern ein bisschen Geld (was ja grundsätzlich nicht schlecht ist) dann ist erstmal Ruhe im Karton, dann gründen wir einen Arbeitskreis, dann schauen wir mal… Ähnliche Phänomene erleben wir ja bei der „Kohlekommission“, der „Diesel-Krise“, der „Bildungsoffensive“, der „Verkehrswende“, der „Agrarwende“, der „Energiewende“, dem „Pflegenotstand“, der „Digitalisierung“ und so weiter und so fort. Alles schicke Worte, bei denen man zunehmend den Eindruck hat, dass nur suggeriert werden soll es werde auch gehandelt. Die erschreckende Erkenntnis: die Politik ist selbst angesichts der überbordenden Probleme überfordert, erstickt in der selbst geschaffenen Bürokratie und kann oder will die Macht, mit der sie vom Volk ausgestattet wurde, nicht nutzen. Stattdessen erleben wir das, was die Römer schon als „Brot und Spiele“ bezeichneten: Politiker agieren wie in einer „Reality-Show“ oder einer „Home-Story“: wer bekommt welchen Posten, wer hat was gesagt, was er der nun schon wieder gemacht? Besonders nervig: wer wird nächster Präsident von irgendeinem Amt für Irgendwas? Und als besonders perfides Ablenkungsmanöver: Die „Mutter aller Probleme“ ist ausgemacht: Die Migration. Für mich noch das Schlimmste: die Medien springen auf jeden dieser albernen Züge auf. In Tagesthemen und Heute-Journal konnte man schon im Vorspann die nervigsten Politiker und Amtsträger täglich wiederkehrend bewundern.

Aber zurück zu den Schmetterlingen: Meiner Meinung nach wäre es ein Leichtes schnell etwas für die Insektenwelt zu tun. Neben den bekannten Maßnahmen, die kaum Geld kosten (siehe der Beitrag vom März 2018), könnte man auch darüber nachdenken, die Insekten als Bestäuber zum wichtigen Wirtschaftsgut zu erklären. Landwirte, die sich der „Zucht und Pflege“ der Insektenwelt widmen, bekommen für insektenfreundliche Offenlandpflege genauso viel Geld, als würde dort Getreide wachsen. Quasi als „Insektenbauer“. Denn wenn Geld fließt, wird die Produktion von Insekten optimiert werden, ähnlich wie die Produktion von Schweinen und Hühnchen. Woher das Geld dafür kommt? Tja, da müssen wohl die Preise für Lebensmittel um ein paar Cent steigen. In jedem Fall wären auch Steuergelder dafür sinnvoll angelegt, schließlich ist die Landwirtschaft sowieso hochgradig subventioniert.

Immerhin gibt es erste Lichtblicke, Widerstand regt sich, die Rückkehr zur Sachpolitik scheint langsam Fahrt aufzunehmen. Für mich erstaunlich: die EU-Kommission setzt hier Maßstäbe z.B. mit ambitionierten Anforderungen an den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen und dem Verbot von Einwegplastik. Natürlich ist das Gejammer der Industrie groß, aber das ist schlicht und einfach normal und nicht anders zu erwarten. Hierzu kann ich mich noch sehr gut an die Diskussionen und das Gejammer der Automobilindustrie in den 1980er Jahren erinnern: Schwefelarmer Kraftstoff? Bleifreies Benzin? Katalysator? Das ging gar nicht. Entschwefelung ist teuer, das Benzin dann unbezahlbar, die Motoren gehen ohne Tetraethylblei kaputt, der Motor hat mit Katalysator 5 PS weniger usw.. Nachdem es eine klare Ansage der Politik gab, lief die Sache dann doch recht schnell. Heute unvorstellbar, dass wir damals tatsächlich tonnenweise giftiges Blei in der Umwelt verteilt haben und der Ausstoß an Stickoxiden und Schwefeldioxid aus dem Ruder lief.

Auch in den Medien wird nun mehr über den Klimawandel, das Insektensterben und die Notwendigkeit eines Mentalitätswandels berichtet, es wird nicht mehr alles so hingenommen. Das gibt Anlass zur Hoffnung.

Anbei noch Bilder meiner persönlichen Highlights des Jahres (bitte anklicken für die Bildbeschreibung). Frohe Weihnachten und einen guten Übergang ins Neue Jahr 2019!

 

Veröffentlicht 24. Dezember 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

3 Antworten zu “Was vom Jahr 2018 übrig bleibt…

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  1. Guter Artikel! Bei mir hier in Südhessen hat der Klimawandel zu einigen Veränderungen geführt: der Kleine Fuchs, der Große Schillerfalter und der Dukatenfalter sind seit Jahren nicht mehr zu beobachten.
    Dafür hat der Kleine Schillerfalter zugenommen und fliegt nun in 2 Generationen. Der Grosse Fuchs war in diesem Jahr hier einer der häufigsten Tagfalter. Auch stark zugenommen hat der Weisse Waldportier Brintesia circe. Zu den Käfern kann ich sagen: ich habe hier keinen Hirschkäfer beobachten, dafür recht zahlreich den Großen Eichenbock (!)

  2. Ganz Großes Kino, Tim! wir machen dann mal – (entomo)logisch – so weiter wie bisher! Und lassen nicht locker, siehe https://rp-online.de/nrw/staedte/haan/insektenschutz-in-der-stadt-haan_aid-35206491
    VG Armin

  3. Ein toller Artikel. Gratuliere. Ja man kann auch etwas im Kleinen tun…wenn jeder mitmacht, wäre das schon ein großer Schritt. Ich bin hier im Dorf sehr an einem Kalenderprojekt für das Jahr 2019 beteiligt. Auf meine Initiative habe ich 150 kleine Tütchen mit heimischen Wildblumensamen abgefüllt und jedem Kalender hinzugefügt. Mit einem Aufkleber darauf, das man so etwas für die heimischen Insekten tut und Schönbach verschönert. Schönbach blüht auf! Die Kalendervertreiber und die Kunden sind begeistert. Nun freue ich mich auf das nächste Insektenjahr und bin gespannt, ob es was gebracht hat. Frohe Weihnachten! VG, Sonja

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