Taubenschwänzchen: Überwinterer im Rheinland   3 comments

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Wenn es nicht gerade Mitte Februar wäre, dann würde sich bei schönstem Sonnenwetter und Temperaturen über 15°C niemand wundern: In den vergangenen Tagen sind an verschiedensten Stellen der Region Taubenschwänzchen aktiv gewesen, und zwar an Primeln, Hyazinthen und – das gabs noch nie – an Krokus!
Und zwar sowohl in der Innenstadt von Mainz, im klimatisch begünstigten Ahrtal, aber auch mitten in Düsseldorf und sogar in Wuppertal.

Normalerweise fliegen im Niederbergischen die ersten Falter von Macroglossum stellatarum erst im späten Frühjahr ein, Überwinterer fliegen im April an wenigen wirklich heißen Plätzen, wie der Untermosel und im Nahetal.

Taubenschwänzchen am 18. Februar 2019 in Ahrweiler (Foto: Kira Ippendorf)


Im Jahr 2017 allerdings scheint es auch schon sehr früh losgegangen zu sein, Pat Nash hatte den ersten Falter in Düsseldorf-Stockum am 24.03.2017. Im vergangenen Jahr zum Beispiel wurde der erste Falter nach unseren Daten in Hatzenport / Mosel gesichtet, am 21.04.2018.

Damit scheint sich in unserer Region eine Population zu etablieren, die im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr im Herbst abwandert, sondern als Imago überwintert. Das gleiche Phänomen haben wir in den zurückliegenden Jahrzehnten von anderen Tagaktiven Faltern gesehen, so hat der Admiral (Vanessa atalanta) mittlerweile in der Region fest etabliert und überwintert in verschiedenen Stadien.

Man möchte jetzt „Klimawandel“ schreien, aber da ist Vorsicht angebracht: Bereits in den frühen 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die großen Naturschutz-Themen noch „Waldsterben“ und „Ozonloch“ hießen gab es das gleiche Phänomen. „Können Admiral und Taubenschwanz bei uns überwintern?“ fragte seinerzeit Helmut Kinkler (1992) in der Melanargia, und meldete Taubenschwänzchen von Anfang März aus Nassau, und Admirale aus dem Februar.

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Veröffentlicht 18. Februar 2019 von Armin Dahl in Klimawandel, Phänologie, Wanderfalter

3 Antworten zu “Taubenschwänzchen: Überwinterer im Rheinland

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  1. damals fing der Kliamawandel ja schon an!
    Erste Einwanderungswellen kamen ja sogar schon in den 80er Jahren aus dem Westen und Süden (lunosa, puta bzw. hyperici – mittlerweilen bei uns ja Kroppzeug…).
    So was braucht alles seine Zeit mit der Evolution: sicherlich passen sich die Arten auch an unser Klima an (und nicht nur das Klima an die Arten) – werden also wohl ein bischen frostresistenter und wenn’s mal nen milden Winter hat tauchen sie halt so früh auf. Dasselbe auch bei mitucolosa: in alter Literatur vielfach noch Wanderfalter, aber in den 90ern hab‘ ich von der auch schon massenhaft Raupen im Frühling gehabt und mal nen Falter an Weidenkätzchen! Die hat sich wohl schon viel früher angepaßt und normal hier überwintert (wenn denn die alte Literatur überhaupt richtig liegt, man müsste da mal genauer checken, wann denn bei der zum ersten mal festgestellt wurde, dass die hier überwintert).

    viele Grüße,
    Ludger

  2. Klimawandel „schreien“ tut hier glaube ich sowieso niemand, aber ich kann Ludger Wirooks nur zustimmen, dass Auswirkungen der Erwärmung auf Flora und Fauna bereits in den 1980er Jahren festzustellen waren.

  3. Man sollte bei „Klimawandel“, soweit menschenverursacht, vielleicht nicht immer nur ans umstrittene CO2 denken, sondern einfach daran, wie sehr 8 Milliarden Menschen mit ihren täglich brennenden Feuern (offen, elektrisch, in Motoren) und ihrem vielen, wärmeemittierenden Vieh die, auf einem Wohnzimmerglobus bezogen, hauchdünne Atmosphäre direkt heizen. Immerhin ist es in Städten 2 bis 4 Grad wärmer als in der Umgebung.
    Frost gibt es aber dennoch, weshalb bei den Faltern eine Rassenbildung – in Hinblick auf die Eigenschaft Frosttoleranz – unterstellt werden kann. Einzelne nur könnten ja das Glück haben, den Winter in einer frostfreien und dennoch kalten Umgebung zu überstehen, nicht aber Populationen.

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