Mission: Callophrys rubi – Grüner Zipfelfalter   3 comments

Da wir eine aktualisierte Neuauflage unseres Jahresberichts „150 Jahre Schmetterlingsbeobachtung im Raum Wuppertal“ planen, habe ich begonnen, Fotos zu den noch vorhandenen aber auch zu den prominenten verschwundenen Arten zusammenzustellen. Bei den Tagfaltern fiel mir auf, dass ich eigentlich kein wirklich schönes Bild von Callophrys rubi, dem Grünen Zipfelfalter, habe. Warum ist das so? Nun, der Falter fliegt sehr früh im Jahr, ab Mitte April. Die Falter sind daher zu Beginn der Schmetterlings-Hochsaison im Mai schon recht „abgeflogen“, haben also bereits einige Flugtage hinter sich, Schuppen und Fransen sind verloren gegangen… zudem: unser einziger wirklich grüner Tagfalter beherrscht die Technik des „sich in Luft Auflösens“ wie kein anderer: Der scheue Falter setzt sich bei Sonnenschein oft nur ganz kurz, fliegt bei Annäherung auf, die grüne Untersite blitzt noch ein paar mal auf, die braune Oberseite macht den Falter zwischendurch fast unsichtbar – dann landet er wieder in der grünen Vegetation und ist dort perfekt getarnt und unauffindbar. Wenn es noch kühl ist, sonnt er sich gerne am Boden und zwar nie mit offenen Flügeln, sondern immer nur seitlich mit zusammengeklappten Flügeln. Dabei dreht und kippt er die Flügelunterseite gerade so, dass sie zur einfallenden Sonnenstrahlung im rechten Winkel steht. Das Problem für den Fotografen: um den Falter in seiner Pracht abzulichten, muss man sich von der Sonnenseite nähern – sobald aber ein Schatten auf den Falter fällt – schwupps kommt die Technik des sich in Luft Auflösens zum Einsatz. Kurz gesagt: diesen schönen Schmetterling in perfektem Zustand bei guter Ausleuchtung abzulichten ist eine echte Geduldsprobe.

Oft nehme ich mir für meine Fotoexkursionen exakt eine Schmetterlingsart als Zielart vor. Andere Bilder sind dann nur „Beifang“. Meiner Erfahrung nach sollte man an einem Tag mit heiterem, kühlen, aber weitgehend windstillem Wetter in der Frühe, also so ein – zwei Stunden nach Sonnenaufgang ins Gelände gehen. Dann sitzen viele Schmetterlinge in der Sonne um sich aufzuwärmen, breiten ihre Flügel aus und sind noch recht träge. Steht die Sonne hoch am Himmel und es ist wolkenlos, sind die meisten Schmetterlinge geradezu hyperaktiv, drehen sich hektisch bei der Nektarsuche auf Blüten hin und her und fliegen rasch auf, wenn man sich nähert.

Gesagt, getan: es musste ein gescheites Foto von Callophrys rubi her: Am „Osterdienstag“ war gutes Wetter angesagt, also um halb sieben ins Auto und auf in die Eifel. Das Ziel: der Kuttenberg bei dem Örtchen Eschweiler in der Nähe von Bad Münstereifel. Dort hatte ich den Falter schon vor mehr als zwanzig Jahren fotografiert. Doch vor Ort war es um halb acht gerade mal 10 Grad kalt, es gab hohe, relativ dichte Schleierbewölkung. Die Vegetation war auch noch recht weit zurück: die Schlüsselblumen gerade in voller Blüte. Ich hoffte also auf baldige Auflockerung und Sonne. Leider ging das so über zwei Stunden, dann gab es einen kurzen Moment Sonne: und siehe da, ein Grüner Zipfelfalter flatterte vor mir auf, sonnte sich kurz, doch mehr als ein Beweisfoto war nicht drin. Dann wieder zwei Stunden keine Sonne – zu einem einzigen Gelbspanner (Opisthograptis luteolata), der sich netterweise auf einer gerade hervorsprießenden Knabenkrautblüte niedergelassen hatte, und einem mehr oder weniger unterkühlten Kleinen Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) hatte ich schon ein persönliches Verhältnis aufgebaut. Ein echter Frust, also entschied ich mich gegen zwölf Uhr aufzugeben. Beim Verlassen der Fläche schaute ich noch einmal ober die zahlreichen Löwenzahnblüten auf der angrenzenden extensiv gepflegten Wiese – ich wusste, dass die Falter dort gerne Nektar saugen – und siehe da: ein einziger frischer Grüner Zipfelfalter saß recht unterkühlt und träge auf einer Blüte – ich konnte es kaum glauben. Seht hier nun die Fotos (anklicken!), die ich aufnehmen konnte, bevor der Schmetterling sich wieder mal – in Luft auflöste!

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Veröffentlicht 26. April 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

3 Antworten zu “Mission: Callophrys rubi – Grüner Zipfelfalter

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  1. Ein wunderschöner Falter, den ich leider bisher nur auf Bildern sehen konnte. Schön, daß sich der Ausflug dann doch noch fotografisch gelohnt hat!

    Ulrike Schäfer
  2. Toller Bericht. Die Beschreibungen zum Fotografieren dieses Falters sind absolut passend. Liebe Grüße!

  3. Diese Art kommt in meiner Gegend (Kreis Offenbach, Südhessen) nach wie vor regelmäßig vor. Ist aber in der Tat schwer zu entdecken, so dass schon (fälschlicherweise) behauptet wurde, die Art sei hier ausgestorben.

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