Fliegende Goldstücke auf dem Kahlen Asten   14 comments

Im Jahr 1985 nahm meine Leidenschaft für „Feuerfalter“ ihren Anfang: Während eines Sommerurlaubs in Holzhausen an der Eder (muss man nicht kennen) entdeckte ich in einer nahe gelegenen stillgelegten Tongrube meinen ersten Dukatenfalter. Die im Flug rot-golden aufblitzenden Männchen sind echte Hingucker, praktisch gar nicht zu übersehen. Leider sind die Vorkommen dieses Falters begrenzt. In der Eifel, wo ich mich wegen der reichhaltigeren Falterfauna regelmäßig aufhalte, kommt er gar nicht (mehr) vor. Angeregt durch einen Artikel in der aktuellen „Melanargia“ über die Trupbacher Heide nördlich von Siegen, habe ich mich auf den Weg Richtung Sauerland gemacht.

Zunächst sollte es direkt auf den Kahlen Asten gehen. Dort wurden laut Observation.org zahlreiche Falter im vergangenen Jahr gesichtet. Also: um halb sieben ins Auto, denn je früher man im Gebiet ist, desto höher die Chance, noch träge Falter beim Sonnenbad zu fotografieren! Um halb neun war ich vor Ort und: keine fünf Minuten später fand ich direkt am Parkplatz die ersten zwei prächtig gefärbten frischen Männchen! In den folgenden zwei Stunden konnte ich insgesamt 15 Männchen und 3 Weibchen dokumentieren. Als sich dann gegen elf die ersten Touristen aus Bussen über den zweithöchsten Berg in NRW ergossen, war es Zeit aufzubrechen und die Population auf der Trupbacher Heide auf dem Rückweg zu kontrollieren.

Leider, leider konnte ich dort keinen einzigen Dukatenfalter beobachten, obwohl das Gebiet einen wirklich erstklassigen Eindruck macht, sehr blütenreich und bestens im Sinne der Artenvielfalt gepflegt. In dem Artikel in der „Melanargia“ berichtet die Biostation Siegen-Wittgenstein, dass die sehr trockenen Sommer in den letzten Jahren zu einem geringen Blütenangebot geführt haben. Ist dies die Ursache für den Rückgang der Dukatenfalterpopulation? Zudem überwintert diese Art als Ei an trocknen Pflanzenteilen und die jungen Räupchen brauchen im Frühling frischen Sauerampfer als Nahrung – trockene Frühjahre wie in diesem Jahr dürften hier nicht förderlich sein.

Hoffen wir, dass es dem „fliegenden Goldstück“ gelingt, das Gelände für sich zurückzuerobern!

Unten ein paar aktuelle Fotos vom Kahlen Asten und zwei Fotos von Dukatenfaltern auf der Trupbacher Heide von 2009. Nach meinen Aufzeichnungen habe ich damals dort am 5.7.2009 insgesamt 18 (!) Männchen und 3 Weibchen gefunden, zudem mehr als 50 Schachbrettfalter, dieses Jahr nur 7. Singuläre Wetterextreme scheinen den sowieso schon bedrohten Schmetterlingsarten zusätzlich zu schaden.

Ergänzung: Wegen der angeregten Diskussion habe ich noch mal meine Fotosammlung und meine Aufzeichnungen durchgesehen.

Hier die Orte, wo ich den Dukatenfalter sonst noch gefunden habe (Fotos ganz unten, damals noch auf Diafilm):

20.07.1989: Burgwald nördlich von Marburg: 2 Männchen, 2 Weibchen
15.07.1990: Burgwald nördlich von Marburg: 1 Männchen
20.07.1990: Lüneburger Heide bei Undeloh
09.08.1998: NSG „Fuchskaute“ im Westerwald: 2 Männchen
18.07.1999: NSG „Fuchskaute“ im Westerwald: 8 Männchen

Aktuelle Fotos vom Kahlen Asten:

Bilder von der Trupbacher Heide (Jahr 2009):

Ältere Funde:

 

Veröffentlicht 16. Juli 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

14 Antworten zu “Fliegende Goldstücke auf dem Kahlen Asten

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  1. Auch ich bin leider erfolglos von der Dukatenfalter -Suche aus dem Spessart und dem letzten bekannten Fundort in Aschaffenburg zurück. Ich konnte zwar 24 Tagfalter und 77 Nachtfalterarten kartieren aber leider kein fliegendes Goldstück.

    Bernd Bergmann
  2. Mittlerweile war ich im Spessart an einer ehemaligen Flugstelle des Dukatenfalters, aber trotz anscheinend intakten Biotops konnte ich dort diese Art nicht mehr finden.
    Auch an zwei Stellen im Odenwald wo die Art früher vorkam, konnte ich sie nicht mehr auffinden.
    An der ersten Stelle war schon flächendeckend gründlich gemäht.

  3. Die Fotos sind wunderschön. Als extrem weitsichtiger Laie aber fürchte ich, die Weibchen als Lycaena phlaeas zu identifizieren, sollte ich je auf sie stoßen.

  4. Wenn der Dukatenfalter einmal verschwunden ist, dann ist er weg. In meiner Umgebung wollten Naturschützer diese Art sogar wieder ansiedeln. Ich sagte zu denen: „Hört auf, das hat keinen Zweck . Wenn die klimatischen Verhältnisse nicht mehr stimmen , wird das nichts.“

    • Hallo Rolf, ganz so pessimistisch will ich nicht sein. Es gibt Berichte darüber, wie Arten, die auszusterben drohen, ihr Verhalten ändern. Welcher Feuerfalter war das gleich, dessen Raupe nur an einem selten gewordenen Feuchtwiesen-Ampfer fraß, die man nun aber an gewöhnlichen „Bahndamm“-Ampfern finden soll?
      Auch vom Trauermantel gab es solche Berichte, wonach er nicht mehr nur am Waldrand an jungen Birken oder Salweiden ablegte, zumal in Bach- oder Grabennähe, sondern einfach so in der Birkenallee.

      • Also, ich habe schon die Erfahrung gemacht, wenn die Art weg ist , ist sie weg. Der Grosse Eisvogel z. B. ist bei mir seit 1975 ausgestorben, und nie mehr wieder aufgetaucht.
        Gleiches gilt für den Trauermantel, Ockerbindiger Samtfalter, und seit 2017 auch der Dukatenfalter.
        Natürlich, an anderen Stellen in Deutschland kann ich die Arten noch finden; mal sehen, ob ich im Spessart Erfolg habe (dort soll auch noch der Grosse Eisvogel vorkommen).
        Angeblich soll ja der Klimawandel eine Hauptursache für das Aussterben einiger Arten sein.

  5. Hallo Rolf. Bei unserem letztjährigen Treffen des LBV Arbeitskreis Schmetterlinge hat mir jemand Tages aktuelle Bilder von den Falten aus dem Wald bei Aschaffenburg gezeigt. Ich bin zwei Tage später dorthin gefahren und konnte leider auch keine finden.

    Bernd Bergmann
    • Ja – diese Art verschwindet leider schnell.
      Auch in der Rhön, wo ich sie früher häufig sah, habe ich im letzzen Jahr vergeblich gesucht.
      Daher fraglich, ob sie noch an dieser Stelle im Spessart vorkommt, aber ich schaue nach.
      Auch Dir viel Erfolg.

  6. Hallo Roger,

    In dem besagten Waldgebiet bei Aschaffenburg habe ich gerade in den letzten Tagen vergeblich gesucht, auch schon im vorigen Jahr. Wahrscheinlich ist das Vorkommen nun auch nicht mehr aktuell (?)

  7. Hallo Rolf. Ich habe den Dukaten Falter auch in großer Anzahl das letzte Mal circa 1978 im bayerischen Spessart gesehen. Seit her habe ich diese Art dort nicht mehr beobachten können. Es gibt jedoch einen kleinen Wald in der Nähe von Aschaffenburg in dem der Dukaten Falter noch vorkommt. Völlig untypisch, Da wie du schon gesagt hast diese Art wahrscheinlich wegen klimatischerVerhältnisse abgewandert ist. Auch ich habe vor am kommenden Wochenende im bayerischen Spessart Ausschau nach diese Art zu halten. Viel Erfolg. Gruß Bernd

    Bernd Bergmann
    • Bernd, meine ich natürlich.
      Ich kenne noch 2 Stellen im Odenwald, evtl suche ich diese auch noch mal auf.
      Aber erstmal im hessischen Spessart.

  8. Danke fürs Zeigen dieses prachtvollen Falters, dem ich leider noch nicht begegnet bin. Ich bin aus Luxemburg. Ich denke es gibt den Dukatenfalter nicht (mehr) in Luxemburg.

  9. Hallo Rolf, vielen Dank für Deinen Kommentar. Hoffen wir, dass Du bei Deiner Suche im hessischen Spessart mehr Erfolg hast! Vielleicht kannst Du hier kurz berichten. Beste Grüße, Tim

  10. Bei mir im Raum Frankfurt a. M. flog der Dukatenfalter in den 1980er Jahren noch recht häufig, ich kannte mindestens 5 Stellen , an denen er vorkam.
    Nach dem Jahr 2000 gab es nur noch eine Flugstelle im Kreis Offenbach, dort hielt sich diese Art noch bis 2017. Seitdem sah ich keinen Dukatenfalter mehr. Für das Aussterben vermuten wir hier zu warme und zu trockene Sommer.
    Am kommenden Wochenende möchte ich mal einen ehemaligen Vorkommensort der Art im hessischen Spessart kontrollieren.

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