2020 – das war´s   2 comments

Also, hätte mir letztes Jahr jemand erzählt, dass 2020 selbst Gottesdienste an Weihnachten weitgehend ausfallen, ich hätte es nicht geglaubt. Auf jeden Fall wäre ich nicht darauf gekommen, dass ein Virus die Ursache sein würde.

Man kann lange darüber philosophieren, was die Gründe für diese einschneidende Wendung in der Geschichte sind. Inzwischen bin ich davon überzeugt: es ist einfach nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen (man könnte es als „Pech“ bezeichnen). Natürlich hat die globale Mobilität die Pandemie deutlich beschleunigt, aber sie war vermutlich unausweichlich und musste, statistisch gesehen, irgendwann kommen.

Ich denke, die Ursachen für Dinge, die zufällig passieren, sollte man nicht weiter ergründen. Stattdessen sollten wir nach vorne blicken: was können wir lernen?

Bemerkenswert finde ich, dass das Virus wie ein Schlaglicht auf Missstände hinweist. Z.B. auf unseren absolut nicht vertretbaren, respektlosen Umgang mit Mensch und Tier in der Fleischindustrie. Auch, wie sich plötzlich Wertschätzung und Anerkennung von Arbeit verschieben können: Wer sind denn nun die „Leistungsträger der Gesellschaft“?

Eine weitere wichtige Einsicht: mit einem Virus kann man nicht verhandeln. Er arbeitet wie ein Uhrwerk, unaufhaltsam, nach den Gesetzen der Natur. Erstaunlich, wie versucht wurde, hin- und her zu taktieren, um dann doch beim unausweichlichen „Lockdown“ zu enden. Auch der Klimawandel wird mit Macht auf uns zukommen, aber viel langsamer als ein Virus. Und was dann folgt, kann man sicher nicht kurzfristig „wegimpfen“. Da wir offenbar nicht in der Lage sind, weiter als eine Legislaturperiode zu blicken, schwant mir nichts Gutes.

Positiv ist, dass die Wissenschaft in der Krise eine bedeutende Rolle spielt. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen lassen sich Probleme lösen. Und: die Mehrheit der Menschen vertraut offenbar darauf, mal abgesehen von einer zwar lauten, aber doch kleinen Minderheit. Ich bin sehr gespannt, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Krise gewonnen werden: über das Verhalten von Menschen (Toilettenpapier?), über den Umgang mit Viren, über die Auswirkungen einer Pandemie auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Hoffentlich liefert die Krise den Anstoß endlich auf Innovation zu setzen. Sollte man „alte Zöpfe“ weiter am Tropf von Subventionen halten? Soll man nicht besser nachdenken, was uns in Zukunft weiterbringt? Apropos weiter: wohin wollen wir eigentlich? Ich denke, die künstliche Wiederbelebung des Zustands vor der Krise ist keine Lösung, sie würde nur Ressourcen verschwenden.

So, bevor ich hier weiter vom Thema abkomme: Nein, ich werde nicht schreiben, was aus schmetterlingskundlicher Sicht alles ausgefallen ist was alles nicht geklappt hat. Ich musste im letzten Jahr wieder mal lernen, dass mit unerfreulichen Themen wie „Artensterben“ (Apollofalter, Dukatenfalter) kein Blumentopf zu gewinnen ist. Interessiert einfach niemanden (oder nur ein paar Leute, die es eh schon wussten). Medial ist das Artensterben momentan ein „Luxusproblem mit Frustrationspotential“, das will keiner lesen.

Daher folgen nun meine persönlichen positiven Erfahrungen im Jahr 2020:

  • Im April konnte ich im verordneten „Home-Office“ einen Aurorafalter beim Schlupf neben meinem Monitor fotografieren.
  • Wir konnten die Entwicklung von Nachtpfauenaugen in der Puppe an der Uni Düsseldorf mittels bildgebender Kernspinresonanzspektroskopie verfolgen (dazu hoffentlich im kommenden Jahr mehr!)
  • Zusammen mit Armin Dahl und Armin Radkte hatten wir im Juni eine schöne Exkursion im kleinen Rahmen in die Eifel bei Gönnersdorf und ins Lewertbachtal. Das Biotop am Mäuerchenberg habe ich im Juli noch einmal besucht.
  • Vor 10 Jahren habe ich zuletzt Dukatenfalter vor der Linse gehabt. Im Juli 2020 konnte ich zahlreiche Tiere auf dem Kahlen Asten beobachten ohne lange suchen zu müssen.
  • Endlich habe ich – dank Jonas Mittemeyer! – ein blaues Ordensband gesehen. Seine sehr effektive „Ikea-Fangst-Falle“ habe ich als stationäres Exemplar nun im Garten stehen. Darin schon nach wenigen Tagen: ein Rotes Ordensband und ein schwarzes Ordensband – und das in der Innenstadt von Opladen! Das Konzept der „Ikea-Fangst-Falle“ kann man nur empfehlen!

Hoffen wir, dass das kommende Jahr besser verläuft und dass wir uns bald wieder frei bewegen können.
In jedem Fall werden wir uns weiter und verstärkt für den Schutz unserer Schmetterlinge einsetzen!
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein frohes neues Jahr, Glück, Erfolg und vor allem Gesundheit!

… und zur allgemeinen Aufheiterung noch einige farbenfrohe Bilder des Jahres 2020 (für die jeweilige Beschreibung bitte anklicken!):

Veröffentlicht 31. Dezember 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

2 Antworten zu “2020 – das war´s

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  1. Vielen Dank für das Teilen deiner Jahresabschlussgedanken und der (wie immer) tollen Fotos.
    Und an dieser Stelle ein großes DANKESCHÖN an alle die diesen Blog mit ihren Beiträgen so interessant und informativ machen!

    Hubertus Trilling
  2. Schöne Zusammenfassing!
    Meine Highlights in diesem Jahr: ca 80 (!) Brintesia circe hier an einer Stelle bei Frankfurt /M an einem Tag; jede Menge Grosse Füchse, Apatura ilia häufig, sogar noch in 2. Generation im September.
    Nach dem Dukatenfalter suchte ich hier bei Offenbach a. M. leider vergeblich. Aber Mitte Juni werde ich die Suche wieder aufnehmen. Ein Mann vom NABU will hier angeblich einige gesehen haben in diesem Jahr.
    (Mit Fallen tue ich keine Nachtfalter fangen. Lediglich Marder und Waschbären fange ich mit Lebendfallen …)

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