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Männer, die auf Puppen starren…   1 comment

Schmetterlinge beim Schlüpfen zu fotografieren ist eine Sache, aber Raupen bei der Verpuppung, das ist noch eine Nummer schwieriger. Es ist ein echtes Geduldsspiel, das man nur allzu oft verliert. Grade mal raus, einen Kaffee geholt, kurz mal abgelenkt, den Blick zurück und die Show ist schon vorüber.

Der erste Versuch: Tagpfauenaugen. Die Raupen stammten von Armins inzwischen schon legendärer „Öko-Wiese“. Das Ergebnis: alles verpasst, da ich zu der Zeit immer bei der Arbeit war. Zudem muss man sagen, dass nicht nur der Schwund und die mangelnde Qualität der Lebensräume den Schmetterlingen zusetzen, hinzu kommen Parasiten, insbesondere Raupenfliegen. Das Ergebnis der Zucht von 12 Raupen: 10 Fliegen, 2 Schmetterlinge. Die Maden leben in den Raupen, die es meist noch schaffen sich zu verpuppen. Doch nach ein-zwei Tagen bohren sich die Fliegenlarven wie „Aliens“ heraus und verpuppen sich ihrerseits am Boden.

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Immerhin dieses Tagpfauenauge ist geschlüpft. E.p. Haan, Ökowiese, 03.07.2020, Foto: Tim Laußmann

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Raupenfliegen-Puppen aus den Tagpfauenaugen-Puppen. E.p. Haan, Ökowiese, 02.07.2020, Foto: Tim Laußmann

So sieht übrigens eine Raupenfliege aus, gut, sie hat immerhin hübsche rote Augen, aber gegen einen Schmetterling fällt sie doch stark zurück. Man beachte auch den bemerkenswert behaarten Hinterleib. Ein Fliegen-Fan werde ich jedenfalls nicht.

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Raupenfliege, Parasit in Arctia caja, e.l. 22.06.2014 (Foto: Tim Laußmaann)

Nächster Versuch. Jonas hat mir freundlicherweise ein Eigelege vom Kleinen Fuchs überlassen. Die Raupen schlüpften schon am nächsten Tag. Das Wichtigste: garantiert frei von Raupenfliegen!

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Eigelege und junge Raupen vom Kleinen Fuchs. E.o. Schwelm, 24.06.2020, Foto: Tim Laußmann

Nach knapp drei Wochen war es dann soweit. Das Problem ist, dass man tatsächlich stundenlang auf die mit dem Kopf nach unten hängenden Raupen starren muss, damit man die wenigen Minuten der Verpuppung nicht verpasst.

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Kleiner Fuchs: Zweimal die Verpuppung verpasst. Nächster Versuch ganz links. E.o. Schwelm, 12.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Draußen hat man natürlich die beste Ausleuchtung, doch auch hier geschehen unerwartete Dinge:

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Glücklicherweise hatte ich dann nach langem Warten doch noch Glück:

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Ein sehr kritischer Moment bei der Verpuppung ist das „Übergreifen“ der Puppe mit dem klebrigen Hinterende an das Polster aus Spinnseide. Die Puppe klebt sich so an der Unterlage fest und die alte Raupenhaut fällt zu Boden. In ca. 10 % der Fälle ist die Puppe gleich mit heruntergefallen. Die Puppen liegen dann am Boden. Wenn sie nicht durch den Sturz beschädigt wurden, schlüpfen die Schmetterlinge auch aus diesen Puppen. Der hier gezeigten Puppe ist das Manöver auch nicht gelungen – glücklicherweise konnte ich eingreifen und die Puppe mit dem Hinterende befestigen. Der gesamte Häutungsvorgang dauerte 4 Minuten und 20 Sekunden.

Bei Raumtemperatur dauert die Entwicklung des Falters in der Puppe knapp zwei Wochen. Nun das Finale:

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Vom Aufsprengen der Puppenhülle bis zum vollständigen Schlupf des Falters hat es exakt 82 Sekunden gedauert. Für die Entfaltung der Flügel braucht der Falter etwa 5 Minuten. Dann müssen die Flügel noch aushärten, so dass der Falter nach etwa zwei Stunden startklar ist. Guten Flug, Kleiner Fuchs!

 

Veröffentlicht 13. August 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Neowise – Nachlese   Leave a comment

Hallo ihr Nachtschwärmer! Auf ausdrücklichen Wunsch von Armin Dahl hier mal etwas anderes als „Motten“. Immerhin fliegt es und ist (war) nachts zu sehen. Manche von Euch, die im letzten Monat in der Dunkelheit fernab jeder Zivilisation an ihren UV-Lampen gestanden haben um Nachtfalter anzulocken, werden einen ungewöhnlichen Gegenpart am Himmel entdeckt haben: den Kometen „Neowise“, genauer das Himmelsobjekt „C/2020 F3 (NEOWISE)“. Da ungewöhnliche Himmelsobjekte mein „Nebenhobby“ sind, hier ein paar Bilder des Kometen:

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Komet Neowise über Opladen in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

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Komet Neowise in der Nacht zum 22.07.2020, Einzelbild mit Lichtverschmutzung, Foto: Tim Laußmann

So wie oben gezeigt, sieht es leider aus, wenn man keine Lust hat, wochentags mitten in der Nacht in die Eifel zu fahren, wo es halbwegs dunkel wird. So hat man die enorme Lichtverschmutzung (rötlich-gelblich) mit auf dem Bild. Die Lichtverschmutzung mögen wir Lepidopterologen ja genauso wenig wie die Astronomen! Immerhin nett zu sehen: die grünlich schimmernde „Koma“ rund um den Kometenkern. Das Leuchten kommt durch ionisierte Moleküle und Atome zu Stande, welche durch die „harte“, energiereiche Sonnenstrahlung in einen angeregten Zustand überführt werden. Der „Schweif“, der hier im Bild zu sehen ist, ist im Wesentlichen Staub, der von den austretenden Gasen mitgerissen wird und langsam vom „Sonnenwind“ (Teilchenstrahlung der Sonne) weggeblasen wird. Da die Teilchen in eine höhere Umlaufbahn um die Sonne gelangen, bewegen sie sich langsam vom Kometenkern weg und ein durch die Sonne angeleuchteter, gekrümmter, weißlich-gelber Schweif entsteht. Das eigentliche Highlight der Kometen kommt aber noch:

Komet "Neowise" in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Komet „Neowise“ in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Dieses Bild hier entsteht, wenn man durch ein entsprechendes Programm („PixInsight“) insgesamt 20 solcher mangelhafter Einzelbilder addiert, dabei noch die Bewegung des Kometen selbst kompensiert, die Lichtverschmutzung rausrechnet und durch ein paar besondere Funktionen den dynamischen Bereich der Bilder erhöht. So wird nun auch der schöne, bläuliche Plasmaschweif erkennbar, der sich vom Kometenkern bis in die linke obere Ecke des Bildes zieht. Er wird ebenfalls durch ionisierte Atome und Moleküle (hauptsächlich Kohlenmonoxid) erzeugt. Dieser Schweif zeigt immer ziemlich gerade von der Sonne weg und wird zudem von Magnetfeldern des Sonnenwinds beeinflusst, so dass sich die Strukturen ständig ändern. Bemerkenswert, wie die Teilchen und Moleküle wie ein „Strahl“ vom Sonnenwind aus dem Kometenkern hausgetrieben werden.

Nun verschwindet der Komet wieder in die Ferne des Weltalls. Er wird um das Jahr 8880 zurückkehren. Dann sind wir mit Sicherheit alle Geschichte. Schade, dass ich nicht doch raus in die Eifel gefahren bin… Aber: nach dem Kometen ist vor dem Kometen! Der letzte „große“ Komet hat uns 1997 besucht („Hale-Bopp“, C/1995 O1). Eine wirklich legendäre Erscheinung! Foto unten, noch ganz analog auf Ektachrome 1000 aufgenommen.

Hale-Bopp 1997

Komet „Hale-Bopp“, Plettenberg, Germany Date: March 31, 1997 21:30 UT, Foto: Tim Laußmann

… und nicht zu vergessen: „Hyakutake“ C/1996 B2:

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Komet „Hyakutake“ Ende März 1996, Wuppertal, Foto: Tim Laußmann

Veröffentlicht 10. August 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Fliegende Goldstücke auf dem Kahlen Asten   14 comments

Im Jahr 1985 nahm meine Leidenschaft für „Feuerfalter“ ihren Anfang: Während eines Sommerurlaubs in Holzhausen an der Eder (muss man nicht kennen) entdeckte ich in einer nahe gelegenen stillgelegten Tongrube meinen ersten Dukatenfalter. Die im Flug rot-golden aufblitzenden Männchen sind echte Hingucker, praktisch gar nicht zu übersehen. Leider sind die Vorkommen dieses Falters begrenzt. In der Eifel, wo ich mich wegen der reichhaltigeren Falterfauna regelmäßig aufhalte, kommt er gar nicht (mehr) vor. Angeregt durch einen Artikel in der aktuellen „Melanargia“ über die Trupbacher Heide nördlich von Siegen, habe ich mich auf den Weg Richtung Sauerland gemacht.

Zunächst sollte es direkt auf den Kahlen Asten gehen. Dort wurden laut Observation.org zahlreiche Falter im vergangenen Jahr gesichtet. Also: um halb sieben ins Auto, denn je früher man im Gebiet ist, desto höher die Chance, noch träge Falter beim Sonnenbad zu fotografieren! Um halb neun war ich vor Ort und: keine fünf Minuten später fand ich direkt am Parkplatz die ersten zwei prächtig gefärbten frischen Männchen! In den folgenden zwei Stunden konnte ich insgesamt 15 Männchen und 3 Weibchen dokumentieren. Als sich dann gegen elf die ersten Touristen aus Bussen über den zweithöchsten Berg in NRW ergossen, war es Zeit aufzubrechen und die Population auf der Trupbacher Heide auf dem Rückweg zu kontrollieren.

Leider, leider konnte ich dort keinen einzigen Dukatenfalter beobachten, obwohl das Gebiet einen wirklich erstklassigen Eindruck macht, sehr blütenreich und bestens im Sinne der Artenvielfalt gepflegt. In dem Artikel in der „Melanargia“ berichtet die Biostation Siegen-Wittgenstein, dass die sehr trockenen Sommer in den letzten Jahren zu einem geringen Blütenangebot geführt haben. Ist dies die Ursache für den Rückgang der Dukatenfalterpopulation? Zudem überwintert diese Art als Ei an trocknen Pflanzenteilen und die jungen Räupchen brauchen im Frühling frischen Sauerampfer als Nahrung – trockene Frühjahre wie in diesem Jahr dürften hier nicht förderlich sein.

Hoffen wir, dass es dem „fliegenden Goldstück“ gelingt, das Gelände für sich zurückzuerobern!

Unten ein paar aktuelle Fotos vom Kahlen Asten und zwei Fotos von Dukatenfaltern auf der Trupbacher Heide von 2009. Nach meinen Aufzeichnungen habe ich damals dort am 5.7.2009 insgesamt 18 (!) Männchen und 3 Weibchen gefunden, zudem mehr als 50 Schachbrettfalter, dieses Jahr nur 7. Singuläre Wetterextreme scheinen den sowieso schon bedrohten Schmetterlingsarten zusätzlich zu schaden.

Ergänzung: Wegen der angeregten Diskussion habe ich noch mal meine Fotosammlung und meine Aufzeichnungen durchgesehen.

Hier die Orte, wo ich den Dukatenfalter sonst noch gefunden habe (Fotos ganz unten, damals noch auf Diafilm):

20.07.1989: Burgwald nördlich von Marburg: 2 Männchen, 2 Weibchen
15.07.1990: Burgwald nördlich von Marburg: 1 Männchen
20.07.1990: Lüneburger Heide bei Undeloh
09.08.1998: NSG „Fuchskaute“ im Westerwald: 2 Männchen
18.07.1999: NSG „Fuchskaute“ im Westerwald: 8 Männchen

Aktuelle Fotos vom Kahlen Asten:

Bilder von der Trupbacher Heide (Jahr 2009):

Ältere Funde:

 

Veröffentlicht 16. Juli 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Helle Begeisterung im Lewertbachtal   Leave a comment

Zygaena loti – Beilfleck-Widderchen, Mäuerchenberg bei Gönnersdorf, 05.06.2020, Foto: Tim Laußmann

Eiskalt – das waren die Wetteraussichten für unser Eifel-Wochenende vom 05. bis 07 Juni 2020. Schon Tage vorher bahnte es sich an: eine Kaltfront aus Nordost ließ nichts Gutes erwarten. Als wir uns dann auf der Dahlemer Binz bei 8 Grad, Nieselregen und einer steifen Brise trafen, war die Laune nicht die Beste. Aber die Erfahrung hat uns gelehrt: selbst bei den geringsten Aussichten auf Erfolg gibt es oft die besten Ergebnisse. Also: erstmal zum Aufwärmen in die Ferienwohnung in Lissendorf, wo wir sehr nett aufgenommen wurden. Nach einer kleiner Pause ging es dann raus um die Lage zu peilen: wo sind gute Leuchtplätze für die Nacht? Der Regen hatte inzwischen aufgehört und es kam für eine halbe Stunde die Sonne heraus. Trotz kalter Luft zeigten sich rasch die ersten Schmetterlinge auf einer Wiese gegenüber dem Mäuerchenberg bei Gönnersdorf und somit auch das Potential des Gebietes: Zygaena loti (Beilfleck-Widderchen) und Plebejus argus (Argus-Bläuling). Doch am Abend kam die Ernüchterung: bei gerade mal 5 Grad und aufklarendem Himmel gesellte sich noch der Vollmond hinzu. Die aufgebauten Leuchtanlagen konnten wir noch vor Mitternacht wieder einpacken: nur ein paar Agrotis exclamationis (Ausrufungszeicheneule) und Charanyca trigrammica (Dreilinieneule) leisteten uns Gesellschaft. Mit klammen Fingern mussten wir die Aktion abbrechen.

Am nächsten Tag zeigte ich dann gegen Mittag die Sonne. Bei wolkigem Himmel mit Aufheiterungen ging es ins Lewertbachtal, dem eigentlichen Ziel unserer Exkursion. Gerade ausgestiegen, fanden wir nach fünf Minuten das erste Highlight: Den Lilagold-Feuerfalter Lycaena hippothoe. Dank des kalten und unbeständigen Wetters konnte man viele Schmetterlinge in Ruhe beobachten: Boloria selene (Braunfleckiger Perlmuttfalter), Boloria eunomia (Randring-Perlmuttfalter) und die ersten Brenthis ino (Mädesüß-Perlmuttfalter). Viele Falter schienen nach dem ersten Regenguß nach wochenlanger Trockenheit gerade frisch geschlüpft zu sein. Dann der Höhepunkt: Lycaena helle (Blauschillernder Feuerfalter), gleich zwei Weibchen bei der Eiablage an Schlangen – Knöterich (Polygonum bistorta). Einige Baumweißlinge (Aporia crataegi) rundeten das Bild ab.

Da der Tag lang war und die Aussichten für die Nacht ähnlich schlecht wie am Vortag, machten wir es uns in der Ferienwohnung bei einem Gläschen Moselriesling gemütlich und ließen den Tag ausklingen.

Der folgende Morgen lieferte dann noch ein paar schöne Beobachtungen am Mäuerchenberg und, schon auf der Heimfahrt, am Höneberg. Dort konnten wir dann das Ergebnis der gemeinsamen Entbuschungsaktion mit der örtlichen Biostation und zahlreichen anderen Freiwilligen begutachten: überall blühende Teufelskralle, wo vorher noch dichtes Wachholdergebüsch stand.

Hier einige Fotos (Bitte anklicken für Infos!). Leider fehlen dieses mal – aus verständlichem Grund – die nachtaktiven Nachtfalter.

Ich musste wieder einmal feststellen – mein neues Weitwinkel-Zoom von Sigma liefert auf Grund extremer Farbwiedergabe Postkarten – Landschaften!

Veröffentlicht 12. Juni 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Tagfalter

Morgenröte   5 comments

Aurora nannten die Römer ihre Göttin der Morgenröte. Gleichzeitig ist sie namensgebend für den Aurorafalter, der dieses Jahr offenbar ein gutes Jahr erwischt hat. Die Männchen fallen durch ihre orangefarbene Fügelspitzen auf – in der Farbe der Morgenröte. Die Weibchen hingegen sind leicht mit kleinen Kohlweißlingen und Grünaderweißlingen zu verwechseln. Eine Besonderheit ist die Musterung der Flügelunterseite, mit der sich die Gestalt des Falters in der Vegetation komplett auflöst. Mancher Lepidopterologe musste sich schon wundern – gerade fliegt der Falter vorbei – dann setzt er sich, die Flügel klappen zusammen und er ist wie von Erboden verschwunden. Auch die Raupen, die an Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis), aber insbesondere an Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) zu finden sind, sind Meister der Tarnung – genauso wie die Puppen, die überwintern. Für mich sind die Aurofalter die schönsten Frühlingsboten, die man sich vorstellen kann. Hier einige aktuelle Bilder… Frohe Ostern Euch allen!

Veröffentlicht 12. April 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Frühling an der Wupperschleife in Opladen   3 comments

In einer Zeit, in der uns die Natur eindrucksvoll zeigt, dass auch wir ihren Gesetzmäßigkeiten unterliegen und nicht etwa neben ihr stehen oder gar über ihr, können wir alle ein bisschen Aufheiterung gebrauchen. Daher hier ein paar Bilder von der Frühlingsflora an der Wupperscheife in Opladen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich an dieser Stelle jemals den Papst zitieren würde, aber folgende Worte seines Segens Orbi et Orbi von letztem Freitag erscheinen mir doch sehr treffend:

„Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“

– kann man ja mal drüber nachdenken.

Veröffentlicht 29. März 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Was vom Jahr 2019 übrig bleibt…   1 comment

Zum Jahresende ist es Zeit für einen kleinen persönlichen schmetterlingskundlichen Rückblick auf das Jahr 2019.

Positiv war, dass der Umweltschutz wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt ist. Mein Eindruck ist, dass das Thema regelrecht wieder entdeckt wird. Hier haben Bewegungen wie „Fridays For Future“ einen wichtigen Beitag geleistet. Allerdings frage ich mich, warum das Artensterben – ich sage mal zwischen 1990 und 2018 – in der öffentlichen Diskussion kaum noch eine Rolle spielte. Klar, es gab zahlreiche Beiträge zum Artensterben im Fernsehen – immer nett anzuschauen – und auch wir als Insektenkundler haben immer wieder darüber gesprochen. Tatsächlich wurde der Artenverlust aber nur „verwaltet“. Politisch geändert wurde nur wenig. Für mich eindrucksvoll war ein Spaziergang in diesem Herbst durch die toten Fichtenwälder an der Sengbachtalsperre bei Schloss Burg an der Wupper. Über 80 Jahre alte Bäume stehen dort als „Gerippe“ in der Landschaft – die Trockenheit in den letzten Sommern hat ihnen den Rest gegeben. Nun werden diese toten Wälder abgeräumt – mache schimpfen auf den Borkenkäfer – aber der hat ja nur seine natürliche Aufgabe an den schwer vorgeschädigten Bäumen erledigt. Es drängen sich Vergleiche zum „Waldsterben“ in den 1980er Jahren auf. Aber: hat man etwas gelernt? Eine halbe Milliarde Euro Steuergelder für Wiederaufforstung – mit Esskastanie und Douglasien? Täusche ich mich, oder ist hier schon wieder Lobbypolitik am Werk? Wie wäre es mit natürlicher Wiederbewaldung – z.B. mit Hilfe des Eichelhähers?

Jedenfalls denke ich bei den aktuellen Umweltschutzthemen immer zurück an die 1980er Jahre – alles schon mal diskutiert worden – auch der Artenrückgang bei den Schmetterlingen. Die akademische Forschung war lange aus dem Thema faktisch ausgestiegen. Nun wird es dort wiederentdeckt. Das hat mich dann zu einem Leserbrief in „Spektrum der Wissenschaft“ bewogen. Zudem waren wir mit einem Beitrag bei der „Konferenz der Arten“ in Bonn dabei und arbeiten nun an einem Artikel zu „160 Jahren Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal“. Hier eine kleine Vorschau auf die Ergebnisse:

Diese Grafik zeigt den Artenverlust bei Großschmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) und die Neuzugänge ("Arealerweiterer") aus Süd- und Westeuropa im Raum Wuppertal. Der Verlust von Arten wurde anhand der jeweils letzten Beobachtung im Gebiet dokumentiert. Die Neuzugänge entsprechend anhand des Datums der ersten Beobachtung im Gebiet.

Diese Grafik zeigt den Artenverlust bei Großschmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) und die Neuzugänge („Arealerweiterer“) aus Süd- und Westeuropa im Raum Wuppertal. Der Verlust von Arten wurde anhand der jeweils letzten Beobachtung im Gebiet dokumentiert. Die Neuzugänge entsprechend anhand des Datums der ersten Beobachtung im Gebiet.

Wir hatten dieses Jahr einige schöne Exkursionen, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Unsere Mosel-Exkursion, einen Ausflug zum Schlangenberg bei Stolberg, eine Exkursion in die Eifel bei Blankenheim und Dahlem, unser tranditioneller Leuchtabend an der Naturschule Grund in Remscheid. Einer meiner besonderen Lieblinge (ich bin ein ausgesprochener Fan von Bläulingen) ist zum Schmetterling des Jahres 2020 ernannt worden. Zudem ist es uns gelungen, trotz jahrelanger Bürokratie, eine naturnahe Wiese an unserem Arbeitsplatz einzurichten.

Negativ war für mich die Ausbeute bei meinem diesjährigen Ausflug im Juni zum Mosel-Apollofalter. In den 1990er Jahren gab es dort Tage, an denen ich mehrere Dutzend Falter z.B. an der Brauselay bei Cochem beobachten konnte – dieses Jahr war es nur ein Falter. Ein Negativtrend, der schon seit geraumer Zeit beobachtet wird (siehe hierzu die Diskussion im Lepiforum, die von Klaus Hanisch gestartet wurde).

Zum versöhnlichen Abschluss noch einige Bilder aus dem Jahr 2019, die noch nicht in anderen Beträgen gezeigt wurden (für die Beschreibung bitte anklicken!).

Veröffentlicht 29. Dezember 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Insektensterben, Tagfalter

Eifel-Exkursion am 06.07.2019   1 comment

Unsere diesjährige Eifel-Exkursion mit einer „Kerntruppe“ von 5 Teilnehmern führte uns in drei recht unterschiedliche Biotope: die ehemaligen Steinbrüche am Sönsberg bei Dahlem, ein abgelegenes Bachtal nördlich von Kronenburg und das Lampertstal zwischen Dollendorf und Ripsdorf. Bei mildem Wetter konnten wir zunächst feststellen, dass die Natur im Vergleich zum sehr warmen Jahr 2018 noch zwei bis drei Wochen zurücklag. Der Silbergrüne Bläuling (Lysandra coridon) war nur in wenigen, ganz frisch geschlüpften Exemplaren zu finden. ähnlich sah es beim Kaisermantel (Argynnis paphia) aus. Dafür flogen in den Steinbrüchen am Sönsberg zahlreiche, nicht mehr taufrische, Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia). Überrascht waren wir von der Artenvielfalt und den erstklassigen Magerwiesen im Lewertbachtal. Große Bestände von Heilziest schmückten die halbfeuchten Wiesen. Hinzu kamen zahlreiche Fruchtstände vom Klappertopf. Sicher ist dieses Gelände ein Ziel für zukünftige Exkursionen. Abschließend, schon auf dem Rückweg, gab es noch einen Zwischenstopp im Lampertstal. Dort war eine Vielfalt an Widderchen (Zygaenidae) zu finden, deren Bestimmung noch vorläufig ist. Der gesuchte Große Ameisenbläuling (Maculinea arion) zeigte sich leider nicht. Dennoch waren am Ende des Tages bei den vom stundenlangen Umherlaufen erschöpften Teilnehmern zahlreiche Arten auf dem Zettel. Hier ein paar fotografische Eindrücke (Bilder bitte anklicken!). Einige wenige Fotos stammen von der Vorexkursion am 04.07.2019.

Veröffentlicht 11. Juli 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Tagfalter

Am Johanniskraut: jetzt auf Adela violella achten!   3 comments

Heute habe ich wieder zwei Exemplare der Langhornmotte Adela violella am Tüpfel-Johanniskraut bei mir im Garten in Leverkusen beobachten können. Die Winzlinge fallen durch ihren typischen „hüpfenden“ Flug und natürlich durch die langen Fühler auf. Die Tiere fliegen gerne in der prallen Sonne. Am besten wartet man an einem schattigen Platz, bis sie von der Raupen-Futterpflanze auffliegen. Bisher konnte ich die Tiere immer nur einzeln, nie in größeren Mengen finden.

Wer also Lust hat, sich auf die Suche nach den kaum 5 mm messenden Winzlingen (Fühler nicht eingerechnet!) zu begeben, hier ein paar Bilder (anklicken!):

 

Veröffentlicht 22. Juni 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Bläulingsparade am Schlangenberg   2 comments

Gut, ich gebe es zu: Bläulinge sind meine Lieblingsschmetterlinge. Sie haben so nett geringelte Fühler und Knopfaugen und bestechen durch knallige Farben, die bei den Feuerfaltern auch mal ins metallisch-glänzende übergehen.

Über Observation.org kann man sehr schön von anderen Entomologen erfahren, welche Falter (und somit auch Bläulinge) gerade ihre Flugzeit beginnen. Das ist wichtig, denn ganz frische Falter sehen natürlich besonders schön aus.

Am Freitag, 07. Juni 2019 fuhr ich also früh morgens um 6:30 Uhr zum Naturschutzgebiet Schlagenberg bei Stolberg. Der dortige Schwermetallrasen mit Galmeivegetation bietet zahlreichen hoch spezialisierten Pflanzen einen Lebensraum, z.B. dem Galmei-Veilchen und der Galmei-Grasnelke. Wenn man früh vor Ort ist, kann man den Schmetterlingen nach einer kühlen Nacht beim Aufwachen zuschauen. Dann sitzen sie oft mit ausgebreiteten Flügeln in der Vegetation und wärmen sich in der Morgensonne auf. Leider gab es einen heftig auffrischenden, böigen Wind, der das Fotografieren erheblich erschwerte. Da hilft nur: Luft anhalten, auf eine windstille Sekunde warten und – abdrücken. Dabei habe ich auch jede Menge (bestimmt 90 %) unbrauchbare Fotos produziert, was ja im Digitalzeitalter kein Problem mehr ist.

Beeindruckend war die hohe Zahl an Bläulingsarten auf dem Schlangenberg. Insbesondere den Lilagold-Feuerfalter kann man dort bewundern. Der metallische Glanz der Männchen variiert je nach Alter des Falters und nach je nach Lichteinfall zwischen kupferrot und violettrot. Hier eine Auswahl der Fotos (bitte anklicken)!

Veröffentlicht 11. Juni 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Leuchtabend an der Naturschule Remscheid-Grund   1 comment

Am 31. Mai fand wieder unsere jährliche Nachtexkursion zur Naturschule Grund in Remscheid statt. Bestens umsorgt von Jörg Liesendahl, dem pädagogischen Leiter der Umweltbildungsstation, konnten wir wieder zahlreiche Nachtfalterarten an unseren mit UV-Lampen ausgestatteten Leuchttürmen bewundern. Wie kaum ein anderes Gelände in diesem Naturraum vereinigt das Grundstück der Schule zahlreiche Biotopformen auf kleinstem Raum: Feuchtgebiete, Laubmischwald, Bauerngarten, Heckenlandschaft und, auf dem nahe gelegenen Sportplatz, trocken-warme Kleinstbiotope. So standen dann auch um halb zwei in der Nacht gut 50 Großschmetterlingsarten auf der Liste – und das trotz aufklarendem Himmel und entsprechender Abkühlung. Hier ein paar Beispiele der beobachteten Nachtfalterarten (Fotos bitte anklicken!):



Die Artenliste, Stand 10. Juni 2019

KR-Nr wiss. Name Anzahl
3380 Nemophora degeerella (Linnaeus, 1758) 1
3770 Cauchas fibulella (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
3910 Nematopogon swammerdamella (Linnaeus, 1758) 5
7010 Monopis weaverella (Scott, 1858) 1
15280 Plutella porrectella (Linnaeus, 1758) 3
34190 Teleiodes luculella (Hübner, 1813) 1
44710 Cnephasia incertana (Treitschke, 1835) 1
45200 Eulia ministrana (Linnaeus, 1758) 1
47310 Celypha lacunana (Denis & Schiffermüller, 1775) 8
47940 Lobesia reliquana (Hübner, 1825) 1
50250 Notocelia rosaecolana (Doubleday, 1850) 1
50660 Ancylis diminutana (Haworth, 1811) 1
51440 Cydia pomonella (Linnaeus, 1758) 1
53230 Alucita hexadactyla Linnaeus, 1758 1
54850 Pterophorus pentadactyla (Linnaeus, 1758) 1
55500 Adaina microdactyla (Hübner, 1813) 1
55690 Aphomia sociella (Linnaeus, 1758) 1
61660 Scoparia basistrigalis Knaggs, 1866 7
62510 Crambus lathoniellus (Zincken, 1817) 1
66580 Eurrhypara hortulata (Linnaeus, 1758) 1
66800 Agrotera nemoralis (Scopoli, 1763) 1
69980 Pieris rapae (Linnaeus, 1758) 1
70240 Gonepteryx rhamni (Linnaeus, 1758) 1
74810 Thyatira batis (Linnaeus, 1758) 1
75030 Watsonalla binaria (Hufnagel, 1767) 3
75300 Ligdia adustata (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
75390 Macaria notata (Linnaeus, 1758) 1
75420 Macaria liturata (Clerck, 1759) 2
75470 Chiasmia clathrata (Linnaeus, 1758) 1
75960 Petrophora chlorosata (Scopoli, 1763) 1
76130 Opisthograptis luteolata (Linnaeus, 1758) 1
76470 Odontopera bidentata (Clerck, 1759) 1
76860 Biston betularia (Linnaeus, 1758) 1
77540 Peribatodes rhomboidaria (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
78000 Parectropis similaria (Hufnagel, 1767) 3
78280 Lomographa bimaculata (Fabricius, 1775) 1
78290 Lomographa temerata (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
78360 Campaea margaritata (Linnaeus, 1767) 2
80240 Cyclophora linearia (Hübner, 1799) 1
80280 Timandra comae A. Schmidt, 1931 1
81550 Idaea seriata (Schrank, 1802) 1
82490 Xanthorhoe designata (Hufnagel, 1767) 2
82520 Xanthorhoe spadicearia (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
82550 Xanthorhoe montanata (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
82750 Epirrhoe alternata (Müller, 1764) 1
83380 Ecliptopera silaceata (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
83680 Electrophaes corylata (Thunberg, 1792) 2
83850 Colostygia pectinataria (Knoch, 1781) 10
86560 Asthena albulata (Hufnagel, 1767) 1
87270 Pheosia tremula (Clerck, 1759) 2
87280 Pheosia gnoma (Fabricius, 1776) 1
87720 Moma alpium (Osbeck, 1778) 1
87780 Acronicta aceris (Linnaeus, 1758) 1
89940 Hypena proboscidalis (Linnaeus, 1758) 7
90080 Rivula sericealis (Scopoli, 1763) 3
90450 Diachrysia chrysitis (Linnaeus, 1758) 1
91140 Protodeltote pygarga (Hufnagel, 1766) 1
94560 Charanyca trigrammica (Hufnagel, 1766) 1
95050 Phlogophora meticulosa (Linnaeus, 1758) 1
97840 Oligia fasciuncula (Haworth, 1809) 3
100020 Mythimna albipuncta (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
100380 Orthosia gothica (Linnaeus, 1758) 1
100680 Pachetra sagittigera (HUFNAGEL, 1766) 1
100820 Axylia putris (Linnaeus, 1761) 2
100860 Ochropleura plecta (Linnaeus, 1761) 2
100930 Diarsia rubi (Vieweg, 1790) 1
101990 Xestia c-nigrum (Linnaeus, 1758) 3
103480 Agrotis exclamationis (Linnaeus, 1758) 5
103870 Calliteara pudibunda (Linnaeus, 1758) 7
104990 Eilema sororcula (Hufnagel, 1766) 6
105670 Spilosoma lubricipeda (Linnaeus, 1758) 1
1001600 Thera variata/britannica ARTKOMPLEX 1
1003000 Oligia strigilis/latruncula/versicolor ARTKOMPLEX 5

Veröffentlicht 10. Juni 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Exkursion ins Rotbachtal und zum Bürvenicher Berg am 26.05.2019   5 comments

Die diesjährige gemeinsame Exkursion der Botaniker und Entomologen des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal führte in das Rotbachtal bei Schwerfen in der Eifel und zum nahe gelegenen Bürvenicher Berg. Bei mäßig warmen Wetter und eher bedecktem Himmel hielt sich die Ausbeute aus schmetterlingskundlicher Sicht in Grenzen. Das relativ junge Naturschutzgebiet Rotbachtal (seit 2004) war vielen von uns nicht bekannt. Bei der Wanderung stellte sich heraus, dass das Tal einiges an Potential hat, jedoch die Tal- und Hangwiesen teilweise noch mit einem hohen Nährstoffgehalt zu kämpfen haben. Dennoch gab es eine Anzahl botanischer Highlights zu bewundern, z.B. eine Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) kurz vor der Blüte. Abschließend ging es noch zu den Kalkmagerrasen am nahe gelegenen Bürvenicher Berg. Hier einige Fotos (für die Beschreibung bitte anklicken!)

 

Veröffentlicht 1. Juni 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Blick ins Innere   2 comments

Die Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling ist sicher eines der faszinierendsten Schauspiele, die die Natur zu bieten hat. Aus ein und derselben genetischen Information entstehen zwei vollkommen unterschiedliche Lebewesen: kaum etwas lässt vermuten, dass aus dem unscheinbaren wurmförmigen Wesen einmal ein Schmetterling werden wird. Moderne Technik macht es möglich, die Entstehung eines Schmetterlings in der Puppe sichtbar zu machen und das ohne das Tier dabei beschädigen zu müssen: Prof. Ulrich Flögel vom Institut für Molekulare Kardiologie an der Uni Düsseldorf verfügt über ein Kernspinresonanzspektrometer das so modifiziert wurde, dass man damit Bilder aus dem Inneren von Lebewesen erzeugen kann. Im Wesentlichen wird die Verteilung von Wasser gemessen. Wo ansonsten Mäuse untersucht werden, wurden nun in einer explorativen Studie Puppen unseres „Haustieres“, des Kleinen Nachtpfauenauges, in verschiedenen Entwicklungsstadien in Hunderten von Schnittebenen angeschaut. Hier einige Bilder als Vorschau (bitte anklicken!). Wir hoffen, daraus in Zusammenarbeit mit Biologen an der Uni Düsseldorf ein interessantes Forschungsprojekt entwickeln zu können. Dazu müssen nun erstmal die gewonnen Daten gesichtet werden…

Veröffentlicht 12. Mai 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Mission: Callophrys rubi – Grüner Zipfelfalter   4 comments

Da wir eine aktualisierte Neuauflage unseres Jahresberichts „150 Jahre Schmetterlingsbeobachtung im Raum Wuppertal“ planen, habe ich begonnen, Fotos zu den noch vorhandenen aber auch zu den prominenten verschwundenen Arten zusammenzustellen. Bei den Tagfaltern fiel mir auf, dass ich eigentlich kein wirklich schönes Bild von Callophrys rubi, dem Grünen Zipfelfalter, habe. Warum ist das so? Nun, der Falter fliegt sehr früh im Jahr, ab Mitte April. Die Falter sind daher zu Beginn der Schmetterlings-Hochsaison im Mai schon recht „abgeflogen“, haben also bereits einige Flugtage hinter sich, Schuppen und Fransen sind verloren gegangen… zudem: unser einziger wirklich grüner Tagfalter beherrscht die Technik des „sich in Luft Auflösens“ wie kein anderer: Der scheue Falter setzt sich bei Sonnenschein oft nur ganz kurz, fliegt bei Annäherung auf, die grüne Untersite blitzt noch ein paar mal auf, die braune Oberseite macht den Falter zwischendurch fast unsichtbar – dann landet er wieder in der grünen Vegetation und ist dort perfekt getarnt und unauffindbar. Wenn es noch kühl ist, sonnt er sich gerne am Boden und zwar nie mit offenen Flügeln, sondern immer nur seitlich mit zusammengeklappten Flügeln. Dabei dreht und kippt er die Flügelunterseite gerade so, dass sie zur einfallenden Sonnenstrahlung im rechten Winkel steht. Das Problem für den Fotografen: um den Falter in seiner Pracht abzulichten, muss man sich von der Sonnenseite nähern – sobald aber ein Schatten auf den Falter fällt – schwupps kommt die Technik des sich in Luft Auflösens zum Einsatz. Kurz gesagt: diesen schönen Schmetterling in perfektem Zustand bei guter Ausleuchtung abzulichten ist eine echte Geduldsprobe.

Oft nehme ich mir für meine Fotoexkursionen exakt eine Schmetterlingsart als Zielart vor. Andere Bilder sind dann nur „Beifang“. Meiner Erfahrung nach sollte man an einem Tag mit heiterem, kühlen, aber weitgehend windstillem Wetter in der Frühe, also so ein – zwei Stunden nach Sonnenaufgang ins Gelände gehen. Dann sitzen viele Schmetterlinge in der Sonne um sich aufzuwärmen, breiten ihre Flügel aus und sind noch recht träge. Steht die Sonne hoch am Himmel und es ist wolkenlos, sind die meisten Schmetterlinge geradezu hyperaktiv, drehen sich hektisch bei der Nektarsuche auf Blüten hin und her und fliegen rasch auf, wenn man sich nähert.

Gesagt, getan: es musste ein gescheites Foto von Callophrys rubi her: Am „Osterdienstag“ war gutes Wetter angesagt, also um halb sieben ins Auto und auf in die Eifel. Das Ziel: der Kuttenberg bei dem Örtchen Eschweiler in der Nähe von Bad Münstereifel. Dort hatte ich den Falter schon vor mehr als zwanzig Jahren fotografiert. Doch vor Ort war es um halb acht gerade mal 10 Grad kalt, es gab hohe, relativ dichte Schleierbewölkung. Die Vegetation war auch noch recht weit zurück: die Schlüsselblumen gerade in voller Blüte. Ich hoffte also auf baldige Auflockerung und Sonne. Leider ging das so über zwei Stunden, dann gab es einen kurzen Moment Sonne: und siehe da, ein Grüner Zipfelfalter flatterte vor mir auf, sonnte sich kurz, doch mehr als ein Beweisfoto war nicht drin. Dann wieder zwei Stunden keine Sonne – zu einem einzigen Gelbspanner (Opisthograptis luteolata), der sich netterweise auf einer gerade hervorsprießenden Knabenkrautblüte niedergelassen hatte, und einem mehr oder weniger unterkühlten Kleinen Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) hatte ich schon ein persönliches Verhältnis aufgebaut. Ein echter Frust, also entschied ich mich gegen zwölf Uhr aufzugeben. Beim Verlassen der Fläche schaute ich noch einmal ober die zahlreichen Löwenzahnblüten auf der angrenzenden extensiv gepflegten Wiese – ich wusste, dass die Falter dort gerne Nektar saugen – und siehe da: ein einziger frischer Grüner Zipfelfalter saß recht unterkühlt und träge auf einer Blüte – ich konnte es kaum glauben. Seht hier nun die Fotos (anklicken!), die ich aufnehmen konnte, bevor der Schmetterling sich wieder mal – in Luft auflöste!

Veröffentlicht 26. April 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Ursachen für den „Schmetterlingsschwund“   1 comment

Der Verlust an Artenvielfalt und Biomasse bei Insekten ist – glücklicherweise – immer noch ein Thema. Daher möchte ich aus aktuellen Anlass nochmal unsere bereits im Jahr 2010 publizierten Erkenntnisse zu den Ursachen des „Schmetterlingsschwunds“ speziell im Raum Wuppertal zusammenfassen. Eine ausführliche Version gibt es hier: JB 2010 zu lesen, eine komprimierte Zusammenfassung hier: EZ 2010. Wer ganz in die Tiefe gehen will, kann sich auch die zugrunde liegende Excel-Tabelle ansehen: Auswertung Entwicklung der Falterfauna im Raum Wuppertal

Die systematische Beobachtung von Schmetterlingen hat im Raum Wuppertal eine sehr lange Tradition. Daher liegen uns heute recht detaillierte Daten aus einem Zeitraum von ca. 150 Jahren vor. Somit können wir die langfristige Entwicklung der Schmetterlingsfauna der Region näher zu beleuchten. Gustav Weymer publizierte seine Schmetterlingsbeobachtungen im heutigen Raum Wuppertal erstmals 1863 in den Jahresberichten des Naturwissenschaftlichen Vereins von Elberfeld und Barmen und ergänzte diese im Jahr 1878. Hinzu kamen Notizen über die Lepidopterenfauna der Hildener Heide im Jahr 1908 (Weymer 1908). Unsere Kenntnis über die Wuppertaler Schmetterlingsfauna ab ca. 1920 verdanken wir vor allem den ausgesprochen engagierten Lepidopterolgen Helmut Kinkler, Willibald Schmitz, Friedhelm Nippel und Günter Swoboda, die in den 1970er und 1980er Jahren Sammlungen und Daten aus dem Bergischen Land von über 70 Schmetterlingskundlern zusammentrugen. Zusammen mit unseren eigenen Beobachtungen ab dem Jahr 1990 ergibt sich in klares Bild: Der Artenverlust betrifft -Überraschung- hauptsächlich Charakterarten offener Landschaften.

Ich kann mich gut an lange Abende erinnern (denn wir sind ja Hobby-Entomologen), in denen wir damals Daten ausgewertet und die historischen Häufigkeitsangaben zu einzelnen Arten diskutiert haben. Die Quintessenz habe ich hier noch einmal „kondensiert“:

Es wurden im Raum Wuppertal insgesamt 734 Großschmetterlingsarten (Stand 2010) in den vergangenen ca. 150 Jahren beobachtet. Davon waren 107 Einzelfunde (Arten, die nur wenige Male beobachtet wurden und bei denen unklar ist, ob sie bodenständig und extrem selten oder schwer zu beobachten sind oder sich nur in das Gebiet „verirrt“ hatten). Weitere 112 Arten konnten wir hinsichtlich ihrer Häufigkeitsentwicklung nicht bewerten, weil sie bekanntermaßen schwer zu beobachten oder zu bestimmen sind (z.B. Glasflügler, einige Blütenspanner, Sackträger und Arten, die im Beobachtungszeitraum als zwei verschiedene Arten erkannt wurden). Es verbleiben 515 Arten, die hinsichtlich ihrer Häufigkeitsentwicklung bewertet werden konnten. Davon haben 29 % der Arten in ihrer Häufigkeit abgenommen (oder sind verschwunden), 123 waren und sind selten, 190 sind gleichbleibend häufig, 52 Arten haben in ihrer Häufigkeit zugenommen.

Anzahl Arten in Gefährdungskategorien

Nun stellt sich die Frage nach einer ökologischen Bewertung. Hierzu verweisen wir auf das „Praxishandbuch Schmetterlingsschutz“, aus welchem wir die Biotopansprüche jeder einzelnen Art entnommen haben. Wer heute nach Ursachen für den Artenrückgang bei Insekten fragt, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!

Es stellt sich -wenig überraschend- heraus, dass sich unter den Arten mit abnehmender Häufigkeit im Wesentlichen Charakterarten befinden, also solche, die eine hohe Biotop-Spezialisierung aufweisen. Dem stehen die „Ubiquisten“, also relativ anspruchslose, ökologisch flexible Arten gegenüber (Arten, die weder Charakterart noch Ubiquist sind, sind nicht dargestellt).

Charakterarten in den Gefährdungskategorien

Das eigentlich Interessante ist, dass die Arten, die auf offene Landschaftstypen spezialisiert sind, besonders von dem Häufigkeitsrückgang betroffen sind. Hierbei sind die Arten, die Moore, Heiden und Trockenrasen bewohnen, hervorzuheben. Diese sind der Trockenlegung von Feuchtwiesen und Mooren oder der Aufforstung von offener (Heide-) Landschaft insbesondere nach dem 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen.

Charakterarten offener Landschaftstypen

Für die Biotope Wald, Waldrand oder Gebüsch, ist der Rückgang besonders bei den Arten eklatant, die in Niederwäldern vorkommen oder trockene Wälder, Gebüsche und Säume bevorzugen. Die Niederwaldwirtschaft (zur Gewinnung von Brennmaterial und Herstellung von Holzkohle) wurde spätestens in der Mitte das 20. Jahrhunderts aufgegeben. Säume und Gebüsche in offener Landschaft fielen der Flurbereinigung Mitte des 20. Jahrhunderts zum Opfer. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass das Bergische Land bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als „frei von Wald“ galt. Bei der Wiederaufforstung gab es aber auch „Gewinner“: Charakterarten von Buchenwäldern, bleiben überwiegend häufig.

Charakterarten Wald - Waldrand und Gebüsch

Besonders solche Arten, die in vom Menschen stark beeinflussten Landschaften vorkommen, bleiben häufig. Dies sind jedoch meist relativ „flexible“ Arten ohne hohe Biotopansprüche.

Charakterarten von Menschen geformte Landschaften

Interessant ist auch, welche Arten in den letzten 150 Jahren häufiger wurden. Unter den Schmetterlingen, bei denen wir von einer Zunahme der Population ausgehen können, sind sieben Arten, die in der Literatur als Wärme liebend bekannt sind. Diese Arten finden wir meist auf stillgelegten Bahnanlagen und in Steinbrüchen mit xerothermen Mikroklima, so dass hier ein unmittelbarer Einfluss des globalen Klimawandels schwer belegbar ist (z.B. Möndcheneule Calophasia lunulaLeimkraut-Nelkeneule Hadena perplexa, Kompasslatticheule Aetheria dysodea). Hinzu kommen noch zwei aus der atlantischen Klimazone stammende, anspruchslose „Arealerweiterer“, Agrotis puta (Hübner, 1803) und Omphaloscelis lunosa (Haworth, 1809), welche heute zu den häufigen Arten im Bergischen Raum gehören.

Man stellt bei der Betrachtung der Daten aber auch einige Merkwürdigkeiten fest: So waren der Mädesüß-Perlmuttfalter Brenthis ino (Rottemburg, 1775) und das Landkärtchen Araschnia levana (Linnaeus, 1758) zu Weymers Zeiten nicht vorhanden und heute relativ regelmäßig bis häufig zu beobachten. Bemerkenswert auch, dass das Waldbrettspiel Pararge aegeria im Raum Wuppertal zwischen ca. 1960 und 1990 verschwunden war und dann wieder aus dem Rheintal an der Wupper entlang auftauchte. Umgekehrt ist der Kleine Heufalter (oder kl. Wiesenvögelchen) Coenonympha pamphilus in den letzten Jahren aus dem Bergischen Land verschwunden. Es gibt offenbar auch unbekannte Faktoren, die die Häufigkeit einzelner Arten beeinflussen.

Dennoch bleibt festzuhalten: der Verlust an blütenreicher, offener Landschaft, an Hecken und Säumen sowie lichten, warmen Wäldern, ist der Hauptgrund für den Artenschwund bei den Schmetterlingen. Wer nun nach Forschung zu unbekannten Ursachen ruft, kann ja an dieser Stelle schon beginnen und dem entgegenwirken, denn wenn wir erst jetzt mit universitärer Forschung anfangen und Langzeitbeobachtungen durchführen, ist vieles in 10 Jahren bereits verloren.

Literatur:

LAUSSMANN, T., A. RADTKE, T. WIEMERT & A. DAHL (2009): 150 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal – Langfristige Veränderungen in der Lepidopterenfauna der Region. – Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, 61: 31-100; Wuppertal. zum Download

LAUSSMANN, T., A. RADTKE, T. WIEMERT & A. DAHL (2010) 150 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal – Auswirkungen von Klima- und Landschaftsveränderungen (Lepidoptera). – Ent. Zeitschrift 120 (6): 268-277. zum Download

 

Veröffentlicht 9. März 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

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