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Erhellendes am Brückentag   2 comments

Gestern, 11. Mai 2018, habe ich den Brückentag für einen Ausflug in die Umgebung von Monschau genutzt. Das Ziel: Lycaena helle, der Blauschillernde Feuerfalter. Die Tage zuvor waren die Wetteraussichten noch gut, aber am Brückentag selbst waren dann doch aufziehende Bewölkung und Temperaturen bis 13 Grad angesagt. Nun, die Planung stand und ich habe mich trotzdem auf den Weg gemacht. Fraglich auch: fliegt Lycaena helle schon am 11. Mai? Hierfür nehme ich unsere Pfingstrose in Leverkusen als Wetter – Indikator: ist sie erblüht, beginnt die Flugzeit des Blauschillernden Fauerfalters in der Eifel. Da sich die Blüten gerade geöffnet hatten, bestand Hoffnung. In Monschau angekommen, schien die Sonne bei nur 9 Grad Lufttemperatur. Und zu meiner Überraschung: innerhalb von 2 Stunden konnte ich ca. 10 Männchen und ein Weibchen beobachten und zum Teil auch fotografieren. Dann zogen Wolken auf, aber es waren genug Fotos „im Kasten“. Hier die Ergebnisse. Bemerkenswert: die individuelle Variation des Blauschillers, der zudem vom Lichteinfall abhängt.

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Veröffentlicht 12. Mai 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Sag mir, was ich bin   2 comments

Heute ist dieser ungewöhnliche Falter bei mir geschlüpft, ein Gynander, der sowohl weibliche als auch männliche Merkmale zeigt. Der Falter stammt aus einer Hybriden – Zucht, in der der „Urgroßvater“ ein Saturnia meridionalis Männchen war, welches sich in einer Population von Saturnia pavonia fortgepflanzt hat. Das Tier hat einen eher weiblichen Hinterleib, aber keine Duftdrüse und einen weiblichen rechten Hinterflügel, dafür eher männliche Fühler (Fächer). Das Tier verhielt sich passiv, flog also keine Weibchen an und wurde auch nicht von Männchen angeflogen (mangels Duftdrüse).

Einen ähnlichen Gynander hatten wir zuletzt im Jahr 2007 aus einer Zucht von S. pavonia in Wuppertal. Das Phänomen ist sehr selten und beruht auf einem Fehler bei der Zellteilung in der frühen embrionalen Entwicklung, so dass Zellen mit männlichem und mit weiblichem Genom entstehen, die sich dann im Körper des Insekts weiter vermehren und zu einer mosaikartigen oder sogar halbseitigen Verteilung von männlichen und weiblichen Merkmalen führen.

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Gemischter Saturnia – Gynander

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Gemischter Saturnia – Gynander

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Gemischter Saturnia – Gynander Hinterleib

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halbseitiger Saturnia pavonia Gynander aus dem Jahr 2007 (Wuppertal)

Veröffentlicht 10. April 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Wo sind die Schmetterlinge geblieben?   7 comments

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Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinina): Die Art flog laut dem Wuppertaler Schmetterlingskundler Gustav Weymer (1833-1914) „einzeln bei Elberfeld, jedoch häufig auf sumpfigen Waldwiesen“ und wird bereits seit vielen Jahrzehnten auch in den umgebenden Naturräumen gar nicht mehr beobachtet. Diese Foto stammt von der Fuchskaute (Westerwald), einem der letzten Gebiete, wo der Falter noch in unserer Region zu finden ist.

Seit mehr als dreißig Jahren beschäftige ich mich mit der Schmetterlingsfauna des bergischen Landes und der angrenzenden Gebiete. Die Frage „Wo sind die Schmetterlinge geblieben?“ wurde mir immer gestellt. Schon in der 1980er Jahren war dies ein Thema und die Antworten auf diese Frage waren immer dieselben.

Nun lese ich in der Rheinischen Post (Beilage Krefelder Stadtpost) vom 09.02.2018 unter dem Titel „Minister-Visite lässt für Entomologen hoffen“ folgenden Satz: „Nun also reagiert die Politik: Weil mehrere Faktoren im Verdacht stehen, zum Rückgang der Insekten beizutragen, ist Ursachenforschung das Gebot der Stunde, erkläre Schulze Föcking [NRW-Umweltministerin]“. Forschung ist immer gut, gut auch, dass Fördermittel bereitgestellt werden. Anzumerken ist aber auch, dass es mit einem mehr oder weniger großen Geldbetrag nicht getan ist. Viele der Ursachen sind altbekannt, werden aber konsequent nicht angegangen. Außerdem geht es hier nicht  um Entomologen, die nun Hoffnung schöpfen und wieder ihrem liebenswerten Hobby nachgehen können, sondern um viel größere Zusammenhänge. Vielleicht verstehe ich das Ganze falsch, oder es wurde nicht richtig wiedergegeben, aber für mich ist die Aussage der Ministerin eher eine Beschwichtigung, nach dem Motto: erst mal ein bisschen forschen, dann einen Arbeitskreis gründen, dann schauen wir mal…

Vor dem Hintergrund der nun langsam wieder abebbenden Diskussion zum Thema „Insektensterben“ möchte ich hier noch einmal einen Appell loswerden.

Was brauchen Schmetterlinge zum Leben?

  • Futterpflanzen für die Raupen. Viele Raupen leben überwiegend an Heckengehölzen (Weiden, Weißdorn, Schlehe usw.) und krautigen Pflanzen („Unkraut“) in Saumbereichen. Eine Vielzahl, insbesondere die gefährdeten Arten, sind auf bestimmte Futterpflanzen spezialisiert.
  • Nektar für die Falter. Blütenpflanzen entwickeln sich meist auf mageren Böden, wo sie gegen Gräser konkurrieren können. Zudem gibt es Hochstaudenfluren (z.B. Wasserdost), die meist an Waldrändern und in Saumbereichen von Hecken und Wegen wachsen.
  • Abwechslungsreiche Landschaften.
  • Verstecke für die Überwinterung. Viele Schmetterlinge überwintern als Raupe, Puppe oder Falter. Meist verkriechen sich die Tiere in Spalten und Ritzen, z.B. in Natursteinmauern, Felsen, Höhlen, Schotter.
  • Dunkle Nächte ohne künstliche Lichtquellen. Nachfalter orientieren sich bekanntermaßen an natürlichen Lichtquellen (Mond, Sterne).

Wo sind die Probleme?

  • Futterpflanzen: Die Flurbereinigung hat die Heckenlandschaft des bergischen Landes weitgehend zerstört. Der Eintrag von Mineraldünger und Gülle führt zu einem schnellen Wachstum von anspruchslosen Gräsern, Blütenpflanzen werden verdrängt. Ggf. werden Herbizide eingesetzt, die für die Vernichtung von Zweikeimblättrigen Pflanzen (Blütenpflanzen, also keine Gräser, wie z.B. Getreide) geschaffen wurden. Hinzu kommt der Einsatz von Insektiziden – die ggf. auch von der eigentlich behandelten Fläche in die nähere Umgebung driften oder verschleppt werden.
    Vorteile für uns: Die Agrarflächen sind größer und besser mit Maschinen zu bewirtschaften. Die Erträge pro Flächeneinheit haben sich deutlich erhöht.
  • Nektar: Wie bereits oben erwähnt, führt der Eintrag von Stickstoffdünger zu einer Verdrängung von Blütenpflanzen. Dieser Stickstoffdünger stammt zu einem Großteil aus der Landwirtschaft, wie z.B. aus Gülle oder Mineraldünger (Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat, Kaliumnitrat, Natriumnitrat, Ammoniumphosphat…).  Während diese Dünger noch relativ gezielt ausgebracht werden (sich jedoch auch über das Grundwasser und Ausgasungen ausbreiten können), ist die Lage bei den „abgeregneten“ Stickoxiden („Abgasen“) aus Atmosphäre kritischer, da sich diese überall verteilen. Betroffen sind hier stickstoffarme („magere“) aber blütenreiche Biotope, insbesondere Magerrasen, Moore und Heiden (ich weise hier auf die Broschüre des Umweltbundesamtes „STICKSTOFF – ZUVIEL DES GUTEN?“ hin). Die Überdüngung der Landschaft mit Stickstoffverbindungen ist sicherlich eine der Hauptursachen für den Schwund an Blütenpflanzen und somit verfügbarem Nektar für die Schmetterlinge. Zu dieser Problematik gesellt sich ein Mangel an anderen offenen Flächen, auf denen sich Blütenpflanzen entwickeln können. Zum einen ist dies einer gewissen „Ordnungsliebe“ geschuldet, so dass z.B. Wegränder häufig gemäht werden und (Industrie-) Brachen schnell einer anderen Nutzung (z.B. Bebauung) zugeführt werden. Zum anderen sind auch private Gärten überwiegend mit „Zierpflanzen“ bepflanzt oder sogar dank Rasen, Kirschlorbeer- und Lebensbaumhecke vollkommen steril.
    Vorteile für uns: Durch den Düngereintrag sind die Erträge deutlich höher. Durch das regelmäßige Abmähen der offenen Flächen und Wegränder kommt kein Wildwuchs auf, alles sieht ordentlich aus und ist pflegeleicht.
  • Abwechslungsreiche Landschaften: Wer mit offenen Augen durch „die Natur“ geht, stellt fest, dass diese im Bergischen hauptsächlich aus Wäldern, Weiden und Äckern besteht. Es fehlt an offenen, ungenutzten oder extensiv gepflegten Flächen, auf denen sich die Blütenpflanzen entwickeln können. Wünschenswert wären auch offene Felsen, an denen sich wärmeliebende Arten aufhalten können. Diese (z.B. an der Wupper in Beyenburg oder Solingen) sind meist von Wald bedeckt. Wo nur Wald, Acker und Gras ist, kann man nur Waldarten und wenige unspezialisierte Schmetterlingsarten erwarten. Je monotoner die Landschaft, desto monotoner die Schmetterlingsfauna.
    Vorteile für uns: Wenn jeder Quadratmeter land- und forstwirtschaftlich genutzt wird, sind die Erträge maximal. Unerwünschte „Unkräuter“ werden dauerhaft verdrängt. An manchen Stellen (z.B. Felsen) wäre eine Offenhaltung kostenintensiv.
  • Verstecke für die Überwinterung. Es gibt seit vielen Jahrzehnten eine Tendenz zur „Versiegelung“ von Flächen. Mauern haben keine Spalten mehr, Schotterwege gibt es kaum noch (abgesehen von Bahnstrecken).
    Vorteile für uns: Straßen, Plätze und Mauern lassen sich gut reinigen, es treten weniger Frostschäden auf.
  • Dunkle Nächte. Dies ist wahrscheinlich ein unterschätztes Problem. Die Vielzahl an künstlichen Lichtquellen stört die Orientierung der Nachtfalter. Je nach Art der Lichtquelle sammeln sich die Falter an der Lichtquelle an. Starke, heiße Lichtquellen können zur tödlichen Falle für tausende Insekten pro Nacht werden. Die Falter werden aus ihren Biotopen herausgelockt und finden ggf. nicht mehr zurück.
    Vorteile für uns: Man kann sich auch nachts gut orientieren, Ängste und Gefahren werden möglicherweise reduziert.
Grüner Zipfelfalter (Callophrys rubi)

Ebenfalls auf dem Rückzug: Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi). Als Bewohner von offenen Gebüschlandschaften, Böschungen, Kiesgruben und Mooren findet dieser Falter keinen Platz mehr in unserer Landschaft. Die Raupe lebt an Sonnenröschen, Ginster, Kleearten, Moorbeere und einigen anderen Pflanzen. Das Bild stammt von der Mosel (Umgebung Piesport).

Was kann man tun?

  • Futterpflanzen: Ich gehe davon aus, dass niemand wieder zur kleinräumigen Landbewirtschaftung zurück will. Dies wäre wahrscheinlich auch ökonomisch nicht sinnvoll. Es müssen also finanzielle Anreize für Brachflächen (Randstreifen und ähnliches) gesetzt und auch genutzt werden („Ackerrandstreifenprogramm“). Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass jegliches Wachstum logischerweise nicht bis zur Unendlichkeit erfolgen kann. D.h. immer mehr Ertrag pro Quadratmeter wird es nicht geben. Möglicherweise kann man durch hohen Düngereintrag, Herbizide und Insektizide noch ein bisschen mehr rausholen, aber sicher auf Kosten der langfristigen Fruchtbarkeit der Böden. Hier sehe ich keineswegs die Schuld bei den Landwirten. Das Problem ist der wirtschaftliche Druck zu ewigem Wachstum bei immer weiter fallenden Preisen. Etwas besser ist die Lage bei den verloren gegangenen Hecken: Sie können durch Anpflanzungen heimischer Gehölze z.B. an Wegen und Böschungen teilweise kompensiert werden und dies geschieht auch bereits.
  • Nektar: Der Eintrag an Düngemitteln muss auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt werden, um Blütenpflanzen eine Chance zu gebe. Zudem wird seit einer gefühlten Ewigkeit wird darauf hingewiesen, Wegränder (so sie denn überhaupt vorhanden sind) nur ein- bis zweimal im Jahr zu mähen, um Blütenpflanzen zu fördern. Dies wäre ein kleiner Schritt mit großer Wirkung. Zudem wäre eine gewisse Toleranz gegenüber „unordentlichen“ Brachen sinnvoll. Natürlich kann jeder seinen Garten so gestalten wie er will. Wer Schmetterlinge sehen und fördern will findet hier einige Tipps.
  • Abwechslungsreiche Landschaften: Hier kann man an den Erhalt und die Offenhaltung von Industriebrachen denken oder auch an die Schaffung von Lichtungen im Wald, die dann auch und nach wieder durch Bäume „zurückerobert“ werden. Unsere Erkenntnis als Schmetterlingskundler: Industriebrachen und stillgelegte Bahngelände sind nach einigen Jahren artenreich und beherbergen oft besonders bedrohte Arten, die es trocken und warm lieben. Sturmschäden in Wäldern (Stichwort „Kyrill“) hatten eine regelrechte Artenexplosion auf den geschaffenen Lichtungen zur Folge.
  • Verstecke zur Überwinterung: Hier gilt es Kompromisse zu finden. Vielleicht reicht schon der eine oder andere Steinhaufen am Wald- oder Wegrand. Ich denke, dass niemand zu Schotterwegen zurück will. Private Gärten würden auch von Natursteinmauern, „Kräuterschnecken“  und ähnlichem profitieren. Alles im Prinzip kein großer Aufwand.
  • Dunkle Nächte: Die Erkenntnis wächst, dass unsere Nächte wieder dunkler werden müssen. Nicht nur Astronomen klagen über die zunehmende „Lichtverschmutzung“. Die nächtliche Dauerbeleuchtung stört viele Tierarten, aber auch der Mensch wird dadurch negativ beeinflusst. Das bedeutet nicht, dass alle Lichter ausgehen sollen. Wichtig ist, zu überlegen, ob und wo wir Licht brauchen (man denke mal an die private „Weihnachtsbeleuchtung“ im Garten), zumal es auch Energie „verbraucht“. Auch die Art des Lichts ist entscheidend. Moderne Lichtkonzepte sind auf dem Vormarsch. Erste Schritte sind gemacht.
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Ein Warnsignal: Selbst der recht anspruchslose Schachbrettfalter (Melanargia galathea), ein Bewohner offener Graslandschaften (die Raupe lebt an Gräsern), ist im Bergischen Land praktisch komplett verschwunden. Der Schwund setzte in den 1960er Jahre ein. Das Foto stammt aus der Eifel (bei Bad Münstereifel).

Warum sollte man etwas tun?

Hier stelle ich einmal die Frage, die mir von Seiten eines Entscheidungsträgers gestellt wurde: „Wofür brauche ich Schmetterlinge? Wofür sind sie nützlich?“ Die Frage klingt nach einer Provokation, aber sie trifft den Kern der Sache. Brauche ich Schmetterlinge, um das Herz von Schmetterlingsfreunden zu erfreuen? Oder haben Schmetterlinge evtl. auch einen wirtschaftlichen Nutzen?

Diese Frage beschäftigt mich seit langem. Wenn mich Leute (Kollegen, Freunde, Besucher an unserem Vereinstand)  fragen, wo die Schmetterlinge geblieben sind, so geht es doch meistens um Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Distelfalter, die nun (zumindest gefühlt) weniger oft am Schmetterlingsflieder im Garten sitzen. Dies sind aber Arten, die relativ anspruchslos sind (der Fachmann spricht gerne von „Ubiquisten“ – Arten die praktisch überall vorkommen und keine besonders hohen Biotopansprüche haben) oder sogar gar nicht hier heimisch (Admiral, Distelfalter). Aber sie sind schön bunt und werden daher auch schneller vermisst. Der „stille Schwund“ vieler anspruchsvoller, aber unscheinbarer Arten wird öffentlich nicht wahrgenommen.

Meiner Meinung nach ist sicherlich die -manchmal verborgene- Schönheit vieler Schmetterlinge ein Wert an sich. Aber das ist natürlich nicht alles. Schmetterlinge sind in ökologische Zusammenhänge eingebettet: Raupen dienen als Futter für Vögel, Raupen sorgen dafür, dass bestimmte Pflanzen regelmäßig abgefressen werden, Schmetterlinge verbreiten Pollen, Nachtfalter werden von Fledermäusen gefressen,…

Letztlich sind Schmetterlinge Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt. Sie spiegeln die Artenvielfalt in unserer Landschaft wieder. Die Frage „Wofür sind Schmetterlinge nützlich?“ ist gleichbedeutend mit der Frage „Ist Artenvielfalt nützlich?“. Hierüber kann man viel philosophieren, es gibt Forschungen darüber, eine Beweisführung ist schwierig. Aber hier hilft logisches Denken: Wenn Vielfalt herrscht, gibt es auch viele Möglichkeiten, um auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren (Stichwort: Klimawandel). Einfältige Monokulturen neigen zum Zusammenbruch. Artenvielfalt dient somit sehr wahrscheinlich der Stabilität unserer Lebensgrundlage.

Daher mein Appell: Vergesst die altbekannten Erkenntnisse und Konzepte zum Schmetterlingsschutz nicht. Keiner von  will zurück in die Steinzeit. Da war mit Sicherheit auch nicht alles besser. Daher auch meine Hinweise auf den „Nutzen“, den wir vom Schwund der Artenvielfalt haben: Mehr Ertrag, mehr Wohlstand, billige Lebensmittel, weniger Ängste in der Nacht, weniger Mühe, alles in Ordnung zu halten… Es ist aber Zeit zu erkennen, dass Wachstum nicht ewig anhält und Wohlstand auch in eine „Plateauphase“ übergeht. Nun geht es vielmehr darum, ungesunde Entwicklungen zu bremsen und Kompromisse zwischen Ökologie und Ökonomie zu finden. Letztlich ist eine gesunde, artenreiche Umwelt nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch.

Man kann die Antwort auf die Frage nach dem Verbleib der Schmetterlinge auch umgekehrt formulieren:

„Wer billige Lebensmittel und aufgeräumte Landschaften liebt, der darf die Schmetterlinge nicht vermissen.“

Euphydrias aurinia, Wahner Heide 17. Juni 1962 (Foto: Klaus Hanisch). Vermutlich das letzte bekannte Exemplar aus der Bergischen Heideterrasse.

Veröffentlicht 8. März 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Munteres Treiben am Efeu   1 comment

Die Tage sind kurz und die letzten Blüten welken. Nur an unseren Efeu – Blüten herrscht bei sonnigen Abschnitten noch munteres Treiben – Neben Admiral, C-Falter, Schwebfliegen und anderen Insekten finden sich dort auch zahlreiche Wespen und die letzten noch aktiven Honigbienen ein. Ein Idyll? Wohl eher nicht – denn um die letzten Ressourcen entbrennt ein Kampf. Und wozu mühsam selber Nektar saugen und verdauen? – Am besten nimmt man eine Abkürzung zu den wertvollen Proteinen. Die Wespen erlegen im Blitzangriff zahlreiche Bienen. Unter dem Efeu kommt es dann zum Showdown: Geschickt entfernt die Wespe zuerst die Beine der Biene, dann wird der „saftige“ Hinterleib abmontiert und weggetragen.

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Nachdem sich die Wespe auf eine an Efeu – Blüten saugende Biene „gestürzt“ hat, fallen beide Tiere zu Boden. In dem kurzen Kampf scheint die Wespe überlegen zu sein. Schnell trennt sie die Beine der Biene ab, so dass diese relativ wehrlos ist. (Leverkusen, 15.10.2017, Foto: Tim Laußmann)

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Das Ergebnis des Gemetzels: Gut zu erkennen ist das Brustsegment der Biene mit Kopf und abgetrennten Beinen. Den ebenfalls abgetrennten, nährstoffreichen Hinterleib der Biene greift die Wespe mit den Vorderbeinen (Leverkusen, 15.10.2017, Foto: Tim Laußmann)

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Die Wespe hat den Hinterleib der Biene abgetrennt und macht sich startklar. (Leverkusen, 15.10.2017, Foto: Tim Laußmann)

Veröffentlicht 12. November 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Auch Wuppertal hat etwas zu bieten…   Leave a comment

Hier einige Bilder unserer Exkursion zur Stromtrasse Marscheid in Wuppertal am Samstag, 24.06.2017. Bei trübem aber warmem Wetter und gelegentlichem leichten Nieselregen konnten wir innerhalb von gut drei Stunden eine stattliche Anzahl von Insekten entdecken. Da die Stromtrasse regelmäßig von aufkommendem Baumbewuchs befreit wird, hat sich hier eine artenreiche, heideähnliche Fläche entwickelt, wie man sie nur noch selten findet.

Veröffentlicht 29. Juni 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Ein Perlmuttfalter-Määrchen   Leave a comment

Am 23.06. zog es mich dann doch noch einmal an die Mosel. Nach den vielen sehr heißen Tagen hatte es sich etwas abgekühlt. Um 8 Uhr morgens am Apolloweg oberhalb des Örtchens Valwig war es bei bedecktem Himmel bereits 20 Grad warm. Die erste Überraschung gab es sofort am Beginn des Weges: Einige Dutzend (!) Exemplare von Aglaope infausta („Trauerwidderchen“) schwärmten durch die Schlehengebüsche. Dennoch blieb dies zunächst die einzige interessante Beobachtung. Auf dem langen Weg und dem anschließenden Pfad flogen bei eher trübem Himmel nur wenige Falter, drei große Füchse, zwei Brombeer-Permuttfalter, einige Weißlinge und Kleine Füchse, aber kein einziger Apollofalter. Erst gegen zehn lockerte es auf. Die Temperatur stieg rasch auf über 25 Grad und oben an den Felsen der Brauselay waren noch drei Apollofalter zu entdecken. Wahrscheinlich geht die Apollofalterzeit nach der Hitze nun dem Ende entgegen. Am Fuße der Felsen ließ sich ein Kreuzdorn-Zipfelfalter (Satyrium spini) blicken und ablichten – dies ist bei den flinken und scheuen Tieren gar nicht so einfach. Am Wegrand fielen noch vier Raupen von Melitaea didyma (Roter Scheckenfalter) auf, die an Gewöhnlichem Leinkraut (Linaria vulgaris) fraßen (Bildbeschreibung: bitte Bilder anklicken!). Gegen 12 Uhr war es bereits so heiß, dass ich mich lieber in die Eifel zurückzog…

… in der Eifel gibt es bei dem kleinen Ort Strohn ein trockengefallenes Maar. Das Maar ist in eine monotone Agrarlandschaft eingebettet, so dass sich scheinbar alle Falter der Umgebung dort versammelt hatten. Insbesondere fand ich vier (!) Permuttfalterarten gleichzeitig vor, darunter der Hochmoor-Perlmuttfalter (Boloria aquilonaris) in ca. 15 Exemplaren. Auffällig und ungewöhnlich war zudem, dass ich bei der gesamten Exkursion nur einen blauen Bläuling (Celastrina argiolus an der Mosel) beobachten konnte.

 

Veröffentlicht 25. Juni 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Im Kaiserstuhl ver“haftet“   1 comment

Ein paar Tage in Freiburg, Wandern im Schwarzwald und einen Tag in den Europapark zum Achterbahnfahren – bei so einem Kurzurlaub bleibt nicht viel Zeit für Insekten. Dennoch gab es einen spannenden fotografischen „Beifang“: bei einem morgendlichen Kurztrip in den Kaiserstuhl konnte ich zwischen Badberg und Haselschacher Buck zahlreiche Schmetterlingshafte (Libelloides longicornis) beobachten. Die libellenähnlichen Tiere aus der Ordnung der Netzflügler sind eher scheu, nicht ganz so wendig wie Großlibellen, aber dennoch sehr gute Flieger. Mit einer Spannweite von ca. 5 cm sind sie auch gar nicht so klein. Sie jagen andere Insekten im Flug. Die Larven leben räuberisch am Boden. Das Verhalten ist bemerkenswert: in der Sonne sitzen die Tiere mit ausgebreiteten Flügeln im Gras und fliegen bei Annäherung rasch und weit weg. Sobald die Sonne fehlt, werden die Flügel über dem Körper zusammengelegt und die Tiere fliegen selbst bei extremer Annäherung nicht weg, sondern drehen sich hinter den Halm auf dem sie sitzen, als wollten sie sich dahinter verstecken.

Auf dem Rückweg aus Freiburg blieb Zeit für eine Pizza in Kobern-Gondorf an der Mosel. Bei einem 30 minütigen Spaziergang am Fuße des Felsens moselabwärts konnten wir sofort 5 frische Apollofalter fliegend beobachten, dazu noch einen Kreuzdorn-Zipfelfalter. (Beschreibung der Bilder: Bild anklicken!)

Veröffentlicht 16. Juni 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen