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Am Johanniskraut: jetzt auf Adela violella achten!   2 comments

Heute habe ich wieder zwei Exemplare der Langhornmotte Adela violella am Tüpfel-Johanniskraut bei mir im Garten in Leverkusen beobachten können. Die Winzlinge fallen durch ihren typischen „hüpfenden“ Flug und natürlich durch die langen Fühler auf. Die Tiere fliegen gerne in der prallen Sonne. Am besten wartet man an einem schattigen Platz, bis sie von der Raupen-Futterpflanze auffliegen. Bisher konnte ich die Tiere immer nur einzeln, nie in größeren Mengen finden.

Wer also Lust hat, sich auf die Suche nach den kaum 5 mm messenden Winzlingen (Fühler nicht eingerechnet!) zu begeben, hier ein paar Bilder (anklicken!):

 

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Veröffentlicht 22. Juni 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Bläulingsparade am Schlangenberg   1 comment

Gut, ich gebe es zu: Bläulinge sind meine Lieblingsschmetterlinge. Sie haben so nett geringelte Fühler und Knopfaugen und bestechen durch knallige Farben, die bei den Feuerfaltern auch mal ins metallisch-glänzende übergehen.

Über Observation.org kann man sehr schön von anderen Entomologen erfahren, welche Falter (und somit auch Bläulinge) gerade ihre Flugzeit beginnen. Das ist wichtig, denn ganz frische Falter sehen natürlich besonders schön aus.

Am Freitag, 07. Juni 2019 fuhr ich also früh morgens um 6:30 Uhr zum Naturschutzgebiet Schlagenberg bei Stolberg. Der dortige Schwermetallrasen mit Galmeivegetation bietet zahlreichen hoch spezialisierten Pflanzen einen Lebensraum, z.B. dem Galmei-Veilchen und der Galmei-Grasnelke. Wenn man früh vor Ort ist, kann man den Schmetterlingen nach einer kühlen Nacht beim Aufwachen zuschauen. Dann sitzen sie oft mit ausgebreiteten Flügeln in der Vegetation und wärmen sich in der Morgensonne auf. Leider gab es einen heftig auffrischenden, böigen Wind, der das Fotografieren erheblich erschwerte. Da hilft nur: Luft anhalten, auf eine windstille Sekunde warten und – abdrücken. Dabei habe ich auch jede Menge (bestimmt 90 %) unbrauchbare Fotos produziert, was ja im Digitalzeitalter kein Problem mehr ist.

Beeindruckend war die hohe Zahl an Bläulingsarten auf dem Schlangenberg. Insbesondere den Lilagold-Feuerfalter kann man dort bewundern. Der metallische Glanz der Männchen variiert je nach Alter des Falters und nach je nach Lichteinfall zwischen kupferrot und violettrot. Hier eine Auswahl der Fotos (bitte anklicken)!

Veröffentlicht 11. Juni 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Leuchtabend an der Naturschule Remscheid-Grund   Leave a comment

Am 31. Mai fand wieder unsere jährliche Nachtexkursion zur Naturschule Grund in Remscheid statt. Bestens umsorgt von Jörg Liesendahl, dem pädagogischen Leiter der Umweltbildungsstation, konnten wir wieder zahlreiche Nachtfalterarten an unseren mit UV-Lampen ausgestatteten Leuchttürmen bewundern. Wie kaum ein anderes Gelände in diesem Naturraum vereinigt das Grundstück der Schule zahlreiche Biotopformen auf kleinstem Raum: Feuchtgebiete, Laubmischwald, Bauerngarten, Heckenlandschaft und, auf dem nahe gelegenen Sportplatz, trocken-warme Kleinstbiotope. So standen dann auch um halb zwei in der Nacht gut 50 Großschmetterlingsarten auf der Liste – und das trotz aufklarendem Himmel und entsprechender Abkühlung. Hier ein paar Beispiele der beobachteten Nachtfalterarten (Fotos bitte anklicken!):



Die Artenliste, Stand 10. Juni 2019

KR-Nr wiss. Name Anzahl
3380 Nemophora degeerella (Linnaeus, 1758) 1
3770 Cauchas fibulella (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
3910 Nematopogon swammerdamella (Linnaeus, 1758) 5
7010 Monopis weaverella (Scott, 1858) 1
15280 Plutella porrectella (Linnaeus, 1758) 3
34190 Teleiodes luculella (Hübner, 1813) 1
44710 Cnephasia incertana (Treitschke, 1835) 1
45200 Eulia ministrana (Linnaeus, 1758) 1
47310 Celypha lacunana (Denis & Schiffermüller, 1775) 8
47940 Lobesia reliquana (Hübner, 1825) 1
50250 Notocelia rosaecolana (Doubleday, 1850) 1
50660 Ancylis diminutana (Haworth, 1811) 1
51440 Cydia pomonella (Linnaeus, 1758) 1
53230 Alucita hexadactyla Linnaeus, 1758 1
54850 Pterophorus pentadactyla (Linnaeus, 1758) 1
55500 Adaina microdactyla (Hübner, 1813) 1
55690 Aphomia sociella (Linnaeus, 1758) 1
61660 Scoparia basistrigalis Knaggs, 1866 7
62510 Crambus lathoniellus (Zincken, 1817) 1
66580 Eurrhypara hortulata (Linnaeus, 1758) 1
66800 Agrotera nemoralis (Scopoli, 1763) 1
69980 Pieris rapae (Linnaeus, 1758) 1
70240 Gonepteryx rhamni (Linnaeus, 1758) 1
74810 Thyatira batis (Linnaeus, 1758) 1
75030 Watsonalla binaria (Hufnagel, 1767) 3
75300 Ligdia adustata (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
75390 Macaria notata (Linnaeus, 1758) 1
75420 Macaria liturata (Clerck, 1759) 2
75470 Chiasmia clathrata (Linnaeus, 1758) 1
75960 Petrophora chlorosata (Scopoli, 1763) 1
76130 Opisthograptis luteolata (Linnaeus, 1758) 1
76470 Odontopera bidentata (Clerck, 1759) 1
76860 Biston betularia (Linnaeus, 1758) 1
77540 Peribatodes rhomboidaria (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
78000 Parectropis similaria (Hufnagel, 1767) 3
78280 Lomographa bimaculata (Fabricius, 1775) 1
78290 Lomographa temerata (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
78360 Campaea margaritata (Linnaeus, 1767) 2
80240 Cyclophora linearia (Hübner, 1799) 1
80280 Timandra comae A. Schmidt, 1931 1
81550 Idaea seriata (Schrank, 1802) 1
82490 Xanthorhoe designata (Hufnagel, 1767) 2
82520 Xanthorhoe spadicearia (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
82550 Xanthorhoe montanata (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
82750 Epirrhoe alternata (Müller, 1764) 1
83380 Ecliptopera silaceata (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
83680 Electrophaes corylata (Thunberg, 1792) 2
83850 Colostygia pectinataria (Knoch, 1781) 10
86560 Asthena albulata (Hufnagel, 1767) 1
87270 Pheosia tremula (Clerck, 1759) 2
87280 Pheosia gnoma (Fabricius, 1776) 1
87720 Moma alpium (Osbeck, 1778) 1
87780 Acronicta aceris (Linnaeus, 1758) 1
89940 Hypena proboscidalis (Linnaeus, 1758) 7
90080 Rivula sericealis (Scopoli, 1763) 3
90450 Diachrysia chrysitis (Linnaeus, 1758) 1
91140 Protodeltote pygarga (Hufnagel, 1766) 1
94560 Charanyca trigrammica (Hufnagel, 1766) 1
95050 Phlogophora meticulosa (Linnaeus, 1758) 1
97840 Oligia fasciuncula (Haworth, 1809) 3
100020 Mythimna albipuncta (Denis & Schiffermüller, 1775) 1
100380 Orthosia gothica (Linnaeus, 1758) 1
100680 Pachetra sagittigera (HUFNAGEL, 1766) 1
100820 Axylia putris (Linnaeus, 1761) 2
100860 Ochropleura plecta (Linnaeus, 1761) 2
100930 Diarsia rubi (Vieweg, 1790) 1
101990 Xestia c-nigrum (Linnaeus, 1758) 3
103480 Agrotis exclamationis (Linnaeus, 1758) 5
103870 Calliteara pudibunda (Linnaeus, 1758) 7
104990 Eilema sororcula (Hufnagel, 1766) 6
105670 Spilosoma lubricipeda (Linnaeus, 1758) 1
1001600 Thera variata/britannica ARTKOMPLEX 1
1003000 Oligia strigilis/latruncula/versicolor ARTKOMPLEX 5

Veröffentlicht 10. Juni 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Exkursion ins Rotbachtal und zum Bürvenicher Berg am 26.05.2019   5 comments

Die diesjährige gemeinsame Exkursion der Botaniker und Entomologen des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal führte in das Rotbachtal bei Schwerfen in der Eifel und zum nahe gelegenen Bürvenicher Berg. Bei mäßig warmen Wetter und eher bedecktem Himmel hielt sich die Ausbeute aus schmetterlingskundlicher Sicht in Grenzen. Das relativ junge Naturschutzgebiet Rotbachtal (seit 2004) war vielen von uns nicht bekannt. Bei der Wanderung stellte sich heraus, dass das Tal einiges an Potential hat, jedoch die Tal- und Hangwiesen teilweise noch mit einem hohen Nährstoffgehalt zu kämpfen haben. Dennoch gab es eine Anzahl botanischer Highlights zu bewundern, z.B. eine Bocks-Riemenzunge (Himantoglossum hircinum) kurz vor der Blüte. Abschließend ging es noch zu den Kalkmagerrasen am nahe gelegenen Bürvenicher Berg. Hier einige Fotos (für die Beschreibung bitte anklicken!)

 

Veröffentlicht 1. Juni 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Blick ins Innere   2 comments

Die Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling ist sicher eines der faszinierendsten Schauspiele, die die Natur zu bieten hat. Aus ein und derselben genetischen Information entstehen zwei vollkommen unterschiedliche Lebewesen: kaum etwas lässt vermuten, dass aus dem unscheinbaren wurmförmigen Wesen einmal ein Schmetterling werden wird. Moderne Technik macht es möglich, die Entstehung eines Schmetterlings in der Puppe sichtbar zu machen und das ohne das Tier dabei beschädigen zu müssen: Prof. Ulrich Flögel vom Institut für Molekulare Kardiologie an der Uni Düsseldorf verfügt über ein Kernspinresonanzspektrometer das so modifiziert wurde, dass man damit Bilder aus dem Inneren von Lebewesen erzeugen kann. Im Wesentlichen wird die Verteilung von Wasser gemessen. Wo ansonsten Mäuse untersucht werden, wurden nun in einer explorativen Studie Puppen unseres „Haustieres“, des Kleinen Nachtpfauenauges, in verschiedenen Entwicklungsstadien in Hunderten von Schnittebenen angeschaut. Hier einige Bilder als Vorschau (bitte anklicken!). Wir hoffen, daraus in Zusammenarbeit mit Biologen an der Uni Düsseldorf ein interessantes Forschungsprojekt entwickeln zu können. Dazu müssen nun erstmal die gewonnen Daten gesichtet werden…

Veröffentlicht 12. Mai 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Mission: Callophrys rubi – Grüner Zipfelfalter   3 comments

Da wir eine aktualisierte Neuauflage unseres Jahresberichts „150 Jahre Schmetterlingsbeobachtung im Raum Wuppertal“ planen, habe ich begonnen, Fotos zu den noch vorhandenen aber auch zu den prominenten verschwundenen Arten zusammenzustellen. Bei den Tagfaltern fiel mir auf, dass ich eigentlich kein wirklich schönes Bild von Callophrys rubi, dem Grünen Zipfelfalter, habe. Warum ist das so? Nun, der Falter fliegt sehr früh im Jahr, ab Mitte April. Die Falter sind daher zu Beginn der Schmetterlings-Hochsaison im Mai schon recht „abgeflogen“, haben also bereits einige Flugtage hinter sich, Schuppen und Fransen sind verloren gegangen… zudem: unser einziger wirklich grüner Tagfalter beherrscht die Technik des „sich in Luft Auflösens“ wie kein anderer: Der scheue Falter setzt sich bei Sonnenschein oft nur ganz kurz, fliegt bei Annäherung auf, die grüne Untersite blitzt noch ein paar mal auf, die braune Oberseite macht den Falter zwischendurch fast unsichtbar – dann landet er wieder in der grünen Vegetation und ist dort perfekt getarnt und unauffindbar. Wenn es noch kühl ist, sonnt er sich gerne am Boden und zwar nie mit offenen Flügeln, sondern immer nur seitlich mit zusammengeklappten Flügeln. Dabei dreht und kippt er die Flügelunterseite gerade so, dass sie zur einfallenden Sonnenstrahlung im rechten Winkel steht. Das Problem für den Fotografen: um den Falter in seiner Pracht abzulichten, muss man sich von der Sonnenseite nähern – sobald aber ein Schatten auf den Falter fällt – schwupps kommt die Technik des sich in Luft Auflösens zum Einsatz. Kurz gesagt: diesen schönen Schmetterling in perfektem Zustand bei guter Ausleuchtung abzulichten ist eine echte Geduldsprobe.

Oft nehme ich mir für meine Fotoexkursionen exakt eine Schmetterlingsart als Zielart vor. Andere Bilder sind dann nur „Beifang“. Meiner Erfahrung nach sollte man an einem Tag mit heiterem, kühlen, aber weitgehend windstillem Wetter in der Frühe, also so ein – zwei Stunden nach Sonnenaufgang ins Gelände gehen. Dann sitzen viele Schmetterlinge in der Sonne um sich aufzuwärmen, breiten ihre Flügel aus und sind noch recht träge. Steht die Sonne hoch am Himmel und es ist wolkenlos, sind die meisten Schmetterlinge geradezu hyperaktiv, drehen sich hektisch bei der Nektarsuche auf Blüten hin und her und fliegen rasch auf, wenn man sich nähert.

Gesagt, getan: es musste ein gescheites Foto von Callophrys rubi her: Am „Osterdienstag“ war gutes Wetter angesagt, also um halb sieben ins Auto und auf in die Eifel. Das Ziel: der Kuttenberg bei dem Örtchen Eschweiler in der Nähe von Bad Münstereifel. Dort hatte ich den Falter schon vor mehr als zwanzig Jahren fotografiert. Doch vor Ort war es um halb acht gerade mal 10 Grad kalt, es gab hohe, relativ dichte Schleierbewölkung. Die Vegetation war auch noch recht weit zurück: die Schlüsselblumen gerade in voller Blüte. Ich hoffte also auf baldige Auflockerung und Sonne. Leider ging das so über zwei Stunden, dann gab es einen kurzen Moment Sonne: und siehe da, ein Grüner Zipfelfalter flatterte vor mir auf, sonnte sich kurz, doch mehr als ein Beweisfoto war nicht drin. Dann wieder zwei Stunden keine Sonne – zu einem einzigen Gelbspanner (Opisthograptis luteolata), der sich netterweise auf einer gerade hervorsprießenden Knabenkrautblüte niedergelassen hatte, und einem mehr oder weniger unterkühlten Kleinen Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) hatte ich schon ein persönliches Verhältnis aufgebaut. Ein echter Frust, also entschied ich mich gegen zwölf Uhr aufzugeben. Beim Verlassen der Fläche schaute ich noch einmal ober die zahlreichen Löwenzahnblüten auf der angrenzenden extensiv gepflegten Wiese – ich wusste, dass die Falter dort gerne Nektar saugen – und siehe da: ein einziger frischer Grüner Zipfelfalter saß recht unterkühlt und träge auf einer Blüte – ich konnte es kaum glauben. Seht hier nun die Fotos (anklicken!), die ich aufnehmen konnte, bevor der Schmetterling sich wieder mal – in Luft auflöste!

Veröffentlicht 26. April 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Ursachen für den „Schmetterlingsschwund“   1 comment

Der Verlust an Artenvielfalt und Biomasse bei Insekten ist – glücklicherweise – immer noch ein Thema. Daher möchte ich aus aktuellen Anlass nochmal unsere bereits im Jahr 2010 publizierten Erkenntnisse zu den Ursachen des „Schmetterlingsschwunds“ speziell im Raum Wuppertal zusammenfassen. Eine ausführliche Version gibt es hier: JB 2010 zu lesen, eine komprimierte Zusammenfassung hier: EZ 2010. Wer ganz in die Tiefe gehen will, kann sich auch die zugrunde liegende Excel-Tabelle ansehen: Auswertung Entwicklung der Falterfauna im Raum Wuppertal

Die systematische Beobachtung von Schmetterlingen hat im Raum Wuppertal eine sehr lange Tradition. Daher liegen uns heute recht detaillierte Daten aus einem Zeitraum von ca. 150 Jahren vor. Somit können wir die langfristige Entwicklung der Schmetterlingsfauna der Region näher zu beleuchten. Gustav Weymer publizierte seine Schmetterlingsbeobachtungen im heutigen Raum Wuppertal erstmals 1863 in den Jahresberichten des Naturwissenschaftlichen Vereins von Elberfeld und Barmen und ergänzte diese im Jahr 1878. Hinzu kamen Notizen über die Lepidopterenfauna der Hildener Heide im Jahr 1908 (Weymer 1908). Unsere Kenntnis über die Wuppertaler Schmetterlingsfauna ab ca. 1920 verdanken wir vor allem den ausgesprochen engagierten Lepidopterolgen Helmut Kinkler, Willibald Schmitz, Friedhelm Nippel und Günter Swoboda, die in den 1970er und 1980er Jahren Sammlungen und Daten aus dem Bergischen Land von über 70 Schmetterlingskundlern zusammentrugen. Zusammen mit unseren eigenen Beobachtungen ab dem Jahr 1990 ergibt sich in klares Bild: Der Artenverlust betrifft -Überraschung- hauptsächlich Charakterarten offener Landschaften.

Ich kann mich gut an lange Abende erinnern (denn wir sind ja Hobby-Entomologen), in denen wir damals Daten ausgewertet und die historischen Häufigkeitsangaben zu einzelnen Arten diskutiert haben. Die Quintessenz habe ich hier noch einmal „kondensiert“:

Es wurden im Raum Wuppertal insgesamt 734 Großschmetterlingsarten (Stand 2010) in den vergangenen ca. 150 Jahren beobachtet. Davon waren 107 Einzelfunde (Arten, die nur wenige Male beobachtet wurden und bei denen unklar ist, ob sie bodenständig und extrem selten oder schwer zu beobachten sind oder sich nur in das Gebiet „verirrt“ hatten). Weitere 112 Arten konnten wir hinsichtlich ihrer Häufigkeitsentwicklung nicht bewerten, weil sie bekanntermaßen schwer zu beobachten oder zu bestimmen sind (z.B. Glasflügler, einige Blütenspanner, Sackträger und Arten, die im Beobachtungszeitraum als zwei verschiedene Arten erkannt wurden). Es verbleiben 515 Arten, die hinsichtlich ihrer Häufigkeitsentwicklung bewertet werden konnten. Davon haben 29 % der Arten in ihrer Häufigkeit abgenommen (oder sind verschwunden), 123 waren und sind selten, 190 sind gleichbleibend häufig, 52 Arten haben in ihrer Häufigkeit zugenommen.

Anzahl Arten in Gefährdungskategorien

Nun stellt sich die Frage nach einer ökologischen Bewertung. Hierzu verweisen wir auf das „Praxishandbuch Schmetterlingsschutz“, aus welchem wir die Biotopansprüche jeder einzelnen Art entnommen haben. Wer heute nach Ursachen für den Artenrückgang bei Insekten fragt, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!

Es stellt sich -wenig überraschend- heraus, dass sich unter den Arten mit abnehmender Häufigkeit im Wesentlichen Charakterarten befinden, also solche, die eine hohe Biotop-Spezialisierung aufweisen. Dem stehen die „Ubiquisten“, also relativ anspruchslose, ökologisch flexible Arten gegenüber (Arten, die weder Charakterart noch Ubiquist sind, sind nicht dargestellt).

Charakterarten in den Gefährdungskategorien

Das eigentlich Interessante ist, dass die Arten, die auf offene Landschaftstypen spezialisiert sind, besonders von dem Häufigkeitsrückgang betroffen sind. Hierbei sind die Arten, die Moore, Heiden und Trockenrasen bewohnen, hervorzuheben. Diese sind der Trockenlegung von Feuchtwiesen und Mooren oder der Aufforstung von offener (Heide-) Landschaft insbesondere nach dem 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen.

Charakterarten offener Landschaftstypen

Für die Biotope Wald, Waldrand oder Gebüsch, ist der Rückgang besonders bei den Arten eklatant, die in Niederwäldern vorkommen oder trockene Wälder, Gebüsche und Säume bevorzugen. Die Niederwaldwirtschaft (zur Gewinnung von Brennmaterial und Herstellung von Holzkohle) wurde spätestens in der Mitte das 20. Jahrhunderts aufgegeben. Säume und Gebüsche in offener Landschaft fielen der Flurbereinigung Mitte des 20. Jahrhunderts zum Opfer. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass das Bergische Land bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als „frei von Wald“ galt. Bei der Wiederaufforstung gab es aber auch „Gewinner“: Charakterarten von Buchenwäldern, bleiben überwiegend häufig.

Charakterarten Wald - Waldrand und Gebüsch

Besonders solche Arten, die in vom Menschen stark beeinflussten Landschaften vorkommen, bleiben häufig. Dies sind jedoch meist relativ „flexible“ Arten ohne hohe Biotopansprüche.

Charakterarten von Menschen geformte Landschaften

Interessant ist auch, welche Arten in den letzten 150 Jahren häufiger wurden. Unter den Schmetterlingen, bei denen wir von einer Zunahme der Population ausgehen können, sind sieben Arten, die in der Literatur als Wärme liebend bekannt sind. Diese Arten finden wir meist auf stillgelegten Bahnanlagen und in Steinbrüchen mit xerothermen Mikroklima, so dass hier ein unmittelbarer Einfluss des globalen Klimawandels schwer belegbar ist (z.B. Möndcheneule Calophasia lunulaLeimkraut-Nelkeneule Hadena perplexa, Kompasslatticheule Aetheria dysodea). Hinzu kommen noch zwei aus der atlantischen Klimazone stammende, anspruchslose „Arealerweiterer“, Agrotis puta (Hübner, 1803) und Omphaloscelis lunosa (Haworth, 1809), welche heute zu den häufigen Arten im Bergischen Raum gehören.

Man stellt bei der Betrachtung der Daten aber auch einige Merkwürdigkeiten fest: So waren der Mädesüß-Perlmuttfalter Brenthis ino (Rottemburg, 1775) und das Landkärtchen Araschnia levana (Linnaeus, 1758) zu Weymers Zeiten nicht vorhanden und heute relativ regelmäßig bis häufig zu beobachten. Bemerkenswert auch, dass das Waldbrettspiel Pararge aegeria im Raum Wuppertal zwischen ca. 1960 und 1990 verschwunden war und dann wieder aus dem Rheintal an der Wupper entlang auftauchte. Umgekehrt ist der Kleine Heufalter (oder kl. Wiesenvögelchen) Coenonympha pamphilus in den letzten Jahren aus dem Bergischen Land verschwunden. Es gibt offenbar auch unbekannte Faktoren, die die Häufigkeit einzelner Arten beeinflussen.

Dennoch bleibt festzuhalten: der Verlust an blütenreicher, offener Landschaft, an Hecken und Säumen sowie lichten, warmen Wäldern, ist der Hauptgrund für den Artenschwund bei den Schmetterlingen. Wer nun nach Forschung zu unbekannten Ursachen ruft, kann ja an dieser Stelle schon beginnen und dem entgegenwirken, denn wenn wir erst jetzt mit universitärer Forschung anfangen und Langzeitbeobachtungen durchführen, ist vieles in 10 Jahren bereits verloren.

Literatur:

LAUSSMANN, T., A. RADTKE, T. WIEMERT & A. DAHL (2009): 150 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal – Langfristige Veränderungen in der Lepidopterenfauna der Region. – Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, 61: 31-100; Wuppertal. zum Download

LAUSSMANN, T., A. RADTKE, T. WIEMERT & A. DAHL (2010) 150 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal – Auswirkungen von Klima- und Landschaftsveränderungen (Lepidoptera). – Ent. Zeitschrift 120 (6): 268-277. zum Download

 

Veröffentlicht 9. März 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen