Archiv für die Kategorie ‘Arten / Listen

Ein Sommertag im April   Leave a comment

Ostermontag, 22. April 2019: Die Eiersuche fand heute in meinem Garten mit einem Tag Verspätung statt. Dafür waren es aber auch die Eier vom Schwalbenschwanz. Typischerweise suchte sich der Falter dafr eine schön warme, trockene Stelle aus, wo der Maulwurf oder die Wühlmäuse ein wenig Rohboden geschaffen haben, dort kommen gerade die ersten Blättchen der Wilden Möhre zu Tage.

Parallel dazu legte in der benachbarten Feuchtwiese (!) der erste Cupido argiades für 2019 seine Eier ab.

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Veröffentlicht 22. April 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen

Die Eisenhut-Goldeule, Polychrysia moneta, (Fabricius, 1787)   2 comments

Manche Nachtfalterarten lassen sich nur schwer über die üblichen Methoden wie Licht- oder Köderfang nachweisen. Die Eisenhut-Goldeule, Polychrysia moneta, gehört zu dieser Gruppe.
Eisenhut_GoldeuleFoto 1: Eisenhut-Goldeule, Wuppertal-Barmen, Dickmannstraße, Raupe im April 2017 durch Ludger Buller gefunden, Zucht und Foto Armin Radtke.

Eisenhut

Foto 2: 20. April 2019, Eisenhut, zusammengesponnene Triebspitze, Wuppertal-Barmen, Kriemhildenstraße, Freilandfoto Armin Radtke.

Eisenhut_Goldeulenraupe

Foto 3: Dieselbe Triebspitze wie auf Foto 2, zentral im geöffneten Gespinst die Raupe der Eisenhut-Goldeule. Manipuliertes Freilandfoto, Wuppertal-Barmen, Kriemhildenstraße, 20. April 2019.

Schaut man auf die aktuelle Verbreitungskarte der Art im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen dann könnte man den Eindruck gewinnen, daß die Bestände dieses schmucken Nachtfalters (siehe Foto 1) stark zurückgegangen sind. In der Vergangenheit haben Sammler aber auch vermehrt nach Raupen gesucht. Gerade in diesen Tagen ist der Nachweis der Art solchermaßen leicht möglich. Zusammengesponnene Triebspitzen von Eisenhut sind ein starker Hinweis auf den Besatz durch eine junge Raupe, siehe Fotos 2+3. Durch vorsichtiges Öffnen des Verstecks kann man dann die Raupe darin finden. In diesem Stadium sind die Raupen noch grün gefärbt mit zahlreichen schwarzen Punkten im Abdominalbereich.

Ich habe in den letzten beiden Tagen, am 19. und 20. April, hier in Wuppertal-Barmen an vier verschiedenen Standorten  (Kleingartenanlagen, Garten und einem Waldrand) die Art über den Raupenbesatz an Eisenhut Triebspitzen nachgewiesen. Das wäre sicher auch andernorts möglich.

Veröffentlicht 20. April 2019 von ntorva in Arten / Listen

Ursachen für den „Schmetterlingsschwund“   1 comment

Der Verlust an Artenvielfalt und Biomasse bei Insekten ist – glücklicherweise – immer noch ein Thema. Daher möchte ich aus aktuellen Anlass nochmal unsere bereits im Jahr 2010 publizierten Erkenntnisse zu den Ursachen des „Schmetterlingsschwunds“ speziell im Raum Wuppertal zusammenfassen. Eine ausführliche Version gibt es hier: JB 2010 zu lesen, eine komprimierte Zusammenfassung hier: EZ 2010. Wer ganz in die Tiefe gehen will, kann sich auch die zugrunde liegende Excel-Tabelle ansehen: Auswertung Entwicklung der Falterfauna im Raum Wuppertal

Die systematische Beobachtung von Schmetterlingen hat im Raum Wuppertal eine sehr lange Tradition. Daher liegen uns heute recht detaillierte Daten aus einem Zeitraum von ca. 150 Jahren vor. Somit können wir die langfristige Entwicklung der Schmetterlingsfauna der Region näher zu beleuchten. Gustav Weymer publizierte seine Schmetterlingsbeobachtungen im heutigen Raum Wuppertal erstmals 1863 in den Jahresberichten des Naturwissenschaftlichen Vereins von Elberfeld und Barmen und ergänzte diese im Jahr 1878. Hinzu kamen Notizen über die Lepidopterenfauna der Hildener Heide im Jahr 1908 (Weymer 1908). Unsere Kenntnis über die Wuppertaler Schmetterlingsfauna ab ca. 1920 verdanken wir vor allem den ausgesprochen engagierten Lepidopterolgen Helmut Kinkler, Willibald Schmitz, Friedhelm Nippel und Günter Swoboda, die in den 1970er und 1980er Jahren Sammlungen und Daten aus dem Bergischen Land von über 70 Schmetterlingskundlern zusammentrugen. Zusammen mit unseren eigenen Beobachtungen ab dem Jahr 1990 ergibt sich in klares Bild: Der Artenverlust betrifft -Überraschung- hauptsächlich Charakterarten offener Landschaften.

Ich kann mich gut an lange Abende erinnern (denn wir sind ja Hobby-Entomologen), in denen wir damals Daten ausgewertet und die historischen Häufigkeitsangaben zu einzelnen Arten diskutiert haben. Die Quintessenz habe ich hier noch einmal „kondensiert“:

Es wurden im Raum Wuppertal insgesamt 734 Großschmetterlingsarten (Stand 2010) in den vergangenen ca. 150 Jahren beobachtet. Davon waren 107 Einzelfunde (Arten, die nur wenige Male beobachtet wurden und bei denen unklar ist, ob sie bodenständig und extrem selten oder schwer zu beobachten sind oder sich nur in das Gebiet „verirrt“ hatten). Weitere 112 Arten konnten wir hinsichtlich ihrer Häufigkeitsentwicklung nicht bewerten, weil sie bekanntermaßen schwer zu beobachten oder zu bestimmen sind (z.B. Glasflügler, einige Blütenspanner, Sackträger und Arten, die im Beobachtungszeitraum als zwei verschiedene Arten erkannt wurden). Es verbleiben 515 Arten, die hinsichtlich ihrer Häufigkeitsentwicklung bewertet werden konnten. Davon haben 29 % der Arten in ihrer Häufigkeit abgenommen (oder sind verschwunden), 123 waren und sind selten, 190 sind gleichbleibend häufig, 52 Arten haben in ihrer Häufigkeit zugenommen.

Anzahl Arten in Gefährdungskategorien

Nun stellt sich die Frage nach einer ökologischen Bewertung. Hierzu verweisen wir auf das „Praxishandbuch Schmetterlingsschutz“, aus welchem wir die Biotopansprüche jeder einzelnen Art entnommen haben. Wer heute nach Ursachen für den Artenrückgang bei Insekten fragt, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!

Es stellt sich -wenig überraschend- heraus, dass sich unter den Arten mit abnehmender Häufigkeit im Wesentlichen Charakterarten befinden, also solche, die eine hohe Biotop-Spezialisierung aufweisen. Dem stehen die „Ubiquisten“, also relativ anspruchslose, ökologisch flexible Arten gegenüber (Arten, die weder Charakterart noch Ubiquist sind, sind nicht dargestellt).

Charakterarten in den Gefährdungskategorien

Das eigentlich Interessante ist, dass die Arten, die auf offene Landschaftstypen spezialisiert sind, besonders von dem Häufigkeitsrückgang betroffen sind. Hierbei sind die Arten, die Moore, Heiden und Trockenrasen bewohnen, hervorzuheben. Diese sind der Trockenlegung von Feuchtwiesen und Mooren oder der Aufforstung von offener (Heide-) Landschaft insbesondere nach dem 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen.

Charakterarten offener Landschaftstypen

Für die Biotope Wald, Waldrand oder Gebüsch, ist der Rückgang besonders bei den Arten eklatant, die in Niederwäldern vorkommen oder trockene Wälder, Gebüsche und Säume bevorzugen. Die Niederwaldwirtschaft (zur Gewinnung von Brennmaterial und Herstellung von Holzkohle) wurde spätestens in der Mitte das 20. Jahrhunderts aufgegeben. Säume und Gebüsche in offener Landschaft fielen der Flurbereinigung Mitte des 20. Jahrhunderts zum Opfer. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass das Bergische Land bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als „frei von Wald“ galt. Bei der Wiederaufforstung gab es aber auch „Gewinner“: Charakterarten von Buchenwäldern, bleiben überwiegend häufig.

Charakterarten Wald - Waldrand und Gebüsch

Besonders solche Arten, die in vom Menschen stark beeinflussten Landschaften vorkommen, bleiben häufig. Dies sind jedoch meist relativ „flexible“ Arten ohne hohe Biotopansprüche.

Charakterarten von Menschen geformte Landschaften

Interessant ist auch, welche Arten in den letzten 150 Jahren häufiger wurden. Unter den Schmetterlingen, bei denen wir von einer Zunahme der Population ausgehen können, sind sieben Arten, die in der Literatur als Wärme liebend bekannt sind. Diese Arten finden wir meist auf stillgelegten Bahnanlagen und in Steinbrüchen mit xerothermen Mikroklima, so dass hier ein unmittelbarer Einfluss des globalen Klimawandels schwer belegbar ist (z.B. Möndcheneule Calophasia lunulaLeimkraut-Nelkeneule Hadena perplexa, Kompasslatticheule Aetheria dysodea). Hinzu kommen noch zwei aus der atlantischen Klimazone stammende, anspruchslose „Arealerweiterer“, Agrotis puta (Hübner, 1803) und Omphaloscelis lunosa (Haworth, 1809), welche heute zu den häufigen Arten im Bergischen Raum gehören.

Man stellt bei der Betrachtung der Daten aber auch einige Merkwürdigkeiten fest: So waren der Mädesüß-Perlmuttfalter Brenthis ino (Rottemburg, 1775) und das Landkärtchen Araschnia levana (Linnaeus, 1758) zu Weymers Zeiten nicht vorhanden und heute relativ regelmäßig bis häufig zu beobachten. Bemerkenswert auch, dass das Waldbrettspiel Pararge aegeria im Raum Wuppertal zwischen ca. 1960 und 1990 verschwunden war und dann wieder aus dem Rheintal an der Wupper entlang auftauchte. Umgekehrt ist der Kleine Heufalter (oder kl. Wiesenvögelchen) Coenonympha pamphilus in den letzten Jahren aus dem Bergischen Land verschwunden. Es gibt offenbar auch unbekannte Faktoren, die die Häufigkeit einzelner Arten beeinflussen.

Dennoch bleibt festzuhalten: der Verlust an blütenreicher, offener Landschaft, an Hecken und Säumen sowie lichten, warmen Wäldern, ist der Hauptgrund für den Artenschwund bei den Schmetterlingen. Wer nun nach Forschung zu unbekannten Ursachen ruft, kann ja an dieser Stelle schon beginnen und dem entgegenwirken, denn wenn wir erst jetzt mit universitärer Forschung anfangen und Langzeitbeobachtungen durchführen, ist vieles in 10 Jahren bereits verloren.

Literatur:

LAUSSMANN, T., A. RADTKE, T. WIEMERT & A. DAHL (2009): 150 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal – Langfristige Veränderungen in der Lepidopterenfauna der Region. – Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, 61: 31-100; Wuppertal. zum Download

LAUSSMANN, T., A. RADTKE, T. WIEMERT & A. DAHL (2010) 150 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal – Auswirkungen von Klima- und Landschaftsveränderungen (Lepidoptera). – Ent. Zeitschrift 120 (6): 268-277. zum Download

 

Veröffentlicht 9. März 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Wo ist der Zitronenfalter im Winter?   Leave a comment

Kaum zeigt sich die Sonne und die Temperaturen steigen über 15 Grad, tauchen die ersten Zitronenfalter auf. So auch am vergangenen Samstag (16.02.). Die Falter scheinen diesen Winter bisher gut überstanden zu haben – gleichzeitig flatterten so gegen 14 Uhr vier Falter an unserer mit Efeu bewachsenen Garage herum. Doch was suchen sie da? Das Efeu ist längst verblüht – Nektar kann es also nicht sein. So schaute ich mir das Schauspiel eine Weile an und siehe da- ein Falter nach dem anderen landete auf den Blättern und verschwand sogleich darunter zur Nachtruhe – Flügel und Fühler zusammengelegt. Und so verharrten sie auch die ganze frostige Nacht bevor sie am nächsten Tag gegen 11 Uhr wieder aktiv wurden.

Jürgen Hensle schreibt dazu im lepiforum: „[Der Zitronenfalter] bevorzugt Bäume und Gebüsch, dichtes Brombeergestrüpp oder Heidekraut. Hier sitzt er recht offen und kann von aufmerksamen Beobachtern dann auch im Winter entdeckt werden.“

Diese Überwinterer suchen sich also andere Plätze aus als der Kleine Fuchs oder das Tagpfauenauge, welche sich im Winter gerne in Höhlen, Garagen, Unterführungen, Dachböden und Kellern verkriechen.

Dank seines entspannten Lebensstils mit Sommer- und Winterruhe sind die Zitronenfalter – die im Februar schon ca. 7 Monate alt sein dürften – immer noch bemerkenswert gut in Schuss. Hier ein paar Bilder (für die Beschreibung bitte anklicken!):

 

Veröffentlicht 20. Februar 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

„Paarungsritual“ Kleiner Fuchs (Aglais urticae)   3 comments

Bei unserem letzten Treffen („Jahresrückblick“) am 29.01.2019 in der Station Natur und Umwelt habe ich einen kurzen Filmausschnitt von unserer Moselexkursion Mitte Juni 2018 gezeigt, in dem das „Paarungsritual“ des Kleinen Fuchs zu sehen war. Das Ritual fand in den späten Nachmittagsstunden auf einem besonnten Weg in den Weinbergen im Dhrontal statt. Ich habe vier Standbilder aus dem Film isoliert und die Position der Fühlerspitzen rot markiert. Im ersten Schritt klappt das hinter dem Weibchen sitzende Männchen die Fühler über dem Kopf zusammen (ähnlich, wie es auch in Schlafhaltung geschieht), dann wird der Kopf leicht nach hinten („in den Nacken“) beweckt, offenbar um Schwung zu holen. Anschließend „klopft“ das Männchen deutlich hörbar in einer sehr schnellen Bewegung auf den Hinterleib oder auch auf die Flügelbasis des Weibchens. Dieses Ritual wiederholt sich etwa alle 1,5 bis 2 Sekunden. Hat der Bewerber oft genug angeklopft und ist er dem Weibchen genehm, suchen die Falter einen geschützten Ort für die Paarung auf, wo sie sich dann auf ihre perfekte Tarnung verlassen. Dasselbe Ritual, das auch schließlich zur Paarung führte, konnte ich bereits 1992 am Schee (im Norden Wuppertals) auf einer stillgelegten Bahntrasse in den Abendstunden beobachten. Die Falter saßen am Fuß einer mit Moos und Flechten bewachsenen Mauer am alten Bahnhof Schee.

Paarungsritual Kleiner Fuchs (Aglais urticae), rot markiert: die Position der Fühlerspitzen des Männchens. Die Fotos wurden aus einem Video isoliert.  Dhrontal (Mosel), 16.06.2018 (Fotos: Tim Laußmann)

Paarungsritual Kleiner Fuchs (Aglais urticae), rot markiert: die Position der Fühlerspitzen des Männchens. Die Fotos wurden aus einem Video isoliert. Dhrontal (Mosel), 16.06.2018 (Fotos: Tim Laußmann)

Kleiner Fuchs, Aglais urticae, Schee (bei Wuppertal) 15. Mai 1992 (Foto: Tim Laußmann)

Kleiner Fuchs, Aglais urticae, Schee (bei Wuppertal) 15. Mai 1992 (Foto: Tim Laußmann)

 

 

Veröffentlicht 3. Februar 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Was vom Jahr 2018 übrig bleibt…   3 comments

Das Jahr 2018 neigt sich dem Ende zu. Für mich war dieses Jahr wirklich bemerkenswert. Noch nie habe ich einen Sommer erlebt, der so früh begonnen hat, so spät endete und dabei so wenig Regen mit sich brachte. Ebenso bemerkenswert war die Vielfalt an Schmetterlingen, die ich dieses Jahr beobachten konnte. Besondere Highlights waren die Fahrten in die Umgebung von Monschau und zum Bausenberg bei Niederzissen im Mai, die Mosel-Exkursion im Juni und die Eifel-Exkursion im Juli. Was auf den ersten Blick positiv erscheint, gibt einem dennoch zu denken: Ich erinnere mich, dass noch Anfang der 1990er Jahre die Mosel-Apollo Exkursionen üblicherweise Ende Juni stattfanden. Dieses wie auch letztes Jahr blieb meine Suche nach Apollofaltern Ende Juni leider erfolglos. Die Flugzeit hat sich schon seit längerem auf Anfang Juni verschoben.

In Sachen Schmetterlingsschutz ist im Jahr 2018 etwas in Bewegung geraten: Das Thema „Insektensterben“ hat es bis in die Bundespolitik gebracht! Sicher ein besonderer Verdienst der Krefelder Insektenkundler. Dennoch sind die Gründe für den Insektenschwund (vor allem außerhalb von Naturschutzgebieten) seit den frühen 1980er Jahren bekannt. Dass man nun auf politischer Ebene meint, bevor man etwas tut, sollte ein bisschen Geld in die Ursachenforschung gesteckt werden, hat bei mir zu einem zugegebenermaßen etwas emotionalen Ausbruch geführt. Die Vorträge beim diesjährigen Westdeutschen Entomologentag haben bei mir vor allem den Eindruck erweckt, dass wir Insektenkundler uns gegenseitig die bekannten Ursachen berichten können, aber die politisch Verantwortlichen weiterhin auf Verzögerungstaktik setzen – nach dem Motto: wir geben den Forschern ein bisschen Geld (was ja grundsätzlich nicht schlecht ist) dann ist erstmal Ruhe im Karton, dann gründen wir einen Arbeitskreis, dann schauen wir mal… Ähnliche Phänomene erleben wir ja bei der „Kohlekommission“, der „Diesel-Krise“, der „Bildungsoffensive“, der „Verkehrswende“, der „Agrarwende“, der „Energiewende“, dem „Pflegenotstand“, der „Digitalisierung“ und so weiter und so fort. Alles schicke Worte, bei denen man zunehmend den Eindruck hat, dass nur suggeriert werden soll es werde auch gehandelt. Die erschreckende Erkenntnis: die Politik ist selbst angesichts der überbordenden Probleme überfordert, erstickt in der selbst geschaffenen Bürokratie und kann oder will die Macht, mit der sie vom Volk ausgestattet wurde, nicht nutzen. Stattdessen erleben wir das, was die Römer schon als „Brot und Spiele“ bezeichneten: Politiker agieren wie in einer „Reality-Show“ oder einer „Home-Story“: wer bekommt welchen Posten, wer hat was gesagt, was er der nun schon wieder gemacht? Besonders nervig: wer wird nächster Präsident von irgendeinem Amt für Irgendwas? Und als besonders perfides Ablenkungsmanöver: Die „Mutter aller Probleme“ ist ausgemacht: Die Migration. Für mich noch das Schlimmste: die Medien springen auf jeden dieser albernen Züge auf. In Tagesthemen und Heute-Journal konnte man schon im Vorspann die nervigsten Politiker und Amtsträger täglich wiederkehrend bewundern.

Aber zurück zu den Schmetterlingen: Meiner Meinung nach wäre es ein Leichtes schnell etwas für die Insektenwelt zu tun. Neben den bekannten Maßnahmen, die kaum Geld kosten (siehe der Beitrag vom März 2018), könnte man auch darüber nachdenken, die Insekten als Bestäuber zum wichtigen Wirtschaftsgut zu erklären. Landwirte, die sich der „Zucht und Pflege“ der Insektenwelt widmen, bekommen für insektenfreundliche Offenlandpflege genauso viel Geld, als würde dort Getreide wachsen. Quasi als „Insektenbauer“. Denn wenn Geld fließt, wird die Produktion von Insekten optimiert werden, ähnlich wie die Produktion von Schweinen und Hühnchen. Woher das Geld dafür kommt? Tja, da müssen wohl die Preise für Lebensmittel um ein paar Cent steigen. In jedem Fall wären auch Steuergelder dafür sinnvoll angelegt, schließlich ist die Landwirtschaft sowieso hochgradig subventioniert.

Immerhin gibt es erste Lichtblicke, Widerstand regt sich, die Rückkehr zur Sachpolitik scheint langsam Fahrt aufzunehmen. Für mich erstaunlich: die EU-Kommission setzt hier Maßstäbe z.B. mit ambitionierten Anforderungen an den CO2-Ausstoß von Fahrzeugen und dem Verbot von Einwegplastik. Natürlich ist das Gejammer der Industrie groß, aber das ist schlicht und einfach normal und nicht anders zu erwarten. Hierzu kann ich mich noch sehr gut an die Diskussionen und das Gejammer der Automobilindustrie in den 1980er Jahren erinnern: Schwefelarmer Kraftstoff? Bleifreies Benzin? Katalysator? Das ging gar nicht. Entschwefelung ist teuer, das Benzin dann unbezahlbar, die Motoren gehen ohne Tetraethylblei kaputt, der Motor hat mit Katalysator 5 PS weniger usw.. Nachdem es eine klare Ansage der Politik gab, lief die Sache dann doch recht schnell. Heute unvorstellbar, dass wir damals tatsächlich tonnenweise giftiges Blei in der Umwelt verteilt haben und der Ausstoß an Stickoxiden und Schwefeldioxid aus dem Ruder lief.

Auch in den Medien wird nun mehr über den Klimawandel, das Insektensterben und die Notwendigkeit eines Mentalitätswandels berichtet, es wird nicht mehr alles so hingenommen. Das gibt Anlass zur Hoffnung.

Anbei noch Bilder meiner persönlichen Highlights des Jahres (bitte anklicken für die Bildbeschreibung). Frohe Weihnachten und einen guten Übergang ins Neue Jahr 2019!

 

Veröffentlicht 24. Dezember 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Neues bei nrw.observation.org   Leave a comment

Hallo zusammen,
mit den öffentlichen Datenbanken geht es weiter voran! Heute erreichte mich ein Mail vom unermüdlichen Uli Haese, der einer der Antreiber bei observation.org bzw. dem NRW-Ableger nrw.observation.org ist: Die Naturschutzgebiete in Nordrhein-Westfalen liegen jetzt als eigene Gebiete in observation vor, bereit für Eure Dateneingaben.

https://observation.org/gebied/view/601631 beispielsweise ist das NSG Spörkelnbruch vor meiner Balkontüre. Und der einzige Grund warum da bisher so wenige Bebachtungen gemeldet sind, ist, daß ich meinen Leuchtturmstandort und die Köderstrecke direkt am Haus habe und nicht im Naturschutzgebiet:
Für den Spörkelnbruch gibt es noch ein Extra -Gebiet, das ich selbst angelegt habe. https://observation.org/gebied/view/258150.  Mal schnell hineingeschaut, finden sich da aus 2018 etwa 2800 Beobachtungen und über 400 Belegfotos, etliche davon sind mit dem Handy geschossen und mit der app von observation hochgeladen worden.
Das Arbeiten mit der App gewöhnt man sich rascher an als ich erwartet hätte, und deshalb kommen jetzt alle möglichen Frostspanner und anderes Ungeziefer von den Bushaltestellen und Bahnhöfen der Region in die Datenbank. So kann ich selbst der Verspätung des öffentlichen Nahverkehrs ab und zu noch was Gutes abringen, wie zum Beispiel vor Kurzem den Fund von Lithophane leauteri.

Agriopis bajaria, Winningen, Rastplatz Moseltal, 30.11.2018 (Foto:Dahl)


Das Jahr ist soweit gelaufen, es geht ans Aufräumen, Bilder sortieren und Literaturrecherche. Einen Falter muss ich Euch aber noch zeigen, den habe ich mir mit einem Abstecher an die Mosel am 30. November besorgt: Der Braune Breitflügelspanner Agriopis bajaria ist ausgesprochen unscheinbar, aber als frisches Tier wunderbar glänzend und nicht mit den Frostspannern zu verwechseln. Die Wärme liebende A. bajaria wurde in der Region zuletzt von Hans-Joachim Weigt im Raum Hagen (Iserlohn, Letmathe-Sonderhorstberg) nachgewiesen, könnte also theoretisch dort in den Steinbrüchen noch herumschwirren. Die Flugzeit fällt zusammen mit der als „Nikolausfalter“ bezeichneten Alsophila aceraria, die in der Region ebenfalls verschollen ist. Aber das muss nichts heißen, denn wer geht schon im Dezember leuchten?

Veröffentlicht 11. Dezember 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Auf Tour, Spanner