Archiv für die Kategorie ‘Arten / Listen

Heidemoore werden endlich wiederbelebt   Leave a comment

Vor meiner Haustüre tut sich erstaunliches: Nachdem der lokal tätige Naturschutz jahrzehntelang gepredigt hat, dass die Hildener Heidemoore in miserablem Zustand seien, werden die kleinen NSGs im Hildener Stadtwald endlich renaturiert und besser vernetzt.

Moorrenaturierung im Hildener Stadtwald. Foto: Biol. Station Haus Bürgel / Moritz Schulze

Zur Erinnerung: Bereits in der Schutzgebietsausweisung im Jahr 1992 wurde auf den schlechten Zustand der Moore hingewiesen. Als Maßnahmen wurden seinerzeit z.B. für das kleine Moor am Taubenberg festgelegt: „Freihalten der Heidemoorbereiche, Abplaggen von Teilbereichen, Durchforstung der Stieleichenkultur, …Schließen der Entwässerungsgräben, Birken und Eichen an den Wegrändern erhalten (Sichtschutz)“.

Das ausführliche Gutachten mit Datenerhebungen aus den 80er Jahren lag seit 30 Jahren mehr oder weniger unbeachtet in den Schränken der Unteren Naturschutzbehörde Kreis Mettmann und des Grünflächenamtes in Hilden. Die AGNU Haan führte mit der Biostation und Hildener Naturschutzverbänden einige kleinere Pflegeeinsätze durch, es wurden zeitweilig „Ranger“ eingesetzt um den Besucherdruck zu kanalisieren, der Sandberg teilweise eingezäunt und eine ausserhalb gelegene „Hundewiese“ eingerichtet. Der Zustand des kleinteilig zugeschnittenen Naturschutzgebiets verschlechterte sich jedoch zunehmend, vor allem durch die zunehmende Verwaldung der winzigen Moore. Und auch die Ausweisung als Natura 2000-Gebiet (FFH-Gebiet) mit hohem Schutzstatus beförderte die Sache nicht. In anderen Städten der Region lief es nicht viel besser, zum Beispiel im 70 Hektar großen NSG Further Moor in Langenfeld, das seit langem von Austrocknung bedroht ist.

Wie man es besser hätte machen können? Als positives Beispiel in der Region kann das NSG Ohligser Heide direkt südlich von Hilden gelten, hier wurden schon seit langem entsprechende Maßnahmen umgesetzt: Großflächige Freistellungen, Reduzierung des Wegenetzes, Abplaggen des Oberbodens, extensive Schafbeweidung auf großer Fläche. In der Folge sind dort auch seltene Schmetterlingsarten wie der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter – Boloria selene wieder aufgetaucht, die jahrzehntelang verschollen waren. Bemerkenswert auch der Unterschied bei den Nachtfaltern, in der Ohligser Heide ist zum Beispiel das Kleine Nachtpfauenauge – Saturnia pavonia ein Massentier, wie man auf unserem Mottenkanal nachschauen kann.

Aber jetzt! Moorschutz und Wasserrückhaltung sind wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, im Kampf gegen die Klimakrise will die Bundesregierung den Schutz und die Wiederherstellung von Moorgebieten vorantreiben. Offene Heide Liefert bekanntlich den höchsten Eintrag von Niederschlag ins Grundwasser – und nicht etwa der Wald, wie viele glauben. Zudem heißt der Umweltminister in NRW heute Oliver Krischer, ist Naturschutzfachmann und bekennender Ornithologe, der auch schon die Bergische Heideterrasse in Solingen-Ohligs besucht hat. Geld für entsprechende Maßnahmen ist schon länger da, der politische Wille momentan auch!

Die Bagger und Traktoren rollen jetzt auch in der „Hildener Heide“, der nährstoffhaltige Oberboden wird abgefahren, Gräben verschlossen und ehemalige Moorflächen entwaldet. Das Oberflächenwasser soll zukünfig besser in den Gebieten gehalten werden, mit positiven Nebeneffekten für Glockenheide, Moorlilie und andere Sumpfbärlapp. Boloria selene sehe ich da noch nicht wieder, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zu verdanken haben wir das vor allem dem unermüdlichen Einsatz von Moritz Schulze (Biostation Haus Bürgel), der sich auch von hartnäckigem Widerstand nicht aus der Spur bringen ließ.

Links und Nachlese:

>> Das machen die Bagger in der Heide – Artikel in der Rheinischen Post vom 4.12.2022

>> NRW will mehr Moor Artikel auf RP Online vom 11.11.2022

>> Michels, C., D. Levacher & D. Berger (2019): Das Further Moor trocknet aus – Natur in NRW 2/2019

>> Hildener Heidemoore – Patienten im Erholungswald – Artikel im AGNU-Kiebitz aus 2005

>> Du kriegst die Motten – Teil 3: Pheromone – MothHunters – Der Mottenkanal

>> Natura 2000-Nr. DE-4807-302 Hilden – Spoerkelnbruch – Natura 2000-Gebiete in Nordrhein-Westfalen

Landschaftsplan Kreis Mettmann – Biotopmanagementplan. Naturschutzgebiet Hildener Heide und Spörkelnbruch. Erläuterungsbericht VI 1992. 219 S., (ULB Mettman)

Woizilinski, D. (1987): Untersuchung der Groß- und Kleinschmetterlingsfauna in den Naturschutzgebieten Spörkelnbruch, Hildener Heide/Hildener Stadtwald. Unveröff. Manuskript im Auftrag des Kreises Mettmann., ca. 100 Seiten. (ULB Mettmann)

Veröffentlicht 5. Dezember 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen, Heideterrasse, Klimawandel, Lebensräume, Umwelt

Der Sound des Klimawandels   Leave a comment

Gottesanbeterin

Gottesanbeterin – Mantis religiosa , Mosel bei Wolf, 4. August 2022 (Foto: Dahl)

Der Sommer 2022 hat es in sich, wochenlange Trockenheit, hohe Temperaturen, alles was uns die Meteorologen schon lange voraussagen. Die einheimische Fauna wird zunehmend angereichert mit Arten, die man eigentlich gar nicht auf der Liste hat.

Ein Beispiel ist die Gottesanbeterin Mantis religiosa, die sich offenbar in Nordrhein-Westfalen etabliert. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass entlang des Rheins abwärts bis nach Kleve und sogar im Perlenbachtal in der Eifel in den vergangenen Tagen Tiere aufgefunden wurden.

In der Pfalz, an der Mosel und weiter südlich an der Nahe ist die Gottesanbeterin ja schon länger zu bestaunen. Wie eine ganze Reihe von Arten aus der Geradflügler-Verwandtschaft (Ordnung Orthoptera) macht Mantis religiosa seit ein paar Jahren riesige Sprünge in der Ausbreitung nach Norden, ist jetzt auf der Linie Amsterdam-Berlin angekommen. Dank observation.org haben wir jetzt eine Möglichkeit das quasi live zu verfolgen.

Weinhähnchen

Weinhähnchen – Oecanthus pellucens, Mosel bei Wolf, 3. August 2022 (Foto: Dahl)

Ähnlich gelagert, ist die Besiedelung mit dem Weinhähnchen (Oecanthus pellucens), allerdings ist die Art hier vor meiner Haustüre im Niederbergischen anscheinend bereits fest etabliert. Im dritten Jahr in Folge singen die männlichen Weinhähnchen abends und nachts auf Brachflächen im Umfeld eines Industriegebiets hier in Haan, auch in den Wuppertaler Steinbrüchen (z.B. Oetelshofen) sind sie bereits angekommen. Wer das noch nie erlebt  hat, der kann mal hier reinhören.  So klingt der Klimawandel!

Was die Verbreitung angeht, so ist das Weinhähnchen in Deutschland jetzt auf der Höhe von Bremen angekommen, und breitet sich auch in die höheren und kühleren Lagen aus. In den Niederlanden sind Funde an der Küste bei Harlingen (Provinz Friesland) bekannt, auch in Deutschland wird das Weinhähnchen bald zur normalen Ausstattung der Feriengebiete an der Nordsee gehören.

quadripunctaria

Euplagia quadripunctaria – Verbreitung Stand 8/2022. Quelle: Observation.org, Stichting Observation International und lokale Partner.

An die Spanische Flagge – Euplagia quadripunctaria haben wir uns mittlerweile fast schon gewöhnt, das sehr auffällige Tier breitet sich anscheinen unaufhaltsam nach Norden aus. Bei der Erkennung von quadripunctaria und etlichen anderen Nachtfalterarten gibt es übrigens eine wichtige Neuerung bei observation und den zugehörigen apps: Die Künstliche Intelligenz ist mittlerweile so weit trainiert dass quadripunctaria und einige andere an bereits besiedelten Fundorten automatisch freigegeben werden. Das spart den Validatoren eine Menge Arbeit: Alleine in 2022 sind in observation knapp 1900 Fotos der Art hochgeladen worden.

Tag- und nachtaktiv: Die Spanische Flagge Euplagia quadripunctaria. (Foto: Dahl)
Weinhähnchen, Wuppertal, 21. August 2022. In den Steinbruchen am Rand des Bergischen Landes singen die Männchen Nachts zu Hunderten.

Veröffentlicht 9. August 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen

Warum die Insekten sterben oder Streifenmahd nach Düsseldorfer Modell 🙈   4 comments

Düsseldorf, Blick von der Franklinbrücke nach Norden, 4. Juli 2022 (Foto: Armin Dahl)

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte, deshalb fasse ich mich kurz: Vor einer Woche noch war das eine trockene, herrlich blühende Wiese, für eine Menge Steuergeld angelegt von der Landeshauptstadt, die sich mit Klimamonitoring, Artenvielfalt und einem vorderen Platz beim BioBlitz 2022 brüstet. Ein riesiges Meer von Echtem Labkraut, massig buntes Blütenangebot und darin jede Menge Fluginsekten.

Und jetzt das: Die ganze blühende Oase namens Maurice-Ravel-Park im schicken Stadtteil Pempelfort, auf einen Schlag heruntergef…. bis auf die Strünke. Wer oder was auch immer hier lebte, das befindet sich jetzt in der Kompostieranlage und wurde zur Sicherheit vorher kleingehäckselt.

Es dauert wohl noch eine Weile bis die Teilflächen- oder Streifenmahd, bis das stehenlassen von Altgras- und Refugialstreifen und das restliche kleine Einmaleins des Artenschutzes in den Köpfen der Düsseldorfer Stadtgärtner angekommen sind. So jedenfalls macht man es NICHT.

Vielleicht liegt´s ja am Namen des Parks. Maurice Ravel war als Komponist ziemlich meinungsstark, einige Wutausbrüch sind überliefert, Experimente mit seinen eigenen Werken konnte er überhaupt nicht ab. Als Arturo Toscanini einmal seinen berühmten Bolero aufführte, schrie Ravel im Saal herum: „Ich bin der Komponist!“ und beschimpfte den Dirigenten: „Das Schwein hat zu schnell gespielt, das ist unverzeihlich! Das ist unglaublich! Das Stück ist ruiniert!“.

So etwas ähnliches kam mir heute in den Sinn, als ich auf der Zoobrücke stand und das Desaster ansehen musste. Ich bin zwar nicht der Parkplaner, könnte aber schreien vor Wut und Enttäuschung. Aufräumen und Pflege sind zwei verschiedene Dinge – Gut gemeint ist halt nicht gut gemacht.

Veröffentlicht 4. Juli 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen, Ökologie, Insektensterben, Pflege

Das Weiße Ordensband   3 comments

Seit ein paar Jahren, genauer gesagt seit 2015, gibt es nach über 60 Jahren der Abwesentheit in NRW, wieder Funde des Weißen Ordensbandes, Catephia alchymista, in unserem Bundesland, http://nrw.schmetterlinge-bw.de/MapServerClient/Map.aspx. Jahrzehnte galt die Art als in NRW ausgestorben nachdem 1952 der zuvor letzte Falter hier gefunden werden konnte, siehe Rote Liste NRW 2010.

Heute morgen dann war ich sehr erfreut, als ich einen schon etwas abgeflogenen Falter dieser Art bei mir in der Lichtfalle auf dem Balkon in der Innenstadt von Wuppertal-Barmen finden durfte. Ein weiterer Hinweis auf die sich verändernden klimatischen Bedingungen, die schon zahlreichen Arten eine Verschiebung ihrer Arealgrenzen nach Norden hin ermöglichten.

Catephia alchymista ([Dennis & Schiffermüller] 1775), NRW, Bergisches Land, Wuppertal-Barmen, Innenstadt, 190m, Lichtfalle, 22.V.22, Foto: Armin Radtke

Veröffentlicht 22. Mai 2022 von ntorva in Arten / Listen

Haribo – Anflugfalle, lecker Eigenbau   Leave a comment

Hier haben sich ein paar Anfragen angesammelt, mit welchen Methoden man am besten Glasflügler fängt, oder wie Anflugkäfige für selbst gezüchtete Mottenweibchen aussehen müssen. Keine Bauanleitung, eher was für Kinder!

Professionelle Fallen kosten im Handel knapp unter 10 Euro, wenn man se z.B. bei der Pherobank in den Niederlanden bestellt. Im Baumarkt oder bei Firmen wie Plantura nehmen sie Euch für eine Buchsbaumzünslerfalle gerne auch mal 25,- Euro ab. Für einen einzige Falle wohlgemerkt, was gelinde gesagt Nepp für ein bisschen Plastik ist. Mal ganz abgesehen davon, dass männliche Buchsbaumzünsler zu fangen ein herrlich unsinniger Quatsch ist, nur gut zum Erkennen eines Befalls. Zur Bekämpfung der Zünsler taugt das Wegfangen der Männchen bekanntlich nichts. Die Weibchen werden natürlich trotzdem befruchtet und legen ihre Eier ab, ob da eine Falle hängt oder nicht.

Damit Ihr nicht unnötig Geld ausgebt, hier mal ein Bild von einer vollständig ausreichenden Falle, mit vespiformis-Glasflüglern, gefangen vor etlichen Jahren im Burgholz in Wuppertal. Eine Bauanleitung braucht man dafür nicht, macht dafür nur ein paar Kinder froh, oder Erwachsene ebenso.

Zwei alte Klopapierrollen, ein Stück Draht, fertig ist der Apparat. Die Haribo-Schmetterlinge werden leider nicht mehr produziert. 28. Juni 2013. Foto: Armin Radtke

Veröffentlicht 20. März 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen

Ein Blick zurück auf das Schmetterlingsjahr 2021   2 comments

Ein weiteres Pandemie-Jahr liegt hinter uns. Auch wenn wir nicht alle Pläne umsetzen konnten, waren immerhin einige schöne Exkursionen möglich, wir konnten einen Artikel in einer internationalen Zeitschrift veröffentlichen und einen YouTube-Kanal starten. Faszinierende Einblicke in das Innere von sich entwickelnden Puppen (Titelbild) erhielten wir aus einer Kooperation mit der Uni Düsseldorf. Alles in allem ein gutes Schmetterlingsjahr, in dem wir uns auch erfolgreich für den Erhalt der Lebensräume unserer geflügelten Freunde einsetzen konnten.

Was lässt sich sonst noch über das vergangene Jahr 2021 sagen? Im Grunde nicht viel mehr als über das Jahr 2020 – viele Veranstaltungen sind der Pandemie zum Opfer gefallen. Im Sommer waren immerhin einige Exkursionen und Vorträge in Präsenz möglich. In weiser Voraussicht wurden Tagungen – wie der Westdeutsche Entomologentag – im Herbst direkt als Online-Veranstaltung geplant. So nützlich das auch ist, der direkte Austausch unter Insektenfreunden bleibt dennoch auf der Strecke. Hoffen wir, dass sich die Situation im nächsten Jahr bessert. Nun aber zu den den schönen Dingen des Lebens: den Schmetterlingen.

Was ist im vergangenen Jahr gelaufen?

  • Im Februar kam nach einem langen, aber durchaus fruchtbaren Review-Prozess endlich unser Artikel über 160 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal heraus. Obwohl wir alle Hebel in Bewegung setzten, wurde damit jedoch keine öffentliche Wirkung erzielt, auch eine Aufbereitung der Grafiken und konkrete Ansprache verschiedener Medien halfen nicht weiter. Auf schlechte Nachtrichten aus dem Insektenreich hat wahrscheinlich keiner mehr Lust. Immerhin haben wir nun alle uns zur Verfügung stehenden Informationen auch international präsentiert – und das zumindest ist ein bleibender Erfolg!
  • Mitte Mai hatten wir eine schöne Exkursion an die Mosel zum Orion-Bläuling.
  • Ende Mai haben wir ein Ferienhaus in der Nähe des Radioteleskops „Astropeiler“ am Stockert in der Eifel gemietet und konnten in kleiner Runde zahlreiche seltene Tag- und Nachtfalter beobachten.
  • Im Juni haben wir unser YouTube-Projekt „mothhunters“ gestartet. Einige Beiträge sind schon online, weitere in Planung.
  • Im Frühsommer waren noch Ausflüge an die Mosel und in die Eifel möglich. Insbesondere ging es dabei um die Bestände des Blauschillernden Feuerfalters und des Mosel-Apollofalters.
  • Nach dem 14. Juli, dem Beginn der Hochwasserkatastrophe, waren weitere Touren in die Eifel und an die Mosel zunächst nicht mehr denkbar. Im September konnte ich die Bahnstrecke in Nettersheim besichtigen, die eher einer Achterbahn glich (Bilder unten). Die Auswirkungen auf die Schmetterlinge sind noch unklar. Hoffentlich bleiben sie gering. Jedenfalls wurden die Wiesen rund um die Urft und auch im Lampertstal zwar stark überschwemmt, aber augenscheinlich nur wenig in Mitleidenschaft gezogen. Stark betroffene, teilweise abgetragene und verwüstete Stellen waren vor allem im Bereich von Verengungen, Brücken und Bebauungen zu finden.
  • Ein Kurztrip in den Harz bei Quedlinburg (den Ort kann man nur wärmstens empfehlen!) hat Lust auf mehr gemacht. Sicher ist dies ein lohnendes Ziel für Frühling und Sommer.
  • Die neue Rote Liste der Schmetterlinge in NRW ist erschienen. An die schlechten Nachrichten daraus haben wir uns ja leider schon gewöhnt. Auch hier muss man sagen: will keiner mehr hören.
  • Der Datenbestand auf observation.org wächst zusehends und mit steigender Geschwindigkeit.
  • Armin Dahl hat einen Schmetterlingskurs am Heiligen Meer zusammen mit dem LWL-Museum für Naturkunde durchgeführt. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und wird im nächsten Jahr wieder stattfinden.
  • Armin Radtke und ich haben einen Vortrag mit anschließender Beobachtung von Nachtfaltern am Naturfreundehaus Neuenkamp in Leichlingen angeboten, an dem zahlreiche Personen begeistert teilnahmen.
  • Im Herbst konnten wir unser Projekt mit der Uni-Düsseldorf, nämlich die Beobachtung der Metamorphose der Puppen des Nachtpfauenauges zum Schmetterling mittels Kernspinresonanztomographie, zu Ende bringen (Beispiel: Titelbild, ein entwickeltes Weibchen in der Puppenhülle, gefüllt mit Eiern). Ein entsprechender Artikel ist bereits eingereicht und hat die erste Review-Runde gut überstanden.
  • Der Kaisermantel wurde auf unsere Initiative hin zum Schmetterling des Jahres 2022 gewählt und soll zu einer nachhaltigeren Waldwirtschaft ermahnen.

Zum Abschluss, wie jedes Jahr, einige farbenfrohe Bilder zur Aufheiterung (Beschreibung: bitte Bilder anklicken!). Nächstes Jahr wird bestimmt alles (noch) besser!😉

Euch allen einen guten Übergang ins Jahr 2022, alles Gute, Glück und Gesundheit!

Veröffentlicht 31. Dezember 2021 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Bioblitz 2022: Wer hat die längste Artenliste   4 comments

Die von Observation International betriebene Beobachtungsplattform observation.org hat einige von uns in den vergangene Monaten stark beschäftigt. Die Möglichkeiten der Dateneingabe über verschiedene Apps wurde getestet, Tausende von Fotos wurden eingestellt und nach Möglichkeit validiert, neue Gebiete angelegt usw. Die Möglichkeiten, seine eigenen Beobachtungen mit denen der Kollegen in „Realtime“ zu vergleichen sind super, die Qualitätssicherung wurde optimiert. Und wo das nicht genug war, kam noch der eine oder andere Whatsapp-Chat zum Einsatz, mit Hunderten von Einträgen, oder die Youtube-Videos aus dem mothhunters Channel. Im Rausch der Artenvielfalt ging das Jahr mal wieder viel zu flott herum, auch die Corona-Epidemie hat uns dabei nicht wirklich behindert, der Digitalisierung sei Dank!

Nach der Umstellung auf ein neues Design, etlichen Erweiterungen u.a. bei der Bestimmung mittels Künstlicher Intelligenz, stehen jetzt bei observation.org auch völlig neue Anwendungen zur Verfügung. Eine davon ist der sogenannte „Bioblitz“, ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Regionen.

Um die Sache so richtig anzuschieben, haben die Entwickler jetzt schon mal die observation-Daten von 2021 in eine Auswertung gepackt, die im Bild oben zu sehen ist. Diese Darstellungen gibt es übrigens für alle Landkreise und Kreisfreien Städte, natürlich wie immer umsonst und frei zugänglich.

Münster, wo das LWL-Museum das Bioblitzen mit großem Aufwand fördert, führt bei der Zahl von Beobachteten Arten und Beobachtungen. Die meisten Beobachter hat jedoch der Kreis Kleve: Hier sind die an observation.org bzw. waarneming.nl gewöhnten Holländer am Wochenende unterwegs, und geben reichlich Daten ein. Aber auch Aachen, der Kreis Euskirchen, Bochum, Duisburg und der Ennepe-Ruhr-Kreis liegen vorne mit dabei. Das macht schon richtig Spass, wir wissen ja wer dort aktiv war! Und auch an der Mosel im Kreis Bernkastel-Wittlich tut sich viel, dort sind ein paar Junge Wilde unterwegs, gute FotografInnen und reichlich holländische Touristen.

Bisher wusste ja eigentlich keiner von dieser Sache, 2022 soll dann das Projekt Bioblitz richtig angeschoben werden. Mein Ziel: 1500 Arten im Kreis Mettmann und 200 Beobachter. (2021 bisher 1208Arten, 84 Beobachter).

TOP-25 Liste Bioblitz 2021  
NameFundort(e)DatumZielBeobachtete ArtenBeobachtungenBeobachter
MS Münster (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – MS Münster (Kreisfreie Stadt)2021334437802480
ST Steinfurt (Kreis) 2021BRD – ST Steinfurt (Kreis)2021233812773351
AC Aachen (Kreis) 2021BRD – AC Aachen (Kreis)2021214313251364
DU Duisburg (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – DU Duisburg (Kreisfreie Stadt)20211924793981
BIT Bitburg-Prüm (Landkreis) 2021BRD – BIT Bitburg-Prüm (Landkreis)202117346628304
EN Ennepe-Ruhr Kreis (Kreis) 2021BRD – EN Ennepe-Ruhr Kreis (Kreis)202116751161457
WIL Bernkastel-Wittlich (Landkreis) 2021BRD – WIL Bernkastel-Wittlich (Landkreis)202116264962202
EU Euskirchen (Kreis) 2021BRD – EU Euskirchen (Kreis)2021162211184300
RE Recklinghausen (Kreis) 2021BRD – RE Recklinghausen (Kreis)202114964530133
GAP Garmisch-Partenkirchen (Landkreis) 2021BRD – GAP Garmisch-Partenkirchen (Landkreis)202114915793103
BO Bochum (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – BO Bochum (Kreisfreie Stadt)20211484804267
E Essen (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – E Essen (Kreisfreie Stadt)20211439544774
GÖ Göttingen (Landkreis) 2021BRD – GÖ Göttingen (Landkreis)20211419511053
DAU Vulkaneifel (Landkreis) 2021BRD – DAU Vulkaneifel (Landkreis)202113514365220
SU Rhein-Sieg Kreis (Kreis) 2021BRD – SU Rhein-Sieg Kreis (Kreis)202112664943135
A Augsburg (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – A Augsburg (Kreisfreie Stadt)20211257413517
BOR Borken (Kreis) 2021BRD – BOR Borken (Kreis)202112548080475
KLE Kleve (Kreis) 2021BRD – KLE Kleve (Kreis)202112445599501
ME Mettmann (Kreis) 2021BRD – ME Mettmann (Kreis)20211208526484
DN Düren (Kreis) 2021BRD – DN Düren (Kreis)202111603491137
AC Aachen (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – AC Aachen (Kreisfreie Stadt)202111403714211
COC Cochem-Zell (Landkreis) 2021BRD – COC Cochem-Zell (Landkreis)202111294781200
VIE Viersen (Kreis) 2021BRD – VIE Viersen (Kreis)202110605770248
COE Coesfeld (Kreis) 2021BRD – COE Coesfeld (Kreis)202110253349189
Hochsauerlandkreis 2021BRD – HSK Hochsauerlandkreis (Kreis) 202110001018 (101%)3866224
Quelle: https://observation.org/bioblitz/

Veröffentlicht 11. November 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen

Zwischen Magerrasen und Feuchtwiese: ein Wochenende im Eschweiler Tal   2 comments

Nach wochenlangem Regen und anhaltender Kälte mit einer Anmutung von November hatten wir am vergangenen Wochenende Glück: bei sonnigem Wetter führte uns die diesjährige Wochenendexkursion in das Eschweiler Tal bei Bad Münstereifel. Wir hatten auf blauen Dunst ein Ferienhaus gemietet, ohne zu ahnen, das sich dieses im Epizentrum der Artenvielfalt befand und über ein großes Grundstück mit Wald und einer Lichtung mit Orchideen und Schlüsselblumen verfügte. So konnten wir nachts bei Kaltgetränken direkt am Haus nach Nachtfaltern leuchten und tagsüber die fußläufig erreichbaren Kalkmagerrasen und Feuchtwiesen erkunden. Einziger Wermutstropfen: bei klarem Himmel sank die Temperatur nachts rasch auf unter zehn Grad, so dass die Ausbeute an Nachtfaltern nicht so üppig wie erhofft ausfiel. Dafür entschädigten aber die Sichtungen von seltenen Tagaltern wie dem Wegerich-Scheckenfalter und dem Schlüsselblumen-Würfelfalter. Außerdem entdeckten wir den tagaktiven Ginster-Fleckenzünsler (Eurrhypis pollinalis), den wir noch nie bewusst gesehen hatten. Erstaunlich auch, wie unterschiedlich Fauna und Flora auf nahe zusammenliegenden Biotopen, selbst bei ähnlicher Lage und Geologie, ausfallen können. Hier sieht man wieder einmal, dass Schmetterlinge auf viele Umweltfaktoren sensibel reagieren und sich die für sie ideale Nische aussuchen.

Auf dem Orchideen-Hotspot Kuttenberg begegnete uns noch eine weitere Spezies in sehr großer Zahl: Orchideenfreunde lagen mit Fotostudio-Equipment und Beleuchtungsassistent*innen im Hang, um die seltenen Mutanten und Hybriden (der Orchideen) abzulichten. Dies hat für spätere Besucher einen Vorteil: die platt gelegenen Stellen deuten auf die Präsenz einer Rarität hin. Offenbar hat diese Praxis den Pflanzen bisher nicht geschadet. Am letzten Tag konnten wir dann noch eine besondere Mission erfüllen: die Suche nach dem Blauschillernden Feuerfalter Lycaena helle im Lewertbachtal im Auftrag der Biostation Euskirchen. Immerhin konnten wir zwei Tiere finden und so unseren Beitrag zur LIFE helle Eifeltäler Synchronzählung beitragen. Kurz gesagt: Mission erfüllt! …und hier noch die Fotoausbeute (für die Beschreibung bitte anklicken).

Veröffentlicht 4. Juni 2021 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Getaggt mit , , , ,

Mission zum Orion   3 comments

Mann oh Mann, nicht nur der Lockdown ist eine harte Prüfung, sondern auch das Wetter. Dieses Jahr hatte ich noch nicht ein vernünftiges Foto von seltenen Schmetterlingen schießen können. Immer nur Kälte und Regen, auch nachts am Licht nicht viel los. Doch schon Anfang letzter Woche zeichnete sich ein ganz, ganz kleines „Zwischenhoch“ für Donnerstag ab. Dieses kurze Sonnenfenster konnten Daniel Müller und ich nutzen, um dem Orion-Bläuling (Fetthennen-Bläuling, Scolitantides orion) an der Mosel einen Besuch abzustatten. Ich selbst hatte den Falter tatsächlich noch nie gesehen und so war ich dankbar, dass mich Daniel als ortskundiger Schmetterlingsexperte in den Steilhängen der Mosel an die richtigen Stellen führte. Was soll man sagen: die Mission war ein voller Erfolg! Und: der Fetthennen-Bläuling war nicht die einzige Rarität, die es zu sehen gab. Hier muss man einfach mal sagen: so geht gelungener Naturschutz! Das ist wirklich vorbildlich. Es wäre natürlich ein Traum, wenn sich so eine Einstellung zur Natur auf das ganze Moseltal ausdehnen würde. Ich sage nur: Mosel-Apollofalter! Das Kontrastprogramm dazu gab es leider auch, aber nicht auf den relevanten Flächen… Fotos: siehe unten (Fotos anklicken für die Bildbeschreibung).

Veröffentlicht 22. Mai 2021 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Getaggt mit , , ,

Winterspaziergangsimpressionen   Leave a comment

In der Lichtfalle auf dem Balkon stellte sich am vergangenen Samstag vorerst zum letzten Mal Besuch aus der Falterwelt ein. Neben Überwinterern waren, wie schon in den Tagen zuvor, die Vorfrühlingsarten A. marginaria und A. leucophaearia zu finden. Dann kam Samstag Abend der Eisregen und anschließend der Schnee. Seitdem herrschen hier konstant Minustemperaturen, Falter Fehlanzeige.

Aber trotzdem kann man ja auch bei diesem Winterwetter Schmetterlinge nachweisen. Ein Spaziergang im nächsten Laubwald kann da helfen Verbreitungsnachweise zu erbringen. Hier mal ein paar Beispiele von heute Nachmittag im Kothener Wald in Wuppertal-Barmen, zu sehen ist ein Altnest vom Eichenprozessionsspinner und viele Dutzend Altminen von Zimmermannia liebwerdella an Buche.

Eine dreistellige Anzahl von Zimmermannia liebwerdella Altminen an Buche Wuppertal-Barmen, Kothener Wald, 10.II.2021, Foto: Armin Radtke
Vorjähriges Nest von Thaumetopoea processionea (Eichen-Prozessionsspinner), Wuppertal-Barmen, Kothener Wald, 10.II.2021, Foto: Armin Radtke

Es lohnt sich also auch bei richtigem Winterwetter an die Falter zu denken – finden kann man immer was!

Veröffentlicht 10. Februar 2021 von ntorva in Arten / Listen

Das Kleine Gelbe Waisenkind und der Anmutige Haarwald   1 comment

Endlich mal wieder Winter! Der Blick aus dem Arbeitszimmer geht über verschneite Schafweiden, die Köder im Garten sind eingefroren, das Auto mit kaputter Heizung in der Werkstatt. Nach einer saukalten Nacht mit zweistelligen Minustemperaturen (-12°C in meinem Garten in Haan) kann ich mich für den Rest der Woche endlich mal mit dem Schmökern bzw. Surfen beschäftigen. 

Die Kollegen aus den Niederlanden haben im vergangenen Jahr 2020 mal wieder die Latte für faunistische Beteiligung hochgelegt : 450.000 Nachtfaltermeldungen (nur Makros!) von 697 verschiedenen Arten gab es im Nachbarland. Die Vlinderstichting hat das alles in einem kurzen Bericht zusammengestellt, den man hier anschauen  kann. Zum Vergleich: Im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen kamen im Jahr 2020 bisher gut 40.000 gemeldete Einzelbeobachtungen zusammen (inklusive Mikros), und die meisten Daten sind bereits importiert. Die Niederlande haben dabei etwas weniger Einwohner als Nordrhein-Westfalen (17,2 / 17,9 Millionen), und zum Arbeitsgebiet gehören noch der Norden von Rheinland-Pfalz und Teile von Hessen, Niedersachsen und der Norden des Saarlandes. 

Fünf neue Arten Makros gab es in NL zu vermelden, einer davon, der Schneeball-Glasflügler, geht immerhin auf das Konto von Heidelandschafts-Urgestein Armin Radtke. Aber auch eine Reihe weiterer Raritäten wurde vermerkt, so zum Beispiel der vierte Nachweis von Polyphaenis sericata aus Limburg. Unfassbar wenn man das bisher bekannte Verbreitungsgebiet anschaut, ich selbst kenne sericata nur von einer Exkursion ins Loreleygebiet. Zu P. sericata gibt es übrigens auch aus Deutschland Nachweise von 2020 aus Frechen, in Niedersachsen ist die Art 2019 sogar bis in den Raum Hannover vorgestoßen. Bleibt abzuwarten ob die Vorkommen die aktuellen Frostperioden unbeschadet überstehen. 

Zurück zu den Niederlanden: Wer kein holländisch lesen kann, sollte sich den oben erwähnten Text kopieren und bei Google translate einfügen. Hier mal ein von Google übersetzter Abschnitt der mir besonders gefallen hat: 

„Im Herbst wurden drei neue Motten für die Niederlande beobachtet, das kleine gelbe Waisenkind (Catocala nymphagoga), die südliche Eicheneule (Dryobota labecula) und der anmutige Haarwald (Ochropleura leucogaster).“

 

 

Veröffentlicht 9. Februar 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen, im Netz, Klimawandel

Frühling im Anmarsch   1 comment

Nach den milden Nächten der letzten Tage habe ich heute mal eine kleine Runde durch die Tunnels und Unterführungen der Region gedreht. Mit Taschenlampe und Fernglas bewaffnet, um auch in die unzugänglichen Ecken schauen zu können.

Acht Arten und knapp 80 Tiere insgesamt, und jetzt weiß ich auch wo die Federgeistchen den Winter verbringen.

 

Veröffentlicht 4. Februar 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen

2020 – das war´s   2 comments

Also, hätte mir letztes Jahr jemand erzählt, dass 2020 selbst Gottesdienste an Weihnachten weitgehend ausfallen, ich hätte es nicht geglaubt. Auf jeden Fall wäre ich nicht darauf gekommen, dass ein Virus die Ursache sein würde.

Man kann lange darüber philosophieren, was die Gründe für diese einschneidende Wendung in der Geschichte sind. Inzwischen bin ich davon überzeugt: es ist einfach nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen (man könnte es als „Pech“ bezeichnen). Natürlich hat die globale Mobilität die Pandemie deutlich beschleunigt, aber sie war vermutlich unausweichlich und musste, statistisch gesehen, irgendwann kommen.

Ich denke, die Ursachen für Dinge, die zufällig passieren, sollte man nicht weiter ergründen. Stattdessen sollten wir nach vorne blicken: was können wir lernen?

Bemerkenswert finde ich, dass das Virus wie ein Schlaglicht auf Missstände hinweist. Z.B. auf unseren absolut nicht vertretbaren, respektlosen Umgang mit Mensch und Tier in der Fleischindustrie. Auch, wie sich plötzlich Wertschätzung und Anerkennung von Arbeit verschieben können: Wer sind denn nun die „Leistungsträger der Gesellschaft“?

Eine weitere wichtige Einsicht: mit einem Virus kann man nicht verhandeln. Er arbeitet wie ein Uhrwerk, unaufhaltsam, nach den Gesetzen der Natur. Erstaunlich, wie versucht wurde, hin- und her zu taktieren, um dann doch beim unausweichlichen „Lockdown“ zu enden. Auch der Klimawandel wird mit Macht auf uns zukommen, aber viel langsamer als ein Virus. Und was dann folgt, kann man sicher nicht kurzfristig „wegimpfen“. Da wir offenbar nicht in der Lage sind, weiter als eine Legislaturperiode zu blicken, schwant mir nichts Gutes.

Positiv ist, dass die Wissenschaft in der Krise eine bedeutende Rolle spielt. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen lassen sich Probleme lösen. Und: die Mehrheit der Menschen vertraut offenbar darauf, mal abgesehen von einer zwar lauten, aber doch kleinen Minderheit. Ich bin sehr gespannt, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Krise gewonnen werden: über das Verhalten von Menschen (Toilettenpapier?), über den Umgang mit Viren, über die Auswirkungen einer Pandemie auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Hoffentlich liefert die Krise den Anstoß endlich auf Innovation zu setzen. Sollte man „alte Zöpfe“ weiter am Tropf von Subventionen halten? Soll man nicht besser nachdenken, was uns in Zukunft weiterbringt? Apropos weiter: wohin wollen wir eigentlich? Ich denke, die künstliche Wiederbelebung des Zustands vor der Krise ist keine Lösung, sie würde nur Ressourcen verschwenden.

So, bevor ich hier weiter vom Thema abkomme: Nein, ich werde nicht schreiben, was aus schmetterlingskundlicher Sicht alles ausgefallen ist was alles nicht geklappt hat. Ich musste im letzten Jahr wieder mal lernen, dass mit unerfreulichen Themen wie „Artensterben“ (Apollofalter, Dukatenfalter) kein Blumentopf zu gewinnen ist. Interessiert einfach niemanden (oder nur ein paar Leute, die es eh schon wussten). Medial ist das Artensterben momentan ein „Luxusproblem mit Frustrationspotential“, das will keiner lesen.

Daher folgen nun meine persönlichen positiven Erfahrungen im Jahr 2020:

  • Im April konnte ich im verordneten „Home-Office“ einen Aurorafalter beim Schlupf neben meinem Monitor fotografieren.
  • Wir konnten die Entwicklung von Nachtpfauenaugen in der Puppe an der Uni Düsseldorf mittels bildgebender Kernspinresonanzspektroskopie verfolgen (dazu hoffentlich im kommenden Jahr mehr!)
  • Zusammen mit Armin Dahl und Armin Radkte hatten wir im Juni eine schöne Exkursion im kleinen Rahmen in die Eifel bei Gönnersdorf und ins Lewertbachtal. Das Biotop am Mäuerchenberg habe ich im Juli noch einmal besucht.
  • Vor 10 Jahren habe ich zuletzt Dukatenfalter vor der Linse gehabt. Im Juli 2020 konnte ich zahlreiche Tiere auf dem Kahlen Asten beobachten ohne lange suchen zu müssen.
  • Endlich habe ich – dank Jonas Mittemeyer! – ein blaues Ordensband gesehen. Seine sehr effektive „Ikea-Fangst-Falle“ habe ich als stationäres Exemplar nun im Garten stehen. Darin schon nach wenigen Tagen: ein Rotes Ordensband und ein schwarzes Ordensband – und das in der Innenstadt von Opladen! Das Konzept der „Ikea-Fangst-Falle“ kann man nur empfehlen!

Hoffen wir, dass das kommende Jahr besser verläuft und dass wir uns bald wieder frei bewegen können.
In jedem Fall werden wir uns weiter und verstärkt für den Schutz unserer Schmetterlinge einsetzen!
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein frohes neues Jahr, Glück, Erfolg und vor allem Gesundheit!

… und zur allgemeinen Aufheiterung noch einige farbenfrohe Bilder des Jahres 2020 (für die jeweilige Beschreibung bitte anklicken!):

Veröffentlicht 31. Dezember 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Museumsfunde: Sammlungs- und Literaturarbeit nicht vergessen!   Leave a comment

Freilandarbeit ist nicht alles! In den Museen derv Region schlummern noch viele wissenschaftlich interessante Fundstücke. Bei der Aufarbeitung der älteren Literatur kommen wir aber voran.

Der Sommer 2020 ist vorbei, man möchte sagen endlich! Zumindest der Landwirt in mir betrachtet den Klimawandel und alles was damit zusammenhängt mit einiger Besorgnis. Die Heuernte 2020 war wegen des trockenen Frühjahrs besonders mies, der Wasserstand in meinem Hausbrunnen in den vergangenen Jahren 2018-2020 historisch niedrig, die Temperaturen im Haus dafür um so höher. Nach Angaben des Copernikus-Klimawandeldienstes haben wir gerade den wärmsten September seit Beginn der Aufzeichnungen hinter uns, und der Dürremonitor des UFZ färbt sich nur ganz langsam in Richtung blau.

Dürremonitor des UFZ Halle, Stand 20. Oktober 2020. Quelle: https://www.ufz.de/index.php?de=37937

Was die Insektenfauna angeht, sehen wir unfassbare Ausbreitungsbewegungen einzelner Arten: Die Gottesanbeterin wird wohl in den kommenden Jahren das Rheinland erobern, Bausenberg und Siebengebirge sind die nächsten bekannten Fundstellen, in Brandenburg ist die Art schon fast überall, 

In Remscheid ist mittlerweile Pyrgus armoricanus aufgetaucht, der Zweibrütige Puzzlefalter, der seit Jahren seine Verbreitungsgrenze nach Norden verschiebt. Was kommt als nächstes, welche wärmeliebenden Arten kommen noch auf uns zu? Und welche machen den Abgang, weil es ihnen zu heiß wird?

Und ist das überhaupt so, oder war es früher schon mal genauso warm, und es hängt alles nur an der Qualität der Lebensräume? So eine Art wie der Schornsteinfeger, der immer als „Klimaverlierer“ genannt wird, kann ja im Prinzip auch an den Nordhängen und in den Waldrändern fliegen, und muss nicht gleich regional verschwinden. Im Bio-Studium hieß das seinerzeit „Gesetz von Standortkonstanz und Biotopwechsel“ Erfunden hat das übrigends der Hohenheimer Botaniker Heinrich Walter, dessen Hauptwerk „Die Vegetation der Erde” ist Pflichtlektüre für BiostudentInnen mit Freilandambitionen.

Ein Besuch im Museum bringt da immer wieder neue Einsichten. Dort liegen viele Insektenkästen, die noch lange nicht alle aufgearbeitet sind, und es kommen immer wieder neue hinzu. Eigentlich war ich davon ausgegangen dass KINKLER et al. (1975) seinerzeit zum Beispiel die ganzen Eulenfalter aus dem Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD) erfasst hätten. Aber Einbildung ist bekanntlich keine Bildung, und so erlebte ich beim jüngsten Besuch im Museumskeller mal wieder eine Überraschung: Ein Nachweis von Acontia trabealis in Remscheid, der anscheinend der Aufarbeitung bisher entgangen war.

Acontia trabealis, Remscheid, 10.6.1935, gesammelt von Melchior. Landessammlung, Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD)

 

 

Das Ackerwinden-Bunteulchen fehlt heute in Nordwestdeutschland und den Mittelgebirgen, ist aktuell südlich-östlich verbreitet. Der nächste bekannte Fundort liegt in Unkel am Nordende des Mittelrheintales. Anscheinend war die für trocken-warme Äcker und Ruderalfluren typische Art aber früher auch in der eher atlantisch geprägten Zone vereinzelt zu finden.

Das alles wüssten wir nicht, wenn die Entomologen früher nicht so fleißig gesammelt, und die Museen die Sammlungen auch angekauft oder zumindest eingelagert hätten. Dort schlummert noch einiges an Überraschungen, und es gibt reichlich Gelegenheit sich in den Wintermonaten zu betätigen. In Corona-Zeiten ist das vielleicht eine Alternative zu sonstigen Aktivitäten, wer Kontakt aufnehmen und mitarbeiten will, kann sich gerne melden: Einzelne Kästen ausleihen und die Daten aufnehmen kann man prinzipiell auch im Homeoffice.

Das Tierchen aus Remscheid ist übrigens nur eine von vielen Trockenheit und Wärme liebenden Arten, die sich aus der Region zurückgezogen haben. Die Alten Herren nannten als Gründe dafür regelmäßig die „Klimaverschlechterung“, gemeint war damit die Verschlechterung des Kleinklimas, durch das Verbuschen und Verwalden des früher weitgehend kahlen Bergischen Landes.

Wo man das alles nachlesen kann? Die Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal sind komplett eingescannt, die älteren Ausgaben der Melanargia liegt auch komplett vor. Und das Museum in Linz ist gerade dabei, auch ältere Literaturstellen wie die ersten fünf Ausgaben der „Nachrichten der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.“ einzuscannen. diese von 1977 bis 1989 erschienenen Berichte werden dann demnächst in guter Qualität auf zobodat.at zu finden sein, die Datenbank der Linzer Kollegen ist übrigens eine Fundgrube für Literatur!

 

Links:

Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, Scans aller Jahrgänge

KINKLER, H. & SCHMITZ, W., NIPPEL, F. & SWOBODA, G. (1975): Die Schmetterlinge des Bergischen Landes. III. Teil: Die Eulenschmetterlinge (I). Jahrber.Naturwiss.Ver.Wuppertal, 28: 31-74, Wuppertal

ZOBODAT (Zoologisch-Botanische Datenbank, ehemals ZOODAT.  Die Datenbank beinhaltet Daten zur Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten, Biografien von naturkundlich forschenden Personen und digitalisierte Literatur sowie diverse unterstützende digitale Bibliotheken. 

 

Veröffentlicht 4. November 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Klimawandel, Lebensräume, Literatur

Aus der Zeit gefallen   2 comments

ist diese Apamea monoglypha, die ich heute Morgen, 31.Oktober 2020, beim Blick in meine Lichtfalle auf dem Balkon hier in der Innenstadt von Wuppertal-Barmen gesehen habe. Der fransenfrische Falter gehört sicher einer zumindest partiellen zweiten Generation an. Begleitet wird er unter anderem von Noctua pronuba und N. comes, die es sich hier auch weiterhin gut gehen lassen. Bei den für die nächsten Tage vorhergesagten milden Temperaturen mag es auch außerhalb von Städten ja noch Nachweise außergewöhnlicher Flugzeiten geben.

Apamea monoglypha, 31.X.2020 Wuppertal-Barmen, Innenstadt, Fund in Lichtfalle, manipuliertes Foto, Armin Radtke

Veröffentlicht 31. Oktober 2020 von ntorva in Arten / Listen

%d Bloggern gefällt das: