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Bioblitz 2022: Wer hat die längste Artenliste   4 comments

Die von Observation International betriebene Beobachtungsplattform observation.org hat einige von uns in den vergangene Monaten stark beschäftigt. Die Möglichkeiten der Dateneingabe über verschiedene Apps wurde getestet, Tausende von Fotos wurden eingestellt und nach Möglichkeit validiert, neue Gebiete angelegt usw. Die Möglichkeiten, seine eigenen Beobachtungen mit denen der Kollegen in „Realtime“ zu vergleichen sind super, die Qualitätssicherung wurde optimiert. Und wo das nicht genug war, kam noch der eine oder andere Whatsapp-Chat zum Einsatz, mit Hunderten von Einträgen, oder die Youtube-Videos aus dem mothhunters Channel. Im Rausch der Artenvielfalt ging das Jahr mal wieder viel zu flott herum, auch die Corona-Epidemie hat uns dabei nicht wirklich behindert, der Digitalisierung sei Dank!

Nach der Umstellung auf ein neues Design, etlichen Erweiterungen u.a. bei der Bestimmung mittels Künstlicher Intelligenz, stehen jetzt auch völlig neue Anwendungen zur Verfügung. Eine davon ist der sogenannte „Bioblitz“, ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Regionen.

Um die Sache so richtig anzuschieben, haben die Entwickler jetzt schon mal die observation-Daten von 2021 in eine Auswertung gepackt, die im Bild oben zu sehen ist. Diese Darstellungen gibt es übrigens für alle Landkreise und Kreisfreien Städte, natürlich wie immer umsonst und frei zugänglich.

Münster, wo das LWL-Museum das Bioblitzen mit großem Aufwand fördert, führt bei der Zahl von Beobachteten Arten und Beobachtungen. Die meisten Beobachter hat jedoch der Kreis Kleve: Hier sind die an observation.org bzw. waarneming.nl gewöhnten Holländer am Wochenende unterwegs, und geben reichlich Daten ein. Aber auch Aachen, der Kreis Euskirchen, Bochum, Duisburg und der Ennepe-Ruhr-Kreis liegen vorne mit dabei. Das macht schon richtig Spass, wir wissen ja wer dort aktiv war! Und auch an der Mosel im Kreis Bernkastel-Wittlich tut sich viel, dort sind ein paar Junge Wilde unterwegs, gute FotografInnen und reichlich holländische Touristen.

Bisher wusste ja eigentlich keiner von dieser Sache, 2022 soll dann das Projekt Bioblitz richtig angeschoben werden. Mein Ziel: 1500 Arten im Kreis Mettmann und 200 Beobachter. (2021 bisher 1208Arten, 84 Beobachter).

TOP-25 Liste Bioblitz 2021  
NameFundort(e)DatumZielBeobachtete ArtenBeobachtungenBeobachter
MS Münster (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – MS Münster (Kreisfreie Stadt)2021334437802480
ST Steinfurt (Kreis) 2021BRD – ST Steinfurt (Kreis)2021233812773351
AC Aachen (Kreis) 2021BRD – AC Aachen (Kreis)2021214313251364
DU Duisburg (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – DU Duisburg (Kreisfreie Stadt)20211924793981
BIT Bitburg-Prüm (Landkreis) 2021BRD – BIT Bitburg-Prüm (Landkreis)202117346628304
EN Ennepe-Ruhr Kreis (Kreis) 2021BRD – EN Ennepe-Ruhr Kreis (Kreis)202116751161457
WIL Bernkastel-Wittlich (Landkreis) 2021BRD – WIL Bernkastel-Wittlich (Landkreis)202116264962202
EU Euskirchen (Kreis) 2021BRD – EU Euskirchen (Kreis)2021162211184300
RE Recklinghausen (Kreis) 2021BRD – RE Recklinghausen (Kreis)202114964530133
GAP Garmisch-Partenkirchen (Landkreis) 2021BRD – GAP Garmisch-Partenkirchen (Landkreis)202114915793103
BO Bochum (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – BO Bochum (Kreisfreie Stadt)20211484804267
E Essen (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – E Essen (Kreisfreie Stadt)20211439544774
GÖ Göttingen (Landkreis) 2021BRD – GÖ Göttingen (Landkreis)20211419511053
DAU Vulkaneifel (Landkreis) 2021BRD – DAU Vulkaneifel (Landkreis)202113514365220
SU Rhein-Sieg Kreis (Kreis) 2021BRD – SU Rhein-Sieg Kreis (Kreis)202112664943135
A Augsburg (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – A Augsburg (Kreisfreie Stadt)20211257413517
BOR Borken (Kreis) 2021BRD – BOR Borken (Kreis)202112548080475
KLE Kleve (Kreis) 2021BRD – KLE Kleve (Kreis)202112445599501
ME Mettmann (Kreis) 2021BRD – ME Mettmann (Kreis)20211208526484
DN Düren (Kreis) 2021BRD – DN Düren (Kreis)202111603491137
AC Aachen (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – AC Aachen (Kreisfreie Stadt)202111403714211
COC Cochem-Zell (Landkreis) 2021BRD – COC Cochem-Zell (Landkreis)202111294781200
VIE Viersen (Kreis) 2021BRD – VIE Viersen (Kreis)202110605770248
COE Coesfeld (Kreis) 2021BRD – COE Coesfeld (Kreis)202110253349189
Hochsauerlandkreis 2021BRD – HSK Hochsauerlandkreis (Kreis) 202110001018 (101%)3866224
Quelle: https://observation.org/bioblitz/

Veröffentlicht 11. November 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen

Zwischen Magerrasen und Feuchtwiese: ein Wochenende im Eschweiler Tal   1 comment

Nach wochenlangem Regen und anhaltender Kälte mit einer Anmutung von November hatten wir am vergangenen Wochenende Glück: bei sonnigem Wetter führte uns die diesjährige Wochenendexkursion in das Eschweiler Tal bei Bad Münstereifel. Wir hatten auf blauen Dunst ein Ferienhaus gemietet, ohne zu ahnen, das sich dieses im Epizentrum der Artenvielfalt befand und über ein großes Grundstück mit Wald und einer Lichtung mit Orchideen und Schlüsselblumen verfügte. So konnten wir nachts bei Kaltgetränken direkt am Haus nach Nachtfaltern leuchten und tagsüber die fußläufig erreichbaren Kalkmagerrasen und Feuchtwiesen erkunden. Einziger Wermutstropfen: bei klarem Himmel sank die Temperatur nachts rasch auf unter zehn Grad, so dass die Ausbeute an Nachtfaltern nicht so üppig wie erhofft ausfiel. Dafür entschädigten aber die Sichtungen von seltenen Tagaltern wie dem Wegerich-Scheckenfalter und dem Schlüsselblumen-Würfelfalter. Außerdem entdeckten wir den tagaktiven Ginster-Fleckenzünsler (Eurrhypis pollinalis), den wir noch nie bewusst gesehen hatten. Erstaunlich auch, wie unterschiedlich Fauna und Flora auf nahe zusammenliegenden Biotopen, selbst bei ähnlicher Lage und Geologie, ausfallen können. Hier sieht man wieder einmal, dass Schmetterlinge auf viele Umweltfaktoren sensibel reagieren und sich die für sie ideale Nische aussuchen.

Auf dem Orchideen-Hotspot Kuttenberg begegnete uns noch eine weitere Spezies in sehr großer Zahl: Orchideenfreunde lagen mit Fotostudio-Equipment und Beleuchtungsassistent*innen im Hang, um die seltenen Mutanten und Hybriden (der Orchideen) abzulichten. Dies hat für spätere Besucher einen Vorteil: die platt gelegenen Stellen deuten auf die Präsenz einer Rarität hin. Offenbar hat diese Praxis den Pflanzen bisher nicht geschadet. Am letzten Tag konnten wir dann noch eine besondere Mission erfüllen: die Suche nach dem Blauschillernden Feuerfalter Lycaena helle im Lewertbachtal im Auftrag der Biostation Euskirchen. Immerhin konnten wir zwei Tiere finden und so unseren Beitrag zur LIFE helle Eifeltäler Synchronzählung beitragen. Kurz gesagt: Mission erfüllt! …und hier noch die Fotoausbeute (für die Beschreibung bitte anklicken).

Veröffentlicht 4. Juni 2021 von Tim Laußmann in Arten / Listen

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Mission zum Orion   2 comments

Mann oh Mann, nicht nur der Lockdown ist eine harte Prüfung, sondern auch das Wetter. Dieses Jahr hatte ich noch nicht ein vernünftiges Foto von seltenen Schmetterlingen schießen können. Immer nur Kälte und Regen, auch nachts am Licht nicht viel los. Doch schon Anfang letzter Woche zeichnete sich ein ganz, ganz kleines „Zwischenhoch“ für Donnerstag ab. Dieses kurze Sonnenfenster konnten Daniel Müller und ich nutzen, um dem Orion-Bläuling (Fetthennen-Bläuling, Scolitantides orion) an der Mosel einen Besuch abzustatten. Ich selbst hatte den Falter tatsächlich noch nie gesehen und so war ich dankbar, dass mich Daniel als ortskundiger Schmetterlingsexperte in den Steilhängen der Mosel an die richtigen Stellen führte. Was soll man sagen: die Mission war ein voller Erfolg! Und: der Fetthennen-Bläuling war nicht die einzige Rarität, die es zu sehen gab. Hier muss man einfach mal sagen: so geht gelungener Naturschutz! Das ist wirklich vorbildlich. Es wäre natürlich ein Traum, wenn sich so eine Einstellung zur Natur auf das ganze Moseltal ausdehnen würde. Ich sage nur: Mosel-Apollofalter! Das Kontrastprogramm dazu gab es leider auch, aber nicht auf den relevanten Flächen… Fotos: siehe unten (Fotos anklicken für die Bildbeschreibung).

Veröffentlicht 22. Mai 2021 von Tim Laußmann in Arten / Listen

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Winterspaziergangsimpressionen   Leave a comment

In der Lichtfalle auf dem Balkon stellte sich am vergangenen Samstag vorerst zum letzten Mal Besuch aus der Falterwelt ein. Neben Überwinterern waren, wie schon in den Tagen zuvor, die Vorfrühlingsarten A. marginaria und A. leucophaearia zu finden. Dann kam Samstag Abend der Eisregen und anschließend der Schnee. Seitdem herrschen hier konstant Minustemperaturen, Falter Fehlanzeige.

Aber trotzdem kann man ja auch bei diesem Winterwetter Schmetterlinge nachweisen. Ein Spaziergang im nächsten Laubwald kann da helfen Verbreitungsnachweise zu erbringen. Hier mal ein paar Beispiele von heute Nachmittag im Kothener Wald in Wuppertal-Barmen, zu sehen ist ein Altnest vom Eichenprozessionsspinner und viele Dutzend Altminen von Zimmermannia liebwerdella an Buche.

Eine dreistellige Anzahl von Zimmermannia liebwerdella Altminen an Buche Wuppertal-Barmen, Kothener Wald, 10.II.2021, Foto: Armin Radtke
Vorjähriges Nest von Thaumetopoea processionea (Eichen-Prozessionsspinner), Wuppertal-Barmen, Kothener Wald, 10.II.2021, Foto: Armin Radtke

Es lohnt sich also auch bei richtigem Winterwetter an die Falter zu denken – finden kann man immer was!

Veröffentlicht 10. Februar 2021 von ntorva in Arten / Listen

Das Kleine Gelbe Waisenkind und der Anmutige Haarwald   1 comment

Endlich mal wieder Winter! Der Blick aus dem Arbeitszimmer geht über verschneite Schafweiden, die Köder im Garten sind eingefroren, das Auto mit kaputter Heizung in der Werkstatt. Nach einer saukalten Nacht mit zweistelligen Minustemperaturen (-12°C in meinem Garten in Haan) kann ich mich für den Rest der Woche endlich mal mit dem Schmökern bzw. Surfen beschäftigen. 

Die Kollegen aus den Niederlanden haben im vergangenen Jahr 2020 mal wieder die Latte für faunistische Beteiligung hochgelegt : 450.000 Nachtfaltermeldungen (nur Makros!) von 697 verschiedenen Arten gab es im Nachbarland. Die Vlinderstichting hat das alles in einem kurzen Bericht zusammengestellt, den man hier anschauen  kann. Zum Vergleich: Im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen kamen im Jahr 2020 bisher gut 40.000 gemeldete Einzelbeobachtungen zusammen (inklusive Mikros), und die meisten Daten sind bereits importiert. Die Niederlande haben dabei etwas weniger Einwohner als Nordrhein-Westfalen (17,2 / 17,9 Millionen), und zum Arbeitsgebiet gehören noch der Norden von Rheinland-Pfalz und Teile von Hessen, Niedersachsen und der Norden des Saarlandes. 

Fünf neue Arten Makros gab es in NL zu vermelden, einer davon, der Schneeball-Glasflügler, geht immerhin auf das Konto von Heidelandschafts-Urgestein Armin Radtke. Aber auch eine Reihe weiterer Raritäten wurde vermerkt, so zum Beispiel der vierte Nachweis von Polyphaenis sericata aus Limburg. Unfassbar wenn man das bisher bekannte Verbreitungsgebiet anschaut, ich selbst kenne sericata nur von einer Exkursion ins Loreleygebiet. Zu P. sericata gibt es übrigens auch aus Deutschland Nachweise von 2020 aus Frechen, in Niedersachsen ist die Art 2019 sogar bis in den Raum Hannover vorgestoßen. Bleibt abzuwarten ob die Vorkommen die aktuellen Frostperioden unbeschadet überstehen. 

Zurück zu den Niederlanden: Wer kein holländisch lesen kann, sollte sich den oben erwähnten Text kopieren und bei Google translate einfügen. Hier mal ein von Google übersetzter Abschnitt der mir besonders gefallen hat: 

„Im Herbst wurden drei neue Motten für die Niederlande beobachtet, das kleine gelbe Waisenkind (Catocala nymphagoga), die südliche Eicheneule (Dryobota labecula) und der anmutige Haarwald (Ochropleura leucogaster).“

 

 

Veröffentlicht 9. Februar 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen, im Netz, Klimawandel

Frühling im Anmarsch   1 comment

Nach den milden Nächten der letzten Tage habe ich heute mal eine kleine Runde durch die Tunnels und Unterführungen der Region gedreht. Mit Taschenlampe und Fernglas bewaffnet, um auch in die unzugänglichen Ecken schauen zu können.

Acht Arten und knapp 80 Tiere insgesamt, und jetzt weiß ich auch wo die Federgeistchen den Winter verbringen.

 

Veröffentlicht 4. Februar 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen

2020 – das war´s   2 comments

Also, hätte mir letztes Jahr jemand erzählt, dass 2020 selbst Gottesdienste an Weihnachten weitgehend ausfallen, ich hätte es nicht geglaubt. Auf jeden Fall wäre ich nicht darauf gekommen, dass ein Virus die Ursache sein würde.

Man kann lange darüber philosophieren, was die Gründe für diese einschneidende Wendung in der Geschichte sind. Inzwischen bin ich davon überzeugt: es ist einfach nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen (man könnte es als „Pech“ bezeichnen). Natürlich hat die globale Mobilität die Pandemie deutlich beschleunigt, aber sie war vermutlich unausweichlich und musste, statistisch gesehen, irgendwann kommen.

Ich denke, die Ursachen für Dinge, die zufällig passieren, sollte man nicht weiter ergründen. Stattdessen sollten wir nach vorne blicken: was können wir lernen?

Bemerkenswert finde ich, dass das Virus wie ein Schlaglicht auf Missstände hinweist. Z.B. auf unseren absolut nicht vertretbaren, respektlosen Umgang mit Mensch und Tier in der Fleischindustrie. Auch, wie sich plötzlich Wertschätzung und Anerkennung von Arbeit verschieben können: Wer sind denn nun die „Leistungsträger der Gesellschaft“?

Eine weitere wichtige Einsicht: mit einem Virus kann man nicht verhandeln. Er arbeitet wie ein Uhrwerk, unaufhaltsam, nach den Gesetzen der Natur. Erstaunlich, wie versucht wurde, hin- und her zu taktieren, um dann doch beim unausweichlichen „Lockdown“ zu enden. Auch der Klimawandel wird mit Macht auf uns zukommen, aber viel langsamer als ein Virus. Und was dann folgt, kann man sicher nicht kurzfristig „wegimpfen“. Da wir offenbar nicht in der Lage sind, weiter als eine Legislaturperiode zu blicken, schwant mir nichts Gutes.

Positiv ist, dass die Wissenschaft in der Krise eine bedeutende Rolle spielt. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen lassen sich Probleme lösen. Und: die Mehrheit der Menschen vertraut offenbar darauf, mal abgesehen von einer zwar lauten, aber doch kleinen Minderheit. Ich bin sehr gespannt, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Krise gewonnen werden: über das Verhalten von Menschen (Toilettenpapier?), über den Umgang mit Viren, über die Auswirkungen einer Pandemie auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Hoffentlich liefert die Krise den Anstoß endlich auf Innovation zu setzen. Sollte man „alte Zöpfe“ weiter am Tropf von Subventionen halten? Soll man nicht besser nachdenken, was uns in Zukunft weiterbringt? Apropos weiter: wohin wollen wir eigentlich? Ich denke, die künstliche Wiederbelebung des Zustands vor der Krise ist keine Lösung, sie würde nur Ressourcen verschwenden.

So, bevor ich hier weiter vom Thema abkomme: Nein, ich werde nicht schreiben, was aus schmetterlingskundlicher Sicht alles ausgefallen ist was alles nicht geklappt hat. Ich musste im letzten Jahr wieder mal lernen, dass mit unerfreulichen Themen wie „Artensterben“ (Apollofalter, Dukatenfalter) kein Blumentopf zu gewinnen ist. Interessiert einfach niemanden (oder nur ein paar Leute, die es eh schon wussten). Medial ist das Artensterben momentan ein „Luxusproblem mit Frustrationspotential“, das will keiner lesen.

Daher folgen nun meine persönlichen positiven Erfahrungen im Jahr 2020:

  • Im April konnte ich im verordneten „Home-Office“ einen Aurorafalter beim Schlupf neben meinem Monitor fotografieren.
  • Wir konnten die Entwicklung von Nachtpfauenaugen in der Puppe an der Uni Düsseldorf mittels bildgebender Kernspinresonanzspektroskopie verfolgen (dazu hoffentlich im kommenden Jahr mehr!)
  • Zusammen mit Armin Dahl und Armin Radkte hatten wir im Juni eine schöne Exkursion im kleinen Rahmen in die Eifel bei Gönnersdorf und ins Lewertbachtal. Das Biotop am Mäuerchenberg habe ich im Juli noch einmal besucht.
  • Vor 10 Jahren habe ich zuletzt Dukatenfalter vor der Linse gehabt. Im Juli 2020 konnte ich zahlreiche Tiere auf dem Kahlen Asten beobachten ohne lange suchen zu müssen.
  • Endlich habe ich – dank Jonas Mittemeyer! – ein blaues Ordensband gesehen. Seine sehr effektive „Ikea-Fangst-Falle“ habe ich als stationäres Exemplar nun im Garten stehen. Darin schon nach wenigen Tagen: ein Rotes Ordensband und ein schwarzes Ordensband – und das in der Innenstadt von Opladen! Das Konzept der „Ikea-Fangst-Falle“ kann man nur empfehlen!

Hoffen wir, dass das kommende Jahr besser verläuft und dass wir uns bald wieder frei bewegen können.
In jedem Fall werden wir uns weiter und verstärkt für den Schutz unserer Schmetterlinge einsetzen!
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein frohes neues Jahr, Glück, Erfolg und vor allem Gesundheit!

… und zur allgemeinen Aufheiterung noch einige farbenfrohe Bilder des Jahres 2020 (für die jeweilige Beschreibung bitte anklicken!):

Veröffentlicht 31. Dezember 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Museumsfunde: Sammlungs- und Literaturarbeit nicht vergessen!   Leave a comment

Freilandarbeit ist nicht alles! In den Museen derv Region schlummern noch viele wissenschaftlich interessante Fundstücke. Bei der Aufarbeitung der älteren Literatur kommen wir aber voran.

Der Sommer 2020 ist vorbei, man möchte sagen endlich! Zumindest der Landwirt in mir betrachtet den Klimawandel und alles was damit zusammenhängt mit einiger Besorgnis. Die Heuernte 2020 war wegen des trockenen Frühjahrs besonders mies, der Wasserstand in meinem Hausbrunnen in den vergangenen Jahren 2018-2020 historisch niedrig, die Temperaturen im Haus dafür um so höher. Nach Angaben des Copernikus-Klimawandeldienstes haben wir gerade den wärmsten September seit Beginn der Aufzeichnungen hinter uns, und der Dürremonitor des UFZ färbt sich nur ganz langsam in Richtung blau.

Dürremonitor des UFZ Halle, Stand 20. Oktober 2020. Quelle: https://www.ufz.de/index.php?de=37937

Was die Insektenfauna angeht, sehen wir unfassbare Ausbreitungsbewegungen einzelner Arten: Die Gottesanbeterin wird wohl in den kommenden Jahren das Rheinland erobern, Bausenberg und Siebengebirge sind die nächsten bekannten Fundstellen, in Brandenburg ist die Art schon fast überall, 

In Remscheid ist mittlerweile Pyrgus armoricanus aufgetaucht, der Zweibrütige Puzzlefalter, der seit Jahren seine Verbreitungsgrenze nach Norden verschiebt. Was kommt als nächstes, welche wärmeliebenden Arten kommen noch auf uns zu? Und welche machen den Abgang, weil es ihnen zu heiß wird?

Und ist das überhaupt so, oder war es früher schon mal genauso warm, und es hängt alles nur an der Qualität der Lebensräume? So eine Art wie der Schornsteinfeger, der immer als „Klimaverlierer“ genannt wird, kann ja im Prinzip auch an den Nordhängen und in den Waldrändern fliegen, und muss nicht gleich regional verschwinden. Im Bio-Studium hieß das seinerzeit „Gesetz von Standortkonstanz und Biotopwechsel“ Erfunden hat das übrigends der Hohenheimer Botaniker Heinrich Walter, dessen Hauptwerk „Die Vegetation der Erde” ist Pflichtlektüre für BiostudentInnen mit Freilandambitionen.

Ein Besuch im Museum bringt da immer wieder neue Einsichten. Dort liegen viele Insektenkästen, die noch lange nicht alle aufgearbeitet sind, und es kommen immer wieder neue hinzu. Eigentlich war ich davon ausgegangen dass KINKLER et al. (1975) seinerzeit zum Beispiel die ganzen Eulenfalter aus dem Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD) erfasst hätten. Aber Einbildung ist bekanntlich keine Bildung, und so erlebte ich beim jüngsten Besuch im Museumskeller mal wieder eine Überraschung: Ein Nachweis von Acontia trabealis in Remscheid, der anscheinend der Aufarbeitung bisher entgangen war.

Acontia trabealis, Remscheid, 10.6.1935, gesammelt von Melchior. Landessammlung, Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD)

 

 

Das Ackerwinden-Bunteulchen fehlt heute in Nordwestdeutschland und den Mittelgebirgen, ist aktuell südlich-östlich verbreitet. Der nächste bekannte Fundort liegt in Unkel am Nordende des Mittelrheintales. Anscheinend war die für trocken-warme Äcker und Ruderalfluren typische Art aber früher auch in der eher atlantisch geprägten Zone vereinzelt zu finden.

Das alles wüssten wir nicht, wenn die Entomologen früher nicht so fleißig gesammelt, und die Museen die Sammlungen auch angekauft oder zumindest eingelagert hätten. Dort schlummert noch einiges an Überraschungen, und es gibt reichlich Gelegenheit sich in den Wintermonaten zu betätigen. In Corona-Zeiten ist das vielleicht eine Alternative zu sonstigen Aktivitäten, wer Kontakt aufnehmen und mitarbeiten will, kann sich gerne melden: Einzelne Kästen ausleihen und die Daten aufnehmen kann man prinzipiell auch im Homeoffice.

Das Tierchen aus Remscheid ist übrigens nur eine von vielen Trockenheit und Wärme liebenden Arten, die sich aus der Region zurückgezogen haben. Die Alten Herren nannten als Gründe dafür regelmäßig die „Klimaverschlechterung“, gemeint war damit die Verschlechterung des Kleinklimas, durch das Verbuschen und Verwalden des früher weitgehend kahlen Bergischen Landes.

Wo man das alles nachlesen kann? Die Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal sind komplett eingescannt, die älteren Ausgaben der Melanargia liegt auch komplett vor. Und das Museum in Linz ist gerade dabei, auch ältere Literaturstellen wie die ersten fünf Ausgaben der „Nachrichten der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.“ einzuscannen. diese von 1977 bis 1989 erschienenen Berichte werden dann demnächst in guter Qualität auf zobodat.at zu finden sein, die Datenbank der Linzer Kollegen ist übrigens eine Fundgrube für Literatur!

 

Links:

Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, Scans aller Jahrgänge

KINKLER, H. & SCHMITZ, W., NIPPEL, F. & SWOBODA, G. (1975): Die Schmetterlinge des Bergischen Landes. III. Teil: Die Eulenschmetterlinge (I). Jahrber.Naturwiss.Ver.Wuppertal, 28: 31-74, Wuppertal

ZOBODAT (Zoologisch-Botanische Datenbank, ehemals ZOODAT.  Die Datenbank beinhaltet Daten zur Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten, Biografien von naturkundlich forschenden Personen und digitalisierte Literatur sowie diverse unterstützende digitale Bibliotheken. 

 

Veröffentlicht 4. November 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Klimawandel, Lebensräume, Literatur

Aus der Zeit gefallen   2 comments

ist diese Apamea monoglypha, die ich heute Morgen, 31.Oktober 2020, beim Blick in meine Lichtfalle auf dem Balkon hier in der Innenstadt von Wuppertal-Barmen gesehen habe. Der fransenfrische Falter gehört sicher einer zumindest partiellen zweiten Generation an. Begleitet wird er unter anderem von Noctua pronuba und N. comes, die es sich hier auch weiterhin gut gehen lassen. Bei den für die nächsten Tage vorhergesagten milden Temperaturen mag es auch außerhalb von Städten ja noch Nachweise außergewöhnlicher Flugzeiten geben.

Apamea monoglypha, 31.X.2020 Wuppertal-Barmen, Innenstadt, Fund in Lichtfalle, manipuliertes Foto, Armin Radtke

Veröffentlicht 31. Oktober 2020 von ntorva in Arten / Listen

Wanderfalter unterwegs!   4 comments

Heute, morgens, beim Blick in die Lichtfalle auf meinem Balkon mitten in der Innenstadt von Wuppertal-Barmen sah ich den Wanderzünsler Udea ferrugalis, soeben (gegen 19:30 Uhr) dann eine zweite wandernde Zünslerart: Palpita vitrealis

Palpita vitrealis, Olivenbaumzünsler, Wuppertal-Barmen, Innenstadt, 24.Oktober 2020, Foto: Armin Radtke

Es lohnt sich weiterhin die Augen offen zu halten – wer weiß welche anderen Wanderfalter durch die günstigen Wetterbedingungen der letzten Zeit noch in unsere Region eingeflogen sind und sich hier vermehren konnten. Der Falter auf dem Bild hat sicherlich keine lange Flugstrecke hinter sich.

Veröffentlicht 24. Oktober 2020 von ntorva in Arten / Listen

Männer, die auf Puppen starren…   1 comment

Schmetterlinge beim Schlüpfen zu fotografieren ist eine Sache, aber Raupen bei der Verpuppung, das ist noch eine Nummer schwieriger. Es ist ein echtes Geduldsspiel, das man nur allzu oft verliert. Grade mal raus, einen Kaffee geholt, kurz mal abgelenkt, den Blick zurück und die Show ist schon vorüber.

Der erste Versuch: Tagpfauenaugen. Die Raupen stammten von Armins inzwischen schon legendärer „Öko-Wiese“. Das Ergebnis: alles verpasst, da ich zu der Zeit immer bei der Arbeit war. Zudem muss man sagen, dass nicht nur der Schwund und die mangelnde Qualität der Lebensräume den Schmetterlingen zusetzen, hinzu kommen Parasiten, insbesondere Raupenfliegen. Das Ergebnis der Zucht von 12 Raupen: 10 Fliegen, 2 Schmetterlinge. Die Maden leben in den Raupen, die es meist noch schaffen sich zu verpuppen. Doch nach ein-zwei Tagen bohren sich die Fliegenlarven wie „Aliens“ heraus und verpuppen sich ihrerseits am Boden.

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Immerhin dieses Tagpfauenauge ist geschlüpft. E.p. Haan, Ökowiese, 03.07.2020, Foto: Tim Laußmann

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Raupenfliegen-Puppen aus den Tagpfauenaugen-Puppen. E.p. Haan, Ökowiese, 02.07.2020, Foto: Tim Laußmann

So sieht übrigens eine Raupenfliege aus, gut, sie hat immerhin hübsche rote Augen, aber gegen einen Schmetterling fällt sie doch stark zurück. Man beachte auch den bemerkenswert behaarten Hinterleib. Ein Fliegen-Fan werde ich jedenfalls nicht.

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Raupenfliege, Parasit in Arctia caja, e.l. 22.06.2014 (Foto: Tim Laußmaann)

Nächster Versuch. Jonas hat mir freundlicherweise ein Eigelege vom Kleinen Fuchs überlassen. Die Raupen schlüpften schon am nächsten Tag. Das Wichtigste: garantiert frei von Raupenfliegen!

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Eigelege und junge Raupen vom Kleinen Fuchs. E.o. Schwelm, 24.06.2020, Foto: Tim Laußmann

Nach knapp drei Wochen war es dann soweit. Das Problem ist, dass man tatsächlich stundenlang auf die mit dem Kopf nach unten hängenden Raupen starren muss, damit man die wenigen Minuten der Verpuppung nicht verpasst.

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Kleiner Fuchs: Zweimal die Verpuppung verpasst. Nächster Versuch ganz links. E.o. Schwelm, 12.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Draußen hat man natürlich die beste Ausleuchtung, doch auch hier geschehen unerwartete Dinge:

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Glücklicherweise hatte ich dann nach langem Warten doch noch Glück:

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Ein sehr kritischer Moment bei der Verpuppung ist das „Übergreifen“ der Puppe mit dem klebrigen Hinterende an das Polster aus Spinnseide. Die Puppe klebt sich so an der Unterlage fest und die alte Raupenhaut fällt zu Boden. In ca. 10 % der Fälle ist die Puppe gleich mit heruntergefallen. Die Puppen liegen dann am Boden. Wenn sie nicht durch den Sturz beschädigt wurden, schlüpfen die Schmetterlinge auch aus diesen Puppen. Der hier gezeigten Puppe ist das Manöver auch nicht gelungen – glücklicherweise konnte ich eingreifen und die Puppe mit dem Hinterende befestigen. Der gesamte Häutungsvorgang dauerte 4 Minuten und 20 Sekunden.

Bei Raumtemperatur dauert die Entwicklung des Falters in der Puppe knapp zwei Wochen. Nun das Finale:

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Vom Aufsprengen der Puppenhülle bis zum vollständigen Schlupf des Falters hat es exakt 82 Sekunden gedauert. Für die Entfaltung der Flügel braucht der Falter etwa 5 Minuten. Dann müssen die Flügel noch aushärten, so dass der Falter nach etwa zwei Stunden startklar ist. Guten Flug, Kleiner Fuchs!

 

Veröffentlicht 13. August 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Neowise – Nachlese   Leave a comment

Hallo ihr Nachtschwärmer! Auf ausdrücklichen Wunsch von Armin Dahl hier mal etwas anderes als „Motten“. Immerhin fliegt es und ist (war) nachts zu sehen. Manche von Euch, die im letzten Monat in der Dunkelheit fernab jeder Zivilisation an ihren UV-Lampen gestanden haben um Nachtfalter anzulocken, werden einen ungewöhnlichen Gegenpart am Himmel entdeckt haben: den Kometen „Neowise“, genauer das Himmelsobjekt „C/2020 F3 (NEOWISE)“. Da ungewöhnliche Himmelsobjekte mein „Nebenhobby“ sind, hier ein paar Bilder des Kometen:

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Komet Neowise über Opladen in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

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Komet Neowise in der Nacht zum 22.07.2020, Einzelbild mit Lichtverschmutzung, Foto: Tim Laußmann

So wie oben gezeigt, sieht es leider aus, wenn man keine Lust hat, wochentags mitten in der Nacht in die Eifel zu fahren, wo es halbwegs dunkel wird. So hat man die enorme Lichtverschmutzung (rötlich-gelblich) mit auf dem Bild. Die Lichtverschmutzung mögen wir Lepidopterologen ja genauso wenig wie die Astronomen! Immerhin nett zu sehen: die grünlich schimmernde „Koma“ rund um den Kometenkern. Das Leuchten kommt durch ionisierte Moleküle und Atome zu Stande, welche durch die „harte“, energiereiche Sonnenstrahlung in einen angeregten Zustand überführt werden. Der „Schweif“, der hier im Bild zu sehen ist, ist im Wesentlichen Staub, der von den austretenden Gasen mitgerissen wird und langsam vom „Sonnenwind“ (Teilchenstrahlung der Sonne) weggeblasen wird. Da die Teilchen in eine höhere Umlaufbahn um die Sonne gelangen, bewegen sie sich langsam vom Kometenkern weg und ein durch die Sonne angeleuchteter, gekrümmter, weißlich-gelber Schweif entsteht. Das eigentliche Highlight der Kometen kommt aber noch:

Komet "Neowise" in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Komet „Neowise“ in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Dieses Bild hier entsteht, wenn man durch ein entsprechendes Programm („PixInsight“) insgesamt 20 solcher mangelhafter Einzelbilder addiert, dabei noch die Bewegung des Kometen selbst kompensiert, die Lichtverschmutzung rausrechnet und durch ein paar besondere Funktionen den dynamischen Bereich der Bilder erhöht. So wird nun auch der schöne, bläuliche Plasmaschweif erkennbar, der sich vom Kometenkern bis in die linke obere Ecke des Bildes zieht. Er wird ebenfalls durch ionisierte Atome und Moleküle (hauptsächlich Kohlenmonoxid) erzeugt. Dieser Schweif zeigt immer ziemlich gerade von der Sonne weg und wird zudem von Magnetfeldern des Sonnenwinds beeinflusst, so dass sich die Strukturen ständig ändern. Bemerkenswert, wie die Teilchen und Moleküle wie ein „Strahl“ vom Sonnenwind aus dem Kometenkern hausgetrieben werden.

Nun verschwindet der Komet wieder in die Ferne des Weltalls. Er wird um das Jahr 8880 zurückkehren. Dann sind wir mit Sicherheit alle Geschichte. Schade, dass ich nicht doch raus in die Eifel gefahren bin… Aber: nach dem Kometen ist vor dem Kometen! Der letzte „große“ Komet hat uns 1997 besucht („Hale-Bopp“, C/1995 O1). Eine wirklich legendäre Erscheinung! Foto unten, noch ganz analog auf Ektachrome 1000 aufgenommen.

Hale-Bopp 1997

Komet „Hale-Bopp“, Plettenberg, Germany Date: March 31, 1997 21:30 UT, Foto: Tim Laußmann

… und nicht zu vergessen: „Hyakutake“ C/1996 B2:

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Komet „Hyakutake“ Ende März 1996, Wuppertal, Foto: Tim Laußmann

Veröffentlicht 10. August 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Fliegende Goldstücke auf dem Kahlen Asten   14 comments

Im Jahr 1985 nahm meine Leidenschaft für „Feuerfalter“ ihren Anfang: Während eines Sommerurlaubs in Holzhausen an der Eder (muss man nicht kennen) entdeckte ich in einer nahe gelegenen stillgelegten Tongrube meinen ersten Dukatenfalter. Die im Flug rot-golden aufblitzenden Männchen sind echte Hingucker, praktisch gar nicht zu übersehen. Leider sind die Vorkommen dieses Falters begrenzt. In der Eifel, wo ich mich wegen der reichhaltigeren Falterfauna regelmäßig aufhalte, kommt er gar nicht (mehr) vor. Angeregt durch einen Artikel in der aktuellen „Melanargia“ über die Trupbacher Heide nördlich von Siegen, habe ich mich auf den Weg Richtung Sauerland gemacht.

Zunächst sollte es direkt auf den Kahlen Asten gehen. Dort wurden laut Observation.org zahlreiche Falter im vergangenen Jahr gesichtet. Also: um halb sieben ins Auto, denn je früher man im Gebiet ist, desto höher die Chance, noch träge Falter beim Sonnenbad zu fotografieren! Um halb neun war ich vor Ort und: keine fünf Minuten später fand ich direkt am Parkplatz die ersten zwei prächtig gefärbten frischen Männchen! In den folgenden zwei Stunden konnte ich insgesamt 15 Männchen und 3 Weibchen dokumentieren. Als sich dann gegen elf die ersten Touristen aus Bussen über den zweithöchsten Berg in NRW ergossen, war es Zeit aufzubrechen und die Population auf der Trupbacher Heide auf dem Rückweg zu kontrollieren.

Leider, leider konnte ich dort keinen einzigen Dukatenfalter beobachten, obwohl das Gebiet einen wirklich erstklassigen Eindruck macht, sehr blütenreich und bestens im Sinne der Artenvielfalt gepflegt. In dem Artikel in der „Melanargia“ berichtet die Biostation Siegen-Wittgenstein, dass die sehr trockenen Sommer in den letzten Jahren zu einem geringen Blütenangebot geführt haben. Ist dies die Ursache für den Rückgang der Dukatenfalterpopulation? Zudem überwintert diese Art als Ei an trocknen Pflanzenteilen und die jungen Räupchen brauchen im Frühling frischen Sauerampfer als Nahrung – trockene Frühjahre wie in diesem Jahr dürften hier nicht förderlich sein.

Hoffen wir, dass es dem „fliegenden Goldstück“ gelingt, das Gelände für sich zurückzuerobern!

Unten ein paar aktuelle Fotos vom Kahlen Asten und zwei Fotos von Dukatenfaltern auf der Trupbacher Heide von 2009. Nach meinen Aufzeichnungen habe ich damals dort am 5.7.2009 insgesamt 18 (!) Männchen und 3 Weibchen gefunden, zudem mehr als 50 Schachbrettfalter, dieses Jahr nur 7. Singuläre Wetterextreme scheinen den sowieso schon bedrohten Schmetterlingsarten zusätzlich zu schaden.

Ergänzung: Wegen der angeregten Diskussion habe ich noch mal meine Fotosammlung und meine Aufzeichnungen durchgesehen.

Hier die Orte, wo ich den Dukatenfalter sonst noch gefunden habe (Fotos ganz unten, damals noch auf Diafilm):

20.07.1989: Burgwald nördlich von Marburg: 2 Männchen, 2 Weibchen
15.07.1990: Burgwald nördlich von Marburg: 1 Männchen
20.07.1990: Lüneburger Heide bei Undeloh
09.08.1998: NSG „Fuchskaute“ im Westerwald: 2 Männchen
18.07.1999: NSG „Fuchskaute“ im Westerwald: 8 Männchen

Aktuelle Fotos vom Kahlen Asten:

Bilder von der Trupbacher Heide (Jahr 2009):

Ältere Funde:

 

Veröffentlicht 16. Juli 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Helle Begeisterung im Lewertbachtal   Leave a comment

Zygaena loti – Beilfleck-Widderchen, Mäuerchenberg bei Gönnersdorf, 05.06.2020, Foto: Tim Laußmann

Eiskalt – das waren die Wetteraussichten für unser Eifel-Wochenende vom 05. bis 07 Juni 2020. Schon Tage vorher bahnte es sich an: eine Kaltfront aus Nordost ließ nichts Gutes erwarten. Als wir uns dann auf der Dahlemer Binz bei 8 Grad, Nieselregen und einer steifen Brise trafen, war die Laune nicht die Beste. Aber die Erfahrung hat uns gelehrt: selbst bei den geringsten Aussichten auf Erfolg gibt es oft die besten Ergebnisse. Also: erstmal zum Aufwärmen in die Ferienwohnung in Lissendorf, wo wir sehr nett aufgenommen wurden. Nach einer kleiner Pause ging es dann raus um die Lage zu peilen: wo sind gute Leuchtplätze für die Nacht? Der Regen hatte inzwischen aufgehört und es kam für eine halbe Stunde die Sonne heraus. Trotz kalter Luft zeigten sich rasch die ersten Schmetterlinge auf einer Wiese gegenüber dem Mäuerchenberg bei Gönnersdorf und somit auch das Potential des Gebietes: Zygaena loti (Beilfleck-Widderchen) und Plebejus argus (Argus-Bläuling). Doch am Abend kam die Ernüchterung: bei gerade mal 5 Grad und aufklarendem Himmel gesellte sich noch der Vollmond hinzu. Die aufgebauten Leuchtanlagen konnten wir noch vor Mitternacht wieder einpacken: nur ein paar Agrotis exclamationis (Ausrufungszeicheneule) und Charanyca trigrammica (Dreilinieneule) leisteten uns Gesellschaft. Mit klammen Fingern mussten wir die Aktion abbrechen.

Am nächsten Tag zeigte ich dann gegen Mittag die Sonne. Bei wolkigem Himmel mit Aufheiterungen ging es ins Lewertbachtal, dem eigentlichen Ziel unserer Exkursion. Gerade ausgestiegen, fanden wir nach fünf Minuten das erste Highlight: Den Lilagold-Feuerfalter Lycaena hippothoe. Dank des kalten und unbeständigen Wetters konnte man viele Schmetterlinge in Ruhe beobachten: Boloria selene (Braunfleckiger Perlmuttfalter), Boloria eunomia (Randring-Perlmuttfalter) und die ersten Brenthis ino (Mädesüß-Perlmuttfalter). Viele Falter schienen nach dem ersten Regenguß nach wochenlanger Trockenheit gerade frisch geschlüpft zu sein. Dann der Höhepunkt: Lycaena helle (Blauschillernder Feuerfalter), gleich zwei Weibchen bei der Eiablage an Schlangen – Knöterich (Polygonum bistorta). Einige Baumweißlinge (Aporia crataegi) rundeten das Bild ab.

Da der Tag lang war und die Aussichten für die Nacht ähnlich schlecht wie am Vortag, machten wir es uns in der Ferienwohnung bei einem Gläschen Moselriesling gemütlich und ließen den Tag ausklingen.

Der folgende Morgen lieferte dann noch ein paar schöne Beobachtungen am Mäuerchenberg und, schon auf der Heimfahrt, am Höneberg. Dort konnten wir dann das Ergebnis der gemeinsamen Entbuschungsaktion mit der örtlichen Biostation und zahlreichen anderen Freiwilligen begutachten: überall blühende Teufelskralle, wo vorher noch dichtes Wachholdergebüsch stand.

Hier einige Fotos (Bitte anklicken für Infos!). Leider fehlen dieses mal – aus verständlichem Grund – die nachtaktiven Nachtfalter.

Ich musste wieder einmal feststellen – mein neues Weitwinkel-Zoom von Sigma liefert auf Grund extremer Farbwiedergabe Postkarten – Landschaften!

Veröffentlicht 12. Juni 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Tagfalter

Die Mikros machen den Unterschied   Leave a comment

Ein Abend nach dem Ende der April-Dürre 2020, nach den ersten Schauern, dazu in einem schönen ehemaligen Kalksteinbruch, halbwegs warm, mit reichlich Licht. Und dann das: Praktisch Null Anflug! Nach einer Stunde Lichtfang magere fünf Arten auf dem Zettel, beziehungsweise im Kopf, einen Zettel braucht man dafür nicht.
Auch nach 15 Jahren Lichtfang erlebe ich immer wieder negative Überraschungen, was die Erwartungen zu den Falterzahlen bei bestimmten Wetterlagen angeht. Liegts am Mond, am Niederschlag, am Luftdruck, was auch immer: An manchen Tagen steht man sich einfach die Beine in den Bauch, und an den Lampen tut sich praktisch nichts!

Nach drei Stunden ging der Anflug wenigstens ein bisschen los, am Ende waren es dann immerhin über 25 Arten, inklusive Kleinschmetterklinge versteht sich. Ein Skandal bei vier Leuchttürmen plus Lichtfalle. Bei den Mikros lohnt es sich allerdings immer mal wieder, genau hinzuschauen: Von der kleinen, goldglänzenden Faulholzmotte Crassa tinctella gab es aus dem Niederbergischen bisher keinen Nachweis. Im Unterschied zur ähnlichen, aber später fliegenden Crassa unitella sitzt die C. tinctella mit dem Abdomen nach unten, Kopf und Thorax sind gleichfarbig goldgelb (unitella: Kopf orange).

Crassa tinctella: Haan, Grube 10, 28. April 2020 (Foto: Armin Dahl)

Alle Beobachtungen aus der Grube 10 vom gestrigen Abend findet ihr unter https://observation.org/gebied/view/259533

Veröffentlicht 29. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Mikros

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