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Heute ist dieser ungewöhnliche Falter bei mir geschlüpft, ein Gynander, der sowohl weibliche als auch männliche Merkmale zeigt. Der Falter stammt aus einer Hybriden – Zucht, wo der „Urgroßvater“ ein Saturnia meridionalis Männchen war, welches sich in einer Population von Saturnia pavonia fortgepflanzt hat.

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Gemischter Saturnia – Gynander

 

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Veröffentlicht 10. April 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Wo sind die Schmetterlinge geblieben?   7 comments

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Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinina): Die Art flog laut dem Wuppertaler Schmetterlingskundler Gustav Weymer (1833-1914) „einzeln bei Elberfeld, jedoch häufig auf sumpfigen Waldwiesen“ und wird bereits seit vielen Jahrzehnten auch in den umgebenden Naturräumen gar nicht mehr beobachtet. Diese Foto stammt von der Fuchskaute (Westerwald), einem der letzten Gebiete, wo der Falter noch in unserer Region zu finden ist.

Seit mehr als dreißig Jahren beschäftige ich mich mit der Schmetterlingsfauna des bergischen Landes und der angrenzenden Gebiete. Die Frage „Wo sind die Schmetterlinge geblieben?“ wurde mir immer gestellt. Schon in der 1980er Jahren war dies ein Thema und die Antworten auf diese Frage waren immer dieselben.

Nun lese ich in der Rheinischen Post (Beilage Krefelder Stadtpost) vom 09.02.2018 unter dem Titel „Minister-Visite lässt für Entomologen hoffen“ folgenden Satz: „Nun also reagiert die Politik: Weil mehrere Faktoren im Verdacht stehen, zum Rückgang der Insekten beizutragen, ist Ursachenforschung das Gebot der Stunde, erkläre Schulze Föcking [NRW-Umweltministerin]“. Forschung ist immer gut, gut auch, dass Fördermittel bereitgestellt werden. Anzumerken ist aber auch, dass es mit einem mehr oder weniger großen Geldbetrag nicht getan ist. Viele der Ursachen sind altbekannt, werden aber konsequent nicht angegangen. Außerdem geht es hier nicht  um Entomologen, die nun Hoffnung schöpfen und wieder ihrem liebenswerten Hobby nachgehen können, sondern um viel größere Zusammenhänge. Vielleicht verstehe ich das Ganze falsch, oder es wurde nicht richtig wiedergegeben, aber für mich ist die Aussage der Ministerin eher eine Beschwichtigung, nach dem Motto: erst mal ein bisschen forschen, dann einen Arbeitskreis gründen, dann schauen wir mal…

Vor dem Hintergrund der nun langsam wieder abebbenden Diskussion zum Thema „Insektensterben“ möchte ich hier noch einmal einen Appell loswerden.

Was brauchen Schmetterlinge zum Leben?

  • Futterpflanzen für die Raupen. Viele Raupen leben überwiegend an Heckengehölzen (Weiden, Weißdorn, Schlehe usw.) und krautigen Pflanzen („Unkraut“) in Saumbereichen. Eine Vielzahl, insbesondere die gefährdeten Arten, sind auf bestimmte Futterpflanzen spezialisiert.
  • Nektar für die Falter. Blütenpflanzen entwickeln sich meist auf mageren Böden, wo sie gegen Gräser konkurrieren können. Zudem gibt es Hochstaudenfluren (z.B. Wasserdost), die meist an Waldrändern und in Saumbereichen von Hecken und Wegen wachsen.
  • Abwechslungsreiche Landschaften.
  • Verstecke für die Überwinterung. Viele Schmetterlinge überwintern als Raupe, Puppe oder Falter. Meist verkriechen sich die Tiere in Spalten und Ritzen, z.B. in Natursteinmauern, Felsen, Höhlen, Schotter.
  • Dunkle Nächte ohne künstliche Lichtquellen. Nachfalter orientieren sich bekanntermaßen an natürlichen Lichtquellen (Mond, Sterne).

Wo sind die Probleme?

  • Futterpflanzen: Die Flurbereinigung hat die Heckenlandschaft des bergischen Landes weitgehend zerstört. Der Eintrag von Mineraldünger und Gülle führt zu einem schnellen Wachstum von anspruchslosen Gräsern, Blütenpflanzen werden verdrängt. Ggf. werden Herbizide eingesetzt, die für die Vernichtung von Zweikeimblättrigen Pflanzen (Blütenpflanzen, also keine Gräser, wie z.B. Getreide) geschaffen wurden. Hinzu kommt der Einsatz von Insektiziden – die ggf. auch von der eigentlich behandelten Fläche in die nähere Umgebung driften oder verschleppt werden.
    Vorteile für uns: Die Agrarflächen sind größer und besser mit Maschinen zu bewirtschaften. Die Erträge pro Flächeneinheit haben sich deutlich erhöht.
  • Nektar: Wie bereits oben erwähnt, führt der Eintrag von Stickstoffdünger zu einer Verdrängung von Blütenpflanzen. Dieser Stickstoffdünger stammt zu einem Großteil aus der Landwirtschaft, wie z.B. aus Gülle oder Mineraldünger (Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat, Kaliumnitrat, Natriumnitrat, Ammoniumphosphat…).  Während diese Dünger noch relativ gezielt ausgebracht werden (sich jedoch auch über das Grundwasser und Ausgasungen ausbreiten können), ist die Lage bei den „abgeregneten“ Stickoxiden („Abgasen“) aus Atmosphäre kritischer, da sich diese überall verteilen. Betroffen sind hier stickstoffarme („magere“) aber blütenreiche Biotope, insbesondere Magerrasen, Moore und Heiden (ich weise hier auf die Broschüre des Umweltbundesamtes „STICKSTOFF – ZUVIEL DES GUTEN?“ hin). Die Überdüngung der Landschaft mit Stickstoffverbindungen ist sicherlich eine der Hauptursachen für den Schwund an Blütenpflanzen und somit verfügbarem Nektar für die Schmetterlinge. Zu dieser Problematik gesellt sich ein Mangel an anderen offenen Flächen, auf denen sich Blütenpflanzen entwickeln können. Zum einen ist dies einer gewissen „Ordnungsliebe“ geschuldet, so dass z.B. Wegränder häufig gemäht werden und (Industrie-) Brachen schnell einer anderen Nutzung (z.B. Bebauung) zugeführt werden. Zum anderen sind auch private Gärten überwiegend mit „Zierpflanzen“ bepflanzt oder sogar dank Rasen, Kirschlorbeer- und Lebensbaumhecke vollkommen steril.
    Vorteile für uns: Durch den Düngereintrag sind die Erträge deutlich höher. Durch das regelmäßige Abmähen der offenen Flächen und Wegränder kommt kein Wildwuchs auf, alles sieht ordentlich aus und ist pflegeleicht.
  • Abwechslungsreiche Landschaften: Wer mit offenen Augen durch „die Natur“ geht, stellt fest, dass diese im Bergischen hauptsächlich aus Wäldern, Weiden und Äckern besteht. Es fehlt an offenen, ungenutzten oder extensiv gepflegten Flächen, auf denen sich die Blütenpflanzen entwickeln können. Wünschenswert wären auch offene Felsen, an denen sich wärmeliebende Arten aufhalten können. Diese (z.B. an der Wupper in Beyenburg oder Solingen) sind meist von Wald bedeckt. Wo nur Wald, Acker und Gras ist, kann man nur Waldarten und wenige unspezialisierte Schmetterlingsarten erwarten. Je monotoner die Landschaft, desto monotoner die Schmetterlingsfauna.
    Vorteile für uns: Wenn jeder Quadratmeter land- und forstwirtschaftlich genutzt wird, sind die Erträge maximal. Unerwünschte „Unkräuter“ werden dauerhaft verdrängt. An manchen Stellen (z.B. Felsen) wäre eine Offenhaltung kostenintensiv.
  • Verstecke für die Überwinterung. Es gibt seit vielen Jahrzehnten eine Tendenz zur „Versiegelung“ von Flächen. Mauern haben keine Spalten mehr, Schotterwege gibt es kaum noch (abgesehen von Bahnstrecken).
    Vorteile für uns: Straßen, Plätze und Mauern lassen sich gut reinigen, es treten weniger Frostschäden auf.
  • Dunkle Nächte. Dies ist wahrscheinlich ein unterschätztes Problem. Die Vielzahl an künstlichen Lichtquellen stört die Orientierung der Nachtfalter. Je nach Art der Lichtquelle sammeln sich die Falter an der Lichtquelle an. Starke, heiße Lichtquellen können zur tödlichen Falle für tausende Insekten pro Nacht werden. Die Falter werden aus ihren Biotopen herausgelockt und finden ggf. nicht mehr zurück.
    Vorteile für uns: Man kann sich auch nachts gut orientieren, Ängste und Gefahren werden möglicherweise reduziert.
Grüner Zipfelfalter (Callophrys rubi)

Ebenfalls auf dem Rückzug: Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi). Als Bewohner von offenen Gebüschlandschaften, Böschungen, Kiesgruben und Mooren findet dieser Falter keinen Platz mehr in unserer Landschaft. Die Raupe lebt an Sonnenröschen, Ginster, Kleearten, Moorbeere und einigen anderen Pflanzen. Das Bild stammt von der Mosel (Umgebung Piesport).

Was kann man tun?

  • Futterpflanzen: Ich gehe davon aus, dass niemand wieder zur kleinräumigen Landbewirtschaftung zurück will. Dies wäre wahrscheinlich auch ökonomisch nicht sinnvoll. Es müssen also finanzielle Anreize für Brachflächen (Randstreifen und ähnliches) gesetzt und auch genutzt werden („Ackerrandstreifenprogramm“). Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass jegliches Wachstum logischerweise nicht bis zur Unendlichkeit erfolgen kann. D.h. immer mehr Ertrag pro Quadratmeter wird es nicht geben. Möglicherweise kann man durch hohen Düngereintrag, Herbizide und Insektizide noch ein bisschen mehr rausholen, aber sicher auf Kosten der langfristigen Fruchtbarkeit der Böden. Hier sehe ich keineswegs die Schuld bei den Landwirten. Das Problem ist der wirtschaftliche Druck zu ewigem Wachstum bei immer weiter fallenden Preisen. Etwas besser ist die Lage bei den verloren gegangenen Hecken: Sie können durch Anpflanzungen heimischer Gehölze z.B. an Wegen und Böschungen teilweise kompensiert werden und dies geschieht auch bereits.
  • Nektar: Der Eintrag an Düngemitteln muss auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt werden, um Blütenpflanzen eine Chance zu gebe. Zudem wird seit einer gefühlten Ewigkeit wird darauf hingewiesen, Wegränder (so sie denn überhaupt vorhanden sind) nur ein- bis zweimal im Jahr zu mähen, um Blütenpflanzen zu fördern. Dies wäre ein kleiner Schritt mit großer Wirkung. Zudem wäre eine gewisse Toleranz gegenüber „unordentlichen“ Brachen sinnvoll. Natürlich kann jeder seinen Garten so gestalten wie er will. Wer Schmetterlinge sehen und fördern will findet hier einige Tipps.
  • Abwechslungsreiche Landschaften: Hier kann man an den Erhalt und die Offenhaltung von Industriebrachen denken oder auch an die Schaffung von Lichtungen im Wald, die dann auch und nach wieder durch Bäume „zurückerobert“ werden. Unsere Erkenntnis als Schmetterlingskundler: Industriebrachen und stillgelegte Bahngelände sind nach einigen Jahren artenreich und beherbergen oft besonders bedrohte Arten, die es trocken und warm lieben. Sturmschäden in Wäldern (Stichwort „Kyrill“) hatten eine regelrechte Artenexplosion auf den geschaffenen Lichtungen zur Folge.
  • Verstecke zur Überwinterung: Hier gilt es Kompromisse zu finden. Vielleicht reicht schon der eine oder andere Steinhaufen am Wald- oder Wegrand. Ich denke, dass niemand zu Schotterwegen zurück will. Private Gärten würden auch von Natursteinmauern, „Kräuterschnecken“  und ähnlichem profitieren. Alles im Prinzip kein großer Aufwand.
  • Dunkle Nächte: Die Erkenntnis wächst, dass unsere Nächte wieder dunkler werden müssen. Nicht nur Astronomen klagen über die zunehmende „Lichtverschmutzung“. Die nächtliche Dauerbeleuchtung stört viele Tierarten, aber auch der Mensch wird dadurch negativ beeinflusst. Das bedeutet nicht, dass alle Lichter ausgehen sollen. Wichtig ist, zu überlegen, ob und wo wir Licht brauchen (man denke mal an die private „Weihnachtsbeleuchtung“ im Garten), zumal es auch Energie „verbraucht“. Auch die Art des Lichts ist entscheidend. Moderne Lichtkonzepte sind auf dem Vormarsch. Erste Schritte sind gemacht.
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Ein Warnsignal: Selbst der recht anspruchslose Schachbrettfalter (Melanargia galathea), ein Bewohner offener Graslandschaften (die Raupe lebt an Gräsern), ist im Bergischen Land praktisch komplett verschwunden. Der Schwund setzte in den 1960er Jahre ein. Das Foto stammt aus der Eifel (bei Bad Münstereifel).

Warum sollte man etwas tun?

Hier stelle ich einmal die Frage, die mir von Seiten eines Entscheidungsträgers gestellt wurde: „Wofür brauche ich Schmetterlinge? Wofür sind sie nützlich?“ Die Frage klingt nach einer Provokation, aber sie trifft den Kern der Sache. Brauche ich Schmetterlinge, um das Herz von Schmetterlingsfreunden zu erfreuen? Oder haben Schmetterlinge evtl. auch einen wirtschaftlichen Nutzen?

Diese Frage beschäftigt mich seit langem. Wenn mich Leute (Kollegen, Freunde, Besucher an unserem Vereinstand)  fragen, wo die Schmetterlinge geblieben sind, so geht es doch meistens um Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Distelfalter, die nun (zumindest gefühlt) weniger oft am Schmetterlingsflieder im Garten sitzen. Dies sind aber Arten, die relativ anspruchslos sind (der Fachmann spricht gerne von „Ubiquisten“ – Arten die praktisch überall vorkommen und keine besonders hohen Biotopansprüche haben) oder sogar gar nicht hier heimisch (Admiral, Distelfalter). Aber sie sind schön bunt und werden daher auch schneller vermisst. Der „stille Schwund“ vieler anspruchsvoller, aber unscheinbarer Arten wird öffentlich nicht wahrgenommen.

Meiner Meinung nach ist sicherlich die -manchmal verborgene- Schönheit vieler Schmetterlinge ein Wert an sich. Aber das ist natürlich nicht alles. Schmetterlinge sind in ökologische Zusammenhänge eingebettet: Raupen dienen als Futter für Vögel, Raupen sorgen dafür, dass bestimmte Pflanzen regelmäßig abgefressen werden, Schmetterlinge verbreiten Pollen, Nachtfalter werden von Fledermäusen gefressen,…

Letztlich sind Schmetterlinge Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt. Sie spiegeln die Artenvielfalt in unserer Landschaft wieder. Die Frage „Wofür sind Schmetterlinge nützlich?“ ist gleichbedeutend mit der Frage „Ist Artenvielfalt nützlich?“. Hierüber kann man viel philosophieren, es gibt Forschungen darüber, eine Beweisführung ist schwierig. Aber hier hilft logisches Denken: Wenn Vielfalt herrscht, gibt es auch viele Möglichkeiten, um auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren (Stichwort: Klimawandel). Einfältige Monokulturen neigen zum Zusammenbruch. Artenvielfalt dient somit sehr wahrscheinlich der Stabilität unserer Lebensgrundlage.

Daher mein Appell: Vergesst die altbekannten Erkenntnisse und Konzepte zum Schmetterlingsschutz nicht. Keiner von  will zurück in die Steinzeit. Da war mit Sicherheit auch nicht alles besser. Daher auch meine Hinweise auf den „Nutzen“, den wir vom Schwund der Artenvielfalt haben: Mehr Ertrag, mehr Wohlstand, billige Lebensmittel, weniger Ängste in der Nacht, weniger Mühe, alles in Ordnung zu halten… Es ist aber Zeit zu erkennen, dass Wachstum nicht ewig anhält und Wohlstand auch in eine „Plateauphase“ übergeht. Nun geht es vielmehr darum, ungesunde Entwicklungen zu bremsen und Kompromisse zwischen Ökologie und Ökonomie zu finden. Letztlich ist eine gesunde, artenreiche Umwelt nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch.

Man kann die Antwort auf die Frage nach dem Verbleib der Schmetterlinge auch umgekehrt formulieren:

„Wer billige Lebensmittel und aufgeräumte Landschaften liebt, der darf die Schmetterlinge nicht vermissen.“

Euphydrias aurinia, Wahner Heide 17. Juni 1962 (Foto: Klaus Hanisch). Vermutlich das letzte bekannte Exemplar aus der Bergischen Heideterrasse.

Veröffentlicht 8. März 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Mehr Ehrfurcht vor der Buche!   4 comments

Ich möchte nicht wissen wie oft ich schon achtlos daran vorbeigegangen bin. Oder sie einfach durch den Kamin gejagt habe. Immerhin heize ich das halbe Haus mit Brennholz, und Buche ist eigentlich in jedem Winter immer dabei. Aber der Reihe nach.
Die Beschäftigung mit Nepticuliden, zu Deutsch Zwergminiermotten, ist ein kurioses Metier, nach dem Motto: Je schlechter die Augen, desto kleiner die Falter. Als ich das erste mal einen Kasten mit Nepticuliden-Präparaten gesehen habe – beim Altmeister Willi Biesenbaum in Velbert-Langenberg – dachte ich einen Moment lang er wolle mich veräppeln. Ich sah – NICHTS. In dem Kasten steckten nur reihenweise Etiketten, aber keine Falter. Erst beim zweiten Hingucken erkannte ich die winzigen, auf Minutien präparierten, furchtbar kleinen Tiere. Sich mit diesem Fuzzelzeugs zu beschäftigen – undenkbar!
Ein paar Jahre später, Anfang Januar 2018, kam dann der Hinweis vom Kollegen Dieter Robrecht, man möge doch mal Ausschau halten nach Minen von Zimmermannia liebwerdella. Ein Blick in die Bestimmungshilfe des Lepiforums, Nepticulidae gelesen, und weggeklickt.
Aber vier Wochen später hielten sich im Lepiforum hartnäckig Beiträge zu dem Thema, und so las ich noch mal genauer. Und die beschriebenen Strukturen an der Rotbuche kamen mir doch sehr bekannt vor. Die Kamera genommen, einen kurzen Spaziergang in den Hildener Stadtwald hinter meinem Haus, und – verflixt und zugenäht – die Minen der Buchenrinden-Zwergminiermotte – Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940) sind so häufig, dass man sich schon ein wenig schämen muss, sie nicht zu kennen.

Minen der Buchenrinden-Zwergminiermotte – Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940), Haan-Gruiten, ehemaliger Steinbruch Grube 10, 17. Februar 2018 )Foto: Armin Dahl)

Rotbuchen-Stämme mit Stärken zwischen 10 und 40 Zentimetern, am besten in Waldrandlage und nach Süden exponiert: Ein Lebensraum der sich praktisch überall in Fahrrad-Entfernung auftreiben lässt, und an allen von mir bisher untersuchten Stellen lassen sich sich finden: Finger- bis spannenlange, senkrecht verlaufende Minen unter der Rinde, oft mit einer tpischen Schlaufe an der Ober- oder Unterseite, an den Stämmen von Kniehöhe bis in einige Meter Höhe: Die Minen bleiben offenbar viele Jahre sichtbar und es gibt nach Auskunft der Experten keine weitere Art, die ähnliche Minen an der Rotbuche (Fagus sylvatica) erzeugt.

Das nenne ich einen vernünftigen „Mikro“, den man im Prinzip mit dem Fernglas kartieren kann – von wegen Genitalpräparat unter dem Binokular, das hätte ich sowieso nie gemacht. Ectoedemia liebwerdella ist ganzjährig im Buchenwald leicht nachzuweisen, und prompt fand ich auch in meinem Brennholzstapel nach kurzer Suche noch einen Scheit mit ein paar Minen. Und der macht mir jetzt das Arbeitszimmer warm, in dem diese Zeilen geschrieben werden.

Vom ehemaligen Umweltminister Klaus Töpfer ist der Auspruch überliefert, die Ehrfurcht vor einem Stück Land sei oft eng verbunden mit einer Vielzahl dort lebender einzigartiger Tiere und Pflanzen. Der Satz fiel im Jahr 2006  im Vorfeld der 8. UN-Artenschutzkonferenz im südbrasilianischen Curitiba, das ist eine Metropole von der Größe Hamburgs. Von der  brasilianischen Artenvielfalt sind wir hier im Niederbergischen Land zwar weit entfernt. Aber so ein mehr bischen Ehrfurcht vor dem vom Entomologen so oft geschmähten, weil „langweiligen“ Rotbuchenwald vor meiner Haustür ist auch nicht schlecht.

Veröffentlicht 17. Februar 2018 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Lebensräume, Mikros

Valentinstags Liebesgrüße, eher ungewöhnlicher Art   Leave a comment

Das kann doch nur eine Persiflage sein war mein erster Gedanke als ich davon erfuhr. Es ist aber ernst gemeint und zeigt mir auf, wie beschränkt mein Vorstellungsvermögen offensichtlich ist.  Der New Yorker Bronx Zoo lädt ein zum Valentinstag Namenspatenschaften für Madagaskar Fauchschaben (wahlweise durch Überreichen von Schokoladen Schaben oder Strümpfen mit Schabenmotiv etc.) zu verschenken.

Wenns der Zuneigung zu Insekten hilft, dann kann ich das Ganze natürlich nur befürworten.

Veröffentlicht 14. Februar 2018 von ntorva in Arten / Listen

Falterpost mit der Schneckenpost   Leave a comment

Nur mal kurz zwischenrein, weil es sich beim Kleinen Nachtpfauenauge Saturnia pavonia  um unser „Haustier“ handelt, und weil der Entwurf von einer Wuppertaler Designerin entworfen wurde.

Und weil manch einer ja noch „old style“ kommuniziert und nicht per Mail, Whatsapp oder Facebook: Die Deutsche Post verkauft seit Juni 2016  Briefmarken mit einem schönen Nachtfaltermotiv, vielleicht hat der eine oder andere ja Lust sich ein paar von diesen Marken auf Vorrat anzuschaffen

Veröffentlicht 9. Februar 2018 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, im Netz, Spinner

Munteres Treiben am Efeu   1 comment

Die Tage sind kurz und die letzten Blüten welken. Nur an unseren Efeu – Blüten herrscht bei sonnigen Abschnitten noch munteres Treiben – Neben Admiral, C-Falter, Schwebfliegen und anderen Insekten finden sich dort auch zahlreiche Wespen und die letzten noch aktiven Honigbienen ein. Ein Idyll? Wohl eher nicht – denn um die letzten Ressourcen entbrennt ein Kampf. Und wozu mühsam selber Nektar saugen und verdauen? – Am besten nimmt man eine Abkürzung zu den wertvollen Proteinen. Die Wespen erlegen im Blitzangriff zahlreiche Bienen. Unter dem Efeu kommt es dann zum Showdown: Geschickt entfernt die Wespe zuerst die Beine der Biene, dann wird der „saftige“ Hinterleib abmontiert und weggetragen.

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Nachdem sich die Wespe auf eine an Efeu – Blüten saugende Biene „gestürzt“ hat, fallen beide Tiere zu Boden. In dem kurzen Kampf scheint die Wespe überlegen zu sein. Schnell trennt sie die Beine der Biene ab, so dass diese relativ wehrlos ist. (Leverkusen, 15.10.2017, Foto: Tim Laußmann)

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Das Ergebnis des Gemetzels: Gut zu erkennen ist das Brustsegment der Biene mit Kopf und abgetrennten Beinen. Den ebenfalls abgetrennten, nährstoffreichen Hinterleib der Biene greift die Wespe mit den Vorderbeinen (Leverkusen, 15.10.2017, Foto: Tim Laußmann)

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Die Wespe hat den Hinterleib der Biene abgetrennt und macht sich startklar. (Leverkusen, 15.10.2017, Foto: Tim Laußmann)

Veröffentlicht 12. November 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Kartoffelsack in Rotweinsoße   6 comments

Von wegen Insektensterben! 20 Köderschnüre, getränkt mit Bier-Glühwein-Zuckergemisch, hängen seit ein paar Wochen in meinem Garten. Was zugegebenermaßen ein wenig unordentlich aussieht! Die Streifen aus Jute hängen an Sträuchern und Bäumen, es duftet nach „Kartoffelsack in Rotweinsoße“ und bei dem Goldenen Oktoberwetter sausen dort tagsüber Fliegen, Wespen und Hornissen herum. Da wir aber keinen Designergarten haben ist mir das völlig Wurscht, viel wichtiger als die Optik sind mir die Artenvielfalt und Individuenzahl der Schmetterlinge und des restlichen sechsbeinigen „Ungeziefers“.

Das gesamte Jahr hindurch wurde das Thema Insektensterben in den Medien und Fachkreisen rauf- und runtergespielt, deshalb hier mal ein Statement der eher ungewöhnlichen Art: Ich hatte noch nie so viele Falter in Garten wie im Herbst 2017! Gefühlt seit Wochen steigt die Anzahl der Eulenfalter am Köder an, gestern war der vorläufige Höhepunkt: Gezählte 320 Falter von Conistra vaccinii, insgesamt 10 Arten mit über 400 Individuen. Das bedeutet gute 20 Minuten Arbeit mit der Stirnlampe und Strichliste, und die Zahlen sind immer zu niedrig: Viele Falter lassen sich beim Annähern einfach ins Gras fallen oder sitzen rund um die Köder in den Ästen.
Und nicht nur die Eulen sind im Herbst 2017 gut vertreten: Neben verspäteten Schilfeulen fliegen immer noch einzelne Buchsbaumzünsler ans Licht, und die Flechtenbären Eilema depressa und Eilema griseola haben offenbar eine zweite Generation eingelegt und fliegen schon wieder.

Veröffentlicht 18. Oktober 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Ökologie, Eulenfalter, Insektensterben