Archiv für die Kategorie ‘Arten / Listen

Museumsfunde: Sammlungs- und Literaturarbeit nicht vergessen!   Leave a comment

Freilandarbeit ist nicht alles! In den Museen derv Region schlummern noch viele wissenschaftlich interessante Fundstücke. Bei der Aufarbeitung der älteren Literatur kommen wir aber voran.

Der Sommer 2020 ist vorbei, man möchte sagen endlich! Zumindest der Landwirt in mir betrachtet den Klimawandel und alles was damit zusammenhängt mit einiger Besorgnis. Die Heuernte 2020 war wegen des trockenen Frühjahrs besonders mies, der Wasserstand in meinem Hausbrunnen in den vergangenen Jahren 2018-2020 historisch niedrig, die Temperaturen im Haus dafür um so höher. Nach Angaben des Copernikus-Klimawandeldienstes haben wir gerade den wärmsten September seit Beginn der Aufzeichnungen hinter uns, und der Dürremonitor des UFZ färbt sich nur ganz langsam in Richtung blau.

Dürremonitor des UFZ Halle, Stand 20. Oktober 2020. Quelle: https://www.ufz.de/index.php?de=37937

Was die Insektenfauna angeht, sehen wir unfassbare Ausbreitungsbewegungen einzelner Arten: Die Gottesanbeterin wird wohl in den kommenden Jahren das Rheinland erobern, Bausenberg und Siebengebirge sind die nächsten bekannten Fundstellen, in Brandenburg ist die Art schon fast überall, 

In Remscheid ist mittlerweile Pyrgus armoricanus aufgetaucht, der Zweibrütige Puzzlefalter, der seit Jahren seine Verbreitungsgrenze nach Norden verschiebt. Was kommt als nächstes, welche wärmeliebenden Arten kommen noch auf uns zu? Und welche machen den Abgang, weil es ihnen zu heiß wird?

Und ist das überhaupt so, oder war es früher schon mal genauso warm, und es hängt alles nur an der Qualität der Lebensräume? So eine Art wie der Schornsteinfeger, der immer als „Klimaverlierer“ genannt wird, kann ja im Prinzip auch an den Nordhängen und in den Waldrändern fliegen, und muss nicht gleich regional verschwinden. Im Bio-Studium hieß das seinerzeit „Gesetz von Standortkonstanz und Biotopwechsel“ Erfunden hat das übrigends der Hohenheimer Botaniker Heinrich Walter, dessen Hauptwerk „Die Vegetation der Erde” ist Pflichtlektüre für BiostudentInnen mit Freilandambitionen.

Ein Besuch im Museum bringt da immer wieder neue Einsichten. Dort liegen viele Insektenkästen, die noch lange nicht alle aufgearbeitet sind, und es kommen immer wieder neue hinzu. Eigentlich war ich davon ausgegangen dass KINKLER et al. (1975) seinerzeit zum Beispiel die ganzen Eulenfalter aus dem Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD) erfasst hätten. Aber Einbildung ist bekanntlich keine Bildung, und so erlebte ich beim jüngsten Besuch im Museumskeller mal wieder eine Überraschung: Ein Nachweis von Acontia trabealis in Remscheid, der anscheinend der Aufarbeitung bisher entgangen war.

Acontia trabealis, Remscheid, 10.6.1935, gesammelt von Melchior. Landessammlung, Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD)

 

 

Das Ackerwinden-Bunteulchen fehlt heute in Nordwestdeutschland und den Mittelgebirgen, ist aktuell südlich-östlich verbreitet. Der nächste bekannte Fundort liegt in Unkel am Nordende des Mittelrheintales. Anscheinend war die für trocken-warme Äcker und Ruderalfluren typische Art aber früher auch in der eher atlantisch geprägten Zone vereinzelt zu finden.

Das alles wüssten wir nicht, wenn die Entomologen früher nicht so fleißig gesammelt, und die Museen die Sammlungen auch angekauft oder zumindest eingelagert hätten. Dort schlummert noch einiges an Überraschungen, und es gibt reichlich Gelegenheit sich in den Wintermonaten zu betätigen. In Corona-Zeiten ist das vielleicht eine Alternative zu sonstigen Aktivitäten, wer Kontakt aufnehmen und mitarbeiten will, kann sich gerne melden: Einzelne Kästen ausleihen und die Daten aufnehmen kann man prinzipiell auch im Homeoffice.

Das Tierchen aus Remscheid ist übrigens nur eine von vielen Trockenheit und Wärme liebenden Arten, die sich aus der Region zurückgezogen haben. Die Alten Herren nannten als Gründe dafür regelmäßig die „Klimaverschlechterung“, gemeint war damit die Verschlechterung des Kleinklimas, durch das Verbuschen und Verwalden des früher weitgehend kahlen Bergischen Landes.

Wo man das alles nachlesen kann? Die Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal sind komplett eingescannt, die älteren Ausgaben der Melanargia liegt auch komplett vor. Und das Museum in Linz ist gerade dabei, auch ältere Literaturstellen wie die ersten fünf Ausgaben der „Nachrichten der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.“ einzuscannen. diese von 1977 bis 1989 erschienenen Berichte werden dann demnächst in guter Qualität auf zobodat.at zu finden sein, die Datenbank der Linzer Kollegen ist übrigens eine Fundgrube für Literatur!

 

Links:

Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, Scans aller Jahrgänge

KINKLER, H. & SCHMITZ, W., NIPPEL, F. & SWOBODA, G. (1975): Die Schmetterlinge des Bergischen Landes. III. Teil: Die Eulenschmetterlinge (I). Jahrber.Naturwiss.Ver.Wuppertal, 28: 31-74, Wuppertal

ZOBODAT (Zoologisch-Botanische Datenbank, ehemals ZOODAT.  Die Datenbank beinhaltet Daten zur Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten, Biografien von naturkundlich forschenden Personen und digitalisierte Literatur sowie diverse unterstützende digitale Bibliotheken. 

 

Veröffentlicht 4. November 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Klimawandel, Lebensräume, Literatur

Aus der Zeit gefallen   2 comments

ist diese Apamea monoglypha, die ich heute Morgen, 31.Oktober 2020, beim Blick in meine Lichtfalle auf dem Balkon hier in der Innenstadt von Wuppertal-Barmen gesehen habe. Der fransenfrische Falter gehört sicher einer zumindest partiellen zweiten Generation an. Begleitet wird er unter anderem von Noctua pronuba und N. comes, die es sich hier auch weiterhin gut gehen lassen. Bei den für die nächsten Tage vorhergesagten milden Temperaturen mag es auch außerhalb von Städten ja noch Nachweise außergewöhnlicher Flugzeiten geben.

Apamea monoglypha, 31.X.2020 Wuppertal-Barmen, Innenstadt, Fund in Lichtfalle, manipuliertes Foto, Armin Radtke

Veröffentlicht 31. Oktober 2020 von ntorva in Arten / Listen

Wanderfalter unterwegs!   4 comments

Heute, morgens, beim Blick in die Lichtfalle auf meinem Balkon mitten in der Innenstadt von Wuppertal-Barmen sah ich den Wanderzünsler Udea ferrugalis, soeben (gegen 19:30 Uhr) dann eine zweite wandernde Zünslerart: Palpita vitrealis

Palpita vitrealis, Olivenbaumzünsler, Wuppertal-Barmen, Innenstadt, 24.Oktober 2020, Foto: Armin Radtke

Es lohnt sich weiterhin die Augen offen zu halten – wer weiß welche anderen Wanderfalter durch die günstigen Wetterbedingungen der letzten Zeit noch in unsere Region eingeflogen sind und sich hier vermehren konnten. Der Falter auf dem Bild hat sicherlich keine lange Flugstrecke hinter sich.

Veröffentlicht 24. Oktober 2020 von ntorva in Arten / Listen

Männer, die auf Puppen starren…   1 comment

Schmetterlinge beim Schlüpfen zu fotografieren ist eine Sache, aber Raupen bei der Verpuppung, das ist noch eine Nummer schwieriger. Es ist ein echtes Geduldsspiel, das man nur allzu oft verliert. Grade mal raus, einen Kaffee geholt, kurz mal abgelenkt, den Blick zurück und die Show ist schon vorüber.

Der erste Versuch: Tagpfauenaugen. Die Raupen stammten von Armins inzwischen schon legendärer „Öko-Wiese“. Das Ergebnis: alles verpasst, da ich zu der Zeit immer bei der Arbeit war. Zudem muss man sagen, dass nicht nur der Schwund und die mangelnde Qualität der Lebensräume den Schmetterlingen zusetzen, hinzu kommen Parasiten, insbesondere Raupenfliegen. Das Ergebnis der Zucht von 12 Raupen: 10 Fliegen, 2 Schmetterlinge. Die Maden leben in den Raupen, die es meist noch schaffen sich zu verpuppen. Doch nach ein-zwei Tagen bohren sich die Fliegenlarven wie „Aliens“ heraus und verpuppen sich ihrerseits am Boden.

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Immerhin dieses Tagpfauenauge ist geschlüpft. E.p. Haan, Ökowiese, 03.07.2020, Foto: Tim Laußmann

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Raupenfliegen-Puppen aus den Tagpfauenaugen-Puppen. E.p. Haan, Ökowiese, 02.07.2020, Foto: Tim Laußmann

So sieht übrigens eine Raupenfliege aus, gut, sie hat immerhin hübsche rote Augen, aber gegen einen Schmetterling fällt sie doch stark zurück. Man beachte auch den bemerkenswert behaarten Hinterleib. Ein Fliegen-Fan werde ich jedenfalls nicht.

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Raupenfliege, Parasit in Arctia caja, e.l. 22.06.2014 (Foto: Tim Laußmaann)

Nächster Versuch. Jonas hat mir freundlicherweise ein Eigelege vom Kleinen Fuchs überlassen. Die Raupen schlüpften schon am nächsten Tag. Das Wichtigste: garantiert frei von Raupenfliegen!

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Eigelege und junge Raupen vom Kleinen Fuchs. E.o. Schwelm, 24.06.2020, Foto: Tim Laußmann

Nach knapp drei Wochen war es dann soweit. Das Problem ist, dass man tatsächlich stundenlang auf die mit dem Kopf nach unten hängenden Raupen starren muss, damit man die wenigen Minuten der Verpuppung nicht verpasst.

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Kleiner Fuchs: Zweimal die Verpuppung verpasst. Nächster Versuch ganz links. E.o. Schwelm, 12.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Draußen hat man natürlich die beste Ausleuchtung, doch auch hier geschehen unerwartete Dinge:

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Glücklicherweise hatte ich dann nach langem Warten doch noch Glück:

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Ein sehr kritischer Moment bei der Verpuppung ist das „Übergreifen“ der Puppe mit dem klebrigen Hinterende an das Polster aus Spinnseide. Die Puppe klebt sich so an der Unterlage fest und die alte Raupenhaut fällt zu Boden. In ca. 10 % der Fälle ist die Puppe gleich mit heruntergefallen. Die Puppen liegen dann am Boden. Wenn sie nicht durch den Sturz beschädigt wurden, schlüpfen die Schmetterlinge auch aus diesen Puppen. Der hier gezeigten Puppe ist das Manöver auch nicht gelungen – glücklicherweise konnte ich eingreifen und die Puppe mit dem Hinterende befestigen. Der gesamte Häutungsvorgang dauerte 4 Minuten und 20 Sekunden.

Bei Raumtemperatur dauert die Entwicklung des Falters in der Puppe knapp zwei Wochen. Nun das Finale:

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Vom Aufsprengen der Puppenhülle bis zum vollständigen Schlupf des Falters hat es exakt 82 Sekunden gedauert. Für die Entfaltung der Flügel braucht der Falter etwa 5 Minuten. Dann müssen die Flügel noch aushärten, so dass der Falter nach etwa zwei Stunden startklar ist. Guten Flug, Kleiner Fuchs!

 

Veröffentlicht 13. August 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Neowise – Nachlese   Leave a comment

Hallo ihr Nachtschwärmer! Auf ausdrücklichen Wunsch von Armin Dahl hier mal etwas anderes als „Motten“. Immerhin fliegt es und ist (war) nachts zu sehen. Manche von Euch, die im letzten Monat in der Dunkelheit fernab jeder Zivilisation an ihren UV-Lampen gestanden haben um Nachtfalter anzulocken, werden einen ungewöhnlichen Gegenpart am Himmel entdeckt haben: den Kometen „Neowise“, genauer das Himmelsobjekt „C/2020 F3 (NEOWISE)“. Da ungewöhnliche Himmelsobjekte mein „Nebenhobby“ sind, hier ein paar Bilder des Kometen:

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Komet Neowise über Opladen in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

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Komet Neowise in der Nacht zum 22.07.2020, Einzelbild mit Lichtverschmutzung, Foto: Tim Laußmann

So wie oben gezeigt, sieht es leider aus, wenn man keine Lust hat, wochentags mitten in der Nacht in die Eifel zu fahren, wo es halbwegs dunkel wird. So hat man die enorme Lichtverschmutzung (rötlich-gelblich) mit auf dem Bild. Die Lichtverschmutzung mögen wir Lepidopterologen ja genauso wenig wie die Astronomen! Immerhin nett zu sehen: die grünlich schimmernde „Koma“ rund um den Kometenkern. Das Leuchten kommt durch ionisierte Moleküle und Atome zu Stande, welche durch die „harte“, energiereiche Sonnenstrahlung in einen angeregten Zustand überführt werden. Der „Schweif“, der hier im Bild zu sehen ist, ist im Wesentlichen Staub, der von den austretenden Gasen mitgerissen wird und langsam vom „Sonnenwind“ (Teilchenstrahlung der Sonne) weggeblasen wird. Da die Teilchen in eine höhere Umlaufbahn um die Sonne gelangen, bewegen sie sich langsam vom Kometenkern weg und ein durch die Sonne angeleuchteter, gekrümmter, weißlich-gelber Schweif entsteht. Das eigentliche Highlight der Kometen kommt aber noch:

Komet "Neowise" in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Komet „Neowise“ in der Nacht zum 22.07.2020, Foto: Tim Laußmann

Dieses Bild hier entsteht, wenn man durch ein entsprechendes Programm („PixInsight“) insgesamt 20 solcher mangelhafter Einzelbilder addiert, dabei noch die Bewegung des Kometen selbst kompensiert, die Lichtverschmutzung rausrechnet und durch ein paar besondere Funktionen den dynamischen Bereich der Bilder erhöht. So wird nun auch der schöne, bläuliche Plasmaschweif erkennbar, der sich vom Kometenkern bis in die linke obere Ecke des Bildes zieht. Er wird ebenfalls durch ionisierte Atome und Moleküle (hauptsächlich Kohlenmonoxid) erzeugt. Dieser Schweif zeigt immer ziemlich gerade von der Sonne weg und wird zudem von Magnetfeldern des Sonnenwinds beeinflusst, so dass sich die Strukturen ständig ändern. Bemerkenswert, wie die Teilchen und Moleküle wie ein „Strahl“ vom Sonnenwind aus dem Kometenkern hausgetrieben werden.

Nun verschwindet der Komet wieder in die Ferne des Weltalls. Er wird um das Jahr 8880 zurückkehren. Dann sind wir mit Sicherheit alle Geschichte. Schade, dass ich nicht doch raus in die Eifel gefahren bin… Aber: nach dem Kometen ist vor dem Kometen! Der letzte „große“ Komet hat uns 1997 besucht („Hale-Bopp“, C/1995 O1). Eine wirklich legendäre Erscheinung! Foto unten, noch ganz analog auf Ektachrome 1000 aufgenommen.

Hale-Bopp 1997

Komet „Hale-Bopp“, Plettenberg, Germany Date: March 31, 1997 21:30 UT, Foto: Tim Laußmann

… und nicht zu vergessen: „Hyakutake“ C/1996 B2:

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Komet „Hyakutake“ Ende März 1996, Wuppertal, Foto: Tim Laußmann

Veröffentlicht 10. August 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Fliegende Goldstücke auf dem Kahlen Asten   14 comments

Im Jahr 1985 nahm meine Leidenschaft für „Feuerfalter“ ihren Anfang: Während eines Sommerurlaubs in Holzhausen an der Eder (muss man nicht kennen) entdeckte ich in einer nahe gelegenen stillgelegten Tongrube meinen ersten Dukatenfalter. Die im Flug rot-golden aufblitzenden Männchen sind echte Hingucker, praktisch gar nicht zu übersehen. Leider sind die Vorkommen dieses Falters begrenzt. In der Eifel, wo ich mich wegen der reichhaltigeren Falterfauna regelmäßig aufhalte, kommt er gar nicht (mehr) vor. Angeregt durch einen Artikel in der aktuellen „Melanargia“ über die Trupbacher Heide nördlich von Siegen, habe ich mich auf den Weg Richtung Sauerland gemacht.

Zunächst sollte es direkt auf den Kahlen Asten gehen. Dort wurden laut Observation.org zahlreiche Falter im vergangenen Jahr gesichtet. Also: um halb sieben ins Auto, denn je früher man im Gebiet ist, desto höher die Chance, noch träge Falter beim Sonnenbad zu fotografieren! Um halb neun war ich vor Ort und: keine fünf Minuten später fand ich direkt am Parkplatz die ersten zwei prächtig gefärbten frischen Männchen! In den folgenden zwei Stunden konnte ich insgesamt 15 Männchen und 3 Weibchen dokumentieren. Als sich dann gegen elf die ersten Touristen aus Bussen über den zweithöchsten Berg in NRW ergossen, war es Zeit aufzubrechen und die Population auf der Trupbacher Heide auf dem Rückweg zu kontrollieren.

Leider, leider konnte ich dort keinen einzigen Dukatenfalter beobachten, obwohl das Gebiet einen wirklich erstklassigen Eindruck macht, sehr blütenreich und bestens im Sinne der Artenvielfalt gepflegt. In dem Artikel in der „Melanargia“ berichtet die Biostation Siegen-Wittgenstein, dass die sehr trockenen Sommer in den letzten Jahren zu einem geringen Blütenangebot geführt haben. Ist dies die Ursache für den Rückgang der Dukatenfalterpopulation? Zudem überwintert diese Art als Ei an trocknen Pflanzenteilen und die jungen Räupchen brauchen im Frühling frischen Sauerampfer als Nahrung – trockene Frühjahre wie in diesem Jahr dürften hier nicht förderlich sein.

Hoffen wir, dass es dem „fliegenden Goldstück“ gelingt, das Gelände für sich zurückzuerobern!

Unten ein paar aktuelle Fotos vom Kahlen Asten und zwei Fotos von Dukatenfaltern auf der Trupbacher Heide von 2009. Nach meinen Aufzeichnungen habe ich damals dort am 5.7.2009 insgesamt 18 (!) Männchen und 3 Weibchen gefunden, zudem mehr als 50 Schachbrettfalter, dieses Jahr nur 7. Singuläre Wetterextreme scheinen den sowieso schon bedrohten Schmetterlingsarten zusätzlich zu schaden.

Ergänzung: Wegen der angeregten Diskussion habe ich noch mal meine Fotosammlung und meine Aufzeichnungen durchgesehen.

Hier die Orte, wo ich den Dukatenfalter sonst noch gefunden habe (Fotos ganz unten, damals noch auf Diafilm):

20.07.1989: Burgwald nördlich von Marburg: 2 Männchen, 2 Weibchen
15.07.1990: Burgwald nördlich von Marburg: 1 Männchen
20.07.1990: Lüneburger Heide bei Undeloh
09.08.1998: NSG „Fuchskaute“ im Westerwald: 2 Männchen
18.07.1999: NSG „Fuchskaute“ im Westerwald: 8 Männchen

Aktuelle Fotos vom Kahlen Asten:

Bilder von der Trupbacher Heide (Jahr 2009):

Ältere Funde:

 

Veröffentlicht 16. Juli 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Helle Begeisterung im Lewertbachtal   Leave a comment

Zygaena loti – Beilfleck-Widderchen, Mäuerchenberg bei Gönnersdorf, 05.06.2020, Foto: Tim Laußmann

Eiskalt – das waren die Wetteraussichten für unser Eifel-Wochenende vom 05. bis 07 Juni 2020. Schon Tage vorher bahnte es sich an: eine Kaltfront aus Nordost ließ nichts Gutes erwarten. Als wir uns dann auf der Dahlemer Binz bei 8 Grad, Nieselregen und einer steifen Brise trafen, war die Laune nicht die Beste. Aber die Erfahrung hat uns gelehrt: selbst bei den geringsten Aussichten auf Erfolg gibt es oft die besten Ergebnisse. Also: erstmal zum Aufwärmen in die Ferienwohnung in Lissendorf, wo wir sehr nett aufgenommen wurden. Nach einer kleiner Pause ging es dann raus um die Lage zu peilen: wo sind gute Leuchtplätze für die Nacht? Der Regen hatte inzwischen aufgehört und es kam für eine halbe Stunde die Sonne heraus. Trotz kalter Luft zeigten sich rasch die ersten Schmetterlinge auf einer Wiese gegenüber dem Mäuerchenberg bei Gönnersdorf und somit auch das Potential des Gebietes: Zygaena loti (Beilfleck-Widderchen) und Plebejus argus (Argus-Bläuling). Doch am Abend kam die Ernüchterung: bei gerade mal 5 Grad und aufklarendem Himmel gesellte sich noch der Vollmond hinzu. Die aufgebauten Leuchtanlagen konnten wir noch vor Mitternacht wieder einpacken: nur ein paar Agrotis exclamationis (Ausrufungszeicheneule) und Charanyca trigrammica (Dreilinieneule) leisteten uns Gesellschaft. Mit klammen Fingern mussten wir die Aktion abbrechen.

Am nächsten Tag zeigte ich dann gegen Mittag die Sonne. Bei wolkigem Himmel mit Aufheiterungen ging es ins Lewertbachtal, dem eigentlichen Ziel unserer Exkursion. Gerade ausgestiegen, fanden wir nach fünf Minuten das erste Highlight: Den Lilagold-Feuerfalter Lycaena hippothoe. Dank des kalten und unbeständigen Wetters konnte man viele Schmetterlinge in Ruhe beobachten: Boloria selene (Braunfleckiger Perlmuttfalter), Boloria eunomia (Randring-Perlmuttfalter) und die ersten Brenthis ino (Mädesüß-Perlmuttfalter). Viele Falter schienen nach dem ersten Regenguß nach wochenlanger Trockenheit gerade frisch geschlüpft zu sein. Dann der Höhepunkt: Lycaena helle (Blauschillernder Feuerfalter), gleich zwei Weibchen bei der Eiablage an Schlangen – Knöterich (Polygonum bistorta). Einige Baumweißlinge (Aporia crataegi) rundeten das Bild ab.

Da der Tag lang war und die Aussichten für die Nacht ähnlich schlecht wie am Vortag, machten wir es uns in der Ferienwohnung bei einem Gläschen Moselriesling gemütlich und ließen den Tag ausklingen.

Der folgende Morgen lieferte dann noch ein paar schöne Beobachtungen am Mäuerchenberg und, schon auf der Heimfahrt, am Höneberg. Dort konnten wir dann das Ergebnis der gemeinsamen Entbuschungsaktion mit der örtlichen Biostation und zahlreichen anderen Freiwilligen begutachten: überall blühende Teufelskralle, wo vorher noch dichtes Wachholdergebüsch stand.

Hier einige Fotos (Bitte anklicken für Infos!). Leider fehlen dieses mal – aus verständlichem Grund – die nachtaktiven Nachtfalter.

Ich musste wieder einmal feststellen – mein neues Weitwinkel-Zoom von Sigma liefert auf Grund extremer Farbwiedergabe Postkarten – Landschaften!

Veröffentlicht 12. Juni 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Tagfalter

Die Mikros machen den Unterschied   Leave a comment

Ein Abend nach dem Ende der April-Dürre 2020, nach den ersten Schauern, dazu in einem schönen ehemaligen Kalksteinbruch, halbwegs warm, mit reichlich Licht. Und dann das: Praktisch Null Anflug! Nach einer Stunde Lichtfang magere fünf Arten auf dem Zettel, beziehungsweise im Kopf, einen Zettel braucht man dafür nicht.
Auch nach 15 Jahren Lichtfang erlebe ich immer wieder negative Überraschungen, was die Erwartungen zu den Falterzahlen bei bestimmten Wetterlagen angeht. Liegts am Mond, am Niederschlag, am Luftdruck, was auch immer: An manchen Tagen steht man sich einfach die Beine in den Bauch, und an den Lampen tut sich praktisch nichts!

Nach drei Stunden ging der Anflug wenigstens ein bisschen los, am Ende waren es dann immerhin über 25 Arten, inklusive Kleinschmetterklinge versteht sich. Ein Skandal bei vier Leuchttürmen plus Lichtfalle. Bei den Mikros lohnt es sich allerdings immer mal wieder, genau hinzuschauen: Von der kleinen, goldglänzenden Faulholzmotte Crassa tinctella gab es aus dem Niederbergischen bisher keinen Nachweis. Im Unterschied zur ähnlichen, aber später fliegenden Crassa unitella sitzt die C. tinctella mit dem Abdomen nach unten, Kopf und Thorax sind gleichfarbig goldgelb (unitella: Kopf orange).

Crassa tinctella: Haan, Grube 10, 28. April 2020 (Foto: Armin Dahl)

Alle Beobachtungen aus der Grube 10 vom gestrigen Abend findet ihr unter https://observation.org/gebied/view/259533

Veröffentlicht 29. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Mikros

Beifänge in der Pheromonfalle   Leave a comment

Aktuell fliegen schon die ersten Glasflügler, denen wir wie jedes Jahr mit Pheromonpräparaten nachstellen. Der angestrebte Kleine Birken-Glasflügler – Synanthedon culiciformis ist mir hier rund um meinen Wohnort noch nie in die Falle gegangen. Dafür sind immer wieder Echte Motten drin, wie heute die Kornmotte Nemapogon granella.  (Hoffen wirs mal dass sie es auch ist, die app ObsIdentify schlägt Kornmotte Nemapogon granella mit 100.0% Wahrscheinlichkeit vor )

Die Kornmotte frisst als Raupe anscheinend Baumpilze, aber auch Haare und Federn in Vogelnestern, und wie der Name sagt Getreidekörner.

Veröffentlicht 26. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen

Neuigkeiten aus der Ohligser Heide   2 comments

Der April 2020 wird wahrscheinlich in die Geschichte eingehen als Monat mit sehr vielen außergewöhnlichen Beobachtungen

Sei es aufgrund des fantastischen Frühsommer-Wetters oder wegen der hohen Beobachter-Aktivität, bedingt durch die Corona-Pandemie, die die Leute in die Wälder oder in ihre eigenen Gärten treibt.

Gerade mal vier Kilometer Luftlinie  trennen meinen Garten vom gestrigen Leuchtplatz in der Ohligser Heide, und man sollte meinen, dass wir die Umgebung in den vergangenen 15 Jahren ausreichend beackert haben. Aber immer wieder wird man von Neufunden überrascht, das ist ja ein Teil des Spaßes bei der Beschäftigung mit den Schmetterlingen und Motten. Die „Großen Brocken“ wie Nagelfleck und Nachtpfauenauge sind immer ein Ereignis. Besonders schön ist es aber, wenn man lebensraumtypische (Heide-)Arten findet, die seit langem nicht mehr beobachtet wurden. Im speziellen Fall mal wieder ein Mikro, Ancylis uncella, zuletzt von Biesenbaum 1969 aus der Region gemeldet.

Hier ein paar Falter vom gestrigen Abend, die Handyfotos sind von mäßiger Qualität, aber die Kamera lag leider zu Hause…

 

 

Veröffentlicht 17. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Lebensräume, Mikros, Spinner

Morgenröte   5 comments

Aurora nannten die Römer ihre Göttin der Morgenröte. Gleichzeitig ist sie namensgebend für den Aurorafalter, der dieses Jahr offenbar ein gutes Jahr erwischt hat. Die Männchen fallen durch ihre orangefarbene Fügelspitzen auf – in der Farbe der Morgenröte. Die Weibchen hingegen sind leicht mit kleinen Kohlweißlingen und Grünaderweißlingen zu verwechseln. Eine Besonderheit ist die Musterung der Flügelunterseite, mit der sich die Gestalt des Falters in der Vegetation komplett auflöst. Mancher Lepidopterologe musste sich schon wundern – gerade fliegt der Falter vorbei – dann setzt er sich, die Flügel klappen zusammen und er ist wie von Erboden verschwunden. Auch die Raupen, die an Wiesenschaumkraut (Cardamine pratensis), aber insbesondere an Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata) zu finden sind, sind Meister der Tarnung – genauso wie die Puppen, die überwintern. Für mich sind die Aurofalter die schönsten Frühlingsboten, die man sich vorstellen kann. Hier einige aktuelle Bilder… Frohe Ostern Euch allen!

Veröffentlicht 12. April 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Social distancing im Eichenwald   Leave a comment

Die Forschung zu den einheimischen Schmetterlingen erfährt in Zeiten von Coronaviren einen Schub. Hier noch mal fürs Protokoll: Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet. Auf einmal haben alle Zeit, im Homeoffice mal schnell durch den Garten zu gehen und die ersten Tagfalter aufzuschreiben. Manch einer hat seinen Betrieb gleich ganz geschlossen oder ist in Kurzarbeit, und ist ganz froh um ein bisschen frische Luft. Man entflieht der verordneten Kontaktsperre in den nächstbesten Wald, und geht seinem Hobby nach.

Im Nachbarland Niederlande treibt das Ganze schon etwas seltsame Blüten, wenn ich das richtig verstanden habe sind dort so viele „Twitcher“ (zu Deutsch Abhaker) unterwegs dass auf waarneming.nl alle Beobachtungen von Seltenheiten momentan nicht mehr dargestellt werden. Auf Anweisung der Regierung („Overheid“), sagt mir das Übersetzungstool, näheres findet ihr hier. Wahrscheinlich stehen auf den Deichen des Nachbarlandes die Vogelgucker so dicht auf der Pirsch nach seltenen Vogelarten, dass es gefährlich wird. Das sind Luxusprobleme die wir gerne hätten!

Unsereiner steht nachts – ungewohnt mitten in der Woche- mit der Lichtfanganlage im Wald, abgesehen vom Kollegen weit und breit kein Mensch. Die Leuchttürme stehen im Karree mit 50m Abstand, Händeschütteln zur Begrüßung fällt ausnahmsweise aus, Abstand auf Armeslänge, das muss reichen, um sich nicht gegenseitig anzustecken. Die Eichen-Purpurmotten halten sich an keine Regeln, mehrere hundert drängeln sich an den Lampen. Der Vollmond scheint, der Kollege ist im T-Shirt unterwegs. Und wir freuen uns gemeinsam über die warme Nacht nach dem eiskalten Monatsanfang April 2020, in Zeiten von Corona!

Hier ein paar Bilder vom gestrigen Abend, 6. April 2020. 20 Makro-Arten und ein paar unbekannte Mikros, nicht schlecht für die Jahreszeit! Lasst Euch nicht unterkriegen vom Coronafrust, und bleibt gesund!

 

 

Veröffentlicht 7. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, mehr Lepis

Frühling an der Wupperschleife in Opladen   3 comments

In einer Zeit, in der uns die Natur eindrucksvoll zeigt, dass auch wir ihren Gesetzmäßigkeiten unterliegen und nicht etwa neben ihr stehen oder gar über ihr, können wir alle ein bisschen Aufheiterung gebrauchen. Daher hier ein paar Bilder von der Frühlingsflora an der Wupperscheife in Opladen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich an dieser Stelle jemals den Papst zitieren würde, aber folgende Worte seines Segens Orbi et Orbi von letztem Freitag erscheinen mir doch sehr treffend:

„Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“

– kann man ja mal drüber nachdenken.

Veröffentlicht 29. März 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Was vom Jahr 2019 übrig bleibt…   1 comment

Zum Jahresende ist es Zeit für einen kleinen persönlichen schmetterlingskundlichen Rückblick auf das Jahr 2019.

Positiv war, dass der Umweltschutz wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt ist. Mein Eindruck ist, dass das Thema regelrecht wieder entdeckt wird. Hier haben Bewegungen wie „Fridays For Future“ einen wichtigen Beitag geleistet. Allerdings frage ich mich, warum das Artensterben – ich sage mal zwischen 1990 und 2018 – in der öffentlichen Diskussion kaum noch eine Rolle spielte. Klar, es gab zahlreiche Beiträge zum Artensterben im Fernsehen – immer nett anzuschauen – und auch wir als Insektenkundler haben immer wieder darüber gesprochen. Tatsächlich wurde der Artenverlust aber nur „verwaltet“. Politisch geändert wurde nur wenig. Für mich eindrucksvoll war ein Spaziergang in diesem Herbst durch die toten Fichtenwälder an der Sengbachtalsperre bei Schloss Burg an der Wupper. Über 80 Jahre alte Bäume stehen dort als „Gerippe“ in der Landschaft – die Trockenheit in den letzten Sommern hat ihnen den Rest gegeben. Nun werden diese toten Wälder abgeräumt – mache schimpfen auf den Borkenkäfer – aber der hat ja nur seine natürliche Aufgabe an den schwer vorgeschädigten Bäumen erledigt. Es drängen sich Vergleiche zum „Waldsterben“ in den 1980er Jahren auf. Aber: hat man etwas gelernt? Eine halbe Milliarde Euro Steuergelder für Wiederaufforstung – mit Esskastanie und Douglasien? Täusche ich mich, oder ist hier schon wieder Lobbypolitik am Werk? Wie wäre es mit natürlicher Wiederbewaldung – z.B. mit Hilfe des Eichelhähers?

Jedenfalls denke ich bei den aktuellen Umweltschutzthemen immer zurück an die 1980er Jahre – alles schon mal diskutiert worden – auch der Artenrückgang bei den Schmetterlingen. Die akademische Forschung war lange aus dem Thema faktisch ausgestiegen. Nun wird es dort wiederentdeckt. Das hat mich dann zu einem Leserbrief in „Spektrum der Wissenschaft“ bewogen. Zudem waren wir mit einem Beitrag bei der „Konferenz der Arten“ in Bonn dabei und arbeiten nun an einem Artikel zu „160 Jahren Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal“. Hier eine kleine Vorschau auf die Ergebnisse:

Diese Grafik zeigt den Artenverlust bei Großschmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) und die Neuzugänge ("Arealerweiterer") aus Süd- und Westeuropa im Raum Wuppertal. Der Verlust von Arten wurde anhand der jeweils letzten Beobachtung im Gebiet dokumentiert. Die Neuzugänge entsprechend anhand des Datums der ersten Beobachtung im Gebiet.

Diese Grafik zeigt den Artenverlust bei Großschmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) und die Neuzugänge („Arealerweiterer“) aus Süd- und Westeuropa im Raum Wuppertal. Der Verlust von Arten wurde anhand der jeweils letzten Beobachtung im Gebiet dokumentiert. Die Neuzugänge entsprechend anhand des Datums der ersten Beobachtung im Gebiet.

Wir hatten dieses Jahr einige schöne Exkursionen, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Unsere Mosel-Exkursion, einen Ausflug zum Schlangenberg bei Stolberg, eine Exkursion in die Eifel bei Blankenheim und Dahlem, unser tranditioneller Leuchtabend an der Naturschule Grund in Remscheid. Einer meiner besonderen Lieblinge (ich bin ein ausgesprochener Fan von Bläulingen) ist zum Schmetterling des Jahres 2020 ernannt worden. Zudem ist es uns gelungen, trotz jahrelanger Bürokratie, eine naturnahe Wiese an unserem Arbeitsplatz einzurichten.

Negativ war für mich die Ausbeute bei meinem diesjährigen Ausflug im Juni zum Mosel-Apollofalter. In den 1990er Jahren gab es dort Tage, an denen ich mehrere Dutzend Falter z.B. an der Brauselay bei Cochem beobachten konnte – dieses Jahr war es nur ein Falter. Ein Negativtrend, der schon seit geraumer Zeit beobachtet wird (siehe hierzu die Diskussion im Lepiforum, die von Klaus Hanisch gestartet wurde).

Zum versöhnlichen Abschluss noch einige Bilder aus dem Jahr 2019, die noch nicht in anderen Beträgen gezeigt wurden (für die Beschreibung bitte anklicken!).

Veröffentlicht 29. Dezember 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Insektensterben, Tagfalter

Jahresendfalter: Ypsolopha asperella   Leave a comment

Normalerweise schielen wir neidisch auf unsere Nachbarn aus den Niederlanden und Belgien, wenn es um Nachweise von winteraktiven Faltern geht. Die milden, von der Nordsee bestimmten Temperaturen im Westen verlängern die Vegetationszeiten und auch die Flugzeiten vieler Falter, die den Weg bis zu uns nicht geschafft haben oder hier eine echte Winterruhe einlegen müssen. Die Artenlisten auf waarneming.nl sind auch im Dezember 2019 noch ellenlang, zumal die Nachbarn auch noch fleißig Minier- und Sackträgermotten kartieren. Grund dafür ist vor allem das Heer von Beobachtern, die ihre Daten freiwillig und tagesgenau in die öffentlichen Datenbanken eingeben.

So ist man froh wenn man den Nachbarn mal ein Schnippchen schlagen kann, auch wenn unsereiner ja rein garnichts dafür kann – sieht man mal von fortgeschrittener Gartenverwilderung ab.

Sei es drum: hier ist sie, die Apfel-Schabenmotte – Ypsolopha asperella (Linnaeus, 1761)

Apfel-Schabenmotte – Ypsolopha asperella. 17. Dezember 2019 (Foto: Armin Dahl)

Warum die Apfel-Schabenmotte ausgerechnet in Holland und Belgien nicht nachgewiesen ist, jedoch in fast allen Bundesländern Deutschlands? Die Art ist hier schon einmal aufgetaucht, im vergangenen Februar, scheint also zu überwintern. Und lebt nach Informationen aus dem Lepiforum an allerlei Rosengewächsen. Wie bei vielen anderen Mikros steht auch hier hinter der Verbreitung ein großes Fragezeichen.

Veröffentlicht 19. Dezember 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen

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