Archiv für die Kategorie ‘Arten / Listen

Sergeant-Major am Schneckenklee: Grapholita compositella   1 comment

Kleewickler Grapholita compositella, Haan, 1. Mai 2019 (Foto: Armin Dahl)

Ein winziges Stäubchen, das in hohem Tempo in einer im Vorjahr eingesäten Wiese herumsaust und sich trotz der geringen Größe nur im Sprintmodus einfangen lässt: Noch vor wenigen Jahren hätte ich dieses Tierchen einfach ignoriert, einer von vielen Mikros halt.

Heute weiss ich allerdings daß die „Mikros“ zum einen deutlich bunter oder auffälliger gezeichnet sind als die größeren „Makros“ unter den Motten. Und ausserdem sind viele Arten pflanzenspezifisch: Blattwickler, Miniermotten und andere leben oft nur an einer einzigen Pflanzenart oder -gattung, und man kann aus ihrem Vorkommen Rückschlüsse auf die Lebensräume ziehen.

Also musste das kaum erkennbare Tierchen doch noch zum Fototermin eingeladen werden, und erst dabei kam die wunderschöne Zeichnung zum Vorschein.

Grapholita compositella trägt auf dem Rücken vier auffällige Querstreifen, und hat deshalb von den Nachbarn aus den Niederlanden den einprägsamen Namen Sergeant-majoortje“ bekommen: Der Sergeant-Major, im Deutschen würde man ihn etwa mit „Oberstabsfeldwebel “ übersetzen, ist beim Militär der höchste Dienstrang der Unteroffiziere und hat als Rangabzeichen auf den Schulterklappen die vier angesprochenen Querstreifen.

Es gibt nur einen Dienstgrad der noch mehr Streifen auf den Klappen trägt, fünf Schrägbalken in Form der belgischen Kartoffelstäbchen hat der „Oberstabsgefreite“, der deshalb schon zu meiner Bundeswehrzeit als „Pommes-General“ verspottet wurde. Oberstabsgefreite bei der Marine haben zusätzliche Streifen, und deshalb den Spitznamen „Nato-Zebra“. Aber das nur nebenbei, hier geht es ja nicht um Säugetiere.

Grapholita compositella fliegt nach SCHÜTZE als Falter in zwei Generationen von April bis August: Die Raupe lebt zwischen den Gipfelblättern von Medicago sativa (Schneckenklee) versponnen, im Lepiforum gibt es auch etliche Bilder mit Befallspuren von Rotklee (Trifolium pratense). In Nordrhein-Westfalen gibt es nur relativ wenige Nachweise, was an der mangelnden Durchforschung liegen dürfte: In den Niederlanden ist der Falter flächendeckend verbreitet.

 

 

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Veröffentlicht 4. Mai 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen, Mikros

Mission: Callophrys rubi – Grüner Zipfelfalter   3 comments

Da wir eine aktualisierte Neuauflage unseres Jahresberichts „150 Jahre Schmetterlingsbeobachtung im Raum Wuppertal“ planen, habe ich begonnen, Fotos zu den noch vorhandenen aber auch zu den prominenten verschwundenen Arten zusammenzustellen. Bei den Tagfaltern fiel mir auf, dass ich eigentlich kein wirklich schönes Bild von Callophrys rubi, dem Grünen Zipfelfalter, habe. Warum ist das so? Nun, der Falter fliegt sehr früh im Jahr, ab Mitte April. Die Falter sind daher zu Beginn der Schmetterlings-Hochsaison im Mai schon recht „abgeflogen“, haben also bereits einige Flugtage hinter sich, Schuppen und Fransen sind verloren gegangen… zudem: unser einziger wirklich grüner Tagfalter beherrscht die Technik des „sich in Luft Auflösens“ wie kein anderer: Der scheue Falter setzt sich bei Sonnenschein oft nur ganz kurz, fliegt bei Annäherung auf, die grüne Untersite blitzt noch ein paar mal auf, die braune Oberseite macht den Falter zwischendurch fast unsichtbar – dann landet er wieder in der grünen Vegetation und ist dort perfekt getarnt und unauffindbar. Wenn es noch kühl ist, sonnt er sich gerne am Boden und zwar nie mit offenen Flügeln, sondern immer nur seitlich mit zusammengeklappten Flügeln. Dabei dreht und kippt er die Flügelunterseite gerade so, dass sie zur einfallenden Sonnenstrahlung im rechten Winkel steht. Das Problem für den Fotografen: um den Falter in seiner Pracht abzulichten, muss man sich von der Sonnenseite nähern – sobald aber ein Schatten auf den Falter fällt – schwupps kommt die Technik des sich in Luft Auflösens zum Einsatz. Kurz gesagt: diesen schönen Schmetterling in perfektem Zustand bei guter Ausleuchtung abzulichten ist eine echte Geduldsprobe.

Oft nehme ich mir für meine Fotoexkursionen exakt eine Schmetterlingsart als Zielart vor. Andere Bilder sind dann nur „Beifang“. Meiner Erfahrung nach sollte man an einem Tag mit heiterem, kühlen, aber weitgehend windstillem Wetter in der Frühe, also so ein – zwei Stunden nach Sonnenaufgang ins Gelände gehen. Dann sitzen viele Schmetterlinge in der Sonne um sich aufzuwärmen, breiten ihre Flügel aus und sind noch recht träge. Steht die Sonne hoch am Himmel und es ist wolkenlos, sind die meisten Schmetterlinge geradezu hyperaktiv, drehen sich hektisch bei der Nektarsuche auf Blüten hin und her und fliegen rasch auf, wenn man sich nähert.

Gesagt, getan: es musste ein gescheites Foto von Callophrys rubi her: Am „Osterdienstag“ war gutes Wetter angesagt, also um halb sieben ins Auto und auf in die Eifel. Das Ziel: der Kuttenberg bei dem Örtchen Eschweiler in der Nähe von Bad Münstereifel. Dort hatte ich den Falter schon vor mehr als zwanzig Jahren fotografiert. Doch vor Ort war es um halb acht gerade mal 10 Grad kalt, es gab hohe, relativ dichte Schleierbewölkung. Die Vegetation war auch noch recht weit zurück: die Schlüsselblumen gerade in voller Blüte. Ich hoffte also auf baldige Auflockerung und Sonne. Leider ging das so über zwei Stunden, dann gab es einen kurzen Moment Sonne: und siehe da, ein Grüner Zipfelfalter flatterte vor mir auf, sonnte sich kurz, doch mehr als ein Beweisfoto war nicht drin. Dann wieder zwei Stunden keine Sonne – zu einem einzigen Gelbspanner (Opisthograptis luteolata), der sich netterweise auf einer gerade hervorsprießenden Knabenkrautblüte niedergelassen hatte, und einem mehr oder weniger unterkühlten Kleinen Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) hatte ich schon ein persönliches Verhältnis aufgebaut. Ein echter Frust, also entschied ich mich gegen zwölf Uhr aufzugeben. Beim Verlassen der Fläche schaute ich noch einmal ober die zahlreichen Löwenzahnblüten auf der angrenzenden extensiv gepflegten Wiese – ich wusste, dass die Falter dort gerne Nektar saugen – und siehe da: ein einziger frischer Grüner Zipfelfalter saß recht unterkühlt und träge auf einer Blüte – ich konnte es kaum glauben. Seht hier nun die Fotos (anklicken!), die ich aufnehmen konnte, bevor der Schmetterling sich wieder mal – in Luft auflöste!

Veröffentlicht 26. April 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Ein Sommertag im April   1 comment

Ostermontag, 22. April 2019: Die Eiersuche fand heute in meinem Garten mit einem Tag Verspätung statt. Dafür waren es aber auch die Eier vom Schwalbenschwanz. Typischerweise suchte sich der Falter dafr eine schön warme, trockene Stelle aus, wo der Maulwurf oder die Wühlmäuse ein wenig Rohboden geschaffen haben, dort kommen gerade die ersten Blättchen der Wilden Möhre zu Tage.

Parallel dazu legte in der benachbarten Feuchtwiese (!) der erste Cupido argiades für 2019 seine Eier ab.

Veröffentlicht 22. April 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen

Die Eisenhut-Goldeule, Polychrysia moneta (Fabricius, 1787)   4 comments

Manche Nachtfalterarten lassen sich nur schwer über die üblichen Methoden wie Licht- oder Köderfang nachweisen. Die Eisenhut-Goldeule, Polychrysia moneta, gehört zu dieser Gruppe.
Eisenhut_GoldeuleFoto 1: Eisenhut-Goldeule, Wuppertal-Barmen, Dickmannstraße, Raupe im April 2017 durch Ludger Buller gefunden, Zucht und Foto Armin Radtke.

Eisenhut

Foto 2: 20. April 2019, Eisenhut, zusammengesponnene Triebspitze, Wuppertal-Barmen, Kriemhildenstraße, Freilandfoto Armin Radtke.

Eisenhut_Goldeulenraupe

Foto 3: Dieselbe Triebspitze wie auf Foto 2, zentral im geöffneten Gespinst die Raupe der Eisenhut-Goldeule. Manipuliertes Freilandfoto, Wuppertal-Barmen, Kriemhildenstraße, 20. April 2019.

Schaut man auf die aktuelle Verbreitungskarte der Art im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen dann könnte man den Eindruck gewinnen, daß die Bestände dieses schmucken Nachtfalters (siehe Foto 1) stark zurückgegangen sind. In der Vergangenheit haben Sammler aber auch vermehrt nach Raupen gesucht. Gerade in diesen Tagen ist der Nachweis der Art solchermaßen leicht möglich. Zusammengesponnene Triebspitzen von Eisenhut sind ein starker Hinweis auf den Besatz durch eine junge Raupe, siehe Fotos 2+3. Durch vorsichtiges Öffnen des Verstecks kann man dann die Raupe darin finden. In diesem Stadium sind die Raupen noch grün gefärbt mit zahlreichen schwarzen Punkten im Abdominalbereich.

Ich habe in den letzten beiden Tagen, am 19. und 20. April, hier in Wuppertal-Barmen an vier verschiedenen Standorten  (Kleingartenanlagen, Garten und einem Waldrand) die Art über den Raupenbesatz an Eisenhut Triebspitzen nachgewiesen. Das wäre sicher auch andernorts möglich.

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Polychrysia moneta, erwachsene Raupe (Foto: Armin Dahl)

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Polychrysia moneta, Raupe im Porträt (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 20. April 2019 von ntorva in Arten / Listen

Ursachen für den „Schmetterlingsschwund“   1 comment

Der Verlust an Artenvielfalt und Biomasse bei Insekten ist – glücklicherweise – immer noch ein Thema. Daher möchte ich aus aktuellen Anlass nochmal unsere bereits im Jahr 2010 publizierten Erkenntnisse zu den Ursachen des „Schmetterlingsschwunds“ speziell im Raum Wuppertal zusammenfassen. Eine ausführliche Version gibt es hier: JB 2010 zu lesen, eine komprimierte Zusammenfassung hier: EZ 2010. Wer ganz in die Tiefe gehen will, kann sich auch die zugrunde liegende Excel-Tabelle ansehen: Auswertung Entwicklung der Falterfauna im Raum Wuppertal

Die systematische Beobachtung von Schmetterlingen hat im Raum Wuppertal eine sehr lange Tradition. Daher liegen uns heute recht detaillierte Daten aus einem Zeitraum von ca. 150 Jahren vor. Somit können wir die langfristige Entwicklung der Schmetterlingsfauna der Region näher zu beleuchten. Gustav Weymer publizierte seine Schmetterlingsbeobachtungen im heutigen Raum Wuppertal erstmals 1863 in den Jahresberichten des Naturwissenschaftlichen Vereins von Elberfeld und Barmen und ergänzte diese im Jahr 1878. Hinzu kamen Notizen über die Lepidopterenfauna der Hildener Heide im Jahr 1908 (Weymer 1908). Unsere Kenntnis über die Wuppertaler Schmetterlingsfauna ab ca. 1920 verdanken wir vor allem den ausgesprochen engagierten Lepidopterolgen Helmut Kinkler, Willibald Schmitz, Friedhelm Nippel und Günter Swoboda, die in den 1970er und 1980er Jahren Sammlungen und Daten aus dem Bergischen Land von über 70 Schmetterlingskundlern zusammentrugen. Zusammen mit unseren eigenen Beobachtungen ab dem Jahr 1990 ergibt sich in klares Bild: Der Artenverlust betrifft -Überraschung- hauptsächlich Charakterarten offener Landschaften.

Ich kann mich gut an lange Abende erinnern (denn wir sind ja Hobby-Entomologen), in denen wir damals Daten ausgewertet und die historischen Häufigkeitsangaben zu einzelnen Arten diskutiert haben. Die Quintessenz habe ich hier noch einmal „kondensiert“:

Es wurden im Raum Wuppertal insgesamt 734 Großschmetterlingsarten (Stand 2010) in den vergangenen ca. 150 Jahren beobachtet. Davon waren 107 Einzelfunde (Arten, die nur wenige Male beobachtet wurden und bei denen unklar ist, ob sie bodenständig und extrem selten oder schwer zu beobachten sind oder sich nur in das Gebiet „verirrt“ hatten). Weitere 112 Arten konnten wir hinsichtlich ihrer Häufigkeitsentwicklung nicht bewerten, weil sie bekanntermaßen schwer zu beobachten oder zu bestimmen sind (z.B. Glasflügler, einige Blütenspanner, Sackträger und Arten, die im Beobachtungszeitraum als zwei verschiedene Arten erkannt wurden). Es verbleiben 515 Arten, die hinsichtlich ihrer Häufigkeitsentwicklung bewertet werden konnten. Davon haben 29 % der Arten in ihrer Häufigkeit abgenommen (oder sind verschwunden), 123 waren und sind selten, 190 sind gleichbleibend häufig, 52 Arten haben in ihrer Häufigkeit zugenommen.

Anzahl Arten in Gefährdungskategorien

Nun stellt sich die Frage nach einer ökologischen Bewertung. Hierzu verweisen wir auf das „Praxishandbuch Schmetterlingsschutz“, aus welchem wir die Biotopansprüche jeder einzelnen Art entnommen haben. Wer heute nach Ursachen für den Artenrückgang bei Insekten fragt, dem sei dieses Buch wärmstens empfohlen!

Es stellt sich -wenig überraschend- heraus, dass sich unter den Arten mit abnehmender Häufigkeit im Wesentlichen Charakterarten befinden, also solche, die eine hohe Biotop-Spezialisierung aufweisen. Dem stehen die „Ubiquisten“, also relativ anspruchslose, ökologisch flexible Arten gegenüber (Arten, die weder Charakterart noch Ubiquist sind, sind nicht dargestellt).

Charakterarten in den Gefährdungskategorien

Das eigentlich Interessante ist, dass die Arten, die auf offene Landschaftstypen spezialisiert sind, besonders von dem Häufigkeitsrückgang betroffen sind. Hierbei sind die Arten, die Moore, Heiden und Trockenrasen bewohnen, hervorzuheben. Diese sind der Trockenlegung von Feuchtwiesen und Mooren oder der Aufforstung von offener (Heide-) Landschaft insbesondere nach dem 2. Weltkrieg zum Opfer gefallen.

Charakterarten offener Landschaftstypen

Für die Biotope Wald, Waldrand oder Gebüsch, ist der Rückgang besonders bei den Arten eklatant, die in Niederwäldern vorkommen oder trockene Wälder, Gebüsche und Säume bevorzugen. Die Niederwaldwirtschaft (zur Gewinnung von Brennmaterial und Herstellung von Holzkohle) wurde spätestens in der Mitte das 20. Jahrhunderts aufgegeben. Säume und Gebüsche in offener Landschaft fielen der Flurbereinigung Mitte des 20. Jahrhunderts zum Opfer. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass das Bergische Land bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts als „frei von Wald“ galt. Bei der Wiederaufforstung gab es aber auch „Gewinner“: Charakterarten von Buchenwäldern, bleiben überwiegend häufig.

Charakterarten Wald - Waldrand und Gebüsch

Besonders solche Arten, die in vom Menschen stark beeinflussten Landschaften vorkommen, bleiben häufig. Dies sind jedoch meist relativ „flexible“ Arten ohne hohe Biotopansprüche.

Charakterarten von Menschen geformte Landschaften

Interessant ist auch, welche Arten in den letzten 150 Jahren häufiger wurden. Unter den Schmetterlingen, bei denen wir von einer Zunahme der Population ausgehen können, sind sieben Arten, die in der Literatur als Wärme liebend bekannt sind. Diese Arten finden wir meist auf stillgelegten Bahnanlagen und in Steinbrüchen mit xerothermen Mikroklima, so dass hier ein unmittelbarer Einfluss des globalen Klimawandels schwer belegbar ist (z.B. Möndcheneule Calophasia lunulaLeimkraut-Nelkeneule Hadena perplexa, Kompasslatticheule Aetheria dysodea). Hinzu kommen noch zwei aus der atlantischen Klimazone stammende, anspruchslose „Arealerweiterer“, Agrotis puta (Hübner, 1803) und Omphaloscelis lunosa (Haworth, 1809), welche heute zu den häufigen Arten im Bergischen Raum gehören.

Man stellt bei der Betrachtung der Daten aber auch einige Merkwürdigkeiten fest: So waren der Mädesüß-Perlmuttfalter Brenthis ino (Rottemburg, 1775) und das Landkärtchen Araschnia levana (Linnaeus, 1758) zu Weymers Zeiten nicht vorhanden und heute relativ regelmäßig bis häufig zu beobachten. Bemerkenswert auch, dass das Waldbrettspiel Pararge aegeria im Raum Wuppertal zwischen ca. 1960 und 1990 verschwunden war und dann wieder aus dem Rheintal an der Wupper entlang auftauchte. Umgekehrt ist der Kleine Heufalter (oder kl. Wiesenvögelchen) Coenonympha pamphilus in den letzten Jahren aus dem Bergischen Land verschwunden. Es gibt offenbar auch unbekannte Faktoren, die die Häufigkeit einzelner Arten beeinflussen.

Dennoch bleibt festzuhalten: der Verlust an blütenreicher, offener Landschaft, an Hecken und Säumen sowie lichten, warmen Wäldern, ist der Hauptgrund für den Artenschwund bei den Schmetterlingen. Wer nun nach Forschung zu unbekannten Ursachen ruft, kann ja an dieser Stelle schon beginnen und dem entgegenwirken, denn wenn wir erst jetzt mit universitärer Forschung anfangen und Langzeitbeobachtungen durchführen, ist vieles in 10 Jahren bereits verloren.

Literatur:

LAUSSMANN, T., A. RADTKE, T. WIEMERT & A. DAHL (2009): 150 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal – Langfristige Veränderungen in der Lepidopterenfauna der Region. – Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, 61: 31-100; Wuppertal. zum Download

LAUSSMANN, T., A. RADTKE, T. WIEMERT & A. DAHL (2010) 150 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal – Auswirkungen von Klima- und Landschaftsveränderungen (Lepidoptera). – Ent. Zeitschrift 120 (6): 268-277. zum Download

 

Veröffentlicht 9. März 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Wo ist der Zitronenfalter im Winter?   Leave a comment

Kaum zeigt sich die Sonne und die Temperaturen steigen über 15 Grad, tauchen die ersten Zitronenfalter auf. So auch am vergangenen Samstag (16.02.). Die Falter scheinen diesen Winter bisher gut überstanden zu haben – gleichzeitig flatterten so gegen 14 Uhr vier Falter an unserer mit Efeu bewachsenen Garage herum. Doch was suchen sie da? Das Efeu ist längst verblüht – Nektar kann es also nicht sein. So schaute ich mir das Schauspiel eine Weile an und siehe da- ein Falter nach dem anderen landete auf den Blättern und verschwand sogleich darunter zur Nachtruhe – Flügel und Fühler zusammengelegt. Und so verharrten sie auch die ganze frostige Nacht bevor sie am nächsten Tag gegen 11 Uhr wieder aktiv wurden.

Jürgen Hensle schreibt dazu im lepiforum: „[Der Zitronenfalter] bevorzugt Bäume und Gebüsch, dichtes Brombeergestrüpp oder Heidekraut. Hier sitzt er recht offen und kann von aufmerksamen Beobachtern dann auch im Winter entdeckt werden.“

Diese Überwinterer suchen sich also andere Plätze aus als der Kleine Fuchs oder das Tagpfauenauge, welche sich im Winter gerne in Höhlen, Garagen, Unterführungen, Dachböden und Kellern verkriechen.

Dank seines entspannten Lebensstils mit Sommer- und Winterruhe sind die Zitronenfalter – die im Februar schon ca. 7 Monate alt sein dürften – immer noch bemerkenswert gut in Schuss. Hier ein paar Bilder (für die Beschreibung bitte anklicken!):

 

Veröffentlicht 20. Februar 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

„Paarungsritual“ Kleiner Fuchs (Aglais urticae)   3 comments

Bei unserem letzten Treffen („Jahresrückblick“) am 29.01.2019 in der Station Natur und Umwelt habe ich einen kurzen Filmausschnitt von unserer Moselexkursion Mitte Juni 2018 gezeigt, in dem das „Paarungsritual“ des Kleinen Fuchs zu sehen war. Das Ritual fand in den späten Nachmittagsstunden auf einem besonnten Weg in den Weinbergen im Dhrontal statt. Ich habe vier Standbilder aus dem Film isoliert und die Position der Fühlerspitzen rot markiert. Im ersten Schritt klappt das hinter dem Weibchen sitzende Männchen die Fühler über dem Kopf zusammen (ähnlich, wie es auch in Schlafhaltung geschieht), dann wird der Kopf leicht nach hinten („in den Nacken“) beweckt, offenbar um Schwung zu holen. Anschließend „klopft“ das Männchen deutlich hörbar in einer sehr schnellen Bewegung auf den Hinterleib oder auch auf die Flügelbasis des Weibchens. Dieses Ritual wiederholt sich etwa alle 1,5 bis 2 Sekunden. Hat der Bewerber oft genug angeklopft und ist er dem Weibchen genehm, suchen die Falter einen geschützten Ort für die Paarung auf, wo sie sich dann auf ihre perfekte Tarnung verlassen. Dasselbe Ritual, das auch schließlich zur Paarung führte, konnte ich bereits 1992 am Schee (im Norden Wuppertals) auf einer stillgelegten Bahntrasse in den Abendstunden beobachten. Die Falter saßen am Fuß einer mit Moos und Flechten bewachsenen Mauer am alten Bahnhof Schee.

Paarungsritual Kleiner Fuchs (Aglais urticae), rot markiert: die Position der Fühlerspitzen des Männchens. Die Fotos wurden aus einem Video isoliert.  Dhrontal (Mosel), 16.06.2018 (Fotos: Tim Laußmann)

Paarungsritual Kleiner Fuchs (Aglais urticae), rot markiert: die Position der Fühlerspitzen des Männchens. Die Fotos wurden aus einem Video isoliert. Dhrontal (Mosel), 16.06.2018 (Fotos: Tim Laußmann)

Kleiner Fuchs, Aglais urticae, Schee (bei Wuppertal) 15. Mai 1992 (Foto: Tim Laußmann)

Kleiner Fuchs, Aglais urticae, Schee (bei Wuppertal) 15. Mai 1992 (Foto: Tim Laußmann)

 

 

Veröffentlicht 3. Februar 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen