Archiv für die Kategorie ‘Heideterrasse

Danke, Yvonne, für diese Nacht!   4 comments

 

Stilleben mit Leuchtturm und Sandalen, Haan Spörkelnbruch 25 Juli 2019, 06.45 Uhr, 24′ Celsius 

Die Flugaktivität der nachtaktiven „Motten“ ist in tropischen Nächten besonders hoch, die Daten-Erfassung artet in Arbeit aus. Geschlafen wird stattdessen in der Nachmittagshitze.

In Europa purzeln die Temperaturrekorde, eine Schwall Saharaluft, angetrieben von Hochdruckgebiet „Yvonne“, erreicht den Westen Deutschlands. Kein Witz: die heißeste Stadt Deutschlands ist – wenn auch wahrscheinlich nur für einen Tag – das beschauliche Geilenkirchen an der holländischen Grenze. 40,5 Grad heiß war es dort am 24. Juli 2019.

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Lycophotia porphyraea, verwackelt, aber unverkennbar

Ein Datum das auch mir im Gedächtnis bleiben wird: Die 60-Arten-Makros-Grenze knacke ich in meinem Garten nur sehr selten, aber vergangene Nacht war es dann mal wieder so weit.

Angetrieben von den tropischen Temperaturen scheinen die Motten ihren Aktionsradius zu erweitern, vergangene Woche hat es zudem einmal kurz aber kräftig geregnet, so dass etliche Arten frisch geschlüpft sind.

In solchen Nächten erscheinen dann die dicksten Brocken, Kiefernschwärmer, Weidenbohrer, Grasglucke, zudem kann man in der Nähe des Leuchtturms kaum mehr atmen, dort wuselt ein Heer von kleinen Krabbeltieren herum.

„Beste“ Art in der abgelaufenen Nacht war die an Heidekraut lebende Lycophotia porphyrea, deren nächste Entwicklungslebensräume in Luftlinie etwa 1,5 Kilometer entfernt auf dem Sandberg in Hilden liegen.
Häufigste Art bei den Makros war die hübsch grüne Cryphia algae mit einem Dutzend Tieren, dicht gefolgt vom Eichenprozessionsspinner, der seit zwei Tagen unterwegs ist und mit 10 Tieren ans Licht kam.

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Eichenprozessionsspinner bei der Fortpflanzung. Haan, Spörkelnbruch, 25. Juli 2019 (Foto: Armin Dahl)

62 Arten Großschmetterlinge standen beim Ausschalten der Anlage um halb sechs auf dem Zettel. Etliche davon sind erst nach 03.00 Uhr Morgens angeflogen – 2 1/2 Stunden Schlaf müssen in solchen Nächten mal reichen: wer da nicht wach bleibt ist kein richtiger „moth maniac“.


Kleiner Nachtrag vom 25. Juli: Heute habe ich auf meinem Thermometer (hängt im Kirschbaum im Schatten) 40,4°C gemessen, um 17.00 Uhr.

Veröffentlicht 25. Juli 2019 von Armin Dahl in EPS, Heideterrasse, Klimawandel, Phänologie

Das Further Moor trocknet aus – wenn nichts passiert!   Leave a comment

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Further Moor im Jahr 2009: Nadelwald zieht das Wasser aus den Flächen (Foto: Armin Dahl)

Der Wald rundherum muss weg! Nicht in der Schärfe, aber inhaltlich genau so formulieren es die Autorinnen in einem Artikel in der vom LANUV herausgegebenen Postille „Natur in NRW“, der sich um die schleichende Entwässerung  des Further Moors dreht. Das 42 Hektar Fläche umfassende Naturschutzgebiet (NSG-Kennung ME-001) liegt auf der Bergischen Heideterrasse zwischen Langenfeld und Leichlingen und wurde schon 1937 unter Schutz gestellt. Das Further Moor ist momentan die einzige bekannte Flugstelle vom Heidespanner  – Ematurga atomaria – im gesamten Kreis Mettmann. Früher kam hier auch noch der Rotrandbär Diacrisia sannio vor, von dem wir keine aktuellen Nachweise aus der Region haben. Wir haben vor vielen Jahren dort ein paarmal Lichtfang gemacht, in Erinnerung ist mir dort nur ein Vogel – dieWaldschnepfe – geblieben.

Entscheidend für die Moorhydrologie im Further Moor und anderswo ist die Verringerung des sommerlichen Wasserdefizits. Die Autorinnen des Artikels arbeiten dabei schön heraus, wie der Wald das Wasser aus dem Moor zieht. Bekanntlich liegt übertrifft die Grundwasserspeisung von Calluna-Heide, die durch niedrigen und lückigen Wuchs charakterisiert sind, diejenige der Wälder um 30 bis 50 Prozent.

Monatsmittelwerte der klimatischen Wasserbilanz für das Naturschutzgebiet
Further Moor; blau gestrichelte Säulen: potenzielle Wasserspende durch die Umwandlung von Wald in Calluna-Heide auf Basis der lokalen Niederschlags-Monatsmittelwerte 1981 bis 2010 (Quelle: Natur in NRW, Nr. 2/2019)

Ein Maßnahmenkonzept für den sechs Hektar großen offenen Moorbereich des Further Moors, erstellt von der Unteren Naturschutzbehörde und der Biologischen Station des Kreises Mettmann, sieht die Rücknahme des Waldsaum an den Rändern der beiden Niedermoorkerne um 60 bis 100 Meter vor. Die Freiflächen sollen als Heidefläche entwickelt werden. Die Umsetzung der weiteren erforderlichen Maßnahmen soll im Rahmen des integrierten EU-Life-Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ erfolgen.

Als ehemaliger Vorstand der Biostation D-ME kann ich nur sagen: die Probleme im Further Moor sind seit langem bekannt, daran haben sich schon verschiedene Mitarbeiter der Biostation abgearbeitet. Thomas Hübner, beim LANUV bis vor kurzem Dezernent für Biotopschutz, hat im Further Moor seine Diplomarbeit gemacht, geholfen hat es nichts: Sinnvolle Schutzmaßnahmen sind letztendlich immer wieder an den Forstbehörden gescheitert, die sich nicht an die Umwandlung der Waldbestände machen, sondern lieber das FFH-Gebiet dauerhaft entwerten. Mal sehen ob das jetzt mit Rückenwind vom LANUV besser läuft.

Literatur

HÜBNER, T. (1985): Das Naturschutzgebiet „Further Moor“: Flora, Vegetation, Schutzwürdigkeit und Pflege. Diplomarbeit Universität Düsseldorf, 247 S.

Michels, C., D. Levacher & D. Berger (2019): Das Further Moor trocknet aus. Natur in NRW 2/2019: 39-44

Ellenberg, H. & C. Leuschner (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 6., vollst. neu bearb. Aufl. von C. Leuschner, 1.334 S.

Veröffentlicht 27. Juni 2019 von Armin Dahl in Heideterrasse, Klimawandel, Lebensräume

Honigbienen in Naturschutzgebieten: Kleines Pro und Großes Kontra   2 comments

Die Imkerei ist im Aufwind, seit Jahren wachsen die Zahlen der aufgestellten Völker rasant an, vor allem in den Städten und Ballungsräumen. Das ist zuerst einmal positiv zu sehen, Menschen, die sich intensiv mit der Natur beschäftigen, kann man gar nicht genug haben. Doch natürlich kann jedes Nektartröpfchen und jedes Pollenkorn nur einmal verteilt werden.

Das vermehrte Imkern bedeutet im Umkehrschluss: Für alle anderen Tiere, die auf Pollen und Nektar angewiesen sind, bleibt weniger übrig. Dazu gehören blütenbewohnende Käfer, Schmetterlinge und ihre Raupen, Wanzen, Fliegen, und natürlich die Wildbienen. Im nachfolgenden Text werde ich versuchen ein paar Fakten zusammenzutragen, aber eines schon mal als Zusammenfassung vorab: Imkerei in Naturschutzgebieten der Region widerspricht nach meinem Verständnis dem Schutzgedanken, schadet der angestrebten Artenvielfalt der Insekten. Bienenvölker haben in Naturschutzgebieten nichts zu suchen!

Das Thema ist zugegebenermaßen ein wenig heikel, aus verschiedenen Gründen. Honigbienen und Imker haben in der Bevölkerung ein extrem positives Image, wer sich daran vergreift, muss mit Unverständnis und Gegenwind rechnen.

Da ist zum einen der immer wieder zitierte Spruch von Albert Einstein: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
Niemand kann wollen dass die Menschheit ausstirbt. Aus der Sicht des Entomologen möchte man allerdings rufen: „Albert, wärst Du doch bei Deinen Elementarteilchen geblieben„. Denn von Elektronen und Quanten hat die Ikone der Physik mit Sicherheit mehr verstanden als von Blütenbiologe, Bestäubung und Artenvielfalt. Einstein selbst würde diesen diesen Vorwurf wohl gut verschmerzen, hat er doch mit seinen Theorien das alte Denkgebäude der Physik zum Einsturz gebracht und der Fachwelt auch noch symbolhaft die Zunge herausgestreckt. Paradigmenwechsel, nach Wikipedia „Wandel grundlegender Rahmenbedingungen für einzelne wissenschaftliche Theorien“, waren sozusagen Einsteins Lebensleistung. Bezogen auf die Bienen heisst das hier: Nicht alles was summt ist gut!

Zum zweiten hat wahrscheinlich jeder ordentliche Deutsche schon mal im Biologieunterricht vom Schwänzeltanz der Bienen gehört. Für dessen Entdeckung hat Karl Ritter von Frisch, Zoologieprofessor aus München und einer der Väter der Verhaltensforschung, 1973 den Nobelpreis für Medizin erhalten hat, zusammen Nikolaas Tinbergen und Konrad Lorenz. Wie die Bienen untereinander kommunizieren und die Himmelsrichtung guter Pollen- und Nektarquellen weitererzählen ist bis heute fester Bestandteil der Biologie-Lehrpläne, jeder kennt das Insekt. Bienenkunde und Imkerei haben in Deutschland eine lange gepflegte Tradition, die Organisation der deutschen Imker hat einen straff hierarchischen Aufbau. Etwa 3.000 Imker-Ortsvereine gibt es in Deutschland, darüber Kreisimkervereine, Landesverbände, der Deutsche Imkerbund e.V. (DIB) als Dachverband vertritt nach eigenen Angaben über 120.000 Imker.

Die Bundesländer finanzieren eine ordentliche Infrastruktur rund um die Honigbiene, leisten eine bisher vom Steuerzahler klaglos hingenommene Lobbyarbeit. Neben den Imkerverbänden gibt es zudem einen ganzen Stall voller staatsnaher Institute, u.a. für Bienenkunde, Forschung zu Bienenkrankheiten, Zusammensetzung des Honigs, „Bienenverträglichkeit“ von Spritzmitteln, Absatzförderung für das Endprodukt Honig usw.

Auf der Webseite des DIB ist zu lesen: „Reiche Ernten, üppiges Wachstum und natürliche Artenvielfalt hängen stark von Bienen ab“. Dank der Bestäubung von Kulturpflanzen durch Bienen werden angeblich höhere und gesicherte Erträge erzielt. Der Wahrheitsgehalt und die Sinnhaftigkeit der Sache an sich wird nur selten hinterfragt. Und wenn doch, so erhebt sich gegen die Mahner sofort das was neuerdings als „shitstorm“ bezeichnet wird: Man gilt als Spinner und macht sich halt keine Freunde, wenn man gegen die herrschende Stimmung anschreibt. Davon konnte übrigens auch Albert Einstein ein Lied singen, dessen Fachkollegen noch an ihren mechanischen Äthermodellen hingen. Ich selbst habe vor ein paar Jahren mal einen Vortrag zu dem Thema in der Biostation gehalten, vor Fachpublikum. Damals ging der Vetreter der Landwirte im Kreis Mettmann wie ein HB-Männchen an die Decke, als ich einfach mal die Fakten präsentiert habe.

Die Behauptung, rund 85 % der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau hingen in Deutschland von der Bestäubung der Honigbienen ab, (Deutscher Imkerbund), ist eine ziemlich steile These! Wer sich einmal in halbwegs intakter Landschaft vor einen blühenden Obstbaum stellt, der kann ein Heer verschiedenster Insekten beobachten, die alle zusammen an der Bestäubung der Blüten mitwirken: Am Tag sind es Käfer, Schmetterlinge, Hummeln, Schwebfliegen, Wildbienen, bei Dunkelheit zahlreiche Nachtfalterarten („Motten“), die sich von Nektar und Pollen ernähren und dabei die Äpfel, Birnen, Kirschen usw. befruchten.

Und dazu mal eine andere Überlegung: Man stelle sich einfach einmal vor, jede Blüte an einem Apfelbaum würde sich zu einem Apfel entwickeln. An jedem kleinen Ästchen kommen Dutzende von Knospen zur Blüte, wäre der Baum überhaupt in der Lage, die Fruchtansätze zu versorgen, würde er im Sommer unter der Last der Früchte zusammenbrechen. Der Baum oder Strauch entscheidet also selbst, wie viele Früchte sich entwickeln können, und der Rest der Fruchtansätze muss sowieso abgeworfen werden. Jeder kennt sie, diese kleinen grünen Kügelchen unter den Bäumen nach dem Laubaustrieb: überschüssige bestäubte Fruchtstände.

Und noch ein paar Zahlen, alle aus offiziellen Imkerverbands- oder Behördenseiten: Für 1 Kilo Honig müssen die Völker ca. 3 Kilogramm Nektar eintragen. 25.000 Tonnen Honig produzierten die Imker in Deutschland im Jahr 2018, nach Zahlen des Deutschen Imkerbundes. Für 1,5 kg Wachs – das ist die durchschnittliche Jahresproduktion eines Volkes – verarbeiten die Bienen zusätzlich ca. 15 kg Honig und 1,5 kg Blütenstaub. Und auch der Honigbienen-Nachwuchs braucht Pollen als Nahrung: Ein Bienenvolk verbraucht insgesamt ca. 30 Kilogramm Pollen pro Jahr.

Bei geschätzten 800.000 Bienenvölkern in Deutschland kommen da astronomische Mengen an Nektar und Pollen zusammen, die aus der Natur entnommen werden. Und natürlich damit den übrigen einheimischen Insekten nicht zur Verfügung stehen.

25.000.000 kg Honig X 3 (Nektar“) = 75 Millionen Kilogramm Nektar

800.000 (Völker) x 30 (Kilogramm pro Volk) =24 Millionen Tonnen Pollen
Es geht also gar nicht um die Frage, OB Honigbienen und der Rest der Insektenwelt in Konkurrenz zueinander stehen, sondern nur WIE STARK sie konkurrieren. Die Honigbienen fliegen zudem in großen Zahlen durch die gesamte Vegetationsperiode, und sammeln bei einer Vielzahl von Pflanzenarten Pollen und Nektar. Damit konkurrieren sie praktisch mit allen anderen pollenfressenden Arten, die oft auf eine einzige Pflanzenart angewiesen sind (der Fachausdruck dafür ist „oligolektisch“). Ohne reichhaltige Insektenwelt in der freien Landschaft gibt es auch keine Vögel, Feldlerche und Kiebitz lassen schön grüßen.

Bekannte Bienenstände rund um die Ohligser Heide. Grafik: A. Dahl

Und jetzt kommen wir mal wieder zurück ins Niederbergische: Seit Jahren regen sich die Wildbienenfreunde der Region über die Zustände in der Ohligser Heide auf, wo rund um die ziemlich kleine Heidefläche eine Menge Bienenvölker aufgestellt wurden. Wohlgemerkt mit ausdrücklicher Förderung der Stadt Solingen, nachzulesen zum Beispiel in der Rheinischen Post.

In der Verordnung über das Naturschutzgebiet Ohligser Heide in der Kreisfreien Stadt Solingen vom 28. August 1957 steht in

§ 3
1)Im Bereich des Naturschutzgebietes dürfen Maßnahmen, die eine Veränderung oder Beeinträchtigung der Natur herbeiführen, nicht vorgenommen werden.
Im Bereich des Schutzgebietes ist im einzelnen folgendes verboten:
a) Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen, […] freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, für ihren Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen,
[…]
e) Pflanzen oder Tiere einzubringen.
[…]
Man sollte also denken, dass die Solinger Verwaltung das vergleichsweise kleine Schutzgebiet nicht zusätzlich durch das Aufstellen von Nutztieren wie der Honigbiene unter Druck setzt. Hätte, sollte, schön wäre…

Ausgewogener Unsinn

Die Honigbiene ist ein Konkurrent der Wildbiene – mit Werbung für den Imkerverein. Screenshot aus dem Solinger Tageblatt

Nachdem das Insektensterben in aller Munde ist, wollte auch das Solinger Tageblatt nicht zurückstehen und folgte dem lokalen Wildbienen-Matador Hans-Jürgen Martin in die Ohligser Heide. Die Honigbiene ist ein Konkurrent der Wildbiene, lautet der Titel des daraus resultierenden Artikelchens. Dann muss es den Zeitungsmachern aber doch bange geworden sein, denn als Werbung im Artikel ist ausgerechnet Werbung für den Honigverkauf des Imkervereins eingeblockt. Dafür gibts an dieser Stelle mal

Ubrigens, bevor jetzt jemand aufspringt und sagt, Armin, Du hast ja keine Ahnung wovon Du sprichst: Ich finde Honigbienen toll! Ich bin als Kind mit Bienen aufgewachsen, mein Vater hatte ein paar Völker der damals beliebten „Italiener“-Bienen. Damals gab es noch keine Varroa-Milben und im Winter saßen wir da und haben Wachsplatten gegossen und in Holzrähmchen geklebt, für die Waben der Sommersaison. Im Studium hatte ich dann das Glück, einen Platz im Bienenpraktikum zu erwischen, einen Sommer lang haben wir unter Leitung von Peter Rosenkranz den Bienenstand der Uni Tübingen unsicher gemacht – der kleine Hochschul-Assistent Rosenkranz war damals schon ein Freak und ist heute Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim. Mein Nachbar im Tübinger Vorort Lustnau war zu dem Zeitpunkt der „Bienen-Paul„, dessen Buch über die Wildbienen Baden-Württembergs ist immer noch der Goldstandard für Publikationen in Deutschland. Der Paul ist ein unabhängiger Geist und hat seit Jahrzehnten sein eigenes Wildbienen-Institut, und alle Diskussionen über Konkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen haben wir schon von dreißig Jahren intensiv geführt.
Was damals allerdings gefehlt hat ist das Wort „Insektensterben“. Seinerzeit hatten wir keine rechte Vorstellung von dem was draussen so vorgeht, und die Landwirtschaft war auch noch lange nicht so mörderisch effizient wie heute.

Ihr lieben Imker, nehmt es nicht krumm, aber Bienenhaltung ist eine ziemlich intensiv landwirtschaftliche Nutzung, auf Kosten der übrigen Insektenwelt.
Das gilt übrigens auch für alle die – neuerdings im Trend – in den Städten imkern, und glauben damit „der Natur“ etwas gutes zu tun. Wo zu viele Bienen fliegen verschwinden andere Arten, in der Ohligser Heide sei nur als Beispiel die Heidebiene Colletes succinctus genannt, die auf den Pollen des Heidekrautes angewiesen ist.

Naturschutzverbände bekommen regelmäßig Anfragen von Imkern, die in den mühevoll von den lokalen Aktivisten gepflegten Schutzgebieten, Steinbrüchen, Obstwiesen usw. ihre Bienenvölker aufstellen wollen. An dieser Stelle noch mal meine Meinung dazu: Bienenvölker beuten diese Gebiete ganz erheblich aus, sie haben in Schutzgebieten, Randstreifen und eigens angelegten Ökowiesen nichts zu suchen!

Veröffentlicht 23. April 2019 von Armin Dahl in andere Insekten, Heideterrasse, Insektensterben, Umwelt

Bergische Heideterrasse zwischen Friedhof, Autobahn und Deponie   Leave a comment

Die Planung für die Feldsaison 2019 läuft! Heute habe ich mir einen kleinen Auslüfte-Spaziergang gegönnt, in eine Ecke des Kreises Mettmann, in die man normalerweise freiwillig keinen Fuß setzt.
Auf dem Luftbild ist zwischen Rhein und Wupper im Raum Monheim-Leichlingen fast nur Siedlungsbrei zu erkennen, hier geht auch gewerbetechnisch voll die Post ab. Das Gelände ist eben, Autobahnen und Bahnstrecken reichlich vorhanden, und Städte wie Monheim laden mit niedrigen Steuern zum Flächenfraß ein: Naturschutz findet hier nur auf winzigen Restflächen statt.
Der Kapeller Weg in Langenfeld endet am Kommunalfriedhof, immerhin ist hier ein wenig Wald übriggeblieben. Aber die Autobahnen A3 und A542 rauschen mächtig im Hintergrund, hier möchte ich jedenfalls nicht begraben sein. Im weiteren Verlauf heißt die Straße „An der Glashütte“, und hier muss er irgendwo sein, der klägliche Rest der „Leichlinger Sandberge„.
Die „Berge“ sind eigentlich nur ein paar ehemalige Dünen entlang des Rheins, mittlerweile ist fast alles ein Opfer der Baustoff- und Glasindustrie geworden. Dafür entstehen neue Berge: Trotz jahrzehntelanger Proteste der Initiative „Rettet die Sandberge“ wurde und wird in Langenfeld der zweite Bauabschnitt der Mülldeponie aufgebaut, bis 2030 soll es dort noch weitergehen mit Verfüllen und Rekultivieren.

Immerhin ist im Zuge der Ausgleichsmaßnahmen ein kleiner Ersatzlebensraum entstanden, ein südostexponierter, sonniger Sandhang, dort hat die Zauneidechse ein kleines Refugium bekommen. Und dort finden sich vielleicht auch noch Reste der ehemaligen Schmetterlingsfauna der Sandberge, zum Beispiel der im STAMM (1981) beschriebene Rotrandbär Diacrisia sannio, der früher in der Region anscheinend verbreitet war. Hier mal eine Auswahl der im STAMM genannten (und bisher nicht edv-mäßig erfassten) Fundorte: Düsseldorf-Eller; Hildener Heide; Sandberge/Leichlingen; Wipperfürth; Ronsdorf; Radevormwald.

Momentan fliegt praktisch nichts, aber trotzdem gilt die Regel: Kein Spaziergang ohne Datensatz! Und auch der winterlich kahle Buchenwald am Spürklenberg liefert innerhalb weniger Sekunden ein erstes Ergebnis: Zimmermannia liebwerdella, die Buchenrinden-Zwergminiermotte, kommt hier reichlich vor. Dieses winzige Luftplankton habe ich als Falter zwar noch nie gesehen, aber ihre Minen verzieren die nach Süden zeigende Seite der Stämme, und der Fund liefert ein weiteres kleines Kästchen auf der Verbreitungskarte.

Minen von Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940), Langenfeld, Spürklenberg, 27. Dezember 2018 (Foto: Armin Dahl)

Minen von Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940), Langenfeld, Spürklenberg, 27. Dezember 2018 (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 28. Dezember 2018 von Armin Dahl in Auf Tour, Heideterrasse, Lebensräume, Mikros

Prozession schon wieder weg   1 comment

Thaumetopoea processionea (L.) – Eichen-Prozessionsspinner. Hilden, 4. Juni 2018 (Foto: Armin Dahl)

Fronleichnam ist schon vorbei, und auch die Schmetterlinge scheinen das zu spüren.

Heute habe ich zum ersten Mal ein Nest des Eichen-Prozessionsspinners im Hildener Stadtwald gefunden. Das halbkugelige Gespinst mit den Raupenhäuten hing +/- verlassen an einem Wanderweg in 2m Höhe, offenbar waren die meisten Raupen schon Richtung Verpuppungsplatz davongezogen.. Nur zwei Raupen saßen noch herum, die eine hier im Bild. Manch einen juckt es schon vom hingucken. Toi toi toi, ich habe ein „dickeres Fell“ und konnte sie in Ruhe fotografieren ohne gleich Pickel zu bekommen.

So wie das Tier herumsaß, mit leicht eingezogenem „Buckel“, dauert es nicht mehr lange bis es sich verpuppt. Und das bedeutet, im Jahr 2018 wird es sehr früh losgehen mit der Flugzeit der Falter, die normalerweise erst Mitte juli erscheinen.

Ob die Art im trockenen Frühjahr optimale Bedingungen hatte? Thaumetopoea processionea ist bisher im Kreis Mettmann und auf der gesamten Heideterrasse immer nur in einzelnen Exemplaren am Licht aufgetaucht, und nicht gerade häufig. Und ausserdem muss man ja auch an die armen Schlupfwespen denken, die wollen ja auch was zu tun haben.

Eine ziemlich umfassende Dokumentation über die Wirkweise der Brennhaare und des darin enthaltenen Giftes Thaumetopoein findet sich auf den Seiten des Bundesamts für Naturschutz unter folgendem Link:

https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/Skript_365.pdf

 

Veröffentlicht 4. Juni 2018 von Armin Dahl in Heideterrasse, Raupen, Spinner

Wider den Trend: Heidelandschaft selbst gemacht   3 comments

„Was machst Du da Papa???“ 

„Ich pflanze mir eine Heide!“

JETZT SPINNT ER DANN KOMPLETT!. Die Schriftzeichen auf der Stirn meines Sohnes sind auf 10 Meter Entfernung mühelos zu entziffern. Etwas anderes war auch nicht zu erwarten, von einem techno-affinen Oberschüler, der bisher keinerlei Begeisterung für Gartenarbeit hat erkennen lassen – kurzgetrimmte, topfebene Rasenflächen rund um den Grill ausgenommen.

Ich krieche derweil auf den Knien in meiner Schafweide herum, buddele mit den bloßen Händen im Dreck, und grinse in mich hinein. Die Schafe haben auch schon so blöde geglotzt, als ich sie mit dem Elektrozaun aus einer kleinen Fläche ausgesperrt habe, auf der die „Dahlsche Heide“ entstehen soll. Ja richtig: Ich pflanze meine eigene Heide. Und zwar genau vor der Haustür. Und wenn mich alle für bescheuert halten, das musste einfach sein. Wollen wir doch erst mal sehen ob ich nicht dem ganzen Artenschwund und der Verinselung auf der Bergischen Heideterrasse ein Schnippchen schlagen kann!

Vor ein paar Jahren habe ich die Wiese vor meinem Haus gekauft, die war nach dem 2. Weltkrieg auch schon mal Haferfeld. Auf der stehen schon seit mehr als 15 Jahren meine Schafe, und der Sandboden ist ordentlich ausgemagert. Und vor einer Woche habe ich mit der Hife der Biostation Solingen einen Hänger voll Plaggen aus dem Heidegarten in der Ohligser Heide geholt, als Impfmaterial für meine Privatheide. Eine Wiedehopfhacke habe ich mir auch noch geleistet, das ist das ultimative Arbeitsgerät für alle die sich im Abplaggen und Wiedereinpflanzen von Besenheide, Ginster und anderen Sträuchern üben wollen.

Zwei Stunden abplaggen zu dritt, drei Stunden einpflanzen, fertig ist die Heide. Jedenfalls ein paar wenige Quadratmeter, und einen stabilen Zaun muss ich auch noch drum herum bauen, sonst zuppeln die Schafe alles wieder heraus. Der Thymian, von dem ich letztes Jahr ein paar Pflänzchen aus der Wahner Heide mitgenommen hatte, blüht schon mal. Und in ein paar Jahren kann ich mir dann hoffentlich das aufwendige Herumfahren sparen und typische Pflanzenarten wie Besenheide, Ginster und vielleicht das Sandglöckchen bei mir vor der Haustür begrüßen. Und wenn das erst mal soweit ist dann sind auch die typischen Heide- und Offenland-Falter nicht mehr weit.

Der Rücken tut weh vom ungewohnten Arbeiten, das Gerät ist aufgeladen, noch ein letzter Blick auf die Fläche, man sieht fast keine Veränderung zu vorher. Aber als ich wieder unter der Dusche herauskomme steht ein prächtiger Regenbogen über der Wiese, als gutes Omen für die kommende Heidefläche.

Veröffentlicht 22. Oktober 2017 von Armin Dahl in Heideterrasse, mehr Lepis, Pflege

40 Makros, endlich Frühling!   Leave a comment

Am Vortag gab´s noch Reif auf meiner Wiese und null Anflug ans Licht, aber gestern kam dann endlich mal eine ordentliche Warmfront aus Süden angerauscht. Anlass genug für einen kleinen abendlichen Sprung in die Ohligser Heide, die praktischerweise direkt vor meiner Haustür liegt.
Beim Aufbau der Lichtanlage gab´s erst einmal Waldschnepfenstrich, leider ist die Ohligser Heide wegen der nahen A 3  vom Schwerverkehr dermaßen verlärmt, daß man die Tiere immer erst im letzten Moment hören kann.
Zum ersten Mal in 2017 musste das Anti-Brumm eingesetzt werden, aber das nehme ich als Zeichen für guten Anflug immer gerne in Kauf.  Zwei Stunden später standen dann immerhin 40 Makro-Arten auf dem Zettel, darunter etliche typische Heidetiere und Großwild wie Kiefern- und Lindenschwärmer. So kann es wegen mir weitergehen mit dem Frühling!

Lichtfangprotokoll, Solingen, Ohligser Heide, 11. Mai 2017

Veröffentlicht 12. Mai 2017 von Armin Dahl in Arten / Listen, Heideterrasse, Phänologie

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