Archiv für die Kategorie ‘Klimawandel

Kamillenmönch unterwegs   3 comments

Cucullia chamomillae – Kamillenmönch, Gilsdorf, Juni 2020 (Foto: Ralf Dahlheuser)

Cucullia chamomillae – Kamillenmönch, Gilsdorf, Juni 2020 (Foto: Ralf Dahlheuser)

Aktuell haben wir das dritte Frühjahr hintereinander mit hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen, auch sind an vielen Stellen Ackerrandstreifen angelegt worden.

In der Folge scheinen mir die typischen Ruderalflur- und Steppenbewohner unter der einheimischen Fauna doch etwas im Vorteil zu sein.

So sind an verschiedenen Stellen in Nordrhein-Westfalen aktuell die Raupen von Cucullia chamomillae gefunden worden, zum Beispiel in Remscheid-Grund, Fröndenberg an der Ruhr, [Nachtrag: Nümbrecht] und auch in Gilsdorf, einem Stadtteil von Bad Münstereifel in der Eifel.

Die auffälligen Raupen sitzen gut sichtbar auf ihren namensgebenden Nahrungspflanzen, können sehr bunt sein oder auch fast weiß.

Die letzten Nachweise in unseren Daten liegen schon viele Jahre zurück, weitere Meldungen wären toll!


Nachtrag 1. Juli 2020:
Wer suchet, der findet:  ist ein Video von einer frisch gehäuteten Raupe zu sehen, aufgenommen in Haan-Gruiten, 1. Juli 2020

Veröffentlicht 24. Juni 2020 von Armin Dahl in Eulenfalter, Klimawandel, Raupen

Spätsommernacht am Mittelrhein   2 comments

Der Mittelrhein nördlich von Koblenz bis zur Landesgrenze bei Unkel ist faunistisch ein Paradies, und mit dem Auto brauche ich von Haan aus dorthin gefühlt auch nicht länger als nach Wipperfürth. 85 Kilometer Luftlinie sind es nur von meiner Haustür bis zur Burg Hammerstein, der ältesten Burg des Mittelrheintales, und Daten aus dem Umfeld von Hammerstein und Leutesdorf sind praktisch keine vorhanden. Im Gegensatz zur Rheinbrohler Lay, einem schönen passabel erforschten Felsausguck zwei Kilometer weiter nördlich. Genau das richtige also für einen entspannenden Leuchtabend im Oktober, ganz faul mitten auf dem Weinbergsweg unterhalb der Burg.

Zielarten waren die typischen Fels- und Trockenwaldbewohner, bei dem warmen Wetter mit Südströmung waren auch noch späte Wanderfalter zu erwarten: Mosel und Mittelrhein sind immer für Überraschungen gut. Für die Graubraune Eicheneule Dichonia convergens hat es zwar dieses Mal nicht gereicht, aber beschweren will ich mich nicht: Nach drei Stunden schaute der Vollmond um die Ecke und lieferte ein phantasisches Nachtpanorama, die Artenliste war mit 20 Großschmetterlingsarten halbwegs ordentlich. Und der letzte Falter am Licht war natürlich mal wieder der Kracher, bezeichnenderweise saß er in der Lichtfalle mitten in den Weinbergen: Eublemma purpurina, das dürfe dann locker die dritte Generation in diesem Jahr sein.

Ein interessanter Fund anbei: Der Kleine Felsen-Bindenspanner – Coenotephria salicata, hier scheint die 2. Generation in trockenen Sommern die Flugzeit nach hinten zu verschieben, beschrieben ist das allerdings nur anhand von Material aus Südfrankreich. (EBERT Bd. 8: 324). In der „Baden-Württemberg-Fauna“ finden sich keine Okober-Daten von E. salicata. An der Mosel und am Mittelrhein sieht das offenbar schon ganz anders aus, von dort haben wir etliche Oktober-Funde in den Daten.

Und wie sich das für einen „goldenen“ Okober gehört, gab es auf der Heimfahrt noch einen kleinen Temperaturrekord:  Im Raum Leverkusen/Langenfeld schrammte das Wetter nachts um 23.00 Uhr mit 18°C nur knapp an einer tropischen Nacht vorbei.

 

Veröffentlicht 13. Oktober 2019 von Armin Dahl in Auf Tour, Eulenfalter, Klimawandel

Danke, Yvonne, für diese Nacht!   4 comments

 

Stilleben mit Leuchtturm und Sandalen, Haan Spörkelnbruch 25 Juli 2019, 06.45 Uhr, 24′ Celsius 

Die Flugaktivität der nachtaktiven „Motten“ ist in tropischen Nächten besonders hoch, die Daten-Erfassung artet in Arbeit aus. Geschlafen wird stattdessen in der Nachmittagshitze.

In Europa purzeln die Temperaturrekorde, eine Schwall Saharaluft, angetrieben von Hochdruckgebiet „Yvonne“, erreicht den Westen Deutschlands. Kein Witz: die heißeste Stadt Deutschlands ist – wenn auch wahrscheinlich nur für einen Tag – das beschauliche Geilenkirchen an der holländischen Grenze. 40,5 Grad heiß war es dort am 24. Juli 2019.

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Lycophotia porphyraea, verwackelt, aber unverkennbar

Ein Datum das auch mir im Gedächtnis bleiben wird: Die 60-Arten-Makros-Grenze knacke ich in meinem Garten nur sehr selten, aber vergangene Nacht war es dann mal wieder so weit.

Angetrieben von den tropischen Temperaturen scheinen die Motten ihren Aktionsradius zu erweitern, vergangene Woche hat es zudem einmal kurz aber kräftig geregnet, so dass etliche Arten frisch geschlüpft sind.

In solchen Nächten erscheinen dann die dicksten Brocken, Kiefernschwärmer, Weidenbohrer, Grasglucke, zudem kann man in der Nähe des Leuchtturms kaum mehr atmen, dort wuselt ein Heer von kleinen Krabbeltieren herum.

„Beste“ Art in der abgelaufenen Nacht war die an Heidekraut lebende Lycophotia porphyrea, deren nächste Entwicklungslebensräume in Luftlinie etwa 1,5 Kilometer entfernt auf dem Sandberg in Hilden liegen.
Häufigste Art bei den Makros war die hübsch grüne Cryphia algae mit einem Dutzend Tieren, dicht gefolgt vom Eichenprozessionsspinner, der seit zwei Tagen unterwegs ist und mit 10 Tieren ans Licht kam.

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Eichenprozessionsspinner bei der Fortpflanzung. Haan, Spörkelnbruch, 25. Juli 2019 (Foto: Armin Dahl)

62 Arten Großschmetterlinge standen beim Ausschalten der Anlage um halb sechs auf dem Zettel. Etliche davon sind erst nach 03.00 Uhr Morgens angeflogen – 2 1/2 Stunden Schlaf müssen in solchen Nächten mal reichen: wer da nicht wach bleibt ist kein richtiger „moth maniac“.


Kleiner Nachtrag vom 25. Juli: Heute habe ich auf meinem Thermometer (hängt im Kirschbaum im Schatten) 40,4°C gemessen, um 17.00 Uhr.

Veröffentlicht 25. Juli 2019 von Armin Dahl in EPS, Heideterrasse, Klimawandel, Phänologie

Das Further Moor trocknet aus – wenn nichts passiert!   Leave a comment

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Further Moor im Jahr 2009: Nadelwald zieht das Wasser aus den Flächen (Foto: Armin Dahl)

Der Wald rundherum muss weg! Nicht in der Schärfe, aber inhaltlich genau so formulieren es die Autorinnen in einem Artikel in der vom LANUV herausgegebenen Postille „Natur in NRW“, der sich um die schleichende Entwässerung  des Further Moors dreht. Das 42 Hektar Fläche umfassende Naturschutzgebiet (NSG-Kennung ME-001) liegt auf der Bergischen Heideterrasse zwischen Langenfeld und Leichlingen und wurde schon 1937 unter Schutz gestellt. Das Further Moor ist momentan die einzige bekannte Flugstelle vom Heidespanner  – Ematurga atomaria – im gesamten Kreis Mettmann. Früher kam hier auch noch der Rotrandbär Diacrisia sannio vor, von dem wir keine aktuellen Nachweise aus der Region haben. Wir haben vor vielen Jahren dort ein paarmal Lichtfang gemacht, in Erinnerung ist mir dort nur ein Vogel – dieWaldschnepfe – geblieben.

Entscheidend für die Moorhydrologie im Further Moor und anderswo ist die Verringerung des sommerlichen Wasserdefizits. Die Autorinnen des Artikels arbeiten dabei schön heraus, wie der Wald das Wasser aus dem Moor zieht. Bekanntlich liegt übertrifft die Grundwasserspeisung von Calluna-Heide, die durch niedrigen und lückigen Wuchs charakterisiert sind, diejenige der Wälder um 30 bis 50 Prozent.

Monatsmittelwerte der klimatischen Wasserbilanz für das Naturschutzgebiet
Further Moor; blau gestrichelte Säulen: potenzielle Wasserspende durch die Umwandlung von Wald in Calluna-Heide auf Basis der lokalen Niederschlags-Monatsmittelwerte 1981 bis 2010 (Quelle: Natur in NRW, Nr. 2/2019)

Ein Maßnahmenkonzept für den sechs Hektar großen offenen Moorbereich des Further Moors, erstellt von der Unteren Naturschutzbehörde und der Biologischen Station des Kreises Mettmann, sieht die Rücknahme des Waldsaum an den Rändern der beiden Niedermoorkerne um 60 bis 100 Meter vor. Die Freiflächen sollen als Heidefläche entwickelt werden. Die Umsetzung der weiteren erforderlichen Maßnahmen soll im Rahmen des integrierten EU-Life-Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ erfolgen.

Als ehemaliger Vorstand der Biostation D-ME kann ich nur sagen: die Probleme im Further Moor sind seit langem bekannt, daran haben sich schon verschiedene Mitarbeiter der Biostation abgearbeitet. Thomas Hübner, beim LANUV bis vor kurzem Dezernent für Biotopschutz, hat im Further Moor seine Diplomarbeit gemacht, geholfen hat es nichts: Sinnvolle Schutzmaßnahmen sind letztendlich immer wieder an den Forstbehörden gescheitert, die sich nicht an die Umwandlung der Waldbestände machen, sondern lieber das FFH-Gebiet dauerhaft entwerten. Mal sehen ob das jetzt mit Rückenwind vom LANUV besser läuft.

Literatur

HÜBNER, T. (1985): Das Naturschutzgebiet „Further Moor“: Flora, Vegetation, Schutzwürdigkeit und Pflege. Diplomarbeit Universität Düsseldorf, 247 S.

Michels, C., D. Levacher & D. Berger (2019): Das Further Moor trocknet aus. Natur in NRW 2/2019: 39-44

Ellenberg, H. & C. Leuschner (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 6., vollst. neu bearb. Aufl. von C. Leuschner, 1.334 S.

Veröffentlicht 27. Juni 2019 von Armin Dahl in Heideterrasse, Klimawandel, Lebensräume

Taubenschwänzchen: Überwinterer im Rheinland   3 comments

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Wenn es nicht gerade Mitte Februar wäre, dann würde sich bei schönstem Sonnenwetter und Temperaturen über 15°C niemand wundern: In den vergangenen Tagen sind an verschiedensten Stellen der Region Taubenschwänzchen aktiv gewesen, und zwar an Primeln, Hyazinthen und – das gabs noch nie – an Krokus!
Und zwar sowohl in der Innenstadt von Mainz, im klimatisch begünstigten Ahrtal, aber auch mitten in Düsseldorf und sogar in Wuppertal.

Normalerweise fliegen im Niederbergischen die ersten Falter von Macroglossum stellatarum erst im späten Frühjahr ein, Überwinterer fliegen im April an wenigen wirklich heißen Plätzen, wie der Untermosel und im Nahetal.

Taubenschwänzchen am 18. Februar 2019 in Ahrweiler (Foto: Kira Ippendorf)


Im Jahr 2017 allerdings scheint es auch schon sehr früh losgegangen zu sein, Pat Nash hatte den ersten Falter in Düsseldorf-Stockum am 24.03.2017. Im vergangenen Jahr zum Beispiel wurde der erste Falter nach unseren Daten in Hatzenport / Mosel gesichtet, am 21.04.2018.

Damit scheint sich in unserer Region eine Population zu etablieren, die im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr im Herbst abwandert, sondern als Imago überwintert. Das gleiche Phänomen haben wir in den zurückliegenden Jahrzehnten von anderen Tagaktiven Faltern gesehen, so hat der Admiral (Vanessa atalanta) mittlerweile in der Region fest etabliert und überwintert in verschiedenen Stadien.

Man möchte jetzt „Klimawandel“ schreien, aber da ist Vorsicht angebracht: Bereits in den frühen 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die großen Naturschutz-Themen noch „Waldsterben“ und „Ozonloch“ hießen gab es das gleiche Phänomen. „Können Admiral und Taubenschwanz bei uns überwintern?“ fragte seinerzeit Helmut Kinkler (1992) in der Melanargia, und meldete Taubenschwänzchen von Anfang März aus Nassau, und Admirale aus dem Februar.

Veröffentlicht 18. Februar 2019 von Armin Dahl in Klimawandel, Phänologie, Wanderfalter

Gutes Jahr für Bärenspinner   2 comments

Auch in extrem gut untersuchten Gebieten ist man vor Überraschungen nicht gefeit. In manchen Jahren scheinen einzelne Arten oder Gruppen einen regelrechten „Lauf“ zu haben und tauchen auch an Stellen auf, an denen man das nicht vermuten würde.

Ein solches extrem untersuchtes Gebiet liegt an der Stadtgrenze von Leverkusen im Ortsteil Gronenborn. Hier hat einer der Altmeister der Rheinischen Schmetterlingskunde, Helmut Kinkler, jahrzehntelang alles unter die Lupe genommen was kreucht und fleucht, und im Jahr 2012 eine Schmetterlingsliste mit stolzen 469 Arten publiziert. Darunter alleine neun Bärenspinner-Arten. (senex, depresssa, lurideola, sororcula, fuliginosa, lutea, lubricipeda, mendica und caja).

Interessanterweise findet sich dort kein Nachweis von Pelosia muscerda, die ja auf der nördlich anschließenden Heideterrasse ein typisches Teil der Feuchtgebietsfauna und zum Teil sehr häufig nachgewiesen ist. Aus dem gesamten Stadtgebiet von Leverkusen gibt es von der Art nur einen einzigen Nachweis, aus dem Jahr 1974, aus Leverkusen – Steinbüchel. Gronenborn liegt auf etwa 140m NN, dort riecht es schon ein wenig nach Bergischem Land, und vielleicht ist deshalb Pelosia muscerda nicht zu finden. Und die frisch von Süden eingewanderte Eilema caniola, die aktuell schon wieder in den Städten ans Licht fliegt (Mai 2018 z.B. Wuppertal und Dormagen) war zum Zeitpunkt der Publikation im Jahr 2012 einfach noch nicht im Gebiet vorhanden.

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Eine echte Bergland-Art würde man aber in Gronenborn auch nicht unbedingt erwarten. Umso größer die Überraschung des Leverkusener LNU-Aktivisten Sascha Eilmus, der bei einer Exkursion am 27. Mai ein Exemplar vom Wegerichbär Arctia plantaginis (L.) aus einem Spinnennetz gezogen hat. Das ist schon der dritte Nachweis dieses seltenen Bärenspinners aus 2018 in unserer Region, die beiden anderen gelangen in Wuppertal-Marscheid auf der Stromtrasse und in Hagen (Josef Bücker).

Soll man sich über den Klimawandel beklagen? Das trockene und extrem warme Frühjahr 2018 nach dem kalten Winter beschert uns schöne und seltene Falter. Wegerichbär, Spanische Flagge, Schönbär und Co.: Davon können wir ruhig noch ein paar Populationen vertragen !

Und à propos Aktivisten: Die Naturschützer rund um Sascha Eilmus und die LNU Leverkusen haben eine schlaue Idee in die Tat umgesetzt: Mit der Gründung der Offenland Stiftung setzen sie sich für den Erhalt und die Schaffung von Offenlandhabitaten wie Blumenwiesen und Streuobstwiesen mit ihren vielfältigen und bedrohten Pflanzen- und Tierarten in Leverkusen und der Umgebung ein.  Ein Modell das es sich vielleicht anzuschauen lohnt, wenn es um Pflege, Finanzierung und Erwerb von wertvollen Grundstücken und Naturschutz abseits der Behördenmühlen geht.


Literatur:

KINKLER, H. (2012): Schmetterlinge des Naturschutzgebietes „Gronenborner Teiche” in Leverkusen
(Nordrhein-Westfalen). Melanargia, 24: 124-140, Leverkusen

Aaah, noch was vergessen: Was die neue Datenschutzgrundverordnung angeht: Wir machen hier normales Internet-Blogging und sonst nichts. Wer die automatisch versendete Mail bei neuen Beiträgen nicht (mehr) bekommen will kann die einfach abbestellen, entweder über das WordPress-Programm oder direkt an mich per Mail. Ansonsten ist es so dass diese Webseite gerade zum Vernetzen von Menschen mit gleichen Interessen (Schmetterlinge und Naturschutz) ins Leben gerufen wurde und sich an die auch bislang geltenden journalistisch und wissenschaftlich gültigen Regeln hält. Technisch läuft es so ab, dass das Programm bei Besuchern einen sogenannten Cookie setzt, der erkennt wer schon mal da war (damit man zum Beispiel weiß wer schon kommentiert hat und wer geantwortet). Den Cookie kann aber jeder auch in seinem Browser selbst wieder automatisch löschen (Immer-Privat-Surfen Einstellungen). Ansonsten ist das eine Webseite auf der umsonst-Plattform WordPress wie Millionen andere auch. Insofern spare ich mir erst mal eine aufwendige eigene Datenschutz-Grundverordnung. Wir verkaufen nix und verfolgen auch niemand.

Veröffentlicht 29. Mai 2018 von Armin Dahl in Klimawandel, Literatur, Spinner

Die meisten Schmetterlinge gibts im Winter!   1 comment

„Toller Mottenporno“! Der morgendliche Empfang am Arbeitsplatz ist immer ein Ereignis, mein Arbeitskollege stammt aus St. Petersburg und ist ein Spassvogel mit drastischen Sprachbildern. Und er hat ja auch ein bisschen Recht, der gestrige Leucht- und Köderabend hatte es in sich, auch wenn es dabei zu keinerlei erotischen Aktivitäten kam.

Gestartet sind wir bei Einbruch der Dunkelheit im Hasseler Forst, dort führt eine breite Bahn- Gas- und Stromtrasse durch den Eichenwald. Die regelmäßigen Pflegemaßnahmen haben eine Art Niederwald mit reichlich Stockausschlägen hervorgebracht, es gibt an einigen Stellen offenen Sandboden – ein Paradies für Schmetterlinge mitten im Ballungsraum. Der Platz hat es in sich, hier fliegt im Sommer der Pflaumen-Zipfelfalter Satyrium pruni, und der Kaisermantel. Aber momentan geht es um etwas anderes, winteraktive Eulen und die ersten Frühjahrsarten bei den Spannern stehen auf der Wunschliste.

Schnell werden 25 Köderschnüre aus Jute aufgehängt, getränkt mit Glühwein-Zucker-Gemisch 1:2, ein paar Eichen werden auch noch angesprüht, zwei Lampen sollen lichtaffine Falter anlocken. Es ist der 10. Januar, 17.30 Uhr, 8 Grad Außentemperatur, bedeckter Himmel, windstill, der Wetterbericht verspricht ein paar Regentropfen in der Nacht, eine Warmfront zieht heran.

Massenanflug von Conistra vaccinii, Düsseldorf, 10. Januar 2018 (Foto: Armin Dahl)

Mittlerweile ist es ziemlich dunkel, Als ich das erste Mal die Taschenlampe anmache und eine der Köderschnüre kontrolliere, trifft mich fast der Schlag: Massenanflug! Die Köderschnur ist komplett bedeckt von Faltern! Die nächste ebenso! Bei dem Gewimmel kommt man mit dem Zählen kaum nach und übersieht zwischen den sehr häufigen Heidelbeereulen (Conistra vaccinii) fast die einzeln vertretenen anderen Arten. In den 15 Jahren in denen ich jetzt mit Nachtfaltern unterwegs bin habe ich noch nie solch ungeheuren Anflug am Köder gesehen! Also wird schnell das Handy gezückt und ein paar Fotos und ein Video [der „Mottenporno“] gedreht, das direkt nach facebook hochgeladen wird, zur Motivation der KollegInnen die zu Hause auf dem Sofa liegen.

Auch die neue LED-Lampe zieht einiges an Eulenfaltern an, ein einzelner Falter von A. marginaria sitzt im Gebüsch, angelockt oder nicht, auf jeden Fall extrem früh dran dieses Jahr. Die Haselbüsche stauben beim Daraufklopfen ganz ordentlich, die Pollensaison hat begonnen, auch hier kriechen einige Eulenfalter herum. Ob die wohl den Pollen fressen? Viele Eulen sitzen saugend an den Enden von abgeschlegelten Gehölzen, die offensichtlich schon im Saft stehen. Und das am 10. Januar! Zu Hause werden die auf dem Fresszettel notierten Zahlen zusammengerechnet, etwa 1500 Individuen stehen darauf, von 10 Großschmetterlingsarten und einem „Mikro“. Nicht schlecht für zwei kurze Stündchen, an einem frühen Winterabend. Vierstellige Individuenzahlen 10 Tage nach Silvester!

Und zum Thema Insektensterben, auch wenn das politisch nicht korrekt ist: Die Wald- und Waldrandfauna, also die gehölzfressenden Arten, hat mitnichten einen solchen Einbruch zu verzeichnen wie die Offenland-Tiere, die an Gräsern und / oder Kräutern leben. Jedenfalls nicht in der Düsseldorfer Region und schon gar nicht bei den winteraktiven Arten. Die profitieren ganz klar von den milden, warmen Wintern!

Alle Daten findet Ihr unter https://observation.org/gebied/view/259558

Veröffentlicht 11. Januar 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter, Insektensterben, Klimawandel, Phänologie, Spanner

Die letzten Mohikaner?   1 comment

Momentan sind tagsüber nur noch wenige Tagfalter unterwegs, Überwinterer  wie Tagpfauenauge, Admiral, darüber hinaus Weißlinge, vereinzelte Kleine Feuerfalter und verrupfte Bläulinge.

Das Jahr 2017 war – abgesehen von der Feldarbeit – insgesamt ein gutes Jahr für die Entomologie, sind doch unsere Dauerthemen wie Artensterben und Verlust an Biodiversität praktisch den gesamten Sommer hindurch in den Medien herauf und herunter gespielt worden. Artenkenntnis war plötzlich wieder hip! Wurde man vor ein paar Jahren noch als verschrobener Spinner angesehen, hat es sich doch herumgesprochen dass unser aller Passion zu irgend etwas gut sein könnte, Artenvielfalt einen Wert hat! Auf einmal stellt man erstaunt fest wieviele Leute sich früher angeblich mit verdreckten Autoscheiben befasst haben, und wie sehr sie dem Insekten- „Dreck“ nachtrauern, den sie seinerzeit verflucht haben. Damals, als wir noch mit dem Opel Kadett an die Riviera gefahren sind! Und auch der letzte Bedenkenträger wurde wahrscheinlich mit der Tatsache konfrontiert, dass als Hauptverursacher für den allgemeinen Insekten-Rückgang die lebensfeindlichen Methoden in der Landwirtschaft an erster Stelle stehen, mal ganz abgesehen vom Lebensraumverlust durch Überbauung und Verwaldung.

Tatsache? Stimmt das so? Ziemlich  mutig kommen einem heute Angaben wie „überall häufig“ in den älteren Publikationen vor. An heutigen Standards gemessen sind viele der Arbeiten aus der Mitte des letzten Jahrhunderts – vor dem großen Einbruch – nicht sauber durch Zahlen belegt und werden deshalb nicht recht ernst genommmen. Im Rückblick verklärt sich doch so manches, so wie der Opel Kadett heute ein schickes „H“ auf dem Nummernschild führt.

Zum Glück hat sich schon jemand anderes die Mühe gemacht, wenigstens für die jüngere Vergangenheit ein paar grundlegende Dinge zu Papier zu bringen. In diesem Fall die Mannschaft des Tagfaltermonitorings Deutschland (TMD) am Umweltforschungszentrum in Halle, in Person von Elisabeth Kühn. Im neuesten TMD Zählerbrief Oktober 2017 heißt es ganz lapidar:

„Tatsächlich können wir anhand der Daten des Tagfalter-Monitoring aus den letzten 11 ausgewerteten Jahren den dramatischen Rückgang nicht bestätigen. Die Falterzahlen sind in den erfassten Jahren sehr unterschiedlich, aber ohne einen eindeutig erkennbaren Trend. Schaut man sich dazu die Trends für einzelne Arten an, so ist gut zu erkennen, dass sich die Zahlen der einzelnen Arten sehr unterschiedlich entwickelt haben.“

Da haben wir den Salat! Statistisch sauber belegen lässt sich der postulierte Rückgang also nicht, wen wundert es auch bei den vergleichsweise kurzen Zeitreihen in denen halbwegs standardisierte Daten erhoben werden. Ganz nebenbei:  Was unsere Region in Nordrhein-Westfalen betrifft, so sind wir sogar noch schlechter dran als der Rest der Republik. Die älteren Daten des Tagfaltermonitorings NRW sind gar nicht im Datenpool des UFZ enthalten und schlummern immer noch in irgendwelchen Schubladen oder Dateien – ein echtes Ärgernis!

Anscheinend hat der gravierendste Rückgang bei den Schmetterlingen schon vor mehreren Jahrzehnten stattgefunden, europaweit hat sich der Abwärtstrend in den letzten zehn Jahren zumindest verlangsamt.

Eine gefühlt ziemlich wilde Saison 2017 geht zu Ende, das Wetter spielte mal wieder verrückt, das Beobachternetz im Niederbergischen wird nach meinem Eindruck immer dichter, und etliche intensive Exkursionen an Mosel, Mittelrhein, in die Eifel etc. haben wir auch durchgeführt und dabei eine Menge tolle Beobachtungen genossen. Und vereinzelt könnte man auf die Idee kommen dass sich einige Arten wieder berappeln könnten, in 2017 zum Beispiel  Ulmen-Zipfelfalter und Kaisermantel, die im Jahr 2017 hohe Nachweis-Zahlen erreicht haben, oder der Große Schillerfalter, der mitten in Düsseldorf aufgetaucht ist.

Ob das alles nur kurzfristige Erholungen oder stabile Trends sind, ob das vom Klimawandel angefeuert wird, oder in wenigen Jahren die letzten Falterpopulationen dahingerafft sind, darüber werden wir erst in ein paar Jahren Bescheid wissen. Voraussetzung ist aber dass alle ihre Daten sauber aufbereitet zur Verfügung stellen, sei es jetzt als Excel- oder Access-Daten,  im Tagfaltermonitoring oder in anderen öffentlichen Datenbanken wie observation.org und naturgucker.de, wo man auch noch andere Tier- und Pflanzenbeobachtungen loswerden kann.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine Menge schöne „Lange Winterabende“, und wem es langweilig wird der kann ja auf die Nachtfalterpirsch gehen, die Artengruppe hat fast ganzjährig Saison.

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht 3. Oktober 2017 von Armin Dahl in Insektensterben, Klimawandel, Tagfalter

Erfolgreich Wildern in Westfalen   3 comments

Das Niederbergische ist ja gut und schön, aber ab und zu verschlägt es einen schon mal in andere Landesteile. Im Vorfeld des GEO-Tags war jetzt mal Westfalen dran.

Essen, Gleisharfe auf Zeche Zollverein, 4. Juni 2017

Denn ein paar ganz ordentliche Biotope haben sie dort im Ruhrgebiet, wenn die auch quasi im Unverstand entstanden sind, als Müllkippen der Industrie: Die Berghalden und Industriebrachen inmitten des städtisch geprägten Konglomerats von Duisburg bis Bergkamen entwickeln sich zu den Trittsteinen für die Tierwelt, die vom Klimawandel angeheizt ihre Verbreitungsgebiete nach Norden vorschiebt. Wem diese These zu steil ist, dem können wir eine schöne Liste von ehemals südlich verbreiteten Arten erstellen, die entlang von Bahnlinien, auf Erddeponien, Berghalden und Gleisharfen im Ruhrgebiet vorkommen: Von Heuschreckenarten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke, der Mauereidechse, die im Ruhrgebiet an vielen Stellen vorkommt, bis hin zu unscheinbaren grauen Nachtfalterarten wie Eremodrina gilva oder Eilema caniola, deren Vorkommen in unseren Breiten vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar erschienen und die mittlerweile weit verbreitet sind.

Zeche Zollverein in Essen: Die ehemalige Berghalde ist fast komplett von Wald bedeckt.

Den Einwohnern des Ruhrgebiets ist meistens gar nicht so recht bewusst, welche Schatzkisten vor ihrer Haustür liegen, seit dem Untergang der Steinkohleindustrie setzen alle auf Wald, Wald, Wald. Und erst in den letzten Jahren wird klar, dass die einst so verachteten Schotterflächen und Dreckhügel erstklassige Offenland-Biotope sind, Ersatzflächen für die verlorengegangenen Heidegebiete im Süden des Münsterlands.

Das Ruhrgebiet hat so seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Eine davon ist, bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit das „Steigerlied“ abzusingen, mit dem deutschen Bergmannsgruß. Besonders gerne gesungen wird das im Umfeld der ehemaligen Zechen, die heute mit Steuergeld in sogenannte Industriekultur verwandelt worden sind. Als Rheinländer ist einem das ständige Glüüüüückauf glückauf ein wenig suspekt, aber was tut man nicht alles um ein paar Meßtischblatt-Quadranten mit schwarzen Nachweiskästchen zu füllen. Und so nahmen wir bei der zweiten Vorexkursion zum GEO-Tag der  Natur das vom Tonband abgespielte Liedchen gleichmütig hin, das über den Parkplatz vor dem Ruhrmuseum erklang: Die Pheromonfallen auf dem Gelände der Zeche Zollverein mussten geleert werden, bevor die Gluthitze die angelockten Tiere vollends ins Jenseits befördert. Drei Fallen mit zwei verschiedenen Wageningen-Präparaten (SYAN und PATA) hingen gut getarnt seit einer Woche in der Hecke hinter dem Ruhrmuseum, und Ziel war vor allem mein „Lieblings-Glasflügler“ SYnanthedon ANdrenaeformis,  von dem es bisher keine Nachweise im Naturraum Westfalen gab.

Synanthedon andrenaeformis, Zeche Zollverein, 11. Juni 2017 (Foto: Gaby Schulemann-Maier)

Zwei verschiedene Wageningen-Präparate in nur drei Fallen, lohnt sich dafür die 50-Kilometer-Anfahrt? Sie lohnt sich! Paranthrene tabaniformis (ROTTEMBURG, 1775) – Kleiner Pappel-Glasflügler Synanthedon vespiformis (LINNAEUS, 1761) – Wespen-Glasflügler,  Synanthedon andrenaeformis (LASPEYRES, 1801) – Schneeball-Glasflügler, alle drei angepeilten Arten fanden sich in ordentlicher Anzahl in den Fallen. Die Angabe „im Naturraum nicht vertreten“ bei S. andrenaeformis hatte mich schon eine Weile gefuchst, drei neue Glasflügler-Nachweise für das Meßtischblatt 4508, und ein Erstnachweis für Westfalen, dafür kann man schon ein wenig Sprit investieren und schlechte Musik ertragen. 🙂

Veröffentlicht 11. Juni 2017 von Armin Dahl in Auf Tour, Glasflügler, Klimawandel, Lebensräume

Wir begrüßen: rusticata, quadripunctaria, rufa   2 comments

Der Sommer ist verregnet gestartet, aber er macht sich: Fier ein paar schöne Nachweise aus den letzten Tagen, von Arten bei denen man die Ausbreitung mindestens vermuten kann oder die faunistisch  besonders spannend sind.

Euplagia quadripunctaria -

Euplagia quadripunctaria – Spanische Flagge. Haan, Spörkelnbruch, 21. Juli 2016 (Foto: Armin Dahl)

Euplagia quadripunctaria: Seit Jahren warte ich auf meiner Hauswiese auf die Arte, jetzt ist sie angekommen: Wer weiß ob die Art nicht im Ruhrgebiet schon weiter verbreitet ist, in Duisburg und Leverkusen gab es ja schon Nachweise jeweils im Stadtgebiet. Jetzt also auch „auf dem Land“, wenn man das Gebiet 1km hinter dem Hildener Kreuz mal so  charakterisieren will.

Idaea rusticata hat offenbar den Sprung an Köln vorbei nach Norden geschafft und konnte von Stefan Risch im Imbacher Weg in Leverkusen nachgewiesen werden. Das ist in Sichtweite der Wupper und schon fast in Leichlingen. Hier das Bild

http://www.naturgucker.de/?bild=-1989918425

Coenobia rufa, Solingen-Ohligs, Ohligser Heide, 22. Juli 2016 (Foto: Armin Dahl)

Coenobia rufa, Solingen-Ohligs, Heidebad, 22. Juli 2016 (Foto: Armin Dahl)

Und dann mal was ganz feines, wobei ich erst mal meine alten Bilder durchgucken muss ob da nicht noch ein paar Kandidaten schlummern: Coenobia rufa, eine winzige Eule, nicht größer als ein kräftiger Wickler, lebt an Binsen. Aufgestöbert in der Ohligser Heide direkt am Heidebad, in einer Fläche die sich nicht wesentlich von weiteren beweideten Heidemooren in der Region unterscheidet.

Das Tierchen liegt in der Größe etwa so wie Chortodes fluxa, ist aber irgendwie schlapper und flugträge.  Nächste Fundorte liegen in der Wahner Heide. Hier noch die Begleitfauna, von einer tropischen Nacht mit nervtötendem Anflug von mehr als 30 Euthrix potatoria:

Lichtfangprotokoll Ohligser Heide 22. Juli 2016

 

 

Veröffentlicht 23. Juli 2016 von Armin Dahl in Eulenfalter, Heideterrasse, Klimawandel, Spanner, Spinner

Pieris mannii in Leverkusen   Leave a comment

Pieris mannii, Leverkusen - Hitdorf, 28. Juni 2016 (Foto: Klaus Böhm)

Pieris mannii ♂ , Leverkusen – Hitdorf, 28. Juni 2016 (Foto: Klaus Böhm)

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Pieris mannii ♂, Leverkusen – Hitdorf, 28. Juni 2016 (Foto: Klaus Böhm)

Ich gebe zu, dass meine Lust, mir alle Kleinen Kohlweißlinge genau anzuschauen, bisher gering ausgeprägt war. Man könnte auch sagen ich habe mich gedrückt.  In Zukunft werden wir wohl aber alle etwas öfter auf die Kamera drücken oder auch mal einen Beleg nehmen müssen: Nachdem der Falter jetzt von großen Experten Jürgen Hensle abgesegnet ist, gibt es keine Zweifel mehr: Der Karstweißling Pieris mannii (MAYER, 1851) ist im Niederbergischen angekommen.

Die Bilder von Klaus Böhm sind dermaßen gut und zeigen alle notwendigen Merkmale, der Fundort Leverkusen-Hitdorf liegt dazu noch in der „Einflugschneise“ im Rheintal.  Vor wenigen Jahren Cupido argiades, im letzten Jahr Aricia agestis, dieses Jahr Pieris mannii: So langsam scheint sich das Spektrum der Tagfalter auch auf die insgesamt wärmeren Bedingungen in der Region einzustellen.

Die Bestimmung von Pieris mannii ist nicht einfach, ein ganzer Roman darüber findet sich im Lepiforum

Veröffentlicht 7. Juli 2016 von Armin Dahl in Klimawandel, Tagfalter

Kyrill, der Klimawandel und die Folgen   1 comment

Entomologisch betrachtet ist ein geschlossener Buchen-Hallenwald oder schlimmer noch ein Fichtenforst eine ziemlich langweilige Angelegenheit. Auf einer schönen Kahlschlagfläche explodiert dagegen geradezu das Leben, und im Gefolge der Pioniervegetation summt und brummt und flattert und piept es ordentlich.
Wenn der Förster keinen neuen Kahlschlag macht, dann geht die „Schlagflur“, die Pflanzengesellschaft welche sich nach dem Abholzen von Baumbeständen entwickelt, rasch verloren. Und mit ihr eine ganze Anzahl von Schmetterlingsarten, die an die entsprechenden Futterpflanzen auf den Schlägen angepasst sind, und gleichzeitig Licht, Sonne und Windstille lieben. Weidenröschen, Brombeeren und Walderdbeeren verschwinden unter dem Pionierwald, und spätestens nach 20 Jahren ist das Klima wieder kühl und gleichmäßig, und die schönen Insekten sind weitgehend weg.
So einfach der Zusammenhang ist, so schwierig ist das dem ahnungslosen Teil der Bevölkerung zu vermitteln: Der Deutsche Wald ist heilig, und wer daran rüttelt erntet verständnisloses Kopfschütteln und ist in Gefahr als Öko-Terrorist beschimpft zu werden.
Und so laufen die entomologisch Aktiven hier zu Lande traurig herum, warten auf den Klimawandel und verbringen die Urlaube in waldarmen Gegenden. Wenn nicht ab und zu ein kräftiger Sturm die Wälder durchrütteln würde, wäre es gar nicht auszuhalten. Aber dann! Egal ob es jetzt der Klimawandel war oder nur ein starker Sturm bei nicht an den Standort angepasster Forstwirtschaft: Die positiven Folgen des Orkans Kyrill auf die einheimische Tierwelt sind unübersehbar! Neun Jahre ist das jetzt schon her, und immer noch kommen Arten zum Vorschein die wir regional schon lange vermisst hatten. Und hier ist der Beleg: Josef Bücker hat im Umfeld der Stadt Hagen in den letzten Jahren eine ganze Reihe schöner seltener Falter aufgestöbert, jetzt ist die Arbeit erschienen:
BÜCKER, J. 2016: Bemerkenswerte Funde von Schmetterlingen im Einzugsbereich der Kyrill-Windwurffolgeflächen in Dahl, Eilpe, Haspe und Hohenlimburg; Hohenlimburger Heimatblätter 77, Heft 6/2016, Seite 3-17

Veröffentlicht 30. Juni 2016 von Armin Dahl in im Netz, Klimawandel, Lebensräume

Klimamonitoring Düsseldorf 2015   Leave a comment

Das neue Klimamonitoring-Gutachten aus Düsseldorf ist fertig und kann Bei Ulf Schmitz hier heruntergeladen werden. Ludger Wirooks und Sascha Guckes haben wieder etliche neue Arten aus den Büschen im Eller Forst und dem Golfplatz in Hubbelrath herausgeklopft und -geleuchtet.

Dass auch nach Jahren in regelmäßig durchgeführten Untersuchungen an einem Ort immer wieder neue Arten hinzukommen, das ist normal. Insofern wundert es nicht dass generell seltene Arten oder solche mit stärkeren Populationsschwankungen erst nach etlichen Jahren auf der Liste auftauchen. Dazu zählt zum Beispiel der Weidenbohrer Cossus cossus und die  Eulenfalter  Xylocampa areola und Acronicta alni,  von denen man auch bei Dauerlichtfang immer nur einzelne Tere erwischt.  Besonders bemerkenswert finde ich vor allem die folgenden drei Nachweise:

Heterogenena asella, am 18. September 2015 an der Blattunterseite von Buchen gegenüber dem Restaurant am Unterbacher See. Das Tier steht immerhin schon im Biotopmanagement-Gutachten des heutigen FFH-Gebietes Spörkelnbruch-Hilden, erstellt von Dietmar Woizilinski in den Jahren vor 1992. Das ist was für echte Raupen-Spezialisten. Die Art ist in den Vorjahren bestimmt übersehen bzw. nicht gezielt gesucht worden.
Eupithecia selinata: Eine Raupe des Silgen-Blütenspanners wurde in Hubbelrath an einer Engelwurz-Blüte in einer bachnahen Hochstaudenflur beobachtet. Weit und breit gab es bisher keine Nachweise dieser Art, was daran liegen mag dass wir uns um die kleinen grauen Eupithecien immer herumgedrückt haben. Aber auch daran dass endlich mal jemand intensiv auf Raupenpirsch geht. Oder das Tier hat sich ausgebreitet.
Rhinoprora chloerata  Für mich eine echte Sensation, wurde die Art doch im April 2015 nicht nur im Eller Forst (das ist die Hecke wo auch Satyrium pruni in der Nähe fliegt), sondern auch in Hubbelrath, dort sogar in sechs Exemplaren, von blühenden Schlehen geklopft. Auch hier gab es in der Umgebung bisher – gar nix.
Ansonsten bleibt das Klimamonitoring Düsseldorf, was die Schmetterlinge angeht, mal wieder bei den bisher bekannten Aussagen: „Wissenschaftlich abgesicherte Klimaeffekte lassen sich aus dem in den Untersuchungsgebieten gewonnen Datenmaterial der letzten sieben Jahre naturgemäß nicht unmittelbar ableiten
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Veröffentlicht 20. Februar 2016 von Armin Dahl in Klimawandel, Raupen, Spanner, Spinner

Rechenkunststücke zum Klimawandel   Leave a comment

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Rübenacker und Drainagegraben im Düsseltal bei Haan-Gruiten, 2. Juli 2015 (Foto: Armin Dahl)

Wer Lust hat auf großkalibrige Studien, sollte sich vielleicht mal mit dem Atikel aus der Biological Conservation Volume 187, July 2015: S 41–50 beschäftigen, A cross-taxon analysis of the impact of climate change on abundance trends in central Europe, in dem eine über 20 Personen lange Liste von Autoren mal wieder den Effekten des Klimawandels auf die Tierwelt näherrückt. Nun war ich erstens schlecht in Mathe, und multivariate Statistik war noch nie mein Ding. Ausserdem stehen mal wieder einige Menschen auf der Autorenliste denen man nicht zu nahe treten will, weil man die auf dem nächsten Entomologentreffen wieder zu sehen bekommt.
Fakt ist – was die Schmetterlingen angeht – dass zum wiederholten Mal der Datenbestand des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie durchgewurstet wurde. Der wurde zwischen 1980 und 2011 erhoben, und das vor allem von ehrenamtlichen Kartierern. Nicht besser, sondern eher noch einen Tick älter sind die Daten für die Vögel, hier wurde die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee ausgebeutet, ebenfalls Ehrenamtler, die ihren Datenbestand zwischen 1980 und 2002 zulieferte.

In dem Artikel wir mal wieder viel herumgerechnet um die „species temperature niche“ verschiedener Arten und Gruppen. Mit den Schlussfolgerungen sind die Autoren ziemlich vorsichtig, als Ergebnis bleibt zum Beispiel „Positive trends […] were seen in 9/11 of the bats, 20/28 butterflies“. Das stand übrigens auch schon in verschiedenen anderen Publikationen. Auf Deutsch: Wenns wärmer wird, gibts mehr Schmetterlinge und viel mehr Fledermäuse.
Was mich an derlei Meta-Studien stört ist die Tatsache, dass die Datenbasis bei genauem Hinsehen schmilzt wie die Gletscher beim Klimawandel. Und dass nach meinem Empfinden es eigentlich eine staatliche Aufgabe wäre, methodisch saubere Daten zu den Populationstrends verschiedener Tier- und meinetwegen auch Pflanzengruppen zu erheben. Und damit hätte man besser vor 10 Jahren angefangen und die Kartierer im Gelände ordentlich dafür bezahlt.Und das Klima-Geld für die Studien an den Exzellenz-Unis wäre in der systematischen Pflege und Entwicklung entsprechender Biotope auch gut untergebracht.
Zusammengefasst: Als Naturschutz-Praktiker ist mir das Ganze ziemlich suspekt, wir wissen doch wo die wahren Probleme liegen: In der Überdüngung auch des letzten Magerstandortes und dem Verschwinden der Nahrungspflanzen, in der Nutzungsaufgabe ertragsarmer Standorte, der Zerstückelung der Lebensräume durch Bauwut und den wahnsinnigen Verkehr, der Lichtverschmutzung, und falscher, möglichst billiger Pflege durch überforderte Verwaltungen. Hinzu kommt eine fast kenntnisfreie Bevölkerung, die einen Brennesselfalter auf dem Sommerflieder schon als Sensation feiert, und ein grüner Umweltminister, der Douglasienaufforstungen im Sauerland für sinnvoll und förderwürdig hält.

Wie kriege ich jetzt die Kurve auf was positives? Ach ja, der Kaisermantel fliegt auch in diesem Jahr wieder zahlreich in Haan in den ehemaligen Steinbrüchen Grube 7 und Grube 10, und den nächsten Termin für den Arbeitseinsatz: Mahd und Abräumen der Orchideenwiese im Klärteich in Haan, Grube 7 findet ihr auf den Webseiten der AGNU Haan.

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Oncocera semirubella, Haan, Grube 10, 21. Juli 215 (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 22. Juli 2015 von Armin Dahl in Ökologie, im Netz, Klimawandel, Literatur

Aricia agestis in Düsseldorf   2 comments

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Aricia agestis, Düsseldorf-Freiligrathplatz, 27. Mai 215 (Foto: Armin Dahl)

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Aricia agestis, Düsseldorf-Freiligrathplatz, 27. Mai 215 (Foto: Armin Dahl)

Der Klimawandel, wenn er denn an den Schmetterlingen der Region überhaupt ablesbar sein sollte, ist ein scheues Reh. Jedenfalls äußert er sich nicht so wie man das an Tiergruppen wie zum Beispiel den Heuschrecken beobachten kann. Von denen haben eine stattliche Anzahl von Arten ihre flächenhaft besiedelten Verbreitungsgebiete in den letzten Jahrzehnten um mehrere hundert Kilometer nach Norden verschoben, Goldschrecke, Sichelschrecke, Weinhähnchen, Blauflügelige Ödlandschrecke und andere sind mittlerweile im Großraum Düsseldorf angekommen, was vor ein paar Jahrzehnten noch unvorstellbar erschien. Bei den Schmetterlingen ist die Lage leider wesentlich komplizierter, zum einen ist der Rückgang der Arten- und Individuenzahlen im Ballungsraum Rhein-Ruhr enorm, zum anderen geht die Ausbreitung sehr viel sprunghafter vonstatten, und die Herkunft neue Populationen bzw. die Richtung der Ausbreitung ist oft nicht zu bestimmen. Neustes Beispiel ist die 2014 im Raum Duisburg aufgetauchte Bläulingsart Aricia agestis, bei der man vermuten könnte, sie komme eher von Ostwestfalen über die Vorkommen an der Lippe im Kreis Soest zu uns. Wie dem auch sei, Bläulinge kann man eigentlich nie genug haben, und nach den Funden des Kurzschwänzigen Bläulings Everes argiades müssen wir ab sofort auch auf Aricia agestis achten: Gestern haben wir bei einer kurzen Runde über eine blühende Verkehrsinsel in der Nähe des Löbbecke-Museums den Kleinen Sonnenröschen-Bläuling mitten in Düsseldorf erwischt. À propos Löbbecke-Museum: In der dortigen Sammlung steckt auch der letzte aus dem Großraum Düsseldof nachgewiesene Falter von agestis, der stammt vom 28.7.1887, gesammelt durch v. Metzen auf den Rheinwiesen in Düsseldorf-Lörick, keinen Kilometer entfernt vom aktuellen Fundort.

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Merkmale für agestis: nach innen verschobener dritter Postdiskalpunkt auf dem Hinterflügel und fehlender Wurzelpunkt auf dem Vorderflügel. (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 28. Mai 2015 von Armin Dahl in Klimawandel, Tagfalter

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