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Gutes Jahr für Bärenspinner   2 comments

Auch in extrem gut untersuchten Gebieten ist man vor Überraschungen nicht gefeit. In manchen Jahren scheinen einzelne Arten oder Gruppen einen regelrechten „Lauf“ zu haben und tauchen auch an Stellen auf, an denen man das nicht vermuten würde.

Ein solches extrem untersuchtes Gebiet liegt an der Stadtgrenze von Leverkusen im Ortsteil Gronenborn. Hier hat einer der Altmeister der Rheinischen Schmetterlingskunde, Helmut Kinkler, jahrzehntelang alles unter die Lupe genommen was kreucht und fleucht, und im Jahr 2012 eine Schmetterlingsliste mit stolzen 469 Arten publiziert. Darunter alleine neun Bärenspinner-Arten. (senex, depresssa, lurideola, sororcula, fuliginosa, lutea, lubricipeda, mendica und caja).

Interessanterweise findet sich dort kein Nachweis von Pelosia muscerda, die ja auf der nördlich anschließenden Heideterrasse ein typisches Teil der Feuchtgebietsfauna und zum Teil sehr häufig nachgewiesen ist. Aus dem gesamten Stadtgebiet von Leverkusen gibt es von der Art nur einen einzigen Nachweis, aus dem Jahr 1974, aus Leverkusen – Steinbüchel. Gronenborn liegt auf etwa 140m NN, dort riecht es schon ein wenig nach Bergischem Land, und vielleicht ist deshalb Pelosia muscerda nicht zu finden. Und die frisch von Süden eingewanderte Eilema caniola, die aktuell schon wieder in den Städten ans Licht fliegt (Mai 2018 z.B. Wuppertal und Dormagen) war zum Zeitpunkt der Publikation im Jahr 2012 einfach noch nicht im Gebiet vorhanden.

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Eine echte Bergland-Art würde man aber in Gronenborn auch nicht unbedingt erwarten. Umso größer die Überraschung des Leverkusener LNU-Aktivisten Sascha Eilmus, der bei einer Exkursion am 27. Mai ein Exemplar vom Wegerichbär Arctia plantaginis (L.) aus einem Spinnennetz gezogen hat. Das ist schon der dritte Nachweis dieses seltenen Bärenspinners aus 2018 in unserer Region, die beiden anderen gelangen in Wuppertal-Marscheid auf der Stromtrasse und in Hagen (Josef Bücker).

Soll man sich über den Klimawandel beklagen? Das trockene und extrem warme Frühjahr 2018 nach dem kalten Winter beschert uns schöne und seltene Falter. Wegerichbär, Spanische Flagge, Schönbär und Co.: Davon können wir ruhig noch ein paar Populationen vertragen !

Und à propos Aktivisten: Die Naturschützer rund um Sascha Eilmus und die LNU Leverkusen haben eine schlaue Idee in die Tat umgesetzt: Mit der Gründung der Offenland Stiftung setzen sie sich für den Erhalt und die Schaffung von Offenlandhabitaten wie Blumenwiesen und Streuobstwiesen mit ihren vielfältigen und bedrohten Pflanzen- und Tierarten in Leverkusen und der Umgebung ein.  Ein Modell das es sich vielleicht anzuschauen lohnt, wenn es um Pflege, Finanzierung und Erwerb von wertvollen Grundstücken und Naturschutz abseits der Behördenmühlen geht.


Literatur:

KINKLER, H. (2012): Schmetterlinge des Naturschutzgebietes „Gronenborner Teiche” in Leverkusen
(Nordrhein-Westfalen). Melanargia, 24: 124-140, Leverkusen

Aaah, noch was vergessen: Was die neue Datenschutzgrundverordnung angeht: Wir machen hier normales Internet-Blogging und sonst nichts. Wer die automatisch versendete Mail bei neuen Beiträgen nicht (mehr) bekommen will kann die einfach abbestellen, entweder über das WordPress-Programm oder direkt an mich per Mail. Ansonsten ist es so dass diese Webseite gerade zum Vernetzen von Menschen mit gleichen Interessen (Schmetterlinge und Naturschutz) ins Leben gerufen wurde und sich an die auch bislang geltenden journalistisch und wissenschaftlich gültigen Regeln hält. Technisch läuft es so ab, dass das Programm bei Besuchern einen sogenannten Cookie setzt, der erkennt wer schon mal da war (damit man zum Beispiel weiß wer schon kommentiert hat und wer geantwortet). Den Cookie kann aber jeder auch in seinem Browser selbst wieder automatisch löschen (Immer-Privat-Surfen Einstellungen). Ansonsten ist das eine Webseite auf der umsonst-Plattform WordPress wie Millionen andere auch. Insofern spare ich mir erst mal eine aufwendige eigene Datenschutz-Grundverordnung. Wir verkaufen nix und verfolgen auch niemand.

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Veröffentlicht 29. Mai 2018 von spoerkelnbruch in Klimawandel, Literatur, Spinner

Schmetterlinge, Landschaft und ausgeGRABEne Literatur.   1 comment

Die Bergische Heideterrasse hat in den letzten Jahrhunderten mehrfach einen kompletten Gestaltwechsel hingelegt, was mit ein Grund sein dürfte für die heutige Artenarmut des Gebiets. So richtig los ging es mit der Überformung aber erst nach der Erfindung des Automobils, der parallel stattfindenden Industrialisierung und dem Verschwinden der extensiven Landbewirtschaftung der Region.

Heideterrasse und Bergisches Land waren vor weniger als zwei Jahrhunderten noch weitgehend waldfrei und die Landschaft dominiert von Ackerbau und Wiesenwirtschaft, in den sandigen Bereichen durchzogen von ausgedehnten Heide- und Moorkomplexen.
Aktuell dominieren eher dichte Besiedelung, Überbauung und Zerschneidung, die Tierhaltung ist bis auf ein paar Reitställe verschwunden, der Wald dafür zurückgekehrt. Ein Ende des Prozesses ist nicht in Sicht – keine guten Nachrichten für die Offenland-Schmetterlinge der Region.

„Übersichtskarte des Ruhrkohlengebiets“ aus GRABE 1936. Ganz unten links liegt „Unterbach“

Woher wir das alles wissen? Zum Glück ist die Lepidopterologie eine Wissenschaft mit langer Tradition, die Altvorderen waren fleißig und haben ordentliche Publikationen hinterlassen. Heute hatte ich erstmals die Gelegenheit einen Blick in ein ganz besonderes Schätzchen zu werfen, in der Post fand ich einen Sonderdruck des aus Dortmund stammenden Altmeisters Albert GRABE as dem Jahr 1936, die „Zusammenstellung der von 1923 bis 1934 im Ruhrgebiet neu aufgefundenen Groß-Schmetterlingsarten.

In dem schmalen Bändchen findet sich eine ganze Menge aus heutiger Sicht schier unglaublicher Beobachtungen, zum Beispiel vom Habichtskraut-Spinner Lemonia dumi, „Nach Voß bei Eller und Grafenberg nicht selten.„. L. dumi sucht man heute hier vergeblich, die nächsten Flugplätze liegen im Hohen Siegerland und Diemeltal, und auf der Hooge Veluwe in Holland.

Funde der Striemen-Schilfeule Senta flammea (CURTIS, 1828) aus [Düsseldorf-]Unterbach, und der Dunkelbraunen Spannereule Idia calvaria ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) – „ohne Datum aus Flingern und Grafenberg“) lassen einen ehrfürchtig erschauern: S. flammea fliegt aktuell nur im Elmpter Schwalmbruch und I. calvaria ist im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen schon lange komplett ausgestorben.

Ebenso flog seinerzeit Lycaena virgaurea („bei Eller-Hassels“), heute findet man den Falter etwa rund um die Skipisten im allerhöchsten Sauerland.  Bis Polymixis flavicincta – der Falter lebt aktuell an der unteren Mosel und Nahe an brutal heißen Felsen – mal wieder „in Grafenberg an Mauern gefunden“ wird, muss der Klimawandel noch gehörig Fahrt aufnehmen.

Unter der Angabe von Coenonympha tiphon Rott. („Auch von Eller gemeldet“) dann die unscheinbare Fußnote: „Bei Eller-Unterbach durch Trockenlegung des Flugfeldes ausgestorben„. C. tiphon ist das Synonym für Coenonympha tullia (MÜLLER, 1764) – Großes Wiesenvögelchen, um diese Art zu sehen muss man heute in die großen Moore Niedersachsens fahren, und dann auch noch mächtig Glück haben.

Und was war das mit dem Flugplatz in Eller??? Wikipedia bringt es an den Tag, die ehemalige Kiesgrube Eller wurde seinerzeit von den Nazis hergerichtet, während des Zweiten Weltkrieges befand sich hier ein zur Täuschung alliierter Bomber angelegter Scheinflugplatz der deutschen Luftwaffe. Die Angabe GRABEs (von 1936) liest sich so als ob die Nazis schon lange vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges gezielt aufgerüstet hätten. Oder hat jemand eine bessere Erklärung?

Heute befindet sich an der Stelle der Kiesgrube Eller der 80 Hektar große Unterbacher See, direkt angrenzend der Eller Forst, einer der Schauplätze des Düsseldorfer Klima-Monitorings. Von der ehemals mehrere Kilometer breiten Heide zwischen Sieg und Ruhr ist im Raum Düsseldorf heute nur noch eine schmale Bahntrasse durch +/- dichte Wälder übrig.
Und so richtig wundert es mich nicht mehr, dass die meisten Spitzenarten das Gebiet großflächig geräumt haben.


Literatur: GRABE, A. (1935-36): Zusammenstellung der von 1923 bis 1934 im Ruhrgebiet neu aufgefundenen Groß-Schmetterlingsarten. – Int.Entom.Z., 29: 282-286, 297-300, 310-312, 323-324, 332-334, 347-348, 359-360, 382-383, 406-408, 416-418, 423-425, Guben; Entom.Z., 49: 508-509, 520-521, 533-107, 535, 538-541, 549-550, 566-568; 50: 16-17, 27, 44-46, 178-183, 194-195, 249-252,
264-269, Frankfurt/M.

Veröffentlicht 9. August 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Literatur

Rechenkunststücke zum Klimawandel   Leave a comment

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Rübenacker und Drainagegraben im Düsseltal bei Haan-Gruiten, 2. Juli 2015 (Foto: Armin Dahl)

Wer Lust hat auf großkalibrige Studien, sollte sich vielleicht mal mit dem Atikel aus der Biological Conservation Volume 187, July 2015: S 41–50 beschäftigen, A cross-taxon analysis of the impact of climate change on abundance trends in central Europe, in dem eine über 20 Personen lange Liste von Autoren mal wieder den Effekten des Klimawandels auf die Tierwelt näherrückt. Nun war ich erstens schlecht in Mathe, und multivariate Statistik war noch nie mein Ding. Ausserdem stehen mal wieder einige Menschen auf der Autorenliste denen man nicht zu nahe treten will, weil man die auf dem nächsten Entomologentreffen wieder zu sehen bekommt.
Fakt ist – was die Schmetterlingen angeht – dass zum wiederholten Mal der Datenbestand des Sächsischen Landesamts für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie durchgewurstet wurde. Der wurde zwischen 1980 und 2011 erhoben, und das vor allem von ehrenamtlichen Kartierern. Nicht besser, sondern eher noch einen Tick älter sind die Daten für die Vögel, hier wurde die Ornithologische Arbeitsgemeinschaft Bodensee ausgebeutet, ebenfalls Ehrenamtler, die ihren Datenbestand zwischen 1980 und 2002 zulieferte.

In dem Artikel wir mal wieder viel herumgerechnet um die „species temperature niche“ verschiedener Arten und Gruppen. Mit den Schlussfolgerungen sind die Autoren ziemlich vorsichtig, als Ergebnis bleibt zum Beispiel „Positive trends […] were seen in 9/11 of the bats, 20/28 butterflies“. Das stand übrigens auch schon in verschiedenen anderen Publikationen. Auf Deutsch: Wenns wärmer wird, gibts mehr Schmetterlinge und viel mehr Fledermäuse.
Was mich an derlei Meta-Studien stört ist die Tatsache, dass die Datenbasis bei genauem Hinsehen schmilzt wie die Gletscher beim Klimawandel. Und dass nach meinem Empfinden es eigentlich eine staatliche Aufgabe wäre, methodisch saubere Daten zu den Populationstrends verschiedener Tier- und meinetwegen auch Pflanzengruppen zu erheben. Und damit hätte man besser vor 10 Jahren angefangen und die Kartierer im Gelände ordentlich dafür bezahlt.Und das Klima-Geld für die Studien an den Exzellenz-Unis wäre in der systematischen Pflege und Entwicklung entsprechender Biotope auch gut untergebracht.
Zusammengefasst: Als Naturschutz-Praktiker ist mir das Ganze ziemlich suspekt, wir wissen doch wo die wahren Probleme liegen: In der Überdüngung auch des letzten Magerstandortes und dem Verschwinden der Nahrungspflanzen, in der Nutzungsaufgabe ertragsarmer Standorte, der Zerstückelung der Lebensräume durch Bauwut und den wahnsinnigen Verkehr, der Lichtverschmutzung, und falscher, möglichst billiger Pflege durch überforderte Verwaltungen. Hinzu kommt eine fast kenntnisfreie Bevölkerung, die einen Brennesselfalter auf dem Sommerflieder schon als Sensation feiert, und ein grüner Umweltminister, der Douglasienaufforstungen im Sauerland für sinnvoll und förderwürdig hält.

Wie kriege ich jetzt die Kurve auf was positives? Ach ja, der Kaisermantel fliegt auch in diesem Jahr wieder zahlreich in Haan in den ehemaligen Steinbrüchen Grube 7 und Grube 10, und den nächsten Termin für den Arbeitseinsatz: Mahd und Abräumen der Orchideenwiese im Klärteich in Haan, Grube 7 findet ihr auf den Webseiten der AGNU Haan.

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Oncocera semirubella, Haan, Grube 10, 21. Juli 215 (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 22. Juli 2015 von spoerkelnbruch in Ökologie, im Netz, Klimawandel, Literatur

Das Ende der langen Winterabende   1 comment

Chersotis cuprea (Denis & Schiffermüller,1775)

Chersotis cuprea (Denis & Schiffermüller,1775)

So langsam kommt der Frühling in Gang, und die Zeit der exzessiven Dateneingabe neigt sich (zum Glück) dem Ende zu. Über Winter haben Heinz Schumacher und ich einen ziemlich wilden Ritt hinter uns gebracht, damit einerseits die „besonderen Arten“ den Weg in die nächste Ausgabe der Melanargia, zum anderen die online-Daten der Arbeitsgemeinschaft den Weg ins Netz finden.

Zum Abschluss aber noch ein bisschen Datengewühle und zur Abwechslung mal was halbwegs Neues: Zwar gab es auch vor dem Internet-Zeitalter schon Verbreitungskarten von Schmetterlingen aus dem Arbeitsgebiet, wie zum Beispiel das Faunenheft Band 1 (1989 – G. Swoboda & H. Kinkler) Familie: NOCTUIDAE Latreille 1809  – Unterfamilie: NOCTUINAE, eine tolle Fundgrube für Altdaten. Aber die Karten waren zumeist handgepinselt, und die Daten müssen in aller Regel neu erfasst werden, so traurig das auch ist. Aber für ein paar Schlüsselarten mit nur wenigen Nachweisen kann man das ja mal machen, und so habe ich mir heute mal eine davon geschnappt, die hier eigentlich keiner mehr so recht auf dem Radar hat. Das Ergebnis seht ihr auf dem Bild, erstellt wurde es mit der Kartenfunktion von Insectis.

Chersotis cuprea, Südtirol, Ultental, Kuppelwieser Alm, 8. 8.2010 (Foto: Armin Dahl)

So sieht sie aus: Chersotis cuprea, Südtirol, Ultental, Kuppelwieser Alm, 8. 8.2010 (Foto: Armin Dahl)

Chersotis cuprea gilt in Rheinland-Pfalz als „ausgestorben“, kam aber offenbar bis in die 70er Jahre im Loreleygebiet und im Taunus vor, und einen Fund im Hohen Venn (Baraque Michel in Belgien) von W. Hoch aus dem Jahr 1957 zeigt die Karte auch noch.

In Thüringen im Raum Jena lebt C. cuprea  auf Truppenübungsplätzen und Halbtrockenrasen an den Saalehängen, weitere Angaben gibt es aus dem Werratal. Aus Sachsen-Anhalt gibt es eine Angabe aus dem Harz (Elbingerode, 1935, leg. Pfennigschmidt nach WARNECKE 1940). Eine Angabe von Bernd Hannover aus Hessen nennt C. cuprea noch für 2012 (Bad Wildungen, Kreis Waldeck-Frankenberg), das liegt dann schon fast in Sichtweite zu Ostwestfalen. In den Alpen lebt C. cuprea in hochmontanen Almen, und kann dort aus eigener Anschauung sehr häufig werden, bevorzugt auf violetten Blüten sammeln sich die Falter am Tag, saugen dort ziemlich gesellig, ähnlich wie die Widderchen.

Wer noch mehr Informationen zu der Art hat, kann er mir die gerne zukommen lassen. Bei so einem tagaktiven Nachtfalterviech weiß man nie ob die Art wirklich völlig weg ist, vielleicht wird sie auch nur übersehen?

Veröffentlicht 6. März 2015 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Lebensräume, Literatur, mehr Lepis

Ruhrgebiet: Exkursionsziele   Leave a comment

130 Seiten stark ist er, der Jahresbericht 2013 der Biostation westliches Ruhrgebiet. Und das Thema Schmetterlinge kommt darin nicht einmal vor, merkwürdig. Die Biostation hat ihre Schwerpunkte bei Amphibien und Reptilien, denn in den Bergbaugebieten des Ruhrgebiets scheint es an manchen Stellen von Kreuzkröten und Geburtshelferkröten nur so zu wimmeln, und in den Heidemooren bei Bottrop lebt z.B. die Kreuzotter. Aber trotzdem bietet der Jahresbericht natürlich eine hervorragende Übersicht über die von der Station betreuten Gebiete. Botanische Angaben, etliches über Libellen und ein Paar Heuschreckendaten stehen auch noch drin, und daran kann man sich als Ruhrpott-Neuling schön orientieren. Die betreuten Gebiete werden nacheinander vorgestellt, mit ein bisschen Google-Hilfe hat man schnell ein paar lohnende Exkursionsziele zusammen.

Jahresbericht 2013 Biologische Station Westliches Ruhrgebiet (Hrsg.) (2014): Jahresberichte der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet, Bd. 11: 126 S. (.pdf, 6 MB)

Ebenfalls lesenwert ist der Jahresbericht von 2012, auch hier fehlen die Schmetterlinge komplett. Der Bericht enthält jedoch einen Artikel vom Oberhausener Bienenkenner Bernhard Jacobi und KollegInnen, sein Überblick über die im westlichen Ruhrgebiet nachgewiesenen Bienenarten  ist eine Fundgrube für alle Entomologen. Der Kollege schreibt übrigens auch die im Gelände beobachteten Glasflügler auf, und war einer der ersten der den Hornklee-Glasflügler Bembecia ichneumoniformis im Gebiet an vielen Stellen beobachten konnte.

Auf jeden Fall ist das schmetterlingstechnisch wenig beachtete, aber klimatisch höchst interessante Ruhrgebiet ein lohnendes Exkursionsziel, hier gibt es mit Sicherheit an vielen Stellen Kaisermantel und beide Schillerfalter, nur noch keinen der konsequent diese Daten sammelt. Aber das kann ja noch werden.

Literatur.
JACOBI, B. (2008): Neue Funde des Hornklee-Glasflüglers Bembecia ichneumoniformis ([Denis & Schiffermüller],
1775) für die Großlandschaften I, II und IIIa Nordrhein-Westfalens (Lep., Sesiidae) – Melanargia 20 (1): 1-8

Veröffentlicht 27. Januar 2015 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Lebensräume, Literatur, Tagfalter

Neue Literatur   Leave a comment

Pünktlich zur Wintersonnenwende: Nachdem wir alle zusammen in den letzten Jahren ziemlich fleißig Schmetterlinge beobachtet, Raupen gezüchtet, Daten gesammelt und Gutachten geschrieben haben, gibts jetzt für die langen ereignislosen Winterabende (auf  die ich schon seit Jahren warte 😉 ) etwas Gedrucktes zu lesen, was allerdings hier an dieser Stelle nicht wirklich etwas Neues darstellt: DAHL, A. & A. RADTKE (2012): Neue Nachweise vom Schneeball-Glasflügler

Außerdem hat sich Armin Radtke nach den zahlreichen Neubeobachtungen im Herbst 2013 und intensiven Diskussionen hingesetzt und den aktuellen Stand zu den Arealerweiterern und Neufunden in NRW zusammengefasst.

Warum das Ganze? Weil es fernab von Lepiforum, Blogs und Datenbanken noch eine ganze Menge Menschen gibt, die anstatt Digitalbilder anzuhäufen ganz „normal“ Schmetterlinge sammeln, bestimmen, Literatur am liebsten in der Hand halten oder gar keinen Computer benutzen.

Allen die an den aktuellene Publikationen mitgearbeitet haben noch mal Danke!, viel Spass beim Lesen und schöne Feiertage!

Veröffentlicht 21. Dezember 2013 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Literatur, mehr Lepis

Verschollene Heidetiere: Lithomoia solidaginis   3 comments

Xylena solidaginis (HÜBNER, [1800-1803]) - Rollflügel-Holzeule. Deutschland, NRW, Hohes Venn, 554 msm, 28.8.2013 am Köder (Freilandfoto: Bernhard Theißen)

Xylena solidaginis (HÜBNER, [1800-1803]) – Rollflügel-Holzeule. Deutschland, NRW, Hohes Venn, 554 msm, 28.8.2013 am Köder (Freilandfoto: Bernhard Theißen)

In der allerhöchsten Venn-Eifel ist nach langer Abwesenheit ein Tier wieder aufgetaucht, das viele Jahrzehnte nicht mehr gesehen wurde: Lithomoia solidaginis. Bernhard Theißen stellt dankenswerterweise das Bild zur Verfügung. Rein theoretisch könnte die Art hier im Niederbergischen auch noch vorkommen, ich habe mal ins Regal gegriffen und bei KINKLER (1979) gestöbert, hier der Text:

Lithomoia solidaginis (HÜBNER, 1800-1803)
A: Wuppertal (31.8.1941, 29.8.1942 – Mi; 2.9.1937 Piqué; „Wpt.-Kastenberg, -Saalscheid, -Ronsdorf, ziemlich selten“ – PIQUÉ 1948; „Barmer Wald, Husar, Huckenbeck, Ronsdorf, einzeln an Bierköder und abends auf Heide fliegend“ – WEYMER 1878, Remscheid (10.9.1928-Mi)
[…]
NF.: FAU W.: Eslohe, Winterberg, Lübbecke

Das A am Anfang kennzeichnet die Zone A, das Niederbergische. Der Sammler / Melder mit dem Kürzel Mi war Georg Michaelis aus Wuppertal, (Belegstücke zwischen 1930-1968).
NF bedeutet Nachbarfaunen, FAU W steht für Fauna Westfalens, das meint UFFELN (1908)
Ich glaube wir müssen mal wieder intensiv ködern gehen….

Veröffentlicht 1. September 2013 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Literatur