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Zug um Zug voran   Leave a comment

Schachbrett, Schmetterling des Jahres 2019 (Foto: Tim Laussmann)

Das Schachbrett, das heute von der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-westfälischer Lepidopterologen und der BUND NRW Naturschutzstiftung als Schmetterling des Jahres aus der Taufe gehoben wurde, hat für mich so ein bisschen Symbolcharakter. Zum einen ist festzuhalten, dass etliche der zum Abdrucken angebotenen Bilder sozusagen aus regionaler Produktion stammen, von den Kollegen Ludger Wirooks, Tim Laussmann und Andreas Kolossa, die entweder im Niederbergischen wohnen oder – wie Ludger Wirooks – im Gebiet ihre Untsuchungsflächen haben (Klimamonitoring Düsseldorf). Tolle Fotos, Kollegen!

Zum anderen habe ich den Beitrag auf der Melanargia-Webseite dazu benutzt, um mal ein wenig den Focus auf die Zukunft der Schmetterlingsdaten zu richten. Denn wir arbeiten seit ungefähr zwei Jahren am Projekt Schmetterlinge Deutschlands, das sich angesichts föderaler Strukturen und unterschiedlichster Systemanforderungen am Anfang etwas zäh gestaltet hat.

Aber nach etlichen Treffen und tausendfachem Mailgewitter nimmt das vom Bundesamt für Naturschutz geförderte Projekt, mit dem im Endeffekt die Rote Liste der Schmetterlinge der Bundesrepublik im Jahr 2020 erstellt werden soll, so langsam Fahrt auf.

Waren bisher die Verbreitungsangaben für die Arten auf die verschiedensten Webseiten verstreut, so kann man sich jetzt einen bundesweiten Überblick verschaffen, hier einmal exemplarisch am Schachbrett demonstriert.

EDV-Details erspare ich Euch, aber es geht voran beim zusammenführen unserer Beobachtungsdaten, und in ein paar Jahren klappt das vielleicht alles automatisch. Dann ist vielleicht mal Schluß mit dem ständigen Hin und Her von Importtabellen, Excel-Bastelarbeiten und anderen Zeit fressenden Beschäftigungen. Schaut man sich an, wie professionell Geocacher, Fahrradfahrer und anderen Hobby-Gruppen mit EDV ausgerüstet sind, kann man eh nur den Kopf schütteln, wie unprofessionell die nach meinem Verständnis staatliche Aufgabe der Insektendaten bisher behandelt wurde.

Aber momentan sind Insekten-Themen angesagt, ich hoffe, dass dem Bundesamt der Geldhahn nicht so schnell zugedreht wird und es nach der „Roten Liste 2020“ vernünftig weitergeht.

Wer Lust hat sich das Portal schmetterlinge-d.de mal anzuschauen: Nicht alles ist perfekt, und nicht alle Landesdaten sind bereits integriert. Aber alles was an Falterfunden in den vergangenen  Jahren über meinen Schreibtisch gegangen ist, sollte enthalten sein, ob aus Niedersachsen oder Hessen, oder sonstwo auf deutschem Gebiet. Man kann Einzeldaten und ganze Listen eingeben, und auch seine kompletten (Insectis-)Daten importieren. Wer will, kann sich bei der Validierung und Qualitätskontrolle verdient machen, zum Beispiel für eine bestimmte Region oder Faltergruppe.

Die Programmierer haben jedoch noch eine lange Liste von Anforderungen und Wünschen abzuarbeiten, das Portal ist auf neudeutsch noch „work in progress“. Bis dahin machen wir hier erst mal so weiter wie bisher. Wer also für 2018 schon alle seine Daten zusammen hat, kann mir die gerne schicken, die „langen Winterabende“ sind in den vergangenen Jahrn immer erstaunlich schnell vorbei gegangen.

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Veröffentlicht 22. November 2018 von Armin Dahl in mehr Lepis, Tagfalter

Über den Tellerrand gucken   1 comment


Zum wiederholten Mal habe ich an der niederländischen Fachtagung Landelijke Dag
(Schmetterlinge und Libellen) der UNI Wageningen am 3. März 2018 teilgenommen. Trotz Schnee bei der Abfahrt und langer Anreise kam ich abends begeistert zurück.

Das Thema dieses Jahr: Schmetterlingsreiches Grasland. Hochqualifizierte Fachleute aus dem In- und Ausland mit aktuellen gut untermauerten Graphiken und Tabellen gaben sehr professionell einen Einblick in neue Forschungs- bzw. Untersuchungsergebnisse.

Praktische Erfahrungen von Naturschutzleuten sowie ästhetisch und technisch gut gelungene Filme rundeten das Bild ab. Da man auf Augenhöhe kontaktierte, herrschte eine sehr herzliche Atmosphäre. Kein Wunder, es kamen über 450 aus NL und Belgien und wohl 2 (?) aus Deutschland.

Nachträglich bekam ich sogar noch ein Dankesschreiben für meine Teilnahme. Da können unsere Organisatoren der heimische Fachtagungen mit ihren äußerst speziellen Referaten wohl nur von träumen, allein das Letztere war schon immer ein Grund daran nicht teilzunehmen. Welch ein Gegensatz zu den „Fachleuten“, die im Forum die größte friesische Insel Texel offensichtlich nicht kennen, und NL (Kfz.-Kennzeichen!) eher mit Neuseeland verbinden. Diese menschliche Kleinkariertheit ist wohl kaum zu übertreffen.  Welch ein Gegensatz zu den Fachleuten, die zur genauen Bestimmung unbedingt die Tötung zwecks Genitalienuntersuchung fordern.

So Gott will, werde ich im nächsten Jahr mit noch mehr Begleitern nach Wageningen fahren!

 

Veröffentlicht 7. März 2018 von dietmarborbe in Auf Tour, Ökologie, mehr Lepis

Das niederbergische Lepi-Radar   1 comment

Das kleine Netzwerk der Entomologen in der Region ist ja schon ganz schön dicht. Aber es gibt immer noch Menschen im Niederbergischen, die sich mit Tag- oder Nachtfaltern beschäftigen, und bisher unter unserem Radar durchgeflogen sind.
Nun  ist hier nicht der Platz um Werbung für Produkte oder Leute zu machen, aber an dieser Stelle mache ich einmal eine Ausnahme: Ich habe selten so schöne Makrofotos gesehen wie die von Andreas Kolossa in Langenfeld! Und passend zur Jahreszeit hier mal ein Shopping-Tipp: Der vom Colouria Verlag produzierte Kalender, „Schmetterlinge auf Wiesen 2018“ wird demnächst auch in meinem Arbeitszimmer hängen. Andreas Kolossa hat einen Tagfaltertranssekt in der Eifel im Raum Blankenheim und ist ansonsten mit Profi-Fotoausrüstung unterwegs auf der Suche nach Naturmotiven. Einen Teil seiner Eifel-Falterdaten habe ich bereits in die „schmetterlinge-nrw.de“ überführen dürfen, und es kommen wahrscheinlich in Zukunft noch ein paar mehr. Dem Kollegen fehlen übrigens noch gute Falterbilder von Cupido argiades, das kommt davon wenn man nur in die Spitzenbiotope der Eifel fährt 🙂 Diese Lücke werden wir 2018 mit einiger Sicherheit „vor der Haustür“ stopfen können.

Nummer 2 unterhalb des Radars ist Johannes Meßer, der dieses Jahr im Landschaftspark Duisburg  schon einige Male Lichtfang durchgeführt hat.  Meßer ist Vorsitzender des Landschaftsbeirats in Duisburg, und seinen Daten und Belegfotos sind seit neuestem auf www.observation.org zu bewundern. Auch Karola Winzer aus Mülheim hat begonnen ihre Fotos und Schmetterlingsbeobachtungen dort einzugeben.

Bei observation.org landen übrigens in Zukunft auch die meisten Daten der Biostation Westliches Ruhrgebiet. Martin Schlüpmann, in der Biologischen Station zuständig für Herpetofauna, Libellen, Heuschrecken, Gewässerfauna und seit den 1980er Jahren mit Kollegen in Leitung des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien NRW, treibt das voran.  Die NRW-Arbeitskreise für Heuschrecken, Libellen und Reptilien/Amphibien werden wohl zukünfig ihre Daten über diese Plattform erfassen und pflegen. Die Datenbank zu durchpflügen macht bei so richtig Spaß, denn man stößt immer wieder auf faunistische Highlights, zum Beispiel die Beobachtung vom Hummelschwärmer in Hagen-Hohenlimburg.

Neue internet-basierte Techniken bei den Datenbanken waren auch Thema bei den Vorträgen auf dem Westdeutschen Entomologentag in Düsseldorf. Besonders interessant fand ich den Vortrag von Dominik Jablotschkin über die Suche nach Libellen-Hotspots in Nordrhein-Westfalen, der aus dem Datensalat der Libellen-Experten mit ein bisschen Mathematik einige leckere Karten und Ergkenntnisse herauszauberte. Bei den Libellen ist die Dynamik in der Faunenveränderung ähnlich hoch wie bei den Heuschrecken, ehemals häufige Arten verschwinden und Raritäten werden wiedergefunden.

Der „WET“ ist immer noch eine Plattform für den intensiven Austausch über Insektenkunde. Die altehrwürdige Entomologische Gesellschaft Düsseldorf hatte zum 150. Jubiläum in das renovierte Löbbecke-Museum geladen. Vorsitzender Jürgen Eckl referierte über „150 Jahre EGD. Was können wir aus der schönen Vergangenheit für die bescheidenere Zukunft hoffen“.

LED-Lampe von bioform: handlich aber teuer.

Derartige Bescheidenheit halte ich übrigens für völlig fehl am Platz. Früher war angeblich immer alles besser! Und die Museumszoologie inclusive der sogenannten Fachgesellschaften müssen sich 30 Jahre nach dem Siegeszug des Internets halt auch mal irgendwann wandeln. Wir haben heute in der Region wieder eine ordentliche Menge Beobachter, Fotografen und Datensammler, und die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sind heute um Lichtjahre besser als vor 150 Jahren.

À propos Licht: Für alle die noch ein wenig Geld auf dem Konto haben zum Schluss noch eine Neuerung, die vielleicht langfristig die Generatoren, Mischlichtlampen und Kabeltrommeln beim Lichtfang ersetzen wird: Eine ursprünglich aus dem Bootsbedarf stammende Lampe mit verschiedenen LED-Spektren war die Hauptattraktion im Entomologie-Shop nahe beim Löbbecke-Museum. Das etwa faustgroße Ding soll angeblich so gut fangen wie die herkömmlichen Anlagen, man spart sich den Generator, Lampen, und alles passt in eine kleine Tasche. Das macht den happigen „Einführungspreis“ von über 500 Euro vielleicht etwas erträglicher. Das Material trotz angeblich Wind und Wetter, bei der zu erwartenden Lebensdauer der LEDs kann man die Anlage an seine hoffentlich noch entomologie-begeisterten Enkelkinder vererben.

In diesem Sinne machen wir dann hier mal so weiter wie bisher: Im meinem Garten sind aktuell noch die drei Wintereulen Eupsilia transversa, Conistra vaccinii und C. rubiginosa am Köder unterwegs. Die ausgebrachten Alsophila-aceraria-Pheromone haben bisher in der Region noch keinen Falter ergeben, die Flugzeit für die im Spätherbst fliegenden Spannerarten hat aber auch gerade erst begonnen.

Veröffentlicht 26. November 2017 von Armin Dahl in im Netz, mehr Lepis

Wider den Trend: Heidelandschaft selbst gemacht   3 comments

„Was machst Du da Papa???“ 

„Ich pflanze mir eine Heide!“

JETZT SPINNT ER DANN KOMPLETT!. Die Schriftzeichen auf der Stirn meines Sohnes sind auf 10 Meter Entfernung mühelos zu entziffern. Etwas anderes war auch nicht zu erwarten, von einem techno-affinen Oberschüler, der bisher keinerlei Begeisterung für Gartenarbeit hat erkennen lassen – kurzgetrimmte, topfebene Rasenflächen rund um den Grill ausgenommen.

Ich krieche derweil auf den Knien in meiner Schafweide herum, buddele mit den bloßen Händen im Dreck, und grinse in mich hinein. Die Schafe haben auch schon so blöde geglotzt, als ich sie mit dem Elektrozaun aus einer kleinen Fläche ausgesperrt habe, auf der die „Dahlsche Heide“ entstehen soll. Ja richtig: Ich pflanze meine eigene Heide. Und zwar genau vor der Haustür. Und wenn mich alle für bescheuert halten, das musste einfach sein. Wollen wir doch erst mal sehen ob ich nicht dem ganzen Artenschwund und der Verinselung auf der Bergischen Heideterrasse ein Schnippchen schlagen kann!

Vor ein paar Jahren habe ich die Wiese vor meinem Haus gekauft, die war nach dem 2. Weltkrieg auch schon mal Haferfeld. Auf der stehen schon seit mehr als 15 Jahren meine Schafe, und der Sandboden ist ordentlich ausgemagert. Und vor einer Woche habe ich mit der Hife der Biostation Solingen einen Hänger voll Plaggen aus dem Heidegarten in der Ohligser Heide geholt, als Impfmaterial für meine Privatheide. Eine Wiedehopfhacke habe ich mir auch noch geleistet, das ist das ultimative Arbeitsgerät für alle die sich im Abplaggen und Wiedereinpflanzen von Besenheide, Ginster und anderen Sträuchern üben wollen.

Zwei Stunden abplaggen zu dritt, drei Stunden einpflanzen, fertig ist die Heide. Jedenfalls ein paar wenige Quadratmeter, und einen stabilen Zaun muss ich auch noch drum herum bauen, sonst zuppeln die Schafe alles wieder heraus. Der Thymian, von dem ich letztes Jahr ein paar Pflänzchen aus der Wahner Heide mitgenommen hatte, blüht schon mal. Und in ein paar Jahren kann ich mir dann hoffentlich das aufwendige Herumfahren sparen und typische Pflanzenarten wie Besenheide, Ginster und vielleicht das Sandglöckchen bei mir vor der Haustür begrüßen. Und wenn das erst mal soweit ist dann sind auch die typischen Heide- und Offenland-Falter nicht mehr weit.

Der Rücken tut weh vom ungewohnten Arbeiten, das Gerät ist aufgeladen, noch ein letzter Blick auf die Fläche, man sieht fast keine Veränderung zu vorher. Aber als ich wieder unter der Dusche herauskomme steht ein prächtiger Regenbogen über der Wiese, als gutes Omen für die kommende Heidefläche.

Veröffentlicht 22. Oktober 2017 von Armin Dahl in Heideterrasse, mehr Lepis, Pflege

Gewusst wie!   Leave a comment

Hipparchia alcyone, 1.7.2015 (Foto: Wolfgang Schäfer). das Bild ist am 1.7.15 auf dem Campingplatz “Haut Chandelalar” zwischen den Orten Brianconnet und St-Auban

Hipparchia alcyone, Frankreich, Camping Naturiste Le Haut Chandelalar zwischen Brianconnet und St-Auban, 1.7.2015 (Foto: Wolfgang Schäfer).

Ködern, Lichtfang, Kescher, alles überholt! Eine völlig neue Methode, wie man an außerordentliche Schmetterlingsbeobachtungen kommen kann, hat der Kollege Wolfgang Schäfer aus Wipperfürth im Urlaub in den Provencialischen Alpen entdeckt: Bestimmungsbuch vorzeigen! Der Falter konnte zwar nicht lesen (im „Settele“ steht noch der alte Name Hipparchia hermione). Aber genau hinschauen konnte er sehr wohl, und näherte sich der Abbildung des Kleinen Waldportiers (der heute Hipparchia alcyone heissen sollte) ohne Scheu. Das sollten wir mal dringen hier bei uns mit Schillerfalter und Konsorten ausprobieren.

 

 

Veröffentlicht 3. Februar 2016 von Armin Dahl in Arten / Listen, mehr Lepis, Tagfalter

Die Entomologen-WG   2 comments

Kiedernbstraße Düsseldorf: wo ist die Erleneule Acronicta alni?

Kiefernstraße Düsseldorf: Wo ist Acronicta alni?

Die Innenstadt von Düsseldorf ist für bekennende Landeier kein angenehmes Pflaster, unbekannte Straßen, irrsinniger Verkehr, Menschenmassen: Meine Aufenthalte beschränken sich normalerweise auf das Allernotwendigste. S-Bahn-Fahrten in bunten Multikulti-Truppen finde ich anstrengend, Städtchen gucken oder gar shoppen geht garnicht. Aber es gibt Ausnahmen: Die Kiefernstraße in Flingern an der Grenze zu Oberbilk ist ein Quartier in dem die Düsseldorfer Hausbesetzerszene entstand, wo es immer noch so ein bißchen nach Gummiknüppel riecht, obwohl die Stadt schon seit langem Mietverträge mit den Bewohnern abgeschlossen hat. Um die Ecke liegt das Kulturzentrum zakk, und man hat das Gefühl, jeden Moment könnten die Toten Hosen aus einem Keller gekrochen kommen.

Eigentlich wollte ich nur mein Auto abholen, dass bei der Weihnachtsfeier doch besser stehen geblieben war. Und dann nix wie weg! Aber dann war doch noch was für den Entomologen dabei: Eines der vielen bemalten Häuser in der Kiefernstraße ist von kundigen Entomologen in ein wunderschönes Panoptikum verwandelt worden!

Veröffentlicht 14. Dezember 2015 von Armin Dahl in Arten / Listen, Auf Tour, mehr Lepis

Kulturgutschutzgesetz – bruche mer nit, fott domet!   Leave a comment

Was geht das mich an? war mein erster Gedanke, als ich vor ein paar Wochen von Kollegen auf das neu geplante Kulturgutschutzgesetz aufmerksam gemacht wurde. Das ist so eine Sache für Ägyptologen oder moderne Maler, und für so was habe ich weder das nötige Kleingeld noch würde ich mir ein Bild von beispielsweise Gerhard Richter an die Wand hängen, einem der bekanntesten Gegner des Gesetzes.

Beim Lesen wurde mir allerdings rasch klar, was für eine Sprengkraft die Sache hat. Damit ich nicht alles neu formulieren muss, hier ein Zitat aus einer Mail von Karin Wolf-Schwenninger , die Kollega ist Präparatorin am Rosenstein-Museum in Stuttgart und dort für Insekten, Bernstein und anderes zuständig und kennt sich mit der Materie bestens aus:

„Das geplante Kulturgutschutzgesetz umfasst nicht allein Kunstsammlungen und archäologische Schätze.
Laut Art. 1, Kap. 1, § 2, Abs. 1, Ziff. 9 ist unter „Kulturgut“ jede bewegliche Sache oder Sachgesamtheit von künstlerischem, geschichtlichem oder archäologischem Wert oder aus anderen Bereichen des kulturellen Erbes, insbesondere von paläontologischem, ethnographischem, numismatischem oder wissenschaftlichem Wert zu verstehen.

Tritt das Gesetz in Kraft, würde es auch naturkundliche Objekte wie Fossilien oder Insekten (sofern sie wissenschaftlich bedeutend sind) zum „Kulturgut“ erklären. Solches darf nur mit einer Ausfuhrgenehmigung des Herkunftsstaates nach Deutschland gebracht werden.                  
Es geht dabei nicht nur um neue Funde, das Gesetz gilt rückwirkend bis zu 30 Jahre. Wer beispielsweise in den frühen 1990er Jahren Fossilien oder Insekten gesammelt hat und diese verkaufen oder einem Museum schenken will, müsste künftig Papiere vorweisen, die er meist gar nicht haben kann.
Museen sind jedoch auf die Zusammenarbeit mit Sammlern angewiesen (ein großer Anteil der Sammlungszuwächse sind Ankäufe oder Schenkungen von Privatsammlern).
Auch der Austausch mit Spezialisten im Ausland wäre extrem erschwert, da der bürokratische Aufwand enorm ansteigen würde.

Was mich betrifft, fallen mir das spontan die vielen hundert Belege aus meiner Landschneckensammlung ein, die ich während und nach dem Studium in Südeuropa gesammelt habe. Die stehen hinter meinem Schreibtisch im Regal und werden irgendwann auch mal im Museum landen. Derartige Sammlungen existieren auch überall bei den entomologisch tätigen Kollegen Und wer einmal einen Blick in die Schmetterlingssammlung des Löbbecke-Museums geworfen hat, weiß dass dort hunderte von Sammlern bisher problemlos ihre Funde integriert und auch bei Bedarf mit den dort vorhandenen Belegen gearbeitet haben. Wie sich das halt so gehört bei großen öffentlichen Sammlungen. Das hat alles bisher auch so funktioniert, ohne viel Schreibkram und dass sich nationale Behörden da eingemischt haben.

Wer sich den Regulierungsentwurf der Bundesregierung komplett ansehen will, findet das 156seitge .pdf unter bundesregierung.de. Und damit das bei einem Entwurf bleibt, habe ich zu allererst mal die Petition unter

www.openpetition.de/petition/online/fuer-den-erhalt-des-privaten-sammelns

unterzeichnet. Und ich bin gespannt ob zu den vorhandenen 35.000 Unterschriften noch weitere 85.000 zusammenkommen, damit das Ganze im Januar dem Petitionsausschuß des Bundestages vorgelegt werden kann. Die bisherige Praxis des Sammelns und der dafür notwendigen Genehmigungen ist schon kurios genug und hat die Naturwissenschaftliche Forschung in den letzten Jahrzehnten mehr behindert als gefördert. Für das alles gilt das Rheinische Grundgesetz Artikel 6:  Kenne mir net, bruche mir net, fott domet.“

 

 

 

Veröffentlicht 27. November 2015 von Armin Dahl in im Netz, mehr Lepis