Archiv für die Kategorie ‘Ökologie

Mullay TV – die Mosel geht insta!   Leave a comment

Scrreenshot vom Mullay-Hofberg, 14. Mai 2020, mit Rotem Scheckenfalter. © Jannis Melsheimer

Ein Marienkäfer krabbelt herum, eine Schwebfliege, dann eine Rote Mordwanze, eine fette Schnake. Darauf weitet sich der Blick, man sieht einen extrem steilen Weinbergshang, unten die Mosel. Man hört den Schienenbus der Moselweinbahn rattern, im Vordergrund flattert ein Schmetterling auf einer Margerite.

Und zwar nicht irgendein Schmetterling: Der Rote Scheckenfalter Meliaea didyma, eines der Highlights der Moselfauna. Mullay TV, Folge 1, vom 14 Mai 2020, gedreht von Jannis Melsheimer, spielt in dem Weinberg, in dem wir 2014  die unvergessenen „Weinschwärmer“-Exkursion durchgezogen haben. Die 160 Groß- und Kleinschmetterlingsarten von damals stecken mir heute noch in den Knochen, geleuchtet wurde bis zum hellwerden, am Ende war auch der Kaiserbär Epatolmis luctifera auf der Liste.

Auf über 12 Hektar Fläche machen die Melsheimers dort ihren Öko-Wein, nach Demeter-Vorgaben, gespritzt wird so wenig wie möglich. Und nicht nur der Melsheimer-Riesling ist toll, auch die Fauna drumherum. Ich hoffe ihr könnt das hier sehen, Instagram-Videos habe ich noch nie eingebettet. Zur Not müsst ihr eure Kinder fragen, falls vorhanden.

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Mullay Tv Episode 01 🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 This is the first edition of Mullay TV ©. Not only ordinary insects like the ladybug and the long hoverfly call Mullay their home but also other beautiful living organisms. We are extremely proud to share this mountain with them. The highlight of our first episode is the red fritillary which was spotted during the work in our vineyard “Langeberg". ——————————————————————— Mullay TV Folge 01 🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 Dies ist die erste Ausgabe von Mullay TV ©. Neben gewöhnlicheren Insekten wie dem Marienkäfer und der Langbauchschwebfliege finden auf Mullay die schönsten Lebewesen eine Heimat. Wir sind überaus stolz diesen Berg mit ihnen teilen zu dürfen. Das Highlight der ersten Folge sind die Roten Scheckenfalter, entdeckt beim zweiten Spritzgang diesen Jahres im Langeberg. ————————————————————————🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 In cooperation with @jannis_melsheimer @paulamelsheimer @rieslingmax @frederikluca @lohnmaeher @h_a_n__n_a_h @thorsten_melsheimer @simon_ghaznawi @mottenfluesterer / www.heidelandschaft.de/ Thank you for keeping mullay alive #moselteiltnatur #mullay #insect #demeter #mosel #melsheimer #moselwine #ecovin #mullayhofberg #organicwinesforfuture #biowein #bioweinbau #ecovinbiowein #liebezumweinberg #biodynamicwine #biohoefe #weingutmelsheimer #bioriesling #naturalwine

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Veröffentlicht 27. Mai 2020 von Armin Dahl in Ökologie, Tagfalter

Hurra! wir leben noch   5 comments


„Wie stark ist der Mensch? Wie stark?
In der Not hilft weder Zorn, noch lamentieren.
Wer aus lauter Wut verzagt und nichts mehr tut,
Der wird verlieren.“

Wenn Tim Laußmann in diesem Blog anfängt, den Papst zu zitieren, dann wirds richtig ernst! Da  möchte ich nicht zurückstehen und empfehle Euch heute die italienische Sängerin Milva, Jahrgang 1939, die  – mal abgesehen von dem eingebetteten Video – seinerzeit mit Mikis Theodorakis und Astor Piazolla  auch wirklich gute Musik gemacht hat.

Wer nichts mehr tut, der wird verlieren: Unter dieses Motto kann man vielleicht die kommenden Wochen stellen, in denen alle Veranstaltungen und Exkursionen wegen der Corona-Epidemie abgesagt sind, und viele von Euch zu Hause sitzen. Die Decke fällt einem auf den Kopf, und draußen ist es auch noch eisekalt, die Schönwetterperiode im März 2020 hat erst mal ein Ende gefunden. Jetzt kommt die politisch völlig unkorrekte, aber auch vom Deutschen Wetterdienst verwendete „Russenpeitsche“ mit arktischer Kaltluft. Zeit also die vielen Bilder zu sortieren, nachzubestimmen, oder sich im Internet ein wenig umzusehen.

Zum Beispiel im Portal observation.org, das mittlerweile für alle Bundesländer eigene Unterseiten hat. So finden sich zum Beispiel in nrw.observation.org über 44.000 Tagfalterbeobachtungen aus Nordrhein-Westfalen. Darunter sind alleine im Frühjahr 2020 über 70! Beobachtungen vom Großen Fuchs, der damit zwischen Emsland und Eifel deutlich häufiger beobachtet wurde als der Kleine Fuchs (13 Beobachtungen).

Woran das liegt kann vorerst niemand sicher erklären, C-Falter, Waldbrettspiel, Landkärtchen hatten alle schon mal schlechte Zeiten mit wenigen Nachweisen, das Kleine Wiesenvögelchen und der Mauerfuchs scheinen sich in der Region gaaanz langsam zu erholen. Der Große Fuchs war jahrzehntelang verschwunden und ist heute wieder zurück, den Scheckenfaltern wie Melitaea cinxia ist das bisher nicht gelungen. Die Vorkommen vom Kleinen Fuchs machen in den vergangenen Jahren starke Häufigkeitsschwankungen durch, jedenfalls in unserer Region. In der Eifel kann das Ganze schon wieder völlig anders aussehen, dort ist der Kleine Fuchs nach meiner Einschätzung stetiger und häufiger – die langfristigen Bestandsschwankungen vieler Tagfalterarten bleiben ein Mysterium.

Zum Abschluss aber noch ein Bild aus Wuppertal, von der Gleisbrache in Vohwinkel, wo vor 16 (!) Jahren am 17. April ein Weibchen von Saturnia pavonia ans Licht kam.. Ziemlich genau drei phänologische Wiochen früher, am 28. März 2020, saß dort wiederum ein Männnchen des Kleinen Nachtpfauenauges in der Pheromonfalle von Armin Radtke.

Veröffentlicht 29. März 2020 von Armin Dahl in Mikros, Phänologie, Spinner, Tagfalter

Danke, Yvonne, für diese Nacht!   4 comments

 

Stilleben mit Leuchtturm und Sandalen, Haan Spörkelnbruch 25 Juli 2019, 06.45 Uhr, 24′ Celsius 

Die Flugaktivität der nachtaktiven „Motten“ ist in tropischen Nächten besonders hoch, die Daten-Erfassung artet in Arbeit aus. Geschlafen wird stattdessen in der Nachmittagshitze.

In Europa purzeln die Temperaturrekorde, eine Schwall Saharaluft, angetrieben von Hochdruckgebiet „Yvonne“, erreicht den Westen Deutschlands. Kein Witz: die heißeste Stadt Deutschlands ist – wenn auch wahrscheinlich nur für einen Tag – das beschauliche Geilenkirchen an der holländischen Grenze. 40,5 Grad heiß war es dort am 24. Juli 2019.

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Lycophotia porphyraea, verwackelt, aber unverkennbar

Ein Datum das auch mir im Gedächtnis bleiben wird: Die 60-Arten-Makros-Grenze knacke ich in meinem Garten nur sehr selten, aber vergangene Nacht war es dann mal wieder so weit.

Angetrieben von den tropischen Temperaturen scheinen die Motten ihren Aktionsradius zu erweitern, vergangene Woche hat es zudem einmal kurz aber kräftig geregnet, so dass etliche Arten frisch geschlüpft sind.

In solchen Nächten erscheinen dann die dicksten Brocken, Kiefernschwärmer, Weidenbohrer, Grasglucke, zudem kann man in der Nähe des Leuchtturms kaum mehr atmen, dort wuselt ein Heer von kleinen Krabbeltieren herum.

„Beste“ Art in der abgelaufenen Nacht war die an Heidekraut lebende Lycophotia porphyrea, deren nächste Entwicklungslebensräume in Luftlinie etwa 1,5 Kilometer entfernt auf dem Sandberg in Hilden liegen.
Häufigste Art bei den Makros war die hübsch grüne Cryphia algae mit einem Dutzend Tieren, dicht gefolgt vom Eichenprozessionsspinner, der seit zwei Tagen unterwegs ist und mit 10 Tieren ans Licht kam.

EPS

Eichenprozessionsspinner bei der Fortpflanzung. Haan, Spörkelnbruch, 25. Juli 2019 (Foto: Armin Dahl)

62 Arten Großschmetterlinge standen beim Ausschalten der Anlage um halb sechs auf dem Zettel. Etliche davon sind erst nach 03.00 Uhr Morgens angeflogen – 2 1/2 Stunden Schlaf müssen in solchen Nächten mal reichen: wer da nicht wach bleibt ist kein richtiger „moth maniac“.


Kleiner Nachtrag vom 25. Juli: Heute habe ich auf meinem Thermometer (hängt im Kirschbaum im Schatten) 40,4°C gemessen, um 17.00 Uhr.

Veröffentlicht 25. Juli 2019 von Armin Dahl in EPS, Heideterrasse, Klimawandel, Phänologie

Eselswolfsmilch-Glasflügler in Massen   6 comments

Heute kam per Mail eine höchst bemerkenswerte Beobachtung von Willi Wiewel aus Duisburg herein,  die hier ungekürzt wiedergeben wird

habe heute erstmalig in diesem Jahr einen Versuch bei den Glasflüglern unternommen und gleich mit einem Überraschungsergebnis. Ich hatte zwar Fallen und Pheromone dabei, die brauchte ich aber nicht. Die Esels-Wolfsmilch in den linksrheinischen Wiesen in Duisburg-Rheinhausen saß voll mit den kleinen Glasflüglern. Bei etwa 23° C. konnte ich zwischen 15:30 und 17:00 Uhr gar nicht alle zählen, die sich an der Eselswolfsmilch bewegten und auch darauf saßen. Insgesamt bin ich auf ein Ergebnis von 46 Faltern dieser Art gekommen, wobei ich glaube, dass es eher die doppelte Anzahl war.
Ich muss dazu sagen, dass die blühende Euphorbia esula wohl in der Größe mehrerer Fußballfelder dort wächst, unglaublich, habe solche Mengen davon noch nie gesehen. An jedem Fleckchen dort waren auch Falter zu finden.
Zumindest wurde mir bestätigt, dass Ch. tenthrediniformis wohl 14 Tage früher fliegt, als Ch. empiformis. Das werde ich aber noch testen, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Diese riesige Wolfsmilch-Fläche hatte ich schon vor einigen Wochen entdeckt. Da kam das gute Wetter heute gerade recht.

Veröffentlicht 18. Mai 2019 von williwiewel2018 in Glasflügler, Lebensräume, Phänologie

Taubenschwänzchen: Überwinterer im Rheinland   3 comments

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Wenn es nicht gerade Mitte Februar wäre, dann würde sich bei schönstem Sonnenwetter und Temperaturen über 15°C niemand wundern: In den vergangenen Tagen sind an verschiedensten Stellen der Region Taubenschwänzchen aktiv gewesen, und zwar an Primeln, Hyazinthen und – das gabs noch nie – an Krokus!
Und zwar sowohl in der Innenstadt von Mainz, im klimatisch begünstigten Ahrtal, aber auch mitten in Düsseldorf und sogar in Wuppertal.

Normalerweise fliegen im Niederbergischen die ersten Falter von Macroglossum stellatarum erst im späten Frühjahr ein, Überwinterer fliegen im April an wenigen wirklich heißen Plätzen, wie der Untermosel und im Nahetal.

Taubenschwänzchen am 18. Februar 2019 in Ahrweiler (Foto: Kira Ippendorf)


Im Jahr 2017 allerdings scheint es auch schon sehr früh losgegangen zu sein, Pat Nash hatte den ersten Falter in Düsseldorf-Stockum am 24.03.2017. Im vergangenen Jahr zum Beispiel wurde der erste Falter nach unseren Daten in Hatzenport / Mosel gesichtet, am 21.04.2018.

Damit scheint sich in unserer Region eine Population zu etablieren, die im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr im Herbst abwandert, sondern als Imago überwintert. Das gleiche Phänomen haben wir in den zurückliegenden Jahrzehnten von anderen Tagaktiven Faltern gesehen, so hat der Admiral (Vanessa atalanta) mittlerweile in der Region fest etabliert und überwintert in verschiedenen Stadien.

Man möchte jetzt „Klimawandel“ schreien, aber da ist Vorsicht angebracht: Bereits in den frühen 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die großen Naturschutz-Themen noch „Waldsterben“ und „Ozonloch“ hießen gab es das gleiche Phänomen. „Können Admiral und Taubenschwanz bei uns überwintern?“ fragte seinerzeit Helmut Kinkler (1992) in der Melanargia, und meldete Taubenschwänzchen von Anfang März aus Nassau, und Admirale aus dem Februar.

Veröffentlicht 18. Februar 2019 von Armin Dahl in Klimawandel, Phänologie, Wanderfalter

Winter schon wieder vorbei, hoffentlich   1 comment

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Ich kann mich leider nicht für Winterlandschaften begeistern, bei Frost und Dunkelheit herumzulaufen und ständig den Ofen nachzufeuern finde ich komplett verzchtbar, ich gebs zu: der Klimawandel mit 2 Grad mehr Durchschnittstemperatur flößt mir vorert weit weniger Furcht ein, als es vielleicht angebracht wäre.

Aber das schlimmste ist für dieses Jahr überstanden, die ersten Frühjahrsfalter sind unterwegs, und an den Köderstellen sind eine Menge vom kalten Wetter ausgehungerte Falter unterwegs. Eine kleine Köderrunde im Neandertal brachte heute am Abend knappe 50 Falter und ein paar schlechte Handyfotos. Und auch in unserem „schönsten“ Lichtfangplatz, dem Tunnel unter der A46 im Eller Forst, ist schon wieder Betrieb. Als Beifang: ein schlafender Gartenbaumläufer, der sich auf Augenhöhe in einem kleine Loch an einem Köderbaum verkrochen hatte.

 

 

Veröffentlicht 5. Februar 2019 von Armin Dahl in Eulenfalter, Phänologie, Spanner

Letzte Mohikaner und Minensuche   8 comments

Cupido argiades, Dormagen, Wahler Berg, 30 September 2018. (Foto: Armin Dahl)

Den ersten Kurzschwänzigen Bläuling habe ich in diesem Jahr am 6. Mai gesehen, auf der Wiese vor meinem Wohnzimmer in Haan. Den vorläufig letzten gestern, am 30 September 2018, in einem Ackerrandstreifen am Wahler Berg in Dormagen. Wieviele Generationen der Falter im Supersommer 2018 hinbekommen hat, kann ich zwar nicht abschätzen, aber ich schätze mal eher vier als drei. Das ganze Phänomen der Ausbreitung von Cupido argiades finde ich nach wie vor unfassbar, bedenkt man wie selten der Falter noch in den 90ern in Deutschland war.

Andere Arten kommen da nicht mit, warum zum Teufel profitiert das Kleine Wiesenvögelchen nicht vom Klimawandel? Obwohl ich vor der Haustür die schönste Magerwiese habe, muss ich immer fast bis an den Rhein fahren, wenn ich einen Falter der Art sehen will. C. pamphilus, der mal überall im Grünland häufig war, ist ganz offensichtlich nicht ausbreitungsstark genug, um die paar Kilometer Luftlinie von den Rheindeichen bis nach Haan zu expandieren. Auch C. pamphilus macht mindestens drei Generationen durch, und fliegt aktuell noch auf den rheinnahen Trockenwiesen, wo es noch keinen Reif oder Bodenfrost gab.

Übrigens: Wem langweilig ist, weil draußen nur noch wenige Arten fliegen, oder das Wetter schlecht wird, der kann ja bei den anderen Entwicklungsstadien noch eine Weile weitermachen: Momentan sind zum Beispiel die Minen von Parectopa robiniella zu finden, zumindest in den wärmeren Regionen am Rhein entlang:  Die Art hat ebenfalls eine rasante Ausbreitungsgeschichte hinter sich, hat in diesem Jahr anscheinend die kompletten Niederlande erobert.

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Veröffentlicht 1. Oktober 2018 von Armin Dahl in Mikros, Phänologie, Tagfalter

Fransenflügler oder die Physik des Luftplanktons   Leave a comment

Die folgende Pressemitteilung hat zwar nichts mit Schmetterlingen zu tun, ich fands aber trotzdem ganz interessant. Was für die ziemlich abgefahrene Gruppe der Thripse gilt, wird auch für viele andere Kleinschmetterlinge und „Luftplankton“ gelten.

In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Bildquelle: WetterOnline

Wenn ein Gewitter bevorsteht, tauchen sie plötzlich in Schwärmen auf und landen auf allem, was gerade im Weg ist: Gewittertierchen, in der Fachsprache der Biologen Thripse genannt. Die winzig kleinen schwarzen Insekten sind besonders gut auf heller Kleidung zu sehen und krabbeln auf freien Haustellen. WetterOnline sprach mit dem Biologen Dr. Manfred R. Ulitzka (http://www.thrips-id.com/de/), dem Fachmann auf dem Gebiet der Fransenflügler (Thysanopteren), über die Fähigkeiten dieser winzigen Insekten.

Gewittertierchen sind Schönwetterflieger
In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Sie sind keine Flugkünstler, denn von sich aus können sie kaum fliegen. Vielmehr nutzen sie die durch sommerliche Thermik ausgelösten Aufwinde, um sich in der Luft zu halten. Sonniges Wetter bei Temperaturen von über 20 Grad lässt die Insekten aufsteigen. An warmen Tagen sind sie dann in großer Anzahl weit verteilt in höheren Luftschichten unterwegs. Wenn sich an einem hochsommerlichen Tag ein Gewitter entwickelt, bekommt man den Eindruck, dass die winzigen Tierchen plötzlich überall sind. Doch warum ist das so?

Was passiert mit den Thripsen, wenn ein Gewitter aufzieht?
Ein sich entwickelndes Gewitter sorgt dafür, dass die Thripse, die sich zuvor bis in eine Höhe von mehreren Kilometern in der Luft verteilen, in die unteren Luftschichten absinken und nah am Boden konzentrieren. Sie versuchen dort zu landen und nutzen jedes Objekt, das sich dazu bietet – auch den Menschen. Die Sichtbarkeit von Gewittertierchen kann also durchaus ein drohendes Gewitter anzeigen. Richtige Gewitterpropheten sind Thripse allerdings kaum, denn sobald wir die kleinen Insekten wahrnehmen, ist die Entwicklung des Gewitters schon im vollen Gange und bereits für jeden offensichtlich.

Woher wissen Thripse, dass ein Gewitter bevorsteht?
Gewitterwürmchen werden durch einen bedeutenden physikalischen Faktor zur Landung gezwungen: Der Veränderung der Feldstärke vor einem Gewitter. Die entstehende Gewittersituation übe durch die elektrische Feldschwankung Einfluss auf das Flugverhalten vieler Tiere aus, erklärt Manfred Ulitzka und bezieht dies auch explizit auf die Thysanopteren. Die genauen Gründe für ihr Verhalten sind wissenschaftlich noch nicht geklärt. „Als Auslöser dieses Verhaltens kommen nach bisherigen Erkenntnissen ausschließlich Änderungen der elektrischen Feldstärke in der Luft in Betracht“, erklärt der Biologe. Bei schönem Wetter beträgt die Feldstärke des „Schönwetterfeldes“ etwa 100 bis 300 Volt/Meter, die Thripse sind in allen Luftschichten bis in große Höhen unterwegs und lassen sich von der Thermik treiben. Entsteht ein Gewitter, so steigt die Feldstärke an und kann Werte von bis zu 50.000 Volt/Meter erreichen, dann drohen Blitz und Donner. Thripse und andere kleine Insekten reagieren mit ihrem Flugverhalten bereits bei deutlich niedrigeren Feldstärken und stellen ihre Flugaktivität spätestens bei einer Feldstärke von 8.000 Volt/Meter komplett ein. Sie legen dann einfach ihre Flügel an und sinken ab. Warum das so ist, konnte jedoch bis heute noch nicht wissenschaftlich geklärt werden.

Warum landen die Tiere dann ausgerechnet auf Menschen?
Helle Farben sind für die Insekten besonders attraktiv. Thripse können jedoch ihr Flugverhalten kaum bestimmen. In erster Linie werden sie vom Wind getragen und können die Flugrichtung durch ihre Flügelstellung nur geringfügig ändern und dies auch nur solange, wie der Wind schwach ist. Thripse landen daher vollkommen zufällig auf Menschen.

Quelle: https://www.wetteronline.de

Veröffentlicht 4. Juli 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Ökologie

Alle Sesien sind schon da!   4 comments

Sesia apiformis, Düsseldorf-Wittlaer, 23. Mai 2018 (Foto: Tobias Krause)

Das ungewöhnlich warme und trockene Frühjahr 2018 hat der Entwicklung vieler Arten einen enormen Schub verpasst. So fliegen die in der Region seit langem bekannten Populationen von Satyrium pruni schon seit mindestens einer Woche. Und am Licht zeigen sich echte Hochsommertiere wie der Pustelspanner Comibaena bajularia. In den letzten Tagen haben wir deshalb begonnen an verschiedenen Stellen die Pheromonfallen aufzuhängen, um die einheimischen Glasflügler nachzuweisen.

Und siehe da: Sie fliegen schon! In Dormagen im NSG Wahler Berg konnten im ersten Anlauf gleich fünf verschiedene Arten nachgewiesen werden,darunter die an Zypressenwolfsmilch lebende C. empiformis, die man als Zeigerart für trocken-warme Offenland-Lebensräume bezeichnen kann. Aber auch im Siedlungsbereich sind zahlreiche Arten unterwegs, die man ohne die Pheromone niemals zu Gesicht bekommen würde. Neuester Nachweis und das „analog“, ganz ohne Pheromon: Eine frisch geschlüpfte Sesia apiformis in Düsseldorf-Wittlaer.

Veröffentlicht 23. Mai 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Glasflügler, Phänologie

Über den Tellerrand gucken   1 comment


Zum wiederholten Mal habe ich an der niederländischen Fachtagung Landelijke Dag
(Schmetterlinge und Libellen) der UNI Wageningen am 3. März 2018 teilgenommen. Trotz Schnee bei der Abfahrt und langer Anreise kam ich abends begeistert zurück.

Das Thema dieses Jahr: Schmetterlingsreiches Grasland. Hochqualifizierte Fachleute aus dem In- und Ausland mit aktuellen gut untermauerten Graphiken und Tabellen gaben sehr professionell einen Einblick in neue Forschungs- bzw. Untersuchungsergebnisse.

Praktische Erfahrungen von Naturschutzleuten sowie ästhetisch und technisch gut gelungene Filme rundeten das Bild ab. Da man auf Augenhöhe kontaktierte, herrschte eine sehr herzliche Atmosphäre. Kein Wunder, es kamen über 450 aus NL und Belgien und wohl 2 (?) aus Deutschland.

Nachträglich bekam ich sogar noch ein Dankesschreiben für meine Teilnahme. Da können unsere Organisatoren der heimische Fachtagungen mit ihren äußerst speziellen Referaten wohl nur von träumen, allein das Letztere war schon immer ein Grund daran nicht teilzunehmen. Welch ein Gegensatz zu den „Fachleuten“, die im Forum die größte friesische Insel Texel offensichtlich nicht kennen, und NL (Kfz.-Kennzeichen!) eher mit Neuseeland verbinden. Diese menschliche Kleinkariertheit ist wohl kaum zu übertreffen.  Welch ein Gegensatz zu den Fachleuten, die zur genauen Bestimmung unbedingt die Tötung zwecks Genitalienuntersuchung fordern.

So Gott will, werde ich im nächsten Jahr mit noch mehr Begleitern nach Wageningen fahren!

 

Veröffentlicht 7. März 2018 von dietmarborbe in Auf Tour, Ökologie, mehr Lepis

Die meisten Schmetterlinge gibts im Winter!   1 comment

„Toller Mottenporno“! Der morgendliche Empfang am Arbeitsplatz ist immer ein Ereignis, mein Arbeitskollege stammt aus St. Petersburg und ist ein Spassvogel mit drastischen Sprachbildern. Und er hat ja auch ein bisschen Recht, der gestrige Leucht- und Köderabend hatte es in sich, auch wenn es dabei zu keinerlei erotischen Aktivitäten kam.

Gestartet sind wir bei Einbruch der Dunkelheit im Hasseler Forst, dort führt eine breite Bahn- Gas- und Stromtrasse durch den Eichenwald. Die regelmäßigen Pflegemaßnahmen haben eine Art Niederwald mit reichlich Stockausschlägen hervorgebracht, es gibt an einigen Stellen offenen Sandboden – ein Paradies für Schmetterlinge mitten im Ballungsraum. Der Platz hat es in sich, hier fliegt im Sommer der Pflaumen-Zipfelfalter Satyrium pruni, und der Kaisermantel. Aber momentan geht es um etwas anderes, winteraktive Eulen und die ersten Frühjahrsarten bei den Spannern stehen auf der Wunschliste.

Schnell werden 25 Köderschnüre aus Jute aufgehängt, getränkt mit Glühwein-Zucker-Gemisch 1:2, ein paar Eichen werden auch noch angesprüht, zwei Lampen sollen lichtaffine Falter anlocken. Es ist der 10. Januar, 17.30 Uhr, 8 Grad Außentemperatur, bedeckter Himmel, windstill, der Wetterbericht verspricht ein paar Regentropfen in der Nacht, eine Warmfront zieht heran.

Massenanflug von Conistra vaccinii, Düsseldorf, 10. Januar 2018 (Foto: Armin Dahl)

Mittlerweile ist es ziemlich dunkel, Als ich das erste Mal die Taschenlampe anmache und eine der Köderschnüre kontrolliere, trifft mich fast der Schlag: Massenanflug! Die Köderschnur ist komplett bedeckt von Faltern! Die nächste ebenso! Bei dem Gewimmel kommt man mit dem Zählen kaum nach und übersieht zwischen den sehr häufigen Heidelbeereulen (Conistra vaccinii) fast die einzeln vertretenen anderen Arten. In den 15 Jahren in denen ich jetzt mit Nachtfaltern unterwegs bin habe ich noch nie solch ungeheuren Anflug am Köder gesehen! Also wird schnell das Handy gezückt und ein paar Fotos und ein Video [der „Mottenporno“] gedreht, das direkt nach facebook hochgeladen wird, zur Motivation der KollegInnen die zu Hause auf dem Sofa liegen.

Auch die neue LED-Lampe zieht einiges an Eulenfaltern an, ein einzelner Falter von A. marginaria sitzt im Gebüsch, angelockt oder nicht, auf jeden Fall extrem früh dran dieses Jahr. Die Haselbüsche stauben beim Daraufklopfen ganz ordentlich, die Pollensaison hat begonnen, auch hier kriechen einige Eulenfalter herum. Ob die wohl den Pollen fressen? Viele Eulen sitzen saugend an den Enden von abgeschlegelten Gehölzen, die offensichtlich schon im Saft stehen. Und das am 10. Januar! Zu Hause werden die auf dem Fresszettel notierten Zahlen zusammengerechnet, etwa 1500 Individuen stehen darauf, von 10 Großschmetterlingsarten und einem „Mikro“. Nicht schlecht für zwei kurze Stündchen, an einem frühen Winterabend. Vierstellige Individuenzahlen 10 Tage nach Silvester!

Und zum Thema Insektensterben, auch wenn das politisch nicht korrekt ist: Die Wald- und Waldrandfauna, also die gehölzfressenden Arten, hat mitnichten einen solchen Einbruch zu verzeichnen wie die Offenland-Tiere, die an Gräsern und / oder Kräutern leben. Jedenfalls nicht in der Düsseldorfer Region und schon gar nicht bei den winteraktiven Arten. Die profitieren ganz klar von den milden, warmen Wintern!

Alle Daten findet Ihr unter https://observation.org/gebied/view/259558

Veröffentlicht 11. Januar 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter, Insektensterben, Klimawandel, Phänologie, Spanner

Kartoffelsack in Rotweinsoße   6 comments

Von wegen Insektensterben! 20 Köderschnüre, getränkt mit Bier-Glühwein-Zuckergemisch, hängen seit ein paar Wochen in meinem Garten. Was zugegebenermaßen ein wenig unordentlich aussieht! Die Streifen aus Jute hängen an Sträuchern und Bäumen, es duftet nach „Kartoffelsack in Rotweinsoße“ und bei dem Goldenen Oktoberwetter sausen dort tagsüber Fliegen, Wespen und Hornissen herum. Da wir aber keinen Designergarten haben ist mir das völlig Wurscht, viel wichtiger als die Optik sind mir die Artenvielfalt und Individuenzahl der Schmetterlinge und des restlichen sechsbeinigen „Ungeziefers“.

Das gesamte Jahr hindurch wurde das Thema Insektensterben in den Medien und Fachkreisen rauf- und runtergespielt, deshalb hier mal ein Statement der eher ungewöhnlichen Art: Ich hatte noch nie so viele Falter in Garten wie im Herbst 2017! Gefühlt seit Wochen steigt die Anzahl der Eulenfalter am Köder an, gestern war der vorläufige Höhepunkt: Gezählte 320 Falter von Conistra vaccinii, insgesamt 10 Arten mit über 400 Individuen. Das bedeutet gute 20 Minuten Arbeit mit der Stirnlampe und Strichliste, und die Zahlen sind immer zu niedrig: Viele Falter lassen sich beim Annähern einfach ins Gras fallen oder sitzen rund um die Köder in den Ästen.
Und nicht nur die Eulen sind im Herbst 2017 gut vertreten: Neben verspäteten Schilfeulen fliegen immer noch einzelne Buchsbaumzünsler ans Licht, und die Flechtenbären Eilema depressa und Eilema griseola haben offenbar eine zweite Generation eingelegt und fliegen schon wieder.

Veröffentlicht 18. Oktober 2017 von Armin Dahl in Arten / Listen, Ökologie, Eulenfalter, Insektensterben

40 Makros, endlich Frühling!   Leave a comment

Am Vortag gab´s noch Reif auf meiner Wiese und null Anflug ans Licht, aber gestern kam dann endlich mal eine ordentliche Warmfront aus Süden angerauscht. Anlass genug für einen kleinen abendlichen Sprung in die Ohligser Heide, die praktischerweise direkt vor meiner Haustür liegt.
Beim Aufbau der Lichtanlage gab´s erst einmal Waldschnepfenstrich, leider ist die Ohligser Heide wegen der nahen A 3  vom Schwerverkehr dermaßen verlärmt, daß man die Tiere immer erst im letzten Moment hören kann.
Zum ersten Mal in 2017 musste das Anti-Brumm eingesetzt werden, aber das nehme ich als Zeichen für guten Anflug immer gerne in Kauf.  Zwei Stunden später standen dann immerhin 40 Makro-Arten auf dem Zettel, darunter etliche typische Heidetiere und Großwild wie Kiefern- und Lindenschwärmer. So kann es wegen mir weitergehen mit dem Frühling!

Lichtfangprotokoll, Solingen, Ohligser Heide, 11. Mai 2017

Veröffentlicht 12. Mai 2017 von Armin Dahl in Arten / Listen, Heideterrasse, Phänologie

Pieris mannii in Hitdorf   2 comments

… ist schon seit 14 Tagen wieder unterwegs. Hier mal rasch aus einer Mail von Klaus Böhm zitiert:

Pieris mannii, Leverkusen-Hitdorf, 9. April 2017 (Foto: Klaus Böhm)

…. vorab ein paar kurze Notizen von dem mir kontrollierten Pieris mannii- Vorkommen in Hitdorf (Gartenkomplex mit reichlich Schleifenblume)

Nach dem Erstfund von mannii am 28.06. letzten Jahres dort, suchte ich die Stelle erst wieder ab dem 28.08, dann aber regelmäßig, wieder auf. An allen 13 Beobachtungstagen gelang es mir, die Art dort nachzuweisen, insgesamt 70 Falter, z.B max. ca. 10 Tiere (6 Männchen, 4 Weibchen) am 22.09., noch 7 Exemplare am 9.10., letzte Beobachtung am 31.10. mit einem frischen Männchen. Es wurden dort u.a. auch zahlreiche Eiablagen von verschiedenen Weibchen dokumentiert, wie es überhaupt gelang, von vielen Tieren Fotobelege anzufertigen.

Nach nun reichlich Übung und Erfahrung lassen sich die Falter, insbesondere auch die Männchen, ohne  sie zu fangen, problemlos von Kleinen Kohlweißlingen unterscheiden.

Dieses Jahr wurde bei sonniger Witterung dort am 24.03. noch kein mannii beobachtet, jedoch ein Kl.Kohlweißling, am 31.03. dann aber ein Männchen und Weibchen von mannii, weitere 5 mannii Tiere dort an 2 Tagen Anfang
April….

 

 

Veröffentlicht 15. April 2017 von Armin Dahl in Phänologie, Tagfalter

Große Sause im Zwetschenbaum   1 comment

Momentan blühen in der Region die Wildzwetschen (Prunus cerasifera), und zufällig steht vor unserem Wohnzimmer ein großes Exemplar. Der Duft der Blüten ist reichlich intensiv, man könnte fast sagen, der Baum stinkt zur Blütezeit. Aber das nehmen wir natürlich gerne in Kauf für den tollen Anblick des blühenden Baums in der winterkahlen Landschaft.

Am Tage ist das schon toll, aber Nachts geht im Baum voll die Post ab: Hunderte von Eulenfaltern holen sich den Nektar und benutzen die Zwetsche als Treffpunkt und Tankstelle. Und wer rechtzeitig amAabend die Lichtfalle aufgehängt hat, der kann am Morgen fast die komplette Frühjahrs-Fauna registrieren.
Heute: 95 x Orthosia cerasi, 10 x Orthosia gothica, 6 x Orthosia incerta, 4 x Orthosia cruda, 3 x Orthosia munda, 2 x C. vaccinii, 2 x A. flavicornis, 1 x Cerastis leucographa, 1 x Biston strataria, 1 x E. crepuscularia, 1 Totengräber.

Veröffentlicht 20. März 2017 von Armin Dahl in Arten / Listen, Eulenfalter, Phänologie

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