Archiv für die Kategorie ‘Ökologie

Eselswolfsmilch-Glasflügler in Massen   6 comments

Heute kam per Mail eine höchst bemerkenswerte Beobachtung von Willi Wiewel aus Duisburg herein,  die hier ungekürzt wiedergeben wird

habe heute erstmalig in diesem Jahr einen Versuch bei den Glasflüglern unternommen und gleich mit einem Überraschungsergebnis. Ich hatte zwar Fallen und Pheromone dabei, die brauchte ich aber nicht. Die Esels-Wolfsmilch in den linksrheinischen Wiesen in Duisburg-Rheinhausen saß voll mit den kleinen Glasflüglern. Bei etwa 23° C. konnte ich zwischen 15:30 und 17:00 Uhr gar nicht alle zählen, die sich an der Eselswolfsmilch bewegten und auch darauf saßen. Insgesamt bin ich auf ein Ergebnis von 46 Faltern dieser Art gekommen, wobei ich glaube, dass es eher die doppelte Anzahl war.
Ich muss dazu sagen, dass die blühende Euphorbia esula wohl in der Größe mehrerer Fußballfelder dort wächst, unglaublich, habe solche Mengen davon noch nie gesehen. An jedem Fleckchen dort waren auch Falter zu finden.
Zumindest wurde mir bestätigt, dass Ch. tenthrediniformis wohl 14 Tage früher fliegt, als Ch. empiformis. Das werde ich aber noch testen, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Diese riesige Wolfsmilch-Fläche hatte ich schon vor einigen Wochen entdeckt. Da kam das gute Wetter heute gerade recht.

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Veröffentlicht 18. Mai 2019 von williwiewel2018 in Glasflügler, Lebensräume, Phänologie

Taubenschwänzchen: Überwinterer im Rheinland   3 comments

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Wenn es nicht gerade Mitte Februar wäre, dann würde sich bei schönstem Sonnenwetter und Temperaturen über 15°C niemand wundern: In den vergangenen Tagen sind an verschiedensten Stellen der Region Taubenschwänzchen aktiv gewesen, und zwar an Primeln, Hyazinthen und – das gabs noch nie – an Krokus!
Und zwar sowohl in der Innenstadt von Mainz, im klimatisch begünstigten Ahrtal, aber auch mitten in Düsseldorf und sogar in Wuppertal.

Normalerweise fliegen im Niederbergischen die ersten Falter von Macroglossum stellatarum erst im späten Frühjahr ein, Überwinterer fliegen im April an wenigen wirklich heißen Plätzen, wie der Untermosel und im Nahetal.

Taubenschwänzchen am 18. Februar 2019 in Ahrweiler (Foto: Kira Ippendorf)


Im Jahr 2017 allerdings scheint es auch schon sehr früh losgegangen zu sein, Pat Nash hatte den ersten Falter in Düsseldorf-Stockum am 24.03.2017. Im vergangenen Jahr zum Beispiel wurde der erste Falter nach unseren Daten in Hatzenport / Mosel gesichtet, am 21.04.2018.

Damit scheint sich in unserer Region eine Population zu etablieren, die im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr im Herbst abwandert, sondern als Imago überwintert. Das gleiche Phänomen haben wir in den zurückliegenden Jahrzehnten von anderen Tagaktiven Faltern gesehen, so hat der Admiral (Vanessa atalanta) mittlerweile in der Region fest etabliert und überwintert in verschiedenen Stadien.

Man möchte jetzt „Klimawandel“ schreien, aber da ist Vorsicht angebracht: Bereits in den frühen 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die großen Naturschutz-Themen noch „Waldsterben“ und „Ozonloch“ hießen gab es das gleiche Phänomen. „Können Admiral und Taubenschwanz bei uns überwintern?“ fragte seinerzeit Helmut Kinkler (1992) in der Melanargia, und meldete Taubenschwänzchen von Anfang März aus Nassau, und Admirale aus dem Februar.

Veröffentlicht 18. Februar 2019 von Armin Dahl in Klimawandel, Phänologie, Wanderfalter

Winter schon wieder vorbei, hoffentlich   1 comment

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Ich kann mich leider nicht für Winterlandschaften begeistern, bei Frost und Dunkelheit herumzulaufen und ständig den Ofen nachzufeuern finde ich komplett verzchtbar, ich gebs zu: der Klimawandel mit 2 Grad mehr Durchschnittstemperatur flößt mir vorert weit weniger Furcht ein, als es vielleicht angebracht wäre.

Aber das schlimmste ist für dieses Jahr überstanden, die ersten Frühjahrsfalter sind unterwegs, und an den Köderstellen sind eine Menge vom kalten Wetter ausgehungerte Falter unterwegs. Eine kleine Köderrunde im Neandertal brachte heute am Abend knappe 50 Falter und ein paar schlechte Handyfotos. Und auch in unserem „schönsten“ Lichtfangplatz, dem Tunnel unter der A46 im Eller Forst, ist schon wieder Betrieb. Als Beifang: ein schlafender Gartenbaumläufer, der sich auf Augenhöhe in einem kleine Loch an einem Köderbaum verkrochen hatte.

 

 

Veröffentlicht 5. Februar 2019 von Armin Dahl in Eulenfalter, Phänologie, Spanner

Letzte Mohikaner und Minensuche   8 comments

Cupido argiades, Dormagen, Wahler Berg, 30 September 2018. (Foto: Armin Dahl)

Den ersten Kurzschwänzigen Bläuling habe ich in diesem Jahr am 6. Mai gesehen, auf der Wiese vor meinem Wohnzimmer in Haan. Den vorläufig letzten gestern, am 30 September 2018, in einem Ackerrandstreifen am Wahler Berg in Dormagen. Wieviele Generationen der Falter im Supersommer 2018 hinbekommen hat, kann ich zwar nicht abschätzen, aber ich schätze mal eher vier als drei. Das ganze Phänomen der Ausbreitung von Cupido argiades finde ich nach wie vor unfassbar, bedenkt man wie selten der Falter noch in den 90ern in Deutschland war.

Andere Arten kommen da nicht mit, warum zum Teufel profitiert das Kleine Wiesenvögelchen nicht vom Klimawandel? Obwohl ich vor der Haustür die schönste Magerwiese habe, muss ich immer fast bis an den Rhein fahren, wenn ich einen Falter der Art sehen will. C. pamphilus, der mal überall im Grünland häufig war, ist ganz offensichtlich nicht ausbreitungsstark genug, um die paar Kilometer Luftlinie von den Rheindeichen bis nach Haan zu expandieren. Auch C. pamphilus macht mindestens drei Generationen durch, und fliegt aktuell noch auf den rheinnahen Trockenwiesen, wo es noch keinen Reif oder Bodenfrost gab.

Übrigens: Wem langweilig ist, weil draußen nur noch wenige Arten fliegen, oder das Wetter schlecht wird, der kann ja bei den anderen Entwicklungsstadien noch eine Weile weitermachen: Momentan sind zum Beispiel die Minen von Parectopa robiniella zu finden, zumindest in den wärmeren Regionen am Rhein entlang:  Die Art hat ebenfalls eine rasante Ausbreitungsgeschichte hinter sich, hat in diesem Jahr anscheinend die kompletten Niederlande erobert.

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Veröffentlicht 1. Oktober 2018 von Armin Dahl in Mikros, Phänologie, Tagfalter

Fransenflügler oder die Physik des Luftplanktons   Leave a comment

Die folgende Pressemitteilung hat zwar nichts mit Schmetterlingen zu tun, ich fands aber trotzdem ganz interessant. Was für die ziemlich abgefahrene Gruppe der Thripse gilt, wird auch für viele andere Kleinschmetterlinge und „Luftplankton“ gelten.

In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Bildquelle: WetterOnline

Wenn ein Gewitter bevorsteht, tauchen sie plötzlich in Schwärmen auf und landen auf allem, was gerade im Weg ist: Gewittertierchen, in der Fachsprache der Biologen Thripse genannt. Die winzig kleinen schwarzen Insekten sind besonders gut auf heller Kleidung zu sehen und krabbeln auf freien Haustellen. WetterOnline sprach mit dem Biologen Dr. Manfred R. Ulitzka (http://www.thrips-id.com/de/), dem Fachmann auf dem Gebiet der Fransenflügler (Thysanopteren), über die Fähigkeiten dieser winzigen Insekten.

Gewittertierchen sind Schönwetterflieger
In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Sie sind keine Flugkünstler, denn von sich aus können sie kaum fliegen. Vielmehr nutzen sie die durch sommerliche Thermik ausgelösten Aufwinde, um sich in der Luft zu halten. Sonniges Wetter bei Temperaturen von über 20 Grad lässt die Insekten aufsteigen. An warmen Tagen sind sie dann in großer Anzahl weit verteilt in höheren Luftschichten unterwegs. Wenn sich an einem hochsommerlichen Tag ein Gewitter entwickelt, bekommt man den Eindruck, dass die winzigen Tierchen plötzlich überall sind. Doch warum ist das so?

Was passiert mit den Thripsen, wenn ein Gewitter aufzieht?
Ein sich entwickelndes Gewitter sorgt dafür, dass die Thripse, die sich zuvor bis in eine Höhe von mehreren Kilometern in der Luft verteilen, in die unteren Luftschichten absinken und nah am Boden konzentrieren. Sie versuchen dort zu landen und nutzen jedes Objekt, das sich dazu bietet – auch den Menschen. Die Sichtbarkeit von Gewittertierchen kann also durchaus ein drohendes Gewitter anzeigen. Richtige Gewitterpropheten sind Thripse allerdings kaum, denn sobald wir die kleinen Insekten wahrnehmen, ist die Entwicklung des Gewitters schon im vollen Gange und bereits für jeden offensichtlich.

Woher wissen Thripse, dass ein Gewitter bevorsteht?
Gewitterwürmchen werden durch einen bedeutenden physikalischen Faktor zur Landung gezwungen: Der Veränderung der Feldstärke vor einem Gewitter. Die entstehende Gewittersituation übe durch die elektrische Feldschwankung Einfluss auf das Flugverhalten vieler Tiere aus, erklärt Manfred Ulitzka und bezieht dies auch explizit auf die Thysanopteren. Die genauen Gründe für ihr Verhalten sind wissenschaftlich noch nicht geklärt. „Als Auslöser dieses Verhaltens kommen nach bisherigen Erkenntnissen ausschließlich Änderungen der elektrischen Feldstärke in der Luft in Betracht“, erklärt der Biologe. Bei schönem Wetter beträgt die Feldstärke des „Schönwetterfeldes“ etwa 100 bis 300 Volt/Meter, die Thripse sind in allen Luftschichten bis in große Höhen unterwegs und lassen sich von der Thermik treiben. Entsteht ein Gewitter, so steigt die Feldstärke an und kann Werte von bis zu 50.000 Volt/Meter erreichen, dann drohen Blitz und Donner. Thripse und andere kleine Insekten reagieren mit ihrem Flugverhalten bereits bei deutlich niedrigeren Feldstärken und stellen ihre Flugaktivität spätestens bei einer Feldstärke von 8.000 Volt/Meter komplett ein. Sie legen dann einfach ihre Flügel an und sinken ab. Warum das so ist, konnte jedoch bis heute noch nicht wissenschaftlich geklärt werden.

Warum landen die Tiere dann ausgerechnet auf Menschen?
Helle Farben sind für die Insekten besonders attraktiv. Thripse können jedoch ihr Flugverhalten kaum bestimmen. In erster Linie werden sie vom Wind getragen und können die Flugrichtung durch ihre Flügelstellung nur geringfügig ändern und dies auch nur solange, wie der Wind schwach ist. Thripse landen daher vollkommen zufällig auf Menschen.

Quelle: https://www.wetteronline.de

Veröffentlicht 4. Juli 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Ökologie

Alle Sesien sind schon da!   4 comments

Sesia apiformis, Düsseldorf-Wittlaer, 23. Mai 2018 (Foto: Tobias Krause)

Das ungewöhnlich warme und trockene Frühjahr 2018 hat der Entwicklung vieler Arten einen enormen Schub verpasst. So fliegen die in der Region seit langem bekannten Populationen von Satyrium pruni schon seit mindestens einer Woche. Und am Licht zeigen sich echte Hochsommertiere wie der Pustelspanner Comibaena bajularia. In den letzten Tagen haben wir deshalb begonnen an verschiedenen Stellen die Pheromonfallen aufzuhängen, um die einheimischen Glasflügler nachzuweisen.

Und siehe da: Sie fliegen schon! In Dormagen im NSG Wahler Berg konnten im ersten Anlauf gleich fünf verschiedene Arten nachgewiesen werden,darunter die an Zypressenwolfsmilch lebende C. empiformis, die man als Zeigerart für trocken-warme Offenland-Lebensräume bezeichnen kann. Aber auch im Siedlungsbereich sind zahlreiche Arten unterwegs, die man ohne die Pheromone niemals zu Gesicht bekommen würde. Neuester Nachweis und das „analog“, ganz ohne Pheromon: Eine frisch geschlüpfte Sesia apiformis in Düsseldorf-Wittlaer.

Veröffentlicht 23. Mai 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Glasflügler, Phänologie

Über den Tellerrand gucken   1 comment


Zum wiederholten Mal habe ich an der niederländischen Fachtagung Landelijke Dag
(Schmetterlinge und Libellen) der UNI Wageningen am 3. März 2018 teilgenommen. Trotz Schnee bei der Abfahrt und langer Anreise kam ich abends begeistert zurück.

Das Thema dieses Jahr: Schmetterlingsreiches Grasland. Hochqualifizierte Fachleute aus dem In- und Ausland mit aktuellen gut untermauerten Graphiken und Tabellen gaben sehr professionell einen Einblick in neue Forschungs- bzw. Untersuchungsergebnisse.

Praktische Erfahrungen von Naturschutzleuten sowie ästhetisch und technisch gut gelungene Filme rundeten das Bild ab. Da man auf Augenhöhe kontaktierte, herrschte eine sehr herzliche Atmosphäre. Kein Wunder, es kamen über 450 aus NL und Belgien und wohl 2 (?) aus Deutschland.

Nachträglich bekam ich sogar noch ein Dankesschreiben für meine Teilnahme. Da können unsere Organisatoren der heimische Fachtagungen mit ihren äußerst speziellen Referaten wohl nur von träumen, allein das Letztere war schon immer ein Grund daran nicht teilzunehmen. Welch ein Gegensatz zu den „Fachleuten“, die im Forum die größte friesische Insel Texel offensichtlich nicht kennen, und NL (Kfz.-Kennzeichen!) eher mit Neuseeland verbinden. Diese menschliche Kleinkariertheit ist wohl kaum zu übertreffen.  Welch ein Gegensatz zu den Fachleuten, die zur genauen Bestimmung unbedingt die Tötung zwecks Genitalienuntersuchung fordern.

So Gott will, werde ich im nächsten Jahr mit noch mehr Begleitern nach Wageningen fahren!

 

Veröffentlicht 7. März 2018 von dietmarborbe in Auf Tour, Ökologie, mehr Lepis