Archiv für die Kategorie ‘Phänologie

Nachtfalteruntersuchungen auf der BUND-Obstwiese in Bochum im Herbst 2020   4 comments

Zucker, Apfelmus und Rotwein

Nach dem ersten gezielten Aufspüren von Nachtfaltern auf der Obstwiese mit dem Leuchtturm (vgl. Nachtleben auf der Naturschutzwiese) wurden ab September die Untersuchungen über drei Monate weitergeführt, nun aber mittels Köder: einem Gemisch aus Zucker, Apfelmus und Rotwein. Dabei macht man sich zu Nutze, dass viele Nachtfalter im Herbst an Baumsäften und überreifen Früchten saugen. Der Köder imitiert so etwas und hat dabei eine sehr große Anziehungskraft, nicht nur auf Nachtfalter. Er wurde regelmäßig auf 15 Obstbaumstämme aufgetragen.

Zusätzlich wurden Köderschnüre aufgehängt und halbe Äpfel auf Zweige der Heckensträucher gespießt, die ebenfalls mit dem Köder bestrichen wurden. Eine Kontrolle fand täglich etwa eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit statt, alle Tiere wurden bestimmt und gezählt. Das Ergebnis ist eindrucksvoll: Insgesamt fanden sich 45 Nachtfalter-Arten ein, es gab 2038 Beobachtungen!

Sechs Wochen lang täglich neue Arten

Von Anfang September bis Mitte Oktober wurden täglich neue Arten am Köder entdeckt, zwölf davon nur jeweils an einem einzigen Tag! Das unterstreicht, wie wichtig die Kontinuität bei solchen Untersuchungen ist. Viele der großen Seltenheiten und gefährdeten Arten waren nur an einem oder wenigen Tagen zu finden. Eine davon ist die bei uns sehr seltene Schmalflügelige Holzeule (Lithophane semibrunnea), die sich nur am 24. September einmal kurz blicken ließ. Sie steht auf der Roten Liste der Schmetterlinge NRWs von 2011 als stark gefährdet (RL 2). Charakteristisch für sie sind die blauen Zeichnungen.

Seltene und gefährdete Arten

Ebenfalls stark gefährdet (RL 2) ist die Ulmen-Gelbeule (Xanthia gilvago), die zweimal zum Köder kam. Auch sie ist bei uns sehr selten und wurde im Jahr 2020 nur wenige Male in NRW gefunden.

In der Kategorie „gefährdet“ (RL 3) werden Schwarzes Ordensband (Mormo maura), Großes Eichenkarmin (Catocala sponsa), Linden-Gelbeule (Tiliacea citrago, s. Foto unten), Olivgrüne Eicheneule (Dryobotodes eremita, s. Foto oben) und Gebüsch-Wintereule (Conistra ligula) geführt. Die beiden Letztgenannten traten auf unserer Wiese sogar an mehr als 10 Tagen auf.

Im Bergischen Land, an dessen Rand die Wiese liegt, ist die Einstufung in die Gefährdungskategorien oft noch höher.

Weitere Arten im Rückgang

Zwei weitere Arten unserer Streuobstwiese weisen landesweit starke Rückgänge auf. Sie werden zwar noch nicht in den Rote-Liste-Kategorien geführt, stehen aber auf der sog. Vorwarnliste. Die gibt an, dass es bei der Erstellung der letzten Roten Liste schlecht aussah für diese Arten und man musste befürchten, dass sie ohne eine Verbesserung ihrer Lebensumstände in eine Gefährdungskategorie rutschen werden. Hierzu gehören das Weiße L (Mythimna l-album) und die Rost-Wintereule (Conistra rubiginea), die sicherlich zu den prächtigsten Eulenfalter gehört, die die Wiese derzeit zu bieten hat.

Häufige Arten

Neben den seltenen und gefährdeten Arten sind auch die häufigen interessant. Sie tauchen jedes Jahr irgendwann auf, sind über einen langen Zeitraum fast täglich zu finden, werden plötzlich weniger und sind dann wieder ganz verschwunden. Die Braune Spätsommer-Bodeneule (Xestia xanthographa) z. B. war von Beginn der Untersuchungen an zu finden, ihre Anzahl steigerte sich enorm, bis am 6. September 109 Exemplare an den Bäumen saßen. Genau einen Monat später suchte die Art dann zum letzten Mal die Wiese auf. Die erwachsenen Falter (Imagines) sterben ab, die Art überwintert als Raupe am Boden.

Herbsteulen

Am 19. September flog mit der Rötlichgelben Herbsteule (Agrochola circellaris) die erste Herbsteule (Gattung Agrochola) auf der Wiese. Sie hatte mit 38 Exemplaren am 22. Oktober ihren Höhepunkt. Die Zahlen nahmen danach wieder deutlich ab, aber selbst Ende November waren immer noch einzelne Exemplare unterwegs, die allerdings schon ziemlich abgeflogen aussahen. Die Herbsteulen überwintern als Ei.

Weitere Herbsteulen der Streuobstwiese sind Mondfleck-Herbsteule (Agrochola lunosa), Dunkelgraue Herbsteule (A. lota) und Gelbbraune Herbsteule (A. macilenta). Auch die beiden letzteren flogen weit in den November hinein, waren insgesamt aber immer viel seltener als die Rötlichgelbe Herbsteule.

Gelbeulen

Ab Ende September traten für einen Monat die Gelbeulen auf den Plan. Im Gegensatz zu den bisher beschriebenen oft unauffällig bräunlich oder grünlichen Eulenfaltern sind die Gelbeulen auffällige Schönheiten. Ihre Grundfarben in Gelb- und Orangetönen legen nah, dass sie sich dadurch tagsüber sehr gut getarnt unentdeckt im Gebüsch zwischen dem Herbstlaub aufhalten können.

Fünf verschiedene Gelbeulen kommen auf der Wiese vor: Linden-Gelbeule (Tiliacea citrago), Gold-Gelbeule (T. aurago), Bleich-Gelbeule (Xanthia icteritia), Violett-Gelbeule (X. togata) und der bereits oben erwähnte Star der Wiese: die Ulmen-Gelbeule (X. gilvago, s. Foto oben)
Wintereulen

Schon wenige Tage nach der ersten Herbsteule kam am 22. September die erste Wintereule (Gattung Conistra) an den Köder, die Heidelbeer-Wintereule (Conistra vaccinii). Trotz des Namens treten Wintereulen schon im Herbst auf, aber anders als die Herbsteulen überwintern die Tiere als Falter. Und im Winter findet man oft nur noch sie – jedenfalls dann, wenn es nicht zu kalt ist. Die Heidelbeer-Wintereule ist bei uns eine der häufigsten Eulenfalter im Herbst und Winter. Nach ihrem ersten Erscheinen auf der Wiese trat sie fast täglich auf mit einem Höhepunkt am 11. Oktober mit 26 Exemplaren. Auf Heidelbeere ist sie nicht angewiesen, die Raupen fressen an einer Vielzahl von Kräutern und Gehölzen.

Weitere Wintereulen der Wiese sind Gebüsch-Wintereule (C. ligula), Rotkopf-Wintereule (C. erythrocephala), Rost-Wintereule (C. rubiginea, Foto s. oben) und die Schwarzgefleckte Wintereule (C. rubiginosa), die als letzte die Bühne betrat. Auch die Satelliten-Wintereule (Euspilia transversa, s. Foto unten) zählt man im Deutschen zu den Wintereulen, sie gehört aber wissenschaftlich in eine andere Gattung.

Und sonst?

Bei den Besuchern am Köder handelt es sich ganz überwiegend um Eulenfalter (Familien Erebidae & Noctuidae). Auf sie ist der Köder abgestimmt. Zwischendurch saßen aber auch Nachtfalter aus anderen Familien am Köder, wie z. B. Gelbspanner (Opisthograptis luteolata) und Perglanzspanner (Campaea margaritaria). Sie werden nur selten durch Köder angelockt, sondern fliegen eher ans Licht. Außerdem gab es hin und wieder Zünslerarten und einmal die in Vogelnestern lebende Fleischfarbene Nestmotte (Tinea semifulvella). Die skurrilste Gestalt aber war sicherlich das Winterfedergeistchen (Emmlina monodactyla). Tagsüber fand man am Köder gelegentlich den Admiral (Vanessa atalanta).

Natürlich wurden auch Nichtfalter durch den starken Geruch des Köders angelockt, insbesondere Wespen und Hornissen, aber auch bspw. Marienkäfer, Schnecken und Fliegen. In einer Nacht saß sogar eine Waldmaus auf einem Köderapfel und leckte ihn ab.

November – Wenig los bei den Eulen

Im November war am Köder zunehmend weniger los. Neue Arten kamen nicht mehr dazu. Es waren aber doch immer noch mehr zu finden als in Zeiten vor dem Klimawandel.

Die Herbsteulen wurden nun deutlich seltener und tauchten nur noch gelegentlich auf. Die Wintereulen dagegen sterben noch nicht, sondern durchleben als Falter den Winter. Viele von ihnen machen auch keine Winterpause, sondern bleiben der Wiese treu. Den ganzen Winter werden welche an den Köder kommen, mal mehr, mal weniger, wie ihnen gerade zu Mute ist. Wann das der Fall ist, ist für den Menschen schwer zu verstehen.

Im November passiert es seit Beginn der Untersuchungen zum ersten Mal, dass an besonders kalten Abenden kein einziger Falter am Köder zu finden ist.

Frostspanner übernehmen

Die Aufmerksamkeit auf der Wiese ziehen nun Frostspanner auf sich, die aber nicht zum Köder kommen. Sie nehmen als erwachsene Falter gar keine Nahrung mehr auf. Wenn eine bestimmte Temperatur knapp über Null unterschritten wird, schlüpfen sie aus den Puppen im Boden.

Die bei weitem häufigste Art bei uns ist der Kleine Frostpanner (Operophtera brumata), deren Männchen man jetzt in jedem Wald fliegen sehen kann. Oft treten sie zu Hunderten auf. Die Weibchen sehen ganz anders aus als die Männchen. Sie haben keine funktionsfähigen Flügel mehr, krabbeln die Stämme hinauf und warten auf die Männchen, um begattet zu werden. Während man die dunklen Weibchen kaum sieht, flattern die Männchen nach Sonnenuntergang auffällig in großer Anzahl über die Wiese und setzen sich auf Stämme und Zweige. Wenn sie die vom Weibchen abgegeben Lockstoffe (Pheromone) wahrnehmen, nähern sich sich ihnen und paaren sich. Dies kann dauern und währenddessen sind sie besonders gut zu fotografieren. Zu erkennen ist ein Pärchen schon von weitem daran, da die Männchen bei der Paarung – anders als sonst – kopfüber sitzen.

Sehr viel seltener findet man auf der Wiese den deutlich größeren und auffälliger gezeichneten Großen Frostspanner (Erannis defoliaria), von dem bisher nur ein einziges Männchen auf einem Strauch sitzend gefunden wurde.

Auch wenn die Art deutlich seltener ist als der Kleine Frostpanner, gehört sie bei uns doch zu den häufigen Arten und ist in NRW weit verbreitet. Wie die meisten Spanner kann man sie am besten mit Lichtquellen anlocken.

Alle Funde vom Tiere, Pflanzen und Pilzen auf der Wiese findet man übrigens bei nrw.observation.org

(Text: Armin Jagel & Jonas Mittemeyer, ebenfalls veröffentlicht unter www.bund-bochum.de)

Veröffentlicht 28. November 2020 von Armin Jagel in Eulenfalter, Phänologie

Hurra! wir leben noch   5 comments


„Wie stark ist der Mensch? Wie stark?
In der Not hilft weder Zorn, noch lamentieren.
Wer aus lauter Wut verzagt und nichts mehr tut,
Der wird verlieren.“

Wenn Tim Laußmann in diesem Blog anfängt, den Papst zu zitieren, dann wirds richtig ernst! Da  möchte ich nicht zurückstehen und empfehle Euch heute die italienische Sängerin Milva, Jahrgang 1939, die  – mal abgesehen von dem eingebetteten Video – seinerzeit mit Mikis Theodorakis und Astor Piazolla  auch wirklich gute Musik gemacht hat.

Wer nichts mehr tut, der wird verlieren: Unter dieses Motto kann man vielleicht die kommenden Wochen stellen, in denen alle Veranstaltungen und Exkursionen wegen der Corona-Epidemie abgesagt sind, und viele von Euch zu Hause sitzen. Die Decke fällt einem auf den Kopf, und draußen ist es auch noch eisekalt, die Schönwetterperiode im März 2020 hat erst mal ein Ende gefunden. Jetzt kommt die politisch völlig unkorrekte, aber auch vom Deutschen Wetterdienst verwendete „Russenpeitsche“ mit arktischer Kaltluft. Zeit also die vielen Bilder zu sortieren, nachzubestimmen, oder sich im Internet ein wenig umzusehen.

Zum Beispiel im Portal observation.org, das mittlerweile für alle Bundesländer eigene Unterseiten hat. So finden sich zum Beispiel in nrw.observation.org über 44.000 Tagfalterbeobachtungen aus Nordrhein-Westfalen. Darunter sind alleine im Frühjahr 2020 über 70! Beobachtungen vom Großen Fuchs, der damit zwischen Emsland und Eifel deutlich häufiger beobachtet wurde als der Kleine Fuchs (13 Beobachtungen).

Woran das liegt kann vorerst niemand sicher erklären, C-Falter, Waldbrettspiel, Landkärtchen hatten alle schon mal schlechte Zeiten mit wenigen Nachweisen, das Kleine Wiesenvögelchen und der Mauerfuchs scheinen sich in der Region gaaanz langsam zu erholen. Der Große Fuchs war jahrzehntelang verschwunden und ist heute wieder zurück, den Scheckenfaltern wie Melitaea cinxia ist das bisher nicht gelungen. Die Vorkommen vom Kleinen Fuchs machen in den vergangenen Jahren starke Häufigkeitsschwankungen durch, jedenfalls in unserer Region. In der Eifel kann das Ganze schon wieder völlig anders aussehen, dort ist der Kleine Fuchs nach meiner Einschätzung stetiger und häufiger – die langfristigen Bestandsschwankungen vieler Tagfalterarten bleiben ein Mysterium.

Zum Abschluss aber noch ein Bild aus Wuppertal, von der Gleisbrache in Vohwinkel, wo vor 16 (!) Jahren am 17. April ein Weibchen von Saturnia pavonia ans Licht kam.. Ziemlich genau drei phänologische Wiochen früher, am 28. März 2020, saß dort wiederum ein Männnchen des Kleinen Nachtpfauenauges in der Pheromonfalle von Armin Radtke.

Veröffentlicht 29. März 2020 von Armin Dahl in Mikros, Phänologie, Spinner, Tagfalter

Danke, Yvonne, für diese Nacht!   4 comments

 

Stilleben mit Leuchtturm und Sandalen, Haan Spörkelnbruch 25 Juli 2019, 06.45 Uhr, 24′ Celsius 

Die Flugaktivität der nachtaktiven „Motten“ ist in tropischen Nächten besonders hoch, die Daten-Erfassung artet in Arbeit aus. Geschlafen wird stattdessen in der Nachmittagshitze.

In Europa purzeln die Temperaturrekorde, eine Schwall Saharaluft, angetrieben von Hochdruckgebiet „Yvonne“, erreicht den Westen Deutschlands. Kein Witz: die heißeste Stadt Deutschlands ist – wenn auch wahrscheinlich nur für einen Tag – das beschauliche Geilenkirchen an der holländischen Grenze. 40,5 Grad heiß war es dort am 24. Juli 2019.

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Lycophotia porphyraea, verwackelt, aber unverkennbar

Ein Datum das auch mir im Gedächtnis bleiben wird: Die 60-Arten-Makros-Grenze knacke ich in meinem Garten nur sehr selten, aber vergangene Nacht war es dann mal wieder so weit.

Angetrieben von den tropischen Temperaturen scheinen die Motten ihren Aktionsradius zu erweitern, vergangene Woche hat es zudem einmal kurz aber kräftig geregnet, so dass etliche Arten frisch geschlüpft sind.

In solchen Nächten erscheinen dann die dicksten Brocken, Kiefernschwärmer, Weidenbohrer, Grasglucke, zudem kann man in der Nähe des Leuchtturms kaum mehr atmen, dort wuselt ein Heer von kleinen Krabbeltieren herum.

„Beste“ Art in der abgelaufenen Nacht war die an Heidekraut lebende Lycophotia porphyrea, deren nächste Entwicklungslebensräume in Luftlinie etwa 1,5 Kilometer entfernt auf dem Sandberg in Hilden liegen.
Häufigste Art bei den Makros war die hübsch grüne Cryphia algae mit einem Dutzend Tieren, dicht gefolgt vom Eichenprozessionsspinner, der seit zwei Tagen unterwegs ist und mit 10 Tieren ans Licht kam.

EPS

Eichenprozessionsspinner bei der Fortpflanzung. Haan, Spörkelnbruch, 25. Juli 2019 (Foto: Armin Dahl)

62 Arten Großschmetterlinge standen beim Ausschalten der Anlage um halb sechs auf dem Zettel. Etliche davon sind erst nach 03.00 Uhr Morgens angeflogen – 2 1/2 Stunden Schlaf müssen in solchen Nächten mal reichen: wer da nicht wach bleibt ist kein richtiger „moth maniac“.


Kleiner Nachtrag vom 25. Juli: Heute habe ich auf meinem Thermometer (hängt im Kirschbaum im Schatten) 40,4°C gemessen, um 17.00 Uhr.

Veröffentlicht 25. Juli 2019 von Armin Dahl in EPS, Heideterrasse, Klimawandel, Phänologie

Eselswolfsmilch-Glasflügler in Massen   6 comments

Heute kam per Mail eine höchst bemerkenswerte Beobachtung von Willi Wiewel aus Duisburg herein,  die hier ungekürzt wiedergeben wird

habe heute erstmalig in diesem Jahr einen Versuch bei den Glasflüglern unternommen und gleich mit einem Überraschungsergebnis. Ich hatte zwar Fallen und Pheromone dabei, die brauchte ich aber nicht. Die Esels-Wolfsmilch in den linksrheinischen Wiesen in Duisburg-Rheinhausen saß voll mit den kleinen Glasflüglern. Bei etwa 23° C. konnte ich zwischen 15:30 und 17:00 Uhr gar nicht alle zählen, die sich an der Eselswolfsmilch bewegten und auch darauf saßen. Insgesamt bin ich auf ein Ergebnis von 46 Faltern dieser Art gekommen, wobei ich glaube, dass es eher die doppelte Anzahl war.
Ich muss dazu sagen, dass die blühende Euphorbia esula wohl in der Größe mehrerer Fußballfelder dort wächst, unglaublich, habe solche Mengen davon noch nie gesehen. An jedem Fleckchen dort waren auch Falter zu finden.
Zumindest wurde mir bestätigt, dass Ch. tenthrediniformis wohl 14 Tage früher fliegt, als Ch. empiformis. Das werde ich aber noch testen, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Diese riesige Wolfsmilch-Fläche hatte ich schon vor einigen Wochen entdeckt. Da kam das gute Wetter heute gerade recht.

Veröffentlicht 18. Mai 2019 von williwiewel2018 in Glasflügler, Lebensräume, Phänologie

Taubenschwänzchen: Überwinterer im Rheinland   3 comments

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Unglaubliches: Taubenschwänzchen , 17. Februar 2019, Wuppertal-Hardt, Botanischer Garten (Foto: Elke Jensen)

Wenn es nicht gerade Mitte Februar wäre, dann würde sich bei schönstem Sonnenwetter und Temperaturen über 15°C niemand wundern: In den vergangenen Tagen sind an verschiedensten Stellen der Region Taubenschwänzchen aktiv gewesen, und zwar an Primeln, Hyazinthen und – das gabs noch nie – an Krokus!
Und zwar sowohl in der Innenstadt von Mainz, im klimatisch begünstigten Ahrtal, aber auch mitten in Düsseldorf und sogar in Wuppertal.

Normalerweise fliegen im Niederbergischen die ersten Falter von Macroglossum stellatarum erst im späten Frühjahr ein, Überwinterer fliegen im April an wenigen wirklich heißen Plätzen, wie der Untermosel und im Nahetal.

Taubenschwänzchen am 18. Februar 2019 in Ahrweiler (Foto: Kira Ippendorf)


Im Jahr 2017 allerdings scheint es auch schon sehr früh losgegangen zu sein, Pat Nash hatte den ersten Falter in Düsseldorf-Stockum am 24.03.2017. Im vergangenen Jahr zum Beispiel wurde der erste Falter nach unseren Daten in Hatzenport / Mosel gesichtet, am 21.04.2018.

Damit scheint sich in unserer Region eine Population zu etablieren, die im Gegensatz zu früheren Zeiten nicht mehr im Herbst abwandert, sondern als Imago überwintert. Das gleiche Phänomen haben wir in den zurückliegenden Jahrzehnten von anderen Tagaktiven Faltern gesehen, so hat der Admiral (Vanessa atalanta) mittlerweile in der Region fest etabliert und überwintert in verschiedenen Stadien.

Man möchte jetzt „Klimawandel“ schreien, aber da ist Vorsicht angebracht: Bereits in den frühen 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als die großen Naturschutz-Themen noch „Waldsterben“ und „Ozonloch“ hießen gab es das gleiche Phänomen. „Können Admiral und Taubenschwanz bei uns überwintern?“ fragte seinerzeit Helmut Kinkler (1992) in der Melanargia, und meldete Taubenschwänzchen von Anfang März aus Nassau, und Admirale aus dem Februar.

Veröffentlicht 18. Februar 2019 von Armin Dahl in Klimawandel, Phänologie, Wanderfalter

Winter schon wieder vorbei, hoffentlich   1 comment

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Ich kann mich leider nicht für Winterlandschaften begeistern, bei Frost und Dunkelheit herumzulaufen und ständig den Ofen nachzufeuern finde ich komplett verzchtbar, ich gebs zu: der Klimawandel mit 2 Grad mehr Durchschnittstemperatur flößt mir vorert weit weniger Furcht ein, als es vielleicht angebracht wäre.

Aber das schlimmste ist für dieses Jahr überstanden, die ersten Frühjahrsfalter sind unterwegs, und an den Köderstellen sind eine Menge vom kalten Wetter ausgehungerte Falter unterwegs. Eine kleine Köderrunde im Neandertal brachte heute am Abend knappe 50 Falter und ein paar schlechte Handyfotos. Und auch in unserem „schönsten“ Lichtfangplatz, dem Tunnel unter der A46 im Eller Forst, ist schon wieder Betrieb. Als Beifang: ein schlafender Gartenbaumläufer, der sich auf Augenhöhe in einem kleine Loch an einem Köderbaum verkrochen hatte.

 

 

Veröffentlicht 5. Februar 2019 von Armin Dahl in Eulenfalter, Phänologie, Spanner

Letzte Mohikaner und Minensuche   8 comments

Cupido argiades, Dormagen, Wahler Berg, 30 September 2018. (Foto: Armin Dahl)

Den ersten Kurzschwänzigen Bläuling habe ich in diesem Jahr am 6. Mai gesehen, auf der Wiese vor meinem Wohnzimmer in Haan. Den vorläufig letzten gestern, am 30 September 2018, in einem Ackerrandstreifen am Wahler Berg in Dormagen. Wieviele Generationen der Falter im Supersommer 2018 hinbekommen hat, kann ich zwar nicht abschätzen, aber ich schätze mal eher vier als drei. Das ganze Phänomen der Ausbreitung von Cupido argiades finde ich nach wie vor unfassbar, bedenkt man wie selten der Falter noch in den 90ern in Deutschland war.

Andere Arten kommen da nicht mit, warum zum Teufel profitiert das Kleine Wiesenvögelchen nicht vom Klimawandel? Obwohl ich vor der Haustür die schönste Magerwiese habe, muss ich immer fast bis an den Rhein fahren, wenn ich einen Falter der Art sehen will. C. pamphilus, der mal überall im Grünland häufig war, ist ganz offensichtlich nicht ausbreitungsstark genug, um die paar Kilometer Luftlinie von den Rheindeichen bis nach Haan zu expandieren. Auch C. pamphilus macht mindestens drei Generationen durch, und fliegt aktuell noch auf den rheinnahen Trockenwiesen, wo es noch keinen Reif oder Bodenfrost gab.

Übrigens: Wem langweilig ist, weil draußen nur noch wenige Arten fliegen, oder das Wetter schlecht wird, der kann ja bei den anderen Entwicklungsstadien noch eine Weile weitermachen: Momentan sind zum Beispiel die Minen von Parectopa robiniella zu finden, zumindest in den wärmeren Regionen am Rhein entlang:  Die Art hat ebenfalls eine rasante Ausbreitungsgeschichte hinter sich, hat in diesem Jahr anscheinend die kompletten Niederlande erobert.

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Veröffentlicht 1. Oktober 2018 von Armin Dahl in Mikros, Phänologie, Tagfalter

Alle Sesien sind schon da!   4 comments

Sesia apiformis, Düsseldorf-Wittlaer, 23. Mai 2018 (Foto: Tobias Krause)

Das ungewöhnlich warme und trockene Frühjahr 2018 hat der Entwicklung vieler Arten einen enormen Schub verpasst. So fliegen die in der Region seit langem bekannten Populationen von Satyrium pruni schon seit mindestens einer Woche. Und am Licht zeigen sich echte Hochsommertiere wie der Pustelspanner Comibaena bajularia. In den letzten Tagen haben wir deshalb begonnen an verschiedenen Stellen die Pheromonfallen aufzuhängen, um die einheimischen Glasflügler nachzuweisen.

Und siehe da: Sie fliegen schon! In Dormagen im NSG Wahler Berg konnten im ersten Anlauf gleich fünf verschiedene Arten nachgewiesen werden,darunter die an Zypressenwolfsmilch lebende C. empiformis, die man als Zeigerart für trocken-warme Offenland-Lebensräume bezeichnen kann. Aber auch im Siedlungsbereich sind zahlreiche Arten unterwegs, die man ohne die Pheromone niemals zu Gesicht bekommen würde. Neuester Nachweis und das „analog“, ganz ohne Pheromon: Eine frisch geschlüpfte Sesia apiformis in Düsseldorf-Wittlaer.

Veröffentlicht 23. Mai 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Glasflügler, Phänologie

Die meisten Schmetterlinge gibts im Winter!   1 comment

„Toller Mottenporno“! Der morgendliche Empfang am Arbeitsplatz ist immer ein Ereignis, mein Arbeitskollege stammt aus St. Petersburg und ist ein Spassvogel mit drastischen Sprachbildern. Und er hat ja auch ein bisschen Recht, der gestrige Leucht- und Köderabend hatte es in sich, auch wenn es dabei zu keinerlei erotischen Aktivitäten kam.

Gestartet sind wir bei Einbruch der Dunkelheit im Hasseler Forst, dort führt eine breite Bahn- Gas- und Stromtrasse durch den Eichenwald. Die regelmäßigen Pflegemaßnahmen haben eine Art Niederwald mit reichlich Stockausschlägen hervorgebracht, es gibt an einigen Stellen offenen Sandboden – ein Paradies für Schmetterlinge mitten im Ballungsraum. Der Platz hat es in sich, hier fliegt im Sommer der Pflaumen-Zipfelfalter Satyrium pruni, und der Kaisermantel. Aber momentan geht es um etwas anderes, winteraktive Eulen und die ersten Frühjahrsarten bei den Spannern stehen auf der Wunschliste.

Schnell werden 25 Köderschnüre aus Jute aufgehängt, getränkt mit Glühwein-Zucker-Gemisch 1:2, ein paar Eichen werden auch noch angesprüht, zwei Lampen sollen lichtaffine Falter anlocken. Es ist der 10. Januar, 17.30 Uhr, 8 Grad Außentemperatur, bedeckter Himmel, windstill, der Wetterbericht verspricht ein paar Regentropfen in der Nacht, eine Warmfront zieht heran.

Massenanflug von Conistra vaccinii, Düsseldorf, 10. Januar 2018 (Foto: Armin Dahl)

Mittlerweile ist es ziemlich dunkel, Als ich das erste Mal die Taschenlampe anmache und eine der Köderschnüre kontrolliere, trifft mich fast der Schlag: Massenanflug! Die Köderschnur ist komplett bedeckt von Faltern! Die nächste ebenso! Bei dem Gewimmel kommt man mit dem Zählen kaum nach und übersieht zwischen den sehr häufigen Heidelbeereulen (Conistra vaccinii) fast die einzeln vertretenen anderen Arten. In den 15 Jahren in denen ich jetzt mit Nachtfaltern unterwegs bin habe ich noch nie solch ungeheuren Anflug am Köder gesehen! Also wird schnell das Handy gezückt und ein paar Fotos und ein Video [der „Mottenporno“] gedreht, das direkt nach facebook hochgeladen wird, zur Motivation der KollegInnen die zu Hause auf dem Sofa liegen.

Auch die neue LED-Lampe zieht einiges an Eulenfaltern an, ein einzelner Falter von A. marginaria sitzt im Gebüsch, angelockt oder nicht, auf jeden Fall extrem früh dran dieses Jahr. Die Haselbüsche stauben beim Daraufklopfen ganz ordentlich, die Pollensaison hat begonnen, auch hier kriechen einige Eulenfalter herum. Ob die wohl den Pollen fressen? Viele Eulen sitzen saugend an den Enden von abgeschlegelten Gehölzen, die offensichtlich schon im Saft stehen. Und das am 10. Januar! Zu Hause werden die auf dem Fresszettel notierten Zahlen zusammengerechnet, etwa 1500 Individuen stehen darauf, von 10 Großschmetterlingsarten und einem „Mikro“. Nicht schlecht für zwei kurze Stündchen, an einem frühen Winterabend. Vierstellige Individuenzahlen 10 Tage nach Silvester!

Und zum Thema Insektensterben, auch wenn das politisch nicht korrekt ist: Die Wald- und Waldrandfauna, also die gehölzfressenden Arten, hat mitnichten einen solchen Einbruch zu verzeichnen wie die Offenland-Tiere, die an Gräsern und / oder Kräutern leben. Jedenfalls nicht in der Düsseldorfer Region und schon gar nicht bei den winteraktiven Arten. Die profitieren ganz klar von den milden, warmen Wintern!

Alle Daten findet Ihr unter https://observation.org/gebied/view/259558

Veröffentlicht 11. Januar 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter, Insektensterben, Klimawandel, Phänologie, Spanner

40 Makros, endlich Frühling!   Leave a comment

Am Vortag gab´s noch Reif auf meiner Wiese und null Anflug ans Licht, aber gestern kam dann endlich mal eine ordentliche Warmfront aus Süden angerauscht. Anlass genug für einen kleinen abendlichen Sprung in die Ohligser Heide, die praktischerweise direkt vor meiner Haustür liegt.
Beim Aufbau der Lichtanlage gab´s erst einmal Waldschnepfenstrich, leider ist die Ohligser Heide wegen der nahen A 3  vom Schwerverkehr dermaßen verlärmt, daß man die Tiere immer erst im letzten Moment hören kann.
Zum ersten Mal in 2017 musste das Anti-Brumm eingesetzt werden, aber das nehme ich als Zeichen für guten Anflug immer gerne in Kauf.  Zwei Stunden später standen dann immerhin 40 Makro-Arten auf dem Zettel, darunter etliche typische Heidetiere und Großwild wie Kiefern- und Lindenschwärmer. So kann es wegen mir weitergehen mit dem Frühling!

Lichtfangprotokoll, Solingen, Ohligser Heide, 11. Mai 2017

Veröffentlicht 12. Mai 2017 von Armin Dahl in Arten / Listen, Heideterrasse, Phänologie

Pieris mannii in Hitdorf   2 comments

… ist schon seit 14 Tagen wieder unterwegs. Hier mal rasch aus einer Mail von Klaus Böhm zitiert:

Pieris mannii, Leverkusen-Hitdorf, 9. April 2017 (Foto: Klaus Böhm)

…. vorab ein paar kurze Notizen von dem mir kontrollierten Pieris mannii- Vorkommen in Hitdorf (Gartenkomplex mit reichlich Schleifenblume)

Nach dem Erstfund von mannii am 28.06. letzten Jahres dort, suchte ich die Stelle erst wieder ab dem 28.08, dann aber regelmäßig, wieder auf. An allen 13 Beobachtungstagen gelang es mir, die Art dort nachzuweisen, insgesamt 70 Falter, z.B max. ca. 10 Tiere (6 Männchen, 4 Weibchen) am 22.09., noch 7 Exemplare am 9.10., letzte Beobachtung am 31.10. mit einem frischen Männchen. Es wurden dort u.a. auch zahlreiche Eiablagen von verschiedenen Weibchen dokumentiert, wie es überhaupt gelang, von vielen Tieren Fotobelege anzufertigen.

Nach nun reichlich Übung und Erfahrung lassen sich die Falter, insbesondere auch die Männchen, ohne  sie zu fangen, problemlos von Kleinen Kohlweißlingen unterscheiden.

Dieses Jahr wurde bei sonniger Witterung dort am 24.03. noch kein mannii beobachtet, jedoch ein Kl.Kohlweißling, am 31.03. dann aber ein Männchen und Weibchen von mannii, weitere 5 mannii Tiere dort an 2 Tagen Anfang
April….

 

 

Veröffentlicht 15. April 2017 von Armin Dahl in Phänologie, Tagfalter

Große Sause im Zwetschenbaum   1 comment

Momentan blühen in der Region die Wildzwetschen (Prunus cerasifera), und zufällig steht vor unserem Wohnzimmer ein großes Exemplar. Der Duft der Blüten ist reichlich intensiv, man könnte fast sagen, der Baum stinkt zur Blütezeit. Aber das nehmen wir natürlich gerne in Kauf für den tollen Anblick des blühenden Baums in der winterkahlen Landschaft.

Am Tage ist das schon toll, aber Nachts geht im Baum voll die Post ab: Hunderte von Eulenfaltern holen sich den Nektar und benutzen die Zwetsche als Treffpunkt und Tankstelle. Und wer rechtzeitig amAabend die Lichtfalle aufgehängt hat, der kann am Morgen fast die komplette Frühjahrs-Fauna registrieren.
Heute: 95 x Orthosia cerasi, 10 x Orthosia gothica, 6 x Orthosia incerta, 4 x Orthosia cruda, 3 x Orthosia munda, 2 x C. vaccinii, 2 x A. flavicornis, 1 x Cerastis leucographa, 1 x Biston strataria, 1 x E. crepuscularia, 1 Totengräber.

Veröffentlicht 20. März 2017 von Armin Dahl in Arten / Listen, Eulenfalter, Phänologie

Abräumen Ehrensache   Leave a comment

Biston strataria, Orthosien, Panolis flammea, A. flavicornis: Ergebnis einer milden Anflugnacht, 14./15. März 2017 (Foto: Elle Kari Kutter)

Der März ist für die einheimischen Falter eine spannende Zeit, und für die weitere Entwicklung der Saison oft entscheidend. Wenn die Wetter-Entwicklung ohne Wintereinbrüche oder Spätfrost abläuft, bestehen gute Chancen dass die ganze Saison am Ende ein „gutes Schmetterlingsjahr“ wird.

Die Nächte sind aktuell mild und frostfrei, die Weidenblüte ist in vollem Gang, und Kätzcheneulen und andere typische Frühjahrsfalter fliegen in großer Zahl. Und natürlich brennt die Lichtfanganlage in meinem Garten seit ein paar Nächten.

Morgens muss ich allerdings im Halbdunkeln aufstehen, damit die Falter noch eine realistische Chance haben, den Meisen und Rotkehlchen zu entgehen. Ansonsten räumen die Vögel unter dem Anflug radikal auf und es bleiben nur noch abgeknipste Flügel übrig.

Veröffentlicht 15. März 2017 von Armin Dahl in Eulenfalter, Phänologie, Spanner

Schlehenhecken, Schlehenhecken   1 comment

Die Wettervorhersage war gut, sehr mild mit wenig Wind, der ganze Rummel rund um Karneval geht mir eh auf die Nerven, also nichts wie weg, Eine knappe Stunde fährt man von Haan in die Eifel, und eine Art der Vorfrühlings-Fauna stand eh noch auf dem Wunschzettel: Der Späte Schlehenbusch-Winterspanner, Theria rupicapraria ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775).
Erste Erkenntnis: In der Eifel wird noch verrückter Karneval gefeiert als im Rheinland, vor praktisch jedem Dorf steht am Karnevals-Sonntag die Feuerwehr und leitet den Durchgangsverkehr über die Feldwege um. An den unmöglichsten Stellen fernab der Zivilisation ziehen lärmende, kostümierte Fußgruppen mit Bollerwagen herum, einige davon in bedenklichem Zustand.
Zweiter Erkenntnis: Das Herumschleichen auf Feldwegen hat auch positive Seiten. Es müssen nicht immer die Spitzen-Halbtrockenrasen sein, es gibt auch abseits der berühmten Orchideen- und Falter-Fundstellen reichlich ausgedehnte Heckenkomplexe, die eine Anfahrt lohnen.

Theria rupicapraria, Iversheim, Deckstallerberg, 26. Februar 2017 (Foto: Armin Dahl)

Theria rupicapraria, Iversheim, Deckstallerberg, 26. Februar 2017 (Foto: Armin Dahl)

Eine solche gigantische Schlehenhecke bei Bad Münstereifel-Iversheim war dann auch das Ziel einer knapp einstündigen Exkursion mit Taschenlampe und Lichtfalle. Das Ergebnis kann sich für einen Abend Ende Februar sehen lassen: Acht Schmetterlingsarten, darunter mit Apocheima hispdaria schon ein echtes Frühjahrstier, und natürlich auch die gesuchte Theria rupicapraria.

Das Erkennen von rupicapraria ist – hat man sich erst mal eingesehen – gar nicht mal so schwierig. Das zur Innenseite verschmälerte Mittelfeld ist ein ganz ordentliches Merkmal. Wer es ganz genau wissen will muss ein Genitalpräparat machen. Wie das in Perfektion aussieht kann man sich im Beitrag von Dieter Robrecht auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft der Rh.-Westfälischen Lepidopterologen anschauen .

Der Artname rupicapraria wurde von SPULER (1910) zu Ehren der Gemse (Rupicapra rupicapra), nach der ähnlichen Färbung gewählt. Das sieht man mit der Taschenlampe nicht, nur dass die rupicapraria-Falter etwas heller grau sind, die von primaria erscheinen etwas brauner. Mal abgesehen davon dass ich mich nie mehr daran gewöhnen werde dass das Tier heute Gämse heissen soll. Mit der Rechtschreibreform ist es manchmal wie mit der Systematik: Es hat viele Jahrzehnte gedauert bis sich die Trennung von Theria primaria und T. rupicapraria wirklich durchgesetzt hat.

Den entscheidenden Anstoß dazu gab die Arbeit von Peter KUHNA (1977), seinerzeit Präparator am Fuhlrott-Museum in Wuppertal, dort findet sich auch Das Vergleichsmaterial zu der Arbeit stammt von der Neye-Talsperre im Norden der Stadt Wipperfürth im Bergischen Land.

KUHNA, P. (1977): Kurze Mitteilungen. Über den systematischen Status von Theria ibicaria H.-Schäff. (Lepidoptera, Geometridae). Jahrber. Naturwiss. Ver. Wuppertal, 30: 129-132, Wuppertal

Veröffentlicht 27. Februar 2017 von Armin Dahl in Arten / Listen, Auf Tour, Phänologie

Vom Starren an die Wand   4 comments

Der Moselrastplatz an der A61 in Winningen ist immer einen Stopp wert. Auch wenn man sich dabei zum Narren macht.

Eine Viertelstunde stehe ich jetzt schon da, und starre an die Wand. Nichts! Aber irgendwo müssen sie doch sein, die Falter. Eine Wandergruppe nähert sich, die Treppe auf der ich stehe ist Teil des Moselsteigs, zu jeder Tageszeit kommen dort Menschen vorbei. Der erste bleibt stehen „Was machen Sie denn da? Kann man Ihnen helfen?„.  Das ist ja ganz nett, aber auch wieder nicht. Ob die wohl glauben dass ich schon die Treppe nicht mehr alleine hochkomme? Ich sollte mal an meiner Figur arbeiten. Oder ob ich vielleicht mal richtig von ganz weit oben herunterpinkeln will?

Die Antwort: „Nein Danke, Ich suche nur Schmetterlinge“ kommt auch nicht so richtig gut an, Kopfschütteln, die Wanderer drängeln sich vorbei, bestimmt denken die „Ein Spinner, steht unter der Brücke und starrt an die Wand, schnell weiter bevor er noch runterspringt“.  Bei der Faltersuche auf den Rastplätzen der Bundesautobahn muss man etwas dickfellig sein. Es gibt Plätze an denen der Homo eroticus vorkommt, und dieser empfindet Menschen mit Stirnlampen nicht als Bereicherung.

Drei Minuten später entfährt es mir „Happichdich“! Stein für Stein hatte ich abgesucht, und war am Ende fündig: An  der Moselbrücke und den Felsen rundherm fliegen im Herbst zwei der größten Raritäten der einheimischen Fauna, Polymixis flavicincta und  Ammoconia senex, und beide sind extrem gut getarnt, wenn sie an einem Felsen sitzen. Oder auch nicht, wenn sie sich den falschen Sitzplatz aussuchen.

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Veröffentlicht 28. Oktober 2016 von Armin Dahl in Auf Tour, Eulenfalter, Phänologie

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