Archiv für die Kategorie ‘Tagfalter

Great Blue: Britischem Schmetterlingsfänger droht der Knast   2 comments

Ein Mann, der im Juni 2015 im Daneway Banks reserve in Gloucestershire und im Collard Hill reserve in Somerset einige Exemplare des Quendel-Ameisenbläulings Maculinea arion (engl. „Great Blue“) gefangen hatte, ist jetzt verurteilt worden. Zu dieser Meldung, die auch durch die Internationale Presse gelaufen ist, kann ich nur sagen: Recht so!

Es ist das erste Mal in England dass eine Verurteilung wegen des Fangs dieser Bläulingsart geschieht. Der Sammler Philipp Cullen hat offenbar gegen alles verstoßen was in England im Artenschutz gilt.

  • Fang in Gebieten mit Special Scientific Interest
  • Fang und Handel einer Art die unter absolutem Schutz steht, (6 Arten in England), und das in großem Stil.
  • Betrug (Die beschlagnahmten Tiere hatten offenbar gefälschte historische Etiketten)

Das gehört sich nicht und jedes Kind in England weiss es. Das arion-Projekt ist in England so bekannt wie man sich das hierzulande nicht vorstellen kann, und es ist eine Unmenge öffentliches Geld des British Wildlife Trust und anderer Stiftungen hineingeflossen.
Neben dem „Great blue“ hatte der Sammler weitere Tiere in seinen Kästen, darunter die in England extrem seltenen und geschützten Arten Siona lineata, Pyropteron chrysidiforme und Melitaea athalia.

Und deshalb ist meines Erachtens nichts daran auszusetzen dass der Kollege dafür eine Freiheitsstrafe bekommt. Schon alleine weil er so dumm war die Tiere bei Ebay zu verkaufen gehört er bestraft. Die Höhe der Strafe wird Anfang April verkündet. Ungewöhnlich an der Sache ist eigentlich nur, dass es mal einen Schmetterlingsfänger und -händler trifft. Hätte der Kollege mit Elfenbein gehandelt, würde niemand darüber ein Wort verlieren.


Butterfly Conservation UK: Collector convicted for illegally catching and killing the UK’s rarest butterfly
BBC-News: Man guilty of capturing and killing UK’s rarest butterfly
Spiegel Online: Seltene Schmetterlinge getötet – Brite verurteilt

Veröffentlicht 18. März 2017 von Armin Dahl in im Netz, Tagfalter

Big Data oder wo die Painted Ladys bleiben   Leave a comment

Distelfalter Vanessa cardui, Düsseldorf-Neandertal, 2. September 2012 (Foto: Armin Dahl)

Distelfalter Vanessa cardui, Erkrath-Neandertal, 2. September 2012 (Foto: Armin Dahl)

Heute sind die meisten Zoologie-Lehrstühle entweder ganz verschwunden oder kleingespart, das Museensterben geht weiter und die Naturschutzbehörden entwickeln sich zu weitgehend kenntnisfreien Zonen. Opa Hoppenstedt, der Weihnachts-Klassiker von Loriot, würde an dieser Stelle sagen „Früher war mehr Lametta“. Und wenn man heute gefragt wird wo denn in der Freilandbiologie so richtig die Musik spielt, dann fällt einem nichts rechtes ein.

Aber es scheint sie doch noch zu geben, die interessanten Lehrstühle und Forschungseinrichtungen. Vor einiger Zeit bin ich durch einen Radiobeitrag über das Park Grass Experiment gestolpert: Seit 1856 (!) untersuchen die Briten am Rothamsted Research Institute in Hertfordshire nördlich von London, wie das Gras wächst. „Nach 2000 Jahren Pflege wird mein Rasen recht annehmbar sein“ sagt der Ureinwohner in „Asterix bei den Briten“. So lange wollen wir nicht warten! Etwa seit der Jahrtausendwende beobachten die Forscher wieder einen deutlichen Anstieg der Biodiversität in den untersuchten Wiesen, was angeblich auf verringerte (Luft-)Stickstoffeinträge zurückzuführen ist. Es besteht also immer noch Hoffnung für die Falter der Wiesen und Weiden!

Rothamsted hat aber noch eine weitere höchst interessante Forschungseinheit, die sich mit der Migration von Insekten beschäftigt: Das Institut für Radar-Ökologie! Eine der Fragen, mit denen man sich dort in den letzten Jahren beschäftigt hat: Was passiert mit alle den schönen Distelfaltern, die jedes Frühjahr nach England einfliegen? Die Antwort ist ein wenig erstaunlich, weil die Beobachter am Boden davon fast nichts mitbekommen: Die „Painted Ladys“  ziehen im Herbst wieder weg, aber nicht wie der Admiral (Vanessa atalanta) dicht am Boden, sondern in Höhen von bis zu 1000 Metern, und sie nutzen gezielt bestimmte Luftströmungen für ihre Wanderung!

Herausbekommen haben das die Engländer mit Faltern, denen eine winzige sogenannte Schottky Barrier Diode aufgeklebt wurde. Die Details sind aber nur etwas für diejenigen die auch in Physik aufgepasst haben. Zusammengefasst lässt sich wohl sagen dass diese kleinen Dinger auf Radarsignale  antworten, ohne dass man dem Falter eine Batterie mitgeben muss. Und die Mannschaft in Rothamsted hat ein sogenanntes Harmonisches Radar, mit dem man bis in 1,5 Kilometern Höhe diese Dioden auf Sendung bringen und damit die Falter bis in große Höhen verfolgen kann.

Die Dimensionen der Insektenwanderungen auch ausserhalb der Tropen sind so gewaltig, dass das altehrwürdige Magazin Spektrum passend zu Weihnachten gar von den Himmlischen Heerscharen sprach.
Wer die Details ganz genau nachlesen will (und wer stolze 38 $ für ein .pdf bezahlen will) kann das z.B. in der Wiley Online Library tun. Ansonsten tut es vielleicht erst mal die Zusammenfassung in der Pressemitteilung des UFZ von 2012. Ein paar schöne Bilder zum umsonst angucken finden sich in der Science Photo Library unter dem Stichwort: Trackig Insects by Radar.
Totalüberwachung hat Konjunktur, auch bei den Insekten!

Veröffentlicht 27. Dezember 2016 von Armin Dahl in Ökologie, im Netz, Tagfalter, Umwelt, Wanderfalter

Schillerfalter in Düsseldorf   1 comment

02.07.2015 Düsseldorf Gerresheimer Waldfriedhof, in Gewächshaus auf dem Betriebshof von Ruth Schäfer gefunden......

Apatura iris, 2. Juli 2015 Düsseldorf Gerresheimer Waldfriedhof, ca. 100m NN (Foto: Ruth Schäfer)

Apatura iris, 2. Juli 2015 Düsseldorf Gerresheimer Waldfriedhof (Foto: Ruth Schäfer)

Apatura iris, 2. Juli 2015 Düsseldorf Gerresheimer Waldfriedhof (Foto: Ruth Schäfer)

Bisher sah es so aus als ob der Große Schillerfalter einen Bogen um die Großstadt machen würde, jedenfalls war in den tieferen Lagen rund um Düsseldorf in den letzten Jahrzehnten nichts von der Art zu sehen. Jetzt aber gelang ein Zufallsfund auf dem Gerresheimer Waldfriedhof, und das schon Anfang Juli. Der Falter hatte sich offenbar ins Gewächshaus des Betrieshofs verirrt und leider nicht mehr herausgefunden.

 

Veröffentlicht 29. Juli 2016 von Armin Dahl in Tagfalter

Pieris mannii in Leverkusen   Leave a comment

Pieris mannii, Leverkusen - Hitdorf, 28. Juni 2016 (Foto: Klaus Böhm)

Pieris mannii ♂ , Leverkusen – Hitdorf, 28. Juni 2016 (Foto: Klaus Böhm)

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Pieris mannii ♂, Leverkusen – Hitdorf, 28. Juni 2016 (Foto: Klaus Böhm)

Ich gebe zu, dass meine Lust, mir alle Kleinen Kohlweißlinge genau anzuschauen, bisher gering ausgeprägt war. Man könnte auch sagen ich habe mich gedrückt.  In Zukunft werden wir wohl aber alle etwas öfter auf die Kamera drücken oder auch mal einen Beleg nehmen müssen: Nachdem der Falter jetzt von großen Experten Jürgen Hensle abgesegnet ist, gibt es keine Zweifel mehr: Der Karstweißling Pieris mannii (MAYER, 1851) ist im Niederbergischen angekommen.

Die Bilder von Klaus Böhm sind dermaßen gut und zeigen alle notwendigen Merkmale, der Fundort Leverkusen-Hitdorf liegt dazu noch in der „Einflugschneise“ im Rheintal.  Vor wenigen Jahren Cupido argiades, im letzten Jahr Aricia agestis, dieses Jahr Pieris mannii: So langsam scheint sich das Spektrum der Tagfalter auch auf die insgesamt wärmeren Bedingungen in der Region einzustellen.

Die Bestimmung von Pieris mannii ist nicht einfach, ein ganzer Roman darüber findet sich im Lepiforum

Veröffentlicht 7. Juli 2016 von Armin Dahl in Klimawandel, Tagfalter

Saisonstart Cupido argiades   1 comment

Frisch von der Hauswiese: Weibchen von Cupido argiades, Haan, Spörkenbruch, 26. Juni 2016 (Foto: Armin Dahl). Wenn man mal davon ausgeht dass das hier die erste Generation ist, dann

Frisch von der Hauswiese, frei Hand geschossen: Weibchen von Cupido argiades, Haan, Spörkenbruch, 26. Juni 2016. (Foto: Armin

Adscita statices

Adscita statices mit Milbenbefall, Haan, Spörkenbruch, 26. Juni 2016 (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 26. Juni 2016 von Armin Dahl in Spinner, Tagfalter

Noch mehr Highlights vom Geo-Tag   Leave a comment

So langsam haben wir das Schlafdefizit wieder aufgeholt, die unbestimmten Bilder werden aufgearbeitet und die Liste vom GEO-Tag in der Ohligser Heide wird länger und länger.
Hier noch ein paar Formen die ich erwähnenswert oder besonders hübsch finde, die meisten davon sind typische Heidetiere. Der Fund von Boloria selene auf der Pflanzenexkursion am Nachmittag zeigt uns, dass die Botaniker eigentlich die besseren Entomologen sind!

Leucorrhinia pectoralis, Further Moor, 22. Juni 2016 (Foto: Moritz Schulze)

Leucorrhinia pectoralis, Further Moor, 22. Juni 2016 (Foto: Moritz Schulze)

Und zm Schluß noch ein Fund aus einem Nachbargebiet, in zweierlei Hinsicht: Die Große Moosjungfer
Leucorrhinia pectoralis ist natürlich kein Schmetterling, hat jedoch momentan anscheinen einen großen Einflug, das Foto stammt zwar aus dem Further Moor, aber die Art flog am GEO-Tag auch in der Ohligser Heide, weitere Meldungen am besten direkt in das Fundmeldesystem der Biostation Mittlere Wupper sind sehr erbeten.

Veröffentlicht 22. Juni 2016 von Armin Dahl in andere Insekten, Arten / Listen, Mikros, Raupen, Spinner, Tagfalter

In Ulmen, um Ulmen und um Ulmen herum   Leave a comment

Blühende Ulmen sind sehr selten geworden, seit der Ulmensplintkäfer und den von ihm übertragenen Schlauchpilz Ophiostoma novo-ulmi das sogenannte „Ulmensterben“ nach Europa gebracht haben. Genauso erwischt hat es im Gefolge des Ulmensterbens die auf Ulmenblüten angewiesenen Falterarten, zum Beispiel Xanthia gilvago, und natürlich den Ulmen-Zipfelfalter Satyrium w-album (KNOCH, 1782).

Junge Ulmen stehen aber an vielen Stellen, und manche kommen zur Blüte, und dann sind die Falter wie von Geisterhand wieder da. Hier mal ein Dokument der Zeitgeschichte, aufgeschrieben von Martine Goerigk.

„am 12. Mai hatte ich während einer meiner Inspektionsgänge an der Unterführung [das ist der bekannte Tunnel unter der A46]  im Eller Forst, an der Wand, nicht sehr weit von dem Ausgang zum Wald hin eine kleine Lycaenidae-Raupe entdeckt. Erst dachte ich, wegen der braunen Farbe, an den Blauen Eichenzipfelfalter. Der aber soll sich in der Bodenstreu, und ohne Halterungsgürtel verpuppen. Ähnlich kam mir noch die Raupe des Faulbaum-Bläulings vor (C. argiolus), die sichert sich mit Faden ab …
Die Raupe verpuppte sich ganz brav in der Dose, ich schaue regelmäßig nach der Puppe, keine Änderung… Der Faulbaum-Bläuling würde in 2. Generation bestimmt nicht vor dem Sommer schlüpfen… Ich vergass das Tierchen einige Tage in der geschlossenen Dose (kein durchsichtiger Deckel!). Bis heute – und da war es zu spät.
Ein Zipfelfalter lag tot in der Dose, dunkelbraun – es war die Oberseite, die er komplett übergeklappt hatte. Mit wahrscheinlich ungeschickten Griffen klappte ich die Flügel allmählich um – und erkannte an dem Muster der versteckten Flügelunterseite einen Ulmen-Zipfelfalter (S. w-album)!
Ich weiß nicht, ob dir ein Vorkommen von w-album im Eller Forst bekannt ist, deshalb diese etwas ausführlichere Meldung. [die letzte Sichtung liegt ca. 15 Jahre zurück und stammt von Jörg Mesenhöller]
Eine Ulme steht gleicht neben dem Ausgang der Unterführung in Richtung Forst, rechterhand. Ihre abgefallenen Früchte haben einige Zeit lang den Boden des Tunnels reichhaltig geziert.
Ich sollte wirklich auf Dosen mit eindeutig durchsichtigem Deckel umsteigen. So ein Ärger!“

Der Ulmen-Zipfelfalter ist also immer noch im Gebiet, und wahrscheinlich häufiger als wir denken. Gewußt wo – das ist das Geheimnis. Der Falter fliegt in den Baumkronen und kommt – ähnlich wie der Eichen-Zipfelfalter – nur selten herunter und ist dann auf Blüten zu sehen.

 

Satyrium w-album (KNOCH, 1782), Düsseldorf, Eller Forst, Raufenfund am 2. Mai 216 (Fotos: Martine Goerigk)

Satyrium w-album (KNOCH, 1782), angesponnene Raupe, Düsseldorf, Eller Forst, Raupenfund am 12. Mai 2016 (Foto: Martine Goerigk)

Satyrium w-album (KNOCH, 1782), Düsseldorf, Eller Forst, Raufenfund am 2. Mai 216 (Fotos: Martine Goerigk)

Puppe von Satyrium w-album (KNOCH, 1782), Düsseldorf, Eller Forst, Mai 2016 (Foto: Martine Goerigk)

Satyrium w-album (KNOCH, 1782), Düsseldorf, Eller Forst, Raufenfund am 2. Mai 216 (Fotos: Martine Goerigk)

Satyrium w-album (KNOCH, 1782), Düsseldorf, Eller Forst,  8. Juni 2016 (Foto: Martine Goerigk)

 

Veröffentlicht 10. Juni 2016 von Armin Dahl in Tagfalter

Kommt auch Cyaniris semiargus zurück?   1 comment

Cyaniris semiargus, iegburg Siegelsknippen Magerwiesen/Renaturierungsflächen des WTV MTB:5109,431 (Foto: Hanne Esser)

Cyaniris semiargus, Siegburg Siegelsknippen Magerwiesen/Renaturierungsflächen des WTV MTB:5109,4 (Foto: Hanne Esser)

Das Wetter fühlt sich tropisch an, die lange verzögerte Faltersaison bekommt gerade so richtig Schwung, und deshalb hier mal ein Hinweis: Nachdem wir jahrzehntelang keine Nachweise von Cyaniris semiargus aus dem Rheinland hatten, sind sowohl 2015 als auch jetzt 2016 einzelne Falter im Bereich der Sieg unterwegs: Zum einen in
Hennef-Bülgenauel am Siegdeich, fotografiert am 24.07.2015 von Brigitte Schmälter und jetzt wieder in der ersten Generation in Siegburg Siegelsknippen.

 

Beide Fundorte liegen in Nachbarschaft der Wahner Heide, und deshalb sollten wir auf der gesamten Heideterrasse die Augen offenhalten.

Ich kenne semiargus noch aus Tübinger Zeiten als Falter der in jeder halbwegs mageren Rotkleewiese zu finden war, sonderlich anspruchsvoll an die Lebensräume scheint die Art nicht zu sein. Damit wäre das dann nach icarus, argiolus, argiades und agestis schon die fünfte Bläulingsart auf die wir im Bereich der Heideterasse zu achten haben – mal abgesehen von den Maculinea-Arten. Wegen mir können das ruhig noch ein paar mehr werden!


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Cyaniris semiargus, Siegburg Siegelsknippen Magerwiesen/Renaturierungsflächen des WTV, 9. Juni 2016 (Foto: Hanne Esser)

[Nachtrag vom 10. Juni: jetzt haben wir auch ein schönes Bild von der Unterseite]

Veröffentlicht 4. Juni 2016 von Armin Dahl in Tagfalter

Saisonvorbereitung: Warten auf Pieris mannii   2 comments

Seit einigen Jahren dringt der „Karstweißling“ Pieris mannii nach Norden vor, und scheint in der Pfalz verbreitet zu sein, auch in Nordrhein-Westfalen sind an einigen Stellen Falter gesehen worden. Das ist alles nicht ganz so einfach, P. mannii sieht dem sehr häufigen Kleinen Kohlweißling Pieris rapae sehr ähnlich. Und wer sammelt schon große Serien von Weißlingen, um dann die einzelnen mannii-Falter zu unterscheiden?
Es gibt zudem zahlreiche Formen von mannii, wer mit dem Falter Erfahrung hat kann die Arten sicher auch irgendwann unterscheiden. Für Weißlings-Analphabeten wie mich gilt vorläufig: das einzige wirklich handfeste sichere Merkmal an dem man mannii und rapae unterscheiden kann ist und bleibt: Der schwarze Kopf der Jungraupe (im Larvenstadium 1 und 2).

Rucola-Zucht

Experiment für kleines Geld: Rucola-Zucht

Das Lepiform beschreibt den Lebensraum: „P. mannii ist ein Bewohner trockener, verkarsteter Flächen. Sie fliegt oft auf felsdurchsetzten Ziegenweiden„. Daran herrscht in Deutschland sicher ein ausgesprochener Mangel, und die Kollegen aus der Pfalz und dem Saarland finden „Ihre“ mannii-Falter denn auch in den Ortschaften an Steingartenpflanzen, vor allem an Schleifenblumen (Iberis), wo die Weibchen die Eier ablegen. Einen Steingarten habe ich leider nicht, dafür zu viele Schnecken im Garten und außerdem Sandboden. Was also tun?
Eine der Haupt-Nahrungspflanzen für P. manni -Raupen in der Pfalz ist neben den Iberis-Arten Diplotaxis tenuifolia. Mit dem Deutschen Namen Schmalblättriger Doppelsame kann kaum jemand etwas anfangen, aber jeder hat schon mal einen Rucola-Salat gegessen, und die Samen dazu gibts in jedem Supermarkt für ein paar Pfennige. Die „Wilde Rauke“ ist eine Staude die in Schuttfluren wächst, und kommt auch mit widrigen Bedingungen in Kübeln und Balkonkästen klar. Etwas weniger verkaufsfördernd ist der Deutsch Name „Stinkrauke“, der kommt von den Senföl-Verbindungen welche die Pflanze produziert. Und auf diese Verbindungen sind die Pieris-mannii-Weibchen angeblich ganz besonders scharf.
Für schlappe 1,39 Euro habe ich also gestern im Baumarkt ein Tütchen Rauken-Samen erstanden und sofort ausgesät. Ich selber bin kein großer Freund von Rauke, und würde in diesem Jahr meine Pflanzen sehr gerne mit ein paar Pieris mannii-Raupen teilen.

Veröffentlicht 12. März 2016 von Armin Dahl in Raupen, Tagfalter

Gewusst wie!   Leave a comment

Hipparchia alcyone, 1.7.2015 (Foto: Wolfgang Schäfer). das Bild ist am 1.7.15 auf dem Campingplatz “Haut Chandelalar” zwischen den Orten Brianconnet und St-Auban

Hipparchia alcyone, Frankreich, Camping Naturiste Le Haut Chandelalar zwischen Brianconnet und St-Auban, 1.7.2015 (Foto: Wolfgang Schäfer).

Ködern, Lichtfang, Kescher, alles überholt! Eine völlig neue Methode, wie man an außerordentliche Schmetterlingsbeobachtungen kommen kann, hat der Kollege Wolfgang Schäfer aus Wipperfürth im Urlaub in den Provencialischen Alpen entdeckt: Bestimmungsbuch vorzeigen! Der Falter konnte zwar nicht lesen (im „Settele“ steht noch der alte Name Hipparchia hermione). Aber genau hinschauen konnte er sehr wohl, und näherte sich der Abbildung des Kleinen Waldportiers (der heute Hipparchia alcyone heissen sollte) ohne Scheu. Das sollten wir mal dringen hier bei uns mit Schillerfalter und Konsorten ausprobieren.

 

 

Veröffentlicht 3. Februar 2016 von Armin Dahl in Arten / Listen, mehr Lepis, Tagfalter

Kaiserreich Niederlande   3 comments

Momentan ist die Zeit der Dateneingabe und Aufbereitung, und nachdem es draußen wegen Frost mal ausnahmsweise nichts zu tun gibt, hier mal ein kleiner Zwischenstand zur Datenlage: Wir haben in den letzten drei Jahren die  Zahl der online über www.schmetterlinge-nrw.de präsentierten  Daten mehr als verdoppelt, und das mit tätiger Mithilfe einer ganzen Menge an Leuten aus dem Niederbergischen. Momentan sind knapp 310.000 Zeilen Text in der Exportdatenbank, meine darunter liegende Fundortdatenbank hat mittlerweile mehr als 10.000 Einträge. Die meisten davon mit Meßtischblatt-Angaben und viele davon mit langen Artenlisten und tagesgenauen Falter-Daten. Das macht richtig Spass, und entschädigt ein wenig für die hunderte von Geländestunden mit dreckigen Hosen, tausende von Fahrtkilometern zu nächtlichen Einsätzen, und bedenklichen Schlafmangel in den Sommermonaten.  Momentan ist die Region mit einiger Sicherheit eine der best untersuchten in Nordrhein-Westfalen, und das obwohl es hier gar nichts „Gescheites“ zu sehen gibt. Da können sich alle die daran mitgearbeitet haben wenig auf die Schultern klopfen. Und Euch da draußen an den Bildschirmen von dieser Stelle mal ein dickes Dankeschön für beharrlichen Geländeeinsatz und Datenpflege!

So, das muss erst mal reichen für den Moment, jetzt kommen noch ein paar Bemerkungen zu einer wichtigen Leitart für die „guten“ Schmetterlingslebensräume des Niederbergischen: Der Kaisermantel Argynnis paphia ist nicht nur ein wunderschöner Falter, man kann an der Art auch viele Lösungsansätze für den Naturschutz, Biodiversität und die Probleme des Ballungsraums aufzeigen.

Schon seit etlichen Jahren beobachten wir hier in der Region die Populationen vom Kaisermantel, und mittlerweile haben wir eine ganz ordentliche Vorstellung davon, was das Niederbergische angeht. Der Kaisermantel Argynnis paphia liebt sonnige, lichte, windarme Waldränder mit hohem, lange erhaltenen Blütenangebot für die Falter und reichlich Veilchen im Unterwuchs als Raupenfutter.  Gezieltes Herstellen und Erhalten solcher Strukturen gibt einem ganzen Zoo weiterer Arten Lebensraum, wo der Kaisermantel fliegt ist die Biodiversität hoch und die Artenliste auch beim Licht- und Köderfang lang.

  • in den Steinbrüchen im Wuppertaler Raum sind überall Kaisermäntel unterwegs, größere Populationen, die sich über mehrere Jahre nachweisen ließen vor allem in Haan in der gezielt optimierten Grube 10 und dem Steinbruch Osterholz, in Grube 7, aber auch weiter im Osten bis nach Wipperfürth und Hagen.
  • in der Rheinebene sind die Funde sehr viel spärlicher, aber es gibt immer wieder Nachweise aus Düsseldorf von der Leitungstrasse Hilden/Eller und auch aus dem Stadtgebiet.
  • Einzelne Falter treiben sich auch dazwischen herum, in trockenen Sommer 2015 auch in meinem Garten vor der Hautür, diese sind aber nicht ortsfest und nur einen oder wenige Tage zu sehen.

Dabei ist nicht so ganz klar ob der Kaisermantel zwischenzeitlich mal ganz weg war oder ob es sich nur um ein Datenloch handelt, das bekanntlich zwischen dem Sammelverbot und der Erfindung der Digitalfotografie existiert. So ist der Kaisermantel 2015 zum Beisiel auch auf der Marscheider Trasse im Osten Wuppertals aufgetaucht, wo wir seit kurzem auch die Schmetterlingsfauna regelmäßig beobachten. Wobei sich nicht belegen lässt ob die Art dort schon länger unterwegs war, oder erst durch die tollen Pflegemaßnahmen zur Förderung der Schlingnatter  angelockt wurde.

Schaut man sich das überregional an, dann scheint der Kaisermantel vor allem den Nordwesten zu meiden, man könnte den Eindruck gewinnen, es handelt sich um ein kontinental verbreitetes Tier, das im milden Atlantikum nicht so gute Bedingungen findet.

So weit bisher. Aber jetzt ist endlich mal Zeit zum Schmökern und aufarbeiten von Daten und Literatur, und siehe da: unsere holländischen Nachbarn machen gleiche Erfahrungen. Wie immer haben sie ihre Daten zügig aufgearbeitet und schön präsentiert in der Zeitschrift „Vlinders“, Ausgabe vom November, unter dem Titel: „Niederlande wieder kaiserreich!„. Von wegen der Kaisermantel meidet das atlantische Klima: Direkt an der Küste (im Schaubild Nummer 1-4) sind einige  Populationen seit längerem aktiv und pflanzen sich dort anscheinen auch fort.

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Die Grafik aus der Zeitschrift „Vlinders“ zeigt die Zunahme von Kaisermantel-Beobachtungen in zehn Gebieten in den Niederlanden. Nummer 1-4 liegen direkt an der Küste. Nummer 10 (Sint Pietersberg) liegt bei Maastricht direkt an der Deutschen Grenze. Originalartikel unter http://www.vlindernet.nl/doc/dvs/pdf/201511_nederland_weer_keizerrijk.pdf

 

 

Veröffentlicht 19. Januar 2016 von Armin Dahl in Arten / Listen, im Netz, Lebensräume, Tagfalter

Neujahrs-Fortbildung in der Drover Heide   Leave a comment

Seit Jahren rennen wir hier in der Gegend alle Schlehenhecken ab, in der Hoffnung endlich mal ein Ei von Thecla betulae zu finden – Nix ist! Andernorts, zum Beispiel im Münsterland, ist das gar kein Problem, in Ostwestfalen anscheinend auch nicht. Jedenfalls hat der Kollege dort in den letzten Tagen etliche Quadranten abgeräumt, wie man im Naturgucker nachschauen kann.
Also blieb nichts anderes übrig als ein Ausflug, frische Luft schnappen schien genau das richtige nach einer zünftigen Silvesterparty, 80 Kilometer Anfahrt in die Voreifel mussten dafür in Kauf genommen werden.

Die Drover Heide ist ein ehemaliger Truppenübungsplatz südlich von Düren, und gilt so ein bisschen die Drehscheibe zwischen den umliegenden Heidegebieten Wahner Heide, Hohes Venn und Teverener Heide. Jedenfalls groß genug dass man sich darin einen Nachmittag lang auslüften kann, das ganze Naturschutzgebiet umfasst knapp sieben Quadratkilometer Fläche, davon sind 120 Hektar echte Heideflächen, auf dem Rest wird irgendwie gemanagt, zum Teil mit Schafen, Ziegen und Rindern, zum Teil mit Feuer.

Aus dem Auto gestiegen, 50 Meter neben dem Parkplatz einmal an eine Zitterpappel hingelangt, und schon der erste Nachweis: Schlupfloch von Sesia melanocephala, nicht schlecht für den Anfang! 500 Meter weiter der erste Schlehenbusch, ein Blick, ein weißer Punkt – Bingo heißt das aus neudeutsch heutzutage: Eier von Thecla betulae, vier Stück innerhalb von fünf Minuten Suche.


Danach gab´s im besten Sonnenschein noch die kleine „barrierefreie“ Runde über den Aussichtspunkt, nach zwei Stunden waren zwei weitere melanocephala-Löcher gefunden! Auf dem Heimweg rasch noch ein paar Pappelreihen abgesucht: Alle dicken Hybridpappeln haben Löcher vom „Hornissenschwärmer“  Sesia apiformis. Auch die mitten in den allerbeschissensten Agrarwüsten weitab von allem was die Bezeichnung „Biotop“ verdient. Insgesamt aber war das ein völlig zufriedenstellender Neujahrsausflug!

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Schlimmer geht´s nimmer: Feldflur in der Zülpicher Börde bei Nörvenich. Doch sogar hier lebt Sesia apiformis!

 

Veröffentlicht 2. Januar 2016 von Armin Dahl in Auf Tour, Glasflügler, Tagfalter

Unter Aufsicht: Cupido argiades in Ratingen   Leave a comment

Cupido argiades, Ratingen, JVA Düsseldorf, 26. August 2015 (Foto: Moritz Schulze)

Cupido argiades, Ratingen, JVA Düsseldorf, 26. August 2015 (Foto: Moritz Schulze)

Düsseldorf platzt aus allen Nähten, und lässt deshalb unter anderem seine Verbrecher im benachbarten Kreis Mettmann unterbringen.  Auf dem Gelände der JVA in Ratingen gibt es unter anderem Zauneidechsen, weshalb das Außengelände speziell und sehr schmetterlingsfreundlich hergerichtet wurde. Hier eine kleine entomologische Wasserstands-Mitteilung von Moritz Schulze:

eigentlich rechne ich schon seit ein paar Jahren damit, dass argiades eines Tages auf den blütenreichen Ausgleichsflächen der JVA Düsseldorf auftreten könnte. Bis zum letzten Jahr hatte ich dort aber bisher immer nur nur icarus (teils in Massen). Heute habe ich dort neben ca. 50 bis 100 icarus auch an die 30 (!) argiades dort nachgewiesen. […] Leider war es schon recht warm, sodass ich nur ein paar schlechte Belegfotos machen konnte“

Veröffentlicht 26. August 2015 von Armin Dahl in Tagfalter

Zygaena filipendulae, Papilio machaon   Leave a comment

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Zygaena filipendulae, W.-Eskesberg, 11. August 2015 (Foto: Armin Dahl)

Die Phänologie des Sechsfleck-Widderchens Zygaena filipendulae gibt einem immer noch Rätsel auf: Schon am 25. Juni 2015 wurde ein erstes Tier gemeldet, aus dem Blombachtal in Remscheid. Und erst jetzt, lockere sechs Wochen später, geht die Flugzeit auf dem erheblich wärmeren Eskesberg in Wuppertal so richtig los. Ob das daran liegt dass dort im letzten Jahr eine 2. Generation aufgetreten ist? Jedenfalls reagieren die überwinternden Raupen offenbar plastisch auf Umwelteinflüsse.

Beim Schwalbenschwanz ist das erheblich übersichtlicher, der überwintert als Puppe. Die erste Generation fliegt Ende April / Anfang Mai, die zweite Generation aktuell, und wenn der Herbst richtig schön ist, dann  gibts auch noch eine dritte. Aber Start ist immer im Frühling, wenn der Flieder blüht. Die beiden Bilder zeigen ein Weibchen im typischen niedrigen Schwirrflug  bei der Suche nach einem Eiablageplatz. Solche Fotos gelingen auch nicht alle Tage!

Papilio machaon, Solingen, Deponie Bärenloch, 15. August 2015 (Foto: Hans-Jürgen Martin)

Schwalbenschwanz im Flug erwischt! Solingen, Deponie Bärenloch, 15. August 2015 (Foto: Hans-Jürgen Martin)

Papilio machaon, Solingen, Deponie Bärenloch, 15. August 2015 (Foto: Hans-Jürgen Martin)

Papilio machaon an einer Jungpflanze von Wilder Möhre, Solingen, Deponie Bärenloch, 15. August 2015 (Foto: Hans-Jürgen Martin).

Veröffentlicht 15. August 2015 von Armin Dahl in Spinner, Tagfalter

Gutes Jahr für Wanderfalter   Leave a comment

Taubenschwänzchen und Distelfalter sind in 2015 schon sehr frühzeitig aufgetaucht, Gelblinge und Perlmuttfalter haben auch ein gutes Jahr: Nach dem Sensationsfund von Boloria selene in der Ohligser Heide sind auch etliche Kaisermäntel in der Region zu beobachten, und es geht weiter: Heute wurden im Monheimer Rheinbogen an zwei Stellen je ein Kleiner Perlmutterfalter (Issoria lathonia), ein Wandergelbling (Colias croceus) und ein Weibchen der Goldenen Acht (Colias hyale) bei der Eiablage beobachtet.

Veröffentlicht 26. Juli 2015 von Armin Dahl in Tagfalter, Wanderfalter

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