In der Beerenheide   Leave a comment

Im Oberbergischen gibt es ein paar kleine Heideflächen, die seit vielen Jahrzehnten unter Schutz stehen und sehr schön gepflegt und entwickelt werden. Besondere Qualität haben dabei die Wacholderheiden in Reichshof, an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz.

Dort an einem Lichtfang teilzunehmen ist ziemlich anstrengend, die Flächen sind extrem artenreich und man kommt am Leuchtabend kaum zum fotografieren. Deshalb hier mal wieder ein paar „Leuchtturm-Bilder“, und zwar von Arten die als Raupen von Heidelbeere leben, und die alle ziemlich selten nachgewiesen werden.

Scopula ternata (SCHRANK, 1802) – Heidelbeer-Kleinspanner. Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Pasiphila debiliata (HÜBNER, [1817]) – Heidelbeer-Blütenspanner, Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Hyppa rectilinea (ESPER, 1788) – Heidelbeer-Stricheule, Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Wacholderheide bei Reichshof (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 16. Juni 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Eulenfalter, Spanner

Im Kaiserstuhl ver“haftet“   1 comment

Ein paar Tage in Freiburg, Wandern im Schwarzwald und einen Tag in den Europapark zum Achterbahnfahren – bei so einem Kurzurlaub bleibt nicht viel Zeit für Insekten. Dennoch gab es einen spannenden fotografischen „Beifang“: bei einem morgendlichen Kurztrip in den Kaiserstuhl konnte ich zwischen Badberg und Haselschacher Buck zahlreiche Schmetterlingshafte (Libelloides longicornis) beobachten. Die libellenähnlichen Tiere aus der Ordnung der Netzflügler sind eher scheu, nicht ganz so wendig wie Großlibellen, aber dennoch sehr gute Flieger. Mit einer Spannweite von ca. 5 cm sind sie auch gar nicht so klein. Sie jagen andere Insekten im Flug. Die Larven leben räuberisch am Boden. Das Verhalten ist bemerkenswert: in der Sonne sitzen die Tiere mit ausgebreiteten Flügeln im Gras und fliegen bei Annäherung rasch und weit weg. Sobald die Sonne fehlt, werden die Flügel über dem Körper zusammengelegt und die Tiere fliegen selbst bei extremer Annäherung nicht weg, sondern drehen sich hinter den Halm auf dem sie sitzen, als wollten sie sich dahinter verstecken.

Auf dem Rückweg aus Freiburg blieb Zeit für eine Pizza in Kobern-Gondorf an der Mosel. Bei einem 30 minütigen Spaziergang am Fuße des Felsens moselabwärts konnten wir sofort 5 frische Apollofalter fliegend beobachten, dazu noch einen Kreuzdorn-Zipfelfalter. (Beschreibung der Bilder: Bild anklicken!)

Veröffentlicht 16. Juni 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Erfolgreich Wildern in Westfalen   3 comments

Das Niederbergische ist ja gut und schön, aber ab und zu verschlägt es einen schon mal in andere Landesteile. Im Vorfeld des GEO-Tags war jetzt mal Westfalen dran.

Essen, Gleisharfe auf Zeche Zollverein, 4. Juni 2017

Denn ein paar ganz ordentliche Biotope haben sie dort im Ruhrgebiet, wenn die auch quasi im Unverstand entstanden sind, als Müllkippen der Industrie: Die Berghalden und Industriebrachen inmitten des städtisch geprägten Konglomerats von Duisburg bis Bergkamen entwickeln sich zu den Trittsteinen für die Tierwelt, die vom Klimawandel angeheizt ihre Verbreitungsgebiete nach Norden vorschiebt. Wem diese These zu steil ist, dem können wir eine schöne Liste von ehemals südlich verbreiteten Arten erstellen, die entlang von Bahnlinien, auf Erddeponien, Berghalden und Gleisharfen im Ruhrgebiet vorkommen: Von Heuschreckenarten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke, der Mauereidechse, die im Ruhrgebiet an vielen Stellen vorkommt, bis hin zu unscheinbaren grauen Nachtfalterarten wie Eremodrina gilva oder Eilema caniola, deren Vorkommen in unseren Breiten vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar erschienen und die mittlerweile weit verbreitet sind.

Zeche Zollverein in Essen: Die ehemalige Berghalde ist fast komplett von Wald bedeckt.

Den Einwohnern des Ruhrgebiets ist meistens gar nicht so recht bewusst, welche Schatzkisten vor ihrer Haustür liegen, seit dem Untergang der Steinkohleindustrie setzen alle auf Wald, Wald, Wald. Und erst in den letzten Jahren wird klar, dass die einst so verachteten Schotterflächen und Dreckhügel erstklassige Offenland-Biotope sind, Ersatzflächen für die verlorengegangenen Heidegebiete im Süden des Münsterlands.

Das Ruhrgebiet hat so seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Eine davon ist, bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit das „Steigerlied“ abzusingen, mit dem deutschen Bergmannsgruß. Besonders gerne gesungen wird das im Umfeld der ehemaligen Zechen, die heute mit Steuergeld in sogenannte Industriekultur verwandelt worden sind. Als Rheinländer ist einem das ständige Glüüüüückauf glückauf ein wenig suspekt, aber was tut man nicht alles um ein paar Meßtischblatt-Quadranten mit schwarzen Nachweiskästchen zu füllen. Und so nahmen wir bei der zweiten Vorexkursion zum GEO-Tag der  Natur das vom Tonband abgespielte Liedchen gleichmütig hin, das über den Parkplatz vor dem Ruhrmuseum erklang: Die Pheromonfallen auf dem Gelände der Zeche Zollverein mussten geleert werden, bevor die Gluthitze die angelockten Tiere vollends ins Jenseits befördert. Drei Fallen mit zwei verschiedenen Wageningen-Präparaten (SYAN und PATA) hingen gut getarnt seit einer Woche in der Hecke hinter dem Ruhrmuseum, und Ziel war vor allem mein „Lieblings-Glasflügler“ SYnanthedon ANdrenaeformis,  von dem es bisher keine Nachweise im Naturraum Westfalen gab.

Synanthedon andrenaeformis, Zeche Zollverein, 11. Juni 2017 (Foto: Gaby Schulemann-Maier)

Zwei verschiedene Wageningen-Präparate in nur drei Fallen, lohnt sich dafür die 50-Kilometer-Anfahrt? Sie lohnt sich! Paranthrene tabaniformis (ROTTEMBURG, 1775) – Kleiner Pappel-Glasflügler Synanthedon vespiformis (LINNAEUS, 1761) – Wespen-Glasflügler,  Synanthedon andrenaeformis (LASPEYRES, 1801) – Schneeball-Glasflügler, alle drei angepeilten Arten fanden sich in ordentlicher Anzahl in den Fallen. Die Angabe „im Naturraum nicht vertreten“ bei S. andrenaeformis hatte mich schon eine Weile gefuchst, drei neue Glasflügler-Nachweise für das Meßtischblatt 4508, und ein Erstnachweis für Westfalen, dafür kann man schon ein wenig Sprit investieren und schlechte Musik ertragen. 🙂

Veröffentlicht 11. Juni 2017 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Glasflügler, Klimawandel, Lebensräume

Auf dem Weg zur Vierstelligkeit   2 comments

Die tropischen Nächte Ende Mai 2017 und der geschärfte Blick auf die Mikro-Fauna haben mir in den letzten Tagen ein paar neue Nachweise in meinem Garten beschert, so langsam nähert sich das Meßtischbatt 4807 der 1000-Arten-Schwelle: Momentan steht der Score bei 939 nachgewiesenen Formen, wobei ein paar Artkomplexe dabei sind die man genaugenommen abziehen müsste. Aber was soll´s: Die Mikros begeistern mich immer mehr, mit ihren kuriosen Formen und der sehr speziellen Lebensweise.

Und so mancher seltenere Makro ist auch dabei.  Leucania comma zum Beispiel habe ich in meinem Garten zuletzt im Jahr 2007 gesehen.

http://nrw.schmetterlinge-bw.de/

Veröffentlicht 30. Mai 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Eulenfalter, Mikros

40 Makros, endlich Frühling!   Leave a comment

Am Vortag gab´s noch Reif auf meiner Wiese und null Anflug ans Licht, aber gestern kam dann endlich mal eine ordentliche Warmfront aus Süden angerauscht. Anlass genug für einen kleinen abendlichen Sprung in die Ohligser Heide, die praktischerweise direkt vor meiner Haustür liegt.
Beim Aufbau der Lichtanlage gab´s erst einmal Waldschnepfenstrich, leider ist die Ohligser Heide wegen der nahen A 3  vom Schwerverkehr dermaßen verlärmt, daß man die Tiere immer erst im letzten Moment hören kann.
Zum ersten Mal in 2017 musste das Anti-Brumm eingesetzt werden, aber das nehme ich als Zeichen für guten Anflug immer gerne in Kauf.  Zwei Stunden später standen dann immerhin 40 Makro-Arten auf dem Zettel, darunter etliche typische Heidetiere und Großwild wie Kiefern- und Lindenschwärmer. So kann es wegen mir weitergehen mit dem Frühling!

Lichtfangprotokoll, Solingen, Ohligser Heide, 11. Mai 2017

Veröffentlicht 12. Mai 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Heideterrasse, Phänologie

Was guckst Du?   Leave a comment

Zur Einstimmung auf unser Moselwochenende eine gerade frisch geschlüpfte Eichenglucke (Phyllodesma tremulifolia), Nachzucht eines Falters, den wir 2015 in Starkenburg an der Mosel gefangen haben. Man beachte die bemerkenswerte Tarnung als welkes Blatt. Die Tiere ahmen sogar das „schaukeln im Wind“ nach.

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Phyllodesma tremulifolia – Eichenglucke, 07.05.2017, Nachzucht aus einem Falter, der 2015 in Starkenburg an der Mosel gefangen wurde (Foto: Tim Laußmann)

Veröffentlicht 8. Mai 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Lampronia capitella – Johannisbeermotte in Opladen   Leave a comment

Da steige ich am Freitag (5.5.) aus meinem Auto und sehe bei uns an der Hauswand einen kleinen, hübschen Falter sitzen. Armin Dahl und ich waren uns beim folgenden – weitgehend erfolglosen – Leuchtabend an der Naturschule Grund in Remscheid einig, dass es sich um die Johannisbeermotte Lampronia capitella handelt. Am nächsten Morgen konnte ich an unseren Johannisbeeren noch zwei Falter und einen Tag später wieder zwei (andere) Falter im Flug beobachten. Die Tiere scheinen gerne am Morgen und am Abend zu fliegen, tagsüber hatten sie sich zurückgezogen. Allzu viele Beobachtungen dieses Tierchens gibt es in NRW nicht…

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Lampronia capitella – Johannisbeermotte, 06.05.2017, Leverkusen – Opladen (Foto: Tim Laußmann) – man beachte die markante „Frisur“

 

Veröffentlicht 8. Mai 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen