Massenentwicklung von Weißlingen   1 comment

In Haan entsteht gerade der zweite Bauabschnitt des „Technologieparks“, das ist wohl die letzte größere Entwicklungsmaßnahme der Stadt. Der Flächenverbrauch ist gigantisch, wieder ein Stück Offenland weniger. Der Kreis Mettmann ist eh schon extrem dicht besiedelt, stark zerschnitten, mit irrwitzigem Verkehr gesegnet. Wirtschaft, Wirtschaft über alles, und wer intakte Natur sehen will, der soll gefälligst ins Sauerland oder die Eifel fahren.
Nix los auf Haaner Flächen? Nein, ein von unbeugsamen Naturschützern bevölkertes Städtchen am Rande des Bergischen Lande hört nicht auf, dem Irrsinn Widerstand zu leisten.
Die AGNU Haan hat in den letzten Jahren eine ganze Reihe von Flächen entwickelt, die sich entomologisch durchaus sehen lassen können. Zum Beispiel die beiden ehemaligen Steinbrüche Grube 7 und Grube 10 mit großen Orchideenbeständen und massenhaft Kaisermänteln.
Das neueste Projekt ist eine echte Überraschung: Eine von der AGNU gemanagte Ausgleichsfläche für das oben beschriebene Industriegebiet produziert im ersten Jahr nach der Einsaat unvorstellbare Mengen von Faltern.
Zwar sind das fast ausschließlich Weißlinge der drei häufigen Pieris-Arten, aber der eine oder andere Falter von Ochsenauge, Schornsteinfeger, Distelfelter und selbst ein einzelner Resedaweißling wurde schon gesichtet. Die eingesetzte Saatmischung von Regiosaatgut wurde ergänzt durch sogenannten Schnellbegrüner, der verhindern soll, daß das Saatgut der frisch eingesäten Wiesenmischungen wegen Trockenheit nicht richtig auflaufen will. Im vorliegenden Fall war das wahrscheinlich der beigemischte Leindotter (Camelina sativa), ein Kreuzblütler, an dem sich die Weißlinge in den letzten Wochen gut entwickelt haben. Jedenfalls kann man aktuell in den Brachstreifen rund um die Großbaustelle bzw. Ausgleichsfläche tausende von Faltern beobachten, die an Disteln, Greiskraut und Kreuzblütlern herumfliegen und schon an der nächsten Faltergeneration arbeiten.

Zwar sind das alles ungefährdete und anspruchslose Falterarten, aber die Biomasse ist erheblich und es sieht phantastisch aus. Das Insektensterben auf den Flächen fällt in diesem Jahr auf jeden Fall flach.
Und damit Ihr nicht glaubt ich erzähle Euch einen vom Pferd, anbei zwei kleine Videos die ich gestern mitten auf und neben einer Baustraße mit dem ipad gedreht habe.

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Veröffentlicht 21. Juni 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen

Die Moselexkursion im Juni 2018   3 comments

Alle Jahre wieder fährt unsere Truppe von Schmetterlingsbegeisterten für ein Wochenende an die Mosel. Mitte Juni ist natürlich die Zeit, an der es besonders brummt und unglaublich viele Tag- und Nachtfalter zu beobachten sind. An der Mosel wechseln sich feucht-kühle Bachtäler und trocken-heiße Weinbergslagen ab. Da ist für fast jede Schmetterlingsart ein passender Lebensraum dabei. Die Exkursion beginnt für uns bereits während der Anreise durch die Eifel. Für mich ging es erstmal an die belgische Grenze nach Kalterherberg, da sich am Freitag, 15.06. 2018 das aufkommende schöne Wetter von Westen her näherte, während es in weiten Teilen der Eifel noch bedeckt und kühl war. Dann ging es weiter über Schönecken nach Leiwen, den Zielort. Hier warteten drei Tage intensiver Tag- und Nachtfalterbeobachtung auf uns. Die schönsten Bilder habe ich hier zusammengestellt. Viel Spaß! (Kommentare zu den Bildern: bitte Bilder anklicken!).

 

Veröffentlicht 18. Juni 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Sommerfest an der Station Natur und Umwelt (Wuppertal)   Leave a comment

Wie jedes Jahr waren wir (der Naturwissenschaftliche Verein Wuppertal) wieder mit unserem Stand beim Sommerfest der Station Natur und Umwelt in Wuppertal vertreten. Wegen des sehr schönen Wetters herrschte reger Andrang. Zu sehen gab es erwachsene Raupen von Nachtpfauenaugen und Abendpfauenaugen. Wie immer, konnten die jungen Besucher im Grundschulalter (es waren in vier Stunden über 100!) mit eifriger Unterstützung durch die Eltern ein „Schmetterlingsquiz“ lösen. Zur Belohnung gab es „Bestimmungspostkarten“ (unten anklicken!) und Fotoabzüge von Schmetterlingen (die nach Lieblingsfarbe ausgesucht wurden). Das Quiz dient auch dazu, mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen und sie für den Schmetterlingsschutz zu gewinnen (Wie kann man seinen Garten gestalten, wo sind die Schmetterlinge geblieben?, …). Zudem wurden an unserem Stand große, lebende Gehäuseschnecken gezeigt und es konnten Fossilienabdrücke zum Mitnehmen in Gips gegossen werden.

Veröffentlicht 10. Juni 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Resedafalter in Haan   Leave a comment

Hallo zusammen,

Pontia daplidice, Gran Canaria, 4km N Maspalomas, ca. 230m NN (Foto: Armin Dahl

nur mal rasch zur Info: Moritz Schulze und ich haben gestern in Haan auf einer frisch mit Wiesenmischung eingesäten Ackerbrache einen Weißling gesehen, der bei gefühlten 30°C in hohem Tempo auf den gerade blühenden Kreuzblütler-Flächen (Schnellbegrüner ) herumsauste und sich immer nur für Sekunden setzte.
Mit dem Fernglas konnte man ein paar Mal die gefleckte Unterseite sehen: Was wir zuerst für ein Schachbrett gehalten haben war ein Resedafalter (Artkomplex Pontia edusa / daplidice). Ein Foto war leider nicht zu machen, deshalb hier mal eine Abbildung aus dem Urlaub .

Haltet also die Augen offen nach den Weißlingen, vielleicht haben wir so etwas wie einen Einflug, wie er alle paar Jahre mal vorkommt.

 

Literatur:

HANISCH, K. & JELINEK, K.-H. (2006): Nachweise des Reseda-Weißlings (Pontia daplidice (LINNAEUS, 1758) oder Pontia edusa (FABRICIUS, 1776)) aus dem Raum Köln/Düsseldorf im Jahr 2006 (Lep., Pieridae). Melanargia, 18: 226-231, Leverkusen

HANNIG, K. (2000): Faunistische Notizen 71.) Nachweis des Reseda-Weißlings Pontia daplidice (LINNAEUS, 1758) im Ruhrgebiet auf der Versuchsbergehalde Waltrop (Lep., Pieridae). Melanargia, 12: 64-65, Leverkusen
(Pontia daplidice/edusa am 18.06.2000 bei Waltrop, NRW)

RISCH, S. (1993): Nachweis des Reseda-Weißlings Pontia daplidice (LINNAEUS, 1758) aus dem Kölner Stadtgebiet (Lep., Pieridae). Melanargia, 5: 87-92, Leverkusen
(Pontia daplidice am 08.08.1993 in Köln-Porz, NRW)

Veröffentlicht 8. Juni 2018 von Armin Dahl in Tagfalter, Wanderfalter

Prozession schon wieder weg   1 comment

Thaumetopoea processionea (L.) – Eichen-Prozessionsspinner. Hilden, 4. Juni 2018 (Foto: Armin Dahl)

Fronleichnam ist schon vorbei, und auch die Schmetterlinge scheinen das zu spüren.

Heute habe ich zum ersten Mal ein Nest des Eichen-Prozessionsspinners im Hildener Stadtwald gefunden. Das halbkugelige Gespinst mit den Raupenhäuten hing +/- verlassen an einem Wanderweg in 2m Höhe, offenbar waren die meisten Raupen schon Richtung Verpuppungsplatz davongezogen.. Nur zwei Raupen saßen noch herum, die eine hier im Bild. Manch einen juckt es schon vom hingucken. Toi toi toi, ich habe ein „dickeres Fell“ und konnte sie in Ruhe fotografieren ohne gleich Pickel zu bekommen.

So wie das Tier herumsaß, mit leicht eingezogenem „Buckel“, dauert es nicht mehr lange bis es sich verpuppt. Und das bedeutet, im Jahr 2018 wird es sehr früh losgehen mit der Flugzeit der Falter, die normalerweise erst Mitte juli erscheinen.

Ob die Art im trockenen Frühjahr optimale Bedingungen hatte? Thaumetopoea processionea ist bisher im Kreis Mettmann und auf der gesamten Heideterrasse immer nur in einzelnen Exemplaren am Licht aufgetaucht, und nicht gerade häufig. Und ausserdem muss man ja auch an die armen Schlupfwespen denken, die wollen ja auch was zu tun haben.

Eine ziemlich umfassende Dokumentation über die Wirkweise der Brennhaare und des darin enthaltenen Giftes Thaumetopoein findet sich auf den Seiten des Bundesamts für Naturschutz unter folgendem Link:

https://www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/service/Skript_365.pdf

 

Veröffentlicht 4. Juni 2018 von Armin Dahl in Heideterrasse, Raupen, Spinner

Exkursion zum Bausenberg   4 comments

Ich bin gerade zurück von der Exkursion des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal zum Bausenberg bei Niederzissen (Eifel). Wer den Berg vulkanischen Ursprungs kennt, der weiß, dass dort viele Arten auf Grund des günstigen Mikroklimas ihren nördlichsten Verbreitungspunkt haben. Das Schöne an den Exkursionen des Vereins: es sind Botaniker, Geologen, Vogelkundler, Insektenkundler und andere Experten dabei. So gibt es für jeden was zu sehen und man lernt voneinander. Hier ein paar Bilder (bitte die Bilder für die Erläuterungen anklicken!).

Veröffentlicht 31. Mai 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Gutes Jahr für Bärenspinner   2 comments

Auch in extrem gut untersuchten Gebieten ist man vor Überraschungen nicht gefeit. In manchen Jahren scheinen einzelne Arten oder Gruppen einen regelrechten „Lauf“ zu haben und tauchen auch an Stellen auf, an denen man das nicht vermuten würde.

Ein solches extrem untersuchtes Gebiet liegt an der Stadtgrenze von Leverkusen im Ortsteil Gronenborn. Hier hat einer der Altmeister der Rheinischen Schmetterlingskunde, Helmut Kinkler, jahrzehntelang alles unter die Lupe genommen was kreucht und fleucht, und im Jahr 2012 eine Schmetterlingsliste mit stolzen 469 Arten publiziert. Darunter alleine neun Bärenspinner-Arten. (senex, depresssa, lurideola, sororcula, fuliginosa, lutea, lubricipeda, mendica und caja).

Interessanterweise findet sich dort kein Nachweis von Pelosia muscerda, die ja auf der nördlich anschließenden Heideterrasse ein typisches Teil der Feuchtgebietsfauna und zum Teil sehr häufig nachgewiesen ist. Aus dem gesamten Stadtgebiet von Leverkusen gibt es von der Art nur einen einzigen Nachweis, aus dem Jahr 1974, aus Leverkusen – Steinbüchel. Gronenborn liegt auf etwa 140m NN, dort riecht es schon ein wenig nach Bergischem Land, und vielleicht ist deshalb Pelosia muscerda nicht zu finden. Und die frisch von Süden eingewanderte Eilema caniola, die aktuell schon wieder in den Städten ans Licht fliegt (Mai 2018 z.B. Wuppertal und Dormagen) war zum Zeitpunkt der Publikation im Jahr 2012 einfach noch nicht im Gebiet vorhanden.

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Arctia plantaginis, Leverkusen-Gronenborn, 27. Mai 2018 (Foto: Sascha Eilmus)

Eine echte Bergland-Art würde man aber in Gronenborn auch nicht unbedingt erwarten. Umso größer die Überraschung des Leverkusener LNU-Aktivisten Sascha Eilmus, der bei einer Exkursion am 27. Mai ein Exemplar vom Wegerichbär Arctia plantaginis (L.) aus einem Spinnennetz gezogen hat. Das ist schon der dritte Nachweis dieses seltenen Bärenspinners aus 2018 in unserer Region, die beiden anderen gelangen in Wuppertal-Marscheid auf der Stromtrasse und in Hagen (Josef Bücker).

Soll man sich über den Klimawandel beklagen? Das trockene und extrem warme Frühjahr 2018 nach dem kalten Winter beschert uns schöne und seltene Falter. Wegerichbär, Spanische Flagge, Schönbär und Co.: Davon können wir ruhig noch ein paar Populationen vertragen !

Und à propos Aktivisten: Die Naturschützer rund um Sascha Eilmus und die LNU Leverkusen haben eine schlaue Idee in die Tat umgesetzt: Mit der Gründung der Offenland Stiftung setzen sie sich für den Erhalt und die Schaffung von Offenlandhabitaten wie Blumenwiesen und Streuobstwiesen mit ihren vielfältigen und bedrohten Pflanzen- und Tierarten in Leverkusen und der Umgebung ein.  Ein Modell das es sich vielleicht anzuschauen lohnt, wenn es um Pflege, Finanzierung und Erwerb von wertvollen Grundstücken und Naturschutz abseits der Behördenmühlen geht.


Literatur:

KINKLER, H. (2012): Schmetterlinge des Naturschutzgebietes „Gronenborner Teiche” in Leverkusen
(Nordrhein-Westfalen). Melanargia, 24: 124-140, Leverkusen

Aaah, noch was vergessen: Was die neue Datenschutzgrundverordnung angeht: Wir machen hier normales Internet-Blogging und sonst nichts. Wer die automatisch versendete Mail bei neuen Beiträgen nicht (mehr) bekommen will kann die einfach abbestellen, entweder über das WordPress-Programm oder direkt an mich per Mail. Ansonsten ist es so dass diese Webseite gerade zum Vernetzen von Menschen mit gleichen Interessen (Schmetterlinge und Naturschutz) ins Leben gerufen wurde und sich an die auch bislang geltenden journalistisch und wissenschaftlich gültigen Regeln hält. Technisch läuft es so ab, dass das Programm bei Besuchern einen sogenannten Cookie setzt, der erkennt wer schon mal da war (damit man zum Beispiel weiß wer schon kommentiert hat und wer geantwortet). Den Cookie kann aber jeder auch in seinem Browser selbst wieder automatisch löschen (Immer-Privat-Surfen Einstellungen). Ansonsten ist das eine Webseite auf der umsonst-Plattform WordPress wie Millionen andere auch. Insofern spare ich mir erst mal eine aufwendige eigene Datenschutz-Grundverordnung. Wir verkaufen nix und verfolgen auch niemand.

Veröffentlicht 29. Mai 2018 von Armin Dahl in Klimawandel, Literatur, Spinner