Vielfalt in der Ökozelle Hattingen   Leave a comment

„Geleuchtet wird bei jedem Wetter!“ Im Vorfeld gab es Bedenken ob angesichts der Wetterlage der Leuchtabend im Ludwigstal in Hattingen überhaupt zu Stande kommt. Aber der Einsatz hat sich gelohnt.
Bedeckter Himmel, ein wenig Nieselregen, aber hohe Nachttemperaturen Was den Laien als wenig verlockend für entomologische Aktivitäten erscheint, das freut die Lichtfangtruppe. Ausserdem ist es immer spannend mal ein neues Gebiet zu untersuchen, so auch in der sogenannten „Ökozelle“ im Süden von Hattingen.
Auf NABU-Einladung durften wir uns dort einen schönen Abend machen, und was für einen! Über 90 Großschmetterlingsarten an einem Leuchtabend, das passiert wir in der Region nicht allzu oft. Und das obwohl ein wenig Wasser von oben kam. Die Ökozelle am Schlangenbusch in Hattingen, im Prinzip nichts weiter als eine von Gehölzen umgebene Obstwiese mit einem angrenzenden Regenrückhaltebecken, ist damit faltertechnisch einer der besser untersuchten Plätze in der Region. Und beim Blick auf das Lichtfang-Protokoll vom 24. Juni 2017 fallen vor allem die extrem vielen Kleinschmetterlingsarten auf.

Sphinx Ligustri, Hattingen, 24. Juni 2017 (Foto: Gaby Schulemann-Maier)

Aber auch bei den „Makros“ waren ein paar schöne Arten dabei: Der Bärenspinner Lithosia quadra wurde im Sommer 2017 schon an vielen Stellen in der Region gesichtet, und scheint sich fest etabliert zu haben. Die Stars des Abends waren jedoch zweifelsohne die großen Brocken, allen voran der riesige Ligusterschwärmer. Über 135 Formen standen am Ende der Nacht auf dem Zettel, und da sind die Falter vom Tage noch nicht dabei.

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Veröffentlicht 28. Juni 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Spinner

Kleiner „Zuchterfolg“ mit Orgyia antiqua   1 comment

Auch wenn der Schlehen-Bürstenspimnner Orgyia antiqua bei uns überall vorkommt, so ist das Verfolgen der Fortpflanzung doch immer wieder ein besonderes Erlebnis. Am 5. Juni fand ich die Raupe an einem Rosenstrauch. Die Fütterung mit deren Blättern nahm sie nur kurz an und verpuppte sich schon einen Tag später. Nach 12 Tagen kam ein Weibchen mit den bekannten kl. Stummelflügeln zum Vorschein. 10 Minuten später erschien das erste Männchen, flatterte ungestüm umher und fand das Weibchen dann sehr bald.Nach der Kopula begann dann die Eiablage mit über 200 Eiern. Zur besseren Fotoansicht wurde das übrig gebliebene Puppengespinst entfernt.

 

 

 

 

 

Veröffentlicht 26. Juni 2017 von dietmarborbe in Arten / Listen, Spinner

Ein Perlmuttfalter-Määrchen   Leave a comment

Am 23.06. zog es mich dann doch noch einmal an die Mosel. Nach den vielen sehr heißen Tagen hatte es sich etwas abgekühlt. Um 8 Uhr morgens am Apolloweg oberhalb des Örtchens Valwig war es bei bedecktem Himmel bereits 20 Grad warm. Die erste Überraschung gab es sofort am Beginn des Weges: Einige Dutzend (!) Exemplare von Aglaope infausta („Trauerwidderchen“) schwärmten durch die Schlehengebüsche. Dennoch blieb dies zunächst die einzige interessante Beobachtung. Auf dem langen Weg und dem anschließenden Pfad flogen bei eher trübem Himmel nur wenige Falter, drei große Füchse, zwei Brombeer-Permuttfalter, einige Weißlinge und Kleine Füchse, aber kein einziger Apollofalter. Erst gegen zehn lockerte es auf. Die Temperatur stieg rasch auf über 25 Grad und oben an den Felsen der Brauselay waren noch drei Apollofalter zu entdecken. Wahrscheinlich geht die Apollofalterzeit nach der Hitze nun dem Ende entgegen. Am Fuße der Felsen ließ sich ein Kreuzdorn-Zipfelfalter (Satyrium spini) blicken und ablichten – dies ist bei den flinken und scheuen Tieren gar nicht so einfach. Am Wegrand fielen noch vier Raupen von Melitaea didyma (Roter Scheckenfalter) auf, die an Gewöhnlichem Leinkraut (Linaria vulgaris) fraßen (Bildbeschreibung: bitte Bilder anklicken!). Gegen 12 Uhr war es bereits so heiß, dass ich mich lieber in die Eifel zurückzog…

… in der Eifel gibt es bei dem kleinen Ort Strohn ein trockengefallenes Maar. Das Maar ist in eine monotone Agrarlandschaft eingebettet, so dass sich scheinbar alle Falter der Umgebung dort versammelt hatten. Insbesondere fand ich vier (!) Permuttfalterarten gleichzeitig vor, darunter der Hochmoor-Perlmuttfalter (Boloria aquilonaris) in ca. 15 Exemplaren. Auffällig und ungewöhnlich war zudem, dass ich bei der gesamten Exkursion nur einen blauen Bläuling (Celastrina argiolus an der Mosel) beobachten konnte.

 

Veröffentlicht 25. Juni 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Öfter mal was Überraschendes   Leave a comment

Heute morgen gab es für mich bei der Kontrolle der Lichtfalle auf dem Balkon mal wieder eine Überraschung: ein Männchen von Leucoma salicis, dem Pappel-Trägspinner, hatte sich ein Stelldichein gegeben. Der letzte Nachweis dieser Art hier im Niederbergischen erfolgte am Eskesberg in Wuppertal-Elberfeld am 14.VI.1989 durch Thomas Wiemert. Nach der aktuellen Roten Liste NRW gilt salicis im Naturraum Bergisches Land als „ausgestorben“ und NRW weit als „vom Aussterben bedroht“.

Leucoma salicis, Wuppertal-Barmen, 24.VI.2017

Leucoma salicis Wuppertal-Barmen, Innenstadt, Emilienstraße 32, Studiofoto Armin Radtke, 24.VI.2017

 

Veröffentlicht 24. Juni 2017 von ntorva in Arten / Listen

In der Beerenheide   Leave a comment

Im Oberbergischen gibt es ein paar kleine Heideflächen, die seit vielen Jahrzehnten unter Schutz stehen und sehr schön gepflegt und entwickelt werden. Besondere Qualität haben dabei die Wacholderheiden in Reichshof, an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz.

Dort an einem Lichtfang teilzunehmen ist ziemlich anstrengend, die Flächen sind extrem artenreich und man kommt am Leuchtabend kaum zum fotografieren. Deshalb hier mal wieder ein paar „Leuchtturm-Bilder“, und zwar von Arten die als Raupen von Heidelbeere leben, und die alle ziemlich selten nachgewiesen werden.

Scopula ternata (SCHRANK, 1802) – Heidelbeer-Kleinspanner. Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Pasiphila debiliata (HÜBNER, [1817]) – Heidelbeer-Blütenspanner, Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Hyppa rectilinea (ESPER, 1788) – Heidelbeer-Stricheule, Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Wacholderheide bei Reichshof (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 16. Juni 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Eulenfalter, Spanner

Im Kaiserstuhl ver“haftet“   1 comment

Ein paar Tage in Freiburg, Wandern im Schwarzwald und einen Tag in den Europapark zum Achterbahnfahren – bei so einem Kurzurlaub bleibt nicht viel Zeit für Insekten. Dennoch gab es einen spannenden fotografischen „Beifang“: bei einem morgendlichen Kurztrip in den Kaiserstuhl konnte ich zwischen Badberg und Haselschacher Buck zahlreiche Schmetterlingshafte (Libelloides longicornis) beobachten. Die libellenähnlichen Tiere aus der Ordnung der Netzflügler sind eher scheu, nicht ganz so wendig wie Großlibellen, aber dennoch sehr gute Flieger. Mit einer Spannweite von ca. 5 cm sind sie auch gar nicht so klein. Sie jagen andere Insekten im Flug. Die Larven leben räuberisch am Boden. Das Verhalten ist bemerkenswert: in der Sonne sitzen die Tiere mit ausgebreiteten Flügeln im Gras und fliegen bei Annäherung rasch und weit weg. Sobald die Sonne fehlt, werden die Flügel über dem Körper zusammengelegt und die Tiere fliegen selbst bei extremer Annäherung nicht weg, sondern drehen sich hinter den Halm auf dem sie sitzen, als wollten sie sich dahinter verstecken.

Auf dem Rückweg aus Freiburg blieb Zeit für eine Pizza in Kobern-Gondorf an der Mosel. Bei einem 30 minütigen Spaziergang am Fuße des Felsens moselabwärts konnten wir sofort 5 frische Apollofalter fliegend beobachten, dazu noch einen Kreuzdorn-Zipfelfalter. (Beschreibung der Bilder: Bild anklicken!)

Veröffentlicht 16. Juni 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Erfolgreich Wildern in Westfalen   3 comments

Das Niederbergische ist ja gut und schön, aber ab und zu verschlägt es einen schon mal in andere Landesteile. Im Vorfeld des GEO-Tags war jetzt mal Westfalen dran.

Essen, Gleisharfe auf Zeche Zollverein, 4. Juni 2017

Denn ein paar ganz ordentliche Biotope haben sie dort im Ruhrgebiet, wenn die auch quasi im Unverstand entstanden sind, als Müllkippen der Industrie: Die Berghalden und Industriebrachen inmitten des städtisch geprägten Konglomerats von Duisburg bis Bergkamen entwickeln sich zu den Trittsteinen für die Tierwelt, die vom Klimawandel angeheizt ihre Verbreitungsgebiete nach Norden vorschiebt. Wem diese These zu steil ist, dem können wir eine schöne Liste von ehemals südlich verbreiteten Arten erstellen, die entlang von Bahnlinien, auf Erddeponien, Berghalden und Gleisharfen im Ruhrgebiet vorkommen: Von Heuschreckenarten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke, der Mauereidechse, die im Ruhrgebiet an vielen Stellen vorkommt, bis hin zu unscheinbaren grauen Nachtfalterarten wie Eremodrina gilva oder Eilema caniola, deren Vorkommen in unseren Breiten vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar erschienen und die mittlerweile weit verbreitet sind.

Zeche Zollverein in Essen: Die ehemalige Berghalde ist fast komplett von Wald bedeckt.

Den Einwohnern des Ruhrgebiets ist meistens gar nicht so recht bewusst, welche Schatzkisten vor ihrer Haustür liegen, seit dem Untergang der Steinkohleindustrie setzen alle auf Wald, Wald, Wald. Und erst in den letzten Jahren wird klar, dass die einst so verachteten Schotterflächen und Dreckhügel erstklassige Offenland-Biotope sind, Ersatzflächen für die verlorengegangenen Heidegebiete im Süden des Münsterlands.

Das Ruhrgebiet hat so seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Eine davon ist, bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit das „Steigerlied“ abzusingen, mit dem deutschen Bergmannsgruß. Besonders gerne gesungen wird das im Umfeld der ehemaligen Zechen, die heute mit Steuergeld in sogenannte Industriekultur verwandelt worden sind. Als Rheinländer ist einem das ständige Glüüüüückauf glückauf ein wenig suspekt, aber was tut man nicht alles um ein paar Meßtischblatt-Quadranten mit schwarzen Nachweiskästchen zu füllen. Und so nahmen wir bei der zweiten Vorexkursion zum GEO-Tag der  Natur das vom Tonband abgespielte Liedchen gleichmütig hin, das über den Parkplatz vor dem Ruhrmuseum erklang: Die Pheromonfallen auf dem Gelände der Zeche Zollverein mussten geleert werden, bevor die Gluthitze die angelockten Tiere vollends ins Jenseits befördert. Drei Fallen mit zwei verschiedenen Wageningen-Präparaten (SYAN und PATA) hingen gut getarnt seit einer Woche in der Hecke hinter dem Ruhrmuseum, und Ziel war vor allem mein „Lieblings-Glasflügler“ SYnanthedon ANdrenaeformis,  von dem es bisher keine Nachweise im Naturraum Westfalen gab.

Synanthedon andrenaeformis, Zeche Zollverein, 11. Juni 2017 (Foto: Gaby Schulemann-Maier)

Zwei verschiedene Wageningen-Präparate in nur drei Fallen, lohnt sich dafür die 50-Kilometer-Anfahrt? Sie lohnt sich! Paranthrene tabaniformis (ROTTEMBURG, 1775) – Kleiner Pappel-Glasflügler Synanthedon vespiformis (LINNAEUS, 1761) – Wespen-Glasflügler,  Synanthedon andrenaeformis (LASPEYRES, 1801) – Schneeball-Glasflügler, alle drei angepeilten Arten fanden sich in ordentlicher Anzahl in den Fallen. Die Angabe „im Naturraum nicht vertreten“ bei S. andrenaeformis hatte mich schon eine Weile gefuchst, drei neue Glasflügler-Nachweise für das Meßtischblatt 4508, und ein Erstnachweis für Westfalen, dafür kann man schon ein wenig Sprit investieren und schlechte Musik ertragen. 🙂

Veröffentlicht 11. Juni 2017 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Glasflügler, Klimawandel, Lebensräume