Frühling an der Wupperschleife in Opladen   3 comments

In einer Zeit, in der uns die Natur eindrucksvoll zeigt, dass auch wir ihren Gesetzmäßigkeiten unterliegen und nicht etwa neben ihr stehen oder gar über ihr, können wir alle ein bisschen Aufheiterung gebrauchen. Daher hier ein paar Bilder von der Frühlingsflora an der Wupperscheife in Opladen.

Ich hätte nie gedacht, dass ich an dieser Stelle jemals den Papst zitieren würde, aber folgende Worte seines Segens Orbi et Orbi von letztem Freitag erscheinen mir doch sehr treffend:

„Wir haben vor deinen Mahnrufen nicht angehalten, wir haben uns von Kriegen und weltweiter Ungerechtigkeit nicht aufrütteln lassen, wir haben nicht auf den Schrei der Armen und unseres schwer kranken Planeten gehört. Wir haben unerschrocken weitergemacht in der Meinung, dass wir in einer kranken Welt immer gesund bleiben würden.“

– kann man ja mal drüber nachdenken.

Veröffentlicht 29. März 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Wintersport: Minensuche am Feuerdorn   2 comments


Ein bisschen aus der Mode gekommen ist er, der Mittelmeer-Feuerdorn (Pyracantha coccinea). Zu meinen Kinderzeiten stand in jedem Vorgarten so ein Busch, bei uns zu Hause direkt neben dem Futterhäusschen für die Vögel. Und wenn die Amseln im Winter nichts mehr zu fressen hatten, dann kam der Tag an dem sie zuerst die Beeren am Ilex und danach die am Feuerdorn plünderten, dessen dekorative, erbsengroße orange Früchte als Notvorrat dienten.  Bei uns Kindern war der Feuerdorn nicht so beliebt: Wer da beim Spielen hineinfiel hatte länger etwas davon, der Busch trägt wie etliche andere Rosengewächse eine tückische Bewaffnung aus Sprossdornen, ähnlich wie Weißdorn und Schlehen.

In der Haaner Innenstadt stehen an ein paar Stellen noch Feuerdorne, meist neben Parkplätzen, wahrscheinlich als Sichtschutz und damit die Menschen nicht durch die Hecke laufen, siehe oben. Einer der Büsche direkt an der Hauptstraße war heute das Ziel meiner Suche, die ganze 10 Sekunden dauerte. Schon beim ersten Hingucken sprangen sie mir ins Auge, die pergamentartigen Minen auf der Blattoberseite der Blätter, und in drei Minuten hatte ich ca. 20 Stück davon in einem einzigen Busch entdeckt: Phyllonorycter leucographella, die Feuerdorn-Faltenminiermotte, ist hier herum offenbar ziemlich häufig.

Und wie bei Blattminierern so üblich, sind die Kenntnisse über die Verbreitung in Deutschland rudimentär, kaum jemand beschäftigt sich mit diesen Winzlingen, was es zu ändern gilt. Die Minen von P. leucographella finden sich im Winter am (immergrünen!) Feuerdorn, im Sommer auch an anderen  Rosengewächsen. Die Raupe lebt zwischen Blattober- und Unterseite, späte Stadien tragen auffallende dunkle Schilder auf der Rückseite. Die Mine befindet sich auf der Blattoberseite und ist von unten kaum zu erkennen.
Mit 7-8 Millimetern Spannweite ist der Falter etwa so dick wie eine Stecknadel, winzig aber wunderschön rehbraun mit weißen Streifen gezeichnet (griechisch Λευκός leucos = weiß, γραφή graphe = Schrift).

Die Art bildet offenbar zwei Generationen aus und eine ausgedehnte Flugzeit. Der Typenfundort liegt in Montenegro, der Erstnachweis für Deutschland erfolgte 1983, die Art hat sich hier wohl mit dem Zierpflanzenbau ausgebreitet. Ich wünsche viel Spaß bei der Suche!

Veröffentlicht 17. Januar 2020 von Armin Dahl in Blattminierer, Mikros

Was vom Jahr 2019 übrig bleibt…   1 comment

Zum Jahresende ist es Zeit für einen kleinen persönlichen schmetterlingskundlichen Rückblick auf das Jahr 2019.

Positiv war, dass der Umweltschutz wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt ist. Mein Eindruck ist, dass das Thema regelrecht wieder entdeckt wird. Hier haben Bewegungen wie „Fridays For Future“ einen wichtigen Beitag geleistet. Allerdings frage ich mich, warum das Artensterben – ich sage mal zwischen 1990 und 2018 – in der öffentlichen Diskussion kaum noch eine Rolle spielte. Klar, es gab zahlreiche Beiträge zum Artensterben im Fernsehen – immer nett anzuschauen – und auch wir als Insektenkundler haben immer wieder darüber gesprochen. Tatsächlich wurde der Artenverlust aber nur „verwaltet“. Politisch geändert wurde nur wenig. Für mich eindrucksvoll war ein Spaziergang in diesem Herbst durch die toten Fichtenwälder an der Sengbachtalsperre bei Schloss Burg an der Wupper. Über 80 Jahre alte Bäume stehen dort als „Gerippe“ in der Landschaft – die Trockenheit in den letzten Sommern hat ihnen den Rest gegeben. Nun werden diese toten Wälder abgeräumt – mache schimpfen auf den Borkenkäfer – aber der hat ja nur seine natürliche Aufgabe an den schwer vorgeschädigten Bäumen erledigt. Es drängen sich Vergleiche zum „Waldsterben“ in den 1980er Jahren auf. Aber: hat man etwas gelernt? Eine halbe Milliarde Euro Steuergelder für Wiederaufforstung – mit Esskastanie und Douglasien? Täusche ich mich, oder ist hier schon wieder Lobbypolitik am Werk? Wie wäre es mit natürlicher Wiederbewaldung – z.B. mit Hilfe des Eichelhähers?

Jedenfalls denke ich bei den aktuellen Umweltschutzthemen immer zurück an die 1980er Jahre – alles schon mal diskutiert worden – auch der Artenrückgang bei den Schmetterlingen. Die akademische Forschung war lange aus dem Thema faktisch ausgestiegen. Nun wird es dort wiederentdeckt. Das hat mich dann zu einem Leserbrief in „Spektrum der Wissenschaft“ bewogen. Zudem waren wir mit einem Beitrag bei der „Konferenz der Arten“ in Bonn dabei und arbeiten nun an einem Artikel zu „160 Jahren Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal“. Hier eine kleine Vorschau auf die Ergebnisse:

Diese Grafik zeigt den Artenverlust bei Großschmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) und die Neuzugänge ("Arealerweiterer") aus Süd- und Westeuropa im Raum Wuppertal. Der Verlust von Arten wurde anhand der jeweils letzten Beobachtung im Gebiet dokumentiert. Die Neuzugänge entsprechend anhand des Datums der ersten Beobachtung im Gebiet.

Diese Grafik zeigt den Artenverlust bei Großschmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) und die Neuzugänge („Arealerweiterer“) aus Süd- und Westeuropa im Raum Wuppertal. Der Verlust von Arten wurde anhand der jeweils letzten Beobachtung im Gebiet dokumentiert. Die Neuzugänge entsprechend anhand des Datums der ersten Beobachtung im Gebiet.

Wir hatten dieses Jahr einige schöne Exkursionen, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Unsere Mosel-Exkursion, einen Ausflug zum Schlangenberg bei Stolberg, eine Exkursion in die Eifel bei Blankenheim und Dahlem, unser tranditioneller Leuchtabend an der Naturschule Grund in Remscheid. Einer meiner besonderen Lieblinge (ich bin ein ausgesprochener Fan von Bläulingen) ist zum Schmetterling des Jahres 2020 ernannt worden. Zudem ist es uns gelungen, trotz jahrelanger Bürokratie, eine naturnahe Wiese an unserem Arbeitsplatz einzurichten.

Negativ war für mich die Ausbeute bei meinem diesjährigen Ausflug im Juni zum Mosel-Apollofalter. In den 1990er Jahren gab es dort Tage, an denen ich mehrere Dutzend Falter z.B. an der Brauselay bei Cochem beobachten konnte – dieses Jahr war es nur ein Falter. Ein Negativtrend, der schon seit geraumer Zeit beobachtet wird (siehe hierzu die Diskussion im Lepiforum, die von Klaus Hanisch gestartet wurde).

Zum versöhnlichen Abschluss noch einige Bilder aus dem Jahr 2019, die noch nicht in anderen Beträgen gezeigt wurden (für die Beschreibung bitte anklicken!).

Veröffentlicht 29. Dezember 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Insektensterben, Tagfalter

Jahresendfalter: Ypsolopha asperella   Leave a comment

Normalerweise schielen wir neidisch auf unsere Nachbarn aus den Niederlanden und Belgien, wenn es um Nachweise von winteraktiven Faltern geht. Die milden, von der Nordsee bestimmten Temperaturen im Westen verlängern die Vegetationszeiten und auch die Flugzeiten vieler Falter, die den Weg bis zu uns nicht geschafft haben oder hier eine echte Winterruhe einlegen müssen. Die Artenlisten auf waarneming.nl sind auch im Dezember 2019 noch ellenlang, zumal die Nachbarn auch noch fleißig Minier- und Sackträgermotten kartieren. Grund dafür ist vor allem das Heer von Beobachtern, die ihre Daten freiwillig und tagesgenau in die öffentlichen Datenbanken eingeben.

So ist man froh wenn man den Nachbarn mal ein Schnippchen schlagen kann, auch wenn unsereiner ja rein garnichts dafür kann – sieht man mal von fortgeschrittener Gartenverwilderung ab.

Sei es drum: hier ist sie, die Apfel-Schabenmotte – Ypsolopha asperella (Linnaeus, 1761)

Apfel-Schabenmotte – Ypsolopha asperella. 17. Dezember 2019 (Foto: Armin Dahl)

Warum die Apfel-Schabenmotte ausgerechnet in Holland und Belgien nicht nachgewiesen ist, jedoch in fast allen Bundesländern Deutschlands? Die Art ist hier schon einmal aufgetaucht, im vergangenen Februar, scheint also zu überwintern. Und lebt nach Informationen aus dem Lepiforum an allerlei Rosengewächsen. Wie bei vielen anderen Mikros steht auch hier hinter der Verbreitung ein großes Fragezeichen.

Veröffentlicht 19. Dezember 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen

Gluckenglück im Spätherbst   Leave a comment

Kleine Pappelglucke, Wuppertal-Burgholz, Kremershammer, 25 November 2019 (Foto: Armin Dahl)

Die Kleine Pappelglucke ist so ein Mysterium, fast jeder hat sie im Garten, nur  ich nicht, im Streifen zwischen Duisburg – Düsseldorf – Langenfeld ist nix davon zu sehen. In der Ebene haben wir schon alle möglichen Leuchtplätze ausprobiert um an das Tierchen zu kommen, ohne Erfolg.

Ein paar Kilometer weiter nach Osten ist das alles kein Problem, im Burgholz westlich von Wuppertal ist Poecilocampa populi ein Massentier, wie ich heute mal wieder festgestellt habe.

Kleine Pappelglucke, Wuppertal-Burgholz, Kremershammer, 25 November 2019 (Foto: Armin Dahl)

16.30 aus dem Haus, im üblichen A 46-Stau Richtung Osten angestellt, um 17.15 an einem Talhang der Wupper die Leuchtanlage aufgestellt, bei warmen 10°C und Nieselregen, 17.30 das erste Tier am Licht, 18.30 insgesamt 21 Männchen an den Leuchtürmen und in der Lichtfalle, um 19.00 Uhr wieder zu Hause, rechtzeitig zum Einkauf vor Ladenschluss. So lobe ich mir das, diese unendlichen Leuchtabende im Sommer muss ich auch nicht immer haben.

Die Gründe, warum das Tierchen auf der Bergischen Heideterrasse nördlich von Leverkusen nicht (mehr) vorkommt sind nicht klar, ein Erklärungsversuch: Zu viel Lichtverschmutzung! Es gibt wirklich wenige Arten die vom Licht derart angezogen werden, und dann ewig wie festgeschraubt an den Lampen sitzen. Dabei lassen sie sich auch – einmal zur Ruhe gekommen – beliebig manipulieren. Und so entstand auch das hier gezeigte Bild, in dem die Falter zusammengesetzt wurden.

Falter, die sich zu lange an Lampen herumtreiben, auch tagsüber dann sitzen bleiben,  werden häufig zum Opfer der ortskundigen Meisen. Und so könnte man sich zusammenreimen dass in dicht besiedelten Gebieten die besonders lichtliebenden Arten (wie zum Beispiel auch Macrothylacia rubi) zuerst ausdünnen und dann verschwinden.

 

Veröffentlicht 26. November 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen, Spinner

BAYER, Bauern, Bienen – oder der Betrug mit den Neonicotinoiden   1 comment

Wer bisher geglaubt hatte die Bayer AG bzw. der Monheimer Ableger Bayer Crop Science sei ein schöner sauberer Konzern, und hätte sich nur beim Kauf von Monsanto den Satan ins Haus geholt, dem sei die ZDF-Doku „BAYER, Bauern und die Bienen“ von gestern Abend empfohlen.

Die Kollegen vom ZDF haben dort eine bedrückende Konstruktion aus gekauften oder gefälschten oder absichtlich unterdrückten Studien, beeinflussten Wissenschaftlern, direkter Einflußnahme auf die Genehmigungsbehörden, und eine ganze Reihe weiterer Schweinereien aufgedeckt, die ich in dieser Dichte noch nirgends gesehen habe. Aufhänger der Sendung sind die katastrophalen Bienensterben durch die Saatgutbeize mit Neonicotinoiden (Clothianidin / „Poncho“) Anfang des Jahrtausends, und das darauf folgende sogenannte „Bienenmonitoring“.

Wenn man den Recherchen der ZDF-Leute Glauben schenkt, dann wird schnell klar, dass die ganze Abwiegelei der Industrie, unterstützt von Bauernverbänden und Landwirtschaftkammern, Aufsichtsbehörden und nicht zuletzt den Landwirten selbst, einfach nur Gelaber bzw. gezielt gestreute Falschinformationen waren. Der Bericht deckt auf, dass die BAYER-Leute seit den frühen 90er Jahren genau wußten was ihre Substanzen anrichten. Eine der wichtigen Ursachen des Insektensterben ist mit Sicherheit der unverantwortliche Einsatz von Nikotin-Derivaten wie Clothianidin und Imidacloprid, Thiamethoxam, Thiacloprid, Acetamiprid, Dinotefuran und Nitenpyram.

Der „ZDFzoom“ – Bericht ist quasi eine Betriebsanleitung, wie man Einfluß und Druck eines Großkonzerns nutzt um Gifte zu verkaufen, die eigentlich längst hätten verboten werden müssen. So etwas kannten wir bisher vor allem vom ehemaligen US-Konzern Monsanto, dessen rabiate Methoden Legende sind.  Monsanto, Spitzname „Monsatan“  ist übrigens von BAYER im Juni 2018 übernommen worden, für schlappe 63 Milliarden US-Dollar (ca. 54 Milliarden Euro). Der belastete Name Monsanto wurde gestrichen, aus Reputationsgründen, wie die Wikipedia schreibt. Die Übernahme war im Übrigen ein Desaster für die Anleger des Leverkusener Chemiekonzerns, der an der Börse – Stand Ende Oktober 2019 – heute nur gut 61 Milliarden Euro wert ist.

Dass der böse Industrieriese BAYER ausgerechnet vor unserer Haustür in Monheim sogenannte „Crop Science“ betreibt, macht es nicht besser. Im Gegenteil muss man das immer im Kopf behalten wenn das angeblich so tolle Steueraufkommen im Kreis erwähnt wird: In Deutschland landet der Kreis Mettmann regelmäßig unter den Top-Ten der Kommunen mit den höchsten Steuereinahmen. Da ist mit Sicherheit auch ein schöner Anteil Giftiges Geld dabei, Monheim gilt übrigens gleichzeitig als  „Deutschlands dreisteste Steueroase“ .

Aber genug jetzt vom Geld:  Der eigentliche Skandal ist das enge Geflecht von Industruie, Zulassungsbehörde und Aufsicht, zu Lasten der Natur und der Verbraucher. Hier mal ein fix selbst recherchiertes kleines Beispiel dafür, wie man die aktuelle Gesetzeslage mit Behördenhilfe austrickst:  Da empfiehlt das ISIP – die Online-Beratung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zur Pflanzenproduktion, noch am 18.03.2019
„Mais – Aktuelle Zulassungssituation der Beizmittel
Spezialbeizen zur Drahtwurmbekämpfung sind in Deutschland nicht zugelassen.
Das Beizmittel Sonido (400 g/l Thiacloprid) ist in Frankreich gegen Drahtwurm im Mais zugelassen. So wie die Gesetzeslage es hergibt, besteht die Möglichkeit, Saatmais mit Sonido-Beize aus Frankreich über den Handel zu beziehen. Die Aussaat des gebeizten Saatgutes ist in Deutschland erlaubt.“

Aha! Eigentlich ist es verboten aber wir sagen Euch wie Ihr das Thiacloprid trotzdem auf den Acker bringt!

Die Landwirtschaftskammer NRW mit Sitz in Münster ist übrigens eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, mit knapp 1500 Mitarbeitern und einem Budget von über 100 Millionen Euro für die Erledigung „hoheitlicher Aufgaben“ des Landes Nordrhein-Westfalen. Hier könnte man einen schönen Batzen Steuergelder sparen, finde ich.

Nach dem Anschauen des oben erwähnten Berichts kann man sich ohne Probleme ableiten, warum in der Rheinebene und der angrenzenden Bergischen Heideterrasse mit intensiver Ackerbaunutzung so wenig Insektenleben übrig geblieben ist. Und auch warum Grünlandgebiete fernab der Giftspritzen, zum Beispiel in der Eifel, noch arten- und individuenreich sind. Und den Programmplanern vom ZDF empfehle ich mal im Kalender zu schauen wann Pokal-Fußball läuft, und sich für solche Doku-Kracher mal einen anderen Sendeplatz zu suchen. Oder sollte da Absicht dahinterstecken? 🤔

 

Veröffentlicht 31. Oktober 2019 von Armin Dahl in im Netz, Insektensterben

Wanderfalter im Herbst 2019: Rhodometra sacraria   Leave a comment

Neue Arten auf meinem Grundstück und der Umgebung des Hauses sind nicht mehr so leicht zu finden, dafür ist das Gebiet zu gut erforscht: In den Jahren vor 1987 lief die Untersuchung zur Ausweisung des Naturschutzgebiets Spörkelnbruch, aus dieser Zeit hat mein Lehrmeister Dietmar Woizilinski aus Hilden eine riesige Liste Mikros und Makros hinterlassen. 1996 ist der Spörkelnbruch dann noch einmal vom Duisburger Uli Bosch gründlich umgedreht worden. Dann kam meine Wenigkeit hinzu, und seit mehr als 15 Jahren wird rund ums Haus fleißig geködert, geleuchtet und aufgeschrieben. Alle Literatur ist seit vielen Jahren aufgearbeitet und soweit möglich der Datenbank der Arbeitsgemeinschaft einverleibt.

Das Kartenblatt 4807 Hilden steht deshalb mit weit über 1100 Arten in einer Reihe mit den bestuntersuchten Regionen im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen „Lepidioten“. Aber vor Überraschungen ist man niemals sicher, gerade im Herbst kommt oft noch ein Schub Warmluft aus Südwesten und schiebt ein paar subtropische Falterarten in unser Gebiet. Und so brennt die Lichtfalle unermüdlich und die Köderschnüre verzieren den Garten das ganze Jahr über. Und es lohnt sich, denn gestern konnte ich mal wieder einen seltenen Wanderfalter begrüßen, Nummer 1128: Rhodometra sacraria, mit Deutschem Namen Purpurstreifenspanner.

Rhodometra sacraria, Haan Spörkelnbruch 21./22. Oktober 2019 (Foto: Armin Dahl)

Literatur
BOSCH, U. & R. KRECHEL (1997): Untersuchung der Großschmetterlinge in den NSGen Spörkelnbruch, Felderbachtal & Neandertal – Unveröff. Manuskript im Auftrag des Kreises Mettmann. 33 Seiten, Anhang, Karten.
WOIZILINSKI, D. (1987): Untersuchung der Groß- und Kleinschmetterlingsfauna in den Naturschutzgebieten Spörkelnbruch, Hildener Heide/Hildener Stadtwald. Unveröff. Manuskript im Auftrag des Kreises Mettmann., ca. 100 Seiten. (ULB Mettmann).

Veröffentlicht 23. Oktober 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen, Spanner

Spätsommernacht am Mittelrhein   2 comments

Der Mittelrhein nördlich von Koblenz bis zur Landesgrenze bei Unkel ist faunistisch ein Paradies, und mit dem Auto brauche ich von Haan aus dorthin gefühlt auch nicht länger als nach Wipperfürth. 85 Kilometer Luftlinie sind es nur von meiner Haustür bis zur Burg Hammerstein, der ältesten Burg des Mittelrheintales, und Daten aus dem Umfeld von Hammerstein und Leutesdorf sind praktisch keine vorhanden. Im Gegensatz zur Rheinbrohler Lay, einem schönen passabel erforschten Felsausguck zwei Kilometer weiter nördlich. Genau das richtige also für einen entspannenden Leuchtabend im Oktober, ganz faul mitten auf dem Weinbergsweg unterhalb der Burg.

Zielarten waren die typischen Fels- und Trockenwaldbewohner, bei dem warmen Wetter mit Südströmung waren auch noch späte Wanderfalter zu erwarten: Mosel und Mittelrhein sind immer für Überraschungen gut. Für die Graubraune Eicheneule Dichonia convergens hat es zwar dieses Mal nicht gereicht, aber beschweren will ich mich nicht: Nach drei Stunden schaute der Vollmond um die Ecke und lieferte ein phantasisches Nachtpanorama, die Artenliste war mit 20 Großschmetterlingsarten halbwegs ordentlich. Und der letzte Falter am Licht war natürlich mal wieder der Kracher, bezeichnenderweise saß er in der Lichtfalle mitten in den Weinbergen: Eublemma purpurina, das dürfe dann locker die dritte Generation in diesem Jahr sein.

Ein interessanter Fund anbei: Der Kleine Felsen-Bindenspanner – Coenotephria salicata, hier scheint die 2. Generation in trockenen Sommern die Flugzeit nach hinten zu verschieben, beschrieben ist das allerdings nur anhand von Material aus Südfrankreich. (EBERT Bd. 8: 324). In der „Baden-Württemberg-Fauna“ finden sich keine Okober-Daten von E. salicata. An der Mosel und am Mittelrhein sieht das offenbar schon ganz anders aus, von dort haben wir etliche Oktober-Funde in den Daten.

Und wie sich das für einen „goldenen“ Okober gehört, gab es auf der Heimfahrt noch einen kleinen Temperaturrekord:  Im Raum Leverkusen/Langenfeld schrammte das Wetter nachts um 23.00 Uhr mit 18°C nur knapp an einer tropischen Nacht vorbei.

 

Veröffentlicht 13. Oktober 2019 von Armin Dahl in Auf Tour, Eulenfalter, Klimawandel

Pontia edusa Einflug 2019   Leave a comment

Rheindeich Duisburg-Walsum

Am vorerst letzten Sommertag war ich mit meiner Frau am Rhein unterwegs, mit dem Rad auf dem Deich zwischen Duisburg-Walsum und der Emschermündung bei Voerde. Ohne Kamera, nur mit dem Handy.

 

Überall auf dem Deich war Colias hyale und Colias croceus unterwegs, dazu Coenonympha pamphilus, Kleine Feuerfalter, Admiräle und Distelfalter.

Die Überraschung war aber Pontia edusa, von dem mir sogar ein Handyfoto gelungen ist.

 

Pontia edusa

Pontia edusa, Rheindeich nördlich Duisburg-Walsum, 21. September 2019 (Foto: Armin Dahl)

Den Artkomplex edusa/daplidice kann man normalerweise nicht an Fotos bestimmen, ich verlasse mich da auf die niederländischen Kollegen, die in Millingen nördlich von Emmerich einige Tiere per barcoding untersucht haben. Dass beide Arten gleichzeitig am Rhein fliegen halte ich für eher unwahrscheinlich.

Literatur

HANISCH, K. & K.-H. JELINEK, K. H. (2006): Nachweise des Reseda-Weißlings Pontia daplidice (LINNAEUS, 1758) oder Pontia edusa (FABRICIUS, 1776) aus dem Raum Köln/Düsseldorf im Jahr 2006. (Lepidoptera, Pieridae). Melanargia 18 (4): 226-231

 

Nachtrag, 23. September 2019: Kaum war die Nachricht von edusa am Rhein herumgegangen, schon der nächste Nachweis:

Pontia edusa, Düsseldorf, Rheinufer vor der Messe, 22. September 2019 (Foto: Tobias Krause)

Veröffentlicht 23. September 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen

Einfach draufhalten – vom Arbeiten mit der app von observation.org   2 comments

Jahrelang bin ich durch die Wälder gezogen und habe bei jeder Beobachtung mein Blöckchen gezückt, die jeweils neuen Falter notiert, dabei Dutzende von Kugelschreibern verloren, konnte hinterher mein Gekritzel kaum mehr lesen. Das war so das Standardverfahren, wie es einem die Ornithologen im Studium beigebracht hatten. Die ganz Orthodoxen arbeiteten seinerzeit nur mit Bleistiften, der schreibt auch bei Regen, und wenn das Blöckchen ins Wasser fiel war die Tinte nicht verschmiert. Falter wurden direkt am Licht oder Köder fotografiert, mit der Spiegelreflex-Kamera. Was nicht direkt bestimmbar war musste im Kühlschrank zwischen den Frühstückseiern zwischengehältert werden, bis zum nächsten Fototermin.

Dann wurde alles halbwegs sauber ins Protokollbuch übertragen, von denen habe ich mittlerweile das elfte angefangen, die Bücher stehen sauber aufgereiht im Regal und verlassen das Arbeitszimmer nicht.

Und wenn das alles fertig war dann kam die Dateneingabe, ins Insectis oder zeitweise auch bei naturgucker, das sortieren und bearbeiten der Bilder, ich habe dabei viele Monate am PC verbracht.

Das alles war ein eingespielter unveränderlicher Prozesse, und jetzt ist es damit – vorbei!

Heute rücke ich ganz enspannt zum Lichtfang aus, schaue vorher nur mal schnell ob das Handy geladen ist. Die Falter werden direkt fotografiert und soweit möglich von der Software bestimmt, und nach observation.org hochgeladen. Damit ist auch schon die Dateneingabe erledigt. Das Protokollbuch führe ich nach wie vor, es füllt sich aber quasi verkehrt herum, aus den Listen die vorher schon online stehen.

Ich bin selbst am meisten erstaunt wie schnell sich das neue Arbeiten bei mir durchsetzt, – es ist einfach saumäßig praktisch.  Und ein ordentlicher Teil der Kollegen scheint das ganz ähnlich zu sehen, denn die Topliste der Arten bei observation.org füllt sich rasch mit Namen aus dem Bekanntenkreis. Die Möglichkeiten die Beobachtungen quasi in Echtzeit mit denen der Kollegen zu vergleichen gibt zusätzlichen Treibstoff in die Aktivitäten, sei es jetzt das Blaue Ordensband im Wollerscheider Venn oder die Gelbbraune Rindeneule Lithophane socia in unserem Lieblings-Tunnel im Eller Forst.

Ypsolopha vitella, Solingen. Ohligser Heide, 2./.3. September 2019 (Foto: Kai Kruse)

Ganz en passant kann man dann noch die neuen, mit der Artenvielfalt noch ziemlich geforderten Mitstreiter betreuen. Und auch da zeigt sich ein neues Phänomen: Die technischen Möglichkeiten machen vor schwierig zu bestimmenden Artengruppen keinen Halt, was früher bei den „Anfängern“ einfach unter den Tisch fiel („Mikros gucke ich generell keine an„) wird heute einfach fotografiert und offen gelegt, mit erstaunlichen Ergebnissen.

Ein Beispiel von vielen: Von der  nebenstehenden Ulmen-Schabenmotte Ypsolopha vittella gibt es aus Nordrhein-Westfalen bisher weniger als ein Dutzend Nachweise, einer davon wurde jetzt von Kai Kruse praktisch direkt vor meiner Haustür in der Ohligser Heide gemacht. Das Bild ist übrigens „Geotagged“, d.h. die Kamera lieferte über GPS gleich den Standort mit.

Möglich wird das alles durch die excellente Vorarbeit der holländischen Kollegen, die mit zigtausenden registrierten Benutzern und entsprechender Organisationsstruktur ein in Deutschland unvorstellbare Manpower haben.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten „Zugkärtchen“ auf denen wir nach den winterlichen Bodensee-Exkursionen die spannenden Wasservögel für die „Avifauna Baden-Württembergs“ notiert haben. Das war in den 80ern, lange vor der Erfindung des Mobiltelefons und galt damals als Stand der Technik. Als Aushilfe im Rechenzentrum der Uni Tübingen habe ich noch den Großrechner mit Lochkarten gefüttert, mein erster Computer hatte – seinerzeit eine Revolution – Windows 2.0. Verbreitungskarten der Schmetterlinge wurden zu der Zeit noch mit runden Klebeplättchen hergestellt, oder mit dem gefürchteten Rotring-Stift. Wer eine SOFTCOL-Lizenz für die Erfassung von Verbreitungsdaten hatte, der war schon der König: Für die Lizenz  habe ich seinerzeit als Student ein paar hundert Euro zahlen müssen. Heute kartiere ich locker mit meinem Handy auf 10m genau mit Zeitstempel und übertrage alle Daten mit einem Fingertipp in die phantastisch schnelle Online-Datenbank.

Die Frage ob es sich beim Benutzen der Apps für das Kartieren und Bestimmen um einen Hype handelt, oder ob sich die Sache durchsetzen wird, stellt sich meiner Ansicht nach nicht: Seit ich mich mit der Datenerfassung bei Tieren beschäftige ist die Erfassung der Rohdaten beständig genauer geworden, und hat alle neuen technischen Möglichkeiten dankbar aufgenommen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht 19. September 2019 von Armin Dahl in im Netz, mehr Lepis

Mythimna vitellina unterwegs: Lob der Goldrute   1 comment

Mythimna vitellina, Haan, Spörkelnbruch, 3. September 2019 (Foto: Armin Dahl)

Nachdem ich hier schon gefühlte 15 Jahre allabendlich eine oder mehrere Runden durch meinen Garten drehe, kam heute mal wieder eine bisher nicht beobachtete Art zum Vorschein: Mythimna vitellina, die Dottergelbe Graseule. Eigentlich ein Wanderfalter, der nur ausnahmsweise nördlich der Alpen gesehen wird. Die Art hat einen weiteren Deutschen Namen verpasst bekommen: Steppenhügel-Weißadereule, was neben der Flügelzeichnung auf die Herkunft aus Süd- und Osteuropa deutet. Der letzte Nachweis von M. vitellina aus Nordrhein-Westfalen stammt aus dem Jahr 2011, bezeichnenderweise aus der Senne, der großen Sandlandschaft in Ostwestfalen.

Im Supersommer 2019 aber tauchte M. vitellina bereits im Juni an der Mosel auf, gefunden haben sie dort natürlich – die Holländer. Und jetzt in meinem Garten!
Das Tierchen wuselte dort minutenlang in der blühenden Goldrute herum, die nachts als Nahrungsquelle für viele Falterarten attraktiv ist. Goldrute wird deshalb extra von mir angebaut bzw. nicht eingedämmt. So konnte ich ein paar Handyfotos schießen und dann nach drinnen gehen um ein Glässchen zu holen…

Das muss der seltene Falter irgendwie mitbekommen haben, denn anstatt sich anstandslos für die museale Ewigkeit aufspannen zu lassen, flog er mir beim nächste Ansehen schnurstracks gegen den Kopf bzw. die Stirnlampe, und war danach verschwunden.
Morgen kommt die Kaltfront und dann soll der Sommer endlich vorbei sein. Das wird mich nicht hindern wieder meine Runden zu drehen, an Köderschnüren und Goldrute vorbei. Die Qualität der folgenden mit dem Handy geschossenen Bilder ist zwar nicht doll, aber trotzdem, hier noch ein paar Impressionen vom heutigen Abend.

Veröffentlicht 4. September 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen, Buchsbaumzünsler, Eulenfalter, Wanderfalter

Bembecia ichneumonifomis, Lepidioten und die Künstliche Intelligenz   Leave a comment

Die Glasflügler begeistern mich immer wieder, vor allem liegt das an den  phantastischen Möglichkeite, die Tierchen mit Pheromonen aus der Deckung zu locken. Hier mal schnell ein Video dass ich am 29. Juli in Haan mit dem iphone geschossen habe. Man sieht darauf ein halbes Dutzend Hornklee-Glasflügler (Bembecia ichneumoniformis), die sich auf ein Pheromonpräparat stürzen (BEIC der pherobank Wageningen) .

 

Die Erforschung der einheimischen Fauna mit diesen Präparaten geht weiter! Was Bembecia ichneumoniformis betrifft, die Art kann an vielen Stellen nachgewiesen werden an denen gerade der Hornklee blüht. Und es kommen neue Möglichkeiten hinzu: Die Kollegen aus Belgien haben bei einer Exkursion ein Pheromon eingesetzt, mit dem die einschleppte Bananenmotte (Opogona sacchari) angelockt wird. Dabei kam zur allgemeinen Überraschung Sesia bembeciformis an das Präparat, eine Art für die es bisher keinen bekannten Lockstoff gab. Hier die Beobachtung:

https://waarnemingen.be/observation/176806736/

Das werden wir natürlich im Sommer 2020 hier im Bergischen ebenfalls versuchen,  Zu dem Zweck werden wir wahrscheinlich noch mal eine größere Bestellung von Pheromonen, Lebendfallen etc. starten.  in diesem Jahr ist es sehr wahrscheinlich schon zu spät für die Art. Bitte schaut euch den Katalog der pherobank an und meldet Euch bis zum Herbst per Mail und Kontaktformular.

Wir haben übrigens mittlerweile auch eine Whatsapp-Gruppe für den „kleinen Dienstweg“, aktuelle Beobachtungen usw. Wer mitmachen will schickt mir seine Handynummer und bekommt von mir einen Einladungslink für die „Lepidioten“.

Die Technik schreitet rasant voran, und das neueste Spielzeug heißt: Nachtfalter-Bilder bestimmen mit der App von observation.org. Alte Bestimmungshasen runzeln die Stirn, aber entscheidend ist ob es auch funktioniert. Halbwegs anständige Handybilder von den gängigen Mottenarten werden dabei mit der Bilddatenbank von observation abgeglichen, und die Ergebnisse sind, um es vorsichtig zu formulieren, erstaunlich!  Ihr könnt es ja mal testen und berichten, die App gibts für mehrere Betriebssysteme in den entsprechenden Shops.

Das ganze geht auch am PC, allerdings muss man dazu vorerst noch auf die „Mutter“-Seite  www.waarneming.nl gehen. Dafür bekommt man für ein hochgeladenes Bild dann auch noch eine Wahrscheinlichkeit für die Bestimmung angezeigt, und ein paar weitere Vorschläge was man da geknipst hat. Sitzt der Falter auf einer Blüte, hat das Programm oft – auch wenn das sprachbildlich jetzt kompletter bullshit ist – zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen.

Veröffentlicht 31. Juli 2019 von Armin Dahl in Glasflügler, im Netz, mehr Lepis

Danke, Yvonne, für diese Nacht!   4 comments

 

Stilleben mit Leuchtturm und Sandalen, Haan Spörkelnbruch 25 Juli 2019, 06.45 Uhr, 24′ Celsius 

Die Flugaktivität der nachtaktiven „Motten“ ist in tropischen Nächten besonders hoch, die Daten-Erfassung artet in Arbeit aus. Geschlafen wird stattdessen in der Nachmittagshitze.

In Europa purzeln die Temperaturrekorde, eine Schwall Saharaluft, angetrieben von Hochdruckgebiet „Yvonne“, erreicht den Westen Deutschlands. Kein Witz: die heißeste Stadt Deutschlands ist – wenn auch wahrscheinlich nur für einen Tag – das beschauliche Geilenkirchen an der holländischen Grenze. 40,5 Grad heiß war es dort am 24. Juli 2019.

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Lycophotia porphyraea, verwackelt, aber unverkennbar

Ein Datum das auch mir im Gedächtnis bleiben wird: Die 60-Arten-Makros-Grenze knacke ich in meinem Garten nur sehr selten, aber vergangene Nacht war es dann mal wieder so weit.

Angetrieben von den tropischen Temperaturen scheinen die Motten ihren Aktionsradius zu erweitern, vergangene Woche hat es zudem einmal kurz aber kräftig geregnet, so dass etliche Arten frisch geschlüpft sind.

In solchen Nächten erscheinen dann die dicksten Brocken, Kiefernschwärmer, Weidenbohrer, Grasglucke, zudem kann man in der Nähe des Leuchtturms kaum mehr atmen, dort wuselt ein Heer von kleinen Krabbeltieren herum.

„Beste“ Art in der abgelaufenen Nacht war die an Heidekraut lebende Lycophotia porphyrea, deren nächste Entwicklungslebensräume in Luftlinie etwa 1,5 Kilometer entfernt auf dem Sandberg in Hilden liegen.
Häufigste Art bei den Makros war die hübsch grüne Cryphia algae mit einem Dutzend Tieren, dicht gefolgt vom Eichenprozessionsspinner, der seit zwei Tagen unterwegs ist und mit 10 Tieren ans Licht kam.

EPS

Eichenprozessionsspinner bei der Fortpflanzung. Haan, Spörkelnbruch, 25. Juli 2019 (Foto: Armin Dahl)

62 Arten Großschmetterlinge standen beim Ausschalten der Anlage um halb sechs auf dem Zettel. Etliche davon sind erst nach 03.00 Uhr Morgens angeflogen – 2 1/2 Stunden Schlaf müssen in solchen Nächten mal reichen: wer da nicht wach bleibt ist kein richtiger „moth maniac“.


Kleiner Nachtrag vom 25. Juli: Heute habe ich auf meinem Thermometer (hängt im Kirschbaum im Schatten) 40,4°C gemessen, um 17.00 Uhr.

Veröffentlicht 25. Juli 2019 von Armin Dahl in EPS, Heideterrasse, Klimawandel, Phänologie

Eifel-Exkursion am 06.07.2019   1 comment

Unsere diesjährige Eifel-Exkursion mit einer „Kerntruppe“ von 5 Teilnehmern führte uns in drei recht unterschiedliche Biotope: die ehemaligen Steinbrüche am Sönsberg bei Dahlem, ein abgelegenes Bachtal nördlich von Kronenburg und das Lampertstal zwischen Dollendorf und Ripsdorf. Bei mildem Wetter konnten wir zunächst feststellen, dass die Natur im Vergleich zum sehr warmen Jahr 2018 noch zwei bis drei Wochen zurücklag. Der Silbergrüne Bläuling (Lysandra coridon) war nur in wenigen, ganz frisch geschlüpften Exemplaren zu finden. ähnlich sah es beim Kaisermantel (Argynnis paphia) aus. Dafür flogen in den Steinbrüchen am Sönsberg zahlreiche, nicht mehr taufrische, Ehrenpreis-Scheckenfalter (Melitaea aurelia). Überrascht waren wir von der Artenvielfalt und den erstklassigen Magerwiesen im Lewertbachtal. Große Bestände von Heilziest schmückten die halbfeuchten Wiesen. Hinzu kamen zahlreiche Fruchtstände vom Klappertopf. Sicher ist dieses Gelände ein Ziel für zukünftige Exkursionen. Abschließend, schon auf dem Rückweg, gab es noch einen Zwischenstopp im Lampertstal. Dort war eine Vielfalt an Widderchen (Zygaenidae) zu finden, deren Bestimmung noch vorläufig ist. Der gesuchte Große Ameisenbläuling (Maculinea arion) zeigte sich leider nicht. Dennoch waren am Ende des Tages bei den vom stundenlangen Umherlaufen erschöpften Teilnehmern zahlreiche Arten auf dem Zettel. Hier ein paar fotografische Eindrücke (Bilder bitte anklicken!). Einige wenige Fotos stammen von der Vorexkursion am 04.07.2019.

Veröffentlicht 11. Juli 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Tagfalter

Das Further Moor trocknet aus – wenn nichts passiert!   Leave a comment

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Further Moor im Jahr 2009: Nadelwald zieht das Wasser aus den Flächen (Foto: Armin Dahl)

Der Wald rundherum muss weg! Nicht in der Schärfe, aber inhaltlich genau so formulieren es die Autorinnen in einem Artikel in der vom LANUV herausgegebenen Postille „Natur in NRW“, der sich um die schleichende Entwässerung  des Further Moors dreht. Das 42 Hektar Fläche umfassende Naturschutzgebiet (NSG-Kennung ME-001) liegt auf der Bergischen Heideterrasse zwischen Langenfeld und Leichlingen und wurde schon 1937 unter Schutz gestellt. Das Further Moor ist momentan die einzige bekannte Flugstelle vom Heidespanner  – Ematurga atomaria – im gesamten Kreis Mettmann. Früher kam hier auch noch der Rotrandbär Diacrisia sannio vor, von dem wir keine aktuellen Nachweise aus der Region haben. Wir haben vor vielen Jahren dort ein paarmal Lichtfang gemacht, in Erinnerung ist mir dort nur ein Vogel – dieWaldschnepfe – geblieben.

Entscheidend für die Moorhydrologie im Further Moor und anderswo ist die Verringerung des sommerlichen Wasserdefizits. Die Autorinnen des Artikels arbeiten dabei schön heraus, wie der Wald das Wasser aus dem Moor zieht. Bekanntlich liegt übertrifft die Grundwasserspeisung von Calluna-Heide, die durch niedrigen und lückigen Wuchs charakterisiert sind, diejenige der Wälder um 30 bis 50 Prozent.

Monatsmittelwerte der klimatischen Wasserbilanz für das Naturschutzgebiet
Further Moor; blau gestrichelte Säulen: potenzielle Wasserspende durch die Umwandlung von Wald in Calluna-Heide auf Basis der lokalen Niederschlags-Monatsmittelwerte 1981 bis 2010 (Quelle: Natur in NRW, Nr. 2/2019)

Ein Maßnahmenkonzept für den sechs Hektar großen offenen Moorbereich des Further Moors, erstellt von der Unteren Naturschutzbehörde und der Biologischen Station des Kreises Mettmann, sieht die Rücknahme des Waldsaum an den Rändern der beiden Niedermoorkerne um 60 bis 100 Meter vor. Die Freiflächen sollen als Heidefläche entwickelt werden. Die Umsetzung der weiteren erforderlichen Maßnahmen soll im Rahmen des integrierten EU-Life-Projekts „Atlantische Sandlandschaften“ erfolgen.

Als ehemaliger Vorstand der Biostation D-ME kann ich nur sagen: die Probleme im Further Moor sind seit langem bekannt, daran haben sich schon verschiedene Mitarbeiter der Biostation abgearbeitet. Thomas Hübner, beim LANUV bis vor kurzem Dezernent für Biotopschutz, hat im Further Moor seine Diplomarbeit gemacht, geholfen hat es nichts: Sinnvolle Schutzmaßnahmen sind letztendlich immer wieder an den Forstbehörden gescheitert, die sich nicht an die Umwandlung der Waldbestände machen, sondern lieber das FFH-Gebiet dauerhaft entwerten. Mal sehen ob das jetzt mit Rückenwind vom LANUV besser läuft.

Literatur

HÜBNER, T. (1985): Das Naturschutzgebiet „Further Moor“: Flora, Vegetation, Schutzwürdigkeit und Pflege. Diplomarbeit Universität Düsseldorf, 247 S.

Michels, C., D. Levacher & D. Berger (2019): Das Further Moor trocknet aus. Natur in NRW 2/2019: 39-44

Ellenberg, H. & C. Leuschner (2010): Vegetation Mitteleuropas mit den Alpen in ökologischer, dynamischer und historischer Sicht. 6., vollst. neu bearb. Aufl. von C. Leuschner, 1.334 S.

Veröffentlicht 27. Juni 2019 von Armin Dahl in Heideterrasse, Klimawandel, Lebensräume

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