Lycaena & Co im Grenzbereich zur Heidelandschaft unterwegs   Leave a comment

Zwischen dem 16. und 20. August 2018 war ich im Sauer- und Siegerland unterwegs. Überwiegend auf Blüten der Schafgarbe fand ich an einer Waldlichtung im Raume Bad Berleburgs mindestens 10 weibliche Exemplare des Dukatenfalters, Lycaena virgaureae. Männliche Falter dieser Art konnten nicht festgestellt werden. Auch Falter von Lycaena tityrus besuchten die Blüten.  An Wegrändern im Raume Bad Laasphe fand ich dann Einzelexemplare dieser Arten, ebenso an Blüten der Schafgarbe und des Rainfarns.

Es scheint sich zu lohnen, an Blütenbeständen dieser Arten im Grenzbereich zu Sauer- und Siegerland besonders aufmerksam zu sein. Blüten zu finden scheint bei der Trockenheit eher das Problem zu sein.

Viel Erfolg bei der Suche!

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Veröffentlicht 22. August 2018 von williwiewel2018 in Arten / Listen

Das Insektensterben, die Schadenfreude und ein wenig Hoffnung.   Leave a comment

Der Dürresommer 2018 geht nach kurzer Atempause gerade in die nächste Runde, ordentlicher Landregen ist keiner in Sicht, und die Wiesen sehen aus wie ungarische Steppen. Alles hinüber, sollte man denken, und bekommt schon fast Mitleid mit den armen Schmetterlingsraupen, die nichts zu fressen haben.

Aricia agestis, Haan, Technopark, 17. August 2018 (Foto: Armin Dahl)

Aricia agestis, Haan, Technopark, 17. August 2018 (Foto: Armin Dahl)

Wirklich alles kaputt? Das frisch eingesäte Grünland, das die AGNU Haan neben dem neuen Industriegebiet in Haan betreut, entwickelt sich wider Erwarten sehr blütenreich und ist gar nicht vertrocknet. Und liefert Tagfalter ohne Ende, im Moment sind dort täglich frisch geschlüpfte Schwalbenschwänze, Goldene Acht und Kurzschwänzige Bläulinge zu bewundern, mal ganz abgesehen vom omnipräsenten Großen Kohlweißling.

Das Ganze hat natürlich einen eher traurigen Hintergrund, nämlich den rasanten Flächenverbrauch im Speckgürtel der rasant wachsenden Großstadt Düsseldorf. Im angrenzenden Kreis Mettmann, zu dem ein großer Teil der Bergischen Heideterrasse gehört, überschlagen sich die sieben Städte beim Versuch, von diesem Kuchen etwas abzubekommen. Sie opfern dabei ihre letzten Freiflächen, und angeblich ist das alles alternativlos, schon die Millionärs-Hochburg Haan hat mehr als 40 Millionen Euro Schulden (Stand Ende 2017) und braucht dringend neue Gewerbesteuer. Das geht angeblich nur über Neuansiedlungen von Firmen, und als „Abfallprodukt“ entstand die oben erwähnte Ausgleuichsflächhe.

Was das alles hier zu suchen hat? Einer der größten Steuerzahler im Kreis Mettmann hat seinen Firmensitz in Monheim. Bayer Crop Science steht für alles, was uns so zum Thema Insektensterben einfällt. Der Konzern verkauft Unmengen von Spritzmitteln, ohne die industrialisierte Landwirtschaft gar nicht funktionieren könnte. Das Gerede von der ausreichenden und gesunden Ernährung der Weltbevölkerung klingt ein wenig hohl, der DAX-Konzern Bayer muss seinen Gewinn maximieren, gehört er doch zum großen Teil irgendwelchen seelenlosen Investmentfonds: Größter Einzelaktionär mit 3,7 %  ist zum Beispiel eine Temasek Holdings Pte Ltd. mit Sitz in Singapur.

Und der Leverkusener DAX-Konzern hat nun zu allem Überfluss auch noch den „Satan im Sojafeld“ übernommen, den amerikanischen Glyphosat-Hersteller Monsanto. Die Amerikaner haben in den letzten Jahrzehnten nichts unversucht gelassen, um ihr miserables Umwelt-Image zu verfestigen: Die Verschleierung von Krebsrisiken durch den Unkrautvernichter Roundup (Glyphosat) war sozusagen eines der Kernprogramme des Konzerns. Wer wissen will, wie so was geht, der kann mal die Studie „Buying Science“ des Netzwerks GLOBAL 2000 anschauen.

Nun gehen ein Drittel aller Firmenübernahmen schief, und das Bayer-Management hat zumindest im ersten Anlauf tief in die Sch… gegriffen: Monsanto hatte tausende Klagen von Krebspatienten im Gepäck, und praktisch keine relevanten Rückstellungen für Entschädigungszahlungen gebildet. Und kurz nach der Übernahme hat ein US-Gericht Monsanto zu einer Zahlung von umgerechnet etwa 250 Millionen Euro Schmerzensgeld verurteilt, für einen einzigen Patienten wohlgemerkt. Der Aktienkurs der Bayer AG ist im Gefolge auf Sturzflug gegangen, und hat von November 2017 bis Mitte August 2018 ein Drittel an Wert verloren. „Das Leben verbessern – darum geht es uns bei Bayer. Alle zusammen. Überall auf der Welt“. Wenn der Konzern mit dem Kreuz seine eigenen Werbesprüche ernst nimmt, sollten sie dort zukünftig etwas mehr Kopfschmerztabletten und etwas weniger Agrochemikalien herstellen. So viel zum Thema Schadenfreude.

Agrotis vestigialis

Agrotis vestigialis, Dormagen, Wahler Berg, 17. August 2018 (Foto: Armin Dahl)

Und zum Schluß noch eine gute Nachricht, zwar nicht aus dem Niederbergischen, aber in Sichtweite auf der anderen Rheinseite: Die winzig kleine Relikt-Düne Wahler Berg bei Dormagen (übrigens auch in Sichtweite der BAYER-Schlote) scheint in den vergangenen Jahrzehnten ihren Artenbestand mehr oder weniger erhalten zu haben: Nach der Grüneule Calamia tridens hat der Lichtfang am Wochenende eine weitere typische, an Sand angepasste Eulenart zum Vorschein gebracht, die Kiefernsaateule Agrotis vestigialis. Der letzte bekannte Nachweis stammte von 1988. Das Gebiet ist umhüllt von einem schmalen Eichenwald, der Sandmagerrasen am Wahler Berg ist nur so groß wie ein Fußballfeld, allerdings finden sich hier schöne Bestände vom Silbergras  (Corynephorus canescens) und zahlreiche offene Sandstellen.  Umgeben von Chemiefirmen, Autobahnen, Logistikzentren und intensister Landwirtschaft, ein kleines Paradies,

 

Veröffentlicht 20. August 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter, Insektensterben, Lebensräume, Umwelt

Blutmond oder das große Krabbeln am Wahler Berg   1 comment

Einbildung ist auch ne Bildung: Ich bilde mir ein dass wir hier im Niederbergischen eine ganz ordentlich funktionierende Truppe haben, was die Nachtfalter angeht. Immerhin springen hier etwa ein Dutzend Personen herum und schreiben alles auf was Schuppen auf den Flügeln hat, und das ist besser als in den meisten deutschen Landstrichen, in denen es nur weit versprengte Einzelkämpfer gibt.
Aber ab und zu stelle ich doch wieder fest, dass wir nur ein paar „Hansele“ sind, jedenfalls im Vergleich zu unseren Nachbarn, den Holländern. Die leuchten echt was weg, und zwar bei Groß- und Kleinschmetterlingen!

Anania perlucidalis (Hübner, [1809]), Dormagen, Wahler Berg, 27. Juli 2018 (Foto: Armin Dahl)

Ein Beispiel unter vielen: Der gestrige Leuchtabend am Wahler Berg in Dormagen war anstrengend, aber lohnend, die Temperaturen barbarisch (beim Abbau um 02.00 Uhr 25°C!), viele tausend Zuckmücken und winzige Staphyliniden und anderes winziges Ungeziefer kam zum Licht, dementsprechend juckte es einen ständig überall, und der Anflug bei den Nachtfaltern war nicht ganz schlecht. Wirklich neu für mich war aber nur eine Art, Anania perlucidalis (HÜBNER, [1809]), so etwas wie eine Kleinausgabe des Brennesselzünslers P. ruralis. Genau genommen ist auch das falsch, nur habe ich mich im Jahr 2010 beim Leuchtabend im Himmelgeister Rheinbogen noch nicht für Kleinschmetterlinge interessiert (zum Glück war damals Rudi Seliger als Mikro-Experte mit dabei und hat den Falter notiert).
Na ja, jedenfalls gibt es linksrheinisch ganze fünf (5!) Nachweise aus den letzten 30 Jahren auf unseren Verbreitungskarten, mit dem sechsten kann man schon mal angeben. Denkste!
Ein Blick in die Daten von Observation.org, und schon ist klar: Eine schöne Erfassungslücke haben wir da in Westdeutschland, und sonst nichts!

Anania perlucidalis in Belgien und den Niederlanden, Stand Juli 2018

Die Verbreitungskarte zeigt ein fast flächendeckendes Vorkommen in Holland und Belgien an, und aus 2018 sind alleine in den Niederlanden mehr als 40 Einträge drin. Felix Hollandia!

Das alles kann uns natürlich den herrlichen Leuchtabend nicht vermiesen, den wir im Zeichen der längsten totalen Mondfinsternis des Jahrhunderts angesetzt hatten. Etwa 70 Arten Großschmetterlinge, darunter mit der Spanischen Flagge mal wieder eine Art an der nördlichen Verbreitungsgrenze. Jede Menge Mikros, darunter sehr selten gemeldete Zünsler. Und wieder mehr als ein Dutzend Catocala sponsa.  Und tausende Mücken, Käferchen und sogar eine Großlibelle mitten in der Nacht, kein Wunder bei der Affenhitze.  Hier findet Ihr dei vorläufige Liste.

Die Mondfinsternis wäre uns allerdings um ein Haar entgangen: Der angekündigte „Blutmond“ war am hellen Himmel über Leverkusen und Köln kaum zu erkennen. Wer Himmelsbeobachtungen machen will sollte halt nicht parallel mit Quecksilberdampflampen hantieren. Das folgende perfekte Bild stammt deshalb auch vom Himmelsfotospezialisten Tim Laußmann.

 

Veröffentlicht 28. Juli 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Eulenfalter, Mikros

Geplantes Insektensterben: Eintagsfliege Ephoron virgo   Leave a comment

Im Supersommer 2018 brennt die Leuchtanlage in meinem Garten praktisch jede Nacht. Das bedeutet aber auch jede Nacht mindestens einmal aufstehen, um vor der Morgendämmerung die angeflogenen Tiere aufzuschreiben und das Licht ausmachen. Ansonsten bedienen sich am frühen Morgen die Vögel.

Die haben aber heute einiges aufzuräumen: Heute war die große Flugshow der Weibchen von Ephoron virgo – der deutsche Name Uferaas ist mir heute zum ersten Mal klar geworden. Mein Garten ist bedeckt mit Tieren, die nach dem Schlupf vom Rhein hier heraus geflogen sind, auf der – vergeblichen – Suche nach neuen Laichgewässern. 04.00 Uhr, ich leg mich jetzt noch für zwei Stunden hin.

140 Gramm Insekten: Ausbeute von zwei ausgeschüttelten Leuchttüchern, ingesamt etwa 4qm Fläche

 

 

Hier das Video dazu,

Und hier mal noch eine Überschlagsrechnung, Grundannahme ist dass die Tiere sich gleichmäßig über die Fläche des Kreises Mettmann verteilen (mein Garten liegt etwa 10 Kilometer Luftlinie vom Rhein entfernt und damit ziemlich mittendrin)
Gesetzt den Fall, meine Lampe hat einen Anlock-Wirkungskreis von 50 Metern im Durchmesser, das sind 1963,4 (gerundet 2000) Quadratmeter. Auf der Fläche sind mindestens 200 Gramm Frischmasse an Eintagsfliegen herabgeregnet, macht ein Kilogramm pro Hektar, 100 Kilogramm pro Quadratkilometer, summa summarum alleine im Kreis Mettmann (400 Quadratkilometer Größe) vierzig Tonnen Eintagsfliegen. Konservativ geschätzt, in einer Nacht.

 

Veröffentlicht 23. Juli 2018 von Armin Dahl in andere Insekten

Exkursion zum Steinbruch am Sönsberg und in das Lampertstal am 15. Juli 2018   1 comment

Am Sonntag, 15.07.2018, kündigte sich schon morgens früh an, dass es ein heißer Tag werden sollte.  Bei wolkenlosem Himmel steuerten wir unser Exkursionsziel, den Steinbruch Sönsberg bei Dahlem in der Eifel, an.

Manche von uns machten vorher (oder nachher) noch einen Abstecher zum Schmetterlingspfad bei Netterheim. Schon morgens um kurz nach 8 Uhr sonnten sich dort die ersten Waldteufel (Erebia aethiops, auch: Graubindiger Mohrenfalter). Die dunkel gefärbten Tiere erreichten schnell ihre „Betriebstemperatur“, so dass es nicht einfach war, die Falter in Ruheposition vor die Linse zu bekommen. Da es auch an den Tagen zuvor sehr trocken war, zeigten die Tiere ein für Mohrenfalter typisches Verhalten: Sie saugen sehr gerne Feuchtigkeit von der Haut – nicht das schönste Fotomotiv – aber die Tiere sind dabei ausgesprochen zutraulich und lassen sich auch von der einen Hand auf die andere setzen.

Bei Ankunft am Treffpunkt Steinbruch Sönsberg an der B51 war die Temperatur um 11 Uhr schon unangenehm hoch. Aber die 15 Schmetterlingskundler konnte das nicht abschrecken: Nach gut zwei Stunden gemächlicher Wanderung durch das Gebiet kam eine ordentliche Artenliste zusammen, die insbesondere von dem Silbergrünen Bläuling (Lysandra coridon) dominiert wurde. Für das Gebiet wurde uns von der Unteren Naturschutzbehörde in Euskirchen eine Befreiung vom Betretungsverbot des Naturschutzgebiets erteilt (besten Dank dafür!). Jedoch mussten wir feststellen, dass der kleine See am Grund des Steinbruchs regelmäßig als Badesee genutzt wird.

Anschließend ging es über Nonnenbach und Ripsdorf in das Lampertstal. Dort fanden wir zahlreiche Kaisermäntel (Argynnis paphia) vor. Ein weiteres Highlight war ein von einer Krabbenspinne erlegter Brauner Feuerfalter (Lycaena tityrus).

Hier einige Fotos (Bildbeschreibung: bitte Bilder anklicken). Weitere Infos finden sich auf der Seite der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen.

Veröffentlicht 18. Juli 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Supersommer für Catocala sponsa   2 comments

Die Kollegen hatten schon darüber berichtet, und ich selbst hatte an der Mosel und auch vor meiner Haustür schon einzelne Tiere gesehen. Aber in der Menge war das dann doch erstaunlich: Beim gestrigen Lichtfang am Wahler Berg in Dormagen war der erste Falter am Köder – noch in der Dämmerung – ein Großes Eichenkarmin! Und im Laufe des Abends wurde die Art regelrecht häufig, am Ende waren es zehn Tiere, von denen fünf auch am Licht erschienen.

Aber der Reihe nach: Seit Wochen schon geistern durch die Internetforen Berichte über Massenansammlungen von Ordensbändern, zum Beispiel aus der Davert südlich von Münster. Das ganze hat größere Ausmaße, so haben die fleißigen Nachbarn in Holland  schon Nachweise aus über 170 Quadranten(5x5km) gesammelt. Wieder einmal ist zu beobachten dass in manchen Jahren bestimmte Arten synchron über große Gebiete besonders „gute“ Jahre haben, und bei den besonders großen und spektakulären Arten macht das natürlich besonderen Spaß.

Was Catocala sponsa betriff hatte man am gestrigen Leuchtabend den Eindruck dass die Tiere schlicht und ergreifend Durst haben. Kein Wunder bei den Wetterverhältnissen mit scharfem Ostwind und seit Wochen hohen Temperaturen.

Der Wahler Berg, eine wunderschönen kleine Rest-Düne, versteckt in einem Eichenwäldchen auf der „falschen“ Rheinseite zwischen Neuss und Dormagen, hat es in sich.

Der gestrige Abend brachte zwar nur gut 60 Arten Großschmetterlinge, was ebenfalls der andauernden Trockenheit zuzuschreiben ist. Darunter jedoch als kleine Sensation die Grüneule Calamia tridens, eine unserer „Zielarten“. Calamia tridens ist dort schon vor 30 Jahren bei der Untersuchung zur Ausweisung des Naturschutzgebiets gefunden worden, und war damals wie heute eines der Kleinodien der Fauna im Rheinland. Die nächstgelegenen halbwegs aktuellenNachweise stammen aus den Wisseler Dünen bei Kalkar (2017, Jan Buchner) und aus Krefeld (2006, NSG Egelsberg, Andreas Bäumler). Aber auch auf der Niederbergischen Seite gab oder gibt es Calamia tridens:  So fand der leider viel zu früh verstorbene Uli Bosch die Art bei einer Untersuchung zur geplanten Erweiterung des Elbsees bei Hilden, im Supersommer 2003.

Veröffentlicht 8. Juli 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Eulenfalter

Fransenflügler oder die Physik des Luftplanktons   Leave a comment

Die folgende Pressemitteilung hat zwar nichts mit Schmetterlingen zu tun, ich fands aber trotzdem ganz interessant. Was für die ziemlich abgefahrene Gruppe der Thripse gilt, wird auch für viele andere Kleinschmetterlinge und „Luftplankton“ gelten.

In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Bildquelle: WetterOnline

Wenn ein Gewitter bevorsteht, tauchen sie plötzlich in Schwärmen auf und landen auf allem, was gerade im Weg ist: Gewittertierchen, in der Fachsprache der Biologen Thripse genannt. Die winzig kleinen schwarzen Insekten sind besonders gut auf heller Kleidung zu sehen und krabbeln auf freien Haustellen. WetterOnline sprach mit dem Biologen Dr. Manfred R. Ulitzka (http://www.thrips-id.com/de/), dem Fachmann auf dem Gebiet der Fransenflügler (Thysanopteren), über die Fähigkeiten dieser winzigen Insekten.

Gewittertierchen sind Schönwetterflieger
In schwüler Gewitterluft sind sie plötzlich überall: Gewittertierchen. Sie sind keine Flugkünstler, denn von sich aus können sie kaum fliegen. Vielmehr nutzen sie die durch sommerliche Thermik ausgelösten Aufwinde, um sich in der Luft zu halten. Sonniges Wetter bei Temperaturen von über 20 Grad lässt die Insekten aufsteigen. An warmen Tagen sind sie dann in großer Anzahl weit verteilt in höheren Luftschichten unterwegs. Wenn sich an einem hochsommerlichen Tag ein Gewitter entwickelt, bekommt man den Eindruck, dass die winzigen Tierchen plötzlich überall sind. Doch warum ist das so?

Was passiert mit den Thripsen, wenn ein Gewitter aufzieht?
Ein sich entwickelndes Gewitter sorgt dafür, dass die Thripse, die sich zuvor bis in eine Höhe von mehreren Kilometern in der Luft verteilen, in die unteren Luftschichten absinken und nah am Boden konzentrieren. Sie versuchen dort zu landen und nutzen jedes Objekt, das sich dazu bietet – auch den Menschen. Die Sichtbarkeit von Gewittertierchen kann also durchaus ein drohendes Gewitter anzeigen. Richtige Gewitterpropheten sind Thripse allerdings kaum, denn sobald wir die kleinen Insekten wahrnehmen, ist die Entwicklung des Gewitters schon im vollen Gange und bereits für jeden offensichtlich.

Woher wissen Thripse, dass ein Gewitter bevorsteht?
Gewitterwürmchen werden durch einen bedeutenden physikalischen Faktor zur Landung gezwungen: Der Veränderung der Feldstärke vor einem Gewitter. Die entstehende Gewittersituation übe durch die elektrische Feldschwankung Einfluss auf das Flugverhalten vieler Tiere aus, erklärt Manfred Ulitzka und bezieht dies auch explizit auf die Thysanopteren. Die genauen Gründe für ihr Verhalten sind wissenschaftlich noch nicht geklärt. „Als Auslöser dieses Verhaltens kommen nach bisherigen Erkenntnissen ausschließlich Änderungen der elektrischen Feldstärke in der Luft in Betracht“, erklärt der Biologe. Bei schönem Wetter beträgt die Feldstärke des „Schönwetterfeldes“ etwa 100 bis 300 Volt/Meter, die Thripse sind in allen Luftschichten bis in große Höhen unterwegs und lassen sich von der Thermik treiben. Entsteht ein Gewitter, so steigt die Feldstärke an und kann Werte von bis zu 50.000 Volt/Meter erreichen, dann drohen Blitz und Donner. Thripse und andere kleine Insekten reagieren mit ihrem Flugverhalten bereits bei deutlich niedrigeren Feldstärken und stellen ihre Flugaktivität spätestens bei einer Feldstärke von 8.000 Volt/Meter komplett ein. Sie legen dann einfach ihre Flügel an und sinken ab. Warum das so ist, konnte jedoch bis heute noch nicht wissenschaftlich geklärt werden.

Warum landen die Tiere dann ausgerechnet auf Menschen?
Helle Farben sind für die Insekten besonders attraktiv. Thripse können jedoch ihr Flugverhalten kaum bestimmen. In erster Linie werden sie vom Wind getragen und können die Flugrichtung durch ihre Flügelstellung nur geringfügig ändern und dies auch nur solange, wie der Wind schwach ist. Thripse landen daher vollkommen zufällig auf Menschen.

Quelle: https://www.wetteronline.de

Veröffentlicht 4. Juli 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Ökologie