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Grüne Schmuckstücke von der Mosel   Leave a comment

Ein Kurztrip von Haan zum Lichtfang an die Mosel ist leider immer eine Herausforderung, Vor allem der folgende Morgen im Büro lässt sich gemeinhin etwas zäh an. Aber der Aufwand lohnt sich!

Der Winter war lang, der Generator stand monatelang unbenutzt herum, und die ganze Lichtfang-Ausrüstung musste dringend mal gelüftet werden. Aber mitten in der Woche? 300 Kilometer Autofahrt und spät in der Nacht zurück? Aber manchmal muss man sich einfach mal einen Ruck geben, und die Wetterprognose mit viel Regen in den kommenden Tagen vor Ostern ist noch übler!

Der Ruck geht dann erst mal am Hilden Kreuz durch das Auto, Stop + Go auf 15 Kilometern bis nach Leverkusen. Na prima, die erste Stunde ist schon herum und es wird schon dämmerig. Also ordentlich auf die Tube gedrückt, die schönen Rastplätze, die normalerweise nach Faltern abgesucht werden, bekommen heute keinen Besuch.Die Temperatur geht schon bedenklich in den Keller, 8 °C  in der Eifel, bei klarem Himmel am Nachmittag, das RLP-Radio meldet Bodenfrost für die Nacht, das war anders angekündigt. Aber jetzt gibts kein Zurück mehr!

Die letzten Kilometer Richtung Untermosel sind zurückgelegt, jetzt gilt es noch einen Leuchtplatz zu finden. Und zwar in den neu angelegten Weinbergen in Pommern, über die Lea Jäger auf der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft berichtet hat: Reben-Querterrassen mit Fahrgassen, angrenzend an schlehenreiche Brachen. Da sollte es alles mögliche an Faltern geben. Aber wie das so ist in unbekannten Weinbergslagen, bis man ein ordentliches Plätzchen gefunden hat vergeht Zeit, und es ist schon fast dunkel.

Also schnell die Lebend-Lichtfalle an eine halbwegs erreichbare Stelle bei einer Brachfläche gehängt und weiter. Mittlerweile ist es reichlich frisch und außerdem zieht Kaltluft den Hang hinunter – viel schlechter können die Bedingungen eigentlich nicht werden. An der Kapelle oberhalb des verschlafenen Weindörfchens Pommern finde ich einen halbwegs geschützten Platz hinter einer Buchsbaumhecke, rasch den Leuchtturm aufgebaut, die Köderschnüre in die Hecke verteilt, der Mond steht schon hell am blanken Himmel. Zuhause in Haan könnte man das jetzt komplett vergessen, mangels Anflug.

Aber ich bin nicht im Niederbergischen, sondern an der Mosel! Kaum hängen die Köder, kommen die ersten Falter, angelockt vom billigen Glühwein. Und das in einer Weinlage, in der seit Jahrtausenden bester Riesling wächst! Am Licht finden sich die ersten Geometriden ein, und auch in den Hecken belebt es sich: Obwohl die Schlehen rundherum noch völlig geschlossene Knospen haben, sitzen die Büsche voll mit Männchen des Schlehenheckenspanners Aleucis distinctata, und an der Wand der Kapelle sitzt die erste Buchenmotte (Diurnea fagella). Nach zwei Stunden stehen 15 Großschmetterlingsarten auf dem Zettel, nicht ganz schlecht. So richtig tolle Arten waren heute nicht dabei, das beste war noch die Raupe von Arctia villica, die an der Wand der Kapelle hochkroch. Mittlerweile bin ich aber völlig durchgefrorenen, das Thermometer steht auf 4° C, also Schluß für heute!

Erst auf der Hauptstraße fällt es mir wieder ein: Die Lichtfalle! Also noch mal hoch in die Weinberge, diesmal auf der anderen Seite des Orts. Dort ist es zwar genauso kalt, aber es geht wenigstens kein Wind. Beim ersten Blick in den Trichter der Lichtfalle dann wandelt sich die Laune in Sekundenschnelle. Dieses  Tier habe ich überhaupt noch nie gesehen! Eriogaster lanestris wird wegen der frühen Flugzeit zwar wahrscheinlich unterkartiert, aber trotzdem: der letzte Nachweis vom Frühlings-Wollafter von der Untermosel  liegt mehr als 30 Jahre zurück. Und im Fangsack dann der eigentliche Anlass für den Kurztrip: Valeria oleagina, die Olivgrüne Schmuckeule, eine weitere Rarität der einheimischen Schmetterlingsfauna.

Faunistik ist ja möglicherweise ein bescheuertes Hobby, wer sich zudem mit „Motten“ beschäftigt, der muss sich in Deutschland manchen Spott gefallen lassen. Aber drauf gepfiffen: Die zwei Stunden Heimfahrt mitten in der Nacht gehen flott vorbei, und auch am Morgen nach drei Stunden Schlaf schaut mir aus dem Spiegel ein fröhlicher Mottenfänger entgegen.


by the way:

•• Donnerstag, 5.4.2018, 19.00 bis ca. 21.30, Treffen in den Entomologischen Sammlungen Krefeld. Vortrag von Monika Weithmann: „Drei Jahre Lichtfang in Pommern an der Mosel – Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse nachgewiesener Schmetterlinge (Lepidoptera).

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Veröffentlicht 28. März 2018 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Eulenfalter, Lebensräume, Spinner

Mehr Ehrfurcht vor der Buche!   4 comments

Ich möchte nicht wissen wie oft ich schon achtlos daran vorbeigegangen bin. Oder sie einfach durch den Kamin gejagt habe. Immerhin heize ich das halbe Haus mit Brennholz, und Buche ist eigentlich in jedem Winter immer dabei. Aber der Reihe nach.
Die Beschäftigung mit Nepticuliden, zu Deutsch Zwergminiermotten, ist ein kurioses Metier, nach dem Motto: Je schlechter die Augen, desto kleiner die Falter. Als ich das erste mal einen Kasten mit Nepticuliden-Präparaten gesehen habe – beim Altmeister Willi Biesenbaum in Velbert-Langenberg – dachte ich einen Moment lang er wolle mich veräppeln. Ich sah – NICHTS. In dem Kasten steckten nur reihenweise Etiketten, aber keine Falter. Erst beim zweiten Hingucken erkannte ich die winzigen, auf Minutien präparierten, furchtbar kleinen Tiere. Sich mit diesem Fuzzelzeugs zu beschäftigen – undenkbar!
Ein paar Jahre später, Anfang Januar 2018, kam dann der Hinweis vom Kollegen Dieter Robrecht, man möge doch mal Ausschau halten nach Minen von Zimmermannia liebwerdella. Ein Blick in die Bestimmungshilfe des Lepiforums, Nepticulidae gelesen, und weggeklickt.
Aber vier Wochen später hielten sich im Lepiforum hartnäckig Beiträge zu dem Thema, und so las ich noch mal genauer. Und die beschriebenen Strukturen an der Rotbuche kamen mir doch sehr bekannt vor. Die Kamera genommen, einen kurzen Spaziergang in den Hildener Stadtwald hinter meinem Haus, und – verflixt und zugenäht – die Minen der Buchenrinden-Zwergminiermotte – Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940) sind so häufig, dass man sich schon ein wenig schämen muss, sie nicht zu kennen.

Minen der Buchenrinden-Zwergminiermotte – Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940), Haan-Gruiten, ehemaliger Steinbruch Grube 10, 17. Februar 2018 )Foto: Armin Dahl)

Rotbuchen-Stämme mit Stärken zwischen 10 und 40 Zentimetern, am besten in Waldrandlage und nach Süden exponiert: Ein Lebensraum der sich praktisch überall in Fahrrad-Entfernung auftreiben lässt, und an allen von mir bisher untersuchten Stellen lassen sich sich finden: Finger- bis spannenlange, senkrecht verlaufende Minen unter der Rinde, oft mit einer tpischen Schlaufe an der Ober- oder Unterseite, an den Stämmen von Kniehöhe bis in einige Meter Höhe: Die Minen bleiben offenbar viele Jahre sichtbar und es gibt nach Auskunft der Experten keine weitere Art, die ähnliche Minen an der Rotbuche (Fagus sylvatica) erzeugt.

Das nenne ich einen vernünftigen „Mikro“, den man im Prinzip mit dem Fernglas kartieren kann – von wegen Genitalpräparat unter dem Binokular, das hätte ich sowieso nie gemacht. Ectoedemia liebwerdella ist ganzjährig im Buchenwald leicht nachzuweisen, und prompt fand ich auch in meinem Brennholzstapel nach kurzer Suche noch einen Scheit mit ein paar Minen. Und der macht mir jetzt das Arbeitszimmer warm, in dem diese Zeilen geschrieben werden.

Vom ehemaligen Umweltminister Klaus Töpfer ist der Auspruch überliefert, die Ehrfurcht vor einem Stück Land sei oft eng verbunden mit einer Vielzahl dort lebender einzigartiger Tiere und Pflanzen. Der Satz fiel im Jahr 2006  im Vorfeld der 8. UN-Artenschutzkonferenz im südbrasilianischen Curitiba, das ist eine Metropole von der Größe Hamburgs. Von der  brasilianischen Artenvielfalt sind wir hier im Niederbergischen Land zwar weit entfernt. Aber so ein mehr bischen Ehrfurcht vor dem vom Entomologen so oft geschmähten, weil „langweiligen“ Rotbuchenwald vor meiner Haustür ist auch nicht schlecht.

Veröffentlicht 17. Februar 2018 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Lebensräume, Mikros

Falterpost mit der Schneckenpost   Leave a comment

Nur mal kurz zwischenrein, weil es sich beim Kleinen Nachtpfauenauge Saturnia pavonia  um unser „Haustier“ handelt, und weil der Entwurf von einer Wuppertaler Designerin entworfen wurde.

Und weil manch einer ja noch „old style“ kommuniziert und nicht per Mail, Whatsapp oder Facebook: Die Deutsche Post verkauft seit Juni 2016  Briefmarken mit einem schönen Nachtfaltermotiv, vielleicht hat der eine oder andere ja Lust sich ein paar von diesen Marken auf Vorrat anzuschaffen

Veröffentlicht 9. Februar 2018 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, im Netz, Spinner

Die meisten Schmetterlinge gibts im Winter!   1 comment

„Toller Mottenporno“! Der morgendliche Empfang am Arbeitsplatz ist immer ein Ereignis, mein Arbeitskollege stammt aus St. Petersburg und ist ein Spassvogel mit drastischen Sprachbildern. Und er hat ja auch ein bisschen Recht, der gestrige Leucht- und Köderabend hatte es in sich, auch wenn es dabei zu keinerlei erotischen Aktivitäten kam.

Gestartet sind wir bei Einbruch der Dunkelheit im Hasseler Forst, dort führt eine breite Bahn- Gas- und Stromtrasse durch den Eichenwald. Die regelmäßigen Pflegemaßnahmen haben eine Art Niederwald mit reichlich Stockausschlägen hervorgebracht, es gibt an einigen Stellen offenen Sandboden – ein Paradies für Schmetterlinge mitten im Ballungsraum. Der Platz hat es in sich, hier fliegt im Sommer der Pflaumen-Zipfelfalter Satyrium pruni, und der Kaisermantel. Aber momentan geht es um etwas anderes, winteraktive Eulen und die ersten Frühjahrsarten bei den Spannern stehen auf der Wunschliste.

Schnell werden 25 Köderschnüre aus Jute aufgehängt, getränkt mit Glühwein-Zucker-Gemisch 1:2, ein paar Eichen werden auch noch angesprüht, zwei Lampen sollen lichtaffine Falter anlocken. Es ist der 10. Januar, 17.30 Uhr, 8 Grad Außentemperatur, bedeckter Himmel, windstill, der Wetterbericht verspricht ein paar Regentropfen in der Nacht, eine Warmfront zieht heran.

Massenanflug von Conistra vaccinii, Düsseldorf, 10. Januar 2018 (Foto: Armin Dahl)

Mittlerweile ist es ziemlich dunkel, Als ich das erste Mal die Taschenlampe anmache und eine der Köderschnüre kontrolliere, trifft mich fast der Schlag: Massenanflug! Die Köderschnur ist komplett bedeckt von Faltern! Die nächste ebenso! Bei dem Gewimmel kommt man mit dem Zählen kaum nach und übersieht zwischen den sehr häufigen Heidelbeereulen (Conistra vaccinii) fast die einzeln vertretenen anderen Arten. In den 15 Jahren in denen ich jetzt mit Nachtfaltern unterwegs bin habe ich noch nie solch ungeheuren Anflug am Köder gesehen! Also wird schnell das Handy gezückt und ein paar Fotos und ein Video [der „Mottenporno“] gedreht, das direkt nach facebook hochgeladen wird, zur Motivation der KollegInnen die zu Hause auf dem Sofa liegen.

Auch die neue LED-Lampe zieht einiges an Eulenfaltern an, ein einzelner Falter von A. marginaria sitzt im Gebüsch, angelockt oder nicht, auf jeden Fall extrem früh dran dieses Jahr. Die Haselbüsche stauben beim Daraufklopfen ganz ordentlich, die Pollensaison hat begonnen, auch hier kriechen einige Eulenfalter herum. Ob die wohl den Pollen fressen? Viele Eulen sitzen saugend an den Enden von abgeschlegelten Gehölzen, die offensichtlich schon im Saft stehen. Und das am 10. Januar! Zu Hause werden die auf dem Fresszettel notierten Zahlen zusammengerechnet, etwa 1500 Individuen stehen darauf, von 10 Großschmetterlingsarten und einem „Mikro“. Nicht schlecht für zwei kurze Stündchen, an einem frühen Winterabend. Vierstellige Individuenzahlen 10 Tage nach Silvester!

Und zum Thema Insektensterben, auch wenn das politisch nicht korrekt ist: Die Wald- und Waldrandfauna, also die gehölzfressenden Arten, hat mitnichten einen solchen Einbruch zu verzeichnen wie die Offenland-Tiere, die an Gräsern und / oder Kräutern leben. Jedenfalls nicht in der Düsseldorfer Region und schon gar nicht bei den winteraktiven Arten. Die profitieren ganz klar von den milden, warmen Wintern!

Alle Daten findet Ihr unter https://observation.org/gebied/view/259558

Veröffentlicht 11. Januar 2018 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Insektensterben, Klimawandel, Phänologie, Spanner

Aktive Heidepflege in Brandenburg   1 comment

Erhöhung der biologischen Vielfalt durch aktive Heidepflege – das klingt gut. Dass da auf großen Flächen schlicht und ergreifend Feuer gelegt wird, klingt vielleicht auf den ersten Blick abenteuerlich. Aber es funktioniert!

Die „Wittstock-Ruppiner Heide“ liegt im Nordwesten des Landes Brandenburg, mit mehr als 9000 Hektar Fläche ist sie das größte zusammenhängende Sand- und Heidegebiet Nordostdeutschlands. Riesige Kiefern-Pionierwälder auf Sand, Besenheide und offene Sandflächen mit Silbergrasfluren prägen den ehemaligen Truppenübungs- und Schießplatz: Dort wo die Panzer fuhren und die Zielgebiete der Schießübungen lagen, befinden sich heute wertvollste Offenland-Lebensräume mit schier unglaublicher Artenvielfalt und -ausstattung. Ein Beispiel aus der Ornithologie: Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) hat dort mit über 500! Revierpaaren die kopfstärkste Population Deutschlands.

Wo es Ziegenmelker gibt, sind die Heidebiotope gut in Schuss: Purpurbär (Rhyparia purpurata), Früher Ginsterspinner (Chesias rufata), Frankfurter Ringelspinner (Malacosoma franconicum), Ginsterstreckfuß (Gynaephora fascelina) und Argus-Bläuling (Plebejus argus) profitieren von den Pflegemaßnahmen, so werden unter anderem jedes Jahr etwa 160 Hektar Heideflächen mit „Kaltem Feuer“ abgebrannt: Kontrolliertes Brennen in den Monaten Januar/Februar/März beseitigt gleichzeitig die im Oberboden vorhandenen Blindgänger und Munitionsreste aus der Zeit der militärischen Nutzung, und kostet nicht viel.

Das Pflege der Heide ist eines der Projekte des Monats in der UN-Dekade für die biologische Vielfalt, die bis 2020 läuft. Auf der Webseite der UN-Dekade kann man für verschiedene Projekte abstimmen. Ob die örtlichen Aktivisten, in diesem speziellen Fall der Bundesforst, mit den kärglichen 1000 Euro Preisgeld wirklich etwas anfangen können, sei mal dahingestellt.

Brennt es einmel in den Moor- und Heidegebieten hierzulande, so zuletzt im Hohen Venn 2011 oder in der Diepholzer Moorniederung 2017, ist die Aufregung groß und die Feuerwehr nicht weit. Dabei ist der Schaden nach wenigen Monaten nicht mehr zu erkennen, der Nutzen durch das Entstehen baumfreier Flächen aber immens.

Das Abflämmen der Truppenübungsplätze und zum Beispiel auch der Bahnböschungen war noch vor einigen Jahrzehnten ein probates Mittel zur Offenhaltung von Lebensräumen. Übrigens war damals auch noch keine Rede vom Insektensterben. Im Jahr 2016 verbrauchte die Bahn jährlich für das Offenhalten ihrer Gleisanlagen 65,4  Tonnen Glyphosat, und ist damit der größte Einzelverbraucher des Pflanzengiftes in Deutschland.

 

Veröffentlicht 1. Dezember 2017 von spoerkelnbruch in Lebensräume, Pflege, Umwelt

Das niederbergische Lepi-Radar   1 comment

Das kleine Netzwerk der Entomologen in der Region ist ja schon ganz schön dicht. Aber es gibt immer noch Menschen im Niederbergischen, die sich mit Tag- oder Nachtfaltern beschäftigen, und bisher unter unserem Radar durchgeflogen sind.
Nun  ist hier nicht der Platz um Werbung für Produkte oder Leute zu machen, aber an dieser Stelle mache ich einmal eine Ausnahme: Ich habe selten so schöne Makrofotos gesehen wie die von Andreas Kolossa in Langenfeld! Und passend zur Jahreszeit hier mal ein Shopping-Tipp: Der vom Colouria Verlag produzierte Kalender, „Schmetterlinge auf Wiesen 2018“ wird demnächst auch in meinem Arbeitszimmer hängen. Andreas Kolossa hat einen Tagfaltertranssekt in der Eifel im Raum Blankenheim und ist ansonsten mit Profi-Fotoausrüstung unterwegs auf der Suche nach Naturmotiven. Einen Teil seiner Eifel-Falterdaten habe ich bereits in die „schmetterlinge-nrw.de“ überführen dürfen, und es kommen wahrscheinlich in Zukunft noch ein paar mehr. Dem Kollegen fehlen übrigens noch gute Falterbilder von Cupido argiades, das kommt davon wenn man nur in die Spitzenbiotope der Eifel fährt 🙂 Diese Lücke werden wir 2018 mit einiger Sicherheit „vor der Haustür“ stopfen können.

Nummer 2 unterhalb des Radars ist Johannes Meßer, der dieses Jahr im Landschaftspark Duisburg  schon einige Male Lichtfang durchgeführt hat.  Meßer ist Vorsitzender des Landschaftsbeirats in Duisburg, und seinen Daten und Belegfotos sind seit neuestem auf www.observation.org zu bewundern. Auch Karola Winzer aus Mülheim hat begonnen ihre Fotos und Schmetterlingsbeobachtungen dort einzugeben.

Bei observation.org landen übrigens in Zukunft auch die meisten Daten der Biostation Westliches Ruhrgebiet. Martin Schlüpmann, in der Biologischen Station zuständig für Herpetofauna, Libellen, Heuschrecken, Gewässerfauna und seit den 1980er Jahren mit Kollegen in Leitung des Arbeitskreises Amphibien und Reptilien NRW, treibt das voran.  Die NRW-Arbeitskreise für Heuschrecken, Libellen und Reptilien/Amphibien werden wohl zukünfig ihre Daten über diese Plattform erfassen und pflegen. Die Datenbank zu durchpflügen macht bei so richtig Spaß, denn man stößt immer wieder auf faunistische Highlights, zum Beispiel die Beobachtung vom Hummelschwärmer in Hagen-Hohenlimburg.

Neue internet-basierte Techniken bei den Datenbanken waren auch Thema bei den Vorträgen auf dem Westdeutschen Entomologentag in Düsseldorf. Besonders interessant fand ich den Vortrag von Dominik Jablotschkin über die Suche nach Libellen-Hotspots in Nordrhein-Westfalen, der aus dem Datensalat der Libellen-Experten mit ein bisschen Mathematik einige leckere Karten und Ergkenntnisse herauszauberte. Bei den Libellen ist die Dynamik in der Faunenveränderung ähnlich hoch wie bei den Heuschrecken, ehemals häufige Arten verschwinden und Raritäten werden wiedergefunden.

Der „WET“ ist immer noch eine Plattform für den intensiven Austausch über Insektenkunde. Die altehrwürdige Entomologische Gesellschaft Düsseldorf hatte zum 150. Jubiläum in das renovierte Löbbecke-Museum geladen. Vorsitzender Jürgen Eckl referierte über „150 Jahre EGD. Was können wir aus der schönen Vergangenheit für die bescheidenere Zukunft hoffen“.

LED-Lampe von bioform: handlich aber teuer.

Derartige Bescheidenheit halte ich übrigens für völlig fehl am Platz. Früher war angeblich immer alles besser! Und die Museumszoologie inclusive der sogenannten Fachgesellschaften müssen sich 30 Jahre nach dem Siegeszug des Internets halt auch mal irgendwann wandeln. Wir haben heute in der Region wieder eine ordentliche Menge Beobachter, Fotografen und Datensammler, und die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit sind heute um Lichtjahre besser als vor 150 Jahren.

À propos Licht: Für alle die noch ein wenig Geld auf dem Konto haben zum Schluss noch eine Neuerung, die vielleicht langfristig die Generatoren, Mischlichtlampen und Kabeltrommeln beim Lichtfang ersetzen wird: Eine ursprünglich aus dem Bootsbedarf stammende Lampe mit verschiedenen LED-Spektren war die Hauptattraktion im Entomologie-Shop nahe beim Löbbecke-Museum. Das etwa faustgroße Ding soll angeblich so gut fangen wie die herkömmlichen Anlagen, man spart sich den Generator, Lampen, und alles passt in eine kleine Tasche. Das macht den happigen „Einführungspreis“ von über 500 Euro vielleicht etwas erträglicher. Das Material trotz angeblich Wind und Wetter, bei der zu erwartenden Lebensdauer der LEDs kann man die Anlage an seine hoffentlich noch entomologie-begeisterten Enkelkinder vererben.

In diesem Sinne machen wir dann hier mal so weiter wie bisher: Im meinem Garten sind aktuell noch die drei Wintereulen Eupsilia transversa, Conistra vaccinii und C. rubiginosa am Köder unterwegs. Die ausgebrachten Alsophila-aceraria-Pheromone haben bisher in der Region noch keinen Falter ergeben, die Flugzeit für die im Spätherbst fliegenden Spannerarten hat aber auch gerade erst begonnen.

Veröffentlicht 26. November 2017 von spoerkelnbruch in im Netz, mehr Lepis

Wider den Trend: Heidelandschaft selbst gemacht   3 comments

„Was machst Du da Papa???“ 

„Ich pflanze mir eine Heide!“

JETZT SPINNT ER DANN KOMPLETT!. Die Schriftzeichen auf der Stirn meines Sohnes sind auf 10 Meter Entfernung mühelos zu entziffern. Etwas anderes war auch nicht zu erwarten, von einem techno-affinen Oberschüler, der bisher keinerlei Begeisterung für Gartenarbeit hat erkennen lassen – kurzgetrimmte, topfebene Rasenflächen rund um den Grill ausgenommen.

Ich krieche derweil auf den Knien in meiner Schafweide herum, buddele mit den bloßen Händen im Dreck, und grinse in mich hinein. Die Schafe haben auch schon so blöde geglotzt, als ich sie mit dem Elektrozaun aus einer kleinen Fläche ausgesperrt habe, auf der die „Dahlsche Heide“ entstehen soll. Ja richtig: Ich pflanze meine eigene Heide. Und zwar genau vor der Haustür. Und wenn mich alle für bescheuert halten, das musste einfach sein. Wollen wir doch erst mal sehen ob ich nicht dem ganzen Artenschwund und der Verinselung auf der Bergischen Heideterrasse ein Schnippchen schlagen kann!

Vor ein paar Jahren habe ich die Wiese vor meinem Haus gekauft, die war nach dem 2. Weltkrieg auch schon mal Haferfeld. Auf der stehen schon seit mehr als 15 Jahren meine Schafe, und der Sandboden ist ordentlich ausgemagert. Und vor einer Woche habe ich mit der Hife der Biostation Solingen einen Hänger voll Plaggen aus dem Heidegarten in der Ohligser Heide geholt, als Impfmaterial für meine Privatheide. Eine Wiedehopfhacke habe ich mir auch noch geleistet, das ist das ultimative Arbeitsgerät für alle die sich im Abplaggen und Wiedereinpflanzen von Besenheide, Ginster und anderen Sträuchern üben wollen.

Zwei Stunden abplaggen zu dritt, drei Stunden einpflanzen, fertig ist die Heide. Jedenfalls ein paar wenige Quadratmeter, und einen stabilen Zaun muss ich auch noch drum herum bauen, sonst zuppeln die Schafe alles wieder heraus. Der Thymian, von dem ich letztes Jahr ein paar Pflänzchen aus der Wahner Heide mitgenommen hatte, blüht schon mal. Und in ein paar Jahren kann ich mir dann hoffentlich das aufwendige Herumfahren sparen und typische Pflanzenarten wie Besenheide, Ginster und vielleicht das Sandglöckchen bei mir vor der Haustür begrüßen. Und wenn das erst mal soweit ist dann sind auch die typischen Heide- und Offenland-Falter nicht mehr weit.

Der Rücken tut weh vom ungewohnten Arbeiten, das Gerät ist aufgeladen, noch ein letzter Blick auf die Fläche, man sieht fast keine Veränderung zu vorher. Aber als ich wieder unter der Dusche herauskomme steht ein prächtiger Regenbogen über der Wiese, als gutes Omen für die kommende Heidefläche.

Veröffentlicht 22. Oktober 2017 von spoerkelnbruch in Heideterrasse, mehr Lepis, Pflege