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Wider den Trend: Heidelandschaft selbst gemacht   3 comments

„Was machst Du da Papa???“ 

„Ich pflanze mir eine Heide!“

JETZT SPINNT ER DANN KOMPLETT!. Die Schriftzeichen auf der Stirn meines Sohnes sind auf 10 Meter Entfernung mühelos zu entziffern. Etwas anderes war auch nicht zu erwarten, von einem techno-affinen Oberschüler, der bisher keinerlei Begeisterung für Gartenarbeit hat erkennen lassen – kurzgetrimmte, topfebene Rasenflächen rund um den Grill ausgenommen.

Ich krieche derweil auf den Knien in meiner Schafweide herum, buddele mit den bloßen Händen im Dreck, und grinse in mich hinein. Die Schafe haben auch schon so blöde geglotzt, als ich sie mit dem Elektrozaun aus einer kleinen Fläche ausgesperrt habe, auf der die „Dahlsche Heide“ entstehen soll. Ja richtig: Ich pflanze meine eigene Heide. Und zwar genau vor der Haustür. Und wenn mich alle für bescheuert halten, das musste einfach sein. Wollen wir doch erst mal sehen ob ich nicht dem ganzen Artenschwund und der Verinselung auf der Bergischen Heideterrasse ein Schnippchen schlagen kann!

Vor ein paar Jahren habe ich die Wiese vor meinem Haus gekauft, die war nach dem 2. Weltkrieg auch schon mal Haferfeld. Auf der stehen schon seit mehr als 15 Jahren meine Schafe, und der Sandboden ist ordentlich ausgemagert. Und vor einer Woche habe ich mit der Hife der Biostation Solingen einen Hänger voll Plaggen aus dem Heidegarten in der Ohligser Heide geholt, als Impfmaterial für meine Privatheide. Eine Wiedehopfhacke habe ich mir auch noch geleistet, das ist das ultimative Arbeitsgerät für alle die sich im Abplaggen und Wiedereinpflanzen von Besenheide, Ginster und anderen Sträuchern üben wollen.

Zwei Stunden abplaggen zu dritt, drei Stunden einpflanzen, fertig ist die Heide. Jedenfalls ein paar wenige Quadratmeter, und einen stabilen Zaun muss ich auch noch drum herum bauen, sonst zuppeln die Schafe alles wieder heraus. Der Thymian, von dem ich letztes Jahr ein paar Pflänzchen aus der Wahner Heide mitgenommen hatte, blüht schon mal. Und in ein paar Jahren kann ich mir dann hoffentlich das aufwendige Herumfahren sparen und typische Pflanzenarten wie Besenheide, Ginster und vielleicht das Sandglöckchen bei mir vor der Haustür begrüßen. Und wenn das erst mal soweit ist dann sind auch die typischen Heide- und Offenland-Falter nicht mehr weit.

Der Rücken tut weh vom ungewohnten Arbeiten, das Gerät ist aufgeladen, noch ein letzter Blick auf die Fläche, man sieht fast keine Veränderung zu vorher. Aber als ich wieder unter der Dusche herauskomme steht ein prächtiger Regenbogen über der Wiese, als gutes Omen für die kommende Heidefläche.

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Veröffentlicht 22. Oktober 2017 von spoerkelnbruch in Heideterrasse, mehr Lepis, Pflege

Kartoffelsack in Rotweinsoße   6 comments

Von wegen Insektensterben! 20 Köderschnüre, getränkt mit Bier-Glühwein-Zuckergemisch, hängen seit ein paar Wochen in meinem Garten. Was zugegebenermaßen ein wenig unordentlich aussieht! Die Streifen aus Jute hängen an Sträuchern und Bäumen, es duftet nach „Kartoffelsack in Rotweinsoße“ und bei dem Goldenen Oktoberwetter sausen dort tagsüber Fliegen, Wespen und Hornissen herum. Da wir aber keinen Designergarten haben ist mir das völlig Wurscht, viel wichtiger als die Optik sind mir die Artenvielfalt und Individuenzahl der Schmetterlinge und des restlichen sechsbeinigen „Ungeziefers“.

Das gesamte Jahr hindurch wurde das Thema Insektensterben in den Medien und Fachkreisen rauf- und runtergespielt, deshalb hier mal ein Statement der eher ungewöhnlichen Art: Ich hatte noch nie so viele Falter in Garten wie im Herbst 2017! Gefühlt seit Wochen steigt die Anzahl der Eulenfalter am Köder an, gestern war der vorläufige Höhepunkt: Gezählte 320 Falter von Conistra vaccinii, insgesamt 10 Arten mit über 400 Individuen. Das bedeutet gute 20 Minuten Arbeit mit der Stirnlampe und Strichliste, und die Zahlen sind immer zu niedrig: Viele Falter lassen sich beim Annähern einfach ins Gras fallen oder sitzen rund um die Köder in den Ästen.
Und nicht nur die Eulen sind im Herbst 2017 gut vertreten: Neben verspäteten Schilfeulen fliegen immer noch einzelne Buchsbaumzünsler ans Licht, und die Flechtenbären Eilema depressa und Eilema griseola haben offenbar eine zweite Generation eingelegt und fliegen schon wieder.

Veröffentlicht 18. Oktober 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Ökologie, Eulenfalter, Insektensterben

Volle Köderschnüre in Cronenberg   2 comments

Vortrag oder Exkursion? Das ist oft die Frage! Ein Vortrag ist eine sichere Sache, die Kundschaft parkt vor dem Haus, sitzt im Trockenen, die Schuhe bleiben sauber, das Ende ist absehbar. Die faunistisch interessanten Plätze der Region sind dagegen oft abgelegen und schlecht erreichbar, Nachtfaltermenschen haben unchristliche Arbeitszeiten, geleuchtet wird bei jedem Wetter: Grund genug dass wir mit unseren Lichtfängen das Publikum oft nicht mehr anlocken können.

Aber mit ein bisschen Glück lassen sich Vortrag und Exkursion sogar verbinden. Und so trafen sich die entomologisch Interessierten des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertalin der Station Natur und Umwelt in Cronenberg, um den im Frühjahr ausgefallenen Vortrag in verkürzter Form zu wiederholen. Und anschließend ging es noch eine Runde auf halbwegs gesicherten Pfaden durch das Außengelände, zum Licht- und Köderfang.

Das Wetterglück war dem neuen Format hold, und wir erwischten einen milden Herbstabend mit Windstille und bedecktem Himmel, und der Anflug an den Leuchtturm und die Köderschnüre im Garten der Station war gar nicht mal so schlecht: 14 Nachtfalterarten standen 1 1/2 Stunden nach Einbruch der Dämmerung auf dem Zettel, ganz ordentlich für die zweite Oktober-Dekade, mitten in der Stadt. Darunter der gefürchtete Buchsbamzünsler, der im Jahr 2017 praktisch durchgehend flog, und das Flechtenbärchen Eilema depressa, das offenbar dieses Jahr eine zweite Generation einlegt.

Blieb noch Zeit für ein Experiment: Daß es mir die großen frei zugänglichen Internet-Datenbanken angetan haben, das hat sich ja schon herumgesprochen. Und deshalb findet Ihr auch unter dem folgenden Link die Daten und Falterfotos der Exkursion. Zur Nachahmung empfohlen!

Und hier nch ein kleines Youtube-Video vom darauffolgenden Abend aus meinem eigenen Garten, mit Griposia aprilina

Veröffentlicht 12. Oktober 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Auf Tour, Buchsbaumzünsler, im Netz

Die letzten Mohikaner?   1 comment

Momentan sind tagsüber nur noch wenige Tagfalter unterwegs, Überwinterer  wie Tagpfauenauge, Admiral, darüber hinaus Weißlinge, vereinzelte Kleine Feuerfalter und verrupfte Bläulinge.

Das Jahr 2017 war – abgesehen von der Feldarbeit – insgesamt ein gutes Jahr für die Entomologie, sind doch unsere Dauerthemen wie Artensterben und Verlust an Biodiversität praktisch den gesamten Sommer hindurch in den Medien herauf und herunter gespielt worden. Artenkenntnis war plötzlich wieder hip! Wurde man vor ein paar Jahren noch als verschrobener Spinner angesehen, hat es sich doch herumgesprochen dass unser aller Passion zu irgend etwas gut sein könnte, Artenvielfalt einen Wert hat! Auf einmal stellt man erstaunt fest wieviele Leute sich früher angeblich mit verdreckten Autoscheiben befasst haben, und wie sehr sie dem Insekten- „Dreck“ nachtrauern, den sie seinerzeit verflucht haben. Damals, als wir noch mit dem Opel Kadett an die Riviera gefahren sind! Und auch der letzte Bedenkenträger wurde wahrscheinlich mit der Tatsache konfrontiert, dass als Hauptverursacher für den allgemeinen Insekten-Rückgang die lebensfeindlichen Methoden in der Landwirtschaft an erster Stelle stehen, mal ganz abgesehen vom Lebensraumverlust durch Überbauung und Verwaldung.

Tatsache? Stimmt das so? Ziemlich  mutig kommen einem heute Angaben wie „überall häufig“ in den älteren Publikationen vor. An heutigen Standards gemessen sind viele der Arbeiten aus der Mitte des letzten Jahrhunderts – vor dem großen Einbruch – nicht sauber durch Zahlen belegt und werden deshalb nicht recht ernst genommmen. Im Rückblick verklärt sich doch so manches, so wie der Opel Kadett heute ein schickes „H“ auf dem Nummernschild führt.

Zum Glück hat sich schon jemand anderes die Mühe gemacht, wenigstens für die jüngere Vergangenheit ein paar grundlegende Dinge zu Papier zu bringen. In diesem Fall die Mannschaft des Tagfaltermonitorings Deutschland (TMD) am Umweltforschungszentrum in Halle, in Person von Elisabeth Kühn. Im neuesten TMD Zählerbrief Oktober 2017 heißt es ganz lapidar:

„Tatsächlich können wir anhand der Daten des Tagfalter-Monitoring aus den letzten 11 ausgewerteten Jahren den dramatischen Rückgang nicht bestätigen. Die Falterzahlen sind in den erfassten Jahren sehr unterschiedlich, aber ohne einen eindeutig erkennbaren Trend. Schaut man sich dazu die Trends für einzelne Arten an, so ist gut zu erkennen, dass sich die Zahlen der einzelnen Arten sehr unterschiedlich entwickelt haben.“

Da haben wir den Salat! Statistisch sauber belegen lässt sich der postulierte Rückgang also nicht, wen wundert es auch bei den vergleichsweise kurzen Zeitreihen in denen halbwegs standardisierte Daten erhoben werden. Ganz nebenbei:  Was unsere Region in Nordrhein-Westfalen betrifft, so sind wir sogar noch schlechter dran als der Rest der Republik. Die älteren Daten des Tagfaltermonitorings NRW sind gar nicht im Datenpool des UFZ enthalten und schlummern immer noch in irgendwelchen Schubladen oder Dateien – ein echtes Ärgernis!

Anscheinend hat der gravierendste Rückgang bei den Schmetterlingen schon vor mehreren Jahrzehnten stattgefunden, europaweit hat sich der Abwärtstrend in den letzten zehn Jahren zumindest verlangsamt.

Eine gefühlt ziemlich wilde Saison 2017 geht zu Ende, das Wetter spielte mal wieder verrückt, das Beobachternetz im Niederbergischen wird nach meinem Eindruck immer dichter, und etliche intensive Exkursionen an Mosel, Mittelrhein, in die Eifel etc. haben wir auch durchgeführt und dabei eine Menge tolle Beobachtungen genossen. Und vereinzelt könnte man auf die Idee kommen dass sich einige Arten wieder berappeln könnten, in 2017 zum Beispiel  Ulmen-Zipfelfalter und Kaisermantel, die im Jahr 2017 hohe Nachweis-Zahlen erreicht haben, oder der Große Schillerfalter, der mitten in Düsseldorf aufgetaucht ist.

Ob das alles nur kurzfristige Erholungen oder stabile Trends sind, ob das vom Klimawandel angefeuert wird, oder in wenigen Jahren die letzten Falterpopulationen dahingerafft sind, darüber werden wir erst in ein paar Jahren Bescheid wissen. Voraussetzung ist aber dass alle ihre Daten sauber aufbereitet zur Verfügung stellen, sei es jetzt als Excel- oder Access-Daten,  im Tagfaltermonitoring oder in anderen öffentlichen Datenbanken wie observation.org und naturgucker.de, wo man auch noch andere Tier- und Pflanzenbeobachtungen loswerden kann.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen eine Menge schöne „Lange Winterabende“, und wem es langweilig wird der kann ja auf die Nachtfalterpirsch gehen, die Artengruppe hat fast ganzjährig Saison.

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht 3. Oktober 2017 von spoerkelnbruch in Insektensterben, Klimawandel, Tagfalter

Herbst in der Hannepützheide   Leave a comment

Neue Gebiete zu erkunden macht Spaß, und schon gar wenn sie in geringer Entfernung liegen und so erschlossen sind dass man problemlos arbeiten kann. Ein solches Gebiet hatte ich mir fürs letzte Septemberwochenende vorgeknöpft: Die Hannepützheide (Zonser Heide) auf der linken Rheinseite bei Dormagen-Zons.
Das Gebiet ist eine – wie solls auch anders sein – bewaldete Flugsanddüne mit ein paar kleinen Heiderelikten, um die sich die Biostation in Knechtsteden kümmert.

Erster Eindruck: Ein ca. 2,5 Hektar kleiner, scharf beweideter Heidestreifen, dahinter Kiefernwald, ordentlich Rohbodenstellen auf Sanduntergrund, ganz spannend. Weniger schön die massenhaft fruchtenden Spätblühenden Traubenkirschen (Prunus serotina), die so ein wenig nach der Motorsäge schreien: Die in Holland als „Bospest“ („Waldpest“) bezeichnete Pflanze wurde bis in die 50er Jahre als Unterwuchs in Nadelwäldern eingebracht, zur Bodenverbesserung. Heute wird man sie nicht mehr los, vor allem auf den verbliebenen Offenland- und Heidestandorten, in der Region zum Beispiel in der Delbrücker oder auch der Wahner Heide.

Schnell die Köder aufgehängt, das Aggregat angeworfen und erst mal die Stirn abgewischt: Es ist um 20.00 Uhr noch 24°C warm, eine Warmfront fegt über Deutschland, angetrieben vom Sturmtief „Wolfgang“. Dahinter sollen dann die Reste von Hurrikan „Lee“ und „Maria“ kommen, es wird also stürmisch und dann ist der Sommer wohl endgültig vorbei.

Eine Stunde später: Der Anflug an die Köder sehr mäßig, am Licht praktisch nichts, nur ein paar Mücken. Und ein halbes Hornissennest! Die wenigen Falter die angeflogen sind müssen um ihr Leben fürchten, die Hornissen rennen zu Fuß herum und fangen alles was sich packen läßt. Und die Stirnlampe auf meinem Kopf wird auch immer mal wieder angeflogen, das ist nicht wirklich schön. Zum Glück verlassen sich die Tiere auf ihre abschreckende Wirkung und attackieren nicht ersthaft. Aber Nerven kostet es mich schon!

Noch eine Stunde weiter, die erste „ordentliche“ Art: Conistra erythrocephala, ganz frisch und speckig glänzend. Mittlerweile habe ich angefangen die 50 Hornissen IN den Leuchtturm zu sperren, da können sie brummen wie sie wollen. Aber Spaß macht das nicht wirklich.
Also verlege ich mich auf einen kleinen Rundgang mit der Taschenlampe über die Besenheide, dort sind die Stierkäfer in Menge zugange, bringen die Kaninchen- und Schafköttel in ihre selstgebuddelten Nester.
Am Licht ist immer noch nichts los, es geht jetzt schon auf Mitternacht, und wir haben immer noch 20°C. Zu warm, auch das gibt es beim Lichtfang. Beim Abbau dann wie so oft die Überraschung: Idaea rusticata, ein winzig kleiner Arealerweiterer aus dem Süden, mein erster Falter überhaupt nördlich von Köln, und das in frischem Zustand: Hier kann man mal über eine zweite Generation spekulieren, die ersten Falter aus 2017 tauchten im Raum Köln/Leverkusen schon am 13. Juni auf.

Das beste an dem Abend in der Hannepützheide: bei dem geringen Anflug gab es direkt an der Leuchstelle eine Sitzbank sowie eine ordentliche Internetanbindung, und damit die Gelegenheit, alle Funde einmal direkt in das System von observation.org einzugeben. Die frei zugänglichen Online-Datenbanken sind mittlerweile eine echte Alternative zu der ganzen Tabellenwelt à la Microsoft, auch wenn man dadurch deutlich ernüchtert wird: In den Niederlanden hat sich zm Beispiel Idaea rusticata schon auf die Höhe von Niedersachsen vorgearbeitet.

Veröffentlicht 30. September 2017 von spoerkelnbruch in andere Insekten, Auf Tour, Lebensräume

Labkrautschwärmer am Rhein   2 comments

Labkrautschwärmer, Düsseldorf-Benrath, 1. September 2017

Labkrautschwärmer, Düsseldorf-Benrath, 1. September 2017 (Foto: Klaus Böhm)

Vom Labkrautschwärmer Hyles gallii berichtet STAMM (1981: 61): Vorkommen nur am Niederrhein auf trockenen Heiden und Dünen, sonst nur sporadisch auftretend. Fangdaten 8. Mai – 10. August. Die ältesten Angaben darin stammen von STOLLWERK (1863), der berichtet von einem ständigen Vorkommen bei Uerdingen. Mehr als 150 Jahre später ist der Falter erfreulicherweise immer noch in der Region zu finden, auch wenn er in der Roten Liste der Niederrheinischen Bucht mit Kategorie „2: stark gefährdet“ geführt wird. In diesem Jahr sind Falter aus zwei verschiedenen Generationen im Gebiet beobachtet worden, eine Kopula am 13. Juni auf dem Zonser Grind in Dormagen, und jetzt am 1. September wieder ein Falter, praktisch in Sichtweite auf der rechten Rheinseite in Düsseldorf-Benrath. Klaus Böhm schreibt dazu: Das Tier habe ich früh Nachmittags aus der niedrigen Vegetation eines Halbtrockenrasen aufgescheucht, er flog rasant ab, eine Weile hin und her, setzte sich wieder ab, bei der Gelegenheit gelangen mir ein paar Fotos. Der Falter flog erneut ab und ich verlor ihn aus den Augen„.

Bei genauer Betrachtung des Fotos sieht man daß der Falter auf Labkraut sitzt: Das sind also die Stellen an denen sich in den nächsten Wochen vielleicht mal die Suche nach den Raupen lohnt. Hyles gallii überwintert nämlich nach der englischen und niederländischen Literatur als Puppe (zum Beispiel in der Neuauflage des WARING & TOWNSEND). Ob die Zeit noch reicht für die komplette 2. Generation oder ob die Falter im nächsten Jahr wieder zuwandern müssen?
Die Holländische Ausgabe von 2006 vermerkt da skeptisch, „waarschijnlijk kann deze soort de natte winters in Nederland en Belgie niet overleven„.
Raupenfunde aus dem Oktober sind jedenfall belegt, nachzuschauen bei observation.org
Wir wünschen den Raupen und uns auf jeden Fall einen goldenen September und Oktober!


Literatur und Links
STAMM, K. (1981): Prodromus der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens. 229 S., Solingen (Selbstverlag).

STOLLWERCK, F. (1863): Die Lepidopteren-Fauna der Preussischen Rheinlande. Verh.Naturhist.Ver.preuss.Rhl.Westph., N.F. 10 (= 20): 43-248, Bonn

WARING, P, & M. TOWNSEND (2017): Nachtvlinders – de nieuwe veldgids voor Nederland en België. Kosmos Uitgevers, 448 S. ISBN: 9789021564470

Naturräume / Großlandschaften in NRW: http://www.klimaatlas.nrw.de/site/nav2/KarteMG.aspx

Veröffentlicht 3. September 2017 von spoerkelnbruch in Spinner

Kurzer Zwischenstand Cupido argiades   1 comment

Heute war ich mal auf der „falschen“ Rheinseite bei Dormagen unterwegs, dort hat die Stadt ein paar Ausgleichsflächen, die von der Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss e.V.  betreut werden.  Dort ist vor etlichen Jahren artenreiches Grünland entwickelt worden, mittels Mahdgutübertragung, Ansaat, mit Ackerrandstreifen rundherum. Direkt angrenzend finden sich das beweidete NSG Wahler Berg und Hannepützheide, mit einer teilweise freigestellten Düne, eine echte Rarität in der dicht besiedelten Rheinebene.

Die Wiesen im Gebiet blühten gerade wie toll, Tiefland-Mähwiesen wie sich das gehört, mit geschätzten 60 Pflanzenarten, unter anderem Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. orientalis) und Wiesen-Salbei, und jede Menge Rot- und Hornklee.

Und Bläulinge, in Massen! Bei dem etwa einstündigen Rundgang habe ich am Ende nicht mehr mitgezählt, aber mindestens 60 Exemplare von Cupido argiades habe ich gesehen, das bedeutet, auf der knapp drei Hektar großen Wiese waren wahrscheinlich ein paar hundert Tiere unterwegs.  Auch Polyommatus icarus war zahlreich zu sehen, aber das Verhältnis argiades / icarus war geschätzt eher 3/1. Auf der Weide nebenan das gleiche Bild, argiades sehr häufig, icarus seltener, dazu einzelne Kleine Feuerfalter und etliche Coenonympha pamphilus.

Und so wie es in Dormagen aussieht scheint es in vielen Biotopen der Region zu sein: auch in Haan, Wuppertal, Remscheid, Düsseldorf berichten die Kollegen von zahlreichen Beobachtungen von Cupido argiades, der momentan hier – vor wenigen Jahren noch unvorstellbar – der häufigste Bläuling ist.

Das Gebiet bei observation.org

Historisch: Erstnachweis Cupido argiades in 2012

Artikel aus dem Jahr 2012 in der Melanargia, 24 (4): 119-123

Veröffentlicht 25. August 2017 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Tagfalter