Autor-Archiv

Heidemoore werden endlich wiederbelebt   Leave a comment

Vor meiner Haustüre tut sich erstaunliches: Nachdem der lokal tätige Naturschutz jahrzehntelang gepredigt hat, dass die Hildener Heidemoore in miserablem Zustand seien, werden die kleinen NSGs im Hildener Stadtwald endlich renaturiert und besser vernetzt.

Moorrenaturierung im Hildener Stadtwald. Foto: Biol. Station Haus Bürgel / Moritz Schulze

Zur Erinnerung: Bereits in der Schutzgebietsausweisung im Jahr 1992 wurde auf den schlechten Zustand der Moore hingewiesen. Als Maßnahmen wurden seinerzeit z.B. für das kleine Moor am Taubenberg festgelegt: „Freihalten der Heidemoorbereiche, Abplaggen von Teilbereichen, Durchforstung der Stieleichenkultur, …Schließen der Entwässerungsgräben, Birken und Eichen an den Wegrändern erhalten (Sichtschutz)“.

Das ausführliche Gutachten mit Datenerhebungen aus den 80er Jahren lag seit 30 Jahren mehr oder weniger unbeachtet in den Schränken der Unteren Naturschutzbehörde Kreis Mettmann und des Grünflächenamtes in Hilden. Die AGNU Haan führte mit der Biostation und Hildener Naturschutzverbänden einige kleinere Pflegeeinsätze durch, es wurden zeitweilig „Ranger“ eingesetzt um den Besucherdruck zu kanalisieren, der Sandberg teilweise eingezäunt und eine ausserhalb gelegene „Hundewiese“ eingerichtet. Der Zustand des kleinteilig zugeschnittenen Naturschutzgebiets verschlechterte sich jedoch zunehmend, vor allem durch die zunehmende Verwaldung der winzigen Moore. Und auch die Ausweisung als Natura 2000-Gebiet (FFH-Gebiet) mit hohem Schutzstatus beförderte die Sache nicht. In anderen Städten der Region lief es nicht viel besser, zum Beispiel im 70 Hektar großen NSG Further Moor in Langenfeld, das seit langem von Austrocknung bedroht ist.

Wie man es besser hätte machen können? Als positives Beispiel in der Region kann das NSG Ohligser Heide direkt südlich von Hilden gelten, hier wurden schon seit langem entsprechende Maßnahmen umgesetzt: Großflächige Freistellungen, Reduzierung des Wegenetzes, Abplaggen des Oberbodens, extensive Schafbeweidung auf großer Fläche. In der Folge sind dort auch seltene Schmetterlingsarten wie der Sumpfwiesen-Perlmuttfalter – Boloria selene wieder aufgetaucht, die jahrzehntelang verschollen waren. Bemerkenswert auch der Unterschied bei den Nachtfaltern, in der Ohligser Heide ist zum Beispiel das Kleine Nachtpfauenauge – Saturnia pavonia ein Massentier, wie man auf unserem Mottenkanal nachschauen kann.

Aber jetzt! Moorschutz und Wasserrückhaltung sind wieder in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt, im Kampf gegen die Klimakrise will die Bundesregierung den Schutz und die Wiederherstellung von Moorgebieten vorantreiben. Offene Heide Liefert bekanntlich den höchsten Eintrag von Niederschlag ins Grundwasser – und nicht etwa der Wald, wie viele glauben. Zudem heißt der Umweltminister in NRW heute Oliver Krischer, ist Naturschutzfachmann und bekennender Ornithologe, der auch schon die Bergische Heideterrasse in Solingen-Ohligs besucht hat. Geld für entsprechende Maßnahmen ist schon länger da, der politische Wille momentan auch!

Die Bagger und Traktoren rollen jetzt auch in der „Hildener Heide“, der nährstoffhaltige Oberboden wird abgefahren, Gräben verschlossen und ehemalige Moorflächen entwaldet. Das Oberflächenwasser soll zukünfig besser in den Gebieten gehalten werden, mit positiven Nebeneffekten für Glockenheide, Moorlilie und andere Sumpfbärlapp. Boloria selene sehe ich da noch nicht wieder, aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Zu verdanken haben wir das vor allem dem unermüdlichen Einsatz von Moritz Schulze (Biostation Haus Bürgel), der sich auch von hartnäckigem Widerstand nicht aus der Spur bringen ließ.

Links und Nachlese:

>> Das machen die Bagger in der Heide – Artikel in der Rheinischen Post vom 4.12.2022

>> NRW will mehr Moor Artikel auf RP Online vom 11.11.2022

>> Michels, C., D. Levacher & D. Berger (2019): Das Further Moor trocknet aus – Natur in NRW 2/2019

>> Hildener Heidemoore – Patienten im Erholungswald – Artikel im AGNU-Kiebitz aus 2005

>> Du kriegst die Motten – Teil 3: Pheromone – MothHunters – Der Mottenkanal

>> Natura 2000-Nr. DE-4807-302 Hilden – Spoerkelnbruch – Natura 2000-Gebiete in Nordrhein-Westfalen

Landschaftsplan Kreis Mettmann – Biotopmanagementplan. Naturschutzgebiet Hildener Heide und Spörkelnbruch. Erläuterungsbericht VI 1992. 219 S., (ULB Mettman)

Woizilinski, D. (1987): Untersuchung der Groß- und Kleinschmetterlingsfauna in den Naturschutzgebieten Spörkelnbruch, Hildener Heide/Hildener Stadtwald. Unveröff. Manuskript im Auftrag des Kreises Mettmann., ca. 100 Seiten. (ULB Mettmann)

Veröffentlicht 5. Dezember 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen, Heideterrasse, Klimawandel, Lebensräume, Umwelt

Der Sound des Klimawandels   Leave a comment

Gottesanbeterin

Gottesanbeterin – Mantis religiosa , Mosel bei Wolf, 4. August 2022 (Foto: Dahl)

Der Sommer 2022 hat es in sich, wochenlange Trockenheit, hohe Temperaturen, alles was uns die Meteorologen schon lange voraussagen. Die einheimische Fauna wird zunehmend angereichert mit Arten, die man eigentlich gar nicht auf der Liste hat.

Ein Beispiel ist die Gottesanbeterin Mantis religiosa, die sich offenbar in Nordrhein-Westfalen etabliert. Anders ist es jedenfalls nicht zu erklären, dass entlang des Rheins abwärts bis nach Kleve und sogar im Perlenbachtal in der Eifel in den vergangenen Tagen Tiere aufgefunden wurden.

In der Pfalz, an der Mosel und weiter südlich an der Nahe ist die Gottesanbeterin ja schon länger zu bestaunen. Wie eine ganze Reihe von Arten aus der Geradflügler-Verwandtschaft (Ordnung Orthoptera) macht Mantis religiosa seit ein paar Jahren riesige Sprünge in der Ausbreitung nach Norden, ist jetzt auf der Linie Amsterdam-Berlin angekommen. Dank observation.org haben wir jetzt eine Möglichkeit das quasi live zu verfolgen.

Weinhähnchen

Weinhähnchen – Oecanthus pellucens, Mosel bei Wolf, 3. August 2022 (Foto: Dahl)

Ähnlich gelagert, ist die Besiedelung mit dem Weinhähnchen (Oecanthus pellucens), allerdings ist die Art hier vor meiner Haustüre im Niederbergischen anscheinend bereits fest etabliert. Im dritten Jahr in Folge singen die männlichen Weinhähnchen abends und nachts auf Brachflächen im Umfeld eines Industriegebiets hier in Haan, auch in den Wuppertaler Steinbrüchen (z.B. Oetelshofen) sind sie bereits angekommen. Wer das noch nie erlebt  hat, der kann mal hier reinhören.  So klingt der Klimawandel!

Was die Verbreitung angeht, so ist das Weinhähnchen in Deutschland jetzt auf der Höhe von Bremen angekommen, und breitet sich auch in die höheren und kühleren Lagen aus. In den Niederlanden sind Funde an der Küste bei Harlingen (Provinz Friesland) bekannt, auch in Deutschland wird das Weinhähnchen bald zur normalen Ausstattung der Feriengebiete an der Nordsee gehören.

quadripunctaria

Euplagia quadripunctaria – Verbreitung Stand 8/2022. Quelle: Observation.org, Stichting Observation International und lokale Partner.

An die Spanische Flagge – Euplagia quadripunctaria haben wir uns mittlerweile fast schon gewöhnt, das sehr auffällige Tier breitet sich anscheinen unaufhaltsam nach Norden aus. Bei der Erkennung von quadripunctaria und etlichen anderen Nachtfalterarten gibt es übrigens eine wichtige Neuerung bei observation und den zugehörigen apps: Die Künstliche Intelligenz ist mittlerweile so weit trainiert dass quadripunctaria und einige andere an bereits besiedelten Fundorten automatisch freigegeben werden. Das spart den Validatoren eine Menge Arbeit: Alleine in 2022 sind in observation knapp 1900 Fotos der Art hochgeladen worden.

Tag- und nachtaktiv: Die Spanische Flagge Euplagia quadripunctaria. (Foto: Dahl)
Weinhähnchen, Wuppertal, 21. August 2022. In den Steinbruchen am Rand des Bergischen Landes singen die Männchen Nachts zu Hunderten.

Veröffentlicht 9. August 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen

Warum die Insekten sterben oder Streifenmahd nach Düsseldorfer Modell 🙈   4 comments

Düsseldorf, Blick von der Franklinbrücke nach Norden, 4. Juli 2022 (Foto: Armin Dahl)

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte, deshalb fasse ich mich kurz: Vor einer Woche noch war das eine trockene, herrlich blühende Wiese, für eine Menge Steuergeld angelegt von der Landeshauptstadt, die sich mit Klimamonitoring, Artenvielfalt und einem vorderen Platz beim BioBlitz 2022 brüstet. Ein riesiges Meer von Echtem Labkraut, massig buntes Blütenangebot und darin jede Menge Fluginsekten.

Und jetzt das: Die ganze blühende Oase namens Maurice-Ravel-Park im schicken Stadtteil Pempelfort, auf einen Schlag heruntergef…. bis auf die Strünke. Wer oder was auch immer hier lebte, das befindet sich jetzt in der Kompostieranlage und wurde zur Sicherheit vorher kleingehäckselt.

Es dauert wohl noch eine Weile bis die Teilflächen- oder Streifenmahd, bis das stehenlassen von Altgras- und Refugialstreifen und das restliche kleine Einmaleins des Artenschutzes in den Köpfen der Düsseldorfer Stadtgärtner angekommen sind. So jedenfalls macht man es NICHT.

Vielleicht liegt´s ja am Namen des Parks. Maurice Ravel war als Komponist ziemlich meinungsstark, einige Wutausbrüch sind überliefert, Experimente mit seinen eigenen Werken konnte er überhaupt nicht ab. Als Arturo Toscanini einmal seinen berühmten Bolero aufführte, schrie Ravel im Saal herum: „Ich bin der Komponist!“ und beschimpfte den Dirigenten: „Das Schwein hat zu schnell gespielt, das ist unverzeihlich! Das ist unglaublich! Das Stück ist ruiniert!“.

So etwas ähnliches kam mir heute in den Sinn, als ich auf der Zoobrücke stand und das Desaster ansehen musste. Ich bin zwar nicht der Parkplaner, könnte aber schreien vor Wut und Enttäuschung. Aufräumen und Pflege sind zwei verschiedene Dinge – Gut gemeint ist halt nicht gut gemacht.

Veröffentlicht 4. Juli 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen, Ökologie, Insektensterben, Pflege

Haribo – Anflugfalle, lecker Eigenbau   Leave a comment

Hier haben sich ein paar Anfragen angesammelt, mit welchen Methoden man am besten Glasflügler fängt, oder wie Anflugkäfige für selbst gezüchtete Mottenweibchen aussehen müssen. Keine Bauanleitung, eher was für Kinder!

Professionelle Fallen kosten im Handel knapp unter 10 Euro, wenn man se z.B. bei der Pherobank in den Niederlanden bestellt. Im Baumarkt oder bei Firmen wie Plantura nehmen sie Euch für eine Buchsbaumzünslerfalle gerne auch mal 25,- Euro ab. Für einen einzige Falle wohlgemerkt, was gelinde gesagt Nepp für ein bisschen Plastik ist. Mal ganz abgesehen davon, dass männliche Buchsbaumzünsler zu fangen ein herrlich unsinniger Quatsch ist, nur gut zum Erkennen eines Befalls. Zur Bekämpfung der Zünsler taugt das Wegfangen der Männchen bekanntlich nichts. Die Weibchen werden natürlich trotzdem befruchtet und legen ihre Eier ab, ob da eine Falle hängt oder nicht.

Damit Ihr nicht unnötig Geld ausgebt, hier mal ein Bild von einer vollständig ausreichenden Falle, mit vespiformis-Glasflüglern, gefangen vor etlichen Jahren im Burgholz in Wuppertal. Eine Bauanleitung braucht man dafür nicht, macht dafür nur ein paar Kinder froh, oder Erwachsene ebenso.

Zwei alte Klopapierrollen, ein Stück Draht, fertig ist der Apparat. Die Haribo-Schmetterlinge werden leider nicht mehr produziert. 28. Juni 2013. Foto: Armin Radtke

Veröffentlicht 20. März 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen

Bioblitz 2022: Wer hat die längste Artenliste   4 comments

Die von Observation International betriebene Beobachtungsplattform observation.org hat einige von uns in den vergangene Monaten stark beschäftigt. Die Möglichkeiten der Dateneingabe über verschiedene Apps wurde getestet, Tausende von Fotos wurden eingestellt und nach Möglichkeit validiert, neue Gebiete angelegt usw. Die Möglichkeiten, seine eigenen Beobachtungen mit denen der Kollegen in „Realtime“ zu vergleichen sind super, die Qualitätssicherung wurde optimiert. Und wo das nicht genug war, kam noch der eine oder andere Whatsapp-Chat zum Einsatz, mit Hunderten von Einträgen, oder die Youtube-Videos aus dem mothhunters Channel. Im Rausch der Artenvielfalt ging das Jahr mal wieder viel zu flott herum, auch die Corona-Epidemie hat uns dabei nicht wirklich behindert, der Digitalisierung sei Dank!

Nach der Umstellung auf ein neues Design, etlichen Erweiterungen u.a. bei der Bestimmung mittels Künstlicher Intelligenz, stehen jetzt bei observation.org auch völlig neue Anwendungen zur Verfügung. Eine davon ist der sogenannte „Bioblitz“, ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Regionen.

Um die Sache so richtig anzuschieben, haben die Entwickler jetzt schon mal die observation-Daten von 2021 in eine Auswertung gepackt, die im Bild oben zu sehen ist. Diese Darstellungen gibt es übrigens für alle Landkreise und Kreisfreien Städte, natürlich wie immer umsonst und frei zugänglich.

Münster, wo das LWL-Museum das Bioblitzen mit großem Aufwand fördert, führt bei der Zahl von Beobachteten Arten und Beobachtungen. Die meisten Beobachter hat jedoch der Kreis Kleve: Hier sind die an observation.org bzw. waarneming.nl gewöhnten Holländer am Wochenende unterwegs, und geben reichlich Daten ein. Aber auch Aachen, der Kreis Euskirchen, Bochum, Duisburg und der Ennepe-Ruhr-Kreis liegen vorne mit dabei. Das macht schon richtig Spass, wir wissen ja wer dort aktiv war! Und auch an der Mosel im Kreis Bernkastel-Wittlich tut sich viel, dort sind ein paar Junge Wilde unterwegs, gute FotografInnen und reichlich holländische Touristen.

Bisher wusste ja eigentlich keiner von dieser Sache, 2022 soll dann das Projekt Bioblitz richtig angeschoben werden. Mein Ziel: 1500 Arten im Kreis Mettmann und 200 Beobachter. (2021 bisher 1208Arten, 84 Beobachter).

TOP-25 Liste Bioblitz 2021  
NameFundort(e)DatumZielBeobachtete ArtenBeobachtungenBeobachter
MS Münster (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – MS Münster (Kreisfreie Stadt)2021334437802480
ST Steinfurt (Kreis) 2021BRD – ST Steinfurt (Kreis)2021233812773351
AC Aachen (Kreis) 2021BRD – AC Aachen (Kreis)2021214313251364
DU Duisburg (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – DU Duisburg (Kreisfreie Stadt)20211924793981
BIT Bitburg-Prüm (Landkreis) 2021BRD – BIT Bitburg-Prüm (Landkreis)202117346628304
EN Ennepe-Ruhr Kreis (Kreis) 2021BRD – EN Ennepe-Ruhr Kreis (Kreis)202116751161457
WIL Bernkastel-Wittlich (Landkreis) 2021BRD – WIL Bernkastel-Wittlich (Landkreis)202116264962202
EU Euskirchen (Kreis) 2021BRD – EU Euskirchen (Kreis)2021162211184300
RE Recklinghausen (Kreis) 2021BRD – RE Recklinghausen (Kreis)202114964530133
GAP Garmisch-Partenkirchen (Landkreis) 2021BRD – GAP Garmisch-Partenkirchen (Landkreis)202114915793103
BO Bochum (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – BO Bochum (Kreisfreie Stadt)20211484804267
E Essen (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – E Essen (Kreisfreie Stadt)20211439544774
GÖ Göttingen (Landkreis) 2021BRD – GÖ Göttingen (Landkreis)20211419511053
DAU Vulkaneifel (Landkreis) 2021BRD – DAU Vulkaneifel (Landkreis)202113514365220
SU Rhein-Sieg Kreis (Kreis) 2021BRD – SU Rhein-Sieg Kreis (Kreis)202112664943135
A Augsburg (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – A Augsburg (Kreisfreie Stadt)20211257413517
BOR Borken (Kreis) 2021BRD – BOR Borken (Kreis)202112548080475
KLE Kleve (Kreis) 2021BRD – KLE Kleve (Kreis)202112445599501
ME Mettmann (Kreis) 2021BRD – ME Mettmann (Kreis)20211208526484
DN Düren (Kreis) 2021BRD – DN Düren (Kreis)202111603491137
AC Aachen (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – AC Aachen (Kreisfreie Stadt)202111403714211
COC Cochem-Zell (Landkreis) 2021BRD – COC Cochem-Zell (Landkreis)202111294781200
VIE Viersen (Kreis) 2021BRD – VIE Viersen (Kreis)202110605770248
COE Coesfeld (Kreis) 2021BRD – COE Coesfeld (Kreis)202110253349189
Hochsauerlandkreis 2021BRD – HSK Hochsauerlandkreis (Kreis) 202110001018 (101%)3866224
Quelle: https://observation.org/bioblitz/

Veröffentlicht 11. November 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen

Raupensuche in Blütenständen der Karde   1 comment

Die Vegetation hat seit Anfang März 2021 eine Atempause eingelegt, ein stabiles Hochdruckgebiet mit Kaltlufteinbruch, Ostwind mit Nachtfrost, ein paar Kornelkirschen und Salweiden blühen, und an warmen Stellen wagen sich einzelne Blüten von Kirschpflaumen und Schlehen heraus. Kätzcheneulen fliegen noch spärlich, Lichtfänge mit Mütze und Handschuhen machen keinen rechten Spass. Hier mal eine einfache Übung für die Zeit, bis es draußen so richtig losgeht mit den Nachtfaltern.

In den Blütenköpfen der Karde (Dipsacus fullonum) leben bei uns zwei Wickler-Arten, die relativ leicht zu finden sind: Endothenia gentianeana und E. marginana. Die Falter lassen sich im Feld nicht unterscheiden, bei den Raupen ist das sehr viel einfacher, und der Vorfrühling ist für die Suche eine gute Zeit.

Karden wachsen auf Schuttplätzen und in Ruderalfluren, wer sich die Pflanze in den Garten holt, bekommt einen fantastischen Insektenmagneten, der Bienen, Wespen und Schmetterlinge magisch anzieht. Als Kinder haben wir seinerzeit die trockenen Blütenköpfe gesammelt und mit Goldlack angesprüht, als Weihnachtsdekoration. Heute steht da allerdings eher das entomologische Interesse im Vordergrund.

Hat man sich einmal überwunden die pieksigen trockenen Blütenstände der Karde auseinanderzunehmen, sieht man sofort, ob der Blütenkopf bewohnt oder nicht. Der normalerweise hohle Blütenboden ist dann voller Kotkrümel, die Raupe meist direkt zu erkennen, oder sie sitzt im angrenzenden obersten Stengelabschnitt. Rosafarbene Raupen mit schwarzer Afterplatte sollten zu Endothenia marginana gehören, eher weißliche Raupen ohne Afterplatte zu Endothenia gentianeana.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die Raupen von Endothenia gentianaeana leben nach Literaturangaben übrigens nicht nur in der Karde, sondern auch in Enzian und Wegerich. Am einfachsten zu finden sind sie jedoch in den alten Kardenblüten im zeitigen Frühjahr. Auf Neudeutsch ist das eine relativ leichte Challenge.

Viel Erfolg!

 

Veröffentlicht 21. März 2021 von Armin Dahl in Mikros, Raupen

Das Kleine Gelbe Waisenkind und der Anmutige Haarwald   1 comment

Endlich mal wieder Winter! Der Blick aus dem Arbeitszimmer geht über verschneite Schafweiden, die Köder im Garten sind eingefroren, das Auto mit kaputter Heizung in der Werkstatt. Nach einer saukalten Nacht mit zweistelligen Minustemperaturen (-12°C in meinem Garten in Haan) kann ich mich für den Rest der Woche endlich mal mit dem Schmökern bzw. Surfen beschäftigen. 

Die Kollegen aus den Niederlanden haben im vergangenen Jahr 2020 mal wieder die Latte für faunistische Beteiligung hochgelegt : 450.000 Nachtfaltermeldungen (nur Makros!) von 697 verschiedenen Arten gab es im Nachbarland. Die Vlinderstichting hat das alles in einem kurzen Bericht zusammengestellt, den man hier anschauen  kann. Zum Vergleich: Im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen kamen im Jahr 2020 bisher gut 40.000 gemeldete Einzelbeobachtungen zusammen (inklusive Mikros), und die meisten Daten sind bereits importiert. Die Niederlande haben dabei etwas weniger Einwohner als Nordrhein-Westfalen (17,2 / 17,9 Millionen), und zum Arbeitsgebiet gehören noch der Norden von Rheinland-Pfalz und Teile von Hessen, Niedersachsen und der Norden des Saarlandes. 

Fünf neue Arten Makros gab es in NL zu vermelden, einer davon, der Schneeball-Glasflügler, geht immerhin auf das Konto von Heidelandschafts-Urgestein Armin Radtke. Aber auch eine Reihe weiterer Raritäten wurde vermerkt, so zum Beispiel der vierte Nachweis von Polyphaenis sericata aus Limburg. Unfassbar wenn man das bisher bekannte Verbreitungsgebiet anschaut, ich selbst kenne sericata nur von einer Exkursion ins Loreleygebiet. Zu P. sericata gibt es übrigens auch aus Deutschland Nachweise von 2020 aus Frechen, in Niedersachsen ist die Art 2019 sogar bis in den Raum Hannover vorgestoßen. Bleibt abzuwarten ob die Vorkommen die aktuellen Frostperioden unbeschadet überstehen. 

Zurück zu den Niederlanden: Wer kein holländisch lesen kann, sollte sich den oben erwähnten Text kopieren und bei Google translate einfügen. Hier mal ein von Google übersetzter Abschnitt der mir besonders gefallen hat: 

„Im Herbst wurden drei neue Motten für die Niederlande beobachtet, das kleine gelbe Waisenkind (Catocala nymphagoga), die südliche Eicheneule (Dryobota labecula) und der anmutige Haarwald (Ochropleura leucogaster).“

 

 

Veröffentlicht 9. Februar 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen, im Netz, Klimawandel

Frühling im Anmarsch   1 comment

Nach den milden Nächten der letzten Tage habe ich heute mal eine kleine Runde durch die Tunnels und Unterführungen der Region gedreht. Mit Taschenlampe und Fernglas bewaffnet, um auch in die unzugänglichen Ecken schauen zu können.

Acht Arten und knapp 80 Tiere insgesamt, und jetzt weiß ich auch wo die Federgeistchen den Winter verbringen.

 

Veröffentlicht 4. Februar 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen

Besser spät als nie – die Kleine Pappelglucke   3 comments

Poecilocampa populi, Solingen Ohligs, 14. Dezember 2020, Foto: Kai Kruse

Seit Jahren beneide ich im Spätherbst alle möglichen Menschen um mich herum! Jeder findet sie, nur ich nicht! Ausgerechnet bei mir, wo seit vielen Jahren an der Haustür das Licht brennt, wo ständig geleuchtet wird, ausgerechnet da gibts keine Pappelglucken.

Poecilocampa populi macht offenbar einen Bogen um mein Haus, die Gründe sind nicht so klar, es gibt hier Pappel, Eiche, Obstbäume alle Sorten, Birke etc., alles was so als Nahrungspflanze der populi-Raupe genannt wird.

Aber zum verrecken keine Pappelglucken in den vergangenen 15 Jahren, und zwar  im gesamten Meßtischblatt 4708 Hilden. Die letzten Angaben stammen von STAMM (1981), bei  KINKLER et al. (1974) liest man „Überall, insbesondere in den Mischwäldern des Berglandes“.

Von wegen überall! Überall nur hier nicht! Ich gestehe auch dass ich in den vergangenen Jahren mehrfach versucht habe Raupen von populi aufzuziehen, alles vergeblich, Wiederfunde von den eigenen Vermehrungsversuchen gab es keine. (

Aber man muss auch „jönne könne“: 2020 sind etliche Nachweise in der weiteren Umgebung gelungen, so zum Beispiel in den Wäldern im Norden von Düsseldorf.

Und rund um die Ohligser Heide (in „meinem“ Meßtischblatt) gleich an zwei Stellen. Eine davon hat eine besondere Qualität, ist sie doch über Inaturalist erfolgt, das ist sozusagen die kalifornische Variante von observation. Inaturalist ist ein wirklich starkes Tool, die Community weltweit verteilt, vielleicht werft Ihr ja mal einen Blick hinein. Man kann sich zum Beispiel sehr gut mit den Leuten aus der Umgebung vernetzen, und deren Beobachtungen kommen tagesaktuell per Mail, das ist wirklich gut gemacht.

Zurück zur Pappelglucke: Der zweite neuere Nachweis aus dem MTB 4709 erfolgte ebenfalls am Rand der Ohligser Heide (siehe oben), und beide gehören zu den spätesten die überhaupt jemals aus NRW gemeldet wurden, Datum 14. Dezember 2020.

Offenbar verlängert der Klimawandel auch die Flugzeiten der im Herbst aktiven Arten nach hinten raus, auch aus Wuppertal und Hattingen liegen aktuella Funde vor. Letzterer erfolgte sogar noch einen Tag später, vorläufiger Gewinner der diesjährigen Pappelgluckenrallye ist Armin Jagel, der eine erfolgreiche Runde um die Telefonzellen südlich von Hattingen gedreht hat.

Warum die von den Briten „December Moth“ genannte Art hier bei mir nicht vorkommt, das bleibt erst einmal ungeklärt. Vielleicht liegt es doch daran, dass „viele Tiere durch künstliche Lichtquellen aus ihrem Entwicklungshabitat herausgelockt werden„, wie von EBERT (1994) vor mehr als 25 Jahren beschrieben. Aber wahrscheinlich fehlt mir einfach nur die Geduld!

2020 war ein spannendes und verrücktes Jahr, mit zahlreichen Highlights, was die Falter betrifft. Und was die Datenlage angeht haben wir uns nichts vorzuwerfen, die ist TOP! Allen die hier mitlesen wünsche ich einen entspannten Lockdown und wir sehen uns dann hoffentlich im kommenden Jahr!

 


EBERT, G. (1994) Die Schmetterlinge Baden-Württembergs 4: 14. KINKLER, H., W. SCHMITZ, F. NIPPEL & G. SWOBODA (1974): Die Schmetterlinge des Bergischen Landes, II. Teil: Spinner, Schwärmer etc. unter Einbeziehung der Sammlungen des FUHLROTT-Museums in Wuppertal. – Jber. naturwiss. Ver. Wuppertal, 27: 38-80, Wuppertal STAMM, K. (1981): Prodromus der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens. 229 S., Solingen (Selbstverlag).

Veröffentlicht 16. Dezember 2020 von Armin Dahl in Phänologie, Spinner

Museumsfunde: Sammlungs- und Literaturarbeit nicht vergessen!   Leave a comment

Freilandarbeit ist nicht alles! In den Museen derv Region schlummern noch viele wissenschaftlich interessante Fundstücke. Bei der Aufarbeitung der älteren Literatur kommen wir aber voran.

Der Sommer 2020 ist vorbei, man möchte sagen endlich! Zumindest der Landwirt in mir betrachtet den Klimawandel und alles was damit zusammenhängt mit einiger Besorgnis. Die Heuernte 2020 war wegen des trockenen Frühjahrs besonders mies, der Wasserstand in meinem Hausbrunnen in den vergangenen Jahren 2018-2020 historisch niedrig, die Temperaturen im Haus dafür um so höher. Nach Angaben des Copernikus-Klimawandeldienstes haben wir gerade den wärmsten September seit Beginn der Aufzeichnungen hinter uns, und der Dürremonitor des UFZ färbt sich nur ganz langsam in Richtung blau.

Dürremonitor des UFZ Halle, Stand 20. Oktober 2020. Quelle: https://www.ufz.de/index.php?de=37937

Was die Insektenfauna angeht, sehen wir unfassbare Ausbreitungsbewegungen einzelner Arten: Die Gottesanbeterin wird wohl in den kommenden Jahren das Rheinland erobern, Bausenberg und Siebengebirge sind die nächsten bekannten Fundstellen, in Brandenburg ist die Art schon fast überall, 

In Remscheid ist mittlerweile Pyrgus armoricanus aufgetaucht, der Zweibrütige Puzzlefalter, der seit Jahren seine Verbreitungsgrenze nach Norden verschiebt. Was kommt als nächstes, welche wärmeliebenden Arten kommen noch auf uns zu? Und welche machen den Abgang, weil es ihnen zu heiß wird?

Und ist das überhaupt so, oder war es früher schon mal genauso warm, und es hängt alles nur an der Qualität der Lebensräume? So eine Art wie der Schornsteinfeger, der immer als „Klimaverlierer“ genannt wird, kann ja im Prinzip auch an den Nordhängen und in den Waldrändern fliegen, und muss nicht gleich regional verschwinden. Im Bio-Studium hieß das seinerzeit „Gesetz von Standortkonstanz und Biotopwechsel“ Erfunden hat das übrigends der Hohenheimer Botaniker Heinrich Walter, dessen Hauptwerk „Die Vegetation der Erde” ist Pflichtlektüre für BiostudentInnen mit Freilandambitionen.

Ein Besuch im Museum bringt da immer wieder neue Einsichten. Dort liegen viele Insektenkästen, die noch lange nicht alle aufgearbeitet sind, und es kommen immer wieder neue hinzu. Eigentlich war ich davon ausgegangen dass KINKLER et al. (1975) seinerzeit zum Beispiel die ganzen Eulenfalter aus dem Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD) erfasst hätten. Aber Einbildung ist bekanntlich keine Bildung, und so erlebte ich beim jüngsten Besuch im Museumskeller mal wieder eine Überraschung: Ein Nachweis von Acontia trabealis in Remscheid, der anscheinend der Aufarbeitung bisher entgangen war.

Acontia trabealis, Remscheid, 10.6.1935, gesammelt von Melchior. Landessammlung, Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD)

 

 

Das Ackerwinden-Bunteulchen fehlt heute in Nordwestdeutschland und den Mittelgebirgen, ist aktuell südlich-östlich verbreitet. Der nächste bekannte Fundort liegt in Unkel am Nordende des Mittelrheintales. Anscheinend war die für trocken-warme Äcker und Ruderalfluren typische Art aber früher auch in der eher atlantisch geprägten Zone vereinzelt zu finden.

Das alles wüssten wir nicht, wenn die Entomologen früher nicht so fleißig gesammelt, und die Museen die Sammlungen auch angekauft oder zumindest eingelagert hätten. Dort schlummert noch einiges an Überraschungen, und es gibt reichlich Gelegenheit sich in den Wintermonaten zu betätigen. In Corona-Zeiten ist das vielleicht eine Alternative zu sonstigen Aktivitäten, wer Kontakt aufnehmen und mitarbeiten will, kann sich gerne melden: Einzelne Kästen ausleihen und die Daten aufnehmen kann man prinzipiell auch im Homeoffice.

Das Tierchen aus Remscheid ist übrigens nur eine von vielen Trockenheit und Wärme liebenden Arten, die sich aus der Region zurückgezogen haben. Die Alten Herren nannten als Gründe dafür regelmäßig die „Klimaverschlechterung“, gemeint war damit die Verschlechterung des Kleinklimas, durch das Verbuschen und Verwalden des früher weitgehend kahlen Bergischen Landes.

Wo man das alles nachlesen kann? Die Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal sind komplett eingescannt, die älteren Ausgaben der Melanargia liegt auch komplett vor. Und das Museum in Linz ist gerade dabei, auch ältere Literaturstellen wie die ersten fünf Ausgaben der „Nachrichten der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.“ einzuscannen. diese von 1977 bis 1989 erschienenen Berichte werden dann demnächst in guter Qualität auf zobodat.at zu finden sein, die Datenbank der Linzer Kollegen ist übrigens eine Fundgrube für Literatur!

 

Links:

Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, Scans aller Jahrgänge

KINKLER, H. & SCHMITZ, W., NIPPEL, F. & SWOBODA, G. (1975): Die Schmetterlinge des Bergischen Landes. III. Teil: Die Eulenschmetterlinge (I). Jahrber.Naturwiss.Ver.Wuppertal, 28: 31-74, Wuppertal

ZOBODAT (Zoologisch-Botanische Datenbank, ehemals ZOODAT.  Die Datenbank beinhaltet Daten zur Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten, Biografien von naturkundlich forschenden Personen und digitalisierte Literatur sowie diverse unterstützende digitale Bibliotheken. 

 

Veröffentlicht 4. November 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Klimawandel, Lebensräume, Literatur

Die Dahlsche Heide kommt – aber langsam   Leave a comment

Vor knapp drei Jahren, im Oktober 2017, habe ich mir von der Biostation Solingen einen Hänger voll mit Heidekraut-Placken besorgt, und die auf meine Schafweide gepackt, in Form von zwei kleinen Heidestreifen. Dazu kamen zwei Feldchen mit Sandmagerrasen-Saatgut. Alles für die Katz – oder doch nicht?

Mein Haus und das Grundstück drumherum liegen auf der Bergischen Heideterrasse, der Untergrund besteht aus sehr feinem Sand mit ein wenig Kies, und meine Schafe magern den Boden seit ca. 20 Jahren aus. Sollte man meinen, dort könnte man ohne Probleme einen Sandmagerrasen und ein paar Fleckchen Heidevegetation entwickeln. 

Also hatte ich mir zusätzlich noch zwei Flächen mit Sand-Magerrasen-Mischung von Rieger-Hofmann angesät, das Saatgut war seinerzeit nicht ganz billig, aber es gibt teurere Hobbys als das Anlegen von Wiesen. Dann kam der Frühling und Sommer 2018, und von meinem schönen Heidekraut blieb kein Hälmchen übrig. Im Winter hatte es ein paarmal bei trockenem Wetter knackig gefroren, ab April bis spät in den August herrschte dann außergewöhnliche Dürre.

Das Heidekraut war der Sache nicht gewachsen, die Ansaat ebensowenig. Bis auf ein paar Natternkopf-Pflanzen war im Herbst praktisch nichts mehr zu sehen, außer zwei flachen Gräben und zweihundert Quadratmetern mit fast kahlem Boden. Rausgeschmissenene Zeit und Geld!

Der Sommer 2019 folgte, das war der Hitzesommer, da sah die Schafweide schon im Juni aus wie die ungarische Steppe. Die als Schnellbegrüner im Saatgut eingemischte Bromus-Art stand in wenigen Halmen etwas vreloren herum, von Magerrasen keine Spur. Nur eine einzelne Heidenelke zeigte sich im Spätsommer, mal ganz abgesehen davon daß die Schafe das ganze vorhandene Grünzeug seeeehr gründlich abgeräumt hatten: Hinterm Elektrozaun schmeckts doch immer erheblich besser als davor, und die Schafe wissen eigentlich immer ob ich sie gerade beobachte oder zwei Tage weggefahren bin.  Experiment gescheitert, Mühe umsonst!

Gewöhnlicher Thymian (Thymus pulegioides). und Heidenelke (Dianthus deltoides). Haan, Spörkelnbruch, 21. Juli 2020 (Foto: Armin Dahl)

Dann schoben sich im Herbst 2019 ein paar unscheinbar kleine blaue Kügelchen im Heidestreifen nach oben, und siehe da: Das Berg-Sandglöckchen Jasione montana hatte alle Strapazen überlebt, und blühte ein paar Tage. Kurz danach waren die Schafe doch wieder über den Zaun gesprungen und alles so blank wie zuvor. Mistviecher! Der Metzger hole Euch!

Die Schafe verbrachten den Rest des Jahres und das Frühjahr 2020 auf anderen Flächen, und siehe da: nicht alles war umsonst. Plötzlich steht die Heidenelke mit zahlreichen Pflanzen in Blüte, und der Sand-Thymian hat sich auch entschlossen ein paar kleine rosafarbene Polsterchen auszubilden. Und die Sandglöckchen, wohlgemerkt autochthon aus der Ohligser Heide und unbemerkt mit den Heideplacken eingebracht, färben schon ein paar Quadratmeter blau.

Jasione montana

Jasione montana, Berg-Sandglöckchen. Haan, Spörkelnbruch, 21. Juli 2020 (Foto: Armin Dahl)

Jetzt können sie also kommen, die typpischen Heidebewohner unter den Schmetterlingen! Einzelne Vorposten gab es ja schon im Super-Sommer 2018, zum Beispiel die seltene Eule Eugnorisma glareosa. Und auch die Sache mit dem Heidekraut werde ich noch mal angehen. Merke: Grau ist alle Theorie, die Wiederentwicklung der typische Lebensräume der Bergischen Heideterrasse erfordert in meinem Fall vor allem – Geduld.

Link: Magerrasen-Mischung von Rieger-Hofmann.

Achtung, Regionalsaatgut!

Die Verantwortung für die Ausbringung von Saatgut liegt seit März 2020 beim Anwender. Enthält eine Mischung für die freie Landschaft Arten, die nicht aus dem Vorkommensgebiet stammen (z.B. aus benachbarten Ursprungsgebieten) ist dafür nach §40 BNatschG eine Ausnahmegenehmigung bei den Naturschutzbehörden einzuholen!

 

Veröffentlicht 23. Juli 2020 von Armin Dahl in Ökologie, Lebensräume, Pflege

Flower power in the city: Mehr Insekten, weniger Kosten   Leave a comment

So kann’s gehen: Blühstreifen statt exotischer Gehölze. Quelle: journals.plos.org)

In städtischen Gebieten ist die Schaffung einheimischer Wildblumenwiesen eine Option, um Insekten zu fördern und die Unterhaltungskosten für städtische Grünflächen zu senken. Eine neue Studie der TU Darmstadt zeigt die Auswirkungen der Umwandlung von Pflanzungen am Straßenrand – von exotischen Sträuchern in Wildblumenwiesen.

Die Autoren der Studie untersuchten die Häufigkeit von 13 Arthropodentaxa – u.a. Spinnen,  Heuschrecken, Bienen und Ameisen, Zikaden, Käfer sowie die Änderung der Unterhaltungskosten. Untersuchungsgebiet war Riedstadt im Kreis Groß-Gerau im südlichen Rhein-Main-Gebiet, eine Kleinstadt mit knapp 24.000 Einwohnern

In der Untersuchung wurde der Einfluss des Vegetationstyps (Wiese / Gehölze), des Alters der Wiese, der Größe, des Standorts (Entfernung zur Stadtgrenze) und des Mähregimes bewertet. Untersucht wurde mittels Bodenfallen und Saugproben. Die Anzahl der Arthropoden auf Wiesen war in Bodenfallen um 212% und in Saugproben um 260% höher als in den Gehölzflächen. Die erhöhte Anzahl von Arthropoden auf Wiesen war für die meisten Taxa unabhängig von der Größe und Isolation der Grünflächen. Das Mähregime wirkte sich jedoch stark auf mehrere Insektengruppen aus, wobei die Arthropodendichte im Vergleich von ungemähten zu gemähten Wiesenflecken um 63% zunahmen. Die Kosten für die Pflege von Grünflächen waren auf Wiesen fünfmal niedriger als auf Vergleichsflächen.

Die komplette Studie:
Mody K, Lerch D, Müller A-K, Simons NK, Blüthgen N, Harnisch M (2020) Flower power in the city: Replacing roadside shrubs by wildflower meadows increases insect numbers and reduces maintenance costs. PLoS ONE 15(6): e0234327. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0234327

Eine niederländische Zusammenfassung findet sich im Newsletter „Nature today“ vom 13. Juli 2020

Veröffentlicht 13. Juli 2020 von Armin Dahl in Ökologie, Insektensterben, Lebensräume, mehr Lepis

Wiederfund nach langen Jahren – Nola aerugula   Leave a comment

Manchmal muss man einfach Geduld haben. Im Falle von Nola aerugula sogar ziemlich viel Geduld. Der letzte Nachweis im Gebiet der Bergischen Heideterrasse stammt von 1948, erbracht von Karl Stamm. Eigentlich erstaunlich bei einem Tier, das den Deutschen Namen Birkenmoor-Kleinbärchen trägt. An diesem Lebensraumtyp herrscht hier herum eigentlich kein Mangel.

Aber vielleicht haben wir das kleine Ding auch einfach schon mal bei den vielen Lichtfängen in der Hildener und Ohligser Heide übersehen. Nola aerugula kann man relativ leicht mit einer der vielen Zünslerarten verwechseln.

Nola aerugula (HÜBNER, 1793) – Birkenmoor-Kleinbärchen, Haan, 9. Juli 2020 (Foto: Armin Dahl)

Wie auch immer, die Art ist auch nach 72 Jahren ohne Nachweise noch da, und saß gestern Nacht an meiner Haustürlampe.


Literatur
STAMM, K. (1981): Prodromus der Lepidopteren-Fauna der Rheinlande und Westfalens. 229 Seiten, Solingen

Veröffentlicht 10. Juli 2020 von Armin Dahl in Heideterrasse, Spinner

Kamillenmönch unterwegs   3 comments

Cucullia chamomillae – Kamillenmönch, Gilsdorf, Juni 2020 (Foto: Ralf Dahlheuser)

Cucullia chamomillae – Kamillenmönch, Gilsdorf, Juni 2020 (Foto: Ralf Dahlheuser)

Aktuell haben wir das dritte Frühjahr hintereinander mit hohen Temperaturen und geringen Niederschlägen, auch sind an vielen Stellen Ackerrandstreifen angelegt worden.

In der Folge scheinen mir die typischen Ruderalflur- und Steppenbewohner unter der einheimischen Fauna doch etwas im Vorteil zu sein.

So sind an verschiedenen Stellen in Nordrhein-Westfalen aktuell die Raupen von Cucullia chamomillae gefunden worden, zum Beispiel in Remscheid-Grund, Fröndenberg an der Ruhr, [Nachtrag: Nümbrecht] und auch in Gilsdorf, einem Stadtteil von Bad Münstereifel in der Eifel.

Die auffälligen Raupen sitzen gut sichtbar auf ihren namensgebenden Nahrungspflanzen, können sehr bunt sein oder auch fast weiß.

Die letzten Nachweise in unseren Daten liegen schon viele Jahre zurück, weitere Meldungen wären toll!


Nachtrag 1. Juli 2020:
Wer suchet, der findet:  ist ein Video von einer frisch gehäuteten Raupe zu sehen, aufgenommen in Haan-Gruiten, 1. Juli 2020

Veröffentlicht 24. Juni 2020 von Armin Dahl in Eulenfalter, Klimawandel, Raupen

Mullay TV – die Mosel geht insta!   Leave a comment

Scrreenshot vom Mullay-Hofberg, 14. Mai 2020, mit Rotem Scheckenfalter. © Jannis Melsheimer

Ein Marienkäfer krabbelt herum, eine Schwebfliege, dann eine Rote Mordwanze, eine fette Schnake. Darauf weitet sich der Blick, man sieht einen extrem steilen Weinbergshang, unten die Mosel. Man hört den Schienenbus der Moselweinbahn rattern, im Vordergrund flattert ein Schmetterling auf einer Margerite.

Und zwar nicht irgendein Schmetterling: Der Rote Scheckenfalter Meliaea didyma, eines der Highlights der Moselfauna. Mullay TV, Folge 1, vom 14 Mai 2020, gedreht von Jannis Melsheimer, spielt in dem Weinberg, in dem wir 2014  die unvergessenen „Weinschwärmer“-Exkursion durchgezogen haben. Die 160 Groß- und Kleinschmetterlingsarten von damals stecken mir heute noch in den Knochen, geleuchtet wurde bis zum hellwerden, am Ende war auch der Kaiserbär Epatolmis luctifera auf der Liste.

Auf über 12 Hektar Fläche machen die Melsheimers dort ihren Öko-Wein, nach Demeter-Vorgaben, gespritzt wird so wenig wie möglich. Und nicht nur der Melsheimer-Riesling ist toll, auch die Fauna drumherum. Ich hoffe ihr könnt das hier sehen, Instagram-Videos habe ich noch nie eingebettet. Zur Not müsst ihr eure Kinder fragen, falls vorhanden.

View this post on Instagram

Mullay Tv Episode 01 🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 This is the first edition of Mullay TV ©. Not only ordinary insects like the ladybug and the long hoverfly call Mullay their home but also other beautiful living organisms. We are extremely proud to share this mountain with them. The highlight of our first episode is the red fritillary which was spotted during the work in our vineyard “Langeberg". ——————————————————————— Mullay TV Folge 01 🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 Dies ist die erste Ausgabe von Mullay TV ©. Neben gewöhnlicheren Insekten wie dem Marienkäfer und der Langbauchschwebfliege finden auf Mullay die schönsten Lebewesen eine Heimat. Wir sind überaus stolz diesen Berg mit ihnen teilen zu dürfen. Das Highlight der ersten Folge sind die Roten Scheckenfalter, entdeckt beim zweiten Spritzgang diesen Jahres im Langeberg. ————————————————————————🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 In cooperation with @jannis_melsheimer @paulamelsheimer @rieslingmax @frederikluca @lohnmaeher @h_a_n__n_a_h @thorsten_melsheimer @simon_ghaznawi @mottenfluesterer / www.heidelandschaft.de/ Thank you for keeping mullay alive #moselteiltnatur #mullay #insect #demeter #mosel #melsheimer #moselwine #ecovin #mullayhofberg #organicwinesforfuture #biowein #bioweinbau #ecovinbiowein #liebezumweinberg #biodynamicwine #biohoefe #weingutmelsheimer #bioriesling #naturalwine

A post shared by Weingut Melsheimer (@weingut_melsheimer) on

Veröffentlicht 27. Mai 2020 von Armin Dahl in Ökologie, Mosel, Tagfalter

%d Bloggern gefällt das: