Autor-Archiv

Mullay TV – die Mosel geht insta!   Leave a comment

Scrreenshot vom Mullay-Hofberg, 14. Mai 2020, mit Rotem Scheckenfalter. © Jannis Melsheimer

Ein Marienkäfer krabbelt herum, eine Schwebfliege, dann eine Rote Mordwanze, eine fette Schnake. Darauf weitet sich der Blick, man sieht einen extrem steilen Weinbergshang, unten die Mosel. Man hört den Schienenbus der Moselweinbahn rattern, im Vordergrund flattert ein Schmetterling auf einer Margerite.

Und zwar nicht irgendein Schmetterling: Der Rote Scheckenfalter Meliaea didyma, eines der Highlights der Moselfauna. Mullay TV, Folge 1, vom 14 Mai 2020, gedreht von Jannis Melsheimer, spielt in dem Weinberg, in dem wir 2014  die unvergessenen „Weinschwärmer“-Exkursion durchgezogen haben. Die 160 Groß- und Kleinschmetterlingsarten von damals stecken mir heute noch in den Knochen, geleuchtet wurde bis zum hellwerden, am Ende war auch der Kaiserbär Epatolmis luctifera auf der Liste.

Auf über 12 Hektar Fläche machen die Melsheimers dort ihren Öko-Wein, nach Demeter-Vorgaben, gespritzt wird so wenig wie möglich. Und nicht nur der Melsheimer-Riesling ist toll, auch die Fauna drumherum. Ich hoffe ihr könnt das hier sehen, Instagram-Videos habe ich noch nie eingebettet. Zur Not müsst ihr eure Kinder fragen, falls vorhanden.

View this post on Instagram

Mullay Tv Episode 01 🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 This is the first edition of Mullay TV ©. Not only ordinary insects like the ladybug and the long hoverfly call Mullay their home but also other beautiful living organisms. We are extremely proud to share this mountain with them. The highlight of our first episode is the red fritillary which was spotted during the work in our vineyard “Langeberg". ——————————————————————— Mullay TV Folge 01 🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 Dies ist die erste Ausgabe von Mullay TV ©. Neben gewöhnlicheren Insekten wie dem Marienkäfer und der Langbauchschwebfliege finden auf Mullay die schönsten Lebewesen eine Heimat. Wir sind überaus stolz diesen Berg mit ihnen teilen zu dürfen. Das Highlight der ersten Folge sind die Roten Scheckenfalter, entdeckt beim zweiten Spritzgang diesen Jahres im Langeberg. ————————————————————————🐞🦟🐛🕷🐝🦗🐌🐜 In cooperation with @jannis_melsheimer @paulamelsheimer @rieslingmax @frederikluca @lohnmaeher @h_a_n__n_a_h @thorsten_melsheimer @simon_ghaznawi @mottenfluesterer / www.heidelandschaft.de/ Thank you for keeping mullay alive #moselteiltnatur #mullay #insect #demeter #mosel #melsheimer #moselwine #ecovin #mullayhofberg #organicwinesforfuture #biowein #bioweinbau #ecovinbiowein #liebezumweinberg #biodynamicwine #biohoefe #weingutmelsheimer #bioriesling #naturalwine

A post shared by Weingut Melsheimer (@weingut_melsheimer) on

Veröffentlicht 27. Mai 2020 von Armin Dahl in Ökologie, Tagfalter

Die Mikros machen den Unterschied   Leave a comment

Ein Abend nach dem Ende der April-Dürre 2020, nach den ersten Schauern, dazu in einem schönen ehemaligen Kalksteinbruch, halbwegs warm, mit reichlich Licht. Und dann das: Praktisch Null Anflug! Nach einer Stunde Lichtfang magere fünf Arten auf dem Zettel, beziehungsweise im Kopf, einen Zettel braucht man dafür nicht.
Auch nach 15 Jahren Lichtfang erlebe ich immer wieder negative Überraschungen, was die Erwartungen zu den Falterzahlen bei bestimmten Wetterlagen angeht. Liegts am Mond, am Niederschlag, am Luftdruck, was auch immer: An manchen Tagen steht man sich einfach die Beine in den Bauch, und an den Lampen tut sich praktisch nichts!

Nach drei Stunden ging der Anflug wenigstens ein bisschen los, am Ende waren es dann immerhin über 25 Arten, inklusive Kleinschmetterklinge versteht sich. Ein Skandal bei vier Leuchttürmen plus Lichtfalle. Bei den Mikros lohnt es sich allerdings immer mal wieder, genau hinzuschauen: Von der kleinen, goldglänzenden Faulholzmotte Crassa tinctella gab es aus dem Niederbergischen bisher keinen Nachweis. Im Unterschied zur ähnlichen, aber später fliegenden Crassa unitella sitzt die C. tinctella mit dem Abdomen nach unten, Kopf und Thorax sind gleichfarbig goldgelb (unitella: Kopf orange).

Crassa tinctella: Haan, Grube 10, 28. April 2020 (Foto: Armin Dahl)

Alle Beobachtungen aus der Grube 10 vom gestrigen Abend findet ihr unter https://observation.org/gebied/view/259533

Veröffentlicht 29. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Mikros

Beifänge in der Pheromonfalle   Leave a comment

Aktuell fliegen schon die ersten Glasflügler, denen wir wie jedes Jahr mit Pheromonpräparaten nachstellen. Der angestrebte Kleine Birken-Glasflügler – Synanthedon culiciformis ist mir hier rund um meinen Wohnort noch nie in die Falle gegangen. Dafür sind immer wieder Echte Motten drin, wie heute die Kornmotte Nemapogon granella.  (Hoffen wirs mal dass sie es auch ist, die app ObsIdentify schlägt Kornmotte Nemapogon granella mit 100.0% Wahrscheinlichkeit vor )

Die Kornmotte frisst als Raupe anscheinend Baumpilze, aber auch Haare und Federn in Vogelnestern, und wie der Name sagt Getreidekörner.

Veröffentlicht 26. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen

Neuigkeiten aus der Ohligser Heide   2 comments

Der April 2020 wird wahrscheinlich in die Geschichte eingehen als Monat mit sehr vielen außergewöhnlichen Beobachtungen

Sei es aufgrund des fantastischen Frühsommer-Wetters oder wegen der hohen Beobachter-Aktivität, bedingt durch die Corona-Pandemie, die die Leute in die Wälder oder in ihre eigenen Gärten treibt.

Gerade mal vier Kilometer Luftlinie  trennen meinen Garten vom gestrigen Leuchtplatz in der Ohligser Heide, und man sollte meinen, dass wir die Umgebung in den vergangenen 15 Jahren ausreichend beackert haben. Aber immer wieder wird man von Neufunden überrascht, das ist ja ein Teil des Spaßes bei der Beschäftigung mit den Schmetterlingen und Motten. Die „Großen Brocken“ wie Nagelfleck und Nachtpfauenauge sind immer ein Ereignis. Besonders schön ist es aber, wenn man lebensraumtypische (Heide-)Arten findet, die seit langem nicht mehr beobachtet wurden. Im speziellen Fall mal wieder ein Mikro, Ancylis uncella, zuletzt von Biesenbaum 1969 aus der Region gemeldet.

Hier ein paar Falter vom gestrigen Abend, die Handyfotos sind von mäßiger Qualität, aber die Kamera lag leider zu Hause…

 

 

Veröffentlicht 17. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Lebensräume, Mikros, Spinner

Social distancing im Eichenwald   Leave a comment

Die Forschung zu den einheimischen Schmetterlingen erfährt in Zeiten von Coronaviren einen Schub. Hier noch mal fürs Protokoll: Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet. Auf einmal haben alle Zeit, im Homeoffice mal schnell durch den Garten zu gehen und die ersten Tagfalter aufzuschreiben. Manch einer hat seinen Betrieb gleich ganz geschlossen oder ist in Kurzarbeit, und ist ganz froh um ein bisschen frische Luft. Man entflieht der verordneten Kontaktsperre in den nächstbesten Wald, und geht seinem Hobby nach.

Im Nachbarland Niederlande treibt das Ganze schon etwas seltsame Blüten, wenn ich das richtig verstanden habe sind dort so viele „Twitcher“ (zu Deutsch Abhaker) unterwegs dass auf waarneming.nl alle Beobachtungen von Seltenheiten momentan nicht mehr dargestellt werden. Auf Anweisung der Regierung („Overheid“), sagt mir das Übersetzungstool, näheres findet ihr hier. Wahrscheinlich stehen auf den Deichen des Nachbarlandes die Vogelgucker so dicht auf der Pirsch nach seltenen Vogelarten, dass es gefährlich wird. Das sind Luxusprobleme die wir gerne hätten!

Unsereiner steht nachts – ungewohnt mitten in der Woche- mit der Lichtfanganlage im Wald, abgesehen vom Kollegen weit und breit kein Mensch. Die Leuchttürme stehen im Karree mit 50m Abstand, Händeschütteln zur Begrüßung fällt ausnahmsweise aus, Abstand auf Armeslänge, das muss reichen, um sich nicht gegenseitig anzustecken. Die Eichen-Purpurmotten halten sich an keine Regeln, mehrere hundert drängeln sich an den Lampen. Der Vollmond scheint, der Kollege ist im T-Shirt unterwegs. Und wir freuen uns gemeinsam über die warme Nacht nach dem eiskalten Monatsanfang April 2020, in Zeiten von Corona!

Hier ein paar Bilder vom gestrigen Abend, 6. April 2020. 20 Makro-Arten und ein paar unbekannte Mikros, nicht schlecht für die Jahreszeit! Lasst Euch nicht unterkriegen vom Coronafrust, und bleibt gesund!

 

 

Veröffentlicht 7. April 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, mehr Lepis

Hurra! wir leben noch   5 comments


„Wie stark ist der Mensch? Wie stark?
In der Not hilft weder Zorn, noch lamentieren.
Wer aus lauter Wut verzagt und nichts mehr tut,
Der wird verlieren.“

Wenn Tim Laußmann in diesem Blog anfängt, den Papst zu zitieren, dann wirds richtig ernst! Da  möchte ich nicht zurückstehen und empfehle Euch heute die italienische Sängerin Milva, Jahrgang 1939, die  – mal abgesehen von dem eingebetteten Video – seinerzeit mit Mikis Theodorakis und Astor Piazolla  auch wirklich gute Musik gemacht hat.

Wer nichts mehr tut, der wird verlieren: Unter dieses Motto kann man vielleicht die kommenden Wochen stellen, in denen alle Veranstaltungen und Exkursionen wegen der Corona-Epidemie abgesagt sind, und viele von Euch zu Hause sitzen. Die Decke fällt einem auf den Kopf, und draußen ist es auch noch eisekalt, die Schönwetterperiode im März 2020 hat erst mal ein Ende gefunden. Jetzt kommt die politisch völlig unkorrekte, aber auch vom Deutschen Wetterdienst verwendete „Russenpeitsche“ mit arktischer Kaltluft. Zeit also die vielen Bilder zu sortieren, nachzubestimmen, oder sich im Internet ein wenig umzusehen.

Zum Beispiel im Portal observation.org, das mittlerweile für alle Bundesländer eigene Unterseiten hat. So finden sich zum Beispiel in nrw.observation.org über 44.000 Tagfalterbeobachtungen aus Nordrhein-Westfalen. Darunter sind alleine im Frühjahr 2020 über 70! Beobachtungen vom Großen Fuchs, der damit zwischen Emsland und Eifel deutlich häufiger beobachtet wurde als der Kleine Fuchs (13 Beobachtungen).

Woran das liegt kann vorerst niemand sicher erklären, C-Falter, Waldbrettspiel, Landkärtchen hatten alle schon mal schlechte Zeiten mit wenigen Nachweisen, das Kleine Wiesenvögelchen und der Mauerfuchs scheinen sich in der Region gaaanz langsam zu erholen. Der Große Fuchs war jahrzehntelang verschwunden und ist heute wieder zurück, den Scheckenfaltern wie Melitaea cinxia ist das bisher nicht gelungen. Die Vorkommen vom Kleinen Fuchs machen in den vergangenen Jahren starke Häufigkeitsschwankungen durch, jedenfalls in unserer Region. In der Eifel kann das Ganze schon wieder völlig anders aussehen, dort ist der Kleine Fuchs nach meiner Einschätzung stetiger und häufiger – die langfristigen Bestandsschwankungen vieler Tagfalterarten bleiben ein Mysterium.

Zum Abschluss aber noch ein Bild aus Wuppertal, von der Gleisbrache in Vohwinkel, wo vor 16 (!) Jahren am 17. April ein Weibchen von Saturnia pavonia ans Licht kam.. Ziemlich genau drei phänologische Wiochen früher, am 28. März 2020, saß dort wiederum ein Männnchen des Kleinen Nachtpfauenauges in der Pheromonfalle von Armin Radtke.

Veröffentlicht 29. März 2020 von Armin Dahl in Mikros, Phänologie, Spinner, Tagfalter

Wintersport: Minensuche am Feuerdorn   2 comments


Ein bisschen aus der Mode gekommen ist er, der Mittelmeer-Feuerdorn (Pyracantha coccinea). Zu meinen Kinderzeiten stand in jedem Vorgarten so ein Busch, bei uns zu Hause direkt neben dem Futterhäusschen für die Vögel. Und wenn die Amseln im Winter nichts mehr zu fressen hatten, dann kam der Tag an dem sie zuerst die Beeren am Ilex und danach die am Feuerdorn plünderten, dessen dekorative, erbsengroße orange Früchte als Notvorrat dienten.  Bei uns Kindern war der Feuerdorn nicht so beliebt: Wer da beim Spielen hineinfiel hatte länger etwas davon, der Busch trägt wie etliche andere Rosengewächse eine tückische Bewaffnung aus Sprossdornen, ähnlich wie Weißdorn und Schlehen.

In der Haaner Innenstadt stehen an ein paar Stellen noch Feuerdorne, meist neben Parkplätzen, wahrscheinlich als Sichtschutz und damit die Menschen nicht durch die Hecke laufen, siehe oben. Einer der Büsche direkt an der Hauptstraße war heute das Ziel meiner Suche, die ganze 10 Sekunden dauerte. Schon beim ersten Hingucken sprangen sie mir ins Auge, die pergamentartigen Minen auf der Blattoberseite der Blätter, und in drei Minuten hatte ich ca. 20 Stück davon in einem einzigen Busch entdeckt: Phyllonorycter leucographella, die Feuerdorn-Faltenminiermotte, ist hier herum offenbar ziemlich häufig.

Und wie bei Blattminierern so üblich, sind die Kenntnisse über die Verbreitung in Deutschland rudimentär, kaum jemand beschäftigt sich mit diesen Winzlingen, was es zu ändern gilt. Die Minen von P. leucographella finden sich im Winter am (immergrünen!) Feuerdorn, im Sommer auch an anderen  Rosengewächsen. Die Raupe lebt zwischen Blattober- und Unterseite, späte Stadien tragen auffallende dunkle Schilder auf der Rückseite. Die Mine befindet sich auf der Blattoberseite und ist von unten kaum zu erkennen.
Mit 7-8 Millimetern Spannweite ist der Falter etwa so dick wie eine Stecknadel, winzig aber wunderschön rehbraun mit weißen Streifen gezeichnet (griechisch Λευκός leucos = weiß, γραφή graphe = Schrift).

Die Art bildet offenbar zwei Generationen aus und eine ausgedehnte Flugzeit. Der Typenfundort liegt in Montenegro, der Erstnachweis für Deutschland erfolgte 1983, die Art hat sich hier wohl mit dem Zierpflanzenbau ausgebreitet. Ich wünsche viel Spaß bei der Suche!

Veröffentlicht 17. Januar 2020 von Armin Dahl in Blattminierer, Mikros

%d Bloggern gefällt das: