Archiv für die Kategorie ‘andere Insekten

Nachtexkursion zur Naturschule Grund in Remscheid am 14. September 2018   2 comments

Mindestens einmal im Jahr treffen wir uns zum gemeinsamen „Leuchtabend“ an der Naturschule Grund.

Die alte Schule im Ortsteil Grund beherbergt die Umweltbildungsstation der Stadt Remscheid. Hier wird Wert auf Artenvielfalt gelegt: Das weitläufige Gelände bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. So ist der angelegte Apothekengarten absolut sehenswert. Hier findet man Wildpflanzen genauso wie bekannte und in Vergessenheit geratene Nutz- und Zierpflanzen.

Diese Vielfalt macht sich natürlich auch bei den Schmetterlingen bemerkbar: Die meisten Arten sind als Raupe auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen: Je mehr Pflanzenarten desto mehr Schmetterlingsarten. So zeigten sich am 14. September 2018 bei kühlen 15-18 Grad und leicht bedecktem Himmel über 40 Groß-und Kleinschmetterlingsarten an den „Köderschnüren“ und „Leuchttürmen“. Eine Zahl, die für die Jahreszeit, die Region und die eher kühle Ortslage in Remscheid bemerkenswert ist. Dem pädagogischen Leiter der Naturschule Grund, Jörg Liesendahl, gilt wie immer unser besonderer Dank!

Hier einige Bilder des Abends (Bitte anklicken!).

<< ———– Nachtrag von Armin —————->>

Und hier die ganze Artenliste

Micros

Tischeria ekebladella Mine 10 – an Eiche
Macrosaccus robiniella Mine 3 – an Robinie
Carcina quercana 10
Acleris rhombana 1
Acleris variegana 1
Hypsopygia costalis 1
Oncocera semirubella 2 – steht auf der Roten Liste Bergisches Land mit „1“ – vom Aussterben bedroht!
Crambus perlella 1
Cydalima perspectalis 2 – andlich auch in Remscheid angekommen!

Großschmetterlinge

Watsonalla binaria 2
Watsonalla cultraria 2
Drymonia obliterata 1 – zweite Generation!
Phragmatobia fuliginosa 1 -frischer Falter, dritte Generation?
Opisthograptis luteolata 3
Peribatodes rhomboidaria 3
Campaea margaritaria 2
Pungeleria capreolaria 1
Idaea aversata 5
Epirrhoe alternata 1
Camptogramma bilineata 1
Chloroclysta siterata 1
Dysstroma truncata 1
Thera britannica 3
Colostygia pectinataria 3
Gymnoscelis rufifasciata 1
Laspeyria flexula 5
Hypena proboscidalis 4
Rivula sericealis 3
Amphipyra pyramidea 7
Phlogophora meticulosa 1
Xanthia togata 1
Tiliacea aurago 1
Sunira circellaris 1
Agrochola litura 3
Conistra vaccinii 7
Ochropleura plecta 1
Noctua pronuba 8
Noctua comes 2
Noctua fimbriata 1
Noctua janthina 1
Xestia xanthographa 4

Oncocera semirubella: Die schwarzen Kästchen zeigen die aktuellen Nachweise seit 2001, das rote Kästchen markiert denMTB-Quadranten 4709,3 in dem Remscheid-Grund liegt.

„Bestes“ Ergebnis des Abends ist mit Sicherheit der Fund von Oncocera semirubella auf dem ehemaligen Sportplatz neben der Naturschule Grund. Der Falter hat sich in den letzten Jahren aus dem Tiefland bis ins kühle, regenreiche Remscheid vorgearbeitet und besiedelt jetzt offenbar auch das Bergische Land. Auf der Roten Liste Bergisches Land (SCHUMACHER et al. 2010) steht der Falter noch in Kategorie „1“ – vom Aussterben bedroht!

 

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Veröffentlicht 15. September 2018 von Tim Laußmann in andere Insekten, Eulenfalter, Mikros

Geplantes Insektensterben: Eintagsfliege Ephoron virgo   Leave a comment

Im Supersommer 2018 brennt die Leuchtanlage in meinem Garten praktisch jede Nacht. Das bedeutet aber auch jede Nacht mindestens einmal aufstehen, um vor der Morgendämmerung die angeflogenen Tiere aufzuschreiben und das Licht ausmachen. Ansonsten bedienen sich am frühen Morgen die Vögel.

Die haben aber heute einiges aufzuräumen: Heute war die große Flugshow der Weibchen von Ephoron virgo – der deutsche Name Uferaas ist mir heute zum ersten Mal klar geworden. Mein Garten ist bedeckt mit Tieren, die nach dem Schlupf vom Rhein hier heraus geflogen sind, auf der – vergeblichen – Suche nach neuen Laichgewässern. 04.00 Uhr, ich leg mich jetzt noch für zwei Stunden hin.

140 Gramm Insekten: Ausbeute von zwei ausgeschüttelten Leuchttüchern, ingesamt etwa 4qm Fläche

 

 

Hier das Video dazu,

Und hier mal noch eine Überschlagsrechnung, Grundannahme ist dass die Tiere sich gleichmäßig über die Fläche des Kreises Mettmann verteilen (mein Garten liegt etwa 10 Kilometer Luftlinie vom Rhein entfernt und damit ziemlich mittendrin)
Gesetzt den Fall, meine Lampe hat einen Anlock-Wirkungskreis von 50 Metern im Durchmesser, das sind 1963,4 (gerundet 2000) Quadratmeter. Auf der Fläche sind mindestens 200 Gramm Frischmasse an Eintagsfliegen herabgeregnet, macht ein Kilogramm pro Hektar, 100 Kilogramm pro Quadratkilometer, summa summarum alleine im Kreis Mettmann (400 Quadratkilometer Größe) vierzig Tonnen Eintagsfliegen. Konservativ geschätzt, in einer Nacht.

 

Veröffentlicht 23. Juli 2018 von Armin Dahl in andere Insekten

Herbst in der Hannepützheide   Leave a comment

Neue Gebiete zu erkunden macht Spaß, und schon gar wenn sie in geringer Entfernung liegen und so erschlossen sind dass man problemlos arbeiten kann. Ein solches Gebiet hatte ich mir fürs letzte Septemberwochenende vorgeknöpft: Die Hannepützheide (Zonser Heide) auf der linken Rheinseite bei Dormagen-Zons.
Das Gebiet ist eine – wie solls auch anders sein – bewaldete Flugsanddüne mit ein paar kleinen Heiderelikten, um die sich die Biostation in Knechtsteden kümmert.

Erster Eindruck: Ein ca. 2,5 Hektar kleiner, scharf beweideter Heidestreifen, dahinter Kiefernwald, ordentlich Rohbodenstellen auf Sanduntergrund, ganz spannend. Weniger schön die massenhaft fruchtenden Spätblühenden Traubenkirschen (Prunus serotina), die so ein wenig nach der Motorsäge schreien: Die in Holland als „Bospest“ („Waldpest“) bezeichnete Pflanze wurde bis in die 50er Jahre als Unterwuchs in Nadelwäldern eingebracht, zur Bodenverbesserung. Heute wird man sie nicht mehr los, vor allem auf den verbliebenen Offenland- und Heidestandorten, in der Region zum Beispiel in der Delbrücker oder auch der Wahner Heide.

Schnell die Köder aufgehängt, das Aggregat angeworfen und erst mal die Stirn abgewischt: Es ist um 20.00 Uhr noch 24°C warm, eine Warmfront fegt über Deutschland, angetrieben vom Sturmtief „Wolfgang“. Dahinter sollen dann die Reste von Hurrikan „Lee“ und „Maria“ kommen, es wird also stürmisch und dann ist der Sommer wohl endgültig vorbei.

Eine Stunde später: Der Anflug an die Köder sehr mäßig, am Licht praktisch nichts, nur ein paar Mücken. Und ein halbes Hornissennest! Die wenigen Falter die angeflogen sind müssen um ihr Leben fürchten, die Hornissen rennen zu Fuß herum und fangen alles was sich packen läßt. Und die Stirnlampe auf meinem Kopf wird auch immer mal wieder angeflogen, das ist nicht wirklich schön. Zum Glück verlassen sich die Tiere auf ihre abschreckende Wirkung und attackieren nicht ersthaft. Aber Nerven kostet es mich schon!

Noch eine Stunde weiter, die erste „ordentliche“ Art: Conistra erythrocephala, ganz frisch und speckig glänzend. Mittlerweile habe ich angefangen die 50 Hornissen IN den Leuchtturm zu sperren, da können sie brummen wie sie wollen. Aber Spaß macht das nicht wirklich.
Also verlege ich mich auf einen kleinen Rundgang mit der Taschenlampe über die Besenheide, dort sind die Stierkäfer in Menge zugange, bringen die Kaninchen- und Schafköttel in ihre selstgebuddelten Nester.
Am Licht ist immer noch nichts los, es geht jetzt schon auf Mitternacht, und wir haben immer noch 20°C. Zu warm, auch das gibt es beim Lichtfang. Beim Abbau dann wie so oft die Überraschung: Idaea rusticata, ein winzig kleiner Arealerweiterer aus dem Süden, mein erster Falter überhaupt nördlich von Köln, und das in frischem Zustand: Hier kann man mal über eine zweite Generation spekulieren, die ersten Falter aus 2017 tauchten im Raum Köln/Leverkusen schon am 13. Juni auf.

Das beste an dem Abend in der Hannepützheide: bei dem geringen Anflug gab es direkt an der Leuchstelle eine Sitzbank sowie eine ordentliche Internetanbindung, und damit die Gelegenheit, alle Funde einmal direkt in das System von observation.org einzugeben. Die frei zugänglichen Online-Datenbanken sind mittlerweile eine echte Alternative zu der ganzen Tabellenwelt à la Microsoft, auch wenn man dadurch deutlich ernüchtert wird: In den Niederlanden hat sich zm Beispiel Idaea rusticata schon auf die Höhe von Niedersachsen vorgearbeitet.

Veröffentlicht 30. September 2017 von Armin Dahl in andere Insekten, Auf Tour, Lebensräume

Ohne Schuppen: Zickzack-Blattwespe   Leave a comment

Aproceros leucopoda, Zickzack-Ulemenblattwespe, 11. August 2016 D-NRW Diemelstadt-Rhoden (Foto: Hubertus Trilling)

Aproceros leucopoda, Zickzack-Ulmenblattwespe, 11. August 2016 D-HE Diemelstadt-Rhoden (Foto: Hubertus Trilling)

Hier dreht es sich normalerweise um Schmetterlinge, aber ich mache mal eine Ausnahme: So langsam neigt sich der Sommer dem Ende zu, und jetzt beginnt die Zeit der Suche nach Blattminen und ihren Bewohnern, und da passt das prima rein: Heute bekam ich ein Bild geschickt von einem Tier, das unbedingt ins Suchschema der Entomologen gehört:  Die  Zickzack Blattwespe Aproceros leucopoda stammt aus Ostasien. Seit etwa 2003 tritt sie in Südosteuropa auf, seit 2011 auch in Deutschland. Die Larven fressen an den in Europa heimischen und kultivierten Ulmenarten und können zu vollkommenem Kahlfraß und wenigstens zum Absterben von Ästen führen. Die Flatterulme (Ulmus effusus) scheint als enzige einheimische Ulmen-Art bisher nicht betroffen zu sein.

Dabei hat es die Ulmen sowieso schon schwer erwischt: Das sogenannte „Ulmensterben“ führte in Deutschland schon zum weitgehenden Verschwinden der typischen Ulmenalleen in den Städten, lebende blühende und fruchtenden Ulmen sind mittlerweile eine Seltenheit – auch wenn es natürlich immer noch Ausnahmen gibt, wie Martine Goerigk hier vor einiger Zeit gezeigt hat.

Aproceros  leucopoda ist eine invasive aus Asien eingeschleppte Art, die sich in Deutschland ausbreitet. Laut Herrn Dr. Blank vom Senckenberginstitut ist der Nachweis von Hubertus Trilling der erste für den Westen Deutschlands, bisher ist die Art nur  in Bayern und im Osten nachgewiesen.

Nähere Informationen zur Art und Ansprechpartner für weitere Meldungen findet Ihr auf den Senckenberg-Seiten.

Veröffentlicht 19. August 2016 von Armin Dahl in andere Insekten, Arten / Listen, Raupen

Noch mehr Highlights vom Geo-Tag   Leave a comment

So langsam haben wir das Schlafdefizit wieder aufgeholt, die unbestimmten Bilder werden aufgearbeitet und die Liste vom GEO-Tag in der Ohligser Heide wird länger und länger.
Hier noch ein paar Formen die ich erwähnenswert oder besonders hübsch finde, die meisten davon sind typische Heidetiere. Der Fund von Boloria selene auf der Pflanzenexkursion am Nachmittag zeigt uns, dass die Botaniker eigentlich die besseren Entomologen sind!

Leucorrhinia pectoralis, Further Moor, 22. Juni 2016 (Foto: Moritz Schulze)

Leucorrhinia pectoralis, Further Moor, 22. Juni 2016 (Foto: Moritz Schulze)

Und zm Schluß noch ein Fund aus einem Nachbargebiet, in zweierlei Hinsicht: Die Große Moosjungfer
Leucorrhinia pectoralis ist natürlich kein Schmetterling, hat jedoch momentan anscheinen einen großen Einflug, das Foto stammt zwar aus dem Further Moor, aber die Art flog am GEO-Tag auch in der Ohligser Heide, weitere Meldungen am besten direkt in das Fundmeldesystem der Biostation Mittlere Wupper sind sehr erbeten.

Veröffentlicht 22. Juni 2016 von Armin Dahl in andere Insekten, Arten / Listen, Mikros, Raupen, Spinner, Tagfalter

Mal was anderes: Efeu-Seidenbiene   Leave a comment

Colletes hederae, Rösrath-Kleineichen, 11. Oktober 2015 (Foto: Klaus Hanisch)

Colletes hederae, Rösrath-Kleineichen (Nähe Wahner Heide), 11. Oktober 2015 (Foto: Klaus Hanisch)

Colletes hederae, Rösrath-Kleineichen, 11. Oktober 2015 (Foto: Klaus Hanisch)

Colletes hederae, Rösrath-Kleineichen, 11. Oktober 2015 (Foto: Klaus Hanisch)

Momentan blüht überall das Efeu, und an den pollen- und nektarreichen Blüten finden sich bei sonnigem Wetter Tagfalter wie Admiral und C-Falter ein, und tanken für den Winter noch mal voll. Auch zahlreiche Fliegen sammeln sich, Hornissen und Honigbienen. Und wer ein bisschen Glück hat kann dort auch noch eine Art beobachten, die jahrhundertelang flach unter dem Radar der Forscher  durchgeflogen ist: Die Efeu-Seidenbiene Colletes hederae.

Als Studenten hatten wir in Tübingen in den 80er Jahren einen der besten Wildbienen-Experten als Lehrmeister: Paul Westrich, den „Bienen-Paul“, der zuerst seine Doktorarbeit über die Wildbienen des Botanischen Gartens geschrieben hatte und danach als Autor der „Wildbienen Baden-Württembergs“ den Gold-Standard für faunistisches Arbeiten mit Insekten.  Schon damals kursierte das Gerücht, daß sich unter den Spätherbst-Wildbienen eine bislang unbeschriebene Art versteckt, die bisher mit der Heidekraut-Seidenbiene Colletes succinctus in einen Topf geworfen worden war.

Damals gab es noch keine DNA-Analyse, mit der heute solche Sachen mal eben fix geklärt werden können, aber 1993 war es dann so weit, Colletes hederae erblickte das Licht der Wissenschaft,  eine kleine Sensation bei den Experten  für die ansonsten ganz gut erforschte Wildbienenfauna. Und seitdem müssen die Wildbienenforscher, die normalerweise schon Ende August ihre Gutachten fertig hatten, auch noch im Oktober ran: Die Forschung der letzten Jahre hat für C. hederae ein riesiges Verbreitungsgebiet zu Tage gefördert,  das komplette Süd(west)europa ist besiedelt, und auch in Nordrhein-Westfalen gibt es zahlreiche aktuelle Funde. Wer es genauer wissen will kann sich auf den Seiten von Paul Westrich oder beim Solinger Wildbienenexperten Hans-Jürgen Martin schlau machen (die Herren bestimmen sicher auch eingesandte gute Fotos).

Eine ordentlich große Wildbiene mit auffallend breiten hellen Hinterleibsringen, die im Oktober an Efeublüten Pollen sammelt: Das kann eigentlich nur Colletes hederae sein. Die Art nistet in lockeren (Sand)-Böden und offenen Sandflächen mit blühendem Efeu in erreichbarer Nähe, und Flugzeit ist – jetzt!

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Literatur:
Schmidt, K. & P. Westrich (1993):  Colletes hederae n. sp., eine bisher unerkannte, auf Efeu (Hedera) spezialisierte Bienenart (Hymenoptera: Apoidea). – Entomologische Zeitschrift 103 (6): 89–112

 

Veröffentlicht 11. Oktober 2015 von Armin Dahl in andere Insekten, Heideterrasse

Ausflug in die Westruper Heide   2 comments

In der Eifel Regen, nach Nordosten trockener und sonnig: Der Wetterbericht brachte mich auf die Idee mal in die Randgebiete des Münsterlands zu fahren. Die Westruper Heide liegt direkt bei den großen Ausflugsgebieten im Raum Haltern, der Halterner Stausee ist sozusagen die Riviera des Ruhrgebiets. Knapp 90 Hektar Wacholder- und Besenginsterheide, teilweise offene Sandflächen, angeblich ist das Gebiet die größte Zwergstrauchheide Westfalens.  Hier ein paar Bilder.

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Veröffentlicht 21. Juli 2015 von Armin Dahl in andere Insekten, Auf Tour, Lebensräume, Mikros, Spanner