Archiv für die Kategorie ‘Auf Tour

Volle Köderschnüre in Cronenberg   2 comments

Vortrag oder Exkursion? Das ist oft die Frage! Ein Vortrag ist eine sichere Sache, die Kundschaft parkt vor dem Haus, sitzt im Trockenen, die Schuhe bleiben sauber, das Ende ist absehbar. Die faunistisch interessanten Plätze der Region sind dagegen oft abgelegen und schlecht erreichbar, Nachtfaltermenschen haben unchristliche Arbeitszeiten, geleuchtet wird bei jedem Wetter: Grund genug dass wir mit unseren Lichtfängen das Publikum oft nicht mehr anlocken können.

Aber mit ein bisschen Glück lassen sich Vortrag und Exkursion sogar verbinden. Und so trafen sich die entomologisch Interessierten des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertalin der Station Natur und Umwelt in Cronenberg, um den im Frühjahr ausgefallenen Vortrag in verkürzter Form zu wiederholen. Und anschließend ging es noch eine Runde auf halbwegs gesicherten Pfaden durch das Außengelände, zum Licht- und Köderfang.

Das Wetterglück war dem neuen Format hold, und wir erwischten einen milden Herbstabend mit Windstille und bedecktem Himmel, und der Anflug an den Leuchtturm und die Köderschnüre im Garten der Station war gar nicht mal so schlecht: 14 Nachtfalterarten standen 1 1/2 Stunden nach Einbruch der Dämmerung auf dem Zettel, ganz ordentlich für die zweite Oktober-Dekade, mitten in der Stadt. Darunter der gefürchtete Buchsbamzünsler, der im Jahr 2017 praktisch durchgehend flog, und das Flechtenbärchen Eilema depressa, das offenbar dieses Jahr eine zweite Generation einlegt.

Blieb noch Zeit für ein Experiment: Daß es mir die großen frei zugänglichen Internet-Datenbanken angetan haben, das hat sich ja schon herumgesprochen. Und deshalb findet Ihr auch unter dem folgenden Link die Daten und Falterfotos der Exkursion. Zur Nachahmung empfohlen!

Und hier nch ein kleines Youtube-Video vom darauffolgenden Abend aus meinem eigenen Garten, mit Griposia aprilina

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Veröffentlicht 12. Oktober 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Auf Tour, Buchsbaumzünsler, im Netz

Herbst in der Hannepützheide   Leave a comment

Neue Gebiete zu erkunden macht Spaß, und schon gar wenn sie in geringer Entfernung liegen und so erschlossen sind dass man problemlos arbeiten kann. Ein solches Gebiet hatte ich mir fürs letzte Septemberwochenende vorgeknöpft: Die Hannepützheide (Zonser Heide) auf der linken Rheinseite bei Dormagen-Zons.
Das Gebiet ist eine – wie solls auch anders sein – bewaldete Flugsanddüne mit ein paar kleinen Heiderelikten, um die sich die Biostation in Knechtsteden kümmert.

Erster Eindruck: Ein ca. 2,5 Hektar kleiner, scharf beweideter Heidestreifen, dahinter Kiefernwald, ordentlich Rohbodenstellen auf Sanduntergrund, ganz spannend. Weniger schön die massenhaft fruchtenden Spätblühenden Traubenkirschen (Prunus serotina), die so ein wenig nach der Motorsäge schreien: Die in Holland als „Bospest“ („Waldpest“) bezeichnete Pflanze wurde bis in die 50er Jahre als Unterwuchs in Nadelwäldern eingebracht, zur Bodenverbesserung. Heute wird man sie nicht mehr los, vor allem auf den verbliebenen Offenland- und Heidestandorten, in der Region zum Beispiel in der Delbrücker oder auch der Wahner Heide.

Schnell die Köder aufgehängt, das Aggregat angeworfen und erst mal die Stirn abgewischt: Es ist um 20.00 Uhr noch 24°C warm, eine Warmfront fegt über Deutschland, angetrieben vom Sturmtief „Wolfgang“. Dahinter sollen dann die Reste von Hurrikan „Lee“ und „Maria“ kommen, es wird also stürmisch und dann ist der Sommer wohl endgültig vorbei.

Eine Stunde später: Der Anflug an die Köder sehr mäßig, am Licht praktisch nichts, nur ein paar Mücken. Und ein halbes Hornissennest! Die wenigen Falter die angeflogen sind müssen um ihr Leben fürchten, die Hornissen rennen zu Fuß herum und fangen alles was sich packen läßt. Und die Stirnlampe auf meinem Kopf wird auch immer mal wieder angeflogen, das ist nicht wirklich schön. Zum Glück verlassen sich die Tiere auf ihre abschreckende Wirkung und attackieren nicht ersthaft. Aber Nerven kostet es mich schon!

Noch eine Stunde weiter, die erste „ordentliche“ Art: Conistra erythrocephala, ganz frisch und speckig glänzend. Mittlerweile habe ich angefangen die 50 Hornissen IN den Leuchtturm zu sperren, da können sie brummen wie sie wollen. Aber Spaß macht das nicht wirklich.
Also verlege ich mich auf einen kleinen Rundgang mit der Taschenlampe über die Besenheide, dort sind die Stierkäfer in Menge zugange, bringen die Kaninchen- und Schafköttel in ihre selstgebuddelten Nester.
Am Licht ist immer noch nichts los, es geht jetzt schon auf Mitternacht, und wir haben immer noch 20°C. Zu warm, auch das gibt es beim Lichtfang. Beim Abbau dann wie so oft die Überraschung: Idaea rusticata, ein winzig kleiner Arealerweiterer aus dem Süden, mein erster Falter überhaupt nördlich von Köln, und das in frischem Zustand: Hier kann man mal über eine zweite Generation spekulieren, die ersten Falter aus 2017 tauchten im Raum Köln/Leverkusen schon am 13. Juni auf.

Das beste an dem Abend in der Hannepützheide: bei dem geringen Anflug gab es direkt an der Leuchstelle eine Sitzbank sowie eine ordentliche Internetanbindung, und damit die Gelegenheit, alle Funde einmal direkt in das System von observation.org einzugeben. Die frei zugänglichen Online-Datenbanken sind mittlerweile eine echte Alternative zu der ganzen Tabellenwelt à la Microsoft, auch wenn man dadurch deutlich ernüchtert wird: In den Niederlanden hat sich zm Beispiel Idaea rusticata schon auf die Höhe von Niedersachsen vorgearbeitet.

Veröffentlicht 30. September 2017 von spoerkelnbruch in andere Insekten, Auf Tour, Lebensräume

Kurzer Zwischenstand Cupido argiades   1 comment

Heute war ich mal auf der „falschen“ Rheinseite bei Dormagen unterwegs, dort hat die Stadt ein paar Ausgleichsflächen, die von der Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss e.V.  betreut werden.  Dort ist vor etlichen Jahren artenreiches Grünland entwickelt worden, mittels Mahdgutübertragung, Ansaat, mit Ackerrandstreifen rundherum. Direkt angrenzend finden sich das beweidete NSG Wahler Berg und Hannepützheide, mit einer teilweise freigestellten Düne, eine echte Rarität in der dicht besiedelten Rheinebene.

Die Wiesen im Gebiet blühten gerade wie toll, Tiefland-Mähwiesen wie sich das gehört, mit geschätzten 60 Pflanzenarten, unter anderem Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. orientalis) und Wiesen-Salbei, und jede Menge Rot- und Hornklee.

Und Bläulinge, in Massen! Bei dem etwa einstündigen Rundgang habe ich am Ende nicht mehr mitgezählt, aber mindestens 60 Exemplare von Cupido argiades habe ich gesehen, das bedeutet, auf der knapp drei Hektar großen Wiese waren wahrscheinlich ein paar hundert Tiere unterwegs.  Auch Polyommatus icarus war zahlreich zu sehen, aber das Verhältnis argiades / icarus war geschätzt eher 3/1. Auf der Weide nebenan das gleiche Bild, argiades sehr häufig, icarus seltener, dazu einzelne Kleine Feuerfalter und etliche Coenonympha pamphilus.

Und so wie es in Dormagen aussieht scheint es in vielen Biotopen der Region zu sein: auch in Haan, Wuppertal, Remscheid, Düsseldorf berichten die Kollegen von zahlreichen Beobachtungen von Cupido argiades, der momentan hier – vor wenigen Jahren noch unvorstellbar – der häufigste Bläuling ist.

Das Gebiet bei observation.org

Historisch: Erstnachweis Cupido argiades in 2012

Artikel aus dem Jahr 2012 in der Melanargia, 24 (4): 119-123

Veröffentlicht 25. August 2017 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Tagfalter

Erfolgreich Wildern in Westfalen   3 comments

Das Niederbergische ist ja gut und schön, aber ab und zu verschlägt es einen schon mal in andere Landesteile. Im Vorfeld des GEO-Tags war jetzt mal Westfalen dran.

Essen, Gleisharfe auf Zeche Zollverein, 4. Juni 2017

Denn ein paar ganz ordentliche Biotope haben sie dort im Ruhrgebiet, wenn die auch quasi im Unverstand entstanden sind, als Müllkippen der Industrie: Die Berghalden und Industriebrachen inmitten des städtisch geprägten Konglomerats von Duisburg bis Bergkamen entwickeln sich zu den Trittsteinen für die Tierwelt, die vom Klimawandel angeheizt ihre Verbreitungsgebiete nach Norden vorschiebt. Wem diese These zu steil ist, dem können wir eine schöne Liste von ehemals südlich verbreiteten Arten erstellen, die entlang von Bahnlinien, auf Erddeponien, Berghalden und Gleisharfen im Ruhrgebiet vorkommen: Von Heuschreckenarten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke, der Mauereidechse, die im Ruhrgebiet an vielen Stellen vorkommt, bis hin zu unscheinbaren grauen Nachtfalterarten wie Eremodrina gilva oder Eilema caniola, deren Vorkommen in unseren Breiten vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar erschienen und die mittlerweile weit verbreitet sind.

Zeche Zollverein in Essen: Die ehemalige Berghalde ist fast komplett von Wald bedeckt.

Den Einwohnern des Ruhrgebiets ist meistens gar nicht so recht bewusst, welche Schatzkisten vor ihrer Haustür liegen, seit dem Untergang der Steinkohleindustrie setzen alle auf Wald, Wald, Wald. Und erst in den letzten Jahren wird klar, dass die einst so verachteten Schotterflächen und Dreckhügel erstklassige Offenland-Biotope sind, Ersatzflächen für die verlorengegangenen Heidegebiete im Süden des Münsterlands.

Das Ruhrgebiet hat so seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Eine davon ist, bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit das „Steigerlied“ abzusingen, mit dem deutschen Bergmannsgruß. Besonders gerne gesungen wird das im Umfeld der ehemaligen Zechen, die heute mit Steuergeld in sogenannte Industriekultur verwandelt worden sind. Als Rheinländer ist einem das ständige Glüüüüückauf glückauf ein wenig suspekt, aber was tut man nicht alles um ein paar Meßtischblatt-Quadranten mit schwarzen Nachweiskästchen zu füllen. Und so nahmen wir bei der zweiten Vorexkursion zum GEO-Tag der  Natur das vom Tonband abgespielte Liedchen gleichmütig hin, das über den Parkplatz vor dem Ruhrmuseum erklang: Die Pheromonfallen auf dem Gelände der Zeche Zollverein mussten geleert werden, bevor die Gluthitze die angelockten Tiere vollends ins Jenseits befördert. Drei Fallen mit zwei verschiedenen Wageningen-Präparaten (SYAN und PATA) hingen gut getarnt seit einer Woche in der Hecke hinter dem Ruhrmuseum, und Ziel war vor allem mein „Lieblings-Glasflügler“ SYnanthedon ANdrenaeformis,  von dem es bisher keine Nachweise im Naturraum Westfalen gab.

Synanthedon andrenaeformis, Zeche Zollverein, 11. Juni 2017 (Foto: Gaby Schulemann-Maier)

Zwei verschiedene Wageningen-Präparate in nur drei Fallen, lohnt sich dafür die 50-Kilometer-Anfahrt? Sie lohnt sich! Paranthrene tabaniformis (ROTTEMBURG, 1775) – Kleiner Pappel-Glasflügler Synanthedon vespiformis (LINNAEUS, 1761) – Wespen-Glasflügler,  Synanthedon andrenaeformis (LASPEYRES, 1801) – Schneeball-Glasflügler, alle drei angepeilten Arten fanden sich in ordentlicher Anzahl in den Fallen. Die Angabe „im Naturraum nicht vertreten“ bei S. andrenaeformis hatte mich schon eine Weile gefuchst, drei neue Glasflügler-Nachweise für das Meßtischblatt 4508, und ein Erstnachweis für Westfalen, dafür kann man schon ein wenig Sprit investieren und schlechte Musik ertragen. 🙂

Veröffentlicht 11. Juni 2017 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Glasflügler, Klimawandel, Lebensräume

Schlehenhecken, Schlehenhecken   1 comment

Die Wettervorhersage war gut, sehr mild mit wenig Wind, der ganze Rummel rund um Karneval geht mir eh auf die Nerven, also nichts wie weg, Eine knappe Stunde fährt man von Haan in die Eifel, und eine Art der Vorfrühlings-Fauna stand eh noch auf dem Wunschzettel: Der Späte Schlehenbusch-Winterspanner, Theria rupicapraria ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775).
Erste Erkenntnis: In der Eifel wird noch verrückter Karneval gefeiert als im Rheinland, vor praktisch jedem Dorf steht am Karnevals-Sonntag die Feuerwehr und leitet den Durchgangsverkehr über die Feldwege um. An den unmöglichsten Stellen fernab der Zivilisation ziehen lärmende, kostümierte Fußgruppen mit Bollerwagen herum, einige davon in bedenklichem Zustand.
Zweiter Erkenntnis: Das Herumschleichen auf Feldwegen hat auch positive Seiten. Es müssen nicht immer die Spitzen-Halbtrockenrasen sein, es gibt auch abseits der berühmten Orchideen- und Falter-Fundstellen reichlich ausgedehnte Heckenkomplexe, die eine Anfahrt lohnen.

Theria rupicapraria, Iversheim, Deckstallerberg, 26. Februar 2017 (Foto: Armin Dahl)

Theria rupicapraria, Iversheim, Deckstallerberg, 26. Februar 2017 (Foto: Armin Dahl)

Eine solche gigantische Schlehenhecke bei Bad Münstereifel-Iversheim war dann auch das Ziel einer knapp einstündigen Exkursion mit Taschenlampe und Lichtfalle. Das Ergebnis kann sich für einen Abend Ende Februar sehen lassen: Acht Schmetterlingsarten, darunter mit Apocheima hispdaria schon ein echtes Frühjahrstier, und natürlich auch die gesuchte Theria rupicapraria.

Das Erkennen von rupicapraria ist – hat man sich erst mal eingesehen – gar nicht mal so schwierig. Das zur Innenseite verschmälerte Mittelfeld ist ein ganz ordentliches Merkmal. Wer es ganz genau wissen will muss ein Genitalpräparat machen. Wie das in Perfektion aussieht kann man sich im Beitrag von Dieter Robrecht auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft der Rh.-Westfälischen Lepidopterologen anschauen .

Der Artname rupicapraria wurde von SPULER (1910) zu Ehren der Gemse (Rupicapra rupicapra), nach der ähnlichen Färbung gewählt. Das sieht man mit der Taschenlampe nicht, nur dass die rupicapraria-Falter etwas heller grau sind, die von primaria erscheinen etwas brauner. Mal abgesehen davon dass ich mich nie mehr daran gewöhnen werde dass das Tier heute Gämse heissen soll. Mit der Rechtschreibreform ist es manchmal wie mit der Systematik: Es hat viele Jahrzehnte gedauert bis sich die Trennung von Theria primaria und T. rupicapraria wirklich durchgesetzt hat.

Den entscheidenden Anstoß dazu gab die Arbeit von Peter KUHNA (1977), seinerzeit Präparator am Fuhlrott-Museum in Wuppertal, dort findet sich auch Das Vergleichsmaterial zu der Arbeit stammt von der Neye-Talsperre im Norden der Stadt Wipperfürth im Bergischen Land.

KUHNA, P. (1977): Kurze Mitteilungen. Über den systematischen Status von Theria ibicaria H.-Schäff. (Lepidoptera, Geometridae). Jahrber. Naturwiss. Ver. Wuppertal, 30: 129-132, Wuppertal

Veröffentlicht 27. Februar 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Auf Tour, Phänologie

Vom Starren an die Wand   4 comments

Der Moselrastplatz an der A61 in Winningen ist immer einen Stopp wert. Auch wenn man sich dabei zum Narren macht.

Eine Viertelstunde stehe ich jetzt schon da, und starre an die Wand. Nichts! Aber irgendwo müssen sie doch sein, die Falter. Eine Wandergruppe nähert sich, die Treppe auf der ich stehe ist Teil des Moselsteigs, zu jeder Tageszeit kommen dort Menschen vorbei. Der erste bleibt stehen „Was machen Sie denn da? Kann man Ihnen helfen?„.  Das ist ja ganz nett, aber auch wieder nicht. Ob die wohl glauben dass ich schon die Treppe nicht mehr alleine hochkomme? Ich sollte mal an meiner Figur arbeiten. Oder ob ich vielleicht mal richtig von ganz weit oben herunterpinkeln will?

Die Antwort: „Nein Danke, Ich suche nur Schmetterlinge“ kommt auch nicht so richtig gut an, Kopfschütteln, die Wanderer drängeln sich vorbei, bestimmt denken die „Ein Spinner, steht unter der Brücke und starrt an die Wand, schnell weiter bevor er noch runterspringt“.  Bei der Faltersuche auf den Rastplätzen der Bundesautobahn muss man etwas dickfellig sein. Es gibt Plätze an denen der Homo eroticus vorkommt, und dieser empfindet Menschen mit Stirnlampen nicht als Bereicherung.

Drei Minuten später entfährt es mir „Happichdich“! Stein für Stein hatte ich abgesucht, und war am Ende fündig: An  der Moselbrücke und den Felsen rundherm fliegen im Herbst zwei der größten Raritäten der einheimischen Fauna, Polymixis flavicincta und  Ammoconia senex, und beide sind extrem gut getarnt, wenn sie an einem Felsen sitzen. Oder auch nicht, wenn sie sich den falschen Sitzplatz aussuchen.

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Veröffentlicht 28. Oktober 2016 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Eulenfalter, Phänologie

Noch mehr Felsen – Stux und Erpeler Ley   Leave a comment

Als Bewohner der Heideterrasse schielt man immer ein wenig neidisch auf die Kollegen, die in der Nähe von Mittelrhein, Mosel und an der Ahr wohnen. Ersten muss man dahin eine ordentliche Strecke fahren, und zweitens empfiehlt es sich vor einem Lichtfang immer mal die Stelle genau anschauen, bevor man dann in der Nacht in unbekanntem Terrain herumirrt. Und dann braucht man auch noch ein wenig Wetterglück, also möglichst windstille, milde Abende, sonst war alles umsonst. Die Kollegen vor Ort haben dagegen immer alles vor der Haustür und könn(t)en das alles ohne großen Aufwand genießen.
Rechtsrheinisch stehen die letzten ordentlichen Felsen im Rheintal im Siebengebirge, und da finden sich dann auch die nördlichsten Vorkommen von Polymixis xanthomista und Dichonia convergens, die als „Relikt der postglazialen Steppenperiode“ (STAMM, 1981) geltende Ammoconia senex mediorhenana FUCHS, 1879 hat es nicht einmal so weit nach Norden geschafft, ihr nördlichstes Vorkommen liegt am Stux, gerade eben schon in Rheinland-Pfalz. Alle drei Arten fliegen im Herbst, wenn kaum noch Feldentomologen unterwegs sind, und zählen vielleicht deshalb faunistisch zu den Kleinodien des Rheinlandes: Kaum jemand schaut danach.

Aber das soll sich ja ändern, und so habe ich am Wochenende mal die Ortslagen sondiert, ein paar Fotos geschossen und sogar ein paar Schmetterlinge gesehen. Stux und Erpeler Ley liegen auf Sichtweite nur einen guten  Kilometer weit auseinander, sind jedoch geologisch sehr unterschiedlich aufgebaut, der Stux besteht aus Kalkschiefer, die Erpeler Ley dagegen ist eine Vulkanruine, das Gestein ist Basalt. Beide liegen mit süd- und westexponierten Felswänden frei im Rheintal und heizen sich deshalb selbst in der schwachen Herbstsonne gehörig auf.

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Veröffentlicht 11. Oktober 2016 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Eulenfalter, Lebensräume