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Stadtgrün nicht so schlecht wie gedacht   5 comments

Euclidia glyphica - Braune Tageule. Düsseldorf, Toulouser Allee, 16. Mai 2018

Euclidia glyphica – Braune Tageule. Düsseldorf, Toulouser Allee, 16. Mai 2018

Straßenbegleitgrün wird immer ein wenig scheel angesehen, meistens taugt es aus entomologischer Sicht nicht viel, dient nur als Staub- und Müllfänger, wird immer zum falschen Zeitpunkt gemäht, ökologische Aspekte spielen in den Städten kaum ein Rolle, alleine die Optik zählt. Bisher!

Aber ab und zu gibt es doch ein paar Lichtblicke, so im frisch angelegten Marc-Chagall-Park und den angrenzenden Grünstreifen entlang der Toulouser Allee mitten in Düsseldorf.
Vor wenigen Jahren war hier noch der Güterbahnhof, umgeben von schrägen Etablissements der Rotlichtszene, jetzt stehen hier moderne Wohnungs- und Bürohäuser. Die Wohnungen sind zwar ziemlich unbezahlbar, aber was soll man sagen, die Stadt boomt und platzt aus allen Nähten, und besser als ein Wohngebiet auf der grünen Wiese ist das allemal. Jetzt springen dort eine Menge Town-Hipster herum, es gibt etliche Fitnessstudios, im Marc-Chagall-Park liegen Menschen mit überdimensionalen Kopfhörern in der Wiese, ein Stadteil erfindet sich neu.

Und offenbar hatten die Stadtgärtner ein Einsehen beim Einsäen der Grünstreifen entlang der vierspurigen Toulouser Allee: Salbei, Margeriten, Wiesen-Knautie, Hornklee: Das was draussen vor der Stadt in den Wiesen herausgedüngt wird, das findet sich hier in voller Blüte. Und mittendrin erstaunlich viele Schmetterlinge.

Euclidia glyphica - Braune Tageule. Düsseldorf, Toulouser Allee, 16. Mai 2018

Düsseldorf, Toulouser Allee, 16. Mai 2018

Die beiden Bläulinge Polyommatus icarus und Cupido argiades habe ich dort gestern gesehen, und die Braune Tageule Euclidia glyphica hat gerade ein Massenvorkommen auf dem Mittelstreifen. Chapeau ihr Stadtgärtner, mehr davon!

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Veröffentlicht 16. Mai 2018 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Lebensräume, Tagfalter

Grüne Schmuckstücke von der Mosel   Leave a comment

Ein Kurztrip von Haan zum Lichtfang an die Mosel ist leider immer eine Herausforderung, Vor allem der folgende Morgen im Büro lässt sich gemeinhin etwas zäh an. Aber der Aufwand lohnt sich!

Der Winter war lang, der Generator stand monatelang unbenutzt herum, und die ganze Lichtfang-Ausrüstung musste dringend mal gelüftet werden. Aber mitten in der Woche? 300 Kilometer Autofahrt und spät in der Nacht zurück? Aber manchmal muss man sich einfach mal einen Ruck geben, und die Wetterprognose mit viel Regen in den kommenden Tagen vor Ostern ist noch übler!

Der Ruck geht dann erst mal am Hilden Kreuz durch das Auto, Stop + Go auf 15 Kilometern bis nach Leverkusen. Na prima, die erste Stunde ist schon herum und es wird schon dämmerig. Also ordentlich auf die Tube gedrückt, die schönen Rastplätze, die normalerweise nach Faltern abgesucht werden, bekommen heute keinen Besuch.Die Temperatur geht schon bedenklich in den Keller, 8 °C  in der Eifel, bei klarem Himmel am Nachmittag, das RLP-Radio meldet Bodenfrost für die Nacht, das war anders angekündigt. Aber jetzt gibts kein Zurück mehr!

Die letzten Kilometer Richtung Untermosel sind zurückgelegt, jetzt gilt es noch einen Leuchtplatz zu finden. Und zwar in den neu angelegten Weinbergen in Pommern, über die Lea Jäger auf der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft berichtet hat: Reben-Querterrassen mit Fahrgassen, angrenzend an schlehenreiche Brachen. Da sollte es alles mögliche an Faltern geben. Aber wie das so ist in unbekannten Weinbergslagen, bis man ein ordentliches Plätzchen gefunden hat vergeht Zeit, und es ist schon fast dunkel.

Also schnell die Lebend-Lichtfalle an eine halbwegs erreichbare Stelle bei einer Brachfläche gehängt und weiter. Mittlerweile ist es reichlich frisch und außerdem zieht Kaltluft den Hang hinunter – viel schlechter können die Bedingungen eigentlich nicht werden. An der Kapelle oberhalb des verschlafenen Weindörfchens Pommern finde ich einen halbwegs geschützten Platz hinter einer Buchsbaumhecke, rasch den Leuchtturm aufgebaut, die Köderschnüre in die Hecke verteilt, der Mond steht schon hell am blanken Himmel. Zuhause in Haan könnte man das jetzt komplett vergessen, mangels Anflug.

Aber ich bin nicht im Niederbergischen, sondern an der Mosel! Kaum hängen die Köder, kommen die ersten Falter, angelockt vom billigen Glühwein. Und das in einer Weinlage, in der seit Jahrtausenden bester Riesling wächst! Am Licht finden sich die ersten Geometriden ein, und auch in den Hecken belebt es sich: Obwohl die Schlehen rundherum noch völlig geschlossene Knospen haben, sitzen die Büsche voll mit Männchen des Schlehenheckenspanners Aleucis distinctata, und an der Wand der Kapelle sitzt die erste Buchenmotte (Diurnea fagella). Nach zwei Stunden stehen 15 Großschmetterlingsarten auf dem Zettel, nicht ganz schlecht. So richtig tolle Arten waren heute nicht dabei, das beste war noch die Raupe von Arctia villica, die an der Wand der Kapelle hochkroch. Mittlerweile bin ich aber völlig durchgefrorenen, das Thermometer steht auf 4° C, also Schluß für heute!

Erst auf der Hauptstraße fällt es mir wieder ein: Die Lichtfalle! Also noch mal hoch in die Weinberge, diesmal auf der anderen Seite des Orts. Dort ist es zwar genauso kalt, aber es geht wenigstens kein Wind. Beim ersten Blick in den Trichter der Lichtfalle dann wandelt sich die Laune in Sekundenschnelle. Dieses  Tier habe ich überhaupt noch nie gesehen! Eriogaster lanestris wird wegen der frühen Flugzeit zwar wahrscheinlich unterkartiert, aber trotzdem: der letzte Nachweis vom Frühlings-Wollafter von der Untermosel  liegt mehr als 30 Jahre zurück. Und im Fangsack dann der eigentliche Anlass für den Kurztrip: Valeria oleagina, die Olivgrüne Schmuckeule, eine weitere Rarität der einheimischen Schmetterlingsfauna.

Faunistik ist ja möglicherweise ein bescheuertes Hobby, wer sich zudem mit „Motten“ beschäftigt, der muss sich in Deutschland manchen Spott gefallen lassen. Aber drauf gepfiffen: Die zwei Stunden Heimfahrt mitten in der Nacht gehen flott vorbei, und auch am Morgen nach drei Stunden Schlaf schaut mir aus dem Spiegel ein fröhlicher Mottenfänger entgegen.


by the way:

•• Donnerstag, 5.4.2018, 19.00 bis ca. 21.30, Treffen in den Entomologischen Sammlungen Krefeld. Vortrag von Monika Weithmann: „Drei Jahre Lichtfang in Pommern an der Mosel – Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse nachgewiesener Schmetterlinge (Lepidoptera).

Veröffentlicht 28. März 2018 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Eulenfalter, Lebensräume, Spinner

Mehr Ehrfurcht vor der Buche!   4 comments

Ich möchte nicht wissen wie oft ich schon achtlos daran vorbeigegangen bin. Oder sie einfach durch den Kamin gejagt habe. Immerhin heize ich das halbe Haus mit Brennholz, und Buche ist eigentlich in jedem Winter immer dabei. Aber der Reihe nach.
Die Beschäftigung mit Nepticuliden, zu Deutsch Zwergminiermotten, ist ein kurioses Metier, nach dem Motto: Je schlechter die Augen, desto kleiner die Falter. Als ich das erste mal einen Kasten mit Nepticuliden-Präparaten gesehen habe – beim Altmeister Willi Biesenbaum in Velbert-Langenberg – dachte ich einen Moment lang er wolle mich veräppeln. Ich sah – NICHTS. In dem Kasten steckten nur reihenweise Etiketten, aber keine Falter. Erst beim zweiten Hingucken erkannte ich die winzigen, auf Minutien präparierten, furchtbar kleinen Tiere. Sich mit diesem Fuzzelzeugs zu beschäftigen – undenkbar!
Ein paar Jahre später, Anfang Januar 2018, kam dann der Hinweis vom Kollegen Dieter Robrecht, man möge doch mal Ausschau halten nach Minen von Zimmermannia liebwerdella. Ein Blick in die Bestimmungshilfe des Lepiforums, Nepticulidae gelesen, und weggeklickt.
Aber vier Wochen später hielten sich im Lepiforum hartnäckig Beiträge zu dem Thema, und so las ich noch mal genauer. Und die beschriebenen Strukturen an der Rotbuche kamen mir doch sehr bekannt vor. Die Kamera genommen, einen kurzen Spaziergang in den Hildener Stadtwald hinter meinem Haus, und – verflixt und zugenäht – die Minen der Buchenrinden-Zwergminiermotte – Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940) sind so häufig, dass man sich schon ein wenig schämen muss, sie nicht zu kennen.

Minen der Buchenrinden-Zwergminiermotte – Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940), Haan-Gruiten, ehemaliger Steinbruch Grube 10, 17. Februar 2018 )Foto: Armin Dahl)

Rotbuchen-Stämme mit Stärken zwischen 10 und 40 Zentimetern, am besten in Waldrandlage und nach Süden exponiert: Ein Lebensraum der sich praktisch überall in Fahrrad-Entfernung auftreiben lässt, und an allen von mir bisher untersuchten Stellen lassen sich sich finden: Finger- bis spannenlange, senkrecht verlaufende Minen unter der Rinde, oft mit einer tpischen Schlaufe an der Ober- oder Unterseite, an den Stämmen von Kniehöhe bis in einige Meter Höhe: Die Minen bleiben offenbar viele Jahre sichtbar und es gibt nach Auskunft der Experten keine weitere Art, die ähnliche Minen an der Rotbuche (Fagus sylvatica) erzeugt.

Das nenne ich einen vernünftigen „Mikro“, den man im Prinzip mit dem Fernglas kartieren kann – von wegen Genitalpräparat unter dem Binokular, das hätte ich sowieso nie gemacht. Ectoedemia liebwerdella ist ganzjährig im Buchenwald leicht nachzuweisen, und prompt fand ich auch in meinem Brennholzstapel nach kurzer Suche noch einen Scheit mit ein paar Minen. Und der macht mir jetzt das Arbeitszimmer warm, in dem diese Zeilen geschrieben werden.

Vom ehemaligen Umweltminister Klaus Töpfer ist der Auspruch überliefert, die Ehrfurcht vor einem Stück Land sei oft eng verbunden mit einer Vielzahl dort lebender einzigartiger Tiere und Pflanzen. Der Satz fiel im Jahr 2006  im Vorfeld der 8. UN-Artenschutzkonferenz im südbrasilianischen Curitiba, das ist eine Metropole von der Größe Hamburgs. Von der  brasilianischen Artenvielfalt sind wir hier im Niederbergischen Land zwar weit entfernt. Aber so ein mehr bischen Ehrfurcht vor dem vom Entomologen so oft geschmähten, weil „langweiligen“ Rotbuchenwald vor meiner Haustür ist auch nicht schlecht.

Veröffentlicht 17. Februar 2018 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Lebensräume, Mikros

Aktive Heidepflege in Brandenburg   1 comment

Erhöhung der biologischen Vielfalt durch aktive Heidepflege – das klingt gut. Dass da auf großen Flächen schlicht und ergreifend Feuer gelegt wird, klingt vielleicht auf den ersten Blick abenteuerlich. Aber es funktioniert!

Die „Wittstock-Ruppiner Heide“ liegt im Nordwesten des Landes Brandenburg, mit mehr als 9000 Hektar Fläche ist sie das größte zusammenhängende Sand- und Heidegebiet Nordostdeutschlands. Riesige Kiefern-Pionierwälder auf Sand, Besenheide und offene Sandflächen mit Silbergrasfluren prägen den ehemaligen Truppenübungs- und Schießplatz: Dort wo die Panzer fuhren und die Zielgebiete der Schießübungen lagen, befinden sich heute wertvollste Offenland-Lebensräume mit schier unglaublicher Artenvielfalt und -ausstattung. Ein Beispiel aus der Ornithologie: Der Ziegenmelker (Caprimulgus europaeus) hat dort mit über 500! Revierpaaren die kopfstärkste Population Deutschlands.

Wo es Ziegenmelker gibt, sind die Heidebiotope gut in Schuss: Purpurbär (Rhyparia purpurata), Früher Ginsterspinner (Chesias rufata), Frankfurter Ringelspinner (Malacosoma franconicum), Ginsterstreckfuß (Gynaephora fascelina) und Argus-Bläuling (Plebejus argus) profitieren von den Pflegemaßnahmen, so werden unter anderem jedes Jahr etwa 160 Hektar Heideflächen mit „Kaltem Feuer“ abgebrannt: Kontrolliertes Brennen in den Monaten Januar/Februar/März beseitigt gleichzeitig die im Oberboden vorhandenen Blindgänger und Munitionsreste aus der Zeit der militärischen Nutzung, und kostet nicht viel.

Das Pflege der Heide ist eines der Projekte des Monats in der UN-Dekade für die biologische Vielfalt, die bis 2020 läuft. Auf der Webseite der UN-Dekade kann man für verschiedene Projekte abstimmen. Ob die örtlichen Aktivisten, in diesem speziellen Fall der Bundesforst, mit den kärglichen 1000 Euro Preisgeld wirklich etwas anfangen können, sei mal dahingestellt.

Brennt es einmel in den Moor- und Heidegebieten hierzulande, so zuletzt im Hohen Venn 2011 oder in der Diepholzer Moorniederung 2017, ist die Aufregung groß und die Feuerwehr nicht weit. Dabei ist der Schaden nach wenigen Monaten nicht mehr zu erkennen, der Nutzen durch das Entstehen baumfreier Flächen aber immens.

Das Abflämmen der Truppenübungsplätze und zum Beispiel auch der Bahnböschungen war noch vor einigen Jahrzehnten ein probates Mittel zur Offenhaltung von Lebensräumen. Übrigens war damals auch noch keine Rede vom Insektensterben. Im Jahr 2016 verbrauchte die Bahn jährlich für das Offenhalten ihrer Gleisanlagen 65,4  Tonnen Glyphosat, und ist damit der größte Einzelverbraucher des Pflanzengiftes in Deutschland.

 

Veröffentlicht 1. Dezember 2017 von spoerkelnbruch in Lebensräume, Pflege, Umwelt

Herbst in der Hannepützheide   Leave a comment

Neue Gebiete zu erkunden macht Spaß, und schon gar wenn sie in geringer Entfernung liegen und so erschlossen sind dass man problemlos arbeiten kann. Ein solches Gebiet hatte ich mir fürs letzte Septemberwochenende vorgeknöpft: Die Hannepützheide (Zonser Heide) auf der linken Rheinseite bei Dormagen-Zons.
Das Gebiet ist eine – wie solls auch anders sein – bewaldete Flugsanddüne mit ein paar kleinen Heiderelikten, um die sich die Biostation in Knechtsteden kümmert.

Erster Eindruck: Ein ca. 2,5 Hektar kleiner, scharf beweideter Heidestreifen, dahinter Kiefernwald, ordentlich Rohbodenstellen auf Sanduntergrund, ganz spannend. Weniger schön die massenhaft fruchtenden Spätblühenden Traubenkirschen (Prunus serotina), die so ein wenig nach der Motorsäge schreien: Die in Holland als „Bospest“ („Waldpest“) bezeichnete Pflanze wurde bis in die 50er Jahre als Unterwuchs in Nadelwäldern eingebracht, zur Bodenverbesserung. Heute wird man sie nicht mehr los, vor allem auf den verbliebenen Offenland- und Heidestandorten, in der Region zum Beispiel in der Delbrücker oder auch der Wahner Heide.

Schnell die Köder aufgehängt, das Aggregat angeworfen und erst mal die Stirn abgewischt: Es ist um 20.00 Uhr noch 24°C warm, eine Warmfront fegt über Deutschland, angetrieben vom Sturmtief „Wolfgang“. Dahinter sollen dann die Reste von Hurrikan „Lee“ und „Maria“ kommen, es wird also stürmisch und dann ist der Sommer wohl endgültig vorbei.

Eine Stunde später: Der Anflug an die Köder sehr mäßig, am Licht praktisch nichts, nur ein paar Mücken. Und ein halbes Hornissennest! Die wenigen Falter die angeflogen sind müssen um ihr Leben fürchten, die Hornissen rennen zu Fuß herum und fangen alles was sich packen läßt. Und die Stirnlampe auf meinem Kopf wird auch immer mal wieder angeflogen, das ist nicht wirklich schön. Zum Glück verlassen sich die Tiere auf ihre abschreckende Wirkung und attackieren nicht ersthaft. Aber Nerven kostet es mich schon!

Noch eine Stunde weiter, die erste „ordentliche“ Art: Conistra erythrocephala, ganz frisch und speckig glänzend. Mittlerweile habe ich angefangen die 50 Hornissen IN den Leuchtturm zu sperren, da können sie brummen wie sie wollen. Aber Spaß macht das nicht wirklich.
Also verlege ich mich auf einen kleinen Rundgang mit der Taschenlampe über die Besenheide, dort sind die Stierkäfer in Menge zugange, bringen die Kaninchen- und Schafköttel in ihre selstgebuddelten Nester.
Am Licht ist immer noch nichts los, es geht jetzt schon auf Mitternacht, und wir haben immer noch 20°C. Zu warm, auch das gibt es beim Lichtfang. Beim Abbau dann wie so oft die Überraschung: Idaea rusticata, ein winzig kleiner Arealerweiterer aus dem Süden, mein erster Falter überhaupt nördlich von Köln, und das in frischem Zustand: Hier kann man mal über eine zweite Generation spekulieren, die ersten Falter aus 2017 tauchten im Raum Köln/Leverkusen schon am 13. Juni auf.

Das beste an dem Abend in der Hannepützheide: bei dem geringen Anflug gab es direkt an der Leuchstelle eine Sitzbank sowie eine ordentliche Internetanbindung, und damit die Gelegenheit, alle Funde einmal direkt in das System von observation.org einzugeben. Die frei zugänglichen Online-Datenbanken sind mittlerweile eine echte Alternative zu der ganzen Tabellenwelt à la Microsoft, auch wenn man dadurch deutlich ernüchtert wird: In den Niederlanden hat sich zm Beispiel Idaea rusticata schon auf die Höhe von Niedersachsen vorgearbeitet.

Veröffentlicht 30. September 2017 von spoerkelnbruch in andere Insekten, Auf Tour, Lebensräume

Erfolgreich Wildern in Westfalen   3 comments

Das Niederbergische ist ja gut und schön, aber ab und zu verschlägt es einen schon mal in andere Landesteile. Im Vorfeld des GEO-Tags war jetzt mal Westfalen dran.

Essen, Gleisharfe auf Zeche Zollverein, 4. Juni 2017

Denn ein paar ganz ordentliche Biotope haben sie dort im Ruhrgebiet, wenn die auch quasi im Unverstand entstanden sind, als Müllkippen der Industrie: Die Berghalden und Industriebrachen inmitten des städtisch geprägten Konglomerats von Duisburg bis Bergkamen entwickeln sich zu den Trittsteinen für die Tierwelt, die vom Klimawandel angeheizt ihre Verbreitungsgebiete nach Norden vorschiebt. Wem diese These zu steil ist, dem können wir eine schöne Liste von ehemals südlich verbreiteten Arten erstellen, die entlang von Bahnlinien, auf Erddeponien, Berghalden und Gleisharfen im Ruhrgebiet vorkommen: Von Heuschreckenarten wie der Blauflügeligen Ödlandschrecke, der Mauereidechse, die im Ruhrgebiet an vielen Stellen vorkommt, bis hin zu unscheinbaren grauen Nachtfalterarten wie Eremodrina gilva oder Eilema caniola, deren Vorkommen in unseren Breiten vor wenigen Jahrzehnten noch undenkbar erschienen und die mittlerweile weit verbreitet sind.

Zeche Zollverein in Essen: Die ehemalige Berghalde ist fast komplett von Wald bedeckt.

Den Einwohnern des Ruhrgebiets ist meistens gar nicht so recht bewusst, welche Schatzkisten vor ihrer Haustür liegen, seit dem Untergang der Steinkohleindustrie setzen alle auf Wald, Wald, Wald. Und erst in den letzten Jahren wird klar, dass die einst so verachteten Schotterflächen und Dreckhügel erstklassige Offenland-Biotope sind, Ersatzflächen für die verlorengegangenen Heidegebiete im Süden des Münsterlands.

Das Ruhrgebiet hat so seine eigenen Gesetzmäßigkeiten. Eine davon ist, bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit das „Steigerlied“ abzusingen, mit dem deutschen Bergmannsgruß. Besonders gerne gesungen wird das im Umfeld der ehemaligen Zechen, die heute mit Steuergeld in sogenannte Industriekultur verwandelt worden sind. Als Rheinländer ist einem das ständige Glüüüüückauf glückauf ein wenig suspekt, aber was tut man nicht alles um ein paar Meßtischblatt-Quadranten mit schwarzen Nachweiskästchen zu füllen. Und so nahmen wir bei der zweiten Vorexkursion zum GEO-Tag der  Natur das vom Tonband abgespielte Liedchen gleichmütig hin, das über den Parkplatz vor dem Ruhrmuseum erklang: Die Pheromonfallen auf dem Gelände der Zeche Zollverein mussten geleert werden, bevor die Gluthitze die angelockten Tiere vollends ins Jenseits befördert. Drei Fallen mit zwei verschiedenen Wageningen-Präparaten (SYAN und PATA) hingen gut getarnt seit einer Woche in der Hecke hinter dem Ruhrmuseum, und Ziel war vor allem mein „Lieblings-Glasflügler“ SYnanthedon ANdrenaeformis,  von dem es bisher keine Nachweise im Naturraum Westfalen gab.

Synanthedon andrenaeformis, Zeche Zollverein, 11. Juni 2017 (Foto: Gaby Schulemann-Maier)

Zwei verschiedene Wageningen-Präparate in nur drei Fallen, lohnt sich dafür die 50-Kilometer-Anfahrt? Sie lohnt sich! Paranthrene tabaniformis (ROTTEMBURG, 1775) – Kleiner Pappel-Glasflügler Synanthedon vespiformis (LINNAEUS, 1761) – Wespen-Glasflügler,  Synanthedon andrenaeformis (LASPEYRES, 1801) – Schneeball-Glasflügler, alle drei angepeilten Arten fanden sich in ordentlicher Anzahl in den Fallen. Die Angabe „im Naturraum nicht vertreten“ bei S. andrenaeformis hatte mich schon eine Weile gefuchst, drei neue Glasflügler-Nachweise für das Meßtischblatt 4508, und ein Erstnachweis für Westfalen, dafür kann man schon ein wenig Sprit investieren und schlechte Musik ertragen. 🙂

Veröffentlicht 11. Juni 2017 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Glasflügler, Klimawandel, Lebensräume

Unter eines Baumes Rinde…   Leave a comment


Großinsekten entgehen trotz ihres kapitalen Formats unseren Beobachtungen, entweder durch nächtliche Flugzeiten (Hirschkäfer, Schwärmer) oder alleine durch die Tatsache dass sie sich um unsere „normalen“ Nachweismethoden Lichtfang und Tagfaltermonitoring keinen Deut scheren.  Besonders hartnäckige Kandidaten sind die Glasflügler, deren Imagines sich nur durch Pheromone nachweisen lassen, und deren Raupen zudem im Inneren von Holzgewächsen leben.

Aber manchmal hat man Glück: Bei einer Wanderung durch den winterlichen Stadtwald in Hilden wollte ich ein paar Kollegen mal eben rasch die üblichen Sesia-apiformis-Schlupflöcher und alte Kokons an den Stammfüßen von dicken Pappeln demonstrieren. Durch reinen Zufall waren dort ein paar Borkenstücke lose, ein bisschen gerüttelt, und plötzlich schaute eine bleiche, ihrer Wohnhöhle beraubte fette Made ins Freie. Bei näherem Hinsehen konnte man aber doch ein paar Beinstummel erkennen, und so war die Sache recht schnell klar: Eine Raupe vom „Hornissenschwärmer“, schon ziemlich ausgewachsen und wahrscheinlich kurz vor der Verpuppung. Das Tier wieder zurück in den Baum zu schieben war nicht möglich, also musste sie in ein neues Quartier in einem 5cm dicken Pappelast umgesiedelt werden, in dem ich zuvor mit der Bohrmaschine ein ordentlich tiefes Loch gebohrt hatte.

Rückwärts einfahren wollte sie auf gar keinen Fall, kam mehrfach nach wenigen Minuten wieder aus der neuen Behausung herausgepurzelt. Kopf voran war das Tierchen in wenigen Sekunden in seinem Domizil verschwunden, versperrte den Ausgang mit Spänen und wurde seither nicht mehr gesehen.

Veröffentlicht 16. Januar 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Glasflügler, Lebensräume, Spinner