Die arme Kastanie!   Leave a comment

Die Auswirkungen des Befalls mit der Roßkastanien-Miniermotte Cameraria ohridella auf ihre Wirtsbäume sind hier in der Heidelandschaft schon mehrfach Thema gewesen. In der letzten Woche habe ich nun erstmals eine zweite Blüte und frischen Blattaustrieb bei einer solchermaßen befallenen Kastanie beobachten können. Der Baum steht in Wuppertal-Elberfeld an der Briller Straße ca. 50m nördlich der Einmündung der Kirschbaumstraße (Fotos: Armin Radtke, 16.IX.2017).

Es ist ja nun nicht zu erwarten, daß der Baum in diesem Jahr noch fruchten wird, aber der Versuch spiegelt wohl seine Not wider.

Unabhängig von diesem einzelnen Baum hat die Westdeutsche Zeitung das Aussehen der Kastanien im Stadtgebiet Wuppertals übrigens heute auch zum Thema gemacht: http://www.wz.de/lokales/wuppertal/motten-und-bakterien-setzen-kastanien-zu-1.2520952

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Veröffentlicht 22. September 2017 von ntorva in Arten / Listen

Labkrautschwärmer am Rhein   1 comment

Labkrautschwärmer, Düsseldorf-Benrath, 1. September 2017

Labkrautschwärmer, Düsseldorf-Benrath, 1. September 2017 (Foto: Klaus Böhm)

Vom Labkrautschwärmer Hyles gallii berichtet STAMM (1981: 61): Vorkommen nur am Niederrhein auf trockenen Heiden und Dünen, sonst nur sporadisch auftretend. Fangdaten 8. Mai – 10. August. Die ältesten Angaben darin stammen von STOLLWERK (1863), der berichtet von einem ständigen Vorkommen bei Uerdingen. Mehr als 150 Jahre später ist der Falter erfreulicherweise immer noch in der Region zu finden, auch wenn er in der Roten Liste der Niederrheinischen Bucht mit Kategorie „2: stark gefährdet“ geführt wird. In diesem Jahr sind Falter aus zwei verschiedenen Generationen im Gebiet beobachtet worden, eine Kopula am 13. Juni auf dem Zonser Grind in Dormagen, und jetzt am 1. September wieder ein Falter, praktisch in Sichtweite auf der rechten Rheinseite in Düsseldorf-Benrath. Klaus Böhm schreibt dazu: Das Tier habe ich früh Nachmittags aus der niedrigen Vegetation eines Halbtrockenrasen aufgescheucht, er flog rasant ab, eine Weile hin und her, setzte sich wieder ab, bei der Gelegenheit gelangen mir ein paar Fotos. Der Falter flog erneut ab und ich verlor ihn aus den Augen„.

Bei genauer Betrachtung des Fotos sieht man daß der Falter auf Labkraut sitzt: Das sind also die Stellen an denen sich in den nächsten Wochen vielleicht mal die Suche nach den Raupen lohnt. Hyles gallii überwintert nämlich nach der englischen und niederländischen Literatur als Puppe (zum Beispiel in der Neuauflage des WARING & TOWNSEND). Ob die Zeit noch reicht für die komplette 2. Generation oder ob die Falter im nächsten Jahr wieder zuwandern müssen?
Die Holländische Ausgabe von 2006 vermerkt da skeptisch, „waarschijnlijk kann deze soort de natte winters in Nederland en Belgie niet overleven„.
Raupenfunde aus dem Oktober sind jedenfall belegt, nachzuschauen bei observation.org
Wir wünschen den Raupen und uns auf jeden Fall einen goldenen September und Oktober!


Literatur und Links
STAMM, K. (1981): Prodromus der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens. 229 S., Solingen (Selbstverlag).

STOLLWERCK, F. (1863): Die Lepidopteren-Fauna der Preussischen Rheinlande. Verh.Naturhist.Ver.preuss.Rhl.Westph., N.F. 10 (= 20): 43-248, Bonn

WARING, P, & M. TOWNSEND (2017): Nachtvlinders – de nieuwe veldgids voor Nederland en België. Kosmos Uitgevers, 448 S. ISBN: 9789021564470

Naturräume / Großlandschaften in NRW: http://www.klimaatlas.nrw.de/site/nav2/KarteMG.aspx

Veröffentlicht 3. September 2017 von spoerkelnbruch in Spinner

Kurzer Zwischenstand Cupido argiades   1 comment

Heute war ich mal auf der „falschen“ Rheinseite bei Dormagen unterwegs, dort hat die Stadt ein paar Ausgleichsflächen, die von der Biologische Station im Rhein-Kreis Neuss e.V.  betreut werden.  Dort ist vor etlichen Jahren artenreiches Grünland entwickelt worden, mittels Mahdgutübertragung, Ansaat, mit Ackerrandstreifen rundherum. Direkt angrenzend finden sich das beweidete NSG Wahler Berg und Hannepützheide, mit einer teilweise freigestellten Düne, eine echte Rarität in der dicht besiedelten Rheinebene.

Die Wiesen im Gebiet blühten gerade wie toll, Tiefland-Mähwiesen wie sich das gehört, mit geschätzten 60 Pflanzenarten, unter anderem Wiesen-Bocksbart (Tragopogon pratensis subsp. orientalis) und Wiesen-Salbei, und jede Menge Rot- und Hornklee.

Und Bläulinge, in Massen! Bei dem etwa einstündigen Rundgang habe ich am Ende nicht mehr mitgezählt, aber mindestens 60 Exemplare von Cupido argiades habe ich gesehen, das bedeutet, auf der knapp drei Hektar großen Wiese waren wahrscheinlich ein paar hundert Tiere unterwegs.  Auch Polyommatus icarus war zahlreich zu sehen, aber das Verhältnis argiades / icarus war geschätzt eher 3/1. Auf der Weide nebenan das gleiche Bild, argiades sehr häufig, icarus seltener, dazu einzelne Kleine Feuerfalter und etliche Coenonympha pamphilus.

Und so wie es in Dormagen aussieht scheint es in vielen Biotopen der Region zu sein: auch in Haan, Wuppertal, Remscheid, Düsseldorf berichten die Kollegen von zahlreichen Beobachtungen von Cupido argiades, der momentan hier – vor wenigen Jahren noch unvorstellbar – der häufigste Bläuling ist.

Das Gebiet bei observation.org

Historisch: Erstnachweis Cupido argiades in 2012

Artikel aus dem Jahr 2012 in der Melanargia, 24 (4): 119-123

Veröffentlicht 25. August 2017 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Tagfalter

Schmetterlinge, Landschaft und ausgeGRABEne Literatur.   1 comment

Die Bergische Heideterrasse hat in den letzten Jahrhunderten mehrfach einen kompletten Gestaltwechsel hingelegt, was mit ein Grund sein dürfte für die heutige Artenarmut des Gebiets. So richtig los ging es mit der Überformung aber erst nach der Erfindung des Automobils, der parallel stattfindenden Industrialisierung und dem Verschwinden der extensiven Landbewirtschaftung der Region.

Heideterrasse und Bergisches Land waren vor weniger als zwei Jahrhunderten noch weitgehend waldfrei und die Landschaft dominiert von Ackerbau und Wiesenwirtschaft, in den sandigen Bereichen durchzogen von ausgedehnten Heide- und Moorkomplexen.
Aktuell dominieren eher dichte Besiedelung, Überbauung und Zerschneidung, die Tierhaltung ist bis auf ein paar Reitställe verschwunden, der Wald dafür zurückgekehrt. Ein Ende des Prozesses ist nicht in Sicht – keine guten Nachrichten für die Offenland-Schmetterlinge der Region.

„Übersichtskarte des Ruhrkohlengebiets“ aus GRABE 1936. Ganz unten links liegt „Unterbach“

Woher wir das alles wissen? Zum Glück ist die Lepidopterologie eine Wissenschaft mit langer Tradition, die Altvorderen waren fleißig und haben ordentliche Publikationen hinterlassen. Heute hatte ich erstmals die Gelegenheit einen Blick in ein ganz besonderes Schätzchen zu werfen, in der Post fand ich einen Sonderdruck des aus Dortmund stammenden Altmeisters Albert GRABE as dem Jahr 1936, die „Zusammenstellung der von 1923 bis 1934 im Ruhrgebiet neu aufgefundenen Groß-Schmetterlingsarten.

In dem schmalen Bändchen findet sich eine ganze Menge aus heutiger Sicht schier unglaublicher Beobachtungen, zum Beispiel vom Habichtskraut-Spinner Lemonia dumi, „Nach Voß bei Eller und Grafenberg nicht selten.„. L. dumi sucht man heute hier vergeblich, die nächsten Flugplätze liegen im Hohen Siegerland und Diemeltal, und auf der Hooge Veluwe in Holland.

Funde der Striemen-Schilfeule Senta flammea (CURTIS, 1828) aus [Düsseldorf-]Unterbach, und der Dunkelbraunen Spannereule Idia calvaria ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) – „ohne Datum aus Flingern und Grafenberg“) lassen einen ehrfürchtig erschauern: S. flammea fliegt aktuell nur im Elmpter Schwalmbruch und I. calvaria ist im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen schon lange komplett ausgestorben.

Ebenso flog seinerzeit Lycaena virgaurea („bei Eller-Hassels“), heute findet man den Falter etwa rund um die Skipisten im allerhöchsten Sauerland.  Bis Polymixis flavicincta – der Falter lebt aktuell an der unteren Mosel und Nahe an brutal heißen Felsen – mal wieder „in Grafenberg an Mauern gefunden“ wird, muss der Klimawandel noch gehörig Fahrt aufnehmen.

Unter der Angabe von Coenonympha tiphon Rott. („Auch von Eller gemeldet“) dann die unscheinbare Fußnote: „Bei Eller-Unterbach durch Trockenlegung des Flugfeldes ausgestorben„. C. tiphon ist das Synonym für Coenonympha tullia (MÜLLER, 1764) – Großes Wiesenvögelchen, um diese Art zu sehen muss man heute in die großen Moore Niedersachsens fahren, und dann auch noch mächtig Glück haben.

Und was war das mit dem Flugplatz in Eller??? Wikipedia bringt es an den Tag, die ehemalige Kiesgrube Eller wurde seinerzeit von den Nazis hergerichtet, während des Zweiten Weltkrieges befand sich hier ein zur Täuschung alliierter Bomber angelegter Scheinflugplatz der deutschen Luftwaffe. Die Angabe GRABEs (von 1936) liest sich so als ob die Nazis schon lange vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges gezielt aufgerüstet hätten. Oder hat jemand eine bessere Erklärung?

Heute befindet sich an der Stelle der Kiesgrube Eller der 80 Hektar große Unterbacher See, direkt angrenzend der Eller Forst, einer der Schauplätze des Düsseldorfer Klima-Monitorings. Von der ehemals mehrere Kilometer breiten Heide zwischen Sieg und Ruhr ist im Raum Düsseldorf heute nur noch eine schmale Bahntrasse durch +/- dichte Wälder übrig.
Und so richtig wundert es mich nicht mehr, dass die meisten Spitzenarten das Gebiet großflächig geräumt haben.


Literatur: GRABE, A. (1935-36): Zusammenstellung der von 1923 bis 1934 im Ruhrgebiet neu aufgefundenen Groß-Schmetterlingsarten. – Int.Entom.Z., 29: 282-286, 297-300, 310-312, 323-324, 332-334, 347-348, 359-360, 382-383, 406-408, 416-418, 423-425, Guben; Entom.Z., 49: 508-509, 520-521, 533-107, 535, 538-541, 549-550, 566-568; 50: 16-17, 27, 44-46, 178-183, 194-195, 249-252,
264-269, Frankfurt/M.

Veröffentlicht 9. August 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Literatur

Um Ulmen herum   2 comments

Satyrium w-album im Eller Forst, Juli 2017  (Foto: Klaus Böhm)

Das Vorkommen von Ulmen-Zipfelfaltern im Eller Forst ist zwar schon länger bekannt, hier dennoch eine – wie ich finde besonders bemerkenswerte – Beobachtung von Klaus Böhm:

Bei Untersuchungen zum Vorkommen des Ulmenzipfelfalters im Raum Düsseldorf-Mettmann konnte ich Ende letzter Woche eine bemerkenswerte
Ansammlung dieser Art im Eller Forst beobachten. Auf einer Fläche von gerade mal 15 Quadratmetern saßen nachmittags bei sonnig heißen Wetter gleichzeitig 20! Exemplare auf wenigen Blütenständen des Wasserdosts, teils drei Tiere nah beieinander. Dabei verhielten sich die Falter sehr ruhig, flogen kaum und waren wenig scheu. Systematisch bewegten sie sich langsam über die Blütenköpfe, dabei immer wieder die Körperachse drehend, um in den bereits geöffneten kleinen Einzelblüten zu saugen. Gelegentlich flog einer abrupt und in schnellem Zickzackflug auf um ebenso unvermittelt auf einem benachbarten Blütenstand zu landen.

 

 

Veröffentlicht 11. Juli 2017 von spoerkelnbruch in Tagfalter

Nächtliche Schlammschlacht am Steltenberg   1 comment

Steinbruch Steltenberg in Hagen-Hohenlimburg: Kalk aus dem Devon, mit dünner Lehmauflage…

Nachdem wir in dieser Saison schon einige bemerkenswerte Leuchtabende mit ellenlangen Artenlisten erleben durften, kam pünktlich zum Monatswechsel der Wettereinbruch mit zwei Tagen Dauerregen und etwas reduzierten Temperaturen.

So ein Wettersturz ist sehr ärgerlich für den Veranstalter lange im voraus angekündigter Leuchtabende, und so war die Miene von Josef Bücker beim abendlichen Treff im Steinbruch Steltenberg bei Hohenlimburg leicht verkniffen: Nasse Klamotten, das Auto bis zum Fenster hoch mit Schlamm bespritzt, dazu noch die Gummistiefel vergessen: Der erste Juli-Lichtfang 2017 war eher ein Test für das Durchhaltevermögen der Entomologen, als ein schöner Sommerabend mit Kollegen in einem tollen Lebensraum.
Aber Auskneifen ging ja auch nicht, und so bauten wir brav unsere Anlagen auf, und lauschten dem Pfeifkonzert der Geburtshelferkröten, die das nasse Wetter ganz offenbar prima fanden. Ein paar Gäste fanden sich auch noch ein, und wenn schon kein guter Anflug herrschte, so hatten doch die Kinder Spass am Fotografieren, und die Alten Zeit sich ein wenig zu unterhalten: Auch in Hagen gibt es Pläne für eine Steinbruch-Erweiterung, und die üblichen Querelen zwischen Naherholung, Natur- und Landschaftsschutz und wirtschaftlichen Interessen.

Aus rein entomologischer Sicht ist das Kalkvorkommen, das sich zwischen Haan-Gruiten (Grube 7 und Grube 10) über Wuppertal, Schwelm, Hagen, Hohenlimburg, Letmathe bis nach Warstein zieht, auf jeden Fall ein Hotspot der Artenvielfalt in der Region. Das gilt natürlich vor allem dann, wenn die Steinbruch-Flächen mit ihren Magerrasen und Schutthalden nach dem Abbau offen gehalten und nicht vom Wald zurückerobert werden. Speziell im Raum Hagen-Iserlohn sind da ein paar Spitzenbiotope zu nennen, zum Beispiel die „Dolomiten von Iserlohn“ mit dem von der NRW-Stiftung erworbenen Helmke-Steinbruch oder der Burgberg bei Oestrich: Beide sind seit langem Pilgerziele für Entomologen aus der Umgebung (siehe Literatur).

Aber zurück zum Lechtabend im Steinbruch Steltenberg: Die Ausdauer der Lichtfang-Mannschaft siegte über die mäßigen äußeren Bedingungen, der Abend blieb warm, der Wind trocknete die Vegetation ab und am Ende standen doch knapp 60  Großschmetterlingsarten auf den Listen. Und wie es halt so kommt, bei schlechtem Wetter sieht man die besten Sachen, und wenn es das im Steinbruch Steltenberg „nur“ Kleinschmetterlinge und Eupithecien waren.


Literatur:
HANNIG, K. (1995): Wiederfund des Thymian-Widderchens Mesembrynus purpuralis (BRÜNNICH, 1763) im Süderbergland (Lep., Zygaenidae). Melanargia, 7: 57-58, Leverkusen [Zygaena purpuralis 1990-1995 bei Letmathe]

Veröffentlicht 2. Juli 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Mikros, Spanner

Auch Wuppertal hat etwas zu bieten…   Leave a comment

Hier einige Bilder unserer Exkursion zur Stromtrasse Marscheid in Wuppertal am Samstag, 24.06.2017. Bei trübem aber warmem Wetter und gelegentlichem leichten Nieselregen konnten wir innerhalb von gut drei Stunden eine stattliche Anzahl von Insekten entdecken. Da die Stromtrasse regelmäßig von aufkommendem Baumbewuchs befreit wird, hat sich hier eine artenreiche, heideähnliche Fläche entwickelt, wie man sie nur noch selten findet.

Veröffentlicht 29. Juni 2017 von Tim Laußmann in Arten / Listen