Vom Starren an die Wand   4 comments

Der Moselrastplatz an der A61 in Winningen ist immer einen Stopp wert. Auch wenn man sich dabei zum Narren macht.

Eine Viertelstunde stehe ich jetzt schon da, und starre an die Wand. Nichts! Aber irgendwo müssen sie doch sein, die Falter. Eine Wandergruppe nähert sich, die Treppe auf der ich stehe ist Teil des Moselsteigs, zu jeder Tageszeit kommen dort Menschen vorbei. Der erste bleibt stehen „Was machen Sie denn da? Kann man Ihnen helfen?„.  Das ist ja ganz nett, aber auch wieder nicht. Ob die wohl glauben dass ich schon die Treppe nicht mehr alleine hochkomme? Ich sollte mal an meiner Figur arbeiten. Oder ob ich vielleicht mal richtig von ganz weit oben herunterpinkeln will?

Die Antwort: „Nein Danke, Ich suche nur Schmetterlinge“ kommt auch nicht so richtig gut an, Kopfschütteln, die Wanderer drängeln sich vorbei, bestimmt denken die „Ein Spinner, steht unter der Brücke und starrt an die Wand, schnell weiter bevor er noch runterspringt“.  Bei der Faltersuche auf den Rastplätzen der Bundesautobahn muss man etwas dickfellig sein. Es gibt Plätze an denen der Homo eroticus vorkommt, und dieser empfindet Menschen mit Stirnlampen nicht als Bereicherung.

Drei Minuten später entfährt es mir „Happichdich“! Stein für Stein hatte ich abgesucht, und war am Ende fündig: An  der Moselbrücke und den Felsen rundherm fliegen im Herbst zwei der größten Raritäten der einheimischen Fauna, Polymixis flavicincta und  Ammoconia senex, und beide sind extrem gut getarnt, wenn sie an einem Felsen sitzen. Oder auch nicht, wenn sie sich den falschen Sitzplatz aussuchen.

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Veröffentlicht 28. Oktober 2016 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Eulenfalter, Phänologie

Einkaufsbummel im Herbst   Leave a comment

Es gibt bestimmt manche unter uns Schmetterlingsfreunden, die im Familienkreis schon mehrfach die Klage „Du denkst auch immer nur an Deine Schmetterlinge!“ zu hören bekommen haben. J e t z t gibt es sehr gute Gelegenheiten zum ersten die Sippe zu erfreuen dadurch, daß man bei einem Einkaufsbummel in der Stadt gerne mitgeht, weil man zweitens dabei zwangsläufig an Kastanienbäumen vorbeikommt und beim Blick auf das Laub im Vorübergehen Fundpunkte der Roßkastanien Miniermotte Cameraria ohridella aufnehmen kann.

Auch wenn die Bäume nicht direkt zugänglich sind hat diese Jahreszeit den Vorteil, daß durch die Herbstwinde schon viele Blätter am Boden liegen und man daran bequem nach den Miniergängen suchen kann. Im Siedlungsbereich wird es kaum Kastanien geben, die nicht befallen sind. Die Bilder zeigen ein paar Impressionen, die ich heute bei mir im Innenstadtbereich von Wuppertal-Barmen festhalten konnte.

Roßkastanien mit C. ohridella Befall, Wuppertal-Barmen, Kothen, 23.X.2016, Fotos: Armin Radtke

Veröffentlicht 23. Oktober 2016 von ntorva in Arten / Listen

Traumziele, Traumarten   Leave a comment

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Catocala fraxini (L.) – Blaues Ordensband, Erpeler Ley, 14. Oktober 2016 (Foto: Armin Dahl)

Dichonia convergens, D-NRW Bad Honnef, Drachenfels, 15.10.2016

Dichonia convergens ([DENIS & SCHIFFERMÜLLER], 1775) – Graue Eicheneule, D-NRW Bad Honnef 15.10.2016

Hier im Niederbergischen läft aktuell so gut wie garnichts, praktisch kein Anflug am Köder, die Lichtfänge sehr mau mit wenigen Arten und Individuen, das macht keinen rechten Spaß. Also Zeit sich ein wenig umzusehen, und anderswo ein paar schwarze Kästchen auf den Verbreitungskarten zu füllen.

An diesem Wochenende war Fortbildung bei den Herbsteulen angesagt, und nach dem sondieren an Stux und Erpeler Ley auch jeweils ein Lichtfang an diesen beiden exponiertesten Felsen des nördlichen Mittelrheintales.

Die Bedingungen waren beide Male nicht optimal, Vollmond und Regen bzw. Wind, aber dennoch: Das Blaue Ordensband habe ich zuletzt vor ca. 50 Jahren an der Mosel gesehen, der Falter gehört mit seinen kapitalen 9cm Spannweite zu den größten Brocken der einheimischen Fauna. Der Falter saß übrigens wie gewöhnlich auf dem letzten Runde Kontrollgang an der allerletzten Köderstelle, wie sich das für seltene Arten gehört.  Und  Dichonia convergens erreicht in den Eichen-Buschwäldern auf den Felsen des Siebengebirges den nördlichsten Verbreitungspunkt im Mittelrheintal, beide Arten standen schon lange auf meiner „Wunschliste“. Mit Geduld und Spucke, fängt man eine M…otte: Der oben gezeigte Falter war übrigens so kooperativ einige Sekunden NACH dem Ausschalten des Leuchtturms den Fotografen anzufliegen.

 

Veröffentlicht 17. Oktober 2016 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Lebensräume

Noch mehr Felsen – Stux und Erpeler Ley   Leave a comment

Als Bewohner der Heideterrasse schielt man immer ein wenig neidisch auf die Kollegen, die in der Nähe von Mittelrhein, Mosel und an der Ahr wohnen. Ersten muss man dahin eine ordentliche Strecke fahren, und zweitens empfiehlt es sich vor einem Lichtfang immer mal die Stelle genau anschauen, bevor man dann in der Nacht in unbekanntem Terrain herumirrt. Und dann braucht man auch noch ein wenig Wetterglück, also möglichst windstille, milde Abende, sonst war alles umsonst. Die Kollegen vor Ort haben dagegen immer alles vor der Haustür und könn(t)en das alles ohne großen Aufwand genießen.
Rechtsrheinisch stehen die letzten ordentlichen Felsen im Rheintal im Siebengebirge, und da finden sich dann auch die nördlichsten Vorkommen von Polymixis xanthomista und Dichonia convergens, die als „Relikt der postglazialen Steppenperiode“ (STAMM, 1981) geltende Ammoconia senex mediorhenana FUCHS, 1879 hat es nicht einmal so weit nach Norden geschafft, ihr nördlichstes Vorkommen liegt am Stux, gerade eben schon in Rheinland-Pfalz. Alle drei Arten fliegen im Herbst, wenn kaum noch Feldentomologen unterwegs sind, und zählen vielleicht deshalb faunistisch zu den Kleinodien des Rheinlandes: Kaum jemand schaut danach.

Aber das soll sich ja ändern, und so habe ich am Wochenende mal die Ortslagen sondiert, ein paar Fotos geschossen und sogar ein paar Schmetterlinge gesehen. Stux und Erpeler Ley liegen auf Sichtweite nur einen guten  Kilometer weit auseinander, sind jedoch geologisch sehr unterschiedlich aufgebaut, der Stux besteht aus Kalkschiefer, die Erpeler Ley dagegen ist eine Vulkanruine, das Gestein ist Basalt. Beide liegen mit süd- und westexponierten Felswänden frei im Rheintal und heizen sich deshalb selbst in der schwachen Herbstsonne gehörig auf.

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Veröffentlicht 11. Oktober 2016 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Eulenfalter, Lebensräume

Herbst im Ahrtal   Leave a comment

Die Gärtner haben lange darauf gewartet, die Schmetterlingsforscher können eigentlich auch ganz gut darauf verzichten: Der Sommer ist jetzt endgültig vorbei, pünktlich zum langen Wiedervereinigungs-Wochenende ziehen eiskalte Regenböen übers Land, und endlich kommt auch mal eine ordentliche Menge Wasser vom Himmel. Kein Wetter zum Lichtfang? Weit gefehlt, das einzige was einem richtig auf die Nerven geht ist die klatschnasse Leuchtanlage und das dreckige Auto am nächsten Tag.
Aber der Reihe nach: Das Ahrtal sticht mir schon seit einiger Zeit in der Nase, und die Fahrt dahin dauert kaum länger als nach Wipperfürth, dafür gibt es dort aber fantastische Felsbiotope mit Segelfaltern, Steineulen und sonstigen Felsbewohnern. Das Problem nur: anscheinend hat dort seit Jahrzehnten niemand im Herbst den Weg dorthin angetreten, denn die letzten Nachweise zum Beispiel von Polymixis xanthomista (HÜBNER, [1818-1819]) waren schon über 30 Jahre alt. Die Blaugraue Steineule ist ein von den Arten deren Verbreitung eng an die Felstäler von Nahe, Mittelrhein, Mosel und Lahn und Ahr gebunden ist.
Auf die mangelnde Durchforschung des Verbreitungsgebiets hat übrigens schon Axel Steiner im Band 6 der Baden-Württemberg-Fauna hingewiesen, auch dort haben die BW-Kollegen offenbar keine große Lust sich bei Herbstwetter in den Felshängen herumzutreiben.
Da braucht es schon einen ordentlichen Lichtfangstandort, auf den man bequem hinfahren kann, so wie die Michaelskapelle in Mayschoß, zum Glück hatte ich den Platz letzte Woche bei bestem Wetter ausgekundschaftet. Nach zwei Stunden im eiskalten Regen war die Artenliste mit 17 Makro-Arten gar nicht mal so kurz. Und Polymixis xanthomista bekommt in unseren Verbreitungskarten ab sofort wieder ein „schwarzes“ Kästchen im Ahrtal.

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Und hier hoch das Beoachtungsprotokoll

Veröffentlicht 3. Oktober 2016 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Auf Tour, Eulenfalter

Vor der Regenfront   Leave a comment

Es gibt Wetterlagen, da sitzt man zu Hause wie auf Kohlen und beneidet die Rentner, die sich ihre Abende frei einteilen können. Und nicht am nächsten Morgen zum Job müssen, sondern ausschlafen können.
Aber manchmal muss man in den sauren Apfel beißen, weil das Wetter gar zu verlockend ist.
Bei der heranziehenden Regenfront gestern war deshalb mal ein kurzer Lichtfang angesagt, um die Kartierlücken in der Düsseldorfer Region zu schließen.

Das Rotthäuser Bachtal  sieht aus wie ein typisches Bachtal im Bergischen Land, hier reihen sich Feuchtwiesen, Schilf und kleine Teiche aneinander. Das Tal hat uns schon einige faunistische Überraschungen bereitet, es gehört ganz knapp zur kontinentalen Region und liegt im Naturraum VIa – Bergisches Land, hier grenzen die Tiefland und Bergische Höhen direkt aneinander, was sich in der Fauna niederschlägt. Bei den Schilfeulen war noch einiges an Arten zu erwarten, und hinter dem Abshof geht ein befahrbarer Weg direkt am Schilf vorbei – der perfekte Leuchtplatz.

Um 19.30 wurde es schon höchste Zeit zum Aufbau der Lichtanlage, bei böigem Wind und 20° Celsius , nachdem es seit viele Tagen in der Region nicht mehr ordentlich geregnet hatte. Zwei Stunden später kam der Regen, und die Anlage lag schon wieder trocken abgebaut im Auto, 12 Schmetterlingsarten  standen auf dem Zettel. Zwei davon sind im Bergland sehr selten, sehen sich äußerlich ähnlich, sind aber leicht an der Größe zu unterscheiden: Rhizedra lutosa ist fast doppelt so groß wie Sedina buettneri (auf den Fotos ist der gleiche Schilfhalm abgebildet).

Sedina buettneri, Düsseldorf, Rotthäuser Bachtal - Abshof, 29. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Sedina buettneri (E. HERING, 1858), Düsseldorf, Rotthäuser Bachtal – Abshof, 29. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Rhizedra lutosa, Düsseldorf, Rotthäuser Bachtal - Abshof, 29. September 2016 (Foto: Armin Dahl)

Rhizedra lutosa (HÜBNER, [1800-1803]), Düsseldorf, Rotthäuser Bachtal – Abshof, 29. September 2016 (Foto: Armin Dahl)


Und hier die Liste:

KaRa-Nummer   Art  Anzahl
0066915 Cydalima perspectalis 5
0076130 Opisthograptis luteolata 1
0090080 Rivula sericealis 3
0090560 Autographa gamma 1
0095560 Xanthia togata 1
0095570 Tiliacea aurago 6
0095660 Sunira circellaris 1
0098140 Rhizedra lutosa 1
0098700 Sedina buettneri 12
0100960 Noctua pronuba 1
0101990 Xestia c-nigrum 2
0102120 Xestia xanthographatd>

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Veröffentlicht 30. September 2016 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Lebensräume

Exkursion nach Radevormwald – Vogelsmühle   1 comment

Letzten Freitag, 16.09. ging es nach Radevormwald. Trotz dreier Leuchttürme und zwei Dutzend Köderschnüren war die Ausbeute bescheiden. Aber immerhin etwas. Und alle Schmetterlinge haben mit Buche zu tun (Bilder anklicken).

Und hier die komplette Liste als .pdf

Veröffentlicht 19. September 2016 von laussmann in Arten / Listen