Warum die Insekten sterben oder Streifenmahd nach Düsseldorfer Modell 🙈   2 comments

Düsseldorf, Blick von der Franklinbrücke nach Norden, 4. Juli 2022 (Foto: Armin Dahl)

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte, deshalb fasse ich mich kurz: Vor einer Woche noch war das eine trockene, herrlich blühende Wiese, für eine Menge Steuergeld angelegt von der Landeshauptstadt, die sich mit Klimamonitoring, Artenvielfalt und einem vorderen Platz beim BioBlitz 2022 brüstet. Ein riesiges Meer von Echtem Labkraut, massig buntes Blütenangebot und darin jede Menge Fluginsekten.

Und jetzt das: Die ganze blühende Oase namens Maurice-Ravel-Park im schicken Stadtteil Pempelfort, auf einen Schlag heruntergef…. bis auf die Strünke. Wer oder was auch immer hier lebte, das befindet sich jetzt in der Kompostieranlage und wurde zur Sicherheit vorher kleingehäckselt.

Es dauert wohl noch eine Weile bis die Teilflächen- oder Streifenmahd, bis das stehenlassen von Altgras- und Refugialstreifen und das restliche kleine Einmaleins des Artenschutzes in den Köpfen der Düsseldorfer Stadtgärtner angekommen sind. So jedenfalls macht man es NICHT.

Vielleicht liegt´s ja am Namen des Parks. Maurice Ravel war als Komponist ziemlich meinungsstark, einige Wutausbrüch sind überliefert, Experimente mit seinen eigenen Werken konnte er überhaupt nicht ab. Als Arturo Toscanini einmal seinen berühmten Bolero aufführte, schrie Ravel im Saal herum: „Ich bin der Komponist!“ und beschimpfte den Dirigenten: „Das Schwein hat zu schnell gespielt, das ist unverzeihlich! Das ist unglaublich! Das Stück ist ruiniert!“.

So etwas ähnliches kam mir heute in den Sinn, als ich auf der Zoobrücke stand und das Desaster ansehen musste. Ich bin zwar nicht der Parkplaner, könnte aber schreien vor Wut und Enttäuschung. Aufräumen und Pflege sind zwei verschiedene Dinge – Gut gemeint ist halt nicht gut gemacht.

Veröffentlicht 4. Juli 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen, Ökologie, Insektensterben, Pflege

Das Weiße Ordensband   3 comments

Seit ein paar Jahren, genauer gesagt seit 2015, gibt es nach über 60 Jahren der Abwesentheit in NRW, wieder Funde des Weißen Ordensbandes, Catephia alchymista, in unserem Bundesland, http://nrw.schmetterlinge-bw.de/MapServerClient/Map.aspx. Jahrzehnte galt die Art als in NRW ausgestorben nachdem 1952 der zuvor letzte Falter hier gefunden werden konnte, siehe Rote Liste NRW 2010.

Heute morgen dann war ich sehr erfreut, als ich einen schon etwas abgeflogenen Falter dieser Art bei mir in der Lichtfalle auf dem Balkon in der Innenstadt von Wuppertal-Barmen finden durfte. Ein weiterer Hinweis auf die sich verändernden klimatischen Bedingungen, die schon zahlreichen Arten eine Verschiebung ihrer Arealgrenzen nach Norden hin ermöglichten.

Catephia alchymista ([Dennis & Schiffermüller] 1775), NRW, Bergisches Land, Wuppertal-Barmen, Innenstadt, 190m, Lichtfalle, 22.V.22, Foto: Armin Radtke

Veröffentlicht 22. Mai 2022 von ntorva in Arten / Listen

Haribo – Anflugfalle, lecker Eigenbau   Leave a comment

Hier haben sich ein paar Anfragen angesammelt, mit welchen Methoden man am besten Glasflügler fängt, oder wie Anflugkäfige für selbst gezüchtete Mottenweibchen aussehen müssen. Keine Bauanleitung, eher was für Kinder!

Professionelle Fallen kosten im Handel knapp unter 10 Euro, wenn man se z.B. bei der Pherobank in den Niederlanden bestellt. Im Baumarkt oder bei Firmen wie Plantura nehmen sie Euch für eine Buchsbaumzünslerfalle gerne auch mal 25,- Euro ab. Für einen einzige Falle wohlgemerkt, was gelinde gesagt Nepp für ein bisschen Plastik ist. Mal ganz abgesehen davon, dass männliche Buchsbaumzünsler zu fangen ein herrlich unsinniger Quatsch ist, nur gut zum Erkennen eines Befalls. Zur Bekämpfung der Zünsler taugt das Wegfangen der Männchen bekanntlich nichts. Die Weibchen werden natürlich trotzdem befruchtet und legen ihre Eier ab, ob da eine Falle hängt oder nicht.

Damit Ihr nicht unnötig Geld ausgebt, hier mal ein Bild von einer vollständig ausreichenden Falle, mit vespiformis-Glasflüglern, gefangen vor etlichen Jahren im Burgholz in Wuppertal. Eine Bauanleitung braucht man dafür nicht, macht dafür nur ein paar Kinder froh, oder Erwachsene ebenso.

Zwei alte Klopapierrollen, ein Stück Draht, fertig ist der Apparat. Die Haribo-Schmetterlinge werden leider nicht mehr produziert. 28. Juni 2013. Foto: Armin Radtke

Veröffentlicht 20. März 2022 von Armin Dahl in Arten / Listen

Ein Blick zurück auf das Schmetterlingsjahr 2021   2 comments

Ein weiteres Pandemie-Jahr liegt hinter uns. Auch wenn wir nicht alle Pläne umsetzen konnten, waren immerhin einige schöne Exkursionen möglich, wir konnten einen Artikel in einer internationalen Zeitschrift veröffentlichen und einen YouTube-Kanal starten. Faszinierende Einblicke in das Innere von sich entwickelnden Puppen (Titelbild) erhielten wir aus einer Kooperation mit der Uni Düsseldorf. Alles in allem ein gutes Schmetterlingsjahr, in dem wir uns auch erfolgreich für den Erhalt der Lebensräume unserer geflügelten Freunde einsetzen konnten.

Was lässt sich sonst noch über das vergangene Jahr 2021 sagen? Im Grunde nicht viel mehr als über das Jahr 2020 – viele Veranstaltungen sind der Pandemie zum Opfer gefallen. Im Sommer waren immerhin einige Exkursionen und Vorträge in Präsenz möglich. In weiser Voraussicht wurden Tagungen – wie der Westdeutsche Entomologentag – im Herbst direkt als Online-Veranstaltung geplant. So nützlich das auch ist, der direkte Austausch unter Insektenfreunden bleibt dennoch auf der Strecke. Hoffen wir, dass sich die Situation im nächsten Jahr bessert. Nun aber zu den den schönen Dingen des Lebens: den Schmetterlingen.

Was ist im vergangenen Jahr gelaufen?

  • Im Februar kam nach einem langen, aber durchaus fruchtbaren Review-Prozess endlich unser Artikel über 160 Jahre Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal heraus. Obwohl wir alle Hebel in Bewegung setzten, wurde damit jedoch keine öffentliche Wirkung erzielt, auch eine Aufbereitung der Grafiken und konkrete Ansprache verschiedener Medien halfen nicht weiter. Auf schlechte Nachtrichten aus dem Insektenreich hat wahrscheinlich keiner mehr Lust. Immerhin haben wir nun alle uns zur Verfügung stehenden Informationen auch international präsentiert – und das zumindest ist ein bleibender Erfolg!
  • Mitte Mai hatten wir eine schöne Exkursion an die Mosel zum Orion-Bläuling.
  • Ende Mai haben wir ein Ferienhaus in der Nähe des Radioteleskops „Astropeiler“ am Stockert in der Eifel gemietet und konnten in kleiner Runde zahlreiche seltene Tag- und Nachtfalter beobachten.
  • Im Juni haben wir unser YouTube-Projekt „mothhunters“ gestartet. Einige Beiträge sind schon online, weitere in Planung.
  • Im Frühsommer waren noch Ausflüge an die Mosel und in die Eifel möglich. Insbesondere ging es dabei um die Bestände des Blauschillernden Feuerfalters und des Mosel-Apollofalters.
  • Nach dem 14. Juli, dem Beginn der Hochwasserkatastrophe, waren weitere Touren in die Eifel und an die Mosel zunächst nicht mehr denkbar. Im September konnte ich die Bahnstrecke in Nettersheim besichtigen, die eher einer Achterbahn glich (Bilder unten). Die Auswirkungen auf die Schmetterlinge sind noch unklar. Hoffentlich bleiben sie gering. Jedenfalls wurden die Wiesen rund um die Urft und auch im Lampertstal zwar stark überschwemmt, aber augenscheinlich nur wenig in Mitleidenschaft gezogen. Stark betroffene, teilweise abgetragene und verwüstete Stellen waren vor allem im Bereich von Verengungen, Brücken und Bebauungen zu finden.
  • Ein Kurztrip in den Harz bei Quedlinburg (den Ort kann man nur wärmstens empfehlen!) hat Lust auf mehr gemacht. Sicher ist dies ein lohnendes Ziel für Frühling und Sommer.
  • Die neue Rote Liste der Schmetterlinge in NRW ist erschienen. An die schlechten Nachrichten daraus haben wir uns ja leider schon gewöhnt. Auch hier muss man sagen: will keiner mehr hören.
  • Der Datenbestand auf observation.org wächst zusehends und mit steigender Geschwindigkeit.
  • Armin Dahl hat einen Schmetterlingskurs am Heiligen Meer zusammen mit dem LWL-Museum für Naturkunde durchgeführt. Die Veranstaltung war ein großer Erfolg und wird im nächsten Jahr wieder stattfinden.
  • Armin Radtke und ich haben einen Vortrag mit anschließender Beobachtung von Nachtfaltern am Naturfreundehaus Neuenkamp in Leichlingen angeboten, an dem zahlreiche Personen begeistert teilnahmen.
  • Im Herbst konnten wir unser Projekt mit der Uni-Düsseldorf, nämlich die Beobachtung der Metamorphose der Puppen des Nachtpfauenauges zum Schmetterling mittels Kernspinresonanztomographie, zu Ende bringen (Beispiel: Titelbild, ein entwickeltes Weibchen in der Puppenhülle, gefüllt mit Eiern). Ein entsprechender Artikel ist bereits eingereicht und hat die erste Review-Runde gut überstanden.
  • Der Kaisermantel wurde auf unsere Initiative hin zum Schmetterling des Jahres 2022 gewählt und soll zu einer nachhaltigeren Waldwirtschaft ermahnen.

Zum Abschluss, wie jedes Jahr, einige farbenfrohe Bilder zur Aufheiterung (Beschreibung: bitte Bilder anklicken!). Nächstes Jahr wird bestimmt alles (noch) besser!😉

Euch allen einen guten Übergang ins Jahr 2022, alles Gute, Glück und Gesundheit!

Veröffentlicht 31. Dezember 2021 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Bioblitz 2022: Wer hat die längste Artenliste   4 comments

Die von Observation International betriebene Beobachtungsplattform observation.org hat einige von uns in den vergangene Monaten stark beschäftigt. Die Möglichkeiten der Dateneingabe über verschiedene Apps wurde getestet, Tausende von Fotos wurden eingestellt und nach Möglichkeit validiert, neue Gebiete angelegt usw. Die Möglichkeiten, seine eigenen Beobachtungen mit denen der Kollegen in „Realtime“ zu vergleichen sind super, die Qualitätssicherung wurde optimiert. Und wo das nicht genug war, kam noch der eine oder andere Whatsapp-Chat zum Einsatz, mit Hunderten von Einträgen, oder die Youtube-Videos aus dem mothhunters Channel. Im Rausch der Artenvielfalt ging das Jahr mal wieder viel zu flott herum, auch die Corona-Epidemie hat uns dabei nicht wirklich behindert, der Digitalisierung sei Dank!

Nach der Umstellung auf ein neues Design, etlichen Erweiterungen u.a. bei der Bestimmung mittels Künstlicher Intelligenz, stehen jetzt bei observation.org auch völlig neue Anwendungen zur Verfügung. Eine davon ist der sogenannte „Bioblitz“, ein Wettbewerb zwischen verschiedenen Regionen.

Um die Sache so richtig anzuschieben, haben die Entwickler jetzt schon mal die observation-Daten von 2021 in eine Auswertung gepackt, die im Bild oben zu sehen ist. Diese Darstellungen gibt es übrigens für alle Landkreise und Kreisfreien Städte, natürlich wie immer umsonst und frei zugänglich.

Münster, wo das LWL-Museum das Bioblitzen mit großem Aufwand fördert, führt bei der Zahl von Beobachteten Arten und Beobachtungen. Die meisten Beobachter hat jedoch der Kreis Kleve: Hier sind die an observation.org bzw. waarneming.nl gewöhnten Holländer am Wochenende unterwegs, und geben reichlich Daten ein. Aber auch Aachen, der Kreis Euskirchen, Bochum, Duisburg und der Ennepe-Ruhr-Kreis liegen vorne mit dabei. Das macht schon richtig Spass, wir wissen ja wer dort aktiv war! Und auch an der Mosel im Kreis Bernkastel-Wittlich tut sich viel, dort sind ein paar Junge Wilde unterwegs, gute FotografInnen und reichlich holländische Touristen.

Bisher wusste ja eigentlich keiner von dieser Sache, 2022 soll dann das Projekt Bioblitz richtig angeschoben werden. Mein Ziel: 1500 Arten im Kreis Mettmann und 200 Beobachter. (2021 bisher 1208Arten, 84 Beobachter).

TOP-25 Liste Bioblitz 2021  
NameFundort(e)DatumZielBeobachtete ArtenBeobachtungenBeobachter
MS Münster (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – MS Münster (Kreisfreie Stadt)2021334437802480
ST Steinfurt (Kreis) 2021BRD – ST Steinfurt (Kreis)2021233812773351
AC Aachen (Kreis) 2021BRD – AC Aachen (Kreis)2021214313251364
DU Duisburg (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – DU Duisburg (Kreisfreie Stadt)20211924793981
BIT Bitburg-Prüm (Landkreis) 2021BRD – BIT Bitburg-Prüm (Landkreis)202117346628304
EN Ennepe-Ruhr Kreis (Kreis) 2021BRD – EN Ennepe-Ruhr Kreis (Kreis)202116751161457
WIL Bernkastel-Wittlich (Landkreis) 2021BRD – WIL Bernkastel-Wittlich (Landkreis)202116264962202
EU Euskirchen (Kreis) 2021BRD – EU Euskirchen (Kreis)2021162211184300
RE Recklinghausen (Kreis) 2021BRD – RE Recklinghausen (Kreis)202114964530133
GAP Garmisch-Partenkirchen (Landkreis) 2021BRD – GAP Garmisch-Partenkirchen (Landkreis)202114915793103
BO Bochum (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – BO Bochum (Kreisfreie Stadt)20211484804267
E Essen (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – E Essen (Kreisfreie Stadt)20211439544774
GÖ Göttingen (Landkreis) 2021BRD – GÖ Göttingen (Landkreis)20211419511053
DAU Vulkaneifel (Landkreis) 2021BRD – DAU Vulkaneifel (Landkreis)202113514365220
SU Rhein-Sieg Kreis (Kreis) 2021BRD – SU Rhein-Sieg Kreis (Kreis)202112664943135
A Augsburg (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – A Augsburg (Kreisfreie Stadt)20211257413517
BOR Borken (Kreis) 2021BRD – BOR Borken (Kreis)202112548080475
KLE Kleve (Kreis) 2021BRD – KLE Kleve (Kreis)202112445599501
ME Mettmann (Kreis) 2021BRD – ME Mettmann (Kreis)20211208526484
DN Düren (Kreis) 2021BRD – DN Düren (Kreis)202111603491137
AC Aachen (Kreisfreie Stadt) 2021BRD – AC Aachen (Kreisfreie Stadt)202111403714211
COC Cochem-Zell (Landkreis) 2021BRD – COC Cochem-Zell (Landkreis)202111294781200
VIE Viersen (Kreis) 2021BRD – VIE Viersen (Kreis)202110605770248
COE Coesfeld (Kreis) 2021BRD – COE Coesfeld (Kreis)202110253349189
Hochsauerlandkreis 2021BRD – HSK Hochsauerlandkreis (Kreis) 202110001018 (101%)3866224
Quelle: https://observation.org/bioblitz/

Veröffentlicht 11. November 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen

Zwischen Magerrasen und Feuchtwiese: ein Wochenende im Eschweiler Tal   2 comments

Nach wochenlangem Regen und anhaltender Kälte mit einer Anmutung von November hatten wir am vergangenen Wochenende Glück: bei sonnigem Wetter führte uns die diesjährige Wochenendexkursion in das Eschweiler Tal bei Bad Münstereifel. Wir hatten auf blauen Dunst ein Ferienhaus gemietet, ohne zu ahnen, das sich dieses im Epizentrum der Artenvielfalt befand und über ein großes Grundstück mit Wald und einer Lichtung mit Orchideen und Schlüsselblumen verfügte. So konnten wir nachts bei Kaltgetränken direkt am Haus nach Nachtfaltern leuchten und tagsüber die fußläufig erreichbaren Kalkmagerrasen und Feuchtwiesen erkunden. Einziger Wermutstropfen: bei klarem Himmel sank die Temperatur nachts rasch auf unter zehn Grad, so dass die Ausbeute an Nachtfaltern nicht so üppig wie erhofft ausfiel. Dafür entschädigten aber die Sichtungen von seltenen Tagaltern wie dem Wegerich-Scheckenfalter und dem Schlüsselblumen-Würfelfalter. Außerdem entdeckten wir den tagaktiven Ginster-Fleckenzünsler (Eurrhypis pollinalis), den wir noch nie bewusst gesehen hatten. Erstaunlich auch, wie unterschiedlich Fauna und Flora auf nahe zusammenliegenden Biotopen, selbst bei ähnlicher Lage und Geologie, ausfallen können. Hier sieht man wieder einmal, dass Schmetterlinge auf viele Umweltfaktoren sensibel reagieren und sich die für sie ideale Nische aussuchen.

Auf dem Orchideen-Hotspot Kuttenberg begegnete uns noch eine weitere Spezies in sehr großer Zahl: Orchideenfreunde lagen mit Fotostudio-Equipment und Beleuchtungsassistent*innen im Hang, um die seltenen Mutanten und Hybriden (der Orchideen) abzulichten. Dies hat für spätere Besucher einen Vorteil: die platt gelegenen Stellen deuten auf die Präsenz einer Rarität hin. Offenbar hat diese Praxis den Pflanzen bisher nicht geschadet. Am letzten Tag konnten wir dann noch eine besondere Mission erfüllen: die Suche nach dem Blauschillernden Feuerfalter Lycaena helle im Lewertbachtal im Auftrag der Biostation Euskirchen. Immerhin konnten wir zwei Tiere finden und so unseren Beitrag zur LIFE helle Eifeltäler Synchronzählung beitragen. Kurz gesagt: Mission erfüllt! …und hier noch die Fotoausbeute (für die Beschreibung bitte anklicken).

Veröffentlicht 4. Juni 2021 von Tim Laußmann in Arten / Listen

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Mission zum Orion   3 comments

Mann oh Mann, nicht nur der Lockdown ist eine harte Prüfung, sondern auch das Wetter. Dieses Jahr hatte ich noch nicht ein vernünftiges Foto von seltenen Schmetterlingen schießen können. Immer nur Kälte und Regen, auch nachts am Licht nicht viel los. Doch schon Anfang letzter Woche zeichnete sich ein ganz, ganz kleines „Zwischenhoch“ für Donnerstag ab. Dieses kurze Sonnenfenster konnten Daniel Müller und ich nutzen, um dem Orion-Bläuling (Fetthennen-Bläuling, Scolitantides orion) an der Mosel einen Besuch abzustatten. Ich selbst hatte den Falter tatsächlich noch nie gesehen und so war ich dankbar, dass mich Daniel als ortskundiger Schmetterlingsexperte in den Steilhängen der Mosel an die richtigen Stellen führte. Was soll man sagen: die Mission war ein voller Erfolg! Und: der Fetthennen-Bläuling war nicht die einzige Rarität, die es zu sehen gab. Hier muss man einfach mal sagen: so geht gelungener Naturschutz! Das ist wirklich vorbildlich. Es wäre natürlich ein Traum, wenn sich so eine Einstellung zur Natur auf das ganze Moseltal ausdehnen würde. Ich sage nur: Mosel-Apollofalter! Das Kontrastprogramm dazu gab es leider auch, aber nicht auf den relevanten Flächen… Fotos: siehe unten (Fotos anklicken für die Bildbeschreibung).

Veröffentlicht 22. Mai 2021 von Tim Laußmann in Arten / Listen

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Raupensuche in Blütenständen der Karde   1 comment

Die Vegetation hat seit Anfang März 2021 eine Atempause eingelegt, ein stabiles Hochdruckgebiet mit Kaltlufteinbruch, Ostwind mit Nachtfrost, ein paar Kornelkirschen und Salweiden blühen, und an warmen Stellen wagen sich einzelne Blüten von Kirschpflaumen und Schlehen heraus. Kätzcheneulen fliegen noch spärlich, Lichtfänge mit Mütze und Handschuhen machen keinen rechten Spass. Hier mal eine einfache Übung für die Zeit, bis es draußen so richtig losgeht mit den Nachtfaltern.

In den Blütenköpfen der Karde (Dipsacus fullonum) leben bei uns zwei Wickler-Arten, die relativ leicht zu finden sind: Endothenia gentianeana und E. marginana. Die Falter lassen sich im Feld nicht unterscheiden, bei den Raupen ist das sehr viel einfacher, und der Vorfrühling ist für die Suche eine gute Zeit.

Karden wachsen auf Schuttplätzen und in Ruderalfluren, wer sich die Pflanze in den Garten holt, bekommt einen fantastischen Insektenmagneten, der Bienen, Wespen und Schmetterlinge magisch anzieht. Als Kinder haben wir seinerzeit die trockenen Blütenköpfe gesammelt und mit Goldlack angesprüht, als Weihnachtsdekoration. Heute steht da allerdings eher das entomologische Interesse im Vordergrund.

Hat man sich einmal überwunden die pieksigen trockenen Blütenstände der Karde auseinanderzunehmen, sieht man sofort, ob der Blütenkopf bewohnt oder nicht. Der normalerweise hohle Blütenboden ist dann voller Kotkrümel, die Raupe meist direkt zu erkennen, oder sie sitzt im angrenzenden obersten Stengelabschnitt. Rosafarbene Raupen mit schwarzer Afterplatte sollten zu Endothenia marginana gehören, eher weißliche Raupen ohne Afterplatte zu Endothenia gentianeana.

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Die Raupen von Endothenia gentianaeana leben nach Literaturangaben übrigens nicht nur in der Karde, sondern auch in Enzian und Wegerich. Am einfachsten zu finden sind sie jedoch in den alten Kardenblüten im zeitigen Frühjahr. Auf Neudeutsch ist das eine relativ leichte Challenge.

Viel Erfolg!

 

Veröffentlicht 21. März 2021 von Armin Dahl in Mikros, Raupen

Winterspaziergangsimpressionen   Leave a comment

In der Lichtfalle auf dem Balkon stellte sich am vergangenen Samstag vorerst zum letzten Mal Besuch aus der Falterwelt ein. Neben Überwinterern waren, wie schon in den Tagen zuvor, die Vorfrühlingsarten A. marginaria und A. leucophaearia zu finden. Dann kam Samstag Abend der Eisregen und anschließend der Schnee. Seitdem herrschen hier konstant Minustemperaturen, Falter Fehlanzeige.

Aber trotzdem kann man ja auch bei diesem Winterwetter Schmetterlinge nachweisen. Ein Spaziergang im nächsten Laubwald kann da helfen Verbreitungsnachweise zu erbringen. Hier mal ein paar Beispiele von heute Nachmittag im Kothener Wald in Wuppertal-Barmen, zu sehen ist ein Altnest vom Eichenprozessionsspinner und viele Dutzend Altminen von Zimmermannia liebwerdella an Buche.

Eine dreistellige Anzahl von Zimmermannia liebwerdella Altminen an Buche Wuppertal-Barmen, Kothener Wald, 10.II.2021, Foto: Armin Radtke
Vorjähriges Nest von Thaumetopoea processionea (Eichen-Prozessionsspinner), Wuppertal-Barmen, Kothener Wald, 10.II.2021, Foto: Armin Radtke

Es lohnt sich also auch bei richtigem Winterwetter an die Falter zu denken – finden kann man immer was!

Veröffentlicht 10. Februar 2021 von ntorva in Arten / Listen

Das Kleine Gelbe Waisenkind und der Anmutige Haarwald   1 comment

Endlich mal wieder Winter! Der Blick aus dem Arbeitszimmer geht über verschneite Schafweiden, die Köder im Garten sind eingefroren, das Auto mit kaputter Heizung in der Werkstatt. Nach einer saukalten Nacht mit zweistelligen Minustemperaturen (-12°C in meinem Garten in Haan) kann ich mich für den Rest der Woche endlich mal mit dem Schmökern bzw. Surfen beschäftigen. 

Die Kollegen aus den Niederlanden haben im vergangenen Jahr 2020 mal wieder die Latte für faunistische Beteiligung hochgelegt : 450.000 Nachtfaltermeldungen (nur Makros!) von 697 verschiedenen Arten gab es im Nachbarland. Die Vlinderstichting hat das alles in einem kurzen Bericht zusammengestellt, den man hier anschauen  kann. Zum Vergleich: Im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen kamen im Jahr 2020 bisher gut 40.000 gemeldete Einzelbeobachtungen zusammen (inklusive Mikros), und die meisten Daten sind bereits importiert. Die Niederlande haben dabei etwas weniger Einwohner als Nordrhein-Westfalen (17,2 / 17,9 Millionen), und zum Arbeitsgebiet gehören noch der Norden von Rheinland-Pfalz und Teile von Hessen, Niedersachsen und der Norden des Saarlandes. 

Fünf neue Arten Makros gab es in NL zu vermelden, einer davon, der Schneeball-Glasflügler, geht immerhin auf das Konto von Heidelandschafts-Urgestein Armin Radtke. Aber auch eine Reihe weiterer Raritäten wurde vermerkt, so zum Beispiel der vierte Nachweis von Polyphaenis sericata aus Limburg. Unfassbar wenn man das bisher bekannte Verbreitungsgebiet anschaut, ich selbst kenne sericata nur von einer Exkursion ins Loreleygebiet. Zu P. sericata gibt es übrigens auch aus Deutschland Nachweise von 2020 aus Frechen, in Niedersachsen ist die Art 2019 sogar bis in den Raum Hannover vorgestoßen. Bleibt abzuwarten ob die Vorkommen die aktuellen Frostperioden unbeschadet überstehen. 

Zurück zu den Niederlanden: Wer kein holländisch lesen kann, sollte sich den oben erwähnten Text kopieren und bei Google translate einfügen. Hier mal ein von Google übersetzter Abschnitt der mir besonders gefallen hat: 

„Im Herbst wurden drei neue Motten für die Niederlande beobachtet, das kleine gelbe Waisenkind (Catocala nymphagoga), die südliche Eicheneule (Dryobota labecula) und der anmutige Haarwald (Ochropleura leucogaster).“

 

 

Veröffentlicht 9. Februar 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen, im Netz, Klimawandel

Frühling im Anmarsch   1 comment

Nach den milden Nächten der letzten Tage habe ich heute mal eine kleine Runde durch die Tunnels und Unterführungen der Region gedreht. Mit Taschenlampe und Fernglas bewaffnet, um auch in die unzugänglichen Ecken schauen zu können.

Acht Arten und knapp 80 Tiere insgesamt, und jetzt weiß ich auch wo die Federgeistchen den Winter verbringen.

 

Veröffentlicht 4. Februar 2021 von Armin Dahl in Arten / Listen

2020 – das war´s   2 comments

Also, hätte mir letztes Jahr jemand erzählt, dass 2020 selbst Gottesdienste an Weihnachten weitgehend ausfallen, ich hätte es nicht geglaubt. Auf jeden Fall wäre ich nicht darauf gekommen, dass ein Virus die Ursache sein würde.

Man kann lange darüber philosophieren, was die Gründe für diese einschneidende Wendung in der Geschichte sind. Inzwischen bin ich davon überzeugt: es ist einfach nur eine Verkettung von unglücklichen Umständen (man könnte es als „Pech“ bezeichnen). Natürlich hat die globale Mobilität die Pandemie deutlich beschleunigt, aber sie war vermutlich unausweichlich und musste, statistisch gesehen, irgendwann kommen.

Ich denke, die Ursachen für Dinge, die zufällig passieren, sollte man nicht weiter ergründen. Stattdessen sollten wir nach vorne blicken: was können wir lernen?

Bemerkenswert finde ich, dass das Virus wie ein Schlaglicht auf Missstände hinweist. Z.B. auf unseren absolut nicht vertretbaren, respektlosen Umgang mit Mensch und Tier in der Fleischindustrie. Auch, wie sich plötzlich Wertschätzung und Anerkennung von Arbeit verschieben können: Wer sind denn nun die „Leistungsträger der Gesellschaft“?

Eine weitere wichtige Einsicht: mit einem Virus kann man nicht verhandeln. Er arbeitet wie ein Uhrwerk, unaufhaltsam, nach den Gesetzen der Natur. Erstaunlich, wie versucht wurde, hin- und her zu taktieren, um dann doch beim unausweichlichen „Lockdown“ zu enden. Auch der Klimawandel wird mit Macht auf uns zukommen, aber viel langsamer als ein Virus. Und was dann folgt, kann man sicher nicht kurzfristig „wegimpfen“. Da wir offenbar nicht in der Lage sind, weiter als eine Legislaturperiode zu blicken, schwant mir nichts Gutes.

Positiv ist, dass die Wissenschaft in der Krise eine bedeutende Rolle spielt. Mit wissenschaftlichen Erkenntnissen lassen sich Probleme lösen. Und: die Mehrheit der Menschen vertraut offenbar darauf, mal abgesehen von einer zwar lauten, aber doch kleinen Minderheit. Ich bin sehr gespannt, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse aus der Krise gewonnen werden: über das Verhalten von Menschen (Toilettenpapier?), über den Umgang mit Viren, über die Auswirkungen einer Pandemie auf Wirtschaft und Gesellschaft.

Hoffentlich liefert die Krise den Anstoß endlich auf Innovation zu setzen. Sollte man „alte Zöpfe“ weiter am Tropf von Subventionen halten? Soll man nicht besser nachdenken, was uns in Zukunft weiterbringt? Apropos weiter: wohin wollen wir eigentlich? Ich denke, die künstliche Wiederbelebung des Zustands vor der Krise ist keine Lösung, sie würde nur Ressourcen verschwenden.

So, bevor ich hier weiter vom Thema abkomme: Nein, ich werde nicht schreiben, was aus schmetterlingskundlicher Sicht alles ausgefallen ist was alles nicht geklappt hat. Ich musste im letzten Jahr wieder mal lernen, dass mit unerfreulichen Themen wie „Artensterben“ (Apollofalter, Dukatenfalter) kein Blumentopf zu gewinnen ist. Interessiert einfach niemanden (oder nur ein paar Leute, die es eh schon wussten). Medial ist das Artensterben momentan ein „Luxusproblem mit Frustrationspotential“, das will keiner lesen.

Daher folgen nun meine persönlichen positiven Erfahrungen im Jahr 2020:

  • Im April konnte ich im verordneten „Home-Office“ einen Aurorafalter beim Schlupf neben meinem Monitor fotografieren.
  • Wir konnten die Entwicklung von Nachtpfauenaugen in der Puppe an der Uni Düsseldorf mittels bildgebender Kernspinresonanzspektroskopie verfolgen (dazu hoffentlich im kommenden Jahr mehr!)
  • Zusammen mit Armin Dahl und Armin Radkte hatten wir im Juni eine schöne Exkursion im kleinen Rahmen in die Eifel bei Gönnersdorf und ins Lewertbachtal. Das Biotop am Mäuerchenberg habe ich im Juli noch einmal besucht.
  • Vor 10 Jahren habe ich zuletzt Dukatenfalter vor der Linse gehabt. Im Juli 2020 konnte ich zahlreiche Tiere auf dem Kahlen Asten beobachten ohne lange suchen zu müssen.
  • Endlich habe ich – dank Jonas Mittemeyer! – ein blaues Ordensband gesehen. Seine sehr effektive „Ikea-Fangst-Falle“ habe ich als stationäres Exemplar nun im Garten stehen. Darin schon nach wenigen Tagen: ein Rotes Ordensband und ein schwarzes Ordensband – und das in der Innenstadt von Opladen! Das Konzept der „Ikea-Fangst-Falle“ kann man nur empfehlen!

Hoffen wir, dass das kommende Jahr besser verläuft und dass wir uns bald wieder frei bewegen können.
In jedem Fall werden wir uns weiter und verstärkt für den Schutz unserer Schmetterlinge einsetzen!
In diesem Sinne wünsche ich Euch allen ein frohes neues Jahr, Glück, Erfolg und vor allem Gesundheit!

… und zur allgemeinen Aufheiterung noch einige farbenfrohe Bilder des Jahres 2020 (für die jeweilige Beschreibung bitte anklicken!):

Veröffentlicht 31. Dezember 2020 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Besser spät als nie – die Kleine Pappelglucke   3 comments

Poecilocampa populi, Solingen Ohligs, 14. Dezember 2020, Foto: Kai Kruse

Seit Jahren beneide ich im Spätherbst alle möglichen Menschen um mich herum! Jeder findet sie, nur ich nicht! Ausgerechnet bei mir, wo seit vielen Jahren an der Haustür das Licht brennt, wo ständig geleuchtet wird, ausgerechnet da gibts keine Pappelglucken.

Poecilocampa populi macht offenbar einen Bogen um mein Haus, die Gründe sind nicht so klar, es gibt hier Pappel, Eiche, Obstbäume alle Sorten, Birke etc., alles was so als Nahrungspflanze der populi-Raupe genannt wird.

Aber zum verrecken keine Pappelglucken in den vergangenen 15 Jahren, und zwar  im gesamten Meßtischblatt 4708 Hilden. Die letzten Angaben stammen von STAMM (1981), bei  KINKLER et al. (1974) liest man „Überall, insbesondere in den Mischwäldern des Berglandes“.

Von wegen überall! Überall nur hier nicht! Ich gestehe auch dass ich in den vergangenen Jahren mehrfach versucht habe Raupen von populi aufzuziehen, alles vergeblich, Wiederfunde von den eigenen Vermehrungsversuchen gab es keine. (

Aber man muss auch „jönne könne“: 2020 sind etliche Nachweise in der weiteren Umgebung gelungen, so zum Beispiel in den Wäldern im Norden von Düsseldorf.

Und rund um die Ohligser Heide (in „meinem“ Meßtischblatt) gleich an zwei Stellen. Eine davon hat eine besondere Qualität, ist sie doch über Inaturalist erfolgt, das ist sozusagen die kalifornische Variante von observation. Inaturalist ist ein wirklich starkes Tool, die Community weltweit verteilt, vielleicht werft Ihr ja mal einen Blick hinein. Man kann sich zum Beispiel sehr gut mit den Leuten aus der Umgebung vernetzen, und deren Beobachtungen kommen tagesaktuell per Mail, das ist wirklich gut gemacht.

Zurück zur Pappelglucke: Der zweite neuere Nachweis aus dem MTB 4709 erfolgte ebenfalls am Rand der Ohligser Heide (siehe oben), und beide gehören zu den spätesten die überhaupt jemals aus NRW gemeldet wurden, Datum 14. Dezember 2020.

Offenbar verlängert der Klimawandel auch die Flugzeiten der im Herbst aktiven Arten nach hinten raus, auch aus Wuppertal und Hattingen liegen aktuella Funde vor. Letzterer erfolgte sogar noch einen Tag später, vorläufiger Gewinner der diesjährigen Pappelgluckenrallye ist Armin Jagel, der eine erfolgreiche Runde um die Telefonzellen südlich von Hattingen gedreht hat.

Warum die von den Briten „December Moth“ genannte Art hier bei mir nicht vorkommt, das bleibt erst einmal ungeklärt. Vielleicht liegt es doch daran, dass „viele Tiere durch künstliche Lichtquellen aus ihrem Entwicklungshabitat herausgelockt werden„, wie von EBERT (1994) vor mehr als 25 Jahren beschrieben. Aber wahrscheinlich fehlt mir einfach nur die Geduld!

2020 war ein spannendes und verrücktes Jahr, mit zahlreichen Highlights, was die Falter betrifft. Und was die Datenlage angeht haben wir uns nichts vorzuwerfen, die ist TOP! Allen die hier mitlesen wünsche ich einen entspannten Lockdown und wir sehen uns dann hoffentlich im kommenden Jahr!

 


EBERT, G. (1994) Die Schmetterlinge Baden-Württembergs 4: 14. KINKLER, H., W. SCHMITZ, F. NIPPEL & G. SWOBODA (1974): Die Schmetterlinge des Bergischen Landes, II. Teil: Spinner, Schwärmer etc. unter Einbeziehung der Sammlungen des FUHLROTT-Museums in Wuppertal. – Jber. naturwiss. Ver. Wuppertal, 27: 38-80, Wuppertal STAMM, K. (1981): Prodromus der Lepidopterenfauna der Rheinlande und Westfalens. 229 S., Solingen (Selbstverlag).

Veröffentlicht 16. Dezember 2020 von Armin Dahl in Phänologie, Spinner

Nachtfalteruntersuchungen auf der BUND-Obstwiese in Bochum im Herbst 2020   5 comments

Zucker, Apfelmus und Rotwein

Nach dem ersten gezielten Aufspüren von Nachtfaltern auf der Obstwiese mit dem Leuchtturm (vgl. Nachtleben auf der Naturschutzwiese) wurden ab September die Untersuchungen über drei Monate weitergeführt, nun aber mittels Köder: einem Gemisch aus Zucker, Apfelmus und Rotwein. Dabei macht man sich zu Nutze, dass viele Nachtfalter im Herbst an Baumsäften und überreifen Früchten saugen. Der Köder imitiert so etwas und hat dabei eine sehr große Anziehungskraft, nicht nur auf Nachtfalter. Er wurde regelmäßig auf 15 Obstbaumstämme aufgetragen.

Zusätzlich wurden Köderschnüre aufgehängt und halbe Äpfel auf Zweige der Heckensträucher gespießt, die ebenfalls mit dem Köder bestrichen wurden. Eine Kontrolle fand täglich etwa eine Stunde nach Einbruch der Dunkelheit statt, alle Tiere wurden bestimmt und gezählt. Das Ergebnis ist eindrucksvoll: Insgesamt fanden sich 45 Nachtfalter-Arten ein, es gab 2038 Beobachtungen!

Sechs Wochen lang täglich neue Arten

Von Anfang September bis Mitte Oktober wurden täglich neue Arten am Köder entdeckt, zwölf davon nur jeweils an einem einzigen Tag! Das unterstreicht, wie wichtig die Kontinuität bei solchen Untersuchungen ist. Viele der großen Seltenheiten und gefährdeten Arten waren nur an einem oder wenigen Tagen zu finden. Eine davon ist die bei uns sehr seltene Schmalflügelige Holzeule (Lithophane semibrunnea), die sich nur am 24. September einmal kurz blicken ließ. Sie steht auf der Roten Liste der Schmetterlinge NRWs von 2011 als stark gefährdet (RL 2). Charakteristisch für sie sind die blauen Zeichnungen.

Seltene und gefährdete Arten

Ebenfalls stark gefährdet (RL 2) ist die Ulmen-Gelbeule (Xanthia gilvago), die zweimal zum Köder kam. Auch sie ist bei uns sehr selten und wurde im Jahr 2020 nur wenige Male in NRW gefunden.

In der Kategorie „gefährdet“ (RL 3) werden Schwarzes Ordensband (Mormo maura), Großes Eichenkarmin (Catocala sponsa), Linden-Gelbeule (Tiliacea citrago, s. Foto unten), Olivgrüne Eicheneule (Dryobotodes eremita, s. Foto oben) und Gebüsch-Wintereule (Conistra ligula) geführt. Die beiden Letztgenannten traten auf unserer Wiese sogar an mehr als 10 Tagen auf.

Im Bergischen Land, an dessen Rand die Wiese liegt, ist die Einstufung in die Gefährdungskategorien oft noch höher.

Weitere Arten im Rückgang

Zwei weitere Arten unserer Streuobstwiese weisen landesweit starke Rückgänge auf. Sie werden zwar noch nicht in den Rote-Liste-Kategorien geführt, stehen aber auf der sog. Vorwarnliste. Die gibt an, dass es bei der Erstellung der letzten Roten Liste schlecht aussah für diese Arten und man musste befürchten, dass sie ohne eine Verbesserung ihrer Lebensumstände in eine Gefährdungskategorie rutschen werden. Hierzu gehören das Weiße L (Mythimna l-album) und die Rost-Wintereule (Conistra rubiginea), die sicherlich zu den prächtigsten Eulenfalter gehört, die die Wiese derzeit zu bieten hat.

Häufige Arten

Neben den seltenen und gefährdeten Arten sind auch die häufigen interessant. Sie tauchen jedes Jahr irgendwann auf, sind über einen langen Zeitraum fast täglich zu finden, werden plötzlich weniger und sind dann wieder ganz verschwunden. Die Braune Spätsommer-Bodeneule (Xestia xanthographa) z. B. war von Beginn der Untersuchungen an zu finden, ihre Anzahl steigerte sich enorm, bis am 6. September 109 Exemplare an den Bäumen saßen. Genau einen Monat später suchte die Art dann zum letzten Mal die Wiese auf. Die erwachsenen Falter (Imagines) sterben ab, die Art überwintert als Raupe am Boden.

Herbsteulen

Am 19. September flog mit der Rötlichgelben Herbsteule (Agrochola circellaris) die erste Herbsteule (Gattung Agrochola) auf der Wiese. Sie hatte mit 38 Exemplaren am 22. Oktober ihren Höhepunkt. Die Zahlen nahmen danach wieder deutlich ab, aber selbst Ende November waren immer noch einzelne Exemplare unterwegs, die allerdings schon ziemlich abgeflogen aussahen. Die Herbsteulen überwintern als Ei.

Weitere Herbsteulen der Streuobstwiese sind Mondfleck-Herbsteule (Agrochola lunosa), Dunkelgraue Herbsteule (A. lota) und Gelbbraune Herbsteule (A. macilenta). Auch die beiden letzteren flogen weit in den November hinein, waren insgesamt aber immer viel seltener als die Rötlichgelbe Herbsteule.

Gelbeulen

Ab Ende September traten für einen Monat die Gelbeulen auf den Plan. Im Gegensatz zu den bisher beschriebenen oft unauffällig bräunlich oder grünlichen Eulenfaltern sind die Gelbeulen auffällige Schönheiten. Ihre Grundfarben in Gelb- und Orangetönen legen nah, dass sie sich dadurch tagsüber sehr gut getarnt unentdeckt im Gebüsch zwischen dem Herbstlaub aufhalten können.

Fünf verschiedene Gelbeulen kommen auf der Wiese vor: Linden-Gelbeule (Tiliacea citrago), Gold-Gelbeule (T. aurago), Bleich-Gelbeule (Xanthia icteritia), Violett-Gelbeule (X. togata) und der bereits oben erwähnte Star der Wiese: die Ulmen-Gelbeule (X. gilvago, s. Foto oben)
Wintereulen

Schon wenige Tage nach der ersten Herbsteule kam am 22. September die erste Wintereule (Gattung Conistra) an den Köder, die Heidelbeer-Wintereule (Conistra vaccinii). Trotz des Namens treten Wintereulen schon im Herbst auf, aber anders als die Herbsteulen überwintern die Tiere als Falter. Und im Winter findet man oft nur noch sie – jedenfalls dann, wenn es nicht zu kalt ist. Die Heidelbeer-Wintereule ist bei uns eine der häufigsten Eulenfalter im Herbst und Winter. Nach ihrem ersten Erscheinen auf der Wiese trat sie fast täglich auf mit einem Höhepunkt am 11. Oktober mit 26 Exemplaren. Auf Heidelbeere ist sie nicht angewiesen, die Raupen fressen an einer Vielzahl von Kräutern und Gehölzen.

Weitere Wintereulen der Wiese sind Gebüsch-Wintereule (C. ligula), Rotkopf-Wintereule (C. erythrocephala), Rost-Wintereule (C. rubiginea, Foto s. oben) und die Schwarzgefleckte Wintereule (C. rubiginosa), die als letzte die Bühne betrat. Auch die Satelliten-Wintereule (Euspilia transversa, s. Foto unten) zählt man im Deutschen zu den Wintereulen, sie gehört aber wissenschaftlich in eine andere Gattung.

Und sonst?

Bei den Besuchern am Köder handelt es sich ganz überwiegend um Eulenfalter (Familien Erebidae & Noctuidae). Auf sie ist der Köder abgestimmt. Zwischendurch saßen aber auch Nachtfalter aus anderen Familien am Köder, wie z. B. Gelbspanner (Opisthograptis luteolata) und Perglanzspanner (Campaea margaritaria). Sie werden nur selten durch Köder angelockt, sondern fliegen eher ans Licht. Außerdem gab es hin und wieder Zünslerarten und einmal die in Vogelnestern lebende Fleischfarbene Nestmotte (Tinea semifulvella). Die skurrilste Gestalt aber war sicherlich das Winterfedergeistchen (Emmlina monodactyla). Tagsüber fand man am Köder gelegentlich den Admiral (Vanessa atalanta).

Natürlich wurden auch Nichtfalter durch den starken Geruch des Köders angelockt, insbesondere Wespen und Hornissen, aber auch bspw. Marienkäfer, Schnecken und Fliegen. In einer Nacht saß sogar eine Waldmaus auf einem Köderapfel und leckte ihn ab.

November – Wenig los bei den Eulen

Im November war am Köder zunehmend weniger los. Neue Arten kamen nicht mehr dazu. Es waren aber doch immer noch mehr zu finden als in Zeiten vor dem Klimawandel.

Die Herbsteulen wurden nun deutlich seltener und tauchten nur noch gelegentlich auf. Die Wintereulen dagegen sterben noch nicht, sondern durchleben als Falter den Winter. Viele von ihnen machen auch keine Winterpause, sondern bleiben der Wiese treu. Den ganzen Winter werden welche an den Köder kommen, mal mehr, mal weniger, wie ihnen gerade zu Mute ist. Wann das der Fall ist, ist für den Menschen schwer zu verstehen.

Im November passiert es seit Beginn der Untersuchungen zum ersten Mal, dass an besonders kalten Abenden kein einziger Falter am Köder zu finden ist.

Frostspanner übernehmen

Die Aufmerksamkeit auf der Wiese ziehen nun Frostspanner auf sich, die aber nicht zum Köder kommen. Sie nehmen als erwachsene Falter gar keine Nahrung mehr auf. Wenn eine bestimmte Temperatur knapp über Null unterschritten wird, schlüpfen sie aus den Puppen im Boden.

Die bei weitem häufigste Art bei uns ist der Kleine Frostpanner (Operophtera brumata), deren Männchen man jetzt in jedem Wald fliegen sehen kann. Oft treten sie zu Hunderten auf. Die Weibchen sehen ganz anders aus als die Männchen. Sie haben keine funktionsfähigen Flügel mehr, krabbeln die Stämme hinauf und warten auf die Männchen, um begattet zu werden. Während man die dunklen Weibchen kaum sieht, flattern die Männchen nach Sonnenuntergang auffällig in großer Anzahl über die Wiese und setzen sich auf Stämme und Zweige. Wenn sie die vom Weibchen abgegeben Lockstoffe (Pheromone) wahrnehmen, nähern sich sich ihnen und paaren sich. Dies kann dauern und währenddessen sind sie besonders gut zu fotografieren. Zu erkennen ist ein Pärchen schon von weitem daran, da die Männchen bei der Paarung – anders als sonst – kopfüber sitzen.

Sehr viel seltener findet man auf der Wiese den deutlich größeren und auffälliger gezeichneten Großen Frostspanner (Erannis defoliaria), von dem bisher nur ein einziges Männchen auf einem Strauch sitzend gefunden wurde.

Auch wenn die Art deutlich seltener ist als der Kleine Frostpanner, gehört sie bei uns doch zu den häufigen Arten und ist in NRW weit verbreitet. Wie die meisten Spanner kann man sie am besten mit Lichtquellen anlocken.

Alle Funde vom Tiere, Pflanzen und Pilzen auf der Wiese findet man übrigens bei nrw.observation.org

(Text: Armin Jagel & Jonas Mittemeyer, ebenfalls veröffentlicht unter www.bund-bochum.de)

Veröffentlicht 28. November 2020 von Armin Jagel in Eulenfalter, Phänologie

Museumsfunde: Sammlungs- und Literaturarbeit nicht vergessen!   Leave a comment

Freilandarbeit ist nicht alles! In den Museen derv Region schlummern noch viele wissenschaftlich interessante Fundstücke. Bei der Aufarbeitung der älteren Literatur kommen wir aber voran.

Der Sommer 2020 ist vorbei, man möchte sagen endlich! Zumindest der Landwirt in mir betrachtet den Klimawandel und alles was damit zusammenhängt mit einiger Besorgnis. Die Heuernte 2020 war wegen des trockenen Frühjahrs besonders mies, der Wasserstand in meinem Hausbrunnen in den vergangenen Jahren 2018-2020 historisch niedrig, die Temperaturen im Haus dafür um so höher. Nach Angaben des Copernikus-Klimawandeldienstes haben wir gerade den wärmsten September seit Beginn der Aufzeichnungen hinter uns, und der Dürremonitor des UFZ färbt sich nur ganz langsam in Richtung blau.

Dürremonitor des UFZ Halle, Stand 20. Oktober 2020. Quelle: https://www.ufz.de/index.php?de=37937

Was die Insektenfauna angeht, sehen wir unfassbare Ausbreitungsbewegungen einzelner Arten: Die Gottesanbeterin wird wohl in den kommenden Jahren das Rheinland erobern, Bausenberg und Siebengebirge sind die nächsten bekannten Fundstellen, in Brandenburg ist die Art schon fast überall, 

In Remscheid ist mittlerweile Pyrgus armoricanus aufgetaucht, der Zweibrütige Puzzlefalter, der seit Jahren seine Verbreitungsgrenze nach Norden verschiebt. Was kommt als nächstes, welche wärmeliebenden Arten kommen noch auf uns zu? Und welche machen den Abgang, weil es ihnen zu heiß wird?

Und ist das überhaupt so, oder war es früher schon mal genauso warm, und es hängt alles nur an der Qualität der Lebensräume? So eine Art wie der Schornsteinfeger, der immer als „Klimaverlierer“ genannt wird, kann ja im Prinzip auch an den Nordhängen und in den Waldrändern fliegen, und muss nicht gleich regional verschwinden. Im Bio-Studium hieß das seinerzeit „Gesetz von Standortkonstanz und Biotopwechsel“ Erfunden hat das übrigends der Hohenheimer Botaniker Heinrich Walter, dessen Hauptwerk „Die Vegetation der Erde” ist Pflichtlektüre für BiostudentInnen mit Freilandambitionen.

Ein Besuch im Museum bringt da immer wieder neue Einsichten. Dort liegen viele Insektenkästen, die noch lange nicht alle aufgearbeitet sind, und es kommen immer wieder neue hinzu. Eigentlich war ich davon ausgegangen dass KINKLER et al. (1975) seinerzeit zum Beispiel die ganzen Eulenfalter aus dem Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD) erfasst hätten. Aber Einbildung ist bekanntlich keine Bildung, und so erlebte ich beim jüngsten Besuch im Museumskeller mal wieder eine Überraschung: Ein Nachweis von Acontia trabealis in Remscheid, der anscheinend der Aufarbeitung bisher entgangen war.

Acontia trabealis, Remscheid, 10.6.1935, gesammelt von Melchior. Landessammlung, Löbbecke-Museum Düsseldorf (LMD)

 

 

Das Ackerwinden-Bunteulchen fehlt heute in Nordwestdeutschland und den Mittelgebirgen, ist aktuell südlich-östlich verbreitet. Der nächste bekannte Fundort liegt in Unkel am Nordende des Mittelrheintales. Anscheinend war die für trocken-warme Äcker und Ruderalfluren typische Art aber früher auch in der eher atlantisch geprägten Zone vereinzelt zu finden.

Das alles wüssten wir nicht, wenn die Entomologen früher nicht so fleißig gesammelt, und die Museen die Sammlungen auch angekauft oder zumindest eingelagert hätten. Dort schlummert noch einiges an Überraschungen, und es gibt reichlich Gelegenheit sich in den Wintermonaten zu betätigen. In Corona-Zeiten ist das vielleicht eine Alternative zu sonstigen Aktivitäten, wer Kontakt aufnehmen und mitarbeiten will, kann sich gerne melden: Einzelne Kästen ausleihen und die Daten aufnehmen kann man prinzipiell auch im Homeoffice.

Das Tierchen aus Remscheid ist übrigens nur eine von vielen Trockenheit und Wärme liebenden Arten, die sich aus der Region zurückgezogen haben. Die Alten Herren nannten als Gründe dafür regelmäßig die „Klimaverschlechterung“, gemeint war damit die Verschlechterung des Kleinklimas, durch das Verbuschen und Verwalden des früher weitgehend kahlen Bergischen Landes.

Wo man das alles nachlesen kann? Die Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal sind komplett eingescannt, die älteren Ausgaben der Melanargia liegt auch komplett vor. Und das Museum in Linz ist gerade dabei, auch ältere Literaturstellen wie die ersten fünf Ausgaben der „Nachrichten der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen e.V.“ einzuscannen. diese von 1977 bis 1989 erschienenen Berichte werden dann demnächst in guter Qualität auf zobodat.at zu finden sein, die Datenbank der Linzer Kollegen ist übrigens eine Fundgrube für Literatur!

 

Links:

Jahresberichte des Naturwissenschaftlichen Vereins Wuppertal, Scans aller Jahrgänge

KINKLER, H. & SCHMITZ, W., NIPPEL, F. & SWOBODA, G. (1975): Die Schmetterlinge des Bergischen Landes. III. Teil: Die Eulenschmetterlinge (I). Jahrber.Naturwiss.Ver.Wuppertal, 28: 31-74, Wuppertal

ZOBODAT (Zoologisch-Botanische Datenbank, ehemals ZOODAT.  Die Datenbank beinhaltet Daten zur Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten, Biografien von naturkundlich forschenden Personen und digitalisierte Literatur sowie diverse unterstützende digitale Bibliotheken. 

 

Veröffentlicht 4. November 2020 von Armin Dahl in Arten / Listen, Klimawandel, Lebensräume, Literatur

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