Wintersport: Minensuche am Feuerdorn   Leave a comment


Ein bisschen aus der Mode gekommen ist er, der Mittelmeer-Feuerdorn (Pyracantha coccinea). Zu meinen Kinderzeiten stand in jedem Vorgarten so ein Busch, bei uns zu Hause direkt neben dem Futterhäusschen für die Vögel. Und wenn die Amseln im Winter nichts mehr zu fressen hatten, dann kam der Tag an dem sie zuerst die Beeren am Ilex und danach die am Feuerdorn plünderten, dessen dekorative, erbsengroße orange Früchte als Notvorrat dienten.  Bei uns Kindern war der Feuerdorn nicht so beliebt: Wer da beim Spielen hineinfiel hatte länger etwas davon, der Busch trägt wie etliche andere Rosengewächse eine tückische Bewaffnung aus Sprossdornen, ähnlich wie Weißdorn und Schlehen.

In der Haaner Innenstadt stehen an ein paar Stellen noch Feuerdorne, meist neben Parkplätzen, wahrscheinlich als Sichtschutz und damit die Menschen nicht durch die Hecke laufen, siehe oben. Einer der Büsche direkt an der Hauptstraße war heute das Ziel meiner Suche, die ganze 10 Sekunden dauerte. Schon beim ersten Hingucken sprangen sie mir ins Auge, die pergamentartigen Minen auf der Blattoberseite der Blätter, und in drei Minuten hatte ich ca. 20 Stück davon in einem einzigen Busch entdeckt: Phyllonorycter leucographella, die Feuerdorn-Faltenminiermotte, ist hier herum offenbar ziemlich häufig.

Und wie bei Blattminierern so üblich, sind die Kenntnisse über die Verbreitung in Deutschland rudimentär, kaum jemand beschäftigt sich mit diesen Winzlingen, was es zu ändern gilt. Die Minen von P. leucographella finden sich im Winter am (immergrünen!) Feuerdorn, im Sommer auch an anderen  Rosengewächsen. Die Raupe lebt zwischen Blattober- und Unterseite, späte Stadien tragen auffallende dunkle Schilder auf der Rückseite. Die Mine befindet sich auf der Blattoberseite und ist von unten kaum zu erkennen.
Mit 7-8 Millimetern Spannweite ist der Falter etwa so dick wie eine Stecknadel, winzig aber wunderschön rehbraun mit weißen Streifen gezeichnet (griechisch Λευκός leucos = weiß, γραφή graphe = Schrift).

Die Art bildet offenbar zwei Generationen aus und eine ausgedehnte Flugzeit. Der Typenfundort liegt in Montenegro, der Erstnachweis für Deutschland erfolgte 1983, die Art hat sich hier wohl mit dem Zierpflanzenbau ausgebreitet. Ich wünsche viel Spaß bei der Suche!

Veröffentlicht 17. Januar 2020 von Armin Dahl in Blattminierer, Mikros

Was vom Jahr 2019 übrig bleibt…   Leave a comment

Zum Jahresende ist es Zeit für einen kleinen persönlichen schmetterlingskundlichen Rückblick auf das Jahr 2019.

Positiv war, dass der Umweltschutz wieder mehr in den Fokus der öffentlichen Diskussion gerückt ist. Mein Eindruck ist, dass das Thema regelrecht wieder entdeckt wird. Hier haben Bewegungen wie „Fridays For Future“ einen wichtigen Beitag geleistet. Allerdings frage ich mich, warum das Artensterben – ich sage mal zwischen 1990 und 2018 – in der öffentlichen Diskussion kaum noch eine Rolle spielte. Klar, es gab zahlreiche Beiträge zum Artensterben im Fernsehen – immer nett anzuschauen – und auch wir als Insektenkundler haben immer wieder darüber gesprochen. Tatsächlich wurde der Artenverlust aber nur „verwaltet“. Politisch geändert wurde nur wenig. Für mich eindrucksvoll war ein Spaziergang in diesem Herbst durch die toten Fichtenwälder an der Sengbachtalsperre bei Schloss Burg an der Wupper. Über 80 Jahre alte Bäume stehen dort als „Gerippe“ in der Landschaft – die Trockenheit in den letzten Sommern hat ihnen den Rest gegeben. Nun werden diese toten Wälder abgeräumt – mache schimpfen auf den Borkenkäfer – aber der hat ja nur seine natürliche Aufgabe an den schwer vorgeschädigten Bäumen erledigt. Es drängen sich Vergleiche zum „Waldsterben“ in den 1980er Jahren auf. Aber: hat man etwas gelernt? Eine halbe Milliarde Euro Steuergelder für Wiederaufforstung – mit Esskastanie und Douglasien? Täusche ich mich, oder ist hier schon wieder Lobbypolitik am Werk? Wie wäre es mit natürlicher Wiederbewaldung – z.B. mit Hilfe des Eichelhähers?

Jedenfalls denke ich bei den aktuellen Umweltschutzthemen immer zurück an die 1980er Jahre – alles schon mal diskutiert worden – auch der Artenrückgang bei den Schmetterlingen. Die akademische Forschung war lange aus dem Thema faktisch ausgestiegen. Nun wird es dort wiederentdeckt. Das hat mich dann zu einem Leserbrief in „Spektrum der Wissenschaft“ bewogen. Zudem waren wir mit einem Beitrag bei der „Konferenz der Arten“ in Bonn dabei und arbeiten nun an einem Artikel zu „160 Jahren Schmetterlingsbeobachtungen in Wuppertal“. Hier eine kleine Vorschau auf die Ergebnisse:

Diese Grafik zeigt den Artenverlust bei Großschmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) und die Neuzugänge ("Arealerweiterer") aus Süd- und Westeuropa im Raum Wuppertal. Der Verlust von Arten wurde anhand der jeweils letzten Beobachtung im Gebiet dokumentiert. Die Neuzugänge entsprechend anhand des Datums der ersten Beobachtung im Gebiet.

Diese Grafik zeigt den Artenverlust bei Großschmetterlingen (Tag- und Nachtfalter) und die Neuzugänge („Arealerweiterer“) aus Süd- und Westeuropa im Raum Wuppertal. Der Verlust von Arten wurde anhand der jeweils letzten Beobachtung im Gebiet dokumentiert. Die Neuzugänge entsprechend anhand des Datums der ersten Beobachtung im Gebiet.

Wir hatten dieses Jahr einige schöne Exkursionen, die nicht unerwähnt bleiben sollten. Unsere Mosel-Exkursion, einen Ausflug zum Schlangenberg bei Stolberg, eine Exkursion in die Eifel bei Blankenheim und Dahlem, unser tranditioneller Leuchtabend an der Naturschule Grund in Remscheid. Einer meiner besonderen Lieblinge (ich bin ein ausgesprochener Fan von Bläulingen) ist zum Schmetterling des Jahres 2020 ernannt worden. Zudem ist es uns gelungen, trotz jahrelanger Bürokratie, eine naturnahe Wiese an unserem Arbeitsplatz einzurichten.

Negativ war für mich die Ausbeute bei meinem diesjährigen Ausflug im Juni zum Mosel-Apollofalter. In den 1990er Jahren gab es dort Tage, an denen ich mehrere Dutzend Falter z.B. an der Brauselay bei Cochem beobachten konnte – dieses Jahr war es nur ein Falter. Ein Negativtrend, der schon seit geraumer Zeit beobachtet wird (siehe hierzu die Diskussion im Lepiforum, die von Klaus Hanisch gestartet wurde).

Zum versöhnlichen Abschluss noch einige Bilder aus dem Jahr 2019, die noch nicht in anderen Beträgen gezeigt wurden (für die Beschreibung bitte anklicken!).

Veröffentlicht 29. Dezember 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen, Auf Tour, Insektensterben, Tagfalter

Jahresendfalter: Ypsolopha asperella   Leave a comment

Normalerweise schielen wir neidisch auf unsere Nachbarn aus den Niederlanden und Belgien, wenn es um Nachweise von winteraktiven Faltern geht. Die milden, von der Nordsee bestimmten Temperaturen im Westen verlängern die Vegetationszeiten und auch die Flugzeiten vieler Falter, die den Weg bis zu uns nicht geschafft haben oder hier eine echte Winterruhe einlegen müssen. Die Artenlisten auf waarneming.nl sind auch im Dezember 2019 noch ellenlang, zumal die Nachbarn auch noch fleißig Minier- und Sackträgermotten kartieren. Grund dafür ist vor allem das Heer von Beobachtern, die ihre Daten freiwillig und tagesgenau in die öffentlichen Datenbanken eingeben.

So ist man froh wenn man den Nachbarn mal ein Schnippchen schlagen kann, auch wenn unsereiner ja rein garnichts dafür kann – sieht man mal von fortgeschrittener Gartenverwilderung ab.

Sei es drum: hier ist sie, die Apfel-Schabenmotte – Ypsolopha asperella (Linnaeus, 1761)

Apfel-Schabenmotte – Ypsolopha asperella. 17. Dezember 2019 (Foto: Armin Dahl)

Warum die Apfel-Schabenmotte ausgerechnet in Holland und Belgien nicht nachgewiesen ist, jedoch in fast allen Bundesländern Deutschlands? Die Art ist hier schon einmal aufgetaucht, im vergangenen Februar, scheint also zu überwintern. Und lebt nach Informationen aus dem Lepiforum an allerlei Rosengewächsen. Wie bei vielen anderen Mikros steht auch hier hinter der Verbreitung ein großes Fragezeichen.

Veröffentlicht 19. Dezember 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen

Gluckenglück im Spätherbst   Leave a comment

Kleine Pappelglucke, Wuppertal-Burgholz, Kremershammer, 25 November 2019 (Foto: Armin Dahl)

Die Kleine Pappelglucke ist so ein Mysterium, fast jeder hat sie im Garten, nur  ich nicht, im Streifen zwischen Duisburg – Düsseldorf – Langenfeld ist nix davon zu sehen. In der Ebene haben wir schon alle möglichen Leuchtplätze ausprobiert um an das Tierchen zu kommen, ohne Erfolg.

Ein paar Kilometer weiter nach Osten ist das alles kein Problem, im Burgholz westlich von Wuppertal ist Poecilocampa populi ein Massentier, wie ich heute mal wieder festgestellt habe.

Kleine Pappelglucke, Wuppertal-Burgholz, Kremershammer, 25 November 2019 (Foto: Armin Dahl)

16.30 aus dem Haus, im üblichen A 46-Stau Richtung Osten angestellt, um 17.15 an einem Talhang der Wupper die Leuchtanlage aufgestellt, bei warmen 10°C und Nieselregen, 17.30 das erste Tier am Licht, 18.30 insgesamt 21 Männchen an den Leuchtürmen und in der Lichtfalle, um 19.00 Uhr wieder zu Hause, rechtzeitig zum Einkauf vor Ladenschluss. So lobe ich mir das, diese unendlichen Leuchtabende im Sommer muss ich auch nicht immer haben.

Die Gründe, warum das Tierchen auf der Bergischen Heideterrasse nördlich von Leverkusen nicht (mehr) vorkommt sind nicht klar, ein Erklärungsversuch: Zu viel Lichtverschmutzung! Es gibt wirklich wenige Arten die vom Licht derart angezogen werden, und dann ewig wie festgeschraubt an den Lampen sitzen. Dabei lassen sie sich auch – einmal zur Ruhe gekommen – beliebig manipulieren. Und so entstand auch das hier gezeigte Bild, in dem die Falter zusammengesetzt wurden.

Falter, die sich zu lange an Lampen herumtreiben, auch tagsüber dann sitzen bleiben,  werden häufig zum Opfer der ortskundigen Meisen. Und so könnte man sich zusammenreimen dass in dicht besiedelten Gebieten die besonders lichtliebenden Arten (wie zum Beispiel auch Macrothylacia rubi) zuerst ausdünnen und dann verschwinden.

 

Veröffentlicht 26. November 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen, Spinner

BAYER, Bauern, Bienen – oder der Betrug mit den Neonicotinoiden   1 comment

Wer bisher geglaubt hatte die Bayer AG bzw. der Monheimer Ableger Bayer Crop Science sei ein schöner sauberer Konzern, und hätte sich nur beim Kauf von Monsanto den Satan ins Haus geholt, dem sei die ZDF-Doku „BAYER, Bauern und die Bienen“ von gestern Abend empfohlen.

Die Kollegen vom ZDF haben dort eine bedrückende Konstruktion aus gekauften oder gefälschten oder absichtlich unterdrückten Studien, beeinflussten Wissenschaftlern, direkter Einflußnahme auf die Genehmigungsbehörden, und eine ganze Reihe weiterer Schweinereien aufgedeckt, die ich in dieser Dichte noch nirgends gesehen habe. Aufhänger der Sendung sind die katastrophalen Bienensterben durch die Saatgutbeize mit Neonicotinoiden (Clothianidin / „Poncho“) Anfang des Jahrtausends, und das darauf folgende sogenannte „Bienenmonitoring“.

Wenn man den Recherchen der ZDF-Leute Glauben schenkt, dann wird schnell klar, dass die ganze Abwiegelei der Industrie, unterstützt von Bauernverbänden und Landwirtschaftkammern, Aufsichtsbehörden und nicht zuletzt den Landwirten selbst, einfach nur Gelaber bzw. gezielt gestreute Falschinformationen waren. Der Bericht deckt auf, dass die BAYER-Leute seit den frühen 90er Jahren genau wußten was ihre Substanzen anrichten. Eine der wichtigen Ursachen des Insektensterben ist mit Sicherheit der unverantwortliche Einsatz von Nikotin-Derivaten wie Clothianidin und Imidacloprid, Thiamethoxam, Thiacloprid, Acetamiprid, Dinotefuran und Nitenpyram.

Der „ZDFzoom“ – Bericht ist quasi eine Betriebsanleitung, wie man Einfluß und Druck eines Großkonzerns nutzt um Gifte zu verkaufen, die eigentlich längst hätten verboten werden müssen. So etwas kannten wir bisher vor allem vom ehemaligen US-Konzern Monsanto, dessen rabiate Methoden Legende sind.  Monsanto, Spitzname „Monsatan“  ist übrigens von BAYER im Juni 2018 übernommen worden, für schlappe 63 Milliarden US-Dollar (ca. 54 Milliarden Euro). Der belastete Name Monsanto wurde gestrichen, aus Reputationsgründen, wie die Wikipedia schreibt. Die Übernahme war im Übrigen ein Desaster für die Anleger des Leverkusener Chemiekonzerns, der an der Börse – Stand Ende Oktober 2019 – heute nur gut 61 Milliarden Euro wert ist.

Dass der böse Industrieriese BAYER ausgerechnet vor unserer Haustür in Monheim sogenannte „Crop Science“ betreibt, macht es nicht besser. Im Gegenteil muss man das immer im Kopf behalten wenn das angeblich so tolle Steueraufkommen im Kreis erwähnt wird: In Deutschland landet der Kreis Mettmann regelmäßig unter den Top-Ten der Kommunen mit den höchsten Steuereinahmen. Da ist mit Sicherheit auch ein schöner Anteil Giftiges Geld dabei, Monheim gilt übrigens gleichzeitig als  „Deutschlands dreisteste Steueroase“ .

Aber genug jetzt vom Geld:  Der eigentliche Skandal ist das enge Geflecht von Industruie, Zulassungsbehörde und Aufsicht, zu Lasten der Natur und der Verbraucher. Hier mal ein fix selbst recherchiertes kleines Beispiel dafür, wie man die aktuelle Gesetzeslage mit Behördenhilfe austrickst:  Da empfiehlt das ISIP – die Online-Beratung der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen zur Pflanzenproduktion, noch am 18.03.2019
„Mais – Aktuelle Zulassungssituation der Beizmittel
Spezialbeizen zur Drahtwurmbekämpfung sind in Deutschland nicht zugelassen.
Das Beizmittel Sonido (400 g/l Thiacloprid) ist in Frankreich gegen Drahtwurm im Mais zugelassen. So wie die Gesetzeslage es hergibt, besteht die Möglichkeit, Saatmais mit Sonido-Beize aus Frankreich über den Handel zu beziehen. Die Aussaat des gebeizten Saatgutes ist in Deutschland erlaubt.“

Aha! Eigentlich ist es verboten aber wir sagen Euch wie Ihr das Thiacloprid trotzdem auf den Acker bringt!

Die Landwirtschaftskammer NRW mit Sitz in Münster ist übrigens eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, mit knapp 1500 Mitarbeitern und einem Budget von über 100 Millionen Euro für die Erledigung „hoheitlicher Aufgaben“ des Landes Nordrhein-Westfalen. Hier könnte man einen schönen Batzen Steuergelder sparen, finde ich.

Nach dem Anschauen des oben erwähnten Berichts kann man sich ohne Probleme ableiten, warum in der Rheinebene und der angrenzenden Bergischen Heideterrasse mit intensiver Ackerbaunutzung so wenig Insektenleben übrig geblieben ist. Und auch warum Grünlandgebiete fernab der Giftspritzen, zum Beispiel in der Eifel, noch arten- und individuenreich sind. Und den Programmplanern vom ZDF empfehle ich mal im Kalender zu schauen wann Pokal-Fußball läuft, und sich für solche Doku-Kracher mal einen anderen Sendeplatz zu suchen. Oder sollte da Absicht dahinterstecken? 🤔

 

Veröffentlicht 31. Oktober 2019 von Armin Dahl in im Netz, Insektensterben

Wanderfalter im Herbst 2019: Rhodometra sacraria   Leave a comment

Neue Arten auf meinem Grundstück und der Umgebung des Hauses sind nicht mehr so leicht zu finden, dafür ist das Gebiet zu gut erforscht: In den Jahren vor 1987 lief die Untersuchung zur Ausweisung des Naturschutzgebiets Spörkelnbruch, aus dieser Zeit hat mein Lehrmeister Dietmar Woizilinski aus Hilden eine riesige Liste Mikros und Makros hinterlassen. 1996 ist der Spörkelnbruch dann noch einmal vom Duisburger Uli Bosch gründlich umgedreht worden. Dann kam meine Wenigkeit hinzu, und seit mehr als 15 Jahren wird rund ums Haus fleißig geködert, geleuchtet und aufgeschrieben. Alle Literatur ist seit vielen Jahren aufgearbeitet und soweit möglich der Datenbank der Arbeitsgemeinschaft einverleibt.

Das Kartenblatt 4807 Hilden steht deshalb mit weit über 1100 Arten in einer Reihe mit den bestuntersuchten Regionen im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen „Lepidioten“. Aber vor Überraschungen ist man niemals sicher, gerade im Herbst kommt oft noch ein Schub Warmluft aus Südwesten und schiebt ein paar subtropische Falterarten in unser Gebiet. Und so brennt die Lichtfalle unermüdlich und die Köderschnüre verzieren den Garten das ganze Jahr über. Und es lohnt sich, denn gestern konnte ich mal wieder einen seltenen Wanderfalter begrüßen, Nummer 1128: Rhodometra sacraria, mit Deutschem Namen Purpurstreifenspanner.

Rhodometra sacraria, Haan Spörkelnbruch 21./22. Oktober 2019 (Foto: Armin Dahl)

Literatur
BOSCH, U. & R. KRECHEL (1997): Untersuchung der Großschmetterlinge in den NSGen Spörkelnbruch, Felderbachtal & Neandertal – Unveröff. Manuskript im Auftrag des Kreises Mettmann. 33 Seiten, Anhang, Karten.
WOIZILINSKI, D. (1987): Untersuchung der Groß- und Kleinschmetterlingsfauna in den Naturschutzgebieten Spörkelnbruch, Hildener Heide/Hildener Stadtwald. Unveröff. Manuskript im Auftrag des Kreises Mettmann., ca. 100 Seiten. (ULB Mettmann).

Veröffentlicht 23. Oktober 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen, Spanner

Spätsommernacht am Mittelrhein   2 comments

Der Mittelrhein nördlich von Koblenz bis zur Landesgrenze bei Unkel ist faunistisch ein Paradies, und mit dem Auto brauche ich von Haan aus dorthin gefühlt auch nicht länger als nach Wipperfürth. 85 Kilometer Luftlinie sind es nur von meiner Haustür bis zur Burg Hammerstein, der ältesten Burg des Mittelrheintales, und Daten aus dem Umfeld von Hammerstein und Leutesdorf sind praktisch keine vorhanden. Im Gegensatz zur Rheinbrohler Lay, einem schönen passabel erforschten Felsausguck zwei Kilometer weiter nördlich. Genau das richtige also für einen entspannenden Leuchtabend im Oktober, ganz faul mitten auf dem Weinbergsweg unterhalb der Burg.

Zielarten waren die typischen Fels- und Trockenwaldbewohner, bei dem warmen Wetter mit Südströmung waren auch noch späte Wanderfalter zu erwarten: Mosel und Mittelrhein sind immer für Überraschungen gut. Für die Graubraune Eicheneule Dichonia convergens hat es zwar dieses Mal nicht gereicht, aber beschweren will ich mich nicht: Nach drei Stunden schaute der Vollmond um die Ecke und lieferte ein phantasisches Nachtpanorama, die Artenliste war mit 20 Großschmetterlingsarten halbwegs ordentlich. Und der letzte Falter am Licht war natürlich mal wieder der Kracher, bezeichnenderweise saß er in der Lichtfalle mitten in den Weinbergen: Eublemma purpurina, das dürfe dann locker die dritte Generation in diesem Jahr sein.

Ein interessanter Fund anbei: Der Kleine Felsen-Bindenspanner – Coenotephria salicata, hier scheint die 2. Generation in trockenen Sommern die Flugzeit nach hinten zu verschieben, beschrieben ist das allerdings nur anhand von Material aus Südfrankreich. (EBERT Bd. 8: 324). In der „Baden-Württemberg-Fauna“ finden sich keine Okober-Daten von E. salicata. An der Mosel und am Mittelrhein sieht das offenbar schon ganz anders aus, von dort haben wir etliche Oktober-Funde in den Daten.

Und wie sich das für einen „goldenen“ Okober gehört, gab es auf der Heimfahrt noch einen kleinen Temperaturrekord:  Im Raum Leverkusen/Langenfeld schrammte das Wetter nachts um 23.00 Uhr mit 18°C nur knapp an einer tropischen Nacht vorbei.

 

Veröffentlicht 13. Oktober 2019 von Armin Dahl in Auf Tour, Eulenfalter, Klimawandel

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