Stadtgrün nicht so schlecht wie gedacht   5 comments

Euclidia glyphica - Braune Tageule. Düsseldorf, Toulouser Allee, 16. Mai 2018

Euclidia glyphica – Braune Tageule. Düsseldorf, Toulouser Allee, 16. Mai 2018

Straßenbegleitgrün wird immer ein wenig scheel angesehen, meistens taugt es aus entomologischer Sicht nicht viel, dient nur als Staub- und Müllfänger, wird immer zum falschen Zeitpunkt gemäht, ökologische Aspekte spielen in den Städten kaum ein Rolle, alleine die Optik zählt. Bisher!

Aber ab und zu gibt es doch ein paar Lichtblicke, so im frisch angelegten Marc-Chagall-Park und den angrenzenden Grünstreifen entlang der Toulouser Allee mitten in Düsseldorf.
Vor wenigen Jahren war hier noch der Güterbahnhof, umgeben von schrägen Etablissements der Rotlichtszene, jetzt stehen hier moderne Wohnungs- und Bürohäuser. Die Wohnungen sind zwar ziemlich unbezahlbar, aber was soll man sagen, die Stadt boomt und platzt aus allen Nähten, und besser als ein Wohngebiet auf der grünen Wiese ist das allemal. Jetzt springen dort eine Menge Town-Hipster herum, es gibt etliche Fitnessstudios, im Marc-Chagall-Park liegen Menschen mit überdimensionalen Kopfhörern in der Wiese, ein Stadteil erfindet sich neu.

Und offenbar hatten die Stadtgärtner ein Einsehen beim Einsäen der Grünstreifen entlang der vierspurigen Toulouser Allee: Salbei, Margeriten, Wiesen-Knautie, Hornklee: Das was draussen vor der Stadt in den Wiesen herausgedüngt wird, das findet sich hier in voller Blüte. Und mittendrin erstaunlich viele Schmetterlinge.

Euclidia glyphica - Braune Tageule. Düsseldorf, Toulouser Allee, 16. Mai 2018

Düsseldorf, Toulouser Allee, 16. Mai 2018

Die beiden Bläulinge Polyommatus icarus und Cupido argiades habe ich dort gestern gesehen, und die Braune Tageule Euclidia glyphica hat gerade ein Massenvorkommen auf dem Mittelstreifen. Chapeau ihr Stadtgärtner, mehr davon!

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Veröffentlicht 16. Mai 2018 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Lebensräume, Tagfalter

Erhellendes am Brückentag   2 comments

Gestern, 11. Mai 2018, habe ich den Brückentag für einen Ausflug in die Umgebung von Monschau genutzt. Das Ziel: Lycaena helle, der Blauschillernde Feuerfalter. Die Tage zuvor waren die Wetteraussichten noch gut, aber am Brückentag selbst waren dann doch aufziehende Bewölkung und Temperaturen bis 13 Grad angesagt. Nun, die Planung stand und ich habe mich trotzdem auf den Weg gemacht. Fraglich auch: fliegt Lycaena helle schon am 11. Mai? Hierfür nehme ich unsere Pfingstrose in Leverkusen als Wetter – Indikator: ist sie erblüht, beginnt die Flugzeit des Blauschillernden Fauerfalters in der Eifel. Da sich die Blüten gerade geöffnet hatten, bestand Hoffnung. In Monschau angekommen, schien die Sonne bei nur 9 Grad Lufttemperatur. Und zu meiner Überraschung: innerhalb von 2 Stunden konnte ich ca. 10 Männchen und ein Weibchen beobachten und zum Teil auch fotografieren. Dann zogen Wolken auf, aber es waren genug Fotos „im Kasten“. Hier die Ergebnisse. Bemerkenswert: die individuelle Variation des Blauschillers, der zudem vom Lichteinfall abhängt.

Veröffentlicht 12. Mai 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Sag mir, was ich bin   2 comments

Heute ist dieser ungewöhnliche Falter bei mir geschlüpft, ein Gynander, der sowohl weibliche als auch männliche Merkmale zeigt. Der Falter stammt aus einer Hybriden – Zucht, in der der „Urgroßvater“ ein Saturnia meridionalis Männchen war, welches sich in einer Population von Saturnia pavonia fortgepflanzt hat. Das Tier hat einen eher weiblichen Hinterleib, aber keine Duftdrüse und einen weiblichen rechten Hinterflügel, dafür eher männliche Fühler (Fächer). Das Tier verhielt sich passiv, flog also keine Weibchen an und wurde auch nicht von Männchen angeflogen (mangels Duftdrüse).

Einen ähnlichen Gynander hatten wir zuletzt im Jahr 2007 aus einer Zucht von S. pavonia in Wuppertal. Das Phänomen ist sehr selten und beruht auf einem Fehler bei der Zellteilung in der frühen embrionalen Entwicklung, so dass Zellen mit männlichem und mit weiblichem Genom entstehen, die sich dann im Körper des Insekts weiter vermehren und zu einer mosaikartigen oder sogar halbseitigen Verteilung von männlichen und weiblichen Merkmalen führen.

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Gemischter Saturnia – Gynander

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Gemischter Saturnia – Gynander

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Gemischter Saturnia – Gynander Hinterleib

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halbseitiger Saturnia pavonia Gynander aus dem Jahr 2007 (Wuppertal)

Veröffentlicht 10. April 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Grüne Schmuckstücke von der Mosel   Leave a comment

Ein Kurztrip von Haan zum Lichtfang an die Mosel ist leider immer eine Herausforderung, Vor allem der folgende Morgen im Büro lässt sich gemeinhin etwas zäh an. Aber der Aufwand lohnt sich!

Der Winter war lang, der Generator stand monatelang unbenutzt herum, und die ganze Lichtfang-Ausrüstung musste dringend mal gelüftet werden. Aber mitten in der Woche? 300 Kilometer Autofahrt und spät in der Nacht zurück? Aber manchmal muss man sich einfach mal einen Ruck geben, und die Wetterprognose mit viel Regen in den kommenden Tagen vor Ostern ist noch übler!

Der Ruck geht dann erst mal am Hilden Kreuz durch das Auto, Stop + Go auf 15 Kilometern bis nach Leverkusen. Na prima, die erste Stunde ist schon herum und es wird schon dämmerig. Also ordentlich auf die Tube gedrückt, die schönen Rastplätze, die normalerweise nach Faltern abgesucht werden, bekommen heute keinen Besuch.Die Temperatur geht schon bedenklich in den Keller, 8 °C  in der Eifel, bei klarem Himmel am Nachmittag, das RLP-Radio meldet Bodenfrost für die Nacht, das war anders angekündigt. Aber jetzt gibts kein Zurück mehr!

Die letzten Kilometer Richtung Untermosel sind zurückgelegt, jetzt gilt es noch einen Leuchtplatz zu finden. Und zwar in den neu angelegten Weinbergen in Pommern, über die Lea Jäger auf der Mitgliederversammlung der Arbeitsgemeinschaft berichtet hat: Reben-Querterrassen mit Fahrgassen, angrenzend an schlehenreiche Brachen. Da sollte es alles mögliche an Faltern geben. Aber wie das so ist in unbekannten Weinbergslagen, bis man ein ordentliches Plätzchen gefunden hat vergeht Zeit, und es ist schon fast dunkel.

Also schnell die Lebend-Lichtfalle an eine halbwegs erreichbare Stelle bei einer Brachfläche gehängt und weiter. Mittlerweile ist es reichlich frisch und außerdem zieht Kaltluft den Hang hinunter – viel schlechter können die Bedingungen eigentlich nicht werden. An der Kapelle oberhalb des verschlafenen Weindörfchens Pommern finde ich einen halbwegs geschützten Platz hinter einer Buchsbaumhecke, rasch den Leuchtturm aufgebaut, die Köderschnüre in die Hecke verteilt, der Mond steht schon hell am blanken Himmel. Zuhause in Haan könnte man das jetzt komplett vergessen, mangels Anflug.

Aber ich bin nicht im Niederbergischen, sondern an der Mosel! Kaum hängen die Köder, kommen die ersten Falter, angelockt vom billigen Glühwein. Und das in einer Weinlage, in der seit Jahrtausenden bester Riesling wächst! Am Licht finden sich die ersten Geometriden ein, und auch in den Hecken belebt es sich: Obwohl die Schlehen rundherum noch völlig geschlossene Knospen haben, sitzen die Büsche voll mit Männchen des Schlehenheckenspanners Aleucis distinctata, und an der Wand der Kapelle sitzt die erste Buchenmotte (Diurnea fagella). Nach zwei Stunden stehen 15 Großschmetterlingsarten auf dem Zettel, nicht ganz schlecht. So richtig tolle Arten waren heute nicht dabei, das beste war noch die Raupe von Arctia villica, die an der Wand der Kapelle hochkroch. Mittlerweile bin ich aber völlig durchgefrorenen, das Thermometer steht auf 4° C, also Schluß für heute!

Erst auf der Hauptstraße fällt es mir wieder ein: Die Lichtfalle! Also noch mal hoch in die Weinberge, diesmal auf der anderen Seite des Orts. Dort ist es zwar genauso kalt, aber es geht wenigstens kein Wind. Beim ersten Blick in den Trichter der Lichtfalle dann wandelt sich die Laune in Sekundenschnelle. Dieses  Tier habe ich überhaupt noch nie gesehen! Eriogaster lanestris wird wegen der frühen Flugzeit zwar wahrscheinlich unterkartiert, aber trotzdem: der letzte Nachweis vom Frühlings-Wollafter von der Untermosel  liegt mehr als 30 Jahre zurück. Und im Fangsack dann der eigentliche Anlass für den Kurztrip: Valeria oleagina, die Olivgrüne Schmuckeule, eine weitere Rarität der einheimischen Schmetterlingsfauna.

Faunistik ist ja möglicherweise ein bescheuertes Hobby, wer sich zudem mit „Motten“ beschäftigt, der muss sich in Deutschland manchen Spott gefallen lassen. Aber drauf gepfiffen: Die zwei Stunden Heimfahrt mitten in der Nacht gehen flott vorbei, und auch am Morgen nach drei Stunden Schlaf schaut mir aus dem Spiegel ein fröhlicher Mottenfänger entgegen.


by the way:

•• Donnerstag, 5.4.2018, 19.00 bis ca. 21.30, Treffen in den Entomologischen Sammlungen Krefeld. Vortrag von Monika Weithmann: „Drei Jahre Lichtfang in Pommern an der Mosel – Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse nachgewiesener Schmetterlinge (Lepidoptera).

Veröffentlicht 28. März 2018 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Eulenfalter, Lebensräume, Spinner

Wo sind die Schmetterlinge geblieben?   7 comments

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Goldener Scheckenfalter (Euphydryas aurinina): Die Art flog laut dem Wuppertaler Schmetterlingskundler Gustav Weymer (1833-1914) „einzeln bei Elberfeld, jedoch häufig auf sumpfigen Waldwiesen“ und wird bereits seit vielen Jahrzehnten auch in den umgebenden Naturräumen gar nicht mehr beobachtet. Diese Foto stammt von der Fuchskaute (Westerwald), einem der letzten Gebiete, wo der Falter noch in unserer Region zu finden ist.

Seit mehr als dreißig Jahren beschäftige ich mich mit der Schmetterlingsfauna des bergischen Landes und der angrenzenden Gebiete. Die Frage „Wo sind die Schmetterlinge geblieben?“ wurde mir immer gestellt. Schon in der 1980er Jahren war dies ein Thema und die Antworten auf diese Frage waren immer dieselben.

Nun lese ich in der Rheinischen Post (Beilage Krefelder Stadtpost) vom 09.02.2018 unter dem Titel „Minister-Visite lässt für Entomologen hoffen“ folgenden Satz: „Nun also reagiert die Politik: Weil mehrere Faktoren im Verdacht stehen, zum Rückgang der Insekten beizutragen, ist Ursachenforschung das Gebot der Stunde, erkläre Schulze Föcking [NRW-Umweltministerin]“. Forschung ist immer gut, gut auch, dass Fördermittel bereitgestellt werden. Anzumerken ist aber auch, dass es mit einem mehr oder weniger großen Geldbetrag nicht getan ist. Viele der Ursachen sind altbekannt, werden aber konsequent nicht angegangen. Außerdem geht es hier nicht  um Entomologen, die nun Hoffnung schöpfen und wieder ihrem liebenswerten Hobby nachgehen können, sondern um viel größere Zusammenhänge. Vielleicht verstehe ich das Ganze falsch, oder es wurde nicht richtig wiedergegeben, aber für mich ist die Aussage der Ministerin eher eine Beschwichtigung, nach dem Motto: erst mal ein bisschen forschen, dann einen Arbeitskreis gründen, dann schauen wir mal…

Vor dem Hintergrund der nun langsam wieder abebbenden Diskussion zum Thema „Insektensterben“ möchte ich hier noch einmal einen Appell loswerden.

Was brauchen Schmetterlinge zum Leben?

  • Futterpflanzen für die Raupen. Viele Raupen leben überwiegend an Heckengehölzen (Weiden, Weißdorn, Schlehe usw.) und krautigen Pflanzen („Unkraut“) in Saumbereichen. Eine Vielzahl, insbesondere die gefährdeten Arten, sind auf bestimmte Futterpflanzen spezialisiert.
  • Nektar für die Falter. Blütenpflanzen entwickeln sich meist auf mageren Böden, wo sie gegen Gräser konkurrieren können. Zudem gibt es Hochstaudenfluren (z.B. Wasserdost), die meist an Waldrändern und in Saumbereichen von Hecken und Wegen wachsen.
  • Abwechslungsreiche Landschaften.
  • Verstecke für die Überwinterung. Viele Schmetterlinge überwintern als Raupe, Puppe oder Falter. Meist verkriechen sich die Tiere in Spalten und Ritzen, z.B. in Natursteinmauern, Felsen, Höhlen, Schotter.
  • Dunkle Nächte ohne künstliche Lichtquellen. Nachfalter orientieren sich bekanntermaßen an natürlichen Lichtquellen (Mond, Sterne).

Wo sind die Probleme?

  • Futterpflanzen: Die Flurbereinigung hat die Heckenlandschaft des bergischen Landes weitgehend zerstört. Der Eintrag von Mineraldünger und Gülle führt zu einem schnellen Wachstum von anspruchslosen Gräsern, Blütenpflanzen werden verdrängt. Ggf. werden Herbizide eingesetzt, die für die Vernichtung von Zweikeimblättrigen Pflanzen (Blütenpflanzen, also keine Gräser, wie z.B. Getreide) geschaffen wurden. Hinzu kommt der Einsatz von Insektiziden – die ggf. auch von der eigentlich behandelten Fläche in die nähere Umgebung driften oder verschleppt werden.
    Vorteile für uns: Die Agrarflächen sind größer und besser mit Maschinen zu bewirtschaften. Die Erträge pro Flächeneinheit haben sich deutlich erhöht.
  • Nektar: Wie bereits oben erwähnt, führt der Eintrag von Stickstoffdünger zu einer Verdrängung von Blütenpflanzen. Dieser Stickstoffdünger stammt zu einem Großteil aus der Landwirtschaft, wie z.B. aus Gülle oder Mineraldünger (Ammoniumnitrat, Ammoniumsulfat, Kaliumnitrat, Natriumnitrat, Ammoniumphosphat…).  Während diese Dünger noch relativ gezielt ausgebracht werden (sich jedoch auch über das Grundwasser und Ausgasungen ausbreiten können), ist die Lage bei den „abgeregneten“ Stickoxiden („Abgasen“) aus Atmosphäre kritischer, da sich diese überall verteilen. Betroffen sind hier stickstoffarme („magere“) aber blütenreiche Biotope, insbesondere Magerrasen, Moore und Heiden (ich weise hier auf die Broschüre des Umweltbundesamtes „STICKSTOFF – ZUVIEL DES GUTEN?“ hin). Die Überdüngung der Landschaft mit Stickstoffverbindungen ist sicherlich eine der Hauptursachen für den Schwund an Blütenpflanzen und somit verfügbarem Nektar für die Schmetterlinge. Zu dieser Problematik gesellt sich ein Mangel an anderen offenen Flächen, auf denen sich Blütenpflanzen entwickeln können. Zum einen ist dies einer gewissen „Ordnungsliebe“ geschuldet, so dass z.B. Wegränder häufig gemäht werden und (Industrie-) Brachen schnell einer anderen Nutzung (z.B. Bebauung) zugeführt werden. Zum anderen sind auch private Gärten überwiegend mit „Zierpflanzen“ bepflanzt oder sogar dank Rasen, Kirschlorbeer- und Lebensbaumhecke vollkommen steril.
    Vorteile für uns: Durch den Düngereintrag sind die Erträge deutlich höher. Durch das regelmäßige Abmähen der offenen Flächen und Wegränder kommt kein Wildwuchs auf, alles sieht ordentlich aus und ist pflegeleicht.
  • Abwechslungsreiche Landschaften: Wer mit offenen Augen durch „die Natur“ geht, stellt fest, dass diese im Bergischen hauptsächlich aus Wäldern, Weiden und Äckern besteht. Es fehlt an offenen, ungenutzten oder extensiv gepflegten Flächen, auf denen sich die Blütenpflanzen entwickeln können. Wünschenswert wären auch offene Felsen, an denen sich wärmeliebende Arten aufhalten können. Diese (z.B. an der Wupper in Beyenburg oder Solingen) sind meist von Wald bedeckt. Wo nur Wald, Acker und Gras ist, kann man nur Waldarten und wenige unspezialisierte Schmetterlingsarten erwarten. Je monotoner die Landschaft, desto monotoner die Schmetterlingsfauna.
    Vorteile für uns: Wenn jeder Quadratmeter land- und forstwirtschaftlich genutzt wird, sind die Erträge maximal. Unerwünschte „Unkräuter“ werden dauerhaft verdrängt. An manchen Stellen (z.B. Felsen) wäre eine Offenhaltung kostenintensiv.
  • Verstecke für die Überwinterung. Es gibt seit vielen Jahrzehnten eine Tendenz zur „Versiegelung“ von Flächen. Mauern haben keine Spalten mehr, Schotterwege gibt es kaum noch (abgesehen von Bahnstrecken).
    Vorteile für uns: Straßen, Plätze und Mauern lassen sich gut reinigen, es treten weniger Frostschäden auf.
  • Dunkle Nächte. Dies ist wahrscheinlich ein unterschätztes Problem. Die Vielzahl an künstlichen Lichtquellen stört die Orientierung der Nachtfalter. Je nach Art der Lichtquelle sammeln sich die Falter an der Lichtquelle an. Starke, heiße Lichtquellen können zur tödlichen Falle für tausende Insekten pro Nacht werden. Die Falter werden aus ihren Biotopen herausgelockt und finden ggf. nicht mehr zurück.
    Vorteile für uns: Man kann sich auch nachts gut orientieren, Ängste und Gefahren werden möglicherweise reduziert.
Grüner Zipfelfalter (Callophrys rubi)

Ebenfalls auf dem Rückzug: Der Grüne Zipfelfalter (Callophrys rubi). Als Bewohner von offenen Gebüschlandschaften, Böschungen, Kiesgruben und Mooren findet dieser Falter keinen Platz mehr in unserer Landschaft. Die Raupe lebt an Sonnenröschen, Ginster, Kleearten, Moorbeere und einigen anderen Pflanzen. Das Bild stammt von der Mosel (Umgebung Piesport).

Was kann man tun?

  • Futterpflanzen: Ich gehe davon aus, dass niemand wieder zur kleinräumigen Landbewirtschaftung zurück will. Dies wäre wahrscheinlich auch ökonomisch nicht sinnvoll. Es müssen also finanzielle Anreize für Brachflächen (Randstreifen und ähnliches) gesetzt und auch genutzt werden („Ackerrandstreifenprogramm“). Wichtig ist auch die Erkenntnis, dass jegliches Wachstum logischerweise nicht bis zur Unendlichkeit erfolgen kann. D.h. immer mehr Ertrag pro Quadratmeter wird es nicht geben. Möglicherweise kann man durch hohen Düngereintrag, Herbizide und Insektizide noch ein bisschen mehr rausholen, aber sicher auf Kosten der langfristigen Fruchtbarkeit der Böden. Hier sehe ich keineswegs die Schuld bei den Landwirten. Das Problem ist der wirtschaftliche Druck zu ewigem Wachstum bei immer weiter fallenden Preisen. Etwas besser ist die Lage bei den verloren gegangenen Hecken: Sie können durch Anpflanzungen heimischer Gehölze z.B. an Wegen und Böschungen teilweise kompensiert werden und dies geschieht auch bereits.
  • Nektar: Der Eintrag an Düngemitteln muss auf ein vernünftiges Maß zurückgeschraubt werden, um Blütenpflanzen eine Chance zu gebe. Zudem wird seit einer gefühlten Ewigkeit wird darauf hingewiesen, Wegränder (so sie denn überhaupt vorhanden sind) nur ein- bis zweimal im Jahr zu mähen, um Blütenpflanzen zu fördern. Dies wäre ein kleiner Schritt mit großer Wirkung. Zudem wäre eine gewisse Toleranz gegenüber „unordentlichen“ Brachen sinnvoll. Natürlich kann jeder seinen Garten so gestalten wie er will. Wer Schmetterlinge sehen und fördern will findet hier einige Tipps.
  • Abwechslungsreiche Landschaften: Hier kann man an den Erhalt und die Offenhaltung von Industriebrachen denken oder auch an die Schaffung von Lichtungen im Wald, die dann auch und nach wieder durch Bäume „zurückerobert“ werden. Unsere Erkenntnis als Schmetterlingskundler: Industriebrachen und stillgelegte Bahngelände sind nach einigen Jahren artenreich und beherbergen oft besonders bedrohte Arten, die es trocken und warm lieben. Sturmschäden in Wäldern (Stichwort „Kyrill“) hatten eine regelrechte Artenexplosion auf den geschaffenen Lichtungen zur Folge.
  • Verstecke zur Überwinterung: Hier gilt es Kompromisse zu finden. Vielleicht reicht schon der eine oder andere Steinhaufen am Wald- oder Wegrand. Ich denke, dass niemand zu Schotterwegen zurück will. Private Gärten würden auch von Natursteinmauern, „Kräuterschnecken“  und ähnlichem profitieren. Alles im Prinzip kein großer Aufwand.
  • Dunkle Nächte: Die Erkenntnis wächst, dass unsere Nächte wieder dunkler werden müssen. Nicht nur Astronomen klagen über die zunehmende „Lichtverschmutzung“. Die nächtliche Dauerbeleuchtung stört viele Tierarten, aber auch der Mensch wird dadurch negativ beeinflusst. Das bedeutet nicht, dass alle Lichter ausgehen sollen. Wichtig ist, zu überlegen, ob und wo wir Licht brauchen (man denke mal an die private „Weihnachtsbeleuchtung“ im Garten), zumal es auch Energie „verbraucht“. Auch die Art des Lichts ist entscheidend. Moderne Lichtkonzepte sind auf dem Vormarsch. Erste Schritte sind gemacht.
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Ein Warnsignal: Selbst der recht anspruchslose Schachbrettfalter (Melanargia galathea), ein Bewohner offener Graslandschaften (die Raupe lebt an Gräsern), ist im Bergischen Land praktisch komplett verschwunden. Der Schwund setzte in den 1960er Jahre ein. Das Foto stammt aus der Eifel (bei Bad Münstereifel).

Warum sollte man etwas tun?

Hier stelle ich einmal die Frage, die mir von Seiten eines Entscheidungsträgers gestellt wurde: „Wofür brauche ich Schmetterlinge? Wofür sind sie nützlich?“ Die Frage klingt nach einer Provokation, aber sie trifft den Kern der Sache. Brauche ich Schmetterlinge, um das Herz von Schmetterlingsfreunden zu erfreuen? Oder haben Schmetterlinge evtl. auch einen wirtschaftlichen Nutzen?

Diese Frage beschäftigt mich seit langem. Wenn mich Leute (Kollegen, Freunde, Besucher an unserem Vereinstand)  fragen, wo die Schmetterlinge geblieben sind, so geht es doch meistens um Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Admiral und Distelfalter, die nun (zumindest gefühlt) weniger oft am Schmetterlingsflieder im Garten sitzen. Dies sind aber Arten, die relativ anspruchslos sind (der Fachmann spricht gerne von „Ubiquisten“ – Arten die praktisch überall vorkommen und keine besonders hohen Biotopansprüche haben) oder sogar gar nicht hier heimisch (Admiral, Distelfalter). Aber sie sind schön bunt und werden daher auch schneller vermisst. Der „stille Schwund“ vieler anspruchsvoller, aber unscheinbarer Arten wird öffentlich nicht wahrgenommen.

Meiner Meinung nach ist sicherlich die -manchmal verborgene- Schönheit vieler Schmetterlinge ein Wert an sich. Aber das ist natürlich nicht alles. Schmetterlinge sind in ökologische Zusammenhänge eingebettet: Raupen dienen als Futter für Vögel, Raupen sorgen dafür, dass bestimmte Pflanzen regelmäßig abgefressen werden, Schmetterlinge verbreiten Pollen, Nachtfalter werden von Fledermäusen gefressen,…

Letztlich sind Schmetterlinge Indikatoren für den Zustand unserer Umwelt. Sie spiegeln die Artenvielfalt in unserer Landschaft wieder. Die Frage „Wofür sind Schmetterlinge nützlich?“ ist gleichbedeutend mit der Frage „Ist Artenvielfalt nützlich?“. Hierüber kann man viel philosophieren, es gibt Forschungen darüber, eine Beweisführung ist schwierig. Aber hier hilft logisches Denken: Wenn Vielfalt herrscht, gibt es auch viele Möglichkeiten, um auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren (Stichwort: Klimawandel). Einfältige Monokulturen neigen zum Zusammenbruch. Artenvielfalt dient somit sehr wahrscheinlich der Stabilität unserer Lebensgrundlage.

Daher mein Appell: Vergesst die altbekannten Erkenntnisse und Konzepte zum Schmetterlingsschutz nicht. Keiner von  will zurück in die Steinzeit. Da war mit Sicherheit auch nicht alles besser. Daher auch meine Hinweise auf den „Nutzen“, den wir vom Schwund der Artenvielfalt haben: Mehr Ertrag, mehr Wohlstand, billige Lebensmittel, weniger Ängste in der Nacht, weniger Mühe, alles in Ordnung zu halten… Es ist aber Zeit zu erkennen, dass Wachstum nicht ewig anhält und Wohlstand auch in eine „Plateauphase“ übergeht. Nun geht es vielmehr darum, ungesunde Entwicklungen zu bremsen und Kompromisse zwischen Ökologie und Ökonomie zu finden. Letztlich ist eine gesunde, artenreiche Umwelt nicht nur ökologisch sondern auch ökonomisch.

Man kann die Antwort auf die Frage nach dem Verbleib der Schmetterlinge auch umgekehrt formulieren:

„Wer billige Lebensmittel und aufgeräumte Landschaften liebt, der darf die Schmetterlinge nicht vermissen.“

Euphydrias aurinia, Wahner Heide 17. Juni 1962 (Foto: Klaus Hanisch). Vermutlich das letzte bekannte Exemplar aus der Bergischen Heideterrasse.

Veröffentlicht 8. März 2018 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Über den Tellerrand gucken   1 comment


Zum wiederholten Mal habe ich an der niederländischen Fachtagung Landelijke Dag
(Schmetterlinge und Libellen) der UNI Wageningen am 3. März 2018 teilgenommen. Trotz Schnee bei der Abfahrt und langer Anreise kam ich abends begeistert zurück.

Das Thema dieses Jahr: Schmetterlingsreiches Grasland. Hochqualifizierte Fachleute aus dem In- und Ausland mit aktuellen gut untermauerten Graphiken und Tabellen gaben sehr professionell einen Einblick in neue Forschungs- bzw. Untersuchungsergebnisse.

Praktische Erfahrungen von Naturschutzleuten sowie ästhetisch und technisch gut gelungene Filme rundeten das Bild ab. Da man auf Augenhöhe kontaktierte, herrschte eine sehr herzliche Atmosphäre. Kein Wunder, es kamen über 450 aus NL und Belgien und wohl 2 (?) aus Deutschland.

Nachträglich bekam ich sogar noch ein Dankesschreiben für meine Teilnahme. Da können unsere Organisatoren der heimische Fachtagungen mit ihren äußerst speziellen Referaten wohl nur von träumen, allein das Letztere war schon immer ein Grund daran nicht teilzunehmen. Welch ein Gegensatz zu den „Fachleuten“, die im Forum die größte friesische Insel Texel offensichtlich nicht kennen, und NL (Kfz.-Kennzeichen!) eher mit Neuseeland verbinden. Diese menschliche Kleinkariertheit ist wohl kaum zu übertreffen.  Welch ein Gegensatz zu den Fachleuten, die zur genauen Bestimmung unbedingt die Tötung zwecks Genitalienuntersuchung fordern.

So Gott will, werde ich im nächsten Jahr mit noch mehr Begleitern nach Wageningen fahren!

 

Veröffentlicht 7. März 2018 von dietmarborbe in Auf Tour, Ökologie, mehr Lepis

Mehr Ehrfurcht vor der Buche!   4 comments

Ich möchte nicht wissen wie oft ich schon achtlos daran vorbeigegangen bin. Oder sie einfach durch den Kamin gejagt habe. Immerhin heize ich das halbe Haus mit Brennholz, und Buche ist eigentlich in jedem Winter immer dabei. Aber der Reihe nach.
Die Beschäftigung mit Nepticuliden, zu Deutsch Zwergminiermotten, ist ein kurioses Metier, nach dem Motto: Je schlechter die Augen, desto kleiner die Falter. Als ich das erste mal einen Kasten mit Nepticuliden-Präparaten gesehen habe – beim Altmeister Willi Biesenbaum in Velbert-Langenberg – dachte ich einen Moment lang er wolle mich veräppeln. Ich sah – NICHTS. In dem Kasten steckten nur reihenweise Etiketten, aber keine Falter. Erst beim zweiten Hingucken erkannte ich die winzigen, auf Minutien präparierten, furchtbar kleinen Tiere. Sich mit diesem Fuzzelzeugs zu beschäftigen – undenkbar!
Ein paar Jahre später, Anfang Januar 2018, kam dann der Hinweis vom Kollegen Dieter Robrecht, man möge doch mal Ausschau halten nach Minen von Zimmermannia liebwerdella. Ein Blick in die Bestimmungshilfe des Lepiforums, Nepticulidae gelesen, und weggeklickt.
Aber vier Wochen später hielten sich im Lepiforum hartnäckig Beiträge zu dem Thema, und so las ich noch mal genauer. Und die beschriebenen Strukturen an der Rotbuche kamen mir doch sehr bekannt vor. Die Kamera genommen, einen kurzen Spaziergang in den Hildener Stadtwald hinter meinem Haus, und – verflixt und zugenäht – die Minen der Buchenrinden-Zwergminiermotte – Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940) sind so häufig, dass man sich schon ein wenig schämen muss, sie nicht zu kennen.

Minen der Buchenrinden-Zwergminiermotte – Zimmermannia liebwerdella (ZIMMERMANN, 1940), Haan-Gruiten, ehemaliger Steinbruch Grube 10, 17. Februar 2018 )Foto: Armin Dahl)

Rotbuchen-Stämme mit Stärken zwischen 10 und 40 Zentimetern, am besten in Waldrandlage und nach Süden exponiert: Ein Lebensraum der sich praktisch überall in Fahrrad-Entfernung auftreiben lässt, und an allen von mir bisher untersuchten Stellen lassen sich sich finden: Finger- bis spannenlange, senkrecht verlaufende Minen unter der Rinde, oft mit einer tpischen Schlaufe an der Ober- oder Unterseite, an den Stämmen von Kniehöhe bis in einige Meter Höhe: Die Minen bleiben offenbar viele Jahre sichtbar und es gibt nach Auskunft der Experten keine weitere Art, die ähnliche Minen an der Rotbuche (Fagus sylvatica) erzeugt.

Das nenne ich einen vernünftigen „Mikro“, den man im Prinzip mit dem Fernglas kartieren kann – von wegen Genitalpräparat unter dem Binokular, das hätte ich sowieso nie gemacht. Ectoedemia liebwerdella ist ganzjährig im Buchenwald leicht nachzuweisen, und prompt fand ich auch in meinem Brennholzstapel nach kurzer Suche noch einen Scheit mit ein paar Minen. Und der macht mir jetzt das Arbeitszimmer warm, in dem diese Zeilen geschrieben werden.

Vom ehemaligen Umweltminister Klaus Töpfer ist der Auspruch überliefert, die Ehrfurcht vor einem Stück Land sei oft eng verbunden mit einer Vielzahl dort lebender einzigartiger Tiere und Pflanzen. Der Satz fiel im Jahr 2006  im Vorfeld der 8. UN-Artenschutzkonferenz im südbrasilianischen Curitiba, das ist eine Metropole von der Größe Hamburgs. Von der  brasilianischen Artenvielfalt sind wir hier im Niederbergischen Land zwar weit entfernt. Aber so ein mehr bischen Ehrfurcht vor dem vom Entomologen so oft geschmähten, weil „langweiligen“ Rotbuchenwald vor meiner Haustür ist auch nicht schlecht.

Veröffentlicht 17. Februar 2018 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Lebensräume, Mikros