Eselswolfsmilch-Glasflügler in Massen   4 comments

Heute kam per Mail eine höchst bemerkenswerte Beobachtung von Willi Wiewel aus Duisburg herein,  die hier ungekürzt wiedergeben wird

habe heute erstmalig in diesem Jahr einen Versuch bei den Glasflüglern unternommen und gleich mit einem Überraschungsergebnis. Ich hatte zwar Fallen und Pheromone dabei, die brauchte ich aber nicht. Die Esels-Wolfsmilch in den linksrheinischen Wiesen in Duisburg-Rheinhausen saß voll mit den kleinen Glasflüglern. Bei etwa 23° C. konnte ich zwischen 15:30 und 17:00 Uhr gar nicht alle zählen, die sich an der Eselswolfsmilch bewegten und auch darauf saßen. Insgesamt bin ich auf ein Ergebnis von 46 Faltern dieser Art gekommen, wobei ich glaube, dass es eher die doppelte Anzahl war.
Ich muss dazu sagen, dass die blühende Euphorbia esula wohl in der Größe mehrerer Fußballfelder dort wächst, unglaublich, habe solche Mengen davon noch nie gesehen. An jedem Fleckchen dort waren auch Falter zu finden.
Zumindest wurde mir bestätigt, dass Ch. tenthrediniformis wohl 14 Tage früher fliegt, als Ch. empiformis. Das werde ich aber noch testen, wenn sich die Gelegenheit bietet.
Diese riesige Wolfsmilch-Fläche hatte ich schon vor einigen Wochen entdeckt. Da kam das gute Wetter heute gerade recht.

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Veröffentlicht 18. Mai 2019 von williwiewel2018 in Glasflügler, Lebensräume, Phänologie

Blick ins Innere   2 comments

Die Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling ist sicher eines der faszinierendsten Schauspiele, die die Natur zu bieten hat. Aus ein und derselben genetischen Information entstehen zwei vollkommen unterschiedliche Lebewesen: kaum etwas lässt vermuten, dass aus dem unscheinbaren wurmförmigen Wesen einmal ein Schmetterling werden wird. Moderne Technik macht es möglich, die Entstehung eines Schmetterlings in der Puppe sichtbar zu machen und das ohne das Tier dabei beschädigen zu müssen: Prof. Ulrich Flögel vom Institut für Molekulare Kardiologie an der Uni Düsseldorf verfügt über ein Kernspinresonanzspektrometer das so modifiziert wurde, dass man damit Bilder aus dem Inneren von Lebewesen erzeugen kann. Im Wesentlichen wird die Verteilung von Wasser gemessen. Wo ansonsten Mäuse untersucht werden, wurden nun in einer explorativen Studie Puppen unseres „Haustieres“, des Kleinen Nachtpfauenauges, in verschiedenen Entwicklungsstadien in Hunderten von Schnittebenen angeschaut. Hier einige Bilder als Vorschau (bitte anklicken!). Wir hoffen, daraus in Zusammenarbeit mit Biologen an der Uni Düsseldorf ein interessantes Forschungsprojekt entwickeln zu können. Dazu müssen nun erstmal die gewonnen Daten gesichtet werden…

Veröffentlicht 12. Mai 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Sergeant-Major am Schneckenklee: Grapholita compositella   1 comment

Kleewickler Grapholita compositella, Haan, 1. Mai 2019 (Foto: Armin Dahl)

Ein winziges Stäubchen, das in hohem Tempo in einer im Vorjahr eingesäten Wiese herumsaust und sich trotz der geringen Größe nur im Sprintmodus einfangen lässt: Noch vor wenigen Jahren hätte ich dieses Tierchen einfach ignoriert, einer von vielen Mikros halt.

Heute weiss ich allerdings daß die „Mikros“ zum einen deutlich bunter oder auffälliger gezeichnet sind als die größeren „Makros“ unter den Motten. Und ausserdem sind viele Arten pflanzenspezifisch: Blattwickler, Miniermotten und andere leben oft nur an einer einzigen Pflanzenart oder -gattung, und man kann aus ihrem Vorkommen Rückschlüsse auf die Lebensräume ziehen.

Also musste das kaum erkennbare Tierchen doch noch zum Fototermin eingeladen werden, und erst dabei kam die wunderschöne Zeichnung zum Vorschein.

Grapholita compositella trägt auf dem Rücken vier auffällige Querstreifen, und hat deshalb von den Nachbarn aus den Niederlanden den einprägsamen Namen Sergeant-majoortje“ bekommen: Der Sergeant-Major, im Deutschen würde man ihn etwa mit „Oberstabsfeldwebel “ übersetzen, ist beim Militär der höchste Dienstrang der Unteroffiziere und hat als Rangabzeichen auf den Schulterklappen die vier angesprochenen Querstreifen.

Es gibt nur einen Dienstgrad der noch mehr Streifen auf den Klappen trägt, fünf Schrägbalken in Form der belgischen Kartoffelstäbchen hat der „Oberstabsgefreite“, der deshalb schon zu meiner Bundeswehrzeit als „Pommes-General“ verspottet wurde. Oberstabsgefreite bei der Marine haben zusätzliche Streifen, und deshalb den Spitznamen „Nato-Zebra“. Aber das nur nebenbei, hier geht es ja nicht um Säugetiere.

Grapholita compositella fliegt nach SCHÜTZE als Falter in zwei Generationen von April bis August: Die Raupe lebt zwischen den Gipfelblättern von Medicago sativa (Schneckenklee) versponnen, im Lepiforum gibt es auch etliche Bilder mit Befallspuren von Rotklee (Trifolium pratense). In Nordrhein-Westfalen gibt es nur relativ wenige Nachweise, was an der mangelnden Durchforschung liegen dürfte: In den Niederlanden ist der Falter flächendeckend verbreitet.

 

 

Veröffentlicht 4. Mai 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen, Mikros

Mission: Callophrys rubi – Grüner Zipfelfalter   3 comments

Da wir eine aktualisierte Neuauflage unseres Jahresberichts „150 Jahre Schmetterlingsbeobachtung im Raum Wuppertal“ planen, habe ich begonnen, Fotos zu den noch vorhandenen aber auch zu den prominenten verschwundenen Arten zusammenzustellen. Bei den Tagfaltern fiel mir auf, dass ich eigentlich kein wirklich schönes Bild von Callophrys rubi, dem Grünen Zipfelfalter, habe. Warum ist das so? Nun, der Falter fliegt sehr früh im Jahr, ab Mitte April. Die Falter sind daher zu Beginn der Schmetterlings-Hochsaison im Mai schon recht „abgeflogen“, haben also bereits einige Flugtage hinter sich, Schuppen und Fransen sind verloren gegangen… zudem: unser einziger wirklich grüner Tagfalter beherrscht die Technik des „sich in Luft Auflösens“ wie kein anderer: Der scheue Falter setzt sich bei Sonnenschein oft nur ganz kurz, fliegt bei Annäherung auf, die grüne Untersite blitzt noch ein paar mal auf, die braune Oberseite macht den Falter zwischendurch fast unsichtbar – dann landet er wieder in der grünen Vegetation und ist dort perfekt getarnt und unauffindbar. Wenn es noch kühl ist, sonnt er sich gerne am Boden und zwar nie mit offenen Flügeln, sondern immer nur seitlich mit zusammengeklappten Flügeln. Dabei dreht und kippt er die Flügelunterseite gerade so, dass sie zur einfallenden Sonnenstrahlung im rechten Winkel steht. Das Problem für den Fotografen: um den Falter in seiner Pracht abzulichten, muss man sich von der Sonnenseite nähern – sobald aber ein Schatten auf den Falter fällt – schwupps kommt die Technik des sich in Luft Auflösens zum Einsatz. Kurz gesagt: diesen schönen Schmetterling in perfektem Zustand bei guter Ausleuchtung abzulichten ist eine echte Geduldsprobe.

Oft nehme ich mir für meine Fotoexkursionen exakt eine Schmetterlingsart als Zielart vor. Andere Bilder sind dann nur „Beifang“. Meiner Erfahrung nach sollte man an einem Tag mit heiterem, kühlen, aber weitgehend windstillem Wetter in der Frühe, also so ein – zwei Stunden nach Sonnenaufgang ins Gelände gehen. Dann sitzen viele Schmetterlinge in der Sonne um sich aufzuwärmen, breiten ihre Flügel aus und sind noch recht träge. Steht die Sonne hoch am Himmel und es ist wolkenlos, sind die meisten Schmetterlinge geradezu hyperaktiv, drehen sich hektisch bei der Nektarsuche auf Blüten hin und her und fliegen rasch auf, wenn man sich nähert.

Gesagt, getan: es musste ein gescheites Foto von Callophrys rubi her: Am „Osterdienstag“ war gutes Wetter angesagt, also um halb sieben ins Auto und auf in die Eifel. Das Ziel: der Kuttenberg bei dem Örtchen Eschweiler in der Nähe von Bad Münstereifel. Dort hatte ich den Falter schon vor mehr als zwanzig Jahren fotografiert. Doch vor Ort war es um halb acht gerade mal 10 Grad kalt, es gab hohe, relativ dichte Schleierbewölkung. Die Vegetation war auch noch recht weit zurück: die Schlüsselblumen gerade in voller Blüte. Ich hoffte also auf baldige Auflockerung und Sonne. Leider ging das so über zwei Stunden, dann gab es einen kurzen Moment Sonne: und siehe da, ein Grüner Zipfelfalter flatterte vor mir auf, sonnte sich kurz, doch mehr als ein Beweisfoto war nicht drin. Dann wieder zwei Stunden keine Sonne – zu einem einzigen Gelbspanner (Opisthograptis luteolata), der sich netterweise auf einer gerade hervorsprießenden Knabenkrautblüte niedergelassen hatte, und einem mehr oder weniger unterkühlten Kleinen Wiesenvögelchen (Coenonympha pamphilus) hatte ich schon ein persönliches Verhältnis aufgebaut. Ein echter Frust, also entschied ich mich gegen zwölf Uhr aufzugeben. Beim Verlassen der Fläche schaute ich noch einmal ober die zahlreichen Löwenzahnblüten auf der angrenzenden extensiv gepflegten Wiese – ich wusste, dass die Falter dort gerne Nektar saugen – und siehe da: ein einziger frischer Grüner Zipfelfalter saß recht unterkühlt und träge auf einer Blüte – ich konnte es kaum glauben. Seht hier nun die Fotos (anklicken!), die ich aufnehmen konnte, bevor der Schmetterling sich wieder mal – in Luft auflöste!

Veröffentlicht 26. April 2019 von Tim Laußmann in Arten / Listen

Honigbienen in Naturschutzgebieten: Kleines Pro und Großes Kontra   2 comments

Die Imkerei ist im Aufwind, seit Jahren wachsen die Zahlen der aufgestellten Völker rasant an, vor allem in den Städten und Ballungsräumen. Das ist zuerst einmal positiv zu sehen, Menschen, die sich intensiv mit der Natur beschäftigen, kann man gar nicht genug haben. Doch natürlich kann jedes Nektartröpfchen und jedes Pollenkorn nur einmal verteilt werden.

Das vermehrte Imkern bedeutet im Umkehrschluss: Für alle anderen Tiere, die auf Pollen und Nektar angewiesen sind, bleibt weniger übrig. Dazu gehören blütenbewohnende Käfer, Schmetterlinge und ihre Raupen, Wanzen, Fliegen, und natürlich die Wildbienen. Im nachfolgenden Text werde ich versuchen ein paar Fakten zusammenzutragen, aber eines schon mal als Zusammenfassung vorab: Imkerei in Naturschutzgebieten der Region widerspricht nach meinem Verständnis dem Schutzgedanken, schadet der angestrebten Artenvielfalt der Insekten. Bienenvölker haben in Naturschutzgebieten nichts zu suchen!

Das Thema ist zugegebenermaßen ein wenig heikel, aus verschiedenen Gründen. Honigbienen und Imker haben in der Bevölkerung ein extrem positives Image, wer sich daran vergreift, muss mit Unverständnis und Gegenwind rechnen.

Da ist zum einen der immer wieder zitierte Spruch von Albert Einstein: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“
Niemand kann wollen dass die Menschheit ausstirbt. Aus der Sicht des Entomologen möchte man allerdings rufen: „Albert, wärst Du doch bei Deinen Elementarteilchen geblieben„. Denn von Elektronen und Quanten hat die Ikone der Physik mit Sicherheit mehr verstanden als von Blütenbiologe, Bestäubung und Artenvielfalt. Einstein selbst würde diesen diesen Vorwurf wohl gut verschmerzen, hat er doch mit seinen Theorien das alte Denkgebäude der Physik zum Einsturz gebracht und der Fachwelt auch noch symbolhaft die Zunge herausgestreckt. Paradigmenwechsel, nach Wikipedia „Wandel grundlegender Rahmenbedingungen für einzelne wissenschaftliche Theorien“, waren sozusagen Einsteins Lebensleistung. Bezogen auf die Bienen heisst das hier: Nicht alles was summt ist gut!

Zum zweiten hat wahrscheinlich jeder ordentliche Deutsche schon mal im Biologieunterricht vom Schwänzeltanz der Bienen gehört. Für dessen Entdeckung hat Karl Ritter von Frisch, Zoologieprofessor aus München und einer der Väter der Verhaltensforschung, 1973 den Nobelpreis für Medizin erhalten hat, zusammen Nikolaas Tinbergen und Konrad Lorenz. Wie die Bienen untereinander kommunizieren und die Himmelsrichtung guter Pollen- und Nektarquellen weitererzählen ist bis heute fester Bestandteil der Biologie-Lehrpläne, jeder kennt das Insekt. Bienenkunde und Imkerei haben in Deutschland eine lange gepflegte Tradition, die Organisation der deutschen Imker hat einen straff hierarchischen Aufbau. Etwa 3.000 Imker-Ortsvereine gibt es in Deutschland, darüber Kreisimkervereine, Landesverbände, der Deutsche Imkerbund e.V. (DIB) als Dachverband vertritt nach eigenen Angaben über 120.000 Imker.

Die Bundesländer finanzieren eine ordentliche Infrastruktur rund um die Honigbiene, leisten eine bisher vom Steuerzahler klaglos hingenommene Lobbyarbeit. Neben den Imkerverbänden gibt es zudem einen ganzen Stall voller staatsnaher Institute, u.a. für Bienenkunde, Forschung zu Bienenkrankheiten, Zusammensetzung des Honigs, „Bienenverträglichkeit“ von Spritzmitteln, Absatzförderung für das Endprodukt Honig usw.

Auf der Webseite des DIB ist zu lesen: „Reiche Ernten, üppiges Wachstum und natürliche Artenvielfalt hängen stark von Bienen ab“. Dank der Bestäubung von Kulturpflanzen durch Bienen werden angeblich höhere und gesicherte Erträge erzielt. Der Wahrheitsgehalt und die Sinnhaftigkeit der Sache an sich wird nur selten hinterfragt. Und wenn doch, so erhebt sich gegen die Mahner sofort das was neuerdings als „shitstorm“ bezeichnet wird: Man gilt als Spinner und macht sich halt keine Freunde, wenn man gegen die herrschende Stimmung anschreibt. Davon konnte übrigens auch Albert Einstein ein Lied singen, dessen Fachkollegen noch an ihren mechanischen Äthermodellen hingen. Ich selbst habe vor ein paar Jahren mal einen Vortrag zu dem Thema in der Biostation gehalten, vor Fachpublikum. Damals ging der Vetreter der Landwirte im Kreis Mettmann wie ein HB-Männchen an die Decke, als ich einfach mal die Fakten präsentiert habe.

Die Behauptung, rund 85 % der landwirtschaftlichen Erträge im Pflanzen- und Obstbau hingen in Deutschland von der Bestäubung der Honigbienen ab, (Deutscher Imkerbund), ist eine ziemlich steile These! Wer sich einmal in halbwegs intakter Landschaft vor einen blühenden Obstbaum stellt, der kann ein Heer verschiedenster Insekten beobachten, die alle zusammen an der Bestäubung der Blüten mitwirken: Am Tag sind es Käfer, Schmetterlinge, Hummeln, Schwebfliegen, Wildbienen, bei Dunkelheit zahlreiche Nachtfalterarten („Motten“), die sich von Nektar und Pollen ernähren und dabei die Äpfel, Birnen, Kirschen usw. befruchten.

Und dazu mal eine andere Überlegung: Man stelle sich einfach einmal vor, jede Blüte an einem Apfelbaum würde sich zu einem Apfel entwickeln. An jedem kleinen Ästchen kommen Dutzende von Knospen zur Blüte, wäre der Baum überhaupt in der Lage, die Fruchtansätze zu versorgen, würde er im Sommer unter der Last der Früchte zusammenbrechen. Der Baum oder Strauch entscheidet also selbst, wie viele Früchte sich entwickeln können, und der Rest der Fruchtansätze muss sowieso abgeworfen werden. Jeder kennt sie, diese kleinen grünen Kügelchen unter den Bäumen nach dem Laubaustrieb: überschüssige bestäubte Fruchtstände.

Und noch ein paar Zahlen, alle aus offiziellen Imkerverbands- oder Behördenseiten: Für 1 Kilo Honig müssen die Völker ca. 3 Kilogramm Nektar eintragen. 25.000 Tonnen Honig produzierten die Imker in Deutschland im Jahr 2018, nach Zahlen des Deutschen Imkerbundes. Für 1,5 kg Wachs – das ist die durchschnittliche Jahresproduktion eines Volkes – verarbeiten die Bienen zusätzlich ca. 15 kg Honig und 1,5 kg Blütenstaub. Und auch der Honigbienen-Nachwuchs braucht Pollen als Nahrung: Ein Bienenvolk verbraucht insgesamt ca. 30 Kilogramm Pollen pro Jahr.

Bei geschätzten 800.000 Bienenvölkern in Deutschland kommen da astronomische Mengen an Nektar und Pollen zusammen, die aus der Natur entnommen werden. Und natürlich damit den übrigen einheimischen Insekten nicht zur Verfügung stehen.

25.000.000 kg Honig X 3 (Nektar“) = 75 Millionen Kilogramm Nektar

800.000 (Völker) x 30 (Kilogramm pro Volk) =24 Millionen Tonnen Pollen
Es geht also gar nicht um die Frage, OB Honigbienen und der Rest der Insektenwelt in Konkurrenz zueinander stehen, sondern nur WIE STARK sie konkurrieren. Die Honigbienen fliegen zudem in großen Zahlen durch die gesamte Vegetationsperiode, und sammeln bei einer Vielzahl von Pflanzenarten Pollen und Nektar. Damit konkurrieren sie praktisch mit allen anderen pollenfressenden Arten, die oft auf eine einzige Pflanzenart angewiesen sind (der Fachausdruck dafür ist „oligolektisch“). Ohne reichhaltige Insektenwelt in der freien Landschaft gibt es auch keine Vögel, Feldlerche und Kiebitz lassen schön grüßen.

Bekannte Bienenstände rund um die Ohligser Heide. Grafik: A. Dahl

Und jetzt kommen wir mal wieder zurück ins Niederbergische: Seit Jahren regen sich die Wildbienenfreunde der Region über die Zustände in der Ohligser Heide auf, wo rund um die ziemlich kleine Heidefläche eine Menge Bienenvölker aufgestellt wurden. Wohlgemerkt mit ausdrücklicher Förderung der Stadt Solingen, nachzulesen zum Beispiel in der Rheinischen Post.

In der Verordnung über das Naturschutzgebiet Ohligser Heide in der Kreisfreien Stadt Solingen vom 28. August 1957 steht in

§ 3
1)Im Bereich des Naturschutzgebietes dürfen Maßnahmen, die eine Veränderung oder Beeinträchtigung der Natur herbeiführen, nicht vorgenommen werden.
Im Bereich des Schutzgebietes ist im einzelnen folgendes verboten:
a) Pflanzen zu beschädigen, auszureißen, auszugraben oder Teile davon abzupflücken, abzuschneiden oder abzureißen, […] freilebenden Tieren nachzustellen, sie mutwillig zu beunruhigen, für ihren Fang geeignete Vorrichtungen anzubringen, sie zu fangen oder zu töten oder Puppen, Larven, Eier oder Nester oder sonstige Brut- und Wohnstätten solcher Tiere fortzunehmen oder zu beschädigen,
[…]
e) Pflanzen oder Tiere einzubringen.
[…]
Man sollte also denken, dass die Solinger Verwaltung das vergleichsweise kleine Schutzgebiet nicht zusätzlich durch das Aufstellen von Nutztieren wie der Honigbiene unter Druck setzt. Hätte, sollte, schön wäre…

Ausgewogener Unsinn

Die Honigbiene ist ein Konkurrent der Wildbiene – mit Werbung für den Imkerverein. Screenshot aus dem Solinger Tageblatt

Nachdem das Insektensterben in aller Munde ist, wollte auch das Solinger Tageblatt nicht zurückstehen und folgte dem lokalen Wildbienen-Matador Hans-Jürgen Martin in die Ohligser Heide. Die Honigbiene ist ein Konkurrent der Wildbiene, lautet der Titel des daraus resultierenden Artikelchens. Dann muss es den Zeitungsmachern aber doch bange geworden sein, denn als Werbung im Artikel ist ausgerechnet Werbung für den Honigverkauf des Imkervereins eingeblockt. Dafür gibts an dieser Stelle mal

Ubrigens, bevor jetzt jemand aufspringt und sagt, Armin, Du hast ja keine Ahnung wovon Du sprichst: Ich finde Honigbienen toll! Ich bin als Kind mit Bienen aufgewachsen, mein Vater hatte ein paar Völker der damals beliebten „Italiener“-Bienen. Damals gab es noch keine Varroa-Milben und im Winter saßen wir da und haben Wachsplatten gegossen und in Holzrähmchen geklebt, für die Waben der Sommersaison. Im Studium hatte ich dann das Glück, einen Platz im Bienenpraktikum zu erwischen, einen Sommer lang haben wir unter Leitung von Peter Rosenkranz den Bienenstand der Uni Tübingen unsicher gemacht – der kleine Hochschul-Assistent Rosenkranz war damals schon ein Freak und ist heute Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde in Hohenheim. Mein Nachbar im Tübinger Vorort Lustnau war zu dem Zeitpunkt der „Bienen-Paul„, dessen Buch über die Wildbienen Baden-Württembergs ist immer noch der Goldstandard für Publikationen in Deutschland. Der Paul ist ein unabhängiger Geist und hat seit Jahrzehnten sein eigenes Wildbienen-Institut, und alle Diskussionen über Konkurrenz zwischen Honig- und Wildbienen haben wir schon von dreißig Jahren intensiv geführt.
Was damals allerdings gefehlt hat ist das Wort „Insektensterben“. Seinerzeit hatten wir keine rechte Vorstellung von dem was draussen so vorgeht, und die Landwirtschaft war auch noch lange nicht so mörderisch effizient wie heute.

Ihr lieben Imker, nehmt es nicht krumm, aber Bienenhaltung ist eine ziemlich intensiv landwirtschaftliche Nutzung, auf Kosten der übrigen Insektenwelt.
Das gilt übrigens auch für alle die – neuerdings im Trend – in den Städten imkern, und glauben damit „der Natur“ etwas gutes zu tun. Wo zu viele Bienen fliegen verschwinden andere Arten, in der Ohligser Heide sei nur als Beispiel die Heidebiene Colletes succinctus genannt, die auf den Pollen des Heidekrautes angewiesen ist.

Naturschutzverbände bekommen regelmäßig Anfragen von Imkern, die in den mühevoll von den lokalen Aktivisten gepflegten Schutzgebieten, Steinbrüchen, Obstwiesen usw. ihre Bienenvölker aufstellen wollen. An dieser Stelle noch mal meine Meinung dazu: Bienenvölker beuten diese Gebiete ganz erheblich aus, sie haben in Schutzgebieten, Randstreifen und eigens angelegten Ökowiesen nichts zu suchen!

Veröffentlicht 23. April 2019 von Armin Dahl in andere Insekten, Heideterrasse, Insektensterben, Umwelt

Ein Sommertag im April   1 comment

Ostermontag, 22. April 2019: Die Eiersuche fand heute in meinem Garten mit einem Tag Verspätung statt. Dafür waren es aber auch die Eier vom Schwalbenschwanz. Typischerweise suchte sich der Falter dafr eine schön warme, trockene Stelle aus, wo der Maulwurf oder die Wühlmäuse ein wenig Rohboden geschaffen haben, dort kommen gerade die ersten Blättchen der Wilden Möhre zu Tage.

Parallel dazu legte in der benachbarten Feuchtwiese (!) der erste Cupido argiades für 2019 seine Eier ab.

Veröffentlicht 22. April 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen

Die Eisenhut-Goldeule, Polychrysia moneta (Fabricius, 1787)   4 comments

Manche Nachtfalterarten lassen sich nur schwer über die üblichen Methoden wie Licht- oder Köderfang nachweisen. Die Eisenhut-Goldeule, Polychrysia moneta, gehört zu dieser Gruppe.
Eisenhut_GoldeuleFoto 1: Eisenhut-Goldeule, Wuppertal-Barmen, Dickmannstraße, Raupe im April 2017 durch Ludger Buller gefunden, Zucht und Foto Armin Radtke.

Eisenhut

Foto 2: 20. April 2019, Eisenhut, zusammengesponnene Triebspitze, Wuppertal-Barmen, Kriemhildenstraße, Freilandfoto Armin Radtke.

Eisenhut_Goldeulenraupe

Foto 3: Dieselbe Triebspitze wie auf Foto 2, zentral im geöffneten Gespinst die Raupe der Eisenhut-Goldeule. Manipuliertes Freilandfoto, Wuppertal-Barmen, Kriemhildenstraße, 20. April 2019.

Schaut man auf die aktuelle Verbreitungskarte der Art im Arbeitsgebiet der Rheinisch-Westfälischen Lepidopterologen dann könnte man den Eindruck gewinnen, daß die Bestände dieses schmucken Nachtfalters (siehe Foto 1) stark zurückgegangen sind. In der Vergangenheit haben Sammler aber auch vermehrt nach Raupen gesucht. Gerade in diesen Tagen ist der Nachweis der Art solchermaßen leicht möglich. Zusammengesponnene Triebspitzen von Eisenhut sind ein starker Hinweis auf den Besatz durch eine junge Raupe, siehe Fotos 2+3. Durch vorsichtiges Öffnen des Verstecks kann man dann die Raupe darin finden. In diesem Stadium sind die Raupen noch grün gefärbt mit zahlreichen schwarzen Punkten im Abdominalbereich.

Ich habe in den letzten beiden Tagen, am 19. und 20. April, hier in Wuppertal-Barmen an vier verschiedenen Standorten  (Kleingartenanlagen, Garten und einem Waldrand) die Art über den Raupenbesatz an Eisenhut Triebspitzen nachgewiesen. Das wäre sicher auch andernorts möglich.

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Polychrysia moneta, erwachsene Raupe (Foto: Armin Dahl)

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Polychrysia moneta, Raupe im Porträt (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 20. April 2019 von ntorva in Arten / Listen