Archiv für die Kategorie ‘Eulenfalter

Spätsommernacht am Mittelrhein   1 comment

Der Mittelrhein nördlich von Koblenz bis zur Landesgrenze bei Unkel ist faunistisch ein Paradies, und mit dem Auto brauche ich von Haan aus dorthin gefühlt auch nicht länger als nach Wipperfürth. 85 Kilometer Luftlinie sind es nur von meiner Haustür bis zur Burg Hammerstein, der ältesten Burg des Mittelrheintales, und Daten aus dem Umfeld von Hammerstein und Leutesdorf sind praktisch keine vorhanden. Im Gegensatz zur Rheinbrohler Lay, einem schönen passabel erforschten Felsausguck zwei Kilometer weiter nördlich. Genau das richtige also für einen entspannenden Leuchtabend im Oktober, ganz faul mitten auf dem Weinbergsweg unterhalb der Burg.

Zielarten waren die typischen Fels- und Trockenwaldbewohner, bei dem warmen Wetter mit Südströmung waren auch noch späte Wanderfalter zu erwarten: Mosel und Mittelrhein sind immer für Überraschungen gut. Für die Graubraune Eicheneule Dichonia convergens hat es zwar dieses Mal nicht gereicht, aber beschweren will ich mich nicht: Nach drei Stunden schaute der Vollmond um die Ecke und lieferte ein phantasisches Nachtpanorama, die Artenliste war mit 20 Großschmetterlingsarten halbwegs ordentlich. Und der letzte Falter am Licht war natürlich mal wieder der Kracher, bezeichnenderweise saß er in der Lichtfalle mitten in den Weinbergen: Eublemma purpurina, das dürfe dann locker die dritte Generation in diesem Jahr sein.

Ein interessanter Fund anbei: Der Kleine Felsen-Bindenspanner – Coenotephria salicata, hier scheint die 2. Generation in trockenen Sommern die Flugzeit nach hinten zu verschieben, beschrieben ist das allerdings nur anhand von Material aus Südfrankreich. (EBERT Bd. 8: 324). In der „Baden-Württemberg-Fauna“ finden sich keine Okober-Daten von E. salicata. An der Mosel und am Mittelrhein sieht das offenbar schon ganz anders aus, von dort haben wir etliche Oktober-Funde in den Daten.

Und wie sich das für einen „goldenen“ Okober gehört, gab es auf der Heimfahrt noch einen kleinen Temperaturrekord:  Im Raum Leverkusen/Langenfeld schrammte das Wetter nachts um 23.00 Uhr mit 18°C nur knapp an einer tropischen Nacht vorbei.

 

Werbeanzeigen

Veröffentlicht 13. Oktober 2019 von Armin Dahl in Auf Tour, Eulenfalter, Klimawandel

Mythimna vitellina unterwegs: Lob der Goldrute   Leave a comment

Mythimna vitellina, Haan, Spörkelnbruch, 3. September 2019 (Foto: Armin Dahl)

Nachdem ich hier schon gefühlte 15 Jahre allabendlich eine oder mehrere Runden durch meinen Garten drehe, kam heute mal wieder eine bisher nicht beobachtete Art zum Vorschein: Mythimna vitellina, die Dottergelbe Graseule. Eigentlich ein Wanderfalter, der nur ausnahmsweise nördlich der Alpen gesehen wird. Die Art hat einen weiteren Deutschen Namen verpasst bekommen: Steppenhügel-Weißadereule, was neben der Flügelzeichnung auf die Herkunft aus Süd- und Osteuropa deutet. Der letzte Nachweis von M. vitellina aus Nordrhein-Westfalen stammt aus dem Jahr 2011, bezeichnenderweise aus der Senne, der großen Sandlandschaft in Ostwestfalen.

Im Supersommer 2019 aber tauchte M. vitellina bereits im Juni an der Mosel auf, gefunden haben sie dort natürlich – die Holländer. Und jetzt in meinem Garten!
Das Tierchen wuselte dort minutenlang in der blühenden Goldrute herum, die nachts als Nahrungsquelle für viele Falterarten attraktiv ist. Goldrute wird deshalb extra von mir angebaut bzw. nicht eingedämmt. So konnte ich ein paar Handyfotos schießen und dann nach drinnen gehen um ein Glässchen zu holen…

Das muss der seltene Falter irgendwie mitbekommen haben, denn anstatt sich anstandslos für die museale Ewigkeit aufspannen zu lassen, flog er mir beim nächste Ansehen schnurstracks gegen den Kopf bzw. die Stirnlampe, und war danach verschwunden.
Morgen kommt die Kaltfront und dann soll der Sommer endlich vorbei sein. Das wird mich nicht hindern wieder meine Runden zu drehen, an Köderschnüren und Goldrute vorbei. Die Qualität der folgenden mit dem Handy geschossenen Bilder ist zwar nicht doll, aber trotzdem, hier noch ein paar Impressionen vom heutigen Abend.

Veröffentlicht 4. September 2019 von Armin Dahl in Arten / Listen, Buchsbaumzünsler, Eulenfalter, Wanderfalter

Winter schon wieder vorbei, hoffentlich   1 comment

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ich kann mich leider nicht für Winterlandschaften begeistern, bei Frost und Dunkelheit herumzulaufen und ständig den Ofen nachzufeuern finde ich komplett verzchtbar, ich gebs zu: der Klimawandel mit 2 Grad mehr Durchschnittstemperatur flößt mir vorert weit weniger Furcht ein, als es vielleicht angebracht wäre.

Aber das schlimmste ist für dieses Jahr überstanden, die ersten Frühjahrsfalter sind unterwegs, und an den Köderstellen sind eine Menge vom kalten Wetter ausgehungerte Falter unterwegs. Eine kleine Köderrunde im Neandertal brachte heute am Abend knappe 50 Falter und ein paar schlechte Handyfotos. Und auch in unserem „schönsten“ Lichtfangplatz, dem Tunnel unter der A46 im Eller Forst, ist schon wieder Betrieb. Als Beifang: ein schlafender Gartenbaumläufer, der sich auf Augenhöhe in einem kleine Loch an einem Köderbaum verkrochen hatte.

 

 

Veröffentlicht 5. Februar 2019 von Armin Dahl in Eulenfalter, Phänologie, Spanner

Haariges im November   Leave a comment

Der S-Bahnhof Millrath ist kein Platz an dem man sich freiwillig aufhält. Eine zugige gekachelte Unterführung, Sprayer haben die Wände verziert, die Mülleimer quellen ständig über, manchmal riecht es etwas streng nach Eishockey- oder Fußballfan. Ein schäbiger Platz, hinzu kommt eine Menge mäßig gut gelaunter Leute, die zur Arbeit oder nach Hause hasten. Jeder plant so knapp es geht, und bei dem dichten Takt der Züge am Morgen ist auf dem Parkplatz und Bahnhof ein ständiges Gerenne der arbeitenden Bevölkerung, Schüler etc. im Gang.
Spinnweben hängen von der Decke, die Beleuchtung ist sparsam, wenn nicht gerade kaputt. Da muss man schon ein bisschen Nerven haben, um die Lampen und Wände jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit gründlich abzusuchen. Es bringt einem viele merkwürdige Blicke ein, wenn man mit der Handy-Taschenlampe die Wände und Ecken ableuchtet. Aber das kratzt mich nicht, wo Spinnen sind, da sind auch immer irgendwo Schmetterlinge, und das ist das einzige was zählt.

Lithophane leautieri sieht aus wie eine schmale spitzflügelige Asteroscopus spinx. Millrath, S-Bahnhof, 7. November 2018 (Handyfoto : Armin Dahl)

Seit Mai 2018 habe ich dort bis jetzt 28 Arten festgestellt, man bekommt mit der Zeit einen Blick dafür wo die Falter sitzen. Ausserdem ist das Ganze ein Lehrstück dafür, wie empfindlich die einzelnen Arten auf Dauerbeleuchtung und Lichtverschmutzung reagieren: Manche Arten (z.B. Wurzelbohrer) sitzen tagelang wie festgeschraubt am gleichen Fleck, andere fliegen sofort ab wenn man sich nähert. Abgesehen davon ist die Bahnstrecke Düsseldorf >> Erkrath >> Wuppertal und das nahegelegene Neandertal eine der großen Einflugschneisen und Wanderrouten für eine Reihe von Arten, die aus dem Rheintal heraus in höhere Lagen vordringen.

Heute gabs dann eine echte „Rakete“, den Erstnachweis der Zypressen-Holzeule Lithophane leautieri (BOISDUVAL, [1829]) fürs Bergische Land. Nachdem Willi Wiewel am 18. Oktober 2015 mit einem Falter am Köder in Duisburg-Wanheim den Erstnachweis für Deutschland erbracht hatte, scheint die Art sich relativ rasch auszubreiten. Ich kenne die Art von der Bretagne-Küste, dort leben die Raupen vom L. leautieri in den als Windschutz angepflanzten Zypressen-Hecken. Geht man mal davon aus dass sich der Falter in der Umgebung entwickelt hat, kommt der in Sichtweite gelegene Parkfriedhof in Frage, mit seinem großen Bestand verschiedener friedhofstypischer Nadelgehölze, oder der Siedlungsbereich von Erkrath-Millrath.

Veröffentlicht 7. November 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Eulenfalter

Übersehen, Ausbreitung, Wanderung?   2 comments

ADA_0854

Blick aus dem Küchenfenster auf die trockene „Heide“

Meine Lichtfalle ist umgezogen. Bisher hing sie im Garten an der Hecke oder unter den Obstbäumen, angrenzend kommen die Feuchtwiesen des FFH-Gebiets Spörkelnbruch, und in der Lebendfalle fanden sich immer viele Feuchtgebietsarten. Beim Leeren bekam ich regelmäßig nasse Füße, keine 50m hinter dem Haus herrscht bei klarem Wetter immer starker Taufall.

Jetzt hat das gute Stück den Platz gewechselt. hängt auf der trockenen Schafweide oberhalb vom Haus, der Höhenunterschied ist zwar nur marginal, der Effekt jedoch gewaltig;: Der Taufall ist dort viel geringer, die Nachttemperaturen gefühlt 2-3 °C höher, und die Füße bleiben morgens trocken.

Spodoptera exigua, Haan, Spörkelnbruch, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Drei Nächte hängt sie jetzt am neuen Platz, und schon sind die ersten wärmeliebenden „Raketen“ drin: Spodoptera exigua ist eine weltweit verbreitete Art die den Deutschen Namen Knöterich-Seidenglanzeule abbekommen hat. Im Englischen Sprachraum klingt das schon ganz anders:  da heißt das Tierchen „Beet Armyworm“, was darauf hindeutet dass es Nutzpflanzen aus der Kohlverwandschaft und Rüben befällt  (Beta vulgaris) und zu Massenvermehrungen neigt. Das unangenehme dabei: Die Raupen von S. exigua bohren sich in die Stengel und Wurzeln ein und das befallene, löcherige Gemüse lässt sich hinterher nicht mehr verkaufen. Gefressen wird so ziemlich alles was grün ist, Luzerne, Kartoffeln, Zwiebeln, Paprika, Salat, Erbsen, Mais etc. Regelmäßig im Herbst tauchen einzelne Tiere von S. exigua in unserer Region auf, Vermehrungsnachweise oder gar Populationen gibt es meines Wissens aber nicht.

Eugnorisma glareosa

Eugnorisma glareosa, Haan, Spörkelnbruch, 17. Sdeptember 2018 (Foto: Armin Dahl)

Noch besser aber der Fund von Eugnorisma glareosa, ein Tier das hier herum noch nie gefunden wurde. Ein typischer Tier trockener Heiden, auch die warmen Steilhänge des Mittelrhein- und Moseltales sind besiedelt, und die warmen Kalk-Halbtrockenrasen der Eifel. Nach momentanem Kenntnisstand ist das der nördlichste Fundort in der Rheinschiene, bisher kannten wir die Graue Spätsommer-Bodeneule nur aus der Delbrücker Heide.

Nun ist die Wiese vor meinem Küchenfenster zufälligerweise einer der letzten nördlichen Zipfel der Bergischen Heideterrasse,  der nicht vom Wald erobert oder unter dem Siedlungsbrei verschwunden ist. Und ich mache ein paar Meter weiter seit diesem Jahr den Versuch, die typischen Pflanzen trockener Sandheiden hier wieder zu etablieren. Ob Eugnorisma glareosa sich nun nordwärts ausgebreitet hat, oder erst jetzt entdeckt wurde, seitdem die Lichtfalle über der trockenen Wiese hängt, bleibt vorerst ungeklärt. Wie dem auch sei, für beide oben erwähnte Arten gilt: Herzlich willkommen!

Veröffentlicht 18. September 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter, Wanderfalter

Nachtexkursion zur Naturschule Grund in Remscheid am 14. September 2018   2 comments

Mindestens einmal im Jahr treffen wir uns zum gemeinsamen „Leuchtabend“ an der Naturschule Grund.

Die alte Schule im Ortsteil Grund beherbergt die Umweltbildungsstation der Stadt Remscheid. Hier wird Wert auf Artenvielfalt gelegt: Das weitläufige Gelände bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. So ist der angelegte Apothekengarten absolut sehenswert. Hier findet man Wildpflanzen genauso wie bekannte und in Vergessenheit geratene Nutz- und Zierpflanzen.

Diese Vielfalt macht sich natürlich auch bei den Schmetterlingen bemerkbar: Die meisten Arten sind als Raupe auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen: Je mehr Pflanzenarten desto mehr Schmetterlingsarten. So zeigten sich am 14. September 2018 bei kühlen 15-18 Grad und leicht bedecktem Himmel über 40 Groß-und Kleinschmetterlingsarten an den „Köderschnüren“ und „Leuchttürmen“. Eine Zahl, die für die Jahreszeit, die Region und die eher kühle Ortslage in Remscheid bemerkenswert ist. Dem pädagogischen Leiter der Naturschule Grund, Jörg Liesendahl, gilt wie immer unser besonderer Dank!

Hier einige Bilder des Abends (Bitte anklicken!).

<< ———– Nachtrag von Armin —————->>

Und hier die ganze Artenliste

Micros

Tischeria ekebladella Mine 10 – an Eiche
Macrosaccus robiniella Mine 3 – an Robinie
Carcina quercana 10
Acleris rhombana 1
Acleris variegana 1
Hypsopygia costalis 1
Oncocera semirubella 2 – steht auf der Roten Liste Bergisches Land mit „1“ – vom Aussterben bedroht!
Crambus perlella 1
Cydalima perspectalis 2 – andlich auch in Remscheid angekommen!

Großschmetterlinge

Watsonalla binaria 2
Watsonalla cultraria 2
Drymonia obliterata 1 – zweite Generation!
Phragmatobia fuliginosa 1 -frischer Falter, dritte Generation?
Opisthograptis luteolata 3
Peribatodes rhomboidaria 3
Campaea margaritaria 2
Pungeleria capreolaria 1
Idaea aversata 5
Epirrhoe alternata 1
Camptogramma bilineata 1
Chloroclysta siterata 1
Dysstroma truncata 1
Thera britannica 3
Colostygia pectinataria 3
Gymnoscelis rufifasciata 1
Laspeyria flexula 5
Hypena proboscidalis 4
Rivula sericealis 3
Amphipyra pyramidea 7
Phlogophora meticulosa 1
Xanthia togata 1
Tiliacea aurago 1
Sunira circellaris 1
Agrochola litura 3
Conistra vaccinii 7
Ochropleura plecta 1
Noctua pronuba 8
Noctua comes 2
Noctua fimbriata 1
Noctua janthina 1
Xestia xanthographa 4

Oncocera semirubella: Die schwarzen Kästchen zeigen die aktuellen Nachweise seit 2001, das rote Kästchen markiert denMTB-Quadranten 4709,3 in dem Remscheid-Grund liegt.

„Bestes“ Ergebnis des Abends ist mit Sicherheit der Fund von Oncocera semirubella auf dem ehemaligen Sportplatz neben der Naturschule Grund. Der Falter hat sich in den letzten Jahren aus dem Tiefland bis ins kühle, regenreiche Remscheid vorgearbeitet und besiedelt jetzt offenbar auch das Bergische Land. Auf der Roten Liste Bergisches Land (SCHUMACHER et al. 2010) steht der Falter noch in Kategorie „1“ – vom Aussterben bedroht!

 

Veröffentlicht 15. September 2018 von Tim Laußmann in andere Insekten, Eulenfalter, Mikros

Das Blaue Wunder an der Garagenwand   3 comments

Wir fahre viel herum, um seltene Arten zu sehen. Mittelrhein, Mosel, Sieg, Hohes Venn, jedes Jahr gehen etliche Tankfüllungen für das Hobby drauf, von der aufgewendeten Zeit mal gar nicht gesprochen. Bis in die Hohe Rhön nach Thüringen bin ich in diesem Jahr gefahren, um mal ein Blaues Ordensband zu sehen. Eigentlich überflüssig, es reicht auch eine eine normale Lampe an der Garage, und der Rest ist Routine!

Catocala fraxini – Blaues Ordensband Wuppertal-Barmen, 11. September 2018 (Foto: Ludger Buller)

Denn es geht natürlich auch anders, wie man sehen kann: Ludger Buller aus Wuppertal hat keine exquisite Wohnlage, lebt in einem normalen gut durchgrüntes Wohnviertel in Wuppertal-Barmen, die Barmer Anlagen und der Kothener Wald liegen in fußläufiger Entfernung. Nix dolles, würde man denken.

Aber von wegen: Alleine durch regelmäßiges Beobachten am Haus lassen sich auch in „normalen“ Gebieten tolle Arten nachweisen, nach denen sich der eine oder andere erfahrene Faunist die Finger lecken würde. Denn die meisten der angeblich verschwundenen einheimischen Nachtfalterarten sind nicht komplett ausgestorben, sondern leben nur unter der Wahrnehmungsschwelle. Und kommt ein gutes Jahr wie 2018, dann bekommt man sie zu Gesicht – vorausgesetzt man geht allmorgendlich seine Runde und kontrolliert alle Lampen in der Umgebung.

 

Veröffentlicht 11. September 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter

%d Bloggern gefällt das: