Archiv für die Kategorie ‘Eulenfalter

Haariges im November   Leave a comment

Der S-Bahnhof Millrath ist kein Platz an dem man sich freiwillig aufhält. Eine zugige gekachelte Unterführung, Sprayer haben die Wände verziert, die Mülleimer quellen ständig über, manchmal riecht es etwas streng nach Eishockey- oder Fußballfan. Ein schäbiger Platz, hinzu kommt eine Menge mäßig gut gelaunter Leute, die zur Arbeit oder nach Hause hasten. Jeder plant so knapp es geht, und bei dem dichten Takt der Züge am Morgen ist auf dem Parkplatz und Bahnhof ein ständiges Gerenne der arbeitenden Bevölkerung, Schüler etc. im Gang.
Spinnweben hängen von der Decke, die Beleuchtung ist sparsam, wenn nicht gerade kaputt. Da muss man schon ein bisschen Nerven haben, um die Lampen und Wände jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit gründlich abzusuchen. Es bringt einem viele merkwürdige Blicke ein, wenn man mit der Handy-Taschenlampe die Wände und Ecken ableuchtet. Aber das kratzt mich nicht, wo Spinnen sind, da sind auch immer irgendwo Schmetterlinge, und das ist das einzige was zählt.

Lithophane leautieri sieht aus wie eine schmale spitzflügelige Asteroscopus spinx. Millrath, S-Bahnhof, 7. November 2018 (Handyfoto : Armin Dahl)

Seit Mai 2018 habe ich dort bis jetzt 28 Arten festgestellt, man bekommt mit der Zeit einen Blick dafür wo die Falter sitzen. Ausserdem ist das Ganze ein Lehrstück dafür, wie empfindlich die einzelnen Arten auf Dauerbeleuchtung und Lichtverschmutzung reagieren: Manche Arten (z.B. Wurzelbohrer) sitzen tagelang wie festgeschraubt am gleichen Fleck, andere fliegen sofort ab wenn man sich nähert. Abgesehen davon ist die Bahnstrecke Düsseldorf >> Erkrath >> Wuppertal und das nahegelegene Neandertal eine der großen Einflugschneisen und Wanderrouten für eine Reihe von Arten, die aus dem Rheintal heraus in höhere Lagen vordringen.

Heute gabs dann eine echte „Rakete“, den Erstnachweis der Zypressen-Holzeule Lithophane leautieri (BOISDUVAL, [1829]) fürs Bergische Land. Nachdem Willi Wiewel am 18. Oktober 2015 mit einem Falter am Köder in Duisburg-Wanheim den Erstnachweis für Deutschland erbracht hatte, scheint die Art sich relativ rasch auszubreiten. Ich kenne die Art von der Bretagne-Küste, dort leben die Raupen vom L. leautieri in den als Windschutz angepflanzten Zypressen-Hecken. Geht man mal davon aus dass sich der Falter in der Umgebung entwickelt hat, kommt der in Sichtweite gelegene Parkfriedhof in Frage, mit seinem großen Bestand verschiedener friedhofstypischer Nadelgehölze, oder der Siedlungsbereich von Erkrath-Millrath.

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Veröffentlicht 7. November 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Eulenfalter

Übersehen, Ausbreitung, Wanderung?   1 comment

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Blick aus dem Küchenfenster auf die trockene „Heide“

Meine Lichtfalle ist umgezogen. Bisher hing sie im Garten an der Hecke oder unter den Obstbäumen, angrenzend kommen die Feuchtwiesen des FFH-Gebiets Spörkelnbruch, und in der Lebendfalle fanden sich immer viele Feuchtgebietsarten. Beim Leeren bekam ich regelmäßig nasse Füße, keine 50m hinter dem Haus herrscht bei klarem Wetter immer starker Taufall.

Jetzt hat das gute Stück den Platz gewechselt. hängt auf der trockenen Schafweide oberhalb vom Haus, der Höhenunterschied ist zwar nur marginal, der Effekt jedoch gewaltig;: Der Taufall ist dort viel geringer, die Nachttemperaturen gefühlt 2-3 °C höher, und die Füße bleiben morgens trocken.

Spodoptera exigua, Haan, Spörkelnbruch, 17. September 2018 (Foto: Armin Dahl)

Drei Nächte hängt sie jetzt am neuen Platz, und schon sind die ersten wärmeliebenden „Raketen“ drin: Spodoptera exigua ist eine weltweit verbreitete Art die den Deutschen Namen Knöterich-Seidenglanzeule abbekommen hat. Im Englischen Sprachraum klingt das schon ganz anders:  da heißt das Tierchen „Beet Armyworm“, was darauf hindeutet dass es Nutzpflanzen aus der Kohlverwandschaft und Rüben befällt  (Beta vulgaris) und zu Massenvermehrungen neigt. Das unangenehme dabei: Die Raupen von S. exigua bohren sich in die Stengel und Wurzeln ein und das befallene, löcherige Gemüse lässt sich hinterher nicht mehr verkaufen. Gefressen wird so ziemlich alles was grün ist, Luzerne, Kartoffeln, Zwiebeln, Paprika, Salat, Erbsen, Mais etc. Regelmäßig im Herbst tauchen einzelne Tiere von S. exigua in unserer Region auf, Vermehrungsnachweise oder gar Populationen gibt es meines Wissens aber nicht.

Eugnorisma glareosa

Eugnorisma glareosa, Haan, Spörkelnbruch, 17. Sdeptember 2018 (Foto: Armin Dahl)

Noch besser aber der Fund von Eugnorisma glareosa, ein Tier das hier herum noch nie gefunden wurde. Ein typischer Tier trockener Heiden, auch die warmen Steilhänge des Mittelrhein- und Moseltales sind besiedelt, und die warmen Kalk-Halbtrockenrasen der Eifel. Nach momentanem Kenntnisstand ist das der nördlichste Fundort in der Rheinschiene, bisher kannten wir die Graue Spätsommer-Bodeneule nur aus der Delbrücker Heide.

Nun ist die Wiese vor meinem Küchenfenster zufälligerweise einer der letzten nördlichen Zipfel der Bergischen Heideterrasse,  der nicht vom Wald erobert oder unter dem Siedlungsbrei verschwunden ist. Und ich mache ein paar Meter weiter seit diesem Jahr den Versuch, die typischen Pflanzen trockener Sandheiden hier wieder zu etablieren. Ob Eugnorisma glareosa sich nun nordwärts ausgebreitet hat, oder erst jetzt entdeckt wurde, seitdem die Lichtfalle über der trockenen Wiese hängt, bleibt vorerst ungeklärt. Wie dem auch sei, für beide oben erwähnte Arten gilt: Herzlich willkommen!

Veröffentlicht 18. September 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter, Wanderfalter

Nachtexkursion zur Naturschule Grund in Remscheid am 14. September 2018   2 comments

Mindestens einmal im Jahr treffen wir uns zum gemeinsamen „Leuchtabend“ an der Naturschule Grund.

Die alte Schule im Ortsteil Grund beherbergt die Umweltbildungsstation der Stadt Remscheid. Hier wird Wert auf Artenvielfalt gelegt: Das weitläufige Gelände bietet zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. So ist der angelegte Apothekengarten absolut sehenswert. Hier findet man Wildpflanzen genauso wie bekannte und in Vergessenheit geratene Nutz- und Zierpflanzen.

Diese Vielfalt macht sich natürlich auch bei den Schmetterlingen bemerkbar: Die meisten Arten sind als Raupe auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen: Je mehr Pflanzenarten desto mehr Schmetterlingsarten. So zeigten sich am 14. September 2018 bei kühlen 15-18 Grad und leicht bedecktem Himmel über 40 Groß-und Kleinschmetterlingsarten an den „Köderschnüren“ und „Leuchttürmen“. Eine Zahl, die für die Jahreszeit, die Region und die eher kühle Ortslage in Remscheid bemerkenswert ist. Dem pädagogischen Leiter der Naturschule Grund, Jörg Liesendahl, gilt wie immer unser besonderer Dank!

Hier einige Bilder des Abends (Bitte anklicken!).

<< ———– Nachtrag von Armin —————->>

Und hier die ganze Artenliste

Micros

Tischeria ekebladella Mine 10 – an Eiche
Macrosaccus robiniella Mine 3 – an Robinie
Carcina quercana 10
Acleris rhombana 1
Acleris variegana 1
Hypsopygia costalis 1
Oncocera semirubella 2 – steht auf der Roten Liste Bergisches Land mit „1“ – vom Aussterben bedroht!
Crambus perlella 1
Cydalima perspectalis 2 – andlich auch in Remscheid angekommen!

Großschmetterlinge

Watsonalla binaria 2
Watsonalla cultraria 2
Drymonia obliterata 1 – zweite Generation!
Phragmatobia fuliginosa 1 -frischer Falter, dritte Generation?
Opisthograptis luteolata 3
Peribatodes rhomboidaria 3
Campaea margaritaria 2
Pungeleria capreolaria 1
Idaea aversata 5
Epirrhoe alternata 1
Camptogramma bilineata 1
Chloroclysta siterata 1
Dysstroma truncata 1
Thera britannica 3
Colostygia pectinataria 3
Gymnoscelis rufifasciata 1
Laspeyria flexula 5
Hypena proboscidalis 4
Rivula sericealis 3
Amphipyra pyramidea 7
Phlogophora meticulosa 1
Xanthia togata 1
Tiliacea aurago 1
Sunira circellaris 1
Agrochola litura 3
Conistra vaccinii 7
Ochropleura plecta 1
Noctua pronuba 8
Noctua comes 2
Noctua fimbriata 1
Noctua janthina 1
Xestia xanthographa 4

Oncocera semirubella: Die schwarzen Kästchen zeigen die aktuellen Nachweise seit 2001, das rote Kästchen markiert denMTB-Quadranten 4709,3 in dem Remscheid-Grund liegt.

„Bestes“ Ergebnis des Abends ist mit Sicherheit der Fund von Oncocera semirubella auf dem ehemaligen Sportplatz neben der Naturschule Grund. Der Falter hat sich in den letzten Jahren aus dem Tiefland bis ins kühle, regenreiche Remscheid vorgearbeitet und besiedelt jetzt offenbar auch das Bergische Land. Auf der Roten Liste Bergisches Land (SCHUMACHER et al. 2010) steht der Falter noch in Kategorie „1“ – vom Aussterben bedroht!

 

Veröffentlicht 15. September 2018 von Tim Laußmann in andere Insekten, Eulenfalter, Mikros

Das Blaue Wunder an der Garagenwand   3 comments

Wir fahre viel herum, um seltene Arten zu sehen. Mittelrhein, Mosel, Sieg, Hohes Venn, jedes Jahr gehen etliche Tankfüllungen für das Hobby drauf, von der aufgewendeten Zeit mal gar nicht gesprochen. Bis in die Hohe Rhön nach Thüringen bin ich in diesem Jahr gefahren, um mal ein Blaues Ordensband zu sehen. Eigentlich überflüssig, es reicht auch eine eine normale Lampe an der Garage, und der Rest ist Routine!

Catocala fraxini – Blaues Ordensband Wuppertal-Barmen, 11. September 2018 (Foto: Ludger Buller)

Denn es geht natürlich auch anders, wie man sehen kann: Ludger Buller aus Wuppertal hat keine exquisite Wohnlage, lebt in einem normalen gut durchgrüntes Wohnviertel in Wuppertal-Barmen, die Barmer Anlagen und der Kothener Wald liegen in fußläufiger Entfernung. Nix dolles, würde man denken.

Aber von wegen: Alleine durch regelmäßiges Beobachten am Haus lassen sich auch in „normalen“ Gebieten tolle Arten nachweisen, nach denen sich der eine oder andere erfahrene Faunist die Finger lecken würde. Denn die meisten der angeblich verschwundenen einheimischen Nachtfalterarten sind nicht komplett ausgestorben, sondern leben nur unter der Wahrnehmungsschwelle. Und kommt ein gutes Jahr wie 2018, dann bekommt man sie zu Gesicht – vorausgesetzt man geht allmorgendlich seine Runde und kontrolliert alle Lampen in der Umgebung.

 

Veröffentlicht 11. September 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter

Das Insektensterben, die Schadenfreude und ein wenig Hoffnung.   Leave a comment

Der Dürresommer 2018 geht nach kurzer Atempause gerade in die nächste Runde, ordentlicher Landregen ist keiner in Sicht, und die Wiesen sehen aus wie ungarische Steppen. Alles hinüber, sollte man denken, und bekommt schon fast Mitleid mit den armen Schmetterlingsraupen, die nichts zu fressen haben.

Aricia agestis, Haan, Technopark, 17. August 2018 (Foto: Armin Dahl)

Aricia agestis, Haan, Technopark, 17. August 2018 (Foto: Armin Dahl)

Wirklich alles kaputt? Das frisch eingesäte Grünland, das die AGNU Haan neben dem neuen Industriegebiet in Haan betreut, entwickelt sich wider Erwarten sehr blütenreich und ist gar nicht vertrocknet. Und liefert Tagfalter ohne Ende, im Moment sind dort täglich frisch geschlüpfte Schwalbenschwänze, Goldene Acht und Kurzschwänzige Bläulinge zu bewundern, mal ganz abgesehen vom omnipräsenten Großen Kohlweißling.

Das Ganze hat natürlich einen eher traurigen Hintergrund, nämlich den rasanten Flächenverbrauch im Speckgürtel der rasant wachsenden Großstadt Düsseldorf. Im angrenzenden Kreis Mettmann, zu dem ein großer Teil der Bergischen Heideterrasse gehört, überschlagen sich die sieben Städte beim Versuch, von diesem Kuchen etwas abzubekommen. Sie opfern dabei ihre letzten Freiflächen, und angeblich ist das alles alternativlos, schon die Millionärs-Hochburg Haan hat mehr als 40 Millionen Euro Schulden (Stand Ende 2017) und braucht dringend neue Gewerbesteuer. Das geht angeblich nur über Neuansiedlungen von Firmen, und als „Abfallprodukt“ entstand die oben erwähnte Ausgleuichsflächhe.

Was das alles hier zu suchen hat? Einer der größten Steuerzahler im Kreis Mettmann hat seinen Firmensitz in Monheim. Bayer Crop Science steht für alles, was uns so zum Thema Insektensterben einfällt. Der Konzern verkauft Unmengen von Spritzmitteln, ohne die industrialisierte Landwirtschaft gar nicht funktionieren könnte. Das Gerede von der ausreichenden und gesunden Ernährung der Weltbevölkerung klingt ein wenig hohl, der DAX-Konzern Bayer muss seinen Gewinn maximieren, gehört er doch zum großen Teil irgendwelchen seelenlosen Investmentfonds: Größter Einzelaktionär mit 3,7 %  ist zum Beispiel eine Temasek Holdings Pte Ltd. mit Sitz in Singapur.

Und der Leverkusener DAX-Konzern hat nun zu allem Überfluss auch noch den „Satan im Sojafeld“ übernommen, den amerikanischen Glyphosat-Hersteller Monsanto. Die Amerikaner haben in den letzten Jahrzehnten nichts unversucht gelassen, um ihr miserables Umwelt-Image zu verfestigen: Die Verschleierung von Krebsrisiken durch den Unkrautvernichter Roundup (Glyphosat) war sozusagen eines der Kernprogramme des Konzerns. Wer wissen will, wie so was geht, der kann mal die Studie „Buying Science“ des Netzwerks GLOBAL 2000 anschauen.

Nun gehen ein Drittel aller Firmenübernahmen schief, und das Bayer-Management hat zumindest im ersten Anlauf tief in die Sch… gegriffen: Monsanto hatte tausende Klagen von Krebspatienten im Gepäck, und praktisch keine relevanten Rückstellungen für Entschädigungszahlungen gebildet. Und kurz nach der Übernahme hat ein US-Gericht Monsanto zu einer Zahlung von umgerechnet etwa 250 Millionen Euro Schmerzensgeld verurteilt, für einen einzigen Patienten wohlgemerkt. Der Aktienkurs der Bayer AG ist im Gefolge auf Sturzflug gegangen, und hat von November 2017 bis Mitte August 2018 ein Drittel an Wert verloren. „Das Leben verbessern – darum geht es uns bei Bayer. Alle zusammen. Überall auf der Welt“. Wenn der Konzern mit dem Kreuz seine eigenen Werbesprüche ernst nimmt, sollten sie dort zukünftig etwas mehr Kopfschmerztabletten und etwas weniger Agrochemikalien herstellen. So viel zum Thema Schadenfreude.

Agrotis vestigialis

Agrotis vestigialis, Dormagen, Wahler Berg, 17. August 2018 (Foto: Armin Dahl)

Und zum Schluß noch eine gute Nachricht, zwar nicht aus dem Niederbergischen, aber in Sichtweite auf der anderen Rheinseite: Die winzig kleine Relikt-Düne Wahler Berg bei Dormagen (übrigens auch in Sichtweite der BAYER-Schlote) scheint in den vergangenen Jahrzehnten ihren Artenbestand mehr oder weniger erhalten zu haben: Nach der Grüneule Calamia tridens hat der Lichtfang am Wochenende eine weitere typische, an Sand angepasste Eulenart zum Vorschein gebracht, die Kiefernsaateule Agrotis vestigialis. Der letzte bekannte Nachweis stammte von 1988. Das Gebiet ist umhüllt von einem schmalen Eichenwald, der Sandmagerrasen am Wahler Berg ist nur so groß wie ein Fußballfeld, allerdings finden sich hier schöne Bestände vom Silbergras  (Corynephorus canescens) und zahlreiche offene Sandstellen.  Umgeben von Chemiefirmen, Autobahnen, Logistikzentren und intensister Landwirtschaft, ein kleines Paradies,

 

Veröffentlicht 20. August 2018 von Armin Dahl in Eulenfalter, Insektensterben, Lebensräume, Umwelt

Blutmond oder das große Krabbeln am Wahler Berg   1 comment

Einbildung ist auch ne Bildung: Ich bilde mir ein dass wir hier im Niederbergischen eine ganz ordentlich funktionierende Truppe haben, was die Nachtfalter angeht. Immerhin springen hier etwa ein Dutzend Personen herum und schreiben alles auf was Schuppen auf den Flügeln hat, und das ist besser als in den meisten deutschen Landstrichen, in denen es nur weit versprengte Einzelkämpfer gibt.
Aber ab und zu stelle ich doch wieder fest, dass wir nur ein paar „Hansele“ sind, jedenfalls im Vergleich zu unseren Nachbarn, den Holländern. Die leuchten echt was weg, und zwar bei Groß- und Kleinschmetterlingen!

Anania perlucidalis (Hübner, [1809]), Dormagen, Wahler Berg, 27. Juli 2018 (Foto: Armin Dahl)

Ein Beispiel unter vielen: Der gestrige Leuchtabend am Wahler Berg in Dormagen war anstrengend, aber lohnend, die Temperaturen barbarisch (beim Abbau um 02.00 Uhr 25°C!), viele tausend Zuckmücken und winzige Staphyliniden und anderes winziges Ungeziefer kam zum Licht, dementsprechend juckte es einen ständig überall, und der Anflug bei den Nachtfaltern war nicht ganz schlecht. Wirklich neu für mich war aber nur eine Art, Anania perlucidalis (HÜBNER, [1809]), so etwas wie eine Kleinausgabe des Brennesselzünslers P. ruralis. Genau genommen ist auch das falsch, nur habe ich mich im Jahr 2010 beim Leuchtabend im Himmelgeister Rheinbogen noch nicht für Kleinschmetterlinge interessiert (zum Glück war damals Rudi Seliger als Mikro-Experte mit dabei und hat den Falter notiert).
Na ja, jedenfalls gibt es linksrheinisch ganze fünf (5!) Nachweise aus den letzten 30 Jahren auf unseren Verbreitungskarten, mit dem sechsten kann man schon mal angeben. Denkste!
Ein Blick in die Daten von Observation.org, und schon ist klar: Eine schöne Erfassungslücke haben wir da in Westdeutschland, und sonst nichts!

Anania perlucidalis in Belgien und den Niederlanden, Stand Juli 2018

Die Verbreitungskarte zeigt ein fast flächendeckendes Vorkommen in Holland und Belgien an, und aus 2018 sind alleine in den Niederlanden mehr als 40 Einträge drin. Felix Hollandia!

Das alles kann uns natürlich den herrlichen Leuchtabend nicht vermiesen, den wir im Zeichen der längsten totalen Mondfinsternis des Jahrhunderts angesetzt hatten. Etwa 70 Arten Großschmetterlinge, darunter mit der Spanischen Flagge mal wieder eine Art an der nördlichen Verbreitungsgrenze. Jede Menge Mikros, darunter sehr selten gemeldete Zünsler. Und wieder mehr als ein Dutzend Catocala sponsa.  Und tausende Mücken, Käferchen und sogar eine Großlibelle mitten in der Nacht, kein Wunder bei der Affenhitze.  Hier findet Ihr dei vorläufige Liste.

Die Mondfinsternis wäre uns allerdings um ein Haar entgangen: Der angekündigte „Blutmond“ war am hellen Himmel über Leverkusen und Köln kaum zu erkennen. Wer Himmelsbeobachtungen machen will sollte halt nicht parallel mit Quecksilberdampflampen hantieren. Das folgende perfekte Bild stammt deshalb auch vom Himmelsfotospezialisten Tim Laußmann.

 

Veröffentlicht 28. Juli 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Eulenfalter, Mikros

Supersommer für Catocala sponsa   2 comments

Die Kollegen hatten schon darüber berichtet, und ich selbst hatte an der Mosel und auch vor meiner Haustür schon einzelne Tiere gesehen. Aber in der Menge war das dann doch erstaunlich: Beim gestrigen Lichtfang am Wahler Berg in Dormagen war der erste Falter am Köder – noch in der Dämmerung – ein Großes Eichenkarmin! Und im Laufe des Abends wurde die Art regelrecht häufig, am Ende waren es zehn Tiere, von denen fünf auch am Licht erschienen.

Aber der Reihe nach: Seit Wochen schon geistern durch die Internetforen Berichte über Massenansammlungen von Ordensbändern, zum Beispiel aus der Davert südlich von Münster. Das ganze hat größere Ausmaße, so haben die fleißigen Nachbarn in Holland  schon Nachweise aus über 170 Quadranten(5x5km) gesammelt. Wieder einmal ist zu beobachten dass in manchen Jahren bestimmte Arten synchron über große Gebiete besonders „gute“ Jahre haben, und bei den besonders großen und spektakulären Arten macht das natürlich besonderen Spaß.

Was Catocala sponsa betriff hatte man am gestrigen Leuchtabend den Eindruck dass die Tiere schlicht und ergreifend Durst haben. Kein Wunder bei den Wetterverhältnissen mit scharfem Ostwind und seit Wochen hohen Temperaturen.

Der Wahler Berg, eine wunderschönen kleine Rest-Düne, versteckt in einem Eichenwäldchen auf der „falschen“ Rheinseite zwischen Neuss und Dormagen, hat es in sich.

Der gestrige Abend brachte zwar nur gut 60 Arten Großschmetterlinge, was ebenfalls der andauernden Trockenheit zuzuschreiben ist. Darunter jedoch als kleine Sensation die Grüneule Calamia tridens, eine unserer „Zielarten“. Calamia tridens ist dort schon vor 30 Jahren bei der Untersuchung zur Ausweisung des Naturschutzgebiets gefunden worden, und war damals wie heute eines der Kleinodien der Fauna im Rheinland. Die nächstgelegenen halbwegs aktuellenNachweise stammen aus den Wisseler Dünen bei Kalkar (2017, Jan Buchner) und aus Krefeld (2006, NSG Egelsberg, Andreas Bäumler). Aber auch auf der Niederbergischen Seite gab oder gibt es Calamia tridens:  So fand der leider viel zu früh verstorbene Uli Bosch die Art bei einer Untersuchung zur geplanten Erweiterung des Elbsees bei Hilden, im Supersommer 2003.

Veröffentlicht 8. Juli 2018 von Armin Dahl in Arten / Listen, Eulenfalter