Archiv für die Kategorie ‘Eulenfalter

Die meisten Schmetterlinge gibts im Winter!   1 comment

„Toller Mottenporno“! Der morgendliche Empfang am Arbeitsplatz ist immer ein Ereignis, mein Arbeitskollege stammt aus St. Petersburg und ist ein Spassvogel mit drastischen Sprachbildern. Und er hat ja auch ein bisschen Recht, der gestrige Leucht- und Köderabend hatte es in sich, auch wenn es dabei zu keinerlei erotischen Aktivitäten kam.

Gestartet sind wir bei Einbruch der Dunkelheit im Hasseler Forst, dort führt eine breite Bahn- Gas- und Stromtrasse durch den Eichenwald. Die regelmäßigen Pflegemaßnahmen haben eine Art Niederwald mit reichlich Stockausschlägen hervorgebracht, es gibt an einigen Stellen offenen Sandboden – ein Paradies für Schmetterlinge mitten im Ballungsraum. Der Platz hat es in sich, hier fliegt im Sommer der Pflaumen-Zipfelfalter Satyrium pruni, und der Kaisermantel. Aber momentan geht es um etwas anderes, winteraktive Eulen und die ersten Frühjahrsarten bei den Spannern stehen auf der Wunschliste.

Schnell werden 25 Köderschnüre aus Jute aufgehängt, getränkt mit Glühwein-Zucker-Gemisch 1:2, ein paar Eichen werden auch noch angesprüht, zwei Lampen sollen lichtaffine Falter anlocken. Es ist der 10. Januar, 17.30 Uhr, 8 Grad Außentemperatur, bedeckter Himmel, windstill, der Wetterbericht verspricht ein paar Regentropfen in der Nacht, eine Warmfront zieht heran.

Massenanflug von Conistra vaccinii, Düsseldorf, 10. Januar 2018 (Foto: Armin Dahl)

Mittlerweile ist es ziemlich dunkel, Als ich das erste Mal die Taschenlampe anmache und eine der Köderschnüre kontrolliere, trifft mich fast der Schlag: Massenanflug! Die Köderschnur ist komplett bedeckt von Faltern! Die nächste ebenso! Bei dem Gewimmel kommt man mit dem Zählen kaum nach und übersieht zwischen den sehr häufigen Heidelbeereulen (Conistra vaccinii) fast die einzeln vertretenen anderen Arten. In den 15 Jahren in denen ich jetzt mit Nachtfaltern unterwegs bin habe ich noch nie solch ungeheuren Anflug am Köder gesehen! Also wird schnell das Handy gezückt und ein paar Fotos und ein Video [der „Mottenporno“] gedreht, das direkt nach facebook hochgeladen wird, zur Motivation der KollegInnen die zu Hause auf dem Sofa liegen.

Auch die neue LED-Lampe zieht einiges an Eulenfaltern an, ein einzelner Falter von A. marginaria sitzt im Gebüsch, angelockt oder nicht, auf jeden Fall extrem früh dran dieses Jahr. Die Haselbüsche stauben beim Daraufklopfen ganz ordentlich, die Pollensaison hat begonnen, auch hier kriechen einige Eulenfalter herum. Ob die wohl den Pollen fressen? Viele Eulen sitzen saugend an den Enden von abgeschlegelten Gehölzen, die offensichtlich schon im Saft stehen. Und das am 10. Januar! Zu Hause werden die auf dem Fresszettel notierten Zahlen zusammengerechnet, etwa 1500 Individuen stehen darauf, von 10 Großschmetterlingsarten und einem „Mikro“. Nicht schlecht für zwei kurze Stündchen, an einem frühen Winterabend. Vierstellige Individuenzahlen 10 Tage nach Silvester!

Und zum Thema Insektensterben, auch wenn das politisch nicht korrekt ist: Die Wald- und Waldrandfauna, also die gehölzfressenden Arten, hat mitnichten einen solchen Einbruch zu verzeichnen wie die Offenland-Tiere, die an Gräsern und / oder Kräutern leben. Jedenfalls nicht in der Düsseldorfer Region und schon gar nicht bei den winteraktiven Arten. Die profitieren ganz klar von den milden, warmen Wintern!

Alle Daten findet Ihr unter https://observation.org/gebied/view/259558

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Veröffentlicht 11. Januar 2018 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Insektensterben, Klimawandel, Phänologie, Spanner

Kartoffelsack in Rotweinsoße   6 comments

Von wegen Insektensterben! 20 Köderschnüre, getränkt mit Bier-Glühwein-Zuckergemisch, hängen seit ein paar Wochen in meinem Garten. Was zugegebenermaßen ein wenig unordentlich aussieht! Die Streifen aus Jute hängen an Sträuchern und Bäumen, es duftet nach „Kartoffelsack in Rotweinsoße“ und bei dem Goldenen Oktoberwetter sausen dort tagsüber Fliegen, Wespen und Hornissen herum. Da wir aber keinen Designergarten haben ist mir das völlig Wurscht, viel wichtiger als die Optik sind mir die Artenvielfalt und Individuenzahl der Schmetterlinge und des restlichen sechsbeinigen „Ungeziefers“.

Das gesamte Jahr hindurch wurde das Thema Insektensterben in den Medien und Fachkreisen rauf- und runtergespielt, deshalb hier mal ein Statement der eher ungewöhnlichen Art: Ich hatte noch nie so viele Falter in Garten wie im Herbst 2017! Gefühlt seit Wochen steigt die Anzahl der Eulenfalter am Köder an, gestern war der vorläufige Höhepunkt: Gezählte 320 Falter von Conistra vaccinii, insgesamt 10 Arten mit über 400 Individuen. Das bedeutet gute 20 Minuten Arbeit mit der Stirnlampe und Strichliste, und die Zahlen sind immer zu niedrig: Viele Falter lassen sich beim Annähern einfach ins Gras fallen oder sitzen rund um die Köder in den Ästen.
Und nicht nur die Eulen sind im Herbst 2017 gut vertreten: Neben verspäteten Schilfeulen fliegen immer noch einzelne Buchsbaumzünsler ans Licht, und die Flechtenbären Eilema depressa und Eilema griseola haben offenbar eine zweite Generation eingelegt und fliegen schon wieder.

Veröffentlicht 18. Oktober 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Ökologie, Eulenfalter, Insektensterben

In der Beerenheide   Leave a comment

Im Oberbergischen gibt es ein paar kleine Heideflächen, die seit vielen Jahrzehnten unter Schutz stehen und sehr schön gepflegt und entwickelt werden. Besondere Qualität haben dabei die Wacholderheiden in Reichshof, an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz.

Dort an einem Lichtfang teilzunehmen ist ziemlich anstrengend, die Flächen sind extrem artenreich und man kommt am Leuchtabend kaum zum fotografieren. Deshalb hier mal wieder ein paar „Leuchtturm-Bilder“, und zwar von Arten die als Raupen von Heidelbeere leben, und die alle ziemlich selten nachgewiesen werden.

Scopula ternata (SCHRANK, 1802) – Heidelbeer-Kleinspanner. Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Pasiphila debiliata (HÜBNER, [1817]) – Heidelbeer-Blütenspanner, Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Hyppa rectilinea (ESPER, 1788) – Heidelbeer-Stricheule, Reichshof, 14. Juni 2017 (Foto: Armin Dahl)

Wacholderheide bei Reichshof (Foto: Armin Dahl)

Veröffentlicht 16. Juni 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Eulenfalter, Spanner

Auf dem Weg zur Vierstelligkeit   2 comments

Die tropischen Nächte Ende Mai 2017 und der geschärfte Blick auf die Mikro-Fauna haben mir in den letzten Tagen ein paar neue Nachweise in meinem Garten beschert, so langsam nähert sich das Meßtischbatt 4807 der 1000-Arten-Schwelle: Momentan steht der Score bei 939 nachgewiesenen Formen, wobei ein paar Artkomplexe dabei sind die man genaugenommen abziehen müsste. Aber was soll´s: Die Mikros begeistern mich immer mehr, mit ihren kuriosen Formen und der sehr speziellen Lebensweise.

Und so mancher seltenere Makro ist auch dabei.  Leucania comma zum Beispiel habe ich in meinem Garten zuletzt im Jahr 2007 gesehen.

http://nrw.schmetterlinge-bw.de/

Veröffentlicht 30. Mai 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Eulenfalter, Mikros

Große Sause im Zwetschenbaum   1 comment

Momentan blühen in der Region die Wildzwetschen (Prunus cerasifera), und zufällig steht vor unserem Wohnzimmer ein großes Exemplar. Der Duft der Blüten ist reichlich intensiv, man könnte fast sagen, der Baum stinkt zur Blütezeit. Aber das nehmen wir natürlich gerne in Kauf für den tollen Anblick des blühenden Baums in der winterkahlen Landschaft.

Am Tage ist das schon toll, aber Nachts geht im Baum voll die Post ab: Hunderte von Eulenfaltern holen sich den Nektar und benutzen die Zwetsche als Treffpunkt und Tankstelle. Und wer rechtzeitig amAabend die Lichtfalle aufgehängt hat, der kann am Morgen fast die komplette Frühjahrs-Fauna registrieren.
Heute: 95 x Orthosia cerasi, 10 x Orthosia gothica, 6 x Orthosia incerta, 4 x Orthosia cruda, 3 x Orthosia munda, 2 x C. vaccinii, 2 x A. flavicornis, 1 x Cerastis leucographa, 1 x Biston strataria, 1 x E. crepuscularia, 1 Totengräber.

Veröffentlicht 20. März 2017 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Eulenfalter, Phänologie

Abräumen Ehrensache   Leave a comment

Biston strataria, Orthosien, Panolis flammea, A. flavicornis: Ergebnis einer milden Anflugnacht, 14./15. März 2017 (Foto: Elle Kari Kutter)

Der März ist für die einheimischen Falter eine spannende Zeit, und für die weitere Entwicklung der Saison oft entscheidend. Wenn die Wetter-Entwicklung ohne Wintereinbrüche oder Spätfrost abläuft, bestehen gute Chancen dass die ganze Saison am Ende ein „gutes Schmetterlingsjahr“ wird.

Die Nächte sind aktuell mild und frostfrei, die Weidenblüte ist in vollem Gang, und Kätzcheneulen und andere typische Frühjahrsfalter fliegen in großer Zahl. Und natürlich brennt die Lichtfanganlage in meinem Garten seit ein paar Nächten.

Morgens muss ich allerdings im Halbdunkeln aufstehen, damit die Falter noch eine realistische Chance haben, den Meisen und Rotkehlchen zu entgehen. Ansonsten räumen die Vögel unter dem Anflug radikal auf und es bleiben nur noch abgeknipste Flügel übrig.

Veröffentlicht 15. März 2017 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Phänologie, Spanner

Vom Starren an die Wand   4 comments

Der Moselrastplatz an der A61 in Winningen ist immer einen Stopp wert. Auch wenn man sich dabei zum Narren macht.

Eine Viertelstunde stehe ich jetzt schon da, und starre an die Wand. Nichts! Aber irgendwo müssen sie doch sein, die Falter. Eine Wandergruppe nähert sich, die Treppe auf der ich stehe ist Teil des Moselsteigs, zu jeder Tageszeit kommen dort Menschen vorbei. Der erste bleibt stehen „Was machen Sie denn da? Kann man Ihnen helfen?„.  Das ist ja ganz nett, aber auch wieder nicht. Ob die wohl glauben dass ich schon die Treppe nicht mehr alleine hochkomme? Ich sollte mal an meiner Figur arbeiten. Oder ob ich vielleicht mal richtig von ganz weit oben herunterpinkeln will?

Die Antwort: „Nein Danke, Ich suche nur Schmetterlinge“ kommt auch nicht so richtig gut an, Kopfschütteln, die Wanderer drängeln sich vorbei, bestimmt denken die „Ein Spinner, steht unter der Brücke und starrt an die Wand, schnell weiter bevor er noch runterspringt“.  Bei der Faltersuche auf den Rastplätzen der Bundesautobahn muss man etwas dickfellig sein. Es gibt Plätze an denen der Homo eroticus vorkommt, und dieser empfindet Menschen mit Stirnlampen nicht als Bereicherung.

Drei Minuten später entfährt es mir „Happichdich“! Stein für Stein hatte ich abgesucht, und war am Ende fündig: An  der Moselbrücke und den Felsen rundherm fliegen im Herbst zwei der größten Raritäten der einheimischen Fauna, Polymixis flavicincta und  Ammoconia senex, und beide sind extrem gut getarnt, wenn sie an einem Felsen sitzen. Oder auch nicht, wenn sie sich den falschen Sitzplatz aussuchen.

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Veröffentlicht 28. Oktober 2016 von spoerkelnbruch in Auf Tour, Eulenfalter, Phänologie