Archiv für die Kategorie ‘Wanderfalter

Big Data oder wo die Painted Ladys bleiben   Leave a comment

Distelfalter Vanessa cardui, Düsseldorf-Neandertal, 2. September 2012 (Foto: Armin Dahl)

Distelfalter Vanessa cardui, Erkrath-Neandertal, 2. September 2012 (Foto: Armin Dahl)

Heute sind die meisten Zoologie-Lehrstühle entweder ganz verschwunden oder kleingespart, das Museensterben geht weiter und die Naturschutzbehörden entwickeln sich zu weitgehend kenntnisfreien Zonen. Opa Hoppenstedt, der Weihnachts-Klassiker von Loriot, würde an dieser Stelle sagen „Früher war mehr Lametta“. Und wenn man heute gefragt wird wo denn in der Freilandbiologie so richtig die Musik spielt, dann fällt einem nichts rechtes ein.

Aber es scheint sie doch noch zu geben, die interessanten Lehrstühle und Forschungseinrichtungen. Vor einiger Zeit bin ich durch einen Radiobeitrag über das Park Grass Experiment gestolpert: Seit 1856 (!) untersuchen die Briten am Rothamsted Research Institute in Hertfordshire nördlich von London, wie das Gras wächst. „Nach 2000 Jahren Pflege wird mein Rasen recht annehmbar sein“ sagt der Ureinwohner in „Asterix bei den Briten“. So lange wollen wir nicht warten! Etwa seit der Jahrtausendwende beobachten die Forscher wieder einen deutlichen Anstieg der Biodiversität in den untersuchten Wiesen, was angeblich auf verringerte (Luft-)Stickstoffeinträge zurückzuführen ist. Es besteht also immer noch Hoffnung für die Falter der Wiesen und Weiden!

Rothamsted hat aber noch eine weitere höchst interessante Forschungseinheit, die sich mit der Migration von Insekten beschäftigt: Das Institut für Radar-Ökologie! Eine der Fragen, mit denen man sich dort in den letzten Jahren beschäftigt hat: Was passiert mit alle den schönen Distelfaltern, die jedes Frühjahr nach England einfliegen? Die Antwort ist ein wenig erstaunlich, weil die Beobachter am Boden davon fast nichts mitbekommen: Die „Painted Ladys“  ziehen im Herbst wieder weg, aber nicht wie der Admiral (Vanessa atalanta) dicht am Boden, sondern in Höhen von bis zu 1000 Metern, und sie nutzen gezielt bestimmte Luftströmungen für ihre Wanderung!

Herausbekommen haben das die Engländer mit Faltern, denen eine winzige sogenannte Schottky Barrier Diode aufgeklebt wurde. Die Details sind aber nur etwas für diejenigen die auch in Physik aufgepasst haben. Zusammengefasst lässt sich wohl sagen dass diese kleinen Dinger auf Radarsignale  antworten, ohne dass man dem Falter eine Batterie mitgeben muss. Und die Mannschaft in Rothamsted hat ein sogenanntes Harmonisches Radar, mit dem man bis in 1,5 Kilometern Höhe diese Dioden auf Sendung bringen und damit die Falter bis in große Höhen verfolgen kann.

Die Dimensionen der Insektenwanderungen auch ausserhalb der Tropen sind so gewaltig, dass das altehrwürdige Magazin Spektrum passend zu Weihnachten gar von den Himmlischen Heerscharen sprach.
Wer die Details ganz genau nachlesen will (und wer stolze 38 $ für ein .pdf bezahlen will) kann das z.B. in der Wiley Online Library tun. Ansonsten tut es vielleicht erst mal die Zusammenfassung in der Pressemitteilung des UFZ von 2012. Ein paar schöne Bilder zum umsonst angucken finden sich in der Science Photo Library unter dem Stichwort: Trackig Insects by Radar.
Totalüberwachung hat Konjunktur, auch bei den Insekten!

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Veröffentlicht 27. Dezember 2016 von spoerkelnbruch in Ökologie, im Netz, Tagfalter, Umwelt, Wanderfalter

Blutrausch auf der Marscheider Trasse   Leave a comment

Peridroma saucia, Wuppertal, Marscheider Wald, 12. September 2015

Peridroma saucia, Wuppertal, Marscheider Wald, 12. September 2015 (Foto: Tim Laußmann)

Starkregen ist normalerweise nicht die perfekte Zeit um Nachtfalter zu fangen. Aber bei dem hohen Aufwand bei der Anfahrt nach Wuppertal wollten wir uns gestern dann doch nicht im Auto verstecken. Nach dem Aufhängen der Köderschnüre war meine „Regenjacke“ komplett durchgeweicht, auf dem  Pfad am unteren Rand der Marscheider Leitungstrasse rauschte ein kleiner Bach, und eigentlich hatte ich schon keine rechte Lust mehr. Dann die erste Kontrolle, und: Bingo!
Der Größe nach hätte es auch eine Noctua pronuba sein können, aber die typische Rotweinfärbung und dann dieser helle Streifen auf dem Thorax: Nachdem das Tier einmal im Gläschen saß und KEINE gelben, sondern graue schimmernde Hinterflügel hatte war alles klar!
Peridroma saucia kannte ich bisher nur aus der Bretagne, ein kosmopolitischer Wanderfalter,von dem es aus den letzten Jahren nur einzelne Nachweise aus NRW gibt, und der hier sicher nicht überwintert.

Die Art ist allerdings im Sommer schon im Juni ins Rheinland eingeflogen, und der Falter von Willi Wiewel aus dem August könnte theoretisch schon in der Region aufgewachsen sein. Den lateinischen Namen saucia hat die „Grassteppen-Bodeneule“ vom lateinischen Adjektiv saucius verwundet, blutig, wegen der rötlichen Färbung der Vorderflügel. Das können wir hiermit nur bestätigen, hat doch das von Tim Laußmann perfekt in Szene gesetzte Tier die Färbung einer ordentlich mit Rotwein angereicherten Bratensauce.

Wie dem auch sei: Die durchgeweichten Klamotten sind wieder trocken, der Abend trotz der mit 21 Makro-Arten kurzen Liste als Erfolg verbucht. Meine Sprüchesammlung vermerkt dazu: „Ein Hobby ist harte Arbeit, die niemand täte, wenn sie sein Beruf wäre.“

Veröffentlicht 13. September 2015 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Wanderfalter

Windenschwärmer in Leichlingen – im Maisfeld!   Leave a comment

Windenschwärmer-Raupe (Agrus convolvuli). Leichlingen -Neuenkamp, 31. August 2015 (Foto: Sascha Eilmus)

Windenschwärmer-Raupe (Agrus convolvuli). Leichlingen -Neuenkamp, 31. August 2015 (Foto: Sascha Eilmus)

Manchmal liegen die Lebensräume der Schmetterlinge an Stellen die sonst eher wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen: Hier ein kurzer Beitrag von Sascha Eilmus.

entlang des sonnenseitigen Maisfeldrandes hat sich ein ausgeprägter Streifen mit Winden gebildet. Teilweise liegen die Maispflanzen wegen der Last der Winden am Boden – sieht wie in Mittelamerika aus. Da hatte ich Fraßspuren gesehen und habe dann gestern nach Einbruch der Dunkelheit mal geschaut. Weiter im Maisfeld drinnen sind aber keine Winden

Veröffentlicht 1. September 2015 von spoerkelnbruch in Lebensräume, Spinner, Wanderfalter

Wanderfalter aus Südeuropa: Helicoverpa armigera und Spodoptera exigua   3 comments

Helicoverpa armigera, Haan, Spörkelnbruch, 13. August 2015 (Foto: Armin Dahl)

Helicoverpa armigera, Haan, Spörkelnbruch, 13. August 2015 (Foto: Armin Dahl)

Spodoptera exigua, Haan, Spörkelnbruch, 13. August 2015 (Foto: Armin Dahl)

Spodoptera exigua, Haan, Spörkelnbruch, 13. August 2015 (Foto: Armin Dahl)

In den letzten Wochen sind schon zahlreiche südeuropäische Wanderfalterarten in Deutschland aufgetaucht, und da möchte man nicht immer nur anderer Leute Bilder bestaunen :).

Die Temperaturen waren wirklich unerträglich, kurz vor Mitternacht noch knapp 25°C, dazu ein kräftiger warmer Ostwind, am Himmel Wetterleuchten: Bei der Hitze und dem Gerumpel findet man sowieso keinen Schlaf, kann also genau so gut an der Lampe im Garten ein paar Falter aufschreiben. Und siehe da, kurz bevor das Gewitter so richtig loslegte, waren sie plötzlich da: Helicoverpa armigera ist eine südeuropäische Eule die ansonsten mal als Raupe im Salat den Weg über die Alpen antritt, Spodoptera exigua fliegt auch ab und zu nach Mitteleuropa ein, in 2015 gab es schon zahlreiche Nachweise an der Mosel und weiter südlich.

 

 

Veröffentlicht 14. August 2015 von spoerkelnbruch in Eulenfalter, Wanderfalter

Das Jahr der dicken Brocken   Leave a comment

2015 wird eines dieser Wanderfalter-Jahre über die wir noch eine Weile reden: Schon im April erfolgten Einflug von Distelfalter und Taubenschwänzchen, und so viele Meldungen vom Ligusterschwärmer wie in diesem Sommer hatten wir noch nicht. Aber es geht noch dicker: Aus Bedburg, immerhin in Sichtweite der Bergischen Heideterrasse, meldet ein Kollege Funde von Totenkopfschwärmer-Raupen (Acherontia atropos), die dort sich dort in einem Privatgarten entwickeln.

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Totenkopfschwärmer-Raupe und ihr glücklicher „Besitzer“. Bedburg, Juli 2015 (Foto: Rolf Thiemann)

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Totenkopfschwärmer-Raupen, Bedburg, Juli 2015 (Foto: Rolf Thiemann)

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Totenkopfschwärmer-Raupe, Bedburg, Juli 2015 (Foto: Rolf Thiemann)

Veröffentlicht 4. August 2015 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Spinner, Wanderfalter

Gutes Jahr für Wanderfalter   Leave a comment

Taubenschwänzchen und Distelfalter sind in 2015 schon sehr frühzeitig aufgetaucht, Gelblinge und Perlmuttfalter haben auch ein gutes Jahr: Nach dem Sensationsfund von Boloria selene in der Ohligser Heide sind auch etliche Kaisermäntel in der Region zu beobachten, und es geht weiter: Heute wurden im Monheimer Rheinbogen an zwei Stellen je ein Kleiner Perlmutterfalter (Issoria lathonia), ein Wandergelbling (Colias croceus) und ein Weibchen der Goldenen Acht (Colias hyale) bei der Eiablage beobachtet.

Veröffentlicht 26. Juli 2015 von spoerkelnbruch in Tagfalter, Wanderfalter

Wanderfalter: Orthonama obstipata   Leave a comment

Orthonama obstipata ♀, Haan, Spörkelnbruch, 25/26. Oktober  2014 (Foto: Armin Dahl)

Orthonama obstipata ♀, Haan, Spörkelnbruch, 25/26. Oktober 2014 (Foto: Armin Dahl)

Die Saison ist immer noch nicht gelaufen, jedenfalls findet momentan offenbar ein Einflug einer weiteren Wanderfalter-Art statt, die ich hier bei mir zuletzt 2007 ngesehen habe:

Orthonama obstipata ist in warmen Regionen fast kosmopolitisch verbreitet und kommt auch in Südeuropa vor.

Einflüge nach Mitteleuropa finden unregelmäßig im Herbst statt, die Raupe lebt an verschiedenen Kräutern, z.B. Galium, Senecio und Ampferarten.

Der abgebildete Falter war übrigens im Kühlschrank nicht ruhigzustellen und flatterte stundenlang herum, entwischte dann beim Fototermin, und wurde nach mehreren Stunden doch noch halbwegs erhalten in einer Ecke unter der Lampe wiedergefunden. Nach diesen Prozeduren lässt sich leider nicht mehr entscheiden, wieviele Flugstunden das Tier schon auf dem Buckel hatte.

Bereits einen Tag (eine Nacht!) vorher kam in Duisburg bei Willi Wiewel ein weiterer Falter ans Licht, ebenfalls ein ♀.

 

Veröffentlicht 26. Oktober 2014 von spoerkelnbruch in Arten / Listen, Spanner, Wanderfalter